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Journal of Orofacial Orthopedics

Fortschritte der Kieferorthopädie Case Report

Maximum Anchorage in Orthodontics


with the Palatal Implant
A Mid-palatal Implant Technique

Maximale Verankerung mit einem palatinalen


Implantat
Eine kieferorthopädische Verankerungstechnik im medialen Gaumen

Bhupender Chhatwani1, Bernd Schneider2

Abstract Zusammenfassung
Maximum anchorage in the maxilla can only be achieved by using Im Oberkiefer kann eine maximale Verankerung realistischerwei-
headgear worn full-time or by using an implant. As full time wear se nur durch den 24-stündigen Einsatz eines Außenbogens oder
requires considerable patient cooperation, we describe a tech- durch ein Verankerungsimplantat verwirklicht werden. Da ein sol-
nique for use of the Straumann® Ortho Implant, exemplified by a cher Headgear-Einsatz durch eine entsprechend hohe Patien-
case presentation. The cephalometric analysis at the end of ther- tenkooperation schnell an seine Grenzen stößt, wird eine ossäre
apy confirms that the upper molars did not slip forward during Verankerungstechnik mit dem Straumann® Ortho-Implantat
treatment (no anchorage loss). beschrieben. Diese Technik wird anhand eines exemplarischen
Behandlungsfalls dargestellt. Die Auswertung der Fernröntgen-
Key Words: Maximum anchorage · Orthodontic mid- seitenbilder vom Behandlungsende verdeutlicht eindrucksvoll,
palatal implant · Palate dass keine Mesialdrift der oberen Molaren, also kein Veranke-
rungsverlust, während der kieferorthopädischen Behandlung
stattgefunden hat.

Schlüsselwörter: Maximale Verankerung · Kieferortho-


pädisches palatinales Verankerungsimplantat · Gaumen

Introduction Einleitung
The absolute resistance found in a static medium, such as a Den absoluten Widerstand, wie er bei einem Stein oder
stone or a slab of concrete, is not present in alveolar bone. einer Betonplatte zu finden ist, gibt es beim Alveolarkno-
Anchorage in orthodontics is defined as the relative resis- chen nicht. Kieferorthopädische Verankerung ist definiert
tance to movement of teeth. Absolute, stationary periodon- als der relative Widerstand der Zähne gegen eine Zahn-
tal anchorage requires the use of additional aids. bewegung. Eine absolute (stationäre) desmodontale Ver-
As the roots of the teeth differ in length and morphologic ankerung ist ohne zusätzliche Hilfsmittel nicht möglich.
configuration, the amount of resistance they offer to induced Da sich die Wurzeln der verschiedenen Zähne hinsicht-
movement differs as well. The amount of periodontal liga- lich ihrer Länge und Oberfläche stark unterscheiden, ist der
ment and hence the anchorage values are influenced by the Widerstand der jeweiligen Zähne gegenüber induzierten
area of the root projected in the direction of expected move- Zahnbewegungen unterschiedlich groß. Diejenige Größe
ment. Jarabak & Fizzel [8] attribute different arbitrary an- des desmodontalen Halteapparates, die für diese natürliche
chorage values to the various teeth. They assigned the tooth Verankerung verantwortlich ist, ist definiert als jener Be-
reich, der in Richtung der zu erwartenden Zahnbewegung
liegt. Darauf basierend haben Jarabak & Fizzel [8] den ver-

1
Private Orthodontic Practice, Lüdenscheid, Germany
2
Private Orthodontic Practice, Mannheim, Germany J Orofac Orthop 2006;67:459–70
Received: June 17, 2005; accepted: September 2, 2006 DOI 10.1007/s00056-006-0526-8

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with the smallest root configuration (that of the lower first in- schiedenen Zähnen unterschiedliche Verankerungswerte
cisor) a value of 1, and the root of the mandibular molar a zugeordnet. Dabei wurde dem Zahn mit der kleinsten Wur-
value of 10. The values for all teeth are illustrated in Table 1. zelkonfiguration, dem unteren mittleren Schneidezahn, der
The work of Storey & Smith [13] demonstrates the opti- Verankerungswert 1 zugeordnet. Dagegen erhielt der untere
mal force level to be 2.10 cN/mm2 of the projected area of the erste Molar den Wert 10. Tabelle 1 gibt die Verankerungs-
root in the direction of movement. They found that the opti- werte aller Zähne wieder.
mal range of force necessary to move the canine distally In der Arbeit von Storey & Smith [13] wird die optimale
ranged between 150 and 200 cN. If the force magnitude was Kraft auf eine in Bewegungsrichtung liegende Wurzelober-
increased, the canine’s rate of distal movement fell until fläche mit 2,10 cN/mm2 angegeben. Demzufolge ist der opti-
there was absolutely no movement. They also found that male Kraftbereich, um einen Eckzahn nach distal zu bewe-
molar anchor units moved appreciably when the force value gen, 150–200 cN. Wenn nun diese Kraft erhöht wurde, nahm
approached 300 to 500 cN. das Ausmaß der Distalbewegung des Eckzahnes zunächst
Begg & Kesling [1] define this as differential forces, the ab, bis schließlich überhaupt keine Bewegung mehr statt-
premise being that the lower force levels are above the ca- fand. Molaren ließen sich am besten bei einer applizierten
nines’ threshold levels, but below that of the anchor unit, Kraft von 300–500 cN bewegen.
thus permitting distal movement of the canines. The higher Begg & Kesling [1] haben diese Erscheinungen als dif-
forces compress the canine’s periodontal ligament, thus per- ferenzierte Kräfte bezeichnet. Die dem zugrundeliegende
mitting none or very limited movement of the canine, but, Vorstellung ist, dass die unteren Kraftbereiche zwar über
being within the physiologic range of the posterior unit, they dem Grenzwert zur Eckzahnbewegung, aber unter jenem
permit these teeth to move mesially (= loss of anchorage). zur Bewegung der Verankerungseinheiten, der Molaren, lie-
Bennet & McLaughlin [3] suggest a force magnitude of gen. Höhere Kräfte hingegen komprimieren das Desmodont
as little as 100–150 cN for the “en masse” retraction of the der Eckzähne so stark, dass es nur noch zu einer sehr gerin-
anterior segment without causing any appreciable move- gen oder zu gar keiner Bewegung der Eckzähne nach distal
ment of the molar anchor unit. kommt. Diese höheren Kräfte liegen aber im physiolo-
Anchorage values can be combined in various multiples, gischen Bereich der Molaren (Verankerungseinheiten). Sie
thus permitting the creation of different biologic units of re- bewegen sich somit nach mesial, was einem Verankerungs-
sistance [6] to facilitate extensive movements of certain teeth verlust gleichkommt.
while the anchor units move very little. However, the an- Bennet & McLaughlin [3] haben für die „En-masse“-
chorage units will always slip to a small degree, i.e. there will Retraktion des Frontzahnsegmentes ohne Gefahr des
always be some loss of anchorage. Verankerungsverlustes im Molarenbereich eine Kraft von
In cases where the anchorage situation is critical to se- 100–150 cN vorgeschlagen.
verely critical [9], it is desirable that the anchor units do not Durch die verschiedenartigsten Kombinationen der
move. Full-time headgear wear may be one of the choices. Verankerungswerte können somit differenzierte biologische
However, the co-operation of the patient is critical to the Verankerungseinheiten geschaffen werden [6], die ausge-
success of treatment with headgear. dehnte Bewegungen bestimmter Zähne bei nur äußerst ge-
With the advent of implant technology in dentistry, the ringem Verankerungsverlust ermöglichen. Es ist jedoch eine
use of micro-implants as anchor units has been advocated, Tatsache, dass sich die Verankerungseinheiten immer etwas
especially in the mandible. The efficacy of the micro-im- bewegen, d.h. es kommt zu einem Verankerungsverlust.
plants in the maxilla is limited due to 1) the proximity of In Fällen mit schwieriger bzw. sehr schwieriger Veranke-
rungssituation [9], ist es wünschenswert, dass sich die Veranke-
Table 1. Anchorage values for permanent dentition (according to Jarabak rungseinheiten nicht bewegen. Der 24-stündige Einsatz eines
& Fizzel [8]). Außenbogens wäre eine denkbare Möglichkeit. Dem Erfolg
Tabelle 1. Verankerungswerte bleibender Zähne (nach Jarabak & Fizzel sind aber in diesem Fall durch die unsichere und oft nicht aus-
[8]). reichende Patientenkooperation enge Grenzen gesetzt.
Mit der Einführung der Implantattechnologie in die
Maxillary Anchorage Mandibular Anchorage Zahnmedizin wurde der Gebrauch von Mikroimplantaten,
values values vor allem im Unterkiefer, befürwortet. Die Effektivität von
Mikroimplantaten im Oberkiefer ist jedoch begrenzt durch
Central incisor 4–5 Central incisor 1
Lateral incisor 2–3 Lateral incisor 2 1) die Nähe zum Sinus maxillaris, 2) die Gefahr der Wurzel-
Canine 8–9 Canine 7–8 schädigung durch die Mikroimplantate und 3) die problema-
1st premolar 6–7 1st premolar 5–6 tische Hygienefähigkeit des Implantatgebietes, wenn diese
2nd premolar 5–6 2nd premolar 5–6 für den Patienten schwer erreichbar sind, was zu Entzün-
1st molar 9–10 1st molar 10
dungen und in deren Folge zu einem „Verschwinden“ des
2nd molar 8–9 2nd molar 8–9
Implantates in der Mukosa führen kann.

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teeth to the maxillary sinuses, 2) the possibility of damaging Kanomi [10] fordert, dass das chirurgische Vorgehen
the roots of those teeth with micro-implants, and 3) implant zum Einsatz von kieferorthopädischen Verankerungsim-
placement in areas the patient finds difficult to access and plantaten einerseits so einfach sein sollte, dass Kieferortho-
clean, resulting in inflammation and submergence of the päden und Zahnärzte diese ohne weiteres durchführen kön-
implant into mucosal tissue. nen; andererseits sollten die Verankerungsimplantate klein
Kanomi [10] states that in cases of implants for orth- genug sein, um eine schnelle Heilung zu ermöglichen. Au-
odontic anchorage, the surgical procedure should be easy ßerdem sollte die Entfernung des Implantates nach der kie-
enough for an orthodontist or general dentist to perform and ferorthopädischen Behandlung einfach sein.
minor enough for rapid healing. Furthermore, the implant Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist, die Verankerungs-
should be easy to remove once orthodontic traction is com- technik mit einem Gaumenimplantat anhand eines Fallbei-
pleted. spiels darzustellen.
On the basis of a case study, we describe herein an im-
plant technique providing absolute anchorage in the maxilla Ortho-Implantat
using a palatal implant. Anwendungsmöglichkeiten
Das Ortho-Implantat (Straumann®, Basel, Schweiz) ist ein
Ortho Implant selbstschneidendes Schraubenimplantat mit einer SLA-
Treatment Modalities Oberfläche (SLA – Sandblasted, Largegrit and Acid-etched),
The Ortho Implant (Straumann®, Basel, Switzerland) is a die durch Sandstrahlung und Säureätzung erreicht wird. Der
titanium screw implant featuring a self-tapping thread. It Durchmesser der Implantate beträgt 3,3 mm, es sind zwei
has an SLA (Sandblasted, Largegrit and Acid-etched) sur- Längen, 4 mm und 6 mm, erhältlich [15]. Ein Transpalatinal-
face achieved by sandblasting and etching. The implants bogen (Implantat-TPA = ITPA) verbindet das Implantat mit
have a diameter of 3.3 mm and are available in lengths of den zu verankernden Zähnen und sorgt so für eine maximale
4 mm and 6 mm [15]. A transpalatal arch (Implant TPA = Verankerungssituation. Der ITPA kann mit den ersten Mo-
ITPA), extending from the implant to the anchor teeth, laren verbunden werden, um so die klassische Verankerung
provides the necessary anchorage for orthodontic move- für die Retraktion des Frontsegmentes zu schaffen. Dadurch
ment of the teeth. The ITPA can be attached to the first wird der Einsatz eines Außenbogens überflüssig. Die Mög-
molars to provide the classic form of anchorage for retrac- lichkeiten des Ortho-Implantates gehen jedoch weit darüber
tion of the anterior segment, making headgear use unneces- hinaus, da es universelle Einsatzmöglichkeiten bietet. In Fäl-
sary. The Ortho Implant is a versatile anchorage device. len, in denen ein Lückenschluss durch Mesialisierung der
For example, in cases where anterior spaces are to be Seitenzahngebiete indiziert ist, wie zum Beispiel bei Nicht-
closed by mesial movement of the posterior segments (as in anlage oberer seitlicher Schneidezähne, kann der ITPA mit
cases of missing lateral incisors), the ITPA can be bonded den Palatinalflächen der mittleren oberen Schneidezähne
to the palatal surface of the central incisors, providing ante- verbunden werden, um so eine anteriore Verankerung zu
rior anchorage and preventing the incisors from slipping präparieren, die verhindert, dass die mittleren Schneide-
into crossbite. The Ortho Implant is designed for tempo- zähne in einen frontalen Kreuzbiss geraten. Das Ortho-Im-
rary insertion and is extracted after it has served its func- plantat ist als ein temporäres Implantat konzipiert und wird
tion as an anchor. nach Abschluss der Verankerungsfunktion einfach entfernt.
Comprehensive orthodontic diagnosis and treatment Eine fundierte kieferorthopädische Diagnose und Be-
planning, as well as implantologic evaluation [16] and pre- handlungsplanung sowie eine sorgfältige präoperative Ana-
operative diagnosis, must precede implant insertion. lyse der Implantatpositionierung und des vertikalen Kno-
chenangebots [16] sind wichtige Voraussetzungen für den
Technique Behandlungserfolg.
Implantation
Both the greater palatine nerves and incisal nerve are anes- Technik
thetized using a local anesthetic. The palatal mucosa is per- Implantation
forated up to the cortical bone with a specially designed Es erfolgt zunächst die Lokalanästhesie beider Nervi palati-
mucosa trephine and removed with an elevator or a curette. nae majores und des Nervus incisivus. Im Anschluss daran
The implant site’s cortical bone is indented with a round wird ein kreisförmiger Mukosabereich mit einer sogenann-
bur to prevent the profile drill from slipping. The Ortho ten Mukosastanze bis zum kortikalen Knochen perforiert.
profile drill is directed cranio-ventrally (Figure 1) at a max- Das Mukosastück wird mit einem Elevator oder einer Kü-
imum speed of 750 rpm. Cooling is provided by irrigation rette entfernt. Die Mitte des freigelegten kortikalen Kno-
with cold (5 °C) physiological saline. A stop on the drill chens wird mit einem Rosenbohrer markiert, um dem Im-
prevents over-drilling in the bed beyond the required plantatbohrer eine Führung zu geben und ein Abrutschen zu
depth. To keep the implant sterile, it is delivered from the Beginn des Bohrvorganges zu verhindern. Der Ortho-Profil-

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Figure 1. Implant site preparation. Figure 2. Implant insertion. Figure 3. Implant with healing cap.
Abbildung 1. Präparation des Implantatbettes. Abbildung 2. Implantatinsertion. Abbildung 3. Implantat mit Einheilkappe.

manufacturer in an inner ampoule placed in an outer am- bohrer wird in kranio-ventraler Richtung ausgerichtet (Ab-
poule. bildung 1). Der Bohrvorgang erfolgt mit einer maximalen
The Ortho Implant inserting device, to which dental Geschwindigkeit von 750 U/min mit gekühlter (5 °C) physio-
floss has been ligated to prevent aspiration of the device, is logischer Kochsalzlösung. Eine Markierung auf dem Profil-
used to withdraw the implant from the inner ampoule. Being bohrer verhindert die Schaffung eines zu tiefen Implantat-
self-tapping, the Ortho Implant is screwed into the pre- bettes. Um die Sterilität des Implantates zu gewährleisten,
drilled bed as far as possible by hand (Figure 2). A special wird es vom Hersteller in einer Ampulle geliefert, in der das
ratchet with torquing key is then used to put the implant into Implantat in einer zweiten, inneren Ampulle befestigt ist.
its final position. Once in final position, a maximum torquing Die Entnahme des Ortho-Implantates aus der Ampulle
force of 15 Ncm should not be exceeded. The implant is cov- wird mit dem Eindrehwerkzeug, das zuvor mit Zahnseide
ered with the Ortho healing cap to prevent the inner screw gegen Aspiration gesichert wurde, vollzogen. Das selbst-
well in the implant from clogging up and from being covered schneidende Ortho-Implantat wird so weit wie möglich ma-
by hyperplastic mucosal tissue. An SCS-occlusal screw is nuell eingeschraubt (Abbildung 2). Mit einem speziellen
picked up with a sleeved Ortho screwdriver. The retaining Drehmomentschlüssel erfolgt dann das weitere Einschrau-
sleeve is pushed forward and the Ortho healing cap is grasped ben bis in die endgültige Position. Ein maximales Drehmo-
with it. The Ortho healing cap and SCS-occlusal screw as- ment von 15 Ncm sollte dabei nicht überschritten werden.
sembly is then screwed into the implant well. The patient is Um das Innengewinde des Implantates vor Verschmutzung
released after being instructed in the care of the implant zu schützen und zu verhindern, dass gingivales Gewebe den
(Figure 3). After insertion, the Ortho Implant is allowed to Implantatrand bedeckt, wird schließlich eine Ortho-Einheil-
heal in situ for 12 weeks, during which it should not be load- kappe mit einer SCS-Okklusalschraube auf das Implantat
ed. geschraubt. Am Schluss des Eingriffs wird der Patient über
die notwendige Implantathygiene aufgeklärt (Abbildung 3).
Procedure for Transpalatal Arch Fabrication and Während eines Einheilzeitraumes von 12 Wochen nach dem
Insertion Einsetzen des Implantates sollte keine Belastung erfolgen.
At the end of the healing period, the healing cap is re-
moved and replaced with the plastic Ortho impression cap. Prozess der transpalatinalen Bogenanfertigung und
The impression cap has an octagonal internal well that fits Insertion
snugly on the Ortho implant’s octagonal head. An impres- Nach dem Abschluss der Einheilphase wird die Einheil-
sion of the maxilla is made with alginate. It is very impor- kappe entfernt und eine Ortho-Abdruckkappe auf das Im-
tant that the alginate cover the impression cap completely, plantat gesetzt. Die Abdruckkappe hat eine innere achte-
so that on removal of the impression from the mouth, the ckige Basis, die ein sicheres Aufsetzen auf den achteckigen
impression cap is retained in the impression. The healing Implantatkopf ermöglicht. Bei dem nun folgenden Ab-
cap is placed back on the implant and the patient released. druck ist es besonders wichtig, dass das Alginat die Ab-
A laboratory Ortho-analog with an octagonal head is druckkappe vollständig umschließt, damit diese beim Ent-
placed in the impression cap to snugly fit in the Ortho post- fernen des Abdrucklöffels im Abdruck fest retiniert bleibt.
cap’s internal octagonal well (Figure 4). A plaster cast is Nach der Abdrucknahme wird die Einheilkappe wieder
then made, transferring the Ortho-analog to the cast. The fest auf das Implantat geschraubt. Ein Laborimplantat wird
Ortho-analog is made of steel and has exactly the same nun in die achteckige Öffnung der Abdruckkappe einge-
upper structure and dimensions as the Ortho Implant. Both setzt (Abbildung 4). Im anschließend hergestellten Gips-
fit snugly in the internal octagonal well of the impression modell hat das Laborimplantat exakt die gleiche Position

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Figure 4. Laboratory Ortho-analog embedded


in the impression.
Abbildung 4. Laborimplantat im Abdruck
fixiert.

Figure 5. Implant and transpalatal arch (TPA)


attached to teeth 16 und 26 for maximum
anchorage.
Abbildung 5. Maximale Verankerung von 16
und 26.

cap. Thus the Ortho-analog has exactly the same orienta- und Orientierung wie das Originalimplantat im Mund des
tion as the implant. A steel Ortho post-cap with an internal Patienten. Eine Aufbaukappe aus Stahl mit einem inneren
octagonal head is then placed on the analog head and achteckigen Querschnitt wird nun auf den Kopf des Labo-
screwed in place with an SCS occlusal screw. The TPA is rimplantats mit einer SCS-Okklusalschraube fest ver-
made out of a rectangular wire measuring 1.2 mm × 1.2 mm schraubt. Der TPA wird aus einem rechteckigen Draht mit
[14]. The middle of the ITPA is made to fit around the steel einem Querschnitt von 1,2 mm × 1,2 mm angefertigt [14].
Ortho post-cap, while the free ends of the ITPA are bent to Die Mitte des ITPA wird der Rundung der Aufbaukappe
lie in contact with the surface to which the ITPA will later angepasst, während die Enden so gebogen werden, dass sie
be bonded. Using fixing wax on the free ends to hold the die Zahnoberflächen bzw. Bandoberflächen erreichen, an
ITPA in place, the ITPA is laser-welded to the steel Ortho die der ITPA später geklebt wird. Der ITPA wird an den
post-cap. The free ends are sandblasted to roughen the wire äußeren Enden mit Klebewachs fixiert, die Mitte wird an
surface for better bonding. To insert the ITPA, the healing die Aufbaukappe lasergeschweißt. Die freien Enden wer-
cap is removed. If the ITPA is to be attached to orthodon- den zur Erhöhung der Haftfestigkeit beim Kleben sandge-
tic bands, their palatal surfaces are sandblasted. The ITPA strahlt. Zum Einsetzen des ITPA wird die Einheilkappe
with the steel Ortho post-cap is placed on the implant. Due entfernt. Soll der ITPA an kieferorthopädischen Bändern
to the octagonal well and head system acting like a lock and befestigt werden, werden die palatinalen Flächen der Bän-
key, the ITPA generally fits very tightly onto the implant der sandgestrahlt. Der ITPA mit der angeschweißten Auf-
and teeth. Any necessary fine corrections are made to the baukappe wird auf das Implantat gesetzt. Aufgrund des
free ends of the ITPA, so that the free ends and tooth sur- achteckigen Passungssystems der einzelnen Komponenten
faces show a good fit. The ITPA is locked in place on the besteht generell eine hohe Passgenauigkeit des ITPA zu
implant with the SCS occlusal screw. The ITPA is then den zu klebenden Zahn- bzw. Bandoberflächen. Kleinere
bonded to the bands using a light-cure composite such as Korrekturen der Enden des ITPA zur Optimierung der
Ultra-Band-Lok (Reliance Orthodontic Products, Itasca, Kontaktflächen können jedoch jederzeit vorgenommen
IL, USA). This procedure permits the ITPA to be bonded werden. Schließlich wird der ITPA mit einer SCS-Okklu-
to the teeth without any unwanted stresses and tensions salschraube fixiert. Die Enden des ITPA werden dann mit
being introduced in the system. Conversely, the ITPA can den kieferorthopädischen Bändern mit einem lichthär-
also be directly bonded to the palatal surface of the teeth. tenden Kompositmaterial wie z.B. Ultra-Band-Lok (Re-
The occlusion should be checked for interferences from the liance Orthodontic Products, Itasca, IL, USA) verbunden.
bonding materials and/or the ITPA. Orthodontic treatment Die oben beschriebene Vorgehensweise bei der Insertion
can then proceed with maximum anchorage of the anchor und Verbindung des ITPA hat den Vorteil, dass keinerlei
teeth having been established (Figure 5). unerwünschte Kräfte und Spannungen in das System ge-
bracht werden. Es ist auch möglich, den ITPA direkt an pa-
Case Report (Figures 6a to 6i) latinale Zahnflächen zu kleben. Die Okklusion sollte in
Case Analysis jedem Fall auf störende Kontakte durch das Kompositma-
At the initial exam the patient was 11 years and 4 months of terial oder den ITPA selbst überprüft werden. Nachdem
age. He had a Class II, Division 1 malocclusion, the distoclu- eine maximale Verankerung an den Verankerungszähnen
sion being ¾ the width of a premolar. The overjet was 5.5 etabliert wurde, kann die weitere kieferorthopädische Be-
mm and overbite 7 mm. The lower anteriors were crowded handlung erfolgen (Abbildung 5).
and canine space was reduced substantially, so that teeth 13,
23 and 33 were blocked out to erupt in labioversion. Cepha- Fallbeispiel (Abbildungen 6a bis 6i)
lometric analysis showed this to be a skeletal Class II with a Ausgangsbefund
forward displaced maxilla, evident by the convexity value of Zum Zeitpunkt der ersten Befunderhebung war der Patient
point A of +7 mm (norm value: +1 ± 2 mm after correction 11 Jahre und 4 Monate alt. Es handelte sich um eine Klasse-

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Figures 6a to 6c. Baseline extra-oral photographs. a) frontal view; b) patient’s smile; c) profile view.
Abbildungen 6a bis 6c. a) Extraoral, frontal, entspannt; b) Extraoral, frontal, lächelnd; c) Extraoral, lateral, entspannt.

Figures 6d to 6g. Baseline intra-oral photographs showing the initial malocclusion. Teeth 13, 23 and 33 are in ectopic labial position.
Abbildungen 6d bis 6g. Intraoraler Anfangsbefund mit Außenstand von 13, 23 und 33.

for patient age) [11]. The mandible was also too far forward, II/1-Dysgnathie mit einer dentalen Klasse II, ¾ Prämola-
as evinced by a facial depth angle of 92° (norm value: 87° ± renbreite. Der Overjet betrug 5,5 mm, der Overbite 7 mm.
3°) [11]. Photographic evaluation showed his face to be rea- Die Bogenlängendiskrepanz im Oberkiefer wurde mit
sonably symmetric. His lips were well-formed and the mouth –6 mm und im Unterkiefer mit –7 mm berechnet. Es be-
well-proportioned. In profile the subnasal point was too far stand ein Frontengstand im Unterkiefer. Durch das Platz-
forward and the nasolabial angle was on the larger side. defizit bedingt, befanden sich die Zähne 13, 23 and 33 im
Außenstand. Die kephalometrische Analyse ergab eine
Treatment Plan skelettale Klasse II bei einer anterior positionierten Maxilla
Due to a space deficiency of 7 mm in the lower and 6 mm in (Konvexität des A-Punktes +7 mm; Normwert +1 ± 2 mm
the upper arch, we decided to extract the first bicuspids in nach Korrektur entsprechend dem Patientenalter) [11]. Der
the upper and lower arches. Considering that our point of Unterkiefer war mit einem Fazialebenenwinkel von 92°
departure was a skeletal Class II, ¾-premolar-width situa- (klinischer Richtwert 87° ± 3°) [11] ebenfalls anterior ein-
tion, it would only be possible to achieve functional occlu- gebettet. Die Auswertung der extraoralen Aufnahmen
sion guided by the canines by ensuring maximum anchorage zeigt ein symmetrisches Gesicht bei einem relativ guten

Figures 6h and 6i. Initial baseline radiographs. h) panoramic X-ray; i) initial


lateral cephalogram.
Abbildungen 6h und 6i. h) OPG, Anfangsbefund; i) Fernröntgenseitenbild
(FRS), Anfangsbefund.

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of the upper molars. The patient was offered a choice of


full-time headgear wear or the use of the Ortho implant as
the means of maximum anchorage. Despite the fact that we
were dealing with a young and still-growing patient, and as
we have never witnessed any hindrance to growth with an
Ortho implant in position, we decided to insert the implant
in the mid-palatal plane sagittally at the level of the first
upper premolars. An advantage of this method is that the
implant is inserted in cortical bone, greatly enhancing the
implant’s primary stability. As radiologic evaluation showed
that there was a substantial amount of space between the
palatal surface and the nasopalatine nerve, we decided to
use an Ortho implant of 6 mm length, since there was no
risk of injury to the incisal nerve. Figure 7a. Detail of a lateral cephalogram showing the implant and
TPA.
Course of Treatment (Figures 7a to 7m) Abbildung 7a. Ausschnitt des Implantats im FRS.
The patient opted for the implant for anchorage, and treat-
ment began in the first week of June 2002 with insertion of Lippenbild. Die Oberlippe erscheint verkürzt, im Profil be-
the fixed appliances (Roth prescription; 0.022" slot) and findet sich das Subnasale zu weit anterior. Der Nasiolabial-
straight wire arches. The upper anteriors were not bonded winkel war vergrößert.
at that time. The Ortho implant (diameter: 3.3 mm, length:
6 mm) was inserted. A normal TPA was inserted in the lin- Behandlungsplan
gual tubes of the first upper molars, as were two sectional Aufgrund der Platzdefizite von 7 mm im Unter- und 6 mm
nickel-titanium 0.018" × 0.018" archwires inserted in the im Oberkiefer wurde die Extraktion aller ersten Prämolaren
upper arch to de-rotate, level and align the premolars and geplant. Die Einstellung einer fronteckzahngeführten, funk-
molars prior to insertion of the heavy wire ITPA, as that tionellen Okklusion konnte bei einer Ausgangssituation von
procedure would “fix” the molars. Treatment was initiated einer dentalen Klasse II, ¾ Prämolarenbreite nur bei einer
in the lower arch with a 0.014" nickel-titanium archwire maximalen Verankerung der oberen Molaren ermöglicht
after extraction of the lower first premolars. werden. Hierfür bestanden zwei Behandlungsalternativen
The ITPA was inserted in the second week of August für den Patienten: kontinuierlicher Einsatz eines Außenbo-
2002. The upper first bicuspids were extracted, the upper an- gens oder der Einsatz eines Ortho-Implantates. Da wir bei
teriors bonded, and levelling of the anteriors in the upper jungen Patienten noch nie eine Beeinträchtigung des
arch begun using a 0.014" nickel-titanium archwire. Wachstums durch die Insertion eines Ortho-Implantats be-
The ITPA was extracted in the 3rd week of April 2004. obachtet haben, wurde auch in diesem Fall entschieden, das
The fixed appliances were debonded in the last week of July Implantat in der Mitte des Gaumens in der Höhe der ersten
2004 after detailing and finishing had been completed. A Prämolaren zu setzen. Der Vorteil bei dieser Methode ist
gnathologic positioner was inserted to “fine-tune” the occlu- die sehr gute Primärstabilität durch die Insertion im korti-
sion for another 6 months. The total active treatment time kalen Knochen. Die implantologische Analyse des Fern-
was 25 ½ months with fixed appliances. röntgenseitenbildes zeigt einen großen Abstand zwischen
Unfortunately, we observed that small spaces had Gaumendach und dem Kanal des Nervus nasopalatinus. Da
opened up distal to the upper canines and centrally between somit kein Risiko für eine Schädigung dieses Nervs bestand,
the upper incisors at the end of treatment (Figures 8a to 8h). wurde eine Implantatlänge von 6 mm ausgewählt.

Figures 7b to 7e. Initiation of treatment: Straight-wire arches (SWA), extraction of lower first premolars and a normal TPA to derotate and torque upper
molars.
Abbildungen 7b bis 7e. Behandlungsbeginn: Straight-Wire-Apparatur (SWA), Extraktion der ersten unteren Prämolaren, TPA.

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Chhatwani B, Schneider B. Maximum Anchorage

Figures 7f to 7i. Extraction of the upper first premolars. The normal TPA has been replaced by an Implant-TPA.
Abbildungen 7f bis 7i. Extraktion der ersten oberen Prämolaren, Implantat-TPA.

Figures 7j to 7m. Typical sliding mechanics for the “en masse” retraction of the anterior teeth using nickel-titanium springs. Followed by the finishing
phase.
Abbildungen 7j bis 7m. Typische „En-masse“-Retraktion mit „sliding mechanics“ und Nickel-Titan-Federn, Finishingphase.

During treatment planning, a Bolton discrepancy [4, 5] had Behandlungsverlauf (Abbildungen 7a bis 7m)
been overlooked in the upper and lower arches of 94.40% Der Patient entschied sich für das Verankerungsimplantat,
from molar to molar and of 80.94% from canine to canine. und die Behandlung wurde im Juni 2002, mit Ausnahme der
The gap formation could have been prevented via a 2.5 mm- Oberkieferfront, mit dem Einsatz einer Straight-Wire-Appa-
reduction in enamel in the lower arch, a procedure that was, ratur (Roth-setup, 0.022" Slot) begonnen. Gleichzeitig wurde
however, rejected by the patient and his parents. ein Ortho-Implantat (Durchmesser 3,3 mm, Länge 6 mm)
Nonetheless, the patient and his parents are very satis- eingesetzt. Zwischen den ersten oberen Molaren wurde ein
fied with the treatment results, and in retrospect the patient herkömmlicher TPA platziert und zwei 0.018" × 0.018" Ni-
is very pleased that he elected to undergo treatment with the ckel-Titan-Teilbögen jeweils vom zweiten Molaren bis zum
Ortho implant as means of anchorage instead of with head- zweiten Prämolaren eingesetzt. Diese Maßnahmen dienten
gear. dazu, die Molaren und Prämolaren vor dem Einsatz des

Figures 8a to 8e. July 2004: End of fixed appli-


ance therapy. Class I-occlusion with well-aligned
arches.
Abbildungen 8a bis 8e. Juli 2004: Behandlungs-
ende Multibandbehandlung, Klasse-I-Okklusion,
harmonische Zahnbögen.

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Chhatwani B, Schneider B. Maximale Verankerung

Figures 8f to 8h. Facial photographs at end of fixed appliance therapy.


Abbildungen 8f bis 8h. Gesichtsästhetik am Ende der Multibandbehandlung.

Cephalometric Analysis (Figures 9a to 9c) „starren“ ITPAs zu nivellieren, derotieren und auszuformen.
We chose to use the Ricketts analysis, as it permits the cre- Nachdem die unteren ersten Prämolaren extrahiert waren,
ation of a VTO (visual treatment objective) [12], which in wurde die Behandlung im Unterkiefer mit einem 0.014"-Ni-
turn allows one to design treatment mechanics based upon ckel-Titanbogen begonnen.
the various superimpositions [11]. Furthermore, the Rick- Der ITPA wurde in der zweiten Augustwoche 2002 ein-
etts analysis makes it possible to compare the initial, prog- gesetzt. Anschließend wurden die oberen ersten Prämolaren
ress, and end of treatment results with the baseline super- extrahiert, die Zähne 13 bis 23 mit Brackets versehen, und es
impositions. wurde mit der Nivellierung der oberen Front mit einem
At the end of appliance therapy, the goals of an Angle 0.014"-Nickel-Titanbogen begonnen. Der ITPA wurde in der
Class I occlusion of the molars and the canines in a mutually dritten Aprilwoche 2004 wieder entfernt. Nachdem die okklu-
protected functional occlusion were achieved. At the same sale Feineinstellung Ende Juli 2004 abgeschlossen war, wurde
time we were able to achieve the VTO goal of maximum an- die feste Behandlungsapparatur entfernt und eine Front-Eck-
chorage of the upper molars. zahn-geführte, funktionelle Okklusion mit einem gnatholo-
Superimposing the pre-, the VTO and post-treatment gischen Positioner über weitere 6 Monate eingestellt. Die ak-
Basion-Nasion lines upon one another, one notes that the tive Behandlungszeit mit der festsitzenden Apparatur betrug
chin and the upper molars have moved by the same magni- somit 25½ Monate.
tude and in the same direction. This clearly indicates the fact Am Behandlungsende (Abbildungen 8a bis 8h) persis-
that the implant did not hinder growth in any manner. The tierten unglücklicherweise kleinere Lücken distal der obe-

Figure 9a. Superimposition of pre- and post- Figure 9b. Superimposition of pre- and post-treat- Figure 9c. Superimposition of pre- and post-
treatment cephalometric tracings on the Basion- ment cephalometric tracings on the palatal plane treatment cephalometric tracings on the Basion-
Nasion line in Nasion. in ANS. Nasion line in CC.
Abbildung 9a. Überlagerungen der FRS-Durchzeich- Abbildung 9b. Überlagerungen der FRS-Durchzeich- Abbildung 9c. Überlagerungen der FRS-Durchzeich-
nungen auf der Basion-Nasion-Linie in Nasion. nungen auf der Palatinalebene in ANS. nungen auf der Basion-Nasion-Linie in CC.

J Orofac Orthop 2006 · No. 6 © Urban & Vogel 467


Chhatwani B, Schneider B. Maximum Anchorage

ren Eckzähne und zwischen den oberen mittleren Schneide-


zähnen. Der Ausgangsbefund zeigt ein prozentuales Ver-
hältnis der mesio-distalen Zahnbreiten [4, 5] zwischen dem
oberen und unteren Zahnbogen von 94,40% von Molar zu
Molar und von 80,94% von Eckzahn zu Eckzahn. Durch eine
approximale Schmelzreduktion von 2,5 mm im Unterkiefer
hätte die Lückenbildung verhindert werden können. Sie war
jedoch von den Eltern abgelehnt worden.
Trotzdem waren sowohl der Patient selbst als auch seine
Eltern mit dem Behandlungsergebnis sehr zufrieden, und
retrospektiv ist der Patient glücklich mit der Entscheidung
zugunsten des Ortho-Implantats.

Fernröntgenseitenbilder-Analyse (Abbildungen 9a bis 9c)


Figure 10. Healing of the implant removal site; 1 day postoperative. Die Ricketts-Analyse wurde gewählt, weil sie die Anferti-
Abbildung 10. Wundzustand 1 Tag postoperativ. gung eines VTO (visual treatment objective) ermöglicht
[12] und somit die Voraussetzung schafft, die Behandlungs-
mechanik anhand der verschiedenen Überlagerungen
relation of the upper molar to the facial axis also demon- genau zu planen [11]. Darüber hinaus ist mit den Überlage-
strates that the molar anchorage did not slip. rungen der Ricketts-Analyse ein direkter Vergleich der
Superimposition of the Basion-Nasion line in Nasion re- Ausgangssituation mit dem Behandlungsverlauf und dem
veals that the maxilla likewise grew vertically downwards, Behandlungsergebnis möglich.
i.e. the molar moved vertically downward to the same degree Am Ende der Behandlung konnte unter Einhaltung des
as the palatal plane. This is further proof that the palatal im- VTO-Behandlungszieles einer maximalen Verankerung der
plant did not affect the maxillar growth. At the same time, oberen Molaren eine funktionelle Okklusion erreicht wer-
Point A was retracted by a substantial margin. den.
Superimposition of the palatal planes illustrates the Bei der Überlagerung des Ausgangsbefundes, des VTO
maximum anchorage of the upper molars. und des Endbefundes in Basion-Nasion wird deutlich, dass
sich das Kinn und die oberen Molaren in der gleichen Rich-
Discussion tung und um den gleichen Betrag bewegt haben. Daraus
Implant Removal kann man schlussfolgern, dass das Implantat in keiner Weise
The ITPA is removed once orthodontic treatment has das natürliche Wachstum behindert hat. Die Beziehung der
reached a point where there is no further need for anchor- oberen Molaren zur Fazialachse ist wiederum ein Indikator
age and the anchor teeth are to be incorporated in the final für stabile stationäre Molarenverankerung.
finishing and aligning of the arch. At this time, the implant Die Überlagerung von Basion-Nasion in Nasion zeigt
can be covered with the healing cap for later removal, or it das nach unten gerichtete Wachstum der Maxilla; die Mo-
can be explanted immediately. laren haben sich um den gleichen Betrag wie die Palatinal-
Once again both the greater palatine nerves and the in- ebene nach unten bewegt. Das ist ein weiterer Beweis dafür,
cisal nerve are anesthetized using a local anesthetic. An Or- dass das Implantat das Wachstum der Maxilla nicht beein-
tho guiding cylinder is screwed onto the implant. flusst. Gleichzeitig kam es zu einer Retraktion des A-Punktes
A specially-designed explantation drill is used to sepa- um einen erheblichen Betrag.
rate the implant from the bone. The Ortho explantation drill Die Überlagerung der Palatinalebenen zeigt die maxi-
has two markings which correspond to the length of the en- male Verankerung der Molaren.
dosseous implants.
With the drill speed set at 400 rpm, the explantation drill Diskussion
glides down around the guiding cylinder, penetrating the Explantation
mucosa up to the level of the bone. Remnants of soft tissue Wenn während der kieferorthopädischen Behandlung
are rinsed away. The drill speed can then be increased to 700 keine maximale Verankerung mehr benötigt wird und die
rpm and drilling continued until the marking on the drill Verankerungszähne in die Phase der okklusalen Feinein-
reaches the level of the mucosa. During drilling, the explan- stellung integriert werden sollen, wird der ITPA entfernt.
tation drill is cooled with cold physiologic saline or Ringer´s Zu diesem Zeitpunkt kann das Implantat bis zur späteren
solution. The implant is then grasped with extraction forceps Entfernung wieder mit der Einheilkappe versehen werden
and removed with a gentle rotational movement. oder die Explantation kann sofort erfolgen.

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Chhatwani B, Schneider B. Maximale Verankerung

There is no postoperative need for flap operations or


suturing. The wound is often found almost completely closed
when examined the day following explantation (Figure 10).

Risks and Complications


There is a general risk of infection associated with every
surgical procedure that cannot be ruled out. It can, how-
ever, be kept to a minimum with good aseptic techniques.
Due to the proximity of the implant to the nasal floor, nei-
ther perforation of the nasal floor nor damage to the incisal
nerve can be completely ruled out. However, this can be avoid-
ed by conscientious implantologic evaluation of the patient.
There is, however, an increased risk of loosening and
loss of implant. We have noted a loss of implants in 18 cases
so far, amounting to 10% of the patients in whom we have Figure 11. Cover splint.
inserted the Ortho implant, although there have been re- Abbildung 11. Schutzplatte.
ports of losses as high as 50% [7]. As the implant is in an area
where the tongue can touch it, and since the height of the
implant and healing cap offer an area of resistance, the pa- Die Lokalanästhesie erfolgt in gleicher Weise wie bei
tient often “plays” with the implant. A fitted acrylic palatal der Insertion des Implantates beschrieben. Zunächst wird
plate, applied immediately after implantation and worn for 6 ein Ortho-Führungszylinder auf das Implantat geschraubt.
weeks, will help in avoiding implant loss (Figure 11). Um das Implantat vom Knochen zu trennen, wird ein
Although theoretically possible, we have not observed spezieller Explantationsbohrer benutzt. Der Explantations-
any migration of the implants that would compromise the bohrer hat zwei Markierungen, die mit der von Knochen be-
maximum anchorage. deckten Länge des Implantates korrespondieren.
Mit 400 Upm gleitet der Explantationsbohrer über den
Pros & Cons Führungszylinder und durchbricht die Schleimhaut bis zum
The Ortho implant is very easy to insert and remove. There is Knochenniveau. Reste des Weichgewebes werden mit dem
no risk to roots or other sensitive anatomic parts. The implant Spray entfernt. Mit 700 Upm wird der Bohrvorgang fortge-
is inserted in a self-cleansing and easily accessible area in the setzt, bis die Markierung des Explantationsbohrers das Ni-
mouth. Thus mucosal inflammatory reactions are seldom if veau der Schleimhaut erreicht. Während der Explantation
ever observed. As far as anchorage is concerned, the cooper- erfolgt die externe Kühlung des Bohrers mit gekühlter phy-
ation required of the patient is reduced to a minimum. The siologischer Kochsalzlösung oder Ringerlösung. Das Implan-
patient is not hampered in any way esthetically or function- tat kann nun mit einer Prämolarenextraktionszange erfasst
ally. Nor have we observed any intramaxillary implant drift und mit leichten Rotationsbewegungen entfernt werden.
with accompanying loss of anchorage. And lastly, there is ab- Eine Wundabdeckung oder Naht ist postoperativ nicht
solutely no need to change one’s usual orthodontic mechani- notwendig. Die Wunde ist oft bereits bei der Kontrolle am
cal techniques, making it very easy to use this implant system. nächsten Tag fast vollständig geschlossen (Abbildung 10).
On the other hand, one must keep in mind that a 10- to
12-week healing period is needed before the implant can be Risiken und Komplikationen
loaded. The other detracting factor is the cost. Wie bei allen chirurgischen Eingriffen besteht generell ein
In our opinion, the advantages outweigh the disadvan- Infektionsrisiko, das jedoch mit einer entsprechenden asep-
tages by far. tischen Technik auf ein Minimum reduziert werden kann.
Aufgrund der Nähe des Implantates zum Nasenboden
Conclusions können eine Perforation und eine Schädigung des Nervus
In conclusion, we can only refer to our experience, that the incisivus nicht vollständig ausgeschlossen werden. Beides
Ortho implant affords a viable alternative [15] to full-time kann jedoch durch eine gewissenhafte präimplantologische
headgear wear, especially considering the concomitant psy- Analyse vermieden werden.
chological impact the latter has upon the patient as well as Demgegenüber besteht ein erhöhtes Risiko einer Locke-
the need for ideal patient cooperation. The system is easy rung bzw. des Verlustes des Implantats. In der Vergangen-
to use. There are few if any complications. In the 180 pa- heit haben wir nur in etwa 18 Fällen, d.h. bei 10% unserer
tients in whom we have used the implant, we have observed Patienten, einen Ortho-Implantatverlust hinnehmen müssen,
a loss of the implant in only 18 cases. The implant seems to obwohl von Verlustraten bis zu 50% berichtet worden ist [7].
offer the maximum anchorage for which it was designed. Da sich das Implantat in einem für die Zunge leicht erreich-

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Chhatwani B, Schneider B. Maximum Anchorage

Moreover, it offers a versatility difficult to match with other baren Gebiet befindet und die Höhe des Implantats bzw. der
implant techniques. And most importantly, there is no need Einheilkappe eine gewisse Retention darstellt, „spielen“ die
for complicated mechanical techniques to integrate the im- Patienten häufig mit der Zunge am Implantat. Eine ent-
plant in the orthodontic therapy. sprechend konstruierte Schutzplatte, die sofort nach der
Implantation eingesetzt und über einen Zeitraum von 6 Wo-
chen getragen wird, hilft unserer Erfahrung nach, einem
References Implantatverlust vorzubeugen. (Abbildung 11).
1. Begg PR, Kesling PC. The use of differential and optimum ortho- Obwohl theoretisch möglich konnten wir in keinem Fall
dontic forces. In: Begg PR, Kesling PC, eds. Begg orthodontic eine Implantatbewegung feststellen, die eine maximale Ver-
theory and technique. Philadelphia: W. B. Saunders Company, 1977:
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preadjusted appliance systems. In: Bennet JC, McLaughlin R, eds.
gungszone des Mundes und ist leicht von extaoral zu errei-
Orthodontic treatment mechanics and the preadjusted appliance.
Aylesbury, England: Wolfe Publishing, 1993:65–87. chen. Aus diesem Grund werden, wenn überhaupt, nur äu-
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and treatment of malocclusion. Angle Orthod 1958;28:113–30. obachtet. Was die Verankerung selbst betrifft, ist die erfor-
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Orthod 1962;48:504–29.
Besonders hervorzuheben ist, dass für den Patienten kei-
6. Diedrich P. Verschiedene orthodontische Verankerungssysteme –
eine kritische Betrachtung. Fortschr Kieferorthop 1993;54:156–71. nerlei funktionelle oder ästhetische Beeinträchtigung er-
7. Frenzel S. Zur Klinik der Straumann-Orthosystem-Implantate. Mas- folgt. Eine Implantatdrift und ein damit verbundener Ver-
ter Thesis, Donau-Universität Krems, 2004. ankerungsverlust wurden von uns nie beobachtet. Nicht zu-
8. Jarabak JR, Fizzel JA. Biophysical considerations of orthodontic letzt soll darauf hingewiesen werden, dass absolut keine
forces. In: Jarabak JR, Fizzel JA, eds. Technique and treatment with Notwendigkeit besteht, die gewohnten Mechaniken zu mo-
light-wire edgewise appliances. Vol. 1. Saint Louis: C. V. Mosby,
difizieren, da das vorgestellte Implantatsystem zur maxima-
1972:277–8.
9. Jarabak JR. Development of a treatment plan in the light of one’s len Verankerung leicht in jede Behandlungsphilosophie in-
concept of treatment objectives. Am J Orthod 1960;46:481–514. tegriert werden kann.
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1997;31:763–67. indiziert, bevor eine Belastung des Implantats erfolgen kann.
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from natural growth. J Clin Orthod 1975;9:208–28.
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cuspid retraction springs. Aust Dent J 1952;56:291–304.
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Zusammenfassend verweisen wir noch einmal auf unsere
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fac Orthop 2004;65:312–20. native [15] zum Einsatz eines Außenbogens mit seinen psy-
15. Wehrbein H, Glatzmaier J, Mundwiller U, et al. The Orthosystem – a chologisch negativen und ästhetisch unzeitgemäßen Ein-
new implant system for orthodontic anchorage in the palate. J Oro- fluss auf den Patienten darstellt, ganz abgesehen von einer
fac Orthop 1996;57:142–53.
unrealistischen Einschätzung der Patientenkooperation.
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tic implant anchorage reinforcement. A clinical and radiological Das System ist einfach umzusetzen. Es existieren, wenn
study. Eur J Orthod 1999;27:65–70. überhaupt, nur wenige, beherrschbare Risiken. In den 180
Fällen, in denen wir mit dem Ortho-Implantat gearbeitet
haben, konnten wir nur 18 Implantatverluste beobachten.
Correspondence Address Das Ortho-Implantat wird seinem Anspruch gerecht, eine
Bhupender Chhatwani maximale kieferorthopädische Verankerung zu realisieren.
Fachzahnarzt für Kieferorthopädie Zusätzlich zeigt es in unterschiedlichen Behandlungssitua-
Knapper Str. 55 tionen eine Vielseitigkeit, die mit anderen Verankerungs-
58507 Lüdenscheid systemen nur schwierig zu erreichen ist, und – am wichtigs-
Germany ten – die Integration dieser Implantattechnik in die jewei-
Phone: (+49/2351) 221-77, Fax -39 lige Behandlungsmechanik ist einfach und effizient mög-
Email: BChhatwani@smilemaker.de lich.

470 J Orofac Orthop 2006 · No. 6 © Urban & Vogel