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1 Rauzs Orsolya: Übersetzen 1

Grundbegriffe
Ausgangssprache (Quellensprache) – Zielsprache
Ausgangstext – Zieltext
Übersetzen: Übertragung eines fixierten und demzufolge permanent dargebotenen bzw.
beliebig oft wiederholbaren Textes der Ausgangssprache in einen jederzeit
wiederholbaren und korrigierbaren Text in der Zielsprache.
Translation: Oberbegriff für Übersetzen und Dolmetschen
r Translator
s Translat
Translationswissenschaft

Übersetzungstypen
a) Typen der Sprachmittlung:
• geschriebener Text schriftlich
• geschriebener Text mündlich
• gesprochener Text schriftlich
• gesprochener Text mündlich

b) Qualität / Bearbeitungsstufe:
• Rohübersetzung: inhaltlich korrekt, sprachlich-stilistische Fehler zulässig (1. Phase
des Übersetzens)
• Informationsübersetzung / Arbeitsübersetzung: inhaltlich und sprachlich korrekt,
stilistisch akzeptabel
• druckreife Übersetzung: inhaltlich, sprachlich und stilistisch korrekt, muss noch
formatiert werden
• druckfertige Übersetzung: druckreife Übersetzung + Typographie, Layout formatiert

c) Roman Jakobson, Katharina Reiß:


• intralinguale Übersetzung: Paraphrase; Untertitelung für Schwerhörige, wegen
zeitlicher Distanz (Altenglisch → Neuenglisch), wegen
Sprachvarianten (Bairisch → Standarddeutsch,
Jugendsprache → Standarddeutsch)
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• interlinguale Übersetzung: eigentliches Übersetzen in eine andere Sprache


• intersemiotische Übersetzung: Diagramme, Zeichen, Bilder ↔ Text (in Film,
Fernsehen, Software, Bedienungsanleitungen)
• multimediale Übersetzung: Comics, Hörspiele, Synchronisierung

Hilfsmittel
Wörterbücher
• einsprachiges SprachWB
o allgemeines BedeutungsWB (Langenscheidt, Duden, Wahrig) mit mind.
100.000 Lemmata mit den gängigsten Fachwörtern, Beispielen, Stilangaben
o SpezialWB (etymologisches, Slang-, Dialekt-, AusspracheWB, historisches
WB)
• zweisprachiges SprachWB
• Lexika, Enzyklopädien, FachWB
• gedruckt, auf CD-ROM, online
Paralleltexte
• in der ZS originär, von Muttersprachlern verfasste Texte mit ähnlichen Themen und
Textsortenzugehörigkeit wie die jeweiligen AT
• möglichst viele Texte von unterschiedlichen Verfassern vergleichen (= Korpus),
Datenbanken
Experten, Handbücher, Internet

Äquivalenz
Werner Koller (1979)
• denotative Äquivalenz: ZT bezieht sich auf dieselben Gegenstände, Personen usw. wie
AT
• konnotative Äquivalenz: ZT ruft ähnliche Assoziationen und Reaktionen hervor wie
AT
• textnormative Äquivalenz: ZT erfüllt oder bricht Textnormen in gleicher Weise wie
AT
• pragmatische Äquivalenz : ZT in der ZS hat dieselbe Funktion/Wirkung wie AT in der
AS, kommunikativer Wert des AT bleibt erhalten
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• formal-ästhetische Äquivalenz: Analogie hinsichtlich Reim, Rhythmus, Metaphern,


Sprachspiele usw.

Defekte im AT
typische Defekte typische Lösungen
1. formale Defekte − Allgemeinbildung
(Textteil fehlt oder mehrfach vorhanden) − eigene Recherche in Büchern,
2. falsche Zahlen, Maßangaben im Netz
3. Tipp- und Druckfehler (auch sinnverändernd) − Fachkenntnisse
4. Diskrepanz zw. Text und Bild − Rückfrage beim Auftraggeber
5. Diskrepanz zw. Text und Realität − Rückfrage beim Verfasser
6. Ausdrucksfehler
7. Verständlichkeitsdefekte
(z.B. Gliederung, Kohärenz, Thema-Rhema)

Beispiele für Übersetzungsstrategien


Realien
• Realie: Element des Alltags, der Geschichte, der Kultur, der Politik usw. eines Volkes,
Landes, Ortes, das keine Entsprechung bei anderen Völkern, in anderen Ländern hat
• sind Identitätsträger einer nationalen/ethnischen Kultur, sind emotiv und konnotativ
• können in der ZS schon eingebürgert sein (amer. Cowboy, ital. Pizza)
• Grad des Bedarfes an Zusatzinformationen: Harvard → die Elite-Universität Harvard
→ die berühmte und teuere amerikanische Elite-Universität Harvard
• Übersetzungsstrategie: Wichtigkeit / Funktion der Realie im Text erkennen, Publikum
in Betracht ziehen
o Realie unverändert übernommen (Pizza, USA)
o wörtliche Übersetzung (Drittes Reich – Harmadik Birodalom)
o Analogiebildung (Verwendung eines sinngemäß entsprechenden ZS-
Ausdrucks: Synonym, Oberbegriff, Unterbegriff: csürdöngölős – Tanz)
o kommentierende Übersetzung, Erklärung
o Weglassung
o Adaptation (konnotatives Äquivalent nehmen)
Metaphern, Wortspiele
• wörtliche Übersetzung: bei gleichem Sinn (alter Fuchs – vén róka)
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• Ersetzung / Substitution: ZS-Metapher oder ZS-Wortspiel mit ähnlichem oder


unterschiedlichem Sinn (sárga az irígységtől – grün vor Neid, leeres Stroh dreschen –
üres szócséplés)
• Umschreibung / Paraphrase: mit einem nicht-metaphorischen Ausdruck (leeres Stroh
dreschen – össze-vissza beszél, zagyvál)
• Weglassung
• anderes rhetorisches Mittel (Metapher ↔ Wortspiel, Reim, Wiederholung)
Eigennamen
• existierende Personen: unverändert (Angela Merkel), verändert (Verne Gyula)
• historische Personen, geographische Namen: nach vorgegebenen Mustern
• wörtliche Übersetzung (Berliner Mauer – berlini fal, Lánchíd – Kettenbrücke)
• Transkription von Namen anderer Schriftsysteme (russ. Xpyщёв – dt. Chruschtschow
– ung. Hruscsov)
• Analogiebildung, Erklärung
• literarische Namen, sprechende Namen, Produktnamen: mehr Freiheit, Probleme mit
falschen Freunden (Automarke Silver Mist) und mit negativen oder lustigen
Konnotationen bei gleichbleibender Aussprache (Tablette Saridon)
Werbetexte
• heterogene Texte (informativ, appellativ + Rhetorik, Wortspiel usw.)
• Strategien:
o unverändert (überwiegend affektive Werbung: Schmuck, Parfum, Alkoholika)
o Exportwerbung (Prestige der AK → einige Elemente bleiben in der AS: Logo,
Slogan + ZS-Text)
o wörtliche Übersetzung (nur für technische Produkte mit vielen Informationen)
o Adaptation (Bildmaterial bleibt, Text wird an ZK angepasst)
o Revision (Bildmaterial bleibt, völlig neuer Text wird verfasst)