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Chromosomenbiologie und Cytogenetik

Sommersemester 2011

Vorlesung 1 | 02.03.2011
– Artenbildung kann nur aufgrund der Chromosomenevolution stattfinden
– von allen angeborenen Effekten, die man kennt, beruhen die meisten auf massiven
Chromosomenmutationen
– Gene verhalten sich wie Teilchen (Mendel) → „Die Teilchennatur der Gene“
– Die Chromosomenanzahl in einer Art hat etwas mit dem Grad der Durchmischung der
Erbsubstanz zu tun (also mit der Rekombination während der Meiose)
– Bei Arten, die große Chromosomen haben, sind die Chromosomen sehr viel dichter
gepackt
– Bei Säugern ist die größte bekannte Chromosomenanzahl 102, bei Pflanzen 640
– C-value-Paradoxon/C-Wert-Paradoxon: Wie kann es sein, dass ein Organismus
deutlich mehr DNA aber dieselbe Anzahl an Genen hat (im Vergleich mit einem anderen
Organismus)? → Dies zeigt, dass nicht alles, was man hat, Gene sein können.
– Weniger als 5% der DNA kodieren (für Proteine)
– In Interphasekernen liegt die DNA nicht nackt vor, sondern in einer „Verpackung“: Die
kleinste Einheit, die die DNA bilden kann, ist das Nukleosom (Histon-Verpackung).
Dabei wird das Verpackungsproblem gelöst (ungepackte DNA wäre zu lang!!).
– DNA bindet sich aber nicht nur an Histone, sondern auch an Nicht-Histon-Proteine wie
Topoisomerasen und Condensine
– ursprünglich wurden Proteine als Erbinformationsträger angenommen, weil sie als
komplexes Polymer von Aminosäuren verschiedenster Reihenfolge betrachtet wurden,
während die DNA nur als einfaches, uniformes Molekül galt
– große, DNA-reiche Chromosomen sind stärker gepackt als weniger große → der
Unterschied im DNA-Gehalt ist größer als der direkte Größenvergleich von
Chromosomen vermuten ließe
– die Zahl der Gene korreliert grob mit der Komplexität des Organismus
– die DNA-Menge ist kein zuverlässiger Indikator für die Komplexität des Organismus. So
hat der Mensch ein deutlich kleineres Genom als andere Organismen → C-value-
Paradoxon

Geschichte:

– 1828: erstmalige Beschreibung des Zellkerns und der Chromosomen durch Robert
Brown
– 1890: Hertwig und Boveri postulieren eine Reduktionsteilung vor der Bildung der
Gameten
– 1892: Beschreibung der Meiose durch Boveri
– 1903: Chromosomentheorie der Vererbung von Sutton
– 1911: erstmalige Zuordnung von Genen auf einem Chromosom durch Sturtevant und
Morgan
– 1928: Entdeckung der bakteriellen Transformation durch Griffith
– 1944: Avery entdeckt, dass die DNA Träger der Erbinformation ist, da die pathogene
Eigenschaft von Streptococcus pneumoniae durch einen proteinfreien Zellextrakt auf
den nicht-pathogenen Stamm übertragen wird
– 1953: Watson und Crick beschreiben die Doppelhelix-Struktur der DNA aufbauend auf
Röntgenstrukturanalysen von Wilkins und Franklin

Beispiel von Transformation anhand von Streptococcus pneumoniae:

1. Maus wird IS-Stamm (pathogen) injiziert → Maus stirbt


2. Maus wird IIR-Stamm (nicht pathogen) injiziert → Maus überlebt

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


3. Maus wird hitzeabgetöteter IS-Stamm injiziert → Maus überlebt
4. Maus wird hitzeabgetöteter IS-Stamm sowie lebender IIR-Stamm injiziert → Maus stirbt

Das menschliche Genom:

– Protein-codierende Gene (mRNA): ca. 35.000


– nicht-codierende RNAs:
– rRNA: tausende
– tRNA: ca. 500
– snRNA, snoRNA, miRNA, andere: ?
– Repetetive Elemente (z.B. Transposons): 30.000.000

Nachweis von Transposons:

1. Über Satelliten-DNA
– DNA wird in einer Zentrifuge nach ihrer Dichte aufgetrennt
– GC-reiche Sequenzen sind dichter als AT-reiche Sequenzen
– nach der Zentrifugation entsteht in der DNA-Flüssigkeit ein Band (bei niederen
Organismen) und bei höheren Eukaryoten entstehen zwei Banden: das Main Band und
das Satellit Band
– das Band, das oben ist, ist weniger reich an dichten GC-Sequenzen und reicher an AT-
Sequenzen als das untere Band
2. Über die Reassoziationsgeschwindigkeit denaturierter DNA
– je komplexer ein Genom ist, umso langsamer ist die Reassoziationsgeschwindigkeit
– bei Menschen funktioniert die Reassoziation in zwei Stufen:
– ein Teil renaturiert sehr schnell, sogar schneller als bei E-coli
– der andere Teil renaturiert sehr viel langsamer
– schnelle Reassoziation bedeutet, dass es nur wenige komplexe Sequenzen gibt

Aufbau des menschlichen Genoms:

1. Unikale Sequenzen
Kommen nur einmal im Genom vor
a. Codierend
<5% beim Menschen
b. Nicht-codierend
2. Repetetive Sequenzen
Wiederholen sich mehrfach im Genom
a. Hoch repetetiv
- Satelliten-DNA
b. Mittel repetetiv
- Tandem Repeats
Eine bestimmte Sequenz und gleich daneben die nächste und wieder die
nächste, die bestimmte Bereiche auf dem Chromosom besiedeln
- Interspersed Repeats
Sind ebenso vielfach im Genom vorhanden, aber immer nur einzeln und
nicht geblockt wie die Tandem Repeats.
Machen ca. 10% des Genoms aus.

Chromatin

– Im Interphase-Kern liegt die DNA nicht nackt vor, sondern ungefähr zu gleichen Teilen
haben wir im Zellkern DNA und Histone und Nicht-Histone und einen geringeren Anteil
an RNA
– die kleinste Verpackungseinheit des Chromatins ist das Nukleosom, das aus einem Core
und einem Histon-Oktamer besteht, worum sich die DNA windet

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


– dadurch kommt es zu einer deutlichen Verkürzung der DNA → Verpackungsproblem der
DNA gelöst, denn würde man alle Chromosomen ungepackt hintereinanderlegen, käme
man auf eine Länge von 2m
– in vitro ist der Durchmesser so einer Fiber bis 30nm, die in einer Zigzag-Struktur
organisiert ist. In vivo (also in lebenden Zellen) weiß man nicht, ob es auch so
ausschaut.
– Die Histone haben auch eine regulatorische Funktion von Transkription etc.
– die Histone - die senkrecht von der DNA wegschauen - können modifiziert werden, z.B.
Acetylierung → Folge: die Fiber ist „offener“, so dass Replikation, Transkription etc.
ansetzen können. Außerdem gibt es Phosphorylierungen und Methylierungen, die
ebenfalls Transkription ermöglichen.
– Eine Methylierung-Modifikation an H3 reguliert die meiotische Rekombination
– extrahiert man alle Histone eines Zellkerns, liegt die DNA nackt in Schleifen vor und es
bleibt ein Chromosomenskelett bestehend aus Nicht-Histon-Proteinen zurück
– um die Nicht-Histon-Proteine zu analysieren, extrahiert man die Histone, so dass die
nackte DNA in Schleifen sowie das Chromosomenskelett zurückbleiben. Anschließend
fügt man Restriktionsenzyme hinzu, die die DNA verdauen, allerdings nur dort, wo sie
nicht an das Chromosomenskelett gebunden ist. Oder man fügt DNAasen hinzu, die die
DNA vollständig zerstückelt, so dass sich die DNA-Teile, die an das Chromosomenskelett
passen, wieder anlagern.
– Die Drehung der Verschraubung der Chromosomen kann wechseln

Chromatin-Organisation:

nackte DNA Doppelhelix→ Histone kommen hinzu, bilden Nukleosomen → helixartige


Organisation, Chromatin entsteht → Scaffold-Proteine machen es schleifenförmig →
Verschraubung (weiß man nicht genau) → Metaphase Chromosom

Durch diese Verkürzung ist das Metaphase-Chromosom nur noch 1/20.000 so lang wie die
ungepackte DNA

Cohesine: Wichtige Nicht-Histon-Proteine:

– ringförmiger Proteinkomplex
– dazu gehören Condensine und Cohesine
– sind wichtig für die Chromosomenkondensation, Chromatiden-Kohäsion und die DNA-
Reparatur
– Condensine:
– Condensin-Ringe umschließen den 30nm-Fiber und biegen ihn zu schleifen,
so dass die DNA in der Länge gekürzt wird

– Cohesine:
– Cohesin-Ringe verbinden zwei Chromatin-Fiber von Schwesterchromatiden
– ein Ausknocken der Cohesine führt dazu, dass die Chromosomen sich
dennoch verkürzen, allerdings ist diese Verkürzung nicht stabil → sie fallen
leicht wieder auseinander

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


Aufbau von Chromosomen

– in teilungsfähigen Zellen (also in kondensierter Form) bestehen sie aus zwei


Chromatiden, die jede für sich ein DNA-Faden darstellen → ein Chromosom enthält
somit zwei DNA-Fäden
– die Bindungsstelle der Chromatiden heißt Centromer
– an den Enden der Chromatiden sitzen Telomere

Taylor-Woods-Experiment:

– Experiment zur Analyse des Chromosomenaufbaus


– Zellen wuchsen einen Zellzyklus lang auf radiaktiv markiertem Thymidin, den nächsten
Zellzyklus wuchsen sie auf unmarkiertem Thymidin
– Die Metaphasechromosomen nach dem ersten Zellzyklus waren alle an beiden
Chromatiden radioaktiv markiert. Dies zeigt, dass beide Stränge als
Matrizenstrang für eine neue Doppelhelix dienen.
– Nach dem zweiten Zellzyklus mit unmarkiertem Thymidin war meist nur eine
Chromatide markiert. Das bedeutet, dass jede Chromatide aus genau einem
DNA-Strang besteht und dass dieser semikonservativ repliziert wird.
– Nach dem zweiten Zellzyklus ware auch Harlekin-Chromosomen entstanden, die in
Teilbereichen markiert waren. Das bedeutet, dass es in der Mitose Austausche
zwischen den Chromatiden gibt.

Telomere:

– hochspezialisierte Bereiche an den Enden der Chromatiden


– Funktionen:
– Erhalt der Chromosomenlänge: End-Replication-Problem
Wird eine DNA repliziert, bleibt am 5'Ende ein kleines Stück unrepliziert. → Jedes
DNA-Molekül wird bei jeder Replikation etwas kürzer, meist ca. um 100 bis 300
Basen. Deshalb sitzt an den Enden Telomer-DNA, die für nichts codiert.
Bei sich geschlechtlich fortpflanzenden Lebewesen werden die Telemere bei der
Meiose (also nur in der Keimbahn) wieder verlängert. Bei sich vegetativ
fortpflanzenden Lebewesen wie die Hefe werden die Telomere ständig erneuert,
indem die Telomerase ständig aktiv ist (wie bei Krebszellen). Die Telomerase, die
ein Komplex aus RNA und Proteinen darstellt, enthält eine komplementäre
Sequenz zum überhängenden DNA-Strang. Die Telomerase repliziert dann das
bisher unreplizierte Stück und synthetisiert ein langes überhängendes Stück
dran. Damit dieses Stück nicht zu lang wird, gibt es verschiedene DNA-
Rekombinationsfaktoren, die zur Invasion des Einzelstranges beitragen und eine
T-Loop-Bildung ermöglichen.
– Schutz gegen ungewollte Reparatur der „offenen“ Enden: Ein freies DNA-
Ende würde von der Zelle als DNA-Bruch missgedeutet und mit einem anderen
Ende ligiert werden. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten:
– es bildet sich ein Telomer-Loop: Der einzelsträngige Überhang wird
durch einen D-Loop (=Displacement) der Doppelhelix der DNA
gesteckt, so dass von der doppelsträngigen DNA ein Einzelstrang
verdrängt wird und die einzelsträngige Telomer-Sequenz mit dem
Einzelstrang der DNA basenpaaren kann.

– Organisation der Lage der Chromosomen im Zellkern: In vielen Arten ist

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


es so, dass sich die Chromosomen mit ihren Enden, also mit ihren Telomeren an
der inneren Kernmembran festhalten und somit nicht frei im Zellkern rumliegen.
So wird das Durcheinander im Kern etwas gemindert.
– Aufbau:
– werden gebildet aus Telomere Repeat Units
– das sind kurze hochrepetitive Abschnitte (Tanden Repeats)
– Dolly wurde aus Zellen geklont, die bereits verkürzte Telomere hatten. Sie startete
somit mit verkürzten Telomeren ins Leben und verstarb sehr früh
– Man hat das Experiment wiederholt, indem man eine Maus klonte, das Ergebnis wieder
klonte und das Ergebnis wieder klonte. Es zeigte sich, dass die Telomere von Generation
zu Generation nicht kürzer wurden, sondern eher etwas länger. → Es gibt einen
alternativen Mechanismus zu den Telomeren → Alternative Lengthening of telomeres

Alternative Lengthening of telomeres:

– diese Mechanismen dienen als Backup


– sie können aber keine Überaktivität von Telomerasen abschalten, z.B. in Krebszellen
– durch diese Methode werden einfach Sequenzen an die Enden der Chromsomen
angehängt, um sie wieder zu verlängern. Es kann aber auch zur Bildung von zirkulären
Chromosomen kommen.
– Telomer-Elongationsmechanismus mit Telomere-associated-Retrotransposons
bei Drosophila
– RNA wird transkribiert mit willkürlicher Sequenz, diese setzt sich an jedes freie
DNA-Ende (kann auch ein Bruch sein), dann findet dort reverse Transkription
statt mit der RNA als Template. Schließlich wird das RNA-Stück degradiert, durch
DNA ersetzt und man erhält einen vollständigen DNA-Strang.

Vorlesung 2 | 09.03.2011
Centromer:

– Jedes Chromosom hat ein Centromer, das verschiedene Lagen einnehmen kann.
Allerdings kann es nicht ganz am Ende sein.
– Funktionen:

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


– Ansatz der Mikrotubuli bei der mitotischen und meiotischen Trennung:
Die Mikrotubuli binden an die dortigen Kinetochoren (Protein-Ausstattung des
Centromers, das bei der Bäckerhefe 60 Proteine umfasst)
– Zusammenhalt der Schwesterchromatiden um dem Zug der Spindel in
der Anaphase entgegenzuwirken
– Das Centromer ist nicht von der Sequenz bestimmt, sondern epigenetisch definiert: Das
Centromer ist die Region, die auch in vorangegangenen Teilungen das Centromer war
– Betrachtet man das Centromer unter dem Elektronenmikroskop, sieht es so aus, als
würden dort mehrere DNA-Fäden sein, was der Annahme 1 Chromatin = 1 DNA-Faden
widerspricht. Erklärung: Das Chromatin ist am Centromer mehrfach gefaltet
– Die Bäckerhefe hat das einfachste Centromer: Pro Centromer setzt nur ein Mikrotubuli
an. Je größer die Anzahl der Chromosomen in einem Organismus, desto mehr
Mikrotubuli binden an ein Centromer.
– Aufbau des tierischen Centromers:
– Centromer-spezifisches modifiziertes Histon H3
– DNA, die sich mehrfach um das Histon wickelt; dieses Stück hat eine
typische Sequenz mit Tandem Repeats

Die Nucleolus-organisierende Region (NOR) → ribosomale DNA

– diese Region ist eine Einschnürung im Chromosom, und zwar dort, wo mehrere hundert
Tandem Repeats lokalisiert sind.
– während der Interphase bildet sich an der NOR der Nucleolus aus, so dass dort die
Synthese der Ribosomen in Gang gesetzt wird: die Tandem repeats werden simultan
transkribiert. Durch diese simultane Transkription wird die Synthese von sehr vielen
Ribosomen innerhalb kurzer Zeit ermöglicht. Im Gegensatz dazu ist bei unikalen Genen
die multiple Translation hauptverantwortlich für die Vermehrung des Genprodukts.
– Bei der Zellteilung wird der Nucleolus aufgelöst, und zwar durch das Protein Nucleoin.
Damit dieses Protein dann nicht in der Zelle verschwindet, bindet es an die sich
teilenden Chromosomen und wird so als „Chromosomal Passenger“ auf die Tochterzellen
aufgeteilt.
– mindestens ein Chromosomenpaar hat eine NOR; der Mensch hat 5 Chromosomenpaare
mit einer NOR
– Nucleolen neigen zur Fusion weil sie keine Membranen haben, weshalb es im
Interphasekern meist weniger Nucleolen gibt als NOR
– Funktion:
– Ort der Transkription der ribosomalen RNA
– Processing der ribosomalen RNA und Zusammenbau von ribosomalen
Untereinheiten
– Reservoir für ribosomale Proteine und Regulatoren des Zellzyklus
– der Nucleolus und die NOR scheinen nicht essentiell zu sein für die Synthese der
Ribosomen. Dies zeigt sich bei Organismen, die keines von beidem ausbilden.

Mitose

– Funktion:
– Weitergabe von identischem Erbmaterial auf die Tochterzellen
– Dies führt bei Einzellern zu einer klonalen/vegetativen Vemehrung
– Im Gegensatz dazu dient die Mitose bei Vielzellern nicht der Vemehrung des
Organismus. Dazu dient in der Regel die Meiose.
– Beim Menschen entwickelt sich ein Erwachsener nach etwa 44
Teilungsschritten aus der Zygote
– Schritte:
1. Replikation/DNA-Synthese → S-Phase
2. Kernteilung/Karyokinese → M-Phase
3. Zellteilung/Cytokinese → M-Phase

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


– Stadien:
– Interphase: Zunehmende Kondensation der Chromosomen. Die
Chromosomenarme dürfen nicht zu lang sein, da sie sonst bei der Teilung
einfach abgeschnitten werden!
– Prophase: Kondensation der Chromsomen wird vollendet
– Prometaphase
– Metaphase: Orientierung der Chromosomen am Äquator mithilfe der
Mikrotubuli
– Anaphase: Die Schwesterchromatiden werden getrennt
– Telophase: Die Schwesterchromatiden werden zu den Polen gezogen
– Spindelapparat:
– wird aus Mikrotubuli gebildet, die Polymere aus Tubulin sind und
röhrenförmige Gebilde darstellen
– Bei Tieren und Pflanzen muss die Kernmembran aufgelöst werden, damit die
Mikrotubuli aus dem Cytoplasma an die Chromosomen rankönnen.
– Bei Dinoflagellaten liegen die Mikrotubuli ebenfalls im Cytoplasma, aber sie
lösen die Kernmembran nicht auf, sondern die Mikrotubuli dringen durch
Transmembranproteine durch die Kernmembran hindurch und binden so an
die Chromosomen.
– Bei Ciliaten, Bäckerhefe und Spalthefe gibt es intranukleäre Mikrotubuli; das
heißt, der Spindelapparat wird im Kern gebildet.
– Der Spindelapparat hat die Gestalt eines Käfigs mit zwei Polen, wo die
Centriolen und je ein Centromer sitzen
– die Kinetochor-Fasern sorgen dafür, dass die Pole auseinandergespreizt
werden, damit diese nicht zusammengezogen werden. Sie sind nicht
elastisch!
– Ausgehend von den Polen bilden sich die Mikrotubuli indem sie
polymerisieren
– die Mikrotubulie schieben bei ihrer Polymerisation die Chromosomen in die
Äquatorialebene (Prometaphase) und ziehen dann in der Anaphase die
Schwesterchromatiden auseinander. Das Auseinanderziehen erfolgt
folgendermaßen:
1. Durch Verkürzung/Depolimerisation der Mikrotubuli:
Die Verkürzung erfolgt am Plus-Ende, also dort, wo die
Chromosomen gebunden werden: Die Depolymerisation
schiebt den DAM1-Ring-Komplex – der den Mikrotubulus
umschließt – entlang des Mikrotubulus und bewegt dadurch die
mit dem DAM1-Komplex gebundenen Kinetochore der
Chromosomen in Richtung Minus-Ende (also zu den Polen der
Zelle).
2. Die die Pole auseinanderdrückenden Proteine machen die Zelle
länger
– Welche Methode eingesetzt wird, ist je nach Art anders. Es können
auch beide Methoden vorkommen.
– Kohäsion und Segregation:
– Kohäsions-Protein-Komplexe: Cohesine. Sie bilden Ringe oder Doppelringe
(„Handcuffs“) um die Chromatin-Stränge (was von beiden ist nicht
bewiesen). Die Separase öffnet die Ringe, wodurch sich die Stränge
voneinander trennen können.
– Der Zusammenhalt der Schwesterchromatiden bis zum Zeitpunkt der
Trennung ist wichtig, damit die Schwesterchromatiden richtig auf die
Tochterzellen aufgeteilt werden
– der erste Nachweis dieser Proteine erfolgte bei CREST-Patienten
(Autoimmunerkrankung), bei denen eine Immunfärbung die Chromatid
Linking Proteins sichtbar machte
– Die Kohäsion wird in der Mitose entlang der Arme schon während der
Prophase aufgelöst (durch Phosphorylierung von Scc1). Doch an den

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


Centromeren bleibt die Kohäsion bis zur Anaphase erhalten, weil an den
Centromeren ein bestimmtes Protein sitzt, das das centromerische Cohesin
schützt: Sgo1 (Shugoshin). Dieses Protein rekrutiert die Phosphatase
PP2A, die die Phosphorylierung verhindert.

– Kohäsion
entlang der

Chromosomenarme ermöglicht die Reparatur von DNA-Schäden durch


Rekombination, indem Läsionen mit der Schwesterchromatide als Matrize
repariert werden. Diese Erklärung bestätigt sich, wenn man künstlich
Schäden induziert, dann lagern sich nämlich zu den vorhandenen Cohesinen
noch zusätzliche Cohesine an. Man kann also die Anlagerung von Cohesinen
induzieren, indem man einen Strangbruch macht.
– Kohäsion macht also Sinn in sich teilenden Zellen
– Weitere wichtige Aufgabe von Cohesinen: Regulation der Expression von
Genen:
– Sie sollen nebeneinanderliegende Gene „trennen“ bzw.
voneinander isolieren, damit der Enhancer, der die Transkription
eines Gens anschaltet, nicht auch die Transkription eines
benachbarten Gens beeinflusst/fördert.
– Hefe: Cohesine werden dort angelagert, wo zwei Gene
aufeinandertreffen, die in entgegengesetzte Richtungen
transkribiert werden.
– Drosophila und Säuger: Cohesine werden zwischen den Genen
geladen, die voneinander isoliert werden sollen.
– Methoden zur Analyse der Verteilung von Cohesinen, mit denen man DNA-
assoziierte Cohesine feststellen kann:
– ChIP
– ChIP-chip:
DNA-Extrakt → Crosslinking mit Formaldehyd → Verdauung, um
kleine DNA-Stücke zu erhalten → Antikörper gegen die Cohesine →
DNA-Cohesin-Antikörper-Komplexe → Entfernung der Cohesine und
Markierung der DNA → Auftragen auf Microarray
Ergebnis: In der Umgebung des Centromers ist das Cohesin
angereichert. Entlang der Chromosomenarme schwankt die Menge
des Cohesins.
– Regulation des Zellzyklus:
– Faktoren für den Eintritt in die Zellteilung sind:
– Zellgröße
– Nahrungsangebot
– Wachstumsfaktoren
– Zellumgebung/Zelldichte: dichteabhängige Teilungshemmung (bei
Krebszellen nicht vorhanden)
– Regulatorproteine: Cycline. Von ihrer Aktivität abhängige Proteinkinasen und
Phosphatasen aktivieren und deaktivieren Proteine, die Funktionen in
bestimmten Stadien des Zellzyklus haben.
Ist die Cyclin-Konzentration am höchsten, werden die Proteinkinasen (z.B.
MPF) aktiviert (indem sie an Cyclin binden) und die Mitose wird gestartet.
Dann nimmt die die Cyclin-Konzentration rasch wieder ab (Interphase) und
der Zyklus kann von neuem beginnen.
– Ist der Zelltyklus erst einmal angeschalten, so wird er auch vollständig

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


durchgezogen. Die Zelle kann nicht mitten im Zyklus aufhören!
– Checkpoints: An mehreren Stellen wird geprüft, ob die Voraussetzungen
noch gegeben sind, um den Zellzyklus zu vollenden, oder ob er
vorübergehend angehalten werden muss, um die Voraussetzungen wieder
herzustellen.
– DNA-Damage-Checkpoint: Ist die DNA intakt und die
Replikation abgeschlossen? Wenn nicht: Reparatur oder Apoptose
der Zelle.
– Spindel-Checkpoint: Sind die Chromsomen richtig in der Spindel
angeordnet und ist die Anheftung richtig (bipolare Anheftung)? Ist
auch nur ein Chromosom nicht richtig angeordnet, wird die
Segregation aller Chromosomen behindert (da Checkpoints nicht
ständig aktiv bleiben, würde es irgendwann doch zu einer
Aufteilung kommen, allerdings zu einer fehlerhaften).
Beispiel für Fehler: Monopolare Anheftung → einseitiger Zug.

Erklärung für dieses Verhalten: Beginnen bei einer bipolaren


Anheftung die Spindel zu ziehen, nimmt die Phosphorylierung
eines bestimmten Kinetochor-Proteins ab. Dadurch wird Cdc20
(mitotisches Cyclin) aktiv und dieses aktiviert APC. APC aktiviert
die Separase, indem es das angeheftete Securin ubiquitin-
abhängig degradiert. Die Separase öffnet das Cohesin und die
Chromatiden trennen sich.
Bei einer monopolaren Anheftung bleibt die Phosphorylierung
dieses Kinetochor-Proteins erhalten. Dadurch bleibt Mad2 aktiv,
welches Cdc20 inhibiert. Somit bleibt die Separase inaktiv und die
Spindel werden destabilisiert und aufgelöst, so dass sich die
Chromosomen nicht bewegen.
Zusammenfassung: Die beiden Voraussetzungen, dass der
Zellzyklus am Spindel-Checkpoint weiterläuft, ist 1. die
Dephosphorylierung des Kinetochor-Proteins und 2. die Auflösung
der Cohesin-Ringe.

Cytokinese

– Tierzelle: Zelle mit zwei Kernen schnürt sich mithilfe eines kontraktilen Rings ein
– Pflanzenzelle: Zelle mit zwei Kernen bildet in der Mitte membranumhüllte Vesikel, die
eine Zellplatte ausbilden, die die Tochterzellen trennt.

Vorlesung 3 | 16.03.2011
Meiose

– Kernphasenwechsel:
Zur Erhaltung des diploiden Chromosomensatzes gibt es den Kernphasenwechsel: In
der Meiose gibt es eine Haploidisierung und bei der Befruchtung wieder eine
Diploidisierung.

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


– Kernphasenwechsel bei Tieren: (Diplonten)
Zygote → Tier → Meiose → Gameten → Befruchtung → Zygote
– Kernphasenwechsel bei Pflanzen: (Diplohaplonten)
Zygote → Pflanze → Meiose → Mega- & Mikrospore → reifer Embryosack &
gekeimter Pollen → Eizelle & generative Kerne → Befruchtung → Zygote
– Kernphasenwechsel bei Moosen: (Haplodiplonten)
Zygote → Sporogan → Meiose → Sporen → Moospflanze → Gameten →
Befruchtung → Zygote
– Kernphasenwechsel bei Haplonten:
Zygote → Meiose → vegetative Zellen → Gameten → Befruchtung → Zygote
– Funktion:
– Reduktion des diploiden Chromosomensatzes der somatischen Zellen zum
haploiden Chromosomensatz der Geschlechtszellen
– Rekombination der elterlichen Genome
– Regeneration: Rejuvenierung der Zellen und Genome (?)
– erhöhte Reparaturaktivität in der Prophase der Meiose im Zuge der
Rekombination
– Telomerase-Aktivität in der Keimbahn
– Eliminierung der „Mutational Load“ durch Selektion auf intakte
Genome in der haploiden Generation
– Rücksetzung des genomischen Imprintings
– Dolly zeigte, dass sie aus einer bereits gealterten somatischen Zelle
gezeugt wurde und keine Regenerationsmechanismen genießen
konnte
– Stadien:
– Meiose I
– Prophase: Kondensation, Paarung und Rekombination der
homologen Chromosomen
– Metaphase I: Kernmembran wird aufgelöst, Spindelapparat wird
ausgebildet und die Chromosomen orden sich in der
Äquatorialebene an
– Anaphase I: Homologe Chromosomen werden getrennt und zu
den Polen gezogen
– Interkinese
– Meiose II
– Metaphase II: Schwesterchromatiden ordnen sich in der
Äquatorialebene an
– Anaphase II: Schwesterchromatiden werden getrennt und zu
den Polen gezogen
– Telophase II/Tetrade: Beim Mann entstehen vier Spermien, bei
der Frau eine Eizelle
– Vorteile der Diploidie:
– Backup-Genom zur Schadensbegrenzung bei Funktionsverlust eines Allels
– und zur Tolerierung einer höheren Mutationsrate → Beschleunigung der
Evolution
– Heterozygotenvorteil/Heterosis: Erhöhung der Flexibilität da von einem
Gen zwei unterschiedlich optimierte Allele vorliegen können. Dies verbreitert
die ökologische Anpassungsfähigkeit.
– Größenzuwachs der Zellen und des Organismus. Diploide Organismen sind
einfach größer.
– Vorteile der geschlechtlichen Reproduktion:
– beschleunigt die evolutionäre Anpassung
– ist effizienter bei der Eliminierung von nachteiligen Mutationen
– Homozygotisierung: Bei einer ungeschlechtlichen Vemehrung via klonale
Mitose bleibt ein mutiertes rezessives Allel immer heterozygot (keine
Entkoppelung) und kommt somit nicht zur Ausprägung, wird aber immer
weitervererbt. Bei einer geschlechtlichen Vemehrung hingegen wird ein

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


mutiertes rezessives Allel bei einem der Nachkommen durch Rekombination
homozygot und unterliegt dann der Selektion (Entkoppelung). Rekombination
wirkt also Muller's Ratchet (also der Anhäufung von nachteiligen Mutationen)
entgegen.
In sich ungeschlechtlich fortpflanzenden Organismen akkumulieren
nachteilige Mutationen (Muller's Ratchet). Deshalb müsste nach Schätzungen
eine asexuelle Eukaryoten-Population nach 104 bis 105 Generationen
aussterben. Bakterien kompensieren Muller's Ratchet dadurch, dass die Zahl
der Nachkommen größer ist als die Zahl der neuen Mutationen.
– Genomic Imprinting:
– Imprintete Gene (die also dem Imprinting unterliegen) werden abhängig von
ihrer elterlichen Herkunft exprimmiert oder nicht exprimmiert, wodurch eines
der beiden elterlichen Allele aktiv und das andere inaktiv ist
– Imprinting findet man vor allem bei Säugern. Beim Menschen unterliegen ca.
80 Gene dem Imprinting.
– Imprinting widerspricht dem Reziprozitätsgesetz und beruht auf
epigenetischen Modifikationen
– Während der Meiose findet ein Reset des Genomic Imprinting statt,
anschließend werden neue Prägungen initiiert
– Synaptonemale Komplexe:
– strickleiterartige Proteinstrukturen, die die homologen Chromosomen in der
Prophase der Meiose zusammenhalten
– sind hochkonserviert
– ist nicht dafür verantwortlich, dass sich die homologen Chromosomen finden
(präsynaptisches Alignment)
– die homologen Chromosomen finden sich, indem sie sich im Kern bewegen.
Dies tun sie, indem sie sich mit beiden Enden an die Kernmembran heften,
wodurch sie Schleifen bilden („Bouquet Anordnung“), so dass sie durch die
an der Außenseite befindlichen Actinfilamente und Mikrotubuli bewegt
werden
– das präsynaptische Alignment kannt schiefgehen, so kann es z.B. zum
(multiplen) Interlocking kommen: Verhängung von zwei Bivalenten. Diese
löst sich wieder, wenn sich der Synaptonemale Komplex auflöst.
– Rekombination:
– Arten der Rekombination:
– Durchmischung ganzer Chromosomen
– Austausch von Chromosomenstückchen (Crossing-Over)
– Crossing Over:
– finden an den Chiasmen statt, die die homologen Chromosomen
zusammenhalten, wenn der synaptonemale Komplex bereits wieder
abgebaut wurde
– Recombination Nodules: Protein-Aggregate an den Stellen, wo die
Rekombination stattfindet
– Für den Austausch von DNA muss es einen DNA-Bruch geben,
allerdings sind Doppelstrangbrüche sehr gefährlich, weshalb es viele
Reparaturmechanismen gibt. Auch in der Rekombination werden
Doppelstrangbrüche gemacht. Hier gibt es einen speziellen Reparatur-
Mechanismus: Recombinational Repair: Sorgt dafür, dass die DNA-
Enden falsch verheilen, so dass es zu einem DNA-Austausch kommt.
– Dies läuft folgendermaßen ab: Die Doppelstrangbrüche, die bei der
Rekombination gemacht werden, werden von dem Enzym Spo11
gemacht. Spo11 induziert einen Doppelstrangbruch und stabilisert die
freien DNA-Enden durch eine kovalente Bindung. Spo11 reagiert sehr
Topoisomerase-ähnlich. Aber anders als bei anderen Topoisomerasen
kann bei Spo11 die kovalente Bindung an die DNA-Enden nicht
rückgängig gemacht werden. Deshalb wird das DNA-Stück mit dem
assoziierten Spo11 abgeschnitten durch nucleolytische Spaltung.

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


Die überstehenden Enden der Einzelstränge werden verlängert und
daran lagern sich die Proteine Rad51 und Dmc1 an. Sie sorgen für
die Ausbildung eines D-Loops, also für die Verdrängung einer der
beiden Einzelstränge. Die Proteine Rad50 und Cohesin verhindern
dabei das Auseinanderdriften der DNA-Enden, indem sie die
gebrochenen Stücke miteinander verbinden (Rad50) und die
Schwesterchromatiden zusammenhalten (Cohesin). Anschließend
dienen in der Meiose Axialfilamente des Synaptonemalen Komplexes
als Barriere, die die Schwesterchromatide abschirmt und somit eine
kreuzweise Reparatur mit dem homologen Chromosom erzwingt. Da
das homologe Chromosom nicht identisch ist, kann es passieren, dass
es zu einem Basen-Mismatch kommt; infolgedessen muss es
anschließend noch eine Mismatch-Repair geben.
Diese Recombinational Repair nennt man DNA Damage Response,
wobei eine Checkpoint Response ausgelöst wird.
– Für die Doppelstrangbruch-Reparatur gibt es insgesamt vier
verschiedene Pathways, wovon zwei zu einem Crossing-Over führen
und zwei wiederum nicht. Welcher Pathway genutzt wird, variiert
zwischen verschiedenen Organismen.
– Spalthefe: Hat keinen Synaptonemalen Komplex → Mus81-
dependent repair → Crossing-Over
– Maus, C.elegans, Bäckerhefe: Double Holiday Junctions mit
Resolution → Crossing-Over
– der Synaptonemale Komplex ist keine Voraussetzung für das
Crossing-Over, sondern eine Folge davon! Denn während an der DNA
die Rekombination abläuft, wird – beginnend an den
Rekombinationsstellen - der Synaptonemale Komplex zwischen den
homologen Chromosomen gebildet

Mendel Regeln

– Uniformitätsregel
– F1 ist einheitlich
– (Reziprozitätsregel)
– es ist egal, von welchem Elternteil ein Merkmal stammt
– Spaltungsregel
– Kreuzung der F1 führt zur Aufspaltung des Merkmals in der F2 in bestimmten
Häufigkeiten
– Unabhängigkeitsregel
– Merkmale werden unabhängig voneinander vererbt
– Merkmale, die auf zwei verschiedenen Chromosomen liegen, werden
unabhängig voneinander vererbt, während Merkmale, die auf demselben
Chromosom liegen, nicht frei kombinierbar sind

Vorlesung 4 | 23.03.2011
– Zusammenhang zwischen Chiasma und Rekombination:
– Chiasmen sind cytologisch sichtbare Folgen des Crossing-Overs
– bei mehreren Chiasmen zwischen zwei Bivalenten können unterschiedliche
Chromatiden beteiligt sein
– der Nachweis, dass Chiasma und Crossing-Over zusammenhängen, wurde
erbracht, als man beim Mais sogenannte Knobs entdeckte, mit denen sich
selbst homologe Chromosomen leicht unterschieden. Dies war der Beweis für
eine Neukombination in der Meiose.
– Die Chiasmatypie-Theorie besagt, dass das Chiasma eine Folge des Crossing-
Overs ist (und nicht umgekehrt). Beweise dafür:

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


1. Identische Chromosomenarme (also Schwesterchromatiden)
bleiben durch Kohäsion immer zusammen.
2. Doppeltes Interlocking möglich
– Man kann Crossing-Over sichtbar machen, indem man Chromatiden hell bzw.
dunkel färbt, so dass bei einem Crossing-Over ein Farbsprung am Chiasma
von dunkel nach hell bzw. umgekehrt sichtbar wird.
– Zusammenhang zwischen Rekombination und Genkartierung:
– Crossing-Overs durchbrechen die chromosomale Kopplung von Genen
– je weiter zwei Gene auf einem Chromosom auseinanderliegen, desto größer
ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Crossing-Over zwischen diesen beiden
Genen stattfindet
– Gene, die auf demselben Chromosom liegen, neigen dazu, gekoppelt vererbt
zu werden
– die Rekombinationshäufigkeit wird in Centi-Morgan angegeben
– 1 Centi-Morgan (cM) → 1% Rekombination zwischen zwei Genen
– Beispiel: Häufigkeit von 20% Chiasmen/Crossing-Overs in einem
bestimmten Intervall auf einem Chromosom entspricht 10%
Rekombination = 10 cM, weil von den vier Chromatiden des
Bivalents nur zwei am Austausch beteiligt sind. D.h. durch ein
Chiasma werden 2 von 4 Gameten und 2 von 4 Nachkommen
rekombinierte Chromosomen erhalten.
– Beim Vergleich von physischer und genetischer Karte erkennt man
unterschiedliche Abstände zwischen den Genen.
– Es gibt Hotspots der Rekombination – an den Stellen wird besonders häufig
geschnitten. Dementsprechend findet man dort auch deutlich mehr Spo11.
– Die ungleichmäßige Verteilung von Crossing-Overs auf und zwischen
Chromosomen hängt ab von:
– Hot-/Coldspots
– Obligatorisches Crossing-Over/Chiasma:
Jedes Bivalent hat mindestens ein Crossing-Over/Chiasma
– Interferenz von Crossing-Overs/Chiasma:
Ein Crossing-Over beeinflusst die Wahrscheinlichkeit des
Auftretens eines anderens Crossing-Overs → Crossing-Overs
schließen einander aus. Habe ich ein Crossing-Over an einer
Stelle, ist die Wahrscheinlichkeit, dass an einer benachbarten
Stelle auch ein Crossing-Over stattfindet, vermindert.
– Bei Arten, die perfekt an ihre Umwelt angepasst sind, findet man weniger
Crossing-Overs, da genetische Rekombination unerwünscht ist. Dazu bilden
sich ihre Chiasmen ganz an den Enden der Bivalente aus. Endständige
(terminale) Chiasmen minimieren nämlich die genetische Rekombination.
– Reduktion und Segregation:
– Bivalente werden durch Chiasmen und durch Kohäsion zusammengehalten.
Die Cohesine lösen sich auf, wenn sich die homologen Chromosomen (Meiose
I) bzw. die Schwesterchromatiden (Meiose II) trennen sollen
– Vorgang:
– Zunächst wird die Kohäsion separaseabhängig aufgelöst
– Anschließend zerfallen die Chiasmen
– → Anaphase wird eingeleitet
– Die Kohäsion am Centromer muss jedoch bis zur Anaphase II
erhalten bleiben: Shugoshin schützt das centromernahe Cohesin,
indem es PP2A zum Centromer bringt, das der Phosphorylierung
entgegenwirkt und somit die Öffnung des Cohesins verhindert
– mögliche Fehlorientierungen von Centromeren:
– Bei der Bäckerhefe hält der Proteinkomplex Monopolin die
Schwestercentromere zusammen
– Beim Mais hält das Protein MIS12 die Schwesterkinetochore
zusammen

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


– Bei der Spalthefe hält das Protein Moa1 die Schwesterkinetochore
zusammen und sorgt für die Orientierung zur selben Seite

Karyotyp und Chromosomenevolution

– Karyotyp:
– beschreibt die Eigenschaften eines Chromosomensatzes eines Individuums
oder einer Art
– er umfasst
– Chromosomenzahl
– die relativen Größen der Chromosomen
– die Centromerpositionen
– die Positionen der NOR (soweit bekannt) und des Heterochromatin
– innerhalb einer Art können sich Individuen durch Chromosomenpoly-
morphismen unterscheiden, bei bestimmten Organismen aber auch durch die
Anzahl an Chromosomen
– innerhalb eines Individuums kann sich der Chromosomenbestand spezieller
Zelltypen unterscheiden
– egoistische/parasitische DNA/Gene tragen zur Variabilität des Karyotyps
bei:
– Konstitutives Heterochromatin:
– cytologisch sichtbare, genetisch weitgehend inaktive
Komponente des Chromatins
– ist überkondensiert → Färbung ist stärker und erscheint
als Bänder mit spezifischem Muster
– besteht aus einer großen Anzahl
hintereinanderliegender DNA-Repeats (Retro-
Transposons und/oder einfache Tandem Repeats)
– ist daher arm an Genen
– wird erst sehr spät repliziert
– ist mit methyliertem Histon H3 assoziiert
– die Bildung des Heterochromatins ist epigenetisch

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


determiniert
– Heterochromatinpolymorphismus:
Innerhalb eines Individuums ist das Vorhandensein von
Heterochromatin variabel, das heißt, selbst die
homologen Chromosomen können sich darin
unterscheiden.
– Frage: Hängt das Vorhandensein von Heterochromatin
mit einer besseren Anpassung an die Umwelt
zusammen? → Experimente mit verschiedenen
Heuschreckenpopulationen derselben Art zeigen:
Talpopulationen haben wenig Heterochromatin,
Hügelpopulationen mehr und Bergpopulationen am
meisten.
Vermutung: Da die Replikation umso länger dauert, je
mehr Heterochromatin vorhanden ist, ist auch die
gesamte Entwicklung eines Organismus verlangsamert.
Dies könnte eine Anpassung an die häufigen
Wintereinbrüche im Frühling in den Bergen sein.
– B-Chromosomen:
– in einem Organismus können mehrere B-Chromosomen
auftreten
– B-Chromosomen können dafür sorgen, dass sie sich
innerhalb einer Population anhäufen, indem sie dafür
sorgen, dass sie in die Zellen gegeben werden, die der
Befruchtung dienen: gerichtete Segregation in der
weiblichen Meiose und in der zweiten Pollenmitose
– Transposons
– es gibt einen Selektionsdruck gegen egoistische/parasitische
DNA/Gene
– Vom konstitutiven Heterochromatin zu unterscheiden ist das
fakultative Heterochromatin:
– zeitweilige Inaktivierung von ganzen Chromosomen
oder Chromosomenabschnitten durch
Heterochromatisierung
– Beispiel: das inaktive weiblche X-Chromosom
– konstitutives Heterochromatin ist eine Substanz,
fakultatives Heterochromatin ein Zustand

Struktur eines Metaphase-Chromosoms

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


Vorlesung 5 | 30.03.2011
Mutationen

– auf der Ebene eines einzelen Individuums haben sie meist negative Folgen, aber für die
Evolution von Organismen sind sie unentbehrlich
– Chromosomenmutationen sind Kreuzungsbarrieren – Hybriden sind meist steril

Arten von Mutationen

1. Genmutationen inkl. Punktmutationen


– cytologisch nicht sichtbar
– entstehen durch Replikationsfehler und die Schädigung einzelner Basen
– bei der Reparatur kann es zu chromosomalen Umbauten kommen
– Reparaturmechanismen:
– Replikationsfehler → Mismatch Repair
– Pyrimidindimere → Photoreaktivierung, Bindungen zwischen
Basendimeren werden aufgebrochen
– Pyrimidindimere, fehlerhafte Basen → Base excision repair
– Pyrimidindimere, strukturell stark veränderte Basen → Nucleotide
excision repair
– Doppelstrangbrüche → Reparatur ist fehleranfällig und benötigt
eine intakte homologe DNA-Sequenz als Matrize. Fehler können
chromosomale Umbauten verursachen.
2. Chromosomenmutationen
– Veränderungen in der Chromosomenstruktur: Duplikation, Deletion,
Inversion, Translokation
– entstehen durch Fehler bei der Rekombination und der Reparatur von
Doppelstrangbrüchen
– Duplikation (& Deletion): Beim Crossing-Over kann es passieren, dass der
Austausch zwischen ähnlichen DNA-Sequenzen stattfindet. Als Folge hat
eines der Chromosomen anschließend eine Duplikation und das andere eine
Deletion. Bei dem Chromosom mit dem duplizierten Gen kann es auf die
Dauer passieren, dass eines der beiden Gene mutiert und langfristig eine
neue Funktion übernimmt. So entstehen neue Gene.
Hat erst einmal eine Duplikation eines Gens stattgefunden, steigt die
Häufigkeit für weitere Duplikationen desselben Gens.
– (reziproke) Translokation: Beim Crossing-Over kann es passieren, dass
der Austausch zwischen ähnlichen DNA-Sequenzen von nicht-homologen
Chromosomen stattfindet. Translokationen ändern meist die Größe der
beteiligten Chromosomen.
Reziprok = wechselseitig
In der Meiose von heterozygoten Trägern von Translokationen paaren sich
nicht Bivalente, sondern Quadrivalente. Die vier Centromere werden dann
abwechselnd zu den Seiten gezogen, so dass sich das Gebilde wieder richtig
trennt.

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


– Deletion: Beim Crossing-Over kann es passieren, dass der Austausch
zwischen ähnlichen DNA-Sequenzen in ein und demselben Chromosomen
stattfindet.
Pflanzen sind Deletionen gegenüber robuster als Vertebraten.
Intrachromosomale Rekombination: Das Chromosom biegt sich schleifenartig
und es kommt zur Rekombination zwischen den beiden ähnlichen Sequenzen.
Man erhält dann einen Ring (nicht stabil, da er kein Centromer enthält und
somit nicht weitergegeben werden kann) und ein lineares Chromosom mit
Centromer.
Findet die Rekombination bzw. Deletion jedoch terminal statt, erhält man
einen Ring, der das Centromer enthält. Hier gehen sowohl das lineare
Chromosom als auch der Ring (trotz Centromer) verloren, da
Schwesterchromatid-Austausche in Ringchromosomen dicentrische Ringe
prodzuzieren, die in der Mitose fragmentieren.
Isochromosomen: Entstehen, wenn sich das betreffende Chromosom in der
Äquatorialebene der Metaphase senkrecht zur Normalposition ausrichtet. So
wird das Chromosom in der Anaphase transversal zweigeteilt.

– Robertson'sche Fusion: ist eine Art von Translokation, bei der Austausche
in Centromer-Nähe stattfinden. Dies kann zur Veränderung der
Chromosomenzahl führen.
Beispiel: Innerhalb der Gattung der Kleinhirsche gab es eine dramatische
Reduktion der Chromosomenzahl:
Chinesischer Muntjak: 2n = 46
Schwarzer Muntjak: 2n = 8 (weiblich) / 9 (männlich)

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


Indischer Muntjak: 2n = 6 (weiblich) / 7 (männlich)
– Perizentrische Inversion: Das Chromosom biegt sich schleifenartig und es
kommt zur Rekombination zwischen den beiden ähnlichen Sequenzen. Dabei
liegt das Centromer zwischen diesen beiden Sequenzen. Gene tauschen die
Plätze und auch die Position des Centromers ändert sich. Die schleifenartige
Struktur bleibt. Um trotz der Schleifenstruktur noch eine Paarung mit dem
Homolog zu ermöglichen, legen sich die beiden Homologe in einer
Inversionsschleife aneinander. Bei solch einer Inversionsschleife entstehen
Duplikationen und Deletionen. Somit erhält nur ein Teil der Gameten den
vollständigen Satz an Genen.

– Parazentrische Inversion: Das Chromosom biegt sich schleifenartig und es


kommt zur Rekombination zwischen den beiden ähnlichen Sequenzen. Dabei
liegt das Centromer nicht zwischen diesen beiden Sequenzen. Gene tauschen
die Plätze, aber die Position des Centromers bleibt bleich. Die schleifenartige
Struktur bleibt. Um trotz der Schleifenstruktur noch eine Paarung mit dem
Homolog zu ermöglichen, legen sich die beiden Homologe in einer
Inversionsschleife aneinander. Bei solch einer Inversionsschleife entsteht ein
Chromosom mit zwei Centromeren und ein Chromosom mit keinem
Centromer. Letzteres geht verloren und ersteres wird reißen. Somit erhält
nur ein Teil der Gameten den vollständigen Satz an Genen.

– Artbildung und Kreuzungsbarrieren


– Sympatrische Artbildung: Radikale Veränderungen im Genom schaffen
Kreuzungsbarrieren, wodurch eine neue Art inmitten des
Verbreitungsgebietes der Urpsrungsart entsteht
– Schema der Rassen- und Artbildung: Rekombination & Mutation →
Neue Allele, Allelkombinationen und neue Gene → Selektion oder
Isolation/genetischer Drift → Rassenbildung → Reproduktive Isolation

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


oder zunehmende divergierende Entwicklung → Entstehung neuer
Arten
– Beispiel: Pferd + Esel → Maultier oder Maulesel. Welches „Produkt“
sich ergibt, hängt davon ab, welches Tier die Mutter ist und somit von
den mitochondrialen Genen.
– Auch zwischen Mensch und Schimpanse gibt es Kreuzungsbarrieren
– Schimpanse hat mehr Chromosomen

3. Genommutationen
– Veränderungen der Chromosomenzahl: Aneuploidien, Polyploidien
– entstehen meist durch eine Fehlverteilung von Chromosomen in Mitose und
Meiose
– Für 50% aller spontanen Aborte beim Menschen sind Chromosomen-
aberrationen verantwortlich
– Arten:
– Polyploidien:
– Veränderung der Zahl von Chromosomensätzen
(Triploidie, Tetraploidie, etc.)
– Poliploidie von ganzen Individuen entsteht oft durch
den Ausfall oder den Abbruch der Meiose, so dass
diploide Gameten entstehen
– Poliploidien einzelner Zellen/Gewebe entstehen durch
aufeinanderfolgende Replikationszyklen bei
gleichzeitigem Ausfall der Mitosen
– Allopolyploidie: Kann sterile polyploide Hybride fertil
machen.
– es wurde bei Züchtungen von Pflanzen unbewusst in
Richtung Polyploide selektiert
– Beispiel: Weizen; hatte ursprünglich 7
Chromosomen, nun 21!
– Aneuploidien:
– Veränderung der Zahl einzelner Chromosomen
(Trisomie, Tetrasomie, etc.)
– entstehen meist durch die Fehlverteilung einzelner
Chromosomen in Mitose oder Meiose
– Fehlverteilungen passieren, wenn sich die homologen
Chromosomen bzw. die Schwesterchromatiden nicht
trennen und wenn dann auch der Spindelcheckpoint
versagt.
– Bei Pflanzen wirken sich Trisomien nicht so nachteilig
aus wie bei Säugetieren. Dies zeigte ein Experiment mit
dem Stechapfel, dem man für jedes seiner 12
Chromosomen eine Trisomie anzüchtete.

Humancytogenetik und erbliche chromosomale Defekte

Fluoreszenzmikroskopie
– UV-Licht regt Farbstoffe in der Probe zur Fluoreszenz an
– Vorgang: UV-Licht regt Elektronen auf ein höheres Energieniveau. Ist das UV-Licht weg,
fallen diese Elektronen auf ihr ursprüngliches Energieniveau zurück → Fluoreszenz
– die Substanzen, die zur Fluoreszenz angeregt werden, haben meist Spezifitäten, z.B.
gegenüber A-T-reiche Sequenzen
– Beispiele für solche Substanzen:
– Ethidiumbromid → keine Spezifität
– DAPI → A-T-Spezifität
– Chromomycin
– Diese Farbstoffe können auch kombiniert werden. Es werden dann verschiedene

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


Wellenlängen gestrahlt und jedesmal ein Foto gemacht. Mit unterschiedlichen
Wellenlängen bringt man auch unterschiedliche Farbstoffe zur Fluoreszenz.
– Die Fluoreszenzmirksokopie war die erste Möglichkeit, die Bänderung zu erkennen und
die einzelnen Bänder zu identifizieren. Erst später erhielten auch einfachere Mikroskope
die Fähigkeit, Bänderungen sichtbar zu machen.
– HSA G-Bänder (G = „Gimser“ = Farbstoff)
– HSA R-Bänder (R = revers; umgekehrte Bänderung zu G-Bändern)

Bezeichnung von Chromosomen


– kurzer Arm = p („petit“)
– langer Arm = q (weil es der nächste Buchstabe im Alphabet ist (nach p))
– Beispiel für die Angabe einer Mutation: 5p-
– 5 = Chromosom 5
– p = Kurzer Arm
– - = Deletion

PID – Präimplantationsdiagnostik
– Amniocentese
– Untersuchung des Fruchtwasser
– Bei einem weiblichen Fötus kann man nicht sicher sein, ob man wirklich
Zellmaterial vom Fötus untersucht und nicht von der Mutter
– Chorionzotten-Biopsie
– Untersuchung der Chorionzotten des Mutterkuchens

Alter der Mutter und Trisomien bei Nachkommen


– je älter die Mutter, desto größer das Risiko einer Trisomie
– Chromosomenanomalien sind mittlerweile aufgrund ihrer Häufigkeit eine
Zivilisationskrankheit – das liegt daran, dass das durchschnittliche Alter der Mutter um
7 Jahre gestiegen ist
– Gingen 1980 nur 23% der Fehlgeburten auf Trisomien zurück, waren es 2004 schon
46%

(Freie) Trisomie 21 – Down-Syndrom (Aneuploidie)


– Beim Schimpansen gibt es ein Äquivalent: Trisomie 22
– diese Trisomie ist so häufig, weil es die mildeste Form aller Trisomien ist; dies liegt
daran, dass das Chromosom 21 sehr wenig Gene enthält, die Dichte der Gene also sehr
niedrig ist.
– Frage: Warum ist eine Trisomie 22 nicht noch häufiger, immerhin ist das Chrosmosom
noch kleiner als das Chromosom 21? → Auf dem Chromosom 22 liegen deutlich mehr
Gene als auf dem Chromosom 21! Ein Mensch mit einer Trisomie 22 wäre deshalb nicht
lebensfähig.
– Eine Frau mit Trisomie 21 ist fertil, während ein Mann mit Trisomie 21 steril ist.
Erklärung: Bei Männern mit einer Trisomie 21 kommt es im Sex Body zur Umverteilung
der Proteinausstattung, denn diese Proteine lagern sich vermehrt an das dritte
Chromosom 21 an. (Sex Body siehe Seite 26), In Folge ist das XY-Bivalent von weniger
dieser Proteine umgeben, wodurch die nicht-homologen bzw. nicht gepaarten Bereiche
von X und Y wieder freigelegt und transkribiert werden. So werden Gene transkribiert,
die zur Apoptose der Zelle führen.

Vorlesung 6 | 13.04.2011
Ursachen von Aneuploidien
– die wahrscheinliche Ursache für Aneuploidien ist eine abnehmende Kohäsion der
Schwesterchromatiden, die typischerweise während der Alterung der weiblichen Eizellen
auftritt. Dies zeigen Maus-Experimente (SMC1ß-/--Mutanten sind Cohesin-geschwächt)
– Als weiteres Risiko wird eine extrem centromerferne (distale) oder centromernahe
(proximale) Position des Chiasma angenommen

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


– Normalfall: Chiasma ist in der Mitte, die Kohäsion geht in Centromernähe
erst sehr spät weg.
– Distal: Ganz am Ende der Chromosomen ist nur wenig platz für Cohesine.
Dadurch ist das dort ausgebildete Chiasma nicht stabil. Es kommt zur
Fehlverteilung in der 1. Teilung. Dies sieht man vor allem bei jungen Müttern,
die ein Kind mit einer Aneuploidie bekommen haben.
– Proximal: Die 1. Teilung verläuft korrekt. Doch anschließend ist nur noch
wenig Raum für die Cohesine in Centromernähe. So kommt es in der zweiten
Teilung zur Fehlverteilung.

Translokations-(familiäre) Trisomie (Aneuploidie)


– entsteht, wenn Chromosomen fusionieren und anschließend ein meiotischer Paarungs-
und Segregations-Defekt des (in der Regel) kleineren Fusionspartners auftritt
– besonders anfällig dafür sind die Chromosomen 13, 14, 15, 21 und 22, die dazu neigen,
mit ihren Enden zu fusionieren, da ihre Centromere sehr nah an ihren Enden liegen.
– Andere Chromosomen fusionieren zwar auch, aber aufgrund ihrer Anordnung ihrer
Centromere können sie wieder erfolgreich getrennt werden
– im Gegensatz zu einer freien Trisomie ist die Translokations-Trisomie nicht vorhersehbar
(zumindest solange man kein Karyogramm von sich erstellen lässt)

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


FISH – Fluoreszenz in situ Hybridisierung
– basiert auf der Eigenschaft, dass einzelsträngige DNA spontan reassoziiert wenn
komplementäre DNA vorhanden ist
– verwendet man, um herauszufinden, wo auf einem Chromosom eine bestimmte DNA-
Sequenz liegt – und um Chromosomenanomalien beim Menschen festzustellen
– Vorgang:
– die Chromosomen werden in Einzelstränge zerlegt
– die DNA-Probe wird ebenfalls in Einzelstränge zerlegt und
fluoreszenzmarkiert
– sie werden zusammengegeben
– es kommt zur Hybridisierung
– die Markierungen können detektiert werden
– FISH ist sehr hilfreich für die Interphase-Cytogenetik, bei der Aneuploidien in
Interphasekernen festgestellt werden können. Somit sind keine Zellen nötig, die sich
gerade in der Teilung befinden. Dabei wird jedes Chromosom mit einer Chromosom-
spezifischen FISH-Sonde angefärbt, so dass sie sich anhand ihrer Farben unterscheiden
lassen.

Tumorcytogenetik

– Tumore können ausgelöst werden durch chromosomale Umbauten, wodurch


Fusionsgene oder neue Kombinationen von Promotoren und Zellzyklusregulatorgenen
enstehen, die die Zelle zur ständigen Proliferation anregen
– durch chromosomale Umbauten können auch Tumorsuppressorgene zerstört werden,
wodurch es ebenfalls zur übermäßigen Proliferation kommen kann
– durch das unregulierte Wachstum von Tumoren kann es zur Anhäufung von aberranten
Chromosomen kommen
– außerdem kann es in Tumorzellen zur konstitutiven Aktivierung der Telomerase
kommen („Second Hit“), die die Telomere verlängert
– der Karyotyp einer Tumorzelle kann wegen der unkontrollierten Teilungen stark
degenerieren: Aneuploidien, Inversionen, Deletionen etc.

Philadelphia-Chromosom
– charakteristisch für die chronische myeloische Leukämie
– es handelt sich um eine Translokation des C-ABL-Gens von Chromosom 9 in das
Chromosom 22
– C-ABL kodiert eine Proteinkinase, die eine Rolle beim Transfer von
Wachstumsfaktorsignalen aus dem Gewebe in den Nukleus spielt. Durch die
Translokation an das BCR-Gen des Chromosom 22 entsteht als Produkt das chimärische
BCR-ABL-Protein – ein abnormales Signal-Transduktionsmolekül, das die Zellen zur
ständigen Proliferation anregt.

Burkitt-Lymphom
– entsteht durch die reziproke Translokation von c-myc an Promotor- und Enhancerstellen
von Immunglobulinen, so dass c-myc eine erhöhte Expression erfährt und Krebs
entstehen kann.

Krebs-Marker
– Double minutes (DM)
– Homogeneously Staining Regions (HSR)
– sie entstehen durch die selektive Amplifikation mancher Gene, die das Wachstum dieser
Zellen begünstigen oder ihnen Resistenz gegen die Behandlung mit Tumor-Repressoren
verleihen

CGH – Comparative Genomic Hybridisation


– hiermit lassen sich chromosomale Anomalien diagnostizieren ohne dass man
Chromosomen benötigt

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


– Vorgang: Man nimmt gesunde Chromosomen und dazu DNA, die man aus dem Tumor
isoliert hat. Die DNA wird dann angefärbt (z.B. grün) und auf die gesunden
Chromosomen gegeben. Daraufhin wird man feststellen, dass einige der Chromosomen
ebenfalls grün werden. Dies liegt daran, dass sich die grün angefärbte DNA aus dem
Tumor komplementär an die Chromosomen anlagert. Rot-gefärbte Kontroll-DNA
(stammt nicht aus dem Tumor) lagert sich an den anderen Chromosomen an und färbt
diese Rot. So lässt sich erkennen, welche DNA-Stücke des Tumors (und somit welche
Chromsomen) ursächlich für den Tumor sind.

Organisation der Chromosomen im Interphasekern

– Rabl zeigte 1885, dass die Gene auch in der Interphase auf Chromosomen „aufgefädelt“
sind und dass sie oft eine nicht-zufällig Orientierung einnehmen
– bei Ciliaten hingegen liegen die Chromosomen in der Interphase zerstückelt vor

Rabl-Anordnung/Rabl-Orientierung
– Die Chromosomen sind im Interphasekern parallel angeordnet, und zwar mit den
Centromeren auf der einen Seite und den Telomeren auf der anderen Seite
– zwei Zellen, die sich voneinander geteilt haben und nebeneinander liegen, zeigen eine
zueinander spiegelbildliche Orientierung der Centromere und Telomere. Dies liegt daran,
dass die Chromosomen in der Anaphase mit den Centromeren voran zu den Polen
gezogen wurden.

Weitere Organisation der Chromosomen im Interphasekern


– Die Chromosomen nehmen in der Interphase distinkte Territorien/Domänen ein. Um
dies herauszufinden, verwendete man einen Laser, den man auf einen Interphasekern
schoss, wodurch die dort befindliche DNA beschädigt wurde. Dann hat man die
Reparatursynthese abgewartet. Gibt man währenddessen radioaktiv markiertes Material
dazu, wird sie in die DNA mit eingebaut. Es zeigte sich, dass nur wenige Chromosomen
repariert werden mussten. → In dem vom Laser zerstörten Ort lagen nur wenige bzw.
nur ein Chromosom.
Innerhalb der Chromosomendomänen ist das Chromatin nicht zufällig angeordnet und
zwischen den Domänen gibt es Kanäle (interchromosomal domains), die man sichtbar
machen kann, indem man das Filament-Protein Vimentin im Zellkern exprimmiert. Die
Kanäle haben die Funktion des Stofftransportes zwischen den Chromosomen.
– Zur Analyse der Lage von Chromosomen im Interphasekern dient auch die 3D-
Mikroskopie
– Um herauszufinden, wie Chromosomen in sich selbst organisiert sind, dient die 4C-
Technik. Diese Technik liefert Informationen über die Faltung des Chromatins und
funktionelle Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Loci innerhalb eines
Chromosoms aber auch Interaktionen zwischen Chromosomen. Für diese Technik cross-
linked man DNA, dann schneidet man. Die Fragmente werden ligiert und das Cross-
Linking entfernt. Es entsteht ein ringförmiges Molekül. Analyse durch PCR.
– Für Wechselwirkungen zwischen Chromosomen liegen diese sehr nah beieinander.
Außerdem vermutet man, dass diese Interaktionen nur in bestimmten Phasen der
Interphase stattfinden.

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


– Bei nebeneinanderliegenden Chromosomen kann es zwischen ihnen zur Co-Expression
von Genen kommen, die auf den Chromosomen co-lokalisiert sind. Ein Hinweis für die
Co-Lokalisation von spezifischen Chromosomenregionen liefern Translokationen wie z.B.
9,22. Wenn 9 und 22 im Zellkern benachbart sind, dann werden im Fall von Brüchen
diese beiden Chromosomen überzufällig häufig translozieren.
– Außerdem liegen transkribierte Chromosomenbereiche bevorzugt im Kerninneren,
inaktive Bereiche an der Peripherie. Dabei kommt es auch auf den jeweiligen Zelltyp an,
welches Gen wo liegt.

Orientierung der Interphase-Chromosomen (z.B. bei der Hefe)


– die Centromere lagern sich rund um den Spindelpol bzw. rund um das Centriol an,
während die Telomere an der Kernperipherie andocken

Von der Rabl-Anordnung der Interphase zum Bukett in der meiotischen Prophase
– die Chromosomen müssen sich dazu komplett umorientieren
– am Ende orientieren sich alle Chromosomenenden in einem kleinen Areal
– bildlich gesprochen ist dieser Vorgang eine Art Umklappen, so wie man einen
Handschuh von links zurück auf rechts umklappt

Funktionelle Kompartimentierung des Zellkerns


– Gewisse Prozesse im Kern sind auf einige Stellen (Factories) konzentriert.
Chromosomale Loci, an denen diese Prozesse aktuell erfolgen, versammeln sich dort:
– Transcription Factories:
– Immunfärbung von RNA Pol II in einer kultivierten Mauszelle zeigt, dass sich
mehrere Gene eine Transcription Factory teilen

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


– Replication Factories:
– die Chromosomen, die Replikation betreiben wollen, gehen hierhin
– bei der Replikation wandert nicht die Replikationsgabel am Chromosom
entlang, sondern das Chromosom bewegt sich an der Replication Factory
vorbei
– Repair Centers:
– die Chromosomen, die Doppelstrangbrüche reparieren müssen, gehen hierhin
– Dies zeigte sich, als das Reparaturprotein Rad52 und die Site Marker für
Doppelstrangbrüche von Chromosom 3 und Chromosom 5 co-lokalisierten

Geschlechtschromosomen

Sexuelle Reproduktion
– Vorteile:
– Neukombination von Genen durch Rekombination
– Multiallelie: das Vorliegen zweier Allele für jedes Gen
– Heterosiseffekt: Begünstigung eines Individuums, das von vielen Genen
verschiedene Allele besitzt
– Nachteile:
– ineffizient, da sie zweierlei Kosten verursacht: die Männchen tragen nur zur
Nachkommenschaft bei, ohne selber Nachkommen bekommen zu können.
Eine apomiktische Population erzeugt pro Generation doppelt so viele
Nachkommen.

Geschlechtsbestimmung
– Haplogenotypisch:
– Die diploide Generation ist einheitlich
– Geschlechtsmerkmale werden nur in der haploiden Phase exprimmiert
– die Gameten können gleich wieder zum diploiden Organismus verschmelzen,
Beispiel: Hefe
– Diplogenotypisch:
– Geschlechtsmerkmale werden in der diploiden Phase exprimmiert
– der Phänotyp der haploiden Generation ist unabhängig vom Phänotyp der
Spermien (?)

Menschliche Geschlechtsbestimmung
– Ist ein Y-Chromosom vorhanden, ist die Ausprägung männlich, auch wenn mehrere X-
Chromosomen vorhanden sind
– Beim Menschen ist also das Y der dominante genetische Faktor, genauer gesagt ein Gen
auf dem Y

Sex-determinierende Region am Y: TDF/(SRY)


– fehlt diese Region, bilden sich Ovarien aus und der Mensch wird weiblich, auch wenn
andere Y-Chromosom-Regionen durch Translokationen auf anderen Chromosomen
vorhanden sind

Sex Reversal Syndrome


– Testikuläre Feminisierung:
– Frauen mit X und vollständigem Y Chromosom
– diese Frauen haben anstelle der Eierstöcke Hoden, die auch Testosteron
produzieren
– diesen Frauen fehlt ein Gen, welches die Rezeptoren für Testosteron ausbildet,
so dass zwar Testosteron produziert wird, es aber nicht zur Ausprägung kommt
– XX Maleness:
– Männer mit zwei X Chromosomen plus ein minimales Stückchen eines Y-
Chromosoms
– männliche Genitalien vorhanden

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


– hoher Testosteronspiegel
– Erklärung bisher noch nicht gefunden, gibt nur Vermutungen

Vorlesung 7 | 04.05.2011
Wie verhalten sich das X- und das Y-Chromosom in der Meiose?
– X-Chromosom ist viel größer und genreicher als das Y-Chromosom → morphologische
Unterschiede
– X und Y sollen nicht miteinander rekombinieren, da sonst der
geschlechtsdeterminierende Faktor vom Y-Chromosom auf dem X-Chromosom landen
kann → Rekombination muss verhindert werden
– Durch das Unterbinden der Rekombination kam es automatisch zur unterschiedlichen
Entwicklung von X- und Y-Chromosom und so zu einem Gen-Verlust auf dem Y-
Chromosom (es hat nunmehr 30 Gene, die zum Großteil in der Evolution unwirksam
sind). Diesen Genverlust konnte sich das Y-Chromosom nur erlauben, weil es nie alleine
vorliegt (sondern immer gepaart mit einem X-Chromosom).
– bei weniger fortgeschrittenen Tieren wie Würgeschlangen sind die beiden
Geschlechtschromosomen morphologisch noch gleich, während sie bei höheren
Reptilienarten bereits verschieden sind
– In der Meiose müssen X und Y trotz ihrer Unterschiede ein Bivalent bilden. Das ist
dadurch möglich, dass es in beiden Chromsomen einen Bereich gibt, in dem sich die
beiden nicht unterscheiden: die pseudoautosomale Region PAR. Dieser Bereich
verhält sich wie ein Autosom, also wie ein Nicht-Geschlechtschromosom. Hier – und nur
hier! - findet die Rekombination, also das Cross-Over statt. Das heißt aber nicht, dass X
und Y nur an der Stelle paaren können, denn der synaptonemale Komplex, der für die
Paarung an der pseudoautosomalen Region sorgt, achtet nicht so sehr auf Homologie –
d.h., ist erst einmal an der Stelle der pseudoautosomalen Region eine Paarung, so fügt
sich der Rest wie ein Reißverschluss zusammen.
– Außerdem gibt es an den langen Armen von X und Y noch eine weitere PAR
– das XY-Bivalent wird in einem Sex-Body eingelagert, der ein Bereich im Zellkern
darstellt, der räumlich abgesetzt ist und seine eigene Proteinausstattung hat. Hier
manifestiert sich auch die meiotische Inaktivierung der Geschlechtschromosomen.
Außerdem decken die Proteine die ungepaarten Bereiche des XY-Bivalents ab, um diese
für den Checkpoint bei der Meiose unsichtbar zu machen (sonst würde die Meiose
stoppen).

Folge der Heterozygotie bei Männern


– durch die Heterozygotie liegen viele Gene nur hemizygot vor, wodurch Männer häufiger
von X-chromosomal gebundenen rezessiven Defekten betroffen sind

Aneuploidien bei Geschlechtschromosomen


– Turner-Syndrom: XO Frau
– infertil
– milder Phänotyp → kleinwüchsig, typische Falten
– Klinefelter-Syndrom: XXY Mann
– infertil
– milder Phänotyp → weibliche Körperfettverteilung
– SexReversal Syndrome → siehe S. 26
– Testikuläre Feminisierung (XY Frau)
– XX Maleness
– ab zwei zusätzlichen Geschlechtschromosomen (XXX, XXY, XYY) setzt eine zunehmende
geistige Behinderung ein

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


– die Anzahl der Barr-Körperchen entspricht der zusätzlichen Anzahl an X-
Chromosomen, d.h., es werden immer so viele X-Chromosomen inaktiviert, dass ein
aktives X-Chromosomen übrig bleibt:
– XX (normal), XXY, XXYY etc. → 1 Barr-Körperchen
– XXX, XXXY, XXXYY etc. → 2 Barr-Körperchen
– XXXX, XXXXY etc. → 3 Barr-Körperchen
– XXXXXX → 4 Barr-Körperchen
– Frage: Wie kann es passieren, dass ein Mensch 5 Geschlechtschromosomen hat, wenn
er bereits ab 3 Geschlechtschromosomen unfertil ist? Erklärung: Diese Anhäufung von
Geschlechtschromosomen muss im Laufe der Embryonalentwicklung durch
Fehlverteilungen stattfinden.

Barr-Körperchen/Barr-Body und aktives X-Chromosom


– das inaktivierte zweite X-Chromosom der Frau bildet das Barr-Körperchen
– es ist hyperkondensiert (also Heterochromatin) und spät replizierend
– die Inaktivierung eines der beiden X-Chromosomen bei der Frau erfolgt, damit Frauen
nicht doppelt so viele X-chromosomale Genprodukte wie Männer haben. So ist das
Verhältnis von X-chromosomaler zu autosomaler Gendosis bei beiden Geschlechtern
gleich (1 geschlechtschromosomale Dosis vs. 2 autosomale Dosen). Würde es diese
Dosiskompensation nicht geben, würde es bedeuten, dass das X-Chromosom beim
Mann eine doppelt so hohe Gendosis produzieren müsste, um dieselbe Gendosis wie bei
einer Frau zu erreichen.
– Die Hypothese zur Inaktivierung eines X-Chromosoms nannte sich „Lyon-Hypothese“
– Frauen sind bezüglich des aktiven X-Chromosoms Mosaike (ebenso Schildpatt-/Calico-
Katzen). In der frühen Embryonalentwicklung sind zunächst beide X-Chromosomen
aktiv, dann wird eines inaktiviert. Im Falle der Anhidrotischen ektodermalen Dysplasie
sind die X-Chromosomen heterozygot in Bezug auf einen Marker. Dies äußert sich in
Veränderungen der Sekreten der Haut, was mit Färbungen sichtbar gemacht werden
kann.
– Wenn eines der X-Chromsomen sowieso inaktiviert wird, wieso haben dann Turner-
Frauen (XO) einen Phänotyp? Erklärung: Bei Frauen ist das inaktivierte X nicht gänzlich
inaktiv. Etwa 15% des inaktivierten X sind trotzdem aktiv.

Inaktivierung eines X-Chromosoms (Vorgang bei Mensch und Maus)


– Wenn noch beide X-Chromosomen aktiv sind, wird von beiden eine Antisense-RNA
transkribiert. Im Zuge der Differenzierung beginnen die Chromosomen dann, sich zu
bewegen, so dass sich die X-Chromosomen finden und für 45 Min. zusammenbleiben.
Während dieser 45 Min. der Anlagerung wird die Antisense-RNA-Produktion an einem
der X-Chromosomen vermindert, wodurch nun an diesem X (welches das aktive sein
wird) das X-Inactivation-Center transkribiert werden kann.
– Produkt dieses Gens: Xist-RNA, die aber nicht translatiert wird, sondern wieder
transkribiert wird und ihre Funktion somit als RNA ausübt. Sie bedeckt das inaktive X
zum Großteil, so dass die Transkription dieses X verhindert wird, indem die
Transkriptionsfaktoren nicht mehr binden können. Die ausgesparten Bereiche des
inaktiven X-Chromosoms sind die 15%, die auch nach der Inaktivierung aktiv bleiben.
Dazu gehört auch die Pseudoautosomale Region PAR.
– Infolge der Inaktivierung des X durch Xist-RNA kommt es noch zu epigenetischen
Modifikationen wie Hyperacetylierungen, die die Inaktivierung verstärken
– Wie wird festgelegt, welches der X-Chromosomen inaktiviert wird? Dafür gibt es zwei
Möglichkeiten:
– Entweder: Das aktive X produziert Xist-RNA, welches das inaktive X
ausschaltet. Hier geht die Inititiative vom aktiven X aus.
– Oder: Das inaktive X schaltet das Xist-Gen auf dem aktiven X aus, so dass
es nur noch selber Xist-RNA produziert, die es inaktivieren. Hier geht die
Inititiative vom inaktiven X aus.
– Es zeigt sich, dass die erste Möglichkeit stimmt – die Initiative geht also vom
aktiven X aus! Dies macht auch Sinn, für den Fall, dass mehr als zwei X-

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


Chromosomen vorliegen. So wird in solch einem Fall auf Nummer sicher
gegangen, dass nur ein X aktiv bleibt und alle anderen inaktiv werden.

Geschlechtschromosomen des Schnabeltiers


– Hat 10 Geschlechtschromosomen: 5 X und 5 Y
– Diese Chromosomen dürfen natürlich nicht rekombinieren und auch nicht unabhängig
voneinander segregiert werden! → Alle X müssen in der Meiose auf die eine Seite und
alle Y auf die andere Seite
– Alle X bzw. alle Y verhalten sich als wenn sie ein einzelnes Chromosom wären

Geschlechtschromosomen der Drosophila


– Hat X- und Y-Chromosomen: Weibchen XX, Männchen XY
– Das Y-Chromosom ist nicht dominant bzgl. der Geschlechtsbestimmung: Fehlt das Y-
Chromosom (ist also nur ein X da), ist die Fliege trotzdem männlich
– Sind zu XX zusätzliche Y vorhanden, so ist die Fliege trotzdem weiblich
– Geschlechtsbestimmend ist das Verhältnis der X-Chromosomen zu den Autosomen:
– 3X + 2A → Überweibchen, weibliche Geschlechtsmerkmale überstark
ausgeprägt
– 2X + 2A → weiblich
– 3X + 4A → Intersex, intermediär ausgebildete Geschlechtsmerkmale
– 1X + 2A (+ 1Y) → männlich
– 1X + 3A (+ 1Y) → Übermännchen, männliche Geschlechtsmerkmale
überstark ausgeprägt

Spezialisierte Chromosomen bzw. Chromosomen-Besondheiten

Polytänchromosomen/“Riesenchromosomen“
– Polytänie ist ein Spezialfall der Polyploidie (→ Chromatiden werden nicht auf die
Tocherkerne aufgeteilt)
– Polytänie: die neu synthetisierten Chromatiden bleiben aneinander haften, werden
nochmals neu repliziert und so weiter. So bilden sich dichte Büschel von DNA
(„Riesenchromosomen“), die dicker und länger sind als gewöhnliche DNA und die nicht
getrennt werden können. Damit eine Transkription trotzdem weiterhin möglich ist,
werden so genannte Puffs ausgebildet (aufgelockertes Chromatin)

– Polytän-Chromosomen findet man dort, wo eine erhöhte Transkriptionsaktivität


herrscht.
– Polytän-Chromosomen sind bei der Gen-Kartierung von Vorteil. Anhand des
Bandenmusters konnte man auch die Bar-Mutation bei Drosophila lokalisieren:
Duplikation in der Region 16A des X-Chromosoms
– Polytän-Chromosomen gibt es in:
– Dipteren-Larven (z.B. Drosophila)

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


– Embryosuspensoren bei Pflanzen
– den Macronuclei mancher Ciliaten (z.B. Pantoffeltierchen)

Somatische Paarung bei Drosophila


– Eine Besonderheit bei Drosophila ist, dass die homologen Chromsomen immer gepaart
sind – auch in der Interphase! Dies bezeichnet man als somatische Paarung.
– Dadurch können auch in der G1 Schäden durch Rekombination repariert werden
– Experimente zeigen, dass es diese somatische Paarung nur bei Drosophila gibt. Bei
diesen Experimenten werden Gen-Loci angefärbt, wobei durch die Rabl-Anordnung die
Position der getesteten Loci auf den Chromosomen berücksichtigt werden muss (die
Loci müssen alle ungefähr an derselben Stelle auf den Chromosomen liegen - sonst
kann es zu falsch-positiven Ergebnissen kommen).

Lampenbürstenchromosomen in der Prophase (Diplotän) der Meiose bei Vögeln und


Amphibien
– Lampenbürstenchromosomen (Bivalente) kommen in den Oozyten von weiblichen
Vögeln und Amphibien vor
– sie sind ein Kompromiss zwischen der erforderlichen Chromosomenkondensation und
der Erhaltung einer hohen Transkriptionsfähigkeit. Die Transkriptionsfähigkeit ist
wichtig, um die für die Embryonen erforderlichen Proteine in großen Mengen
produzieren und an sie weitergeben zu können. So kann nach der Befruchtung die
Embryonalentwicklung schneller voranschreiten, da die Embryonen nicht selber
transkribieren müssen. Allerdings muss die Transkription unmittelbar vor der
Befruchtung stattfinden, da mRNA sehr instabil ist.

Holozentrische Chromosomen bei C. Elegans und Ciliaten


– Holozentrische Chromosomen sind solche, bei denen die Spindel entlang des gesamten
Chromosoms ansetzen

– die Mitose funktioniert einwandfrei: Die Chromatiden und auch Fragmente werden ohne
Probleme getrennt. Der Vorteil von holozentrischen Chromosomen ist somit, dass durch
Brüche entstandene Fragmente immer noch auf die Tocherzellen aufgeteilt werden
können und es zu keinem Genverlust kommt.
– die holozentrische Meiose kann jedoch nicht funktionieren, da rekombinierte
Chromatiden zerreißen würden. Deshalb haben Organismen mit holozentrischen
Chromosomen Alternativen entwickelt:
– Tiere: Lokalisierte Kinetochore

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


Verzichten darauf, die Holozentrizität in der Meiose beizubehalten: Die
Chromosomenenden übernehmen einfach die Funktion der Centromere.

– Luzula (Pflanzengattung): Invertierte Meiose


Bei einer gewöhnlichen Meiose trennen sich die homolgen Chromosomen bei
der Meiose I und die Schwesterchromatiden bei der Meiose II. Bei der
invertierten Meiose ist dies umgekehrt: In der Meiose I trennen sich die
Schwesterchromatiden und in der Meiose II die homologen Chromosomen.

Komplexheterozygotie bei der Gattung Rhoeo


– alle Bivalente sind in Ringen vereinigt, die als Komplexe vererbt werden
– es wird jeweils ein Komplex in die Eizellen und je einer in die Pollenkörner gegeben
– bei den regelmäßig auftretenden Kreuzungen erhalten die Pflanzen jeweils zwei
verschiedene ungeteilte Komplexe. Wegen dieser Unteilbarkeit entstehen die gleichen
Sippen immer wieder neu.

Kerndualismus bei Ciliaten (z.B. Tetrahymena)


– Macronucleus:
– Soma
– polyploid
– amitotische Teilung ohne Centromere

Ausarbeitung von Nadine Hohensee


– fragmentierte Chromosomen
– keine Meiose
– wird nicht geschlechtlich vererbt
– Micronucleus:
– Keimbahn
– diploid
– normale Mitose und Meiose
– vererbt bei der geschlechtlichen Reproduktion sein Erbgut
– transkriptorisch inaktiv

Chromosomen bei Dinoflagellaten


– die Chromosomen sind während des gesamten Zellzyklus kondensiert
– 90% der Chromosomen ist DNA (normal: 30%)
– es gibt keine Histone und Nukleosomen
– 62% der Thymin-Basen sind durch Hydroxymethyluracil ersetzt
– die Chromosomen bilden linksdrehende Schrauben
– haben „konventionelle“ Telomere – d.h. sie enthalten lineare DNA. Ein früheres Modell,
das von ringförmigen Chromosomen ausging, musste also verworfen werden.
– Dinoflagellaten sind innerhalb der Eukaryoten vermutlich nicht primitiv, sondern
ageleitet und werden in die genetische Nähe der Ciliaten gestellt

Ausarbeitung von Nadine Hohensee