Besitzarten
Definition des Besitzes:
Besitz ist die von der Rechtsordnung geschützte und vom
Rechtsverkehr anerkannte tatsächliche Sachherrschaft einer Per-
son über eine bewegliche oder unbewegliche Sache, wobei es
zunächst nicht darauf ankommt, ob diese Herrschaft auch recht-
lich gebilligt wird
I. Unmittelbarer Besitz, § 854 I BGB
Definition:
Unmittelbaren besitz hat derjenige, der die tatsächliche Sach-
herrschaft über eine Sache ausübt, § 854 I BGB
Voraussetzungen des unmittelbaren Besitzes, § 854 I BGB:
I. Tatsächliche Sachherrschaft des Erwerbers
- tatsächliche Sachherrschaft: räumliche Beziehung, die es unter
Berücksichtigung der Verkehrsauffassung ermöglicht, unmittel-
bar auf die Sache einzuwirken und andere von der Einwirkung
auszuschließen
- Rechtmäßigkeit der tatsächlichen Sachherrschaft nicht erfor-
derlich
- Räumliche Beziehung zur Sache kann gelockert sein
- Keine alleinige oder jederzeitige Einwirkungsmöglichkeit
erforderlich
II. Gewisse Dauerhaftigkeit der tatsächlichen Sachherrschaft
- Nach h.M. grds. kein Kurzbesitz
- Vorübergehende Verhinderungen gem. § 856 II BGB irrelevant
III. (Natürlicher) Besitzwille des Erwerbers
- Besitzwille: Wille zur tatsächlichen Beherrschung der Sache
- Genereller Wille genügt
- Wille muss nicht auf eine konkrete Sache gerichtet sein
1
- Es handelt sich um einen natürlichen Sachherrschaftswillen
- Gebotene Einsichtsfähigkeit erforderlich, nicht Geschäfts-
fähigkeit
1. Erwerbsmöglichkeiten
- derivativ: bisheriger Besitzer überträgt die Sache willentlich auf
den Erwerber oder dessen Besitzdiener im Einverständnis
- originär: Erwerber erlangt einseitig tatsächliche Gewalt über Sa-
che
- Einigung nach § 854 II BGB als Ausnahme
Voraussetzungen des Besitzerwerbs nach § 854 II BGB:
- Erwerber ist in der läge, die tatsächliche Gewalt über die Sache
bereits auszuüben
- Einigung
- Nach h.M. ein Vertrag, weshalb die §§ 104 ff. gelten
- Hier auch Stellvertretung nach §§ 164 ff. BGB möglich
- Erkennbare Besitzaufgabe des bisherigen Besitzers
2. Beendigungsmöglichkeiten
- § 856 BGB: Beendigung durch freiwillige Besitzaufgabe oder
Verlust in anderer Weise (unfreiwilliger Besitzverlust) möglich
- Besitzaufgabe setzt Aufgabehandlung und auf Aufgabe ge-
richteten natürlichen Willen voraus
- Bei unfreiwilligen Besitzverlust ist die Sache gleichzeitig iSd.
§ 935 BGB abhanden gekommen
- § 856 II BGB: Aufgabe nicht nur vorübergehend
II. Mittelbarer Besitz, § 868 BGB
Definition:
Mittelbaren Besitz hat derjenige, der tatsächliche Sachherrschaft
nicht selbst ausübt, sondern Besitz aufgrund eines zeitlich be-
grenzten Rechtsverhältnisses vermittelt bekommt
—> vergeistigte Sachherrschaft
2
- Wichtig: Mehrstufigkeit gem.§ 871 I BGB möglich
- Voraussetzung: in der Kette Voranstehender muss den
Nachfolgenden als Oberbesitzer anerkennen
Voraussetzungen des mittelbaren Besitzes, § 868 BGB:
I. Rechtsverhältnis iSd. § 868 BGB
- Inhalt: zeitlich begrenzte Besitzberechtigung des Be-sitzmitt-
lers gegenüber dem Oberbesitzer
- Bestimmtes, dh. Konkretes Rechtsverhältnis erforderlich
—> Nicht ausreichend: eine bloß abstrakte Abrede, ohne
Zweckfestlegung, warum unmittelbarer Besitzer Sache in
seiner Gewalt haben darf
- Nicht abschließende Beispiele in § 868
- Insbesondere auch: Sicherungsübereignung (konkret: Si-
cherungsabrede) und Eigentumsvorbehalt
- Auch gesetzliche Besitzmittlungsverhältnisse
- Wirksamkeit nicht notwendig (ganz hM.)
II. Fremdbesitzerwillen des unmittelbaren Besitzers zugunsten
des Oberbesitzers
- Ausübung der unmittelbaren Sachherrschaft in Anerken-nung
des Herausgabeanspruchs des Oberbesitzers
- Besitzmittler muss den mittelbaren Besitzer aufgrund die-
ses Besitzmittlungsverhältnissesn als „Oberbe-sitzer“ an-
erkennen
- Wird vermutet
- Objektive Erkennbarkeit nötig; geheimer Vorbehalt analog §
116 BGB unschädlich
- Kenntnis der Person den mittelbaren Besitzers nicht nötig (vgl.
§ 870 BGBG)
III. Wirksamer Herausgabeanspruch des Oberbesitzers
- Durchsetzbarkeit des Anspruchs nicht erforderlich
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- Anspruch aus dem Besitzmittlungsverhältnisses
- Bei Unwirksamkeit des Rechtsgeschäfts ist auch ein Heraus-
gabeanspruch aus §§ 985, 812 BGB ausreichend
1. Erwerbsmöglichkeiten
- Neuentstehung
- unmittelbarer Besitzer wird zu mittelbaren Besitzer
- Unmittelbarer Besitzer verschafft einem anderen mittelbaren
Besitz
- Übertragung gem. § 870 BGB
- abgetreten wird der schuldrechtliche Anspruch (nicht der
Anspruch aus § 985 BGB, der nicht isoliert abgetreten wer-
den kann)
- Formlos —> §§ 398 ff. BGB gelten
- Keine Mitwirkung des unmittelbaren Fremdbesitzers erfor-
derlich
2. Beendigungsmöglichkeiten
- unmittelbarer Besitzer verliert Besitz
- Erlöschen des Herausgabeanspruchs
- Unmittelbarer Besitzer ändert seine Willensrichtung (auch
rechtswidrig) und erkennt den Oberbesitzer nicht mehr an
- Besitzmittler gibt Fremdbesitzwillen auf und schwingt zum
Eigenbesitzer auf oder besitzt für einen anderen mittelbaren
als Oberbesitzer bzw. für einen anderen Oberbesitzer als
Besitzmittler
- Schlussfolgerung: Mittelbare Besitz des Oberbesitzers
hängt vom Willen des unmittelbaren Besitzers ab
III. Besitzdienerschaft, § 855 BGB
Definition:
Besitzdienerschaft ist die tatsächliche Sachherrschaft im Rahmen
einen Weisungsverhältnisses
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- Abgrenzung zum mittelbaren Besitz: besitzmittlungsverhältnis
vermittelt ein eigenes Besitzrecht
- Insoweit keine Weisungsunterworfenheit
- Unmittelbarer Besitzer ist der Weisungsberechtigte
- Folge: Besitzdiener ist kein Besitzer
- Besitzerwerb erfolgt unmittelbar für den Besitzherrn
- Die Eigentumsvermutung des § 1006 BGB spricht zugunsten
des Besitzherrn, nicht zugunsten des Besitzdieners
Voraussetzungen der Besitzdienerschaft, § 855 BGB:
I. Weisungsgebundenheit des Besitzdieners zum Besitzherrn
- Weisungsunterworfenheit aufgrund eines sozialen Abhän-
gigkeits- und Unterordnungsverhältnisses
- Rechtsverhältnis brauch nicht wirksam zu sein, solange
die Beteiligten von einer Weisungsgebundenheit ausgehen
II. Erkennbarkeit
- Nach Rspr. Muss Unterordnung nach außen erkennbar
sein
III. Handeln im Rahmen des Unterordnungserhältnisses
- Ausübung der tatsächlichen Gewalt nach dem Willen des
Besitzherrn
1. Beendigungsmöglichkeiten
- Besitzdiener eignet sich die Sache äußerlich erkennbar selbst zu
- Besitzdiener räumt einem Dritten Besitz ein
- Besitzdiener lässt die Sache besitzlos werden
2. Streitstände
(P): Kann die Bösgläubigkeit des Besitzdieners dem Erwerber zu-
gerechnet werden?
Folge: Wenn zurechenbar, dann ist der gutgläubige Erwerb aus-
geschlossen
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Ansicht 1 Wissenszurechnung analog § 166 BGB
- Besitzdiener tritt beim Erwerb ähnlich wie
ein Vertreter auf
Ansicht 2 Wissenszurechnung analog § 831 BGB
- Haftungszurechnung einer Hilfsperson mit
Möglichkeit der Exkulpation, wenn Hilfs-
person sorgfältig ausgewählt wurde
Ansicht 3 Vermittelnde Ansicht
- Wissenszurechnung analog § 166 BGB,
wenn Besitz durch einen Besitzdiener im
Vollzug von Aufgaben erworben wurde, zu
denen Besitzdiener bevollmächtigt war;
Sonst § 831 BGB analog
(P): Ist die Sache iSd. § 935 BGB abhandengekommen, wenn der
Besitzdiener die Sache ohne/ gegen den Willen des Besitzherrn
weggibt?
Folge: Kein gutgläubiger Erwerb wäre mehr möglich
- Gesetzliche Regelung nur für den Fall des mittelbaren Besitzes,
vgl. § 935 I 2 BGB
- Wenn mittelbarer Besitzer die Sache freiwillig weggibt,
bleibt ein gutgläubiger Erwerb möglich —> Ist das auf den
Besitzdiener übertragbar?
Ansicht 1 Nein. Bei freiwilliger Weggabe der Sache durch
Besitzdiener ohne/ gegen Willen des Besitzherrn
ist Sache dem Besitzherrn abhanden gekommen
- Grund: Besitzer verliert in diesem Fall den Be-
sitz unfreiwillig; Gutgläubiger Erwerb soll nur
dann möglich sein, wenn Besitzer bzw. eine von
ihm beauftragte Person den Besitz freiwillig
aufgegeben hat
- Bei der Beurteilung der Besitzverhältnisse stellt
das Gesetz an keiner Stelle auf den Schein,
sondern auf objektive Gegebenheiten ab
=> vorrangig: Schutz des Besitzers, nicht des Ver-
kehrs
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Ansicht 2 Rechtsgedanke ist übertragbar, wenn der Besitz-
diener nach außen nicht als solcher erkennbar ist/
nach außen den Eindruck eines Besitzmittlers er-
weckt
- Grund: Wenn der Eigentümer die Sache dem
Besitzer anvertraut, muss er auch das Risiko
tragen, dass dieser seine Stellung missbraucht.
Rechtsscheinbasis ist im Ergebnis nicht der Be-
sitz iSd. § 854 I 2 BGB, sondern die tatsächli-
che Gewalt, die vom Besitzdiener ausgeübt
wird
- Erwerber schutzwütiger, weil aus seiner Sicht
der Veräußere durch den Scheinbaren Besitz
legitimiert ist
- Eigentümer habe durch Verschiffung der tat-
sächlichen Gewalt beim Besitzdiener den not-
wendigen Rechtsscheinträger für den gutgläu-
bigen Erwerb geschaffen
=> d.h.: Verkehrsschutz vorrangig
Ansicht 3 Rechtsgedanke des § 935 I 2 auch dann über-
tragbar, wenn Besitzdiener nach außen als solcher
erkennbar ist - Eigentümer muss das Risiko einer
Veruntreuung durch den Besitzdiener genauso
tragen, wie das Risiko der Veruntreuung durch
den mittelbaren Besitzer
=> bei freiwilliger Weggabe durch Besitzdiener
kein Abhandenkommen
—> gutgläubiger Erwerb möglich, vgl. § 56 HGB
=> d.h.: Verkehrsschutz ist vorrangig
- ABER: § 56 HGB = Ausnahmetatbestand für
Kaufleute
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Der Besitzschutz
I. Verbotene Eigenmacht iSd. § 858 I BGB als Voraussetzung für
alle Arten des Besitzschutzes
Definition der verbotene Eigenmacht:
Besitzbeeinträchtigung ohne Willen des Besitzers und ohne ge-
setzliche Gestattung, § 858 I BGB
Tatbestandsvoraussetzungen nach § 858 I BGB:
- Beeinträchtigung durch Entziehung (§ 861) oder Besitzstörung
(§ 862) des unmittelbaren Besitzers
- Widerrechtlichkeit der Beeinträchtigung, d.h. ohne den Willen
des Besitzers und ohne Geltung durch das Gesetz
- Rechtsfolge: verbotene Eigenmacht führt zur Fehlerhaftigkeit
des Besitzes (§ 858 II 1)
Definition der Besitzentziehung:
Eine Besitzentziehung ist dann gegeben, wenn der Besitzer voll-
ständig sowie dauerhaft und nicht nur vorübergehend von der
Ausübung der tatsächlichen Gewalt ausgeschlossen ist
- Alle anderen Beeinträchtigungen der tatsächlichen werden als
Besitzstörung behandelt
- Widerrechtlichkeit entfällt, wenn Beeinträchtigung nicht ohne
den Willen des unmittelbaren Besitzers erfolgt (d.h. mit irgendwie
kundgebender Zustimmung)
- Nach h.M. genügt für wirksames Einverständnis ein natürli-
cher Wille; bedarf keines rechtsgeschäftlichen Einverständ-
nisses
- Gesetzliche Gestattung schließt Widerrechtlichkeit aus
- Nicht ausreichend: rechtlicher oder dinglicher Anspruch des
Störers gegen Besitzer auf Besitzeinräumung, denn sie ver-
leihen keine Befugnis zu selbstständiger (ohne gerichtliche
Hilfe) Rechtsverwirklichung
- Gem. § 858 II 1 ist durch verbotene Eigenmacht erlangte Besitz
fehlerhaft
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- Setzt sich auch unter den Vss. des § 858 II 2 bei Rechts-
nachfolgern fort
- Fehlerhaftigkeit bleibt bei Gesamtrechtsfolge durch Erb-
schaft (§§ 1922, 857) immer erhalten, während beim rechts-
geschäftlichen Erwerb nur die positive Kenntnis der Fehler-
haftigkeit im Zeitpunkt des Erwerbs schadet
- Gutgläubigkeit des Erwerbers überwindet Fehlerhaftigkeit
des Besitzes
II. Die Besitzwehr nach § 859 I BGB
- Besitzwehr nach § 859 I verleiht das Recht, bestehenden Besitz
zu verteidigen
- Verzichtet auf das Erfordernis, dass obrigkeitliche Hilfe nicht
rechtzeitig zu erlangen ist
- Ermöglicht Besitzer eigenes Notwehrrecht
Voraussetzungen der Besitzwehr nach § 859 I BGB:
I. Drohende Besitzentziehung oder drohende/ andauernde Be-
sitzstörung durch verbotene Eigenmacht
II. Abwehrbefugnis
III. Richtiger Abwehrgegner, § 859 I, IV BGB
IV. Zulässiges Gewaltmittel, durch das das erforderliche Maß
nicht überschritten wird
- § 859 I setzt voraus, dass die verbotene Eigenmacht noch nicht
zum Verlust des Besitzes geführt hat
- Gewaltanwendung darf nicht über das zur Abwehr gegenwärti-
ger, verbotener Eigenmacht gebotene Maß hinausgehen
(Rechtsgedanke des § 227 II)
- Vorliegen einer Überschreitung ist nach objektiver Sachlage
zu beurteilen
- Überschreitung stellt eine widerrechtliche Handlung nach §
823 I dar, sodass Schadensersatzpflicht begründet wird
III. Die Besitzkehr nach § 859 II, III BGB
- § 859 II gibt Besitzer Recht, Störer bewegliche Sache wieder ab-
zunehmen, wenn er auf frischer Tat betroffen oder verfolgt wird
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- § 859 III regelt Besitzkehr für Grundstücke
Voraussetzungen der Besitzkehr nach § 859 II BGB:
I. Besitzentziehung einer beweglichen Sache durch verbotene
Eigenmacht
II. Abwehrbefugnis
III. Richtiger Abwehrgegner, § 859 I, IV BGB
IV. Geeignetheit und Erforderlichkeit des Gewaltmittels
V. Einhaltung der zeitlichen Grenzen
—> Täter auf frischer Tat betroffen oder unmittelbar nach der Tat
verfolgt
Voraussetzungen der besitzmehr nach § 859 III BGB:
I. Besitzentziehung einer unbeweglichen Sache durch verbote-
ne Eigenmacht
II. Abwehrbefugnis
III. Richtiger Abwehrgegner, § 859 I, IV BGB
IV. Geeignetheit und Erforderlichkeit des Gewaltmittels
V. Einhaltung der zeitlichen Grenzen
—> sofortige Entsetzung des Täters; sofortige Wiederbeschaf-
fung des Besitzes
- § 859: Wiederabnehmen entweder bei Betreffen auf frischer Tat
(unmittelbar bei oder alsbald nach der Entziehung) oder nach
Verfolgung auf frischer Tat (Nacheile; Tat muss alsbald nach Ver-
übung entdeckt worden sein und Verfolgung muss alsbald be-
gonnen haben)
- § 859 III: Besitzkehr hat „sofort“ zu erfolgen (so schnell, wie nach
objektivem Maßstab möglich, ohne Rücksicht auf Kenntnis der
Entziehung)
IV. Inhaber der Gewaltrechte nach § 859 BGB
1. Unmittelbarer Besitzer:
- Unmittelbaren Besitzer stehen Gewaltrechte aus § 859 gegen
jedermann zu
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- Irrelevant, ob berechtigter oder unberechtigter Besitzer
2. Besitzdiener:
- Besitzdiener darf nach § 860 die Gewaltrechte des § 859 aus-
üben ( kein eigenes Selbsthilferecht statuiert; nur Befugnis ver-
liehen, Gewaltrecht des Besitzherrn für diesen Auszuüben)
- Besitzdiener darf Gewaltrechte nur im Interesse des Besitz-
herrn und nicht gegen ihn ausführen; andernfalls Verhalten
nicht nach § 859 gerechtfertigt
- Selbsthilferechte nach §§ 227, 229 stehen Besitzdiener als
eigene Rechte zu
3. Mittelbarer Besitzer:
- E.A: Gewaltrechte für den Mittelbaren Besitzer werden abgelehnt
- Nach dem Wortlaut des § 869 stehen dem mittelbaren Be-
sitzer nur die Rechte aus §§ 861, 862 BGB zu; Im Umkehr-
schluss müsste recht aus § 859 für mittelbaren Besitzer ver-
neint werden
- Mittelbare Besitzer hat nicht unmittelbare Sachherrschaft
inne
- Mittelbare Besitzer über die §§ 227, 229 ausreichend ge-
schützt
- A.A. (h.M.): analoge Anwendung der §§ 869, 859
- Regelungslücke: Nichtregelung der Gewaltrechte für mittel-
baren Besitzer
- Planwidrigkeit: Gesetzeslücke lässt sich aus der gesetzli-
chen Gleichbehandlung von mittelbarem und unmittelbarem
Besitzer in § 868 ableiten
- § 869 keine abschließende Regelung bzgl Besitzschutzes
des mittelbaren Besitzerrs, sondern nur eine besondere
Ausgestaltung der Ansprüche aus §§ 861, 862
- Vergleichbare Interessenslage, weil der unmittelbare Besit-
zer durch die Beeinträchtigung an der Ausübung des Besit-
zes für mittelbaren Besitzer gehindert wird
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- Mittelbare Besitzer darf nur gem. § 869 2 analog das Gewalt-
recht nach § 859 zur Wiedereinräumung der alten Besitzlage
ausüben
- Muss wiedererlangte Sache an unmittelbaren Besitzer her-
ausgeben
- Für Vorliegen der verbotenen Eigenmacht nur Wille des un-
mittelbaren Besitzers maßgeblich
4. Teilbesitzer/ Mitbesitzer/ Erbenbesitzer:
- Rechte aus § 859 stehen auch dem Teilbesitzer nach § 865m
dem Mitbesitzer mit Beschränkungen des § 866 und dem Er-
benbesitzer (§ 857) zu
V. Possesorischer Besitzanspruch nach § 861 BGB
- Zeitliche Grenzen des § 859 II, III BGB überschritten Selbsthil-
ferecht entfällt Zur Wiedereinräumung des Besitzes bedarf es
jetzt einer gerichtlichen Durchsetzung, die mit Hilfe des An-
spruchs aus § 861 verwirklicht werden kann
Prüfungsschema des § 861 BGB:
- Besitzentziehung durch verbotene Eigenmacht, § 858 I
- Anspruchssteller war unmittelbarer oder mittelbarer (§ 869) Be-
sitzer
- Anspruchsgegner ist fehlerhafter Besitzer, § 858 II
- Kein Ausschluss nach § 861 II
- Kein Erlöschen nach § 864
VI. Possesorischer Besitzanspruch nach § 862 BGB
- Anspruch ist entweder auf Beseitigung (Satz 1) oder auf Unter-
lassung der Störung (Satz 2) gerichtet
- Für einen Anspruch auf Unterlassung ist erforderlich, dass weite-
re Störungen zu besorgen sind
- Bereits begangene Störung ist starkes Indiz für Wiederho-
lungsgefahr
- Unterlassungsanspruch auch gegen erstmals drohende Stö-
rung (sog. Erstbegehungsgefahr) möglich, die sich aus Vor-
bereitungshandlungen und Ankündigungen ergeben kann
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- Setzt eine auf Tatsachen begründete Wahrscheinlichkeit
einer künftigen Störung voraus
Schema des § 862 BGB:
- Anspruchssteller ist Besitzer
- Besitzstörung durch verbotene Eigenmacht, § 858 I
- Anspruchsgegner ist Störer
- Kein Ausschluss nach § 862 II
- Kein Ausschluss nach § 864
VII. Anspruchsberechtigter der §§ 861, 862 BGB
- Unmittelbare und gem. § 869 1, 3 auch mittelbare Besitzer sind
anspruchsberechtigt
- Kein Konkurrenzverhältnis zwischen den Beiden
- Bei Besitzentziehung regelt § 869 2 das Konkurrenzverhältnis
- Danach kann mittelbarer Besitzer grds nur Wiedereinräu-
mung des Besitzes an den unmittelaren Besitzer und nicht
an sich selbst verlangen
- Besitzdiener hat keine Besitzansprüche e contrario aus §
860, der nur auf Gewaltrechte verweist
- Teil- und Mitbesitzern stehen die Besitzschutzansprüche zu
- Bei Mitbesitzern gilt Einschränkung nach § 866, nach der sie un-
tereinander nur m Falle der Besitzentziehung possessorischen
Rechtsschutz erlangen können
VIII. Anspruchsgegner der §§ 861, 862 BGB
- § 861 richtet sich gegen den gegenwärtigen unmittelbaren Besit-
zer, dessen Besitz fehlerhaft iSd § 858 II 1 sein muss
- § 862 richtet sich gegen den für die Störung Verantwortlichen
- Verantwortlichkeit für die Störung trägt derjenige, mit des-
sen Willen der beeinträchtigende Zustand besteht oder von
dessen Willen Beseitigung abhängt
IX. Ausschlusstatbestände der §§ 861, 862 BGB
- Mögliche Ausschlussgründe: §§ 861 II, 862 II, 864 I, 864 II
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- Nach §§ 861 II, 862 II sind Ansprüche aus §§ 861 I, 862 I ausge-
schlossen, wenn Besitz des Anspruchsstellers dem Anspruchs-
gegners ggü fehlerhaft iSv § 858 II war und der fehlerhafte Besitz
des Anspruchsstellers innerhalb einer Jahresfrist vor seiner Ent-
setzung erlangt worden ist
Voraussetzungen der §§ 861 II, 862 II BGB:
- Fehlerhaftigkeit des Besitzes des Anspruchstellers ggü An-
spruchsgegner
- Besitzstellung des Anspruchstellers zwischen Erlangung und
Beeinträchtigung des Besitzes nicht länger als ein Jahr
- § 864 I schließt ebenfalls Besitzschutzansprüche nach §§ 861,
862 aus
- Regelt keinen Fall der Verjährung, sondern unmittelbares
Erlöschen der Ansprüche aus §§ 861 I, 862 I fest, sofern
diese nicht innerhalb eines Jahres nach Verübung der ver-
botenen Eigenmacht klageweise geltend gemacht worden
sind
- Nach § 864 II erlöschen die Ansprüche aus §§ 861, 862, wenn
nach Verübung der verbotenen Eigenmacht des Anspruchsgeg-
ners ein rechtskräftiges Urteil mit dem Inhalt ergeht, welches das
Recht zum Besitz des eigenmächtig Handelnden bestätigt
- Damit führt petitorisches Recht ausnahmsweise auch zur
Vereitlung der possessorischen Rechte
X. Die petitorischen Ansprüche, § 1007 I, II BGB
- Beide Ansprüche schließen sich nicht aus, sondern können ne-
beneinander stehen
- Gelten nur für bewegliche Sachen
- Anspruchsberechtigt nach § 1007 I und II ist der früherer Besit-
zer
- Im Umkehrschluss aus § 1007 III 1 ist nicht Vss, dass der
frühere Besitzer rechtmäßiger Besitzer war
- Entscheidend, ob der frühere Besitzer eine bessere Berechti-
gung hat als der jetzige Besitzer
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- Besitzdiener stehen keine Ansprüche aus § 1007 zu, da er gera-
de kein Besitzer, sondern nur Gewahrsamsinhaber ist
- Zu beachten, dass der mittelbare Besitzer nur entsprechend §
869 2 2 HS Herausgabe verlangen kann
Schema des § 1007 I BGB:
- Bewegliche Sache
- Früherer Besitz des Anspruchsstellers
- Jetziger Besitz des Anspruchsgegners
- Fehlendes Besitzrecht des Anspruchsgegners und Bösgläubig-
keit des Besitzers diesbezüglich bei Besitzerwerb
- Kein Anspruchsausschluss § 1007 III
- § 1007 I regelt die Herausgabepflicht des bei Besitzerwerb bös-
gläubigen Besitzers
- Bösgläubigkeit muss sich auf ein Recht zum Besitz (§ 986 II) be-
ziehen und nicht auf das Eigentum
Schema des § 1007 II BGB:
- Bewegliche Sache, (kein Geld oder Inhaberpapier, § 1007 II 2)
- Früherer Besitz des Anspruchsstellers
- Jetziger Besitz des Anspruchsgegners
- Abhandenkommen beim Anspruchssteller, d. h. unfreiwilliger
Besitzverlust des unmittelbaren Besitzes
- Anspruchsgegner ist kein Eigentümer
- Kein Abhandenkommen beim Anspruchsgegner vor Besitzzeit
des Anspruchstellers (früheren Besitzers)
- Kein Anspruchsausschluss, § 1007 III
- § 1007 II regelt Herausgabepflicht des gutgläubigen Besitzers,
wenn die Sache dem früheren Besitzer abhandengekommen (§
935) war
XI. Anspruchsausschluss nach § 1007 III BGB
- § 1007 III S. 1: Anspruch ausgeschlossen, wenn der Anspruchs-
steller beim früheren Besitzerwerb selbst bösgläubig war oder
den Besitz aufgegeben hatte gem. § 856
15
- § 1007 III S. 2 iVm § 986: Einwendung des Anspruchsgegners,
wenn er ein gegenwärtiges Recht zum Besitz ggü Anspruchstel-
ler innehat
- § 1007 III S. 2 iVm §§ 987 ff: weitere Ansprüche auf Schadens-
ersatz, Nutzungsherausgabe und Verwendungsersatz
XII. Besitzschutz über § 823 I BGB
Schema des § 823 I BGB:
- Haftungsbegründender Tatbestand
- Rechtsgutsverletzung
- Verletzungshandlung (positives Tun oder Unterlassen)
- Kausalität zwischen Handlung und Rechtsguts Verletzung
(haftungsbegründende Kausalität)
- Rechtswidrigkeit
- Verschulden
- Haftungsausfüllender Tatbestand
- Schaden
- Haftungsausfüllende Kausalität zwischen Rechtsgutsver-
letzung und Schaden
- Mitverschulden und Verjährung
(P): Stellt der Besitz ein „sonstiges Recht“ iSd § 823 I dar
und kann dann überhaupt eine Rechtsgutsverletzung vorlie-
gen?
Vss.: Eigentumsähnlichkeit, weil Eigentum aufgelistet
H.M. (+); Nur berechtigte Besitz erfasst
Arg.: berechtigte Besitzer sei Eigentümer in
soweit ähnlich, als er nicht nur eine vergleich-
bare Ausschluss-, sondern auch die für das Ei-
gentum charakteristische Nutzungsfunktion
enthalte
—> Nur der berechtigte Besitzer dürfe die Sa-
che aufgrund seiner Berechtigung nutzen
16
A.A. (+); sowohl berechtigte als auch unberechtigte
Besitz erfasst
Arg.: Beide Besitzarten sind possesorisch ge-
schützt —> Eigentumsähnliche Ausschluss-
funktion ggü. Dritten
A.A. (-); Besitz stellt kein Recht zum Besitz dar
Arg.: Eigentumsähnlichkeit scheitert bereits
daran, dass der Besitz ein rein tatsächliches
Herrschaftsverhältnis über eine Sache darstellt
XIII. Besitzschutz über § 823 II BGB
Schema des § 823 II BGB
- Haftungsbegründender TB
- Schutzgesetz
- Verstoß gegen Schutzgesetz
- Rechtswidrigkeit
- Verschulden
- Haftungsausfüllender TB
- Schaden
- Haftungsausfüllende Kausalität
- Mitverschulden und Verjährung
(P): Ist § 858 BGB als Schutzgesetz anzusehen
H.M. (+), da § 858 I BGB schützt zumindest das In-
dividualinteresse des Besitzers
- ABER: Gerade nicht, denn (Haupt-)Ziel ist
Schutz des Rechtsfriedens und des staatl.
Gewaltmonopols: wer einen Herausgabean-
spruch für eine Sache hat, soll diesen unter
Einschaltung der staatlichen Vollstre-
ckungsorgane durchsetzen, nicht durch
verbotene Eigenmacht, die unabhängig von
einem Recht zum Besitz rechtswidrig ist.
17
A.A. (-), da anderenfalls ein schadensersatzrechtli-
cher Schutz jeden Besitzes gegeben wäre
- § 858 I schützt auch den unberechtigten
Besitzer; Wertungswidersprüche zu § 823 I
BGB (nur berechtigter Besitz deliktisch ge-
schützt)
- Unnötige Verdoppelung des Schutzes
- ABER: Anspruchskonkurrenz ist nichts un-
gewöhnliches
XIV. Besitzschut über § 812 BGB
- Leistungskondiktion nach § 812 I 1 Alt. 1 setzt voraus, dass der
Bereicherte etwas erlangt hat
- Etwas erlangt = jeder Vermögenswerte Vorteil, auch jede Art
von Besitz
- Besitz in sonstiger Weise erlangt, ist Gewährung von Besitz-
schutz über Eingriffskondiktion n ach § 812 I 1 Alt. 2 problema-
tisch aus Konkurrenzgründen
- Damit könnten Regelungen und Voraussetzungen dr §§ 861
ff umgangen werden; § 861 ff gehen Eingriffskondiktion als
Spezialregelung vor
- Etwas anderes dann, wenn der entzogene Besitz wegen ei-
nes Besitzrechts einen besonderen Zuweisungsgehalt hatte
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Herausgabeanspruch nach § 985
BGB
I. Voraussetzungen
Schema des § 985 BGB
- Anspruchsberechtigter ist Eigentümer
- Anspruchsgegener ist unmittelbarer oder mittelbarer Besitzer
- Besitzer hat kein Recht zum Besitz, § 986 BGB
- Entsprechende Anwendung von § 985 BGB auf beschränkt ding-
liche Rechte, wenn deren Existenz/Ausübung vom Sachbesitz
abhängt:
- Nießbrauch, § 1065 BGB;
- Pfandgläubiger, § 1227 BGB
- Wohnungseigentümer, § 13 Abs. 1 WEG
- Erbbauberechtigter, § 11 Abs. 1 ErbbauRG
1. Anspruchsberechtigter:
- Anspruchsberechtigter ist Eigentümer der Sache im Zeit-punkt
des Herausgabeverlangens
- muss Eigentum beweisen (Beachte: Eigentumsvermutung
nach § 1006 BGB)
- § 985 BGB ist nicht abtretbar, aber Einziehungsermächtigung
nach § 185 BGB möglich
- Dritte mach dann ein fremdes Recht im eigenen Namen geltend
und kann Herausgabe an sich selbst verlangen
- § 985 BGB kann auch dem Anwartschafsberechtiogten zustehen
2. Anspruchsgegner:
- Anspruchsgegner ist jeder Besitzer, unabhängig von seiner kon-
kreten Stellung
3. Recht zum Besitz, § 986 BGB:
- Anspruch nach § 985 BGB besteht nur, wenn der Besitzer kein
Recht zum Besitz hat (§ 986 BGB)
- nach h.M. handelt es sich um eine Einwendung und keine Einre-
de
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- Argumente: Wortlaut ähnlich wie in §§ 214, 273 BGB ausge-
staltet + Betrachtung inhaltlich vergleichbarer Vorschriften
a) Eigenes Besitzrecht nach § 986 I 1 Hs. 1 BGB
- Besitzrecht muss gerade ggü dem Eigentümer bestehen
- dingliche Rechte, gesetzliche Vorschriften, § 185 analog
- Anwartschaftsrecht str.
- Rspr.: Kein Besitzrecht, aber Anwendung von § 242 (doll fa-
cit qui Petit Quod Status redditurus est)
- Lit.: Besitzrecht (—> wesensgleiches Minus zum Eigentum)
- Zurückbehaltungsrecht ?
- H.L.: §§ 273, 1000 geben kein Recht zum Besitz. Zurückbe-
haltungsrecht soll nicht das Besitz- und Nutzungsinteresse
seines Inhabers sichern, sondern nur die Gleichzeitigkeit der
Erfüllung von Ansprüchen. Siehe dazu auch § 274 BGB: Im
Prozess erfolgt Verurteilung zur Herausgabe Zug um Zug.
- Rspr.: Zurückbehaltungsrechte geben Recht zum Besitz. Im
Prozess ist dieses Recht eine Einrede. Verurteilung gem. §
274 BGB Zug um Zug
b) Abgeleitetes Besitzrecht nach § 986 I 1 Hs. 2
- Recht zum Besitz kann sich auch aus einem Rechtsverhältnis
wischen dem Eigentümer und einem Dritten ergeben, von dem
der jetzige Besitzer sein Besitzrecht ableitet
Voraussetzungen des § 986 I Hs. 2 BGB:
- Besitzmittlungsverhältnis (§ 868) zwischen Eigentümer und
dem Dritten (jetzt mittelbarer Besitzer)
- Besitzmittlungsverhältnis (§ 868 BGB) zwischen Dritten (jetzt
mittelbarer Besitzer) und derzeitigen unmittelbaren Besitzer
- Zeugnis des Dritten (jetzt mittelbarer Besitzer) zur Weitergabe
des Besitzes, vgl. § 986 I 2 BGB
c) Sonderregelung des § 986 II BGB
- Ausnahmsweise kann Besitzer auch ohne oder abgeleitetes Be-
sitzrecht nach § 986 II BGB die Herausgabe verweigern
- setzt voraus, dass Sache nach §§ 929, 931 BGB vom Eigen-
tümer an einen Dritten veräußert wurde
20
- § 986 II BGB analog, wenn Eigentum nach §§ 929, 930 BGB
veräußert wurde
II. Anspruchsinhalt
1. Herausgabe:
- § 985 BGB ist auf Erschaffung des unmittelbaren Besitzes ge-
richtet
- Sofern Anspruchsgegner mittelbarer Besitzer ist, richtet sich An-
spruch aus § 985 BGB auf Übertragung des mittelbaren Besitzes
- verwirklich mittels Abtretung des Herausgabeanspruchs nach
§ 870 BGB
- ℗: Anspruchsinhalt auch auf unmittelbaren Besitz bei mittelba-
ren Besitzer?
- H.M: Ja, wegen vollstreckungsrechtlichen Gründen
2. Gegenstand der Herausgabe:
- § 985 BGB bezieht sich auf die Herausgabe von beweglichen
oder unbeweglichen Sachen
- Gegenstand kann auch Geld sein, es muss aber darauf geachtet
werden, ob das Eigentum nach §§ 948 II, 947 II BGB auf den
Besitzer übergegangen ist
IV. Konkurrenzen
- Herausgabeanspruch nach § 985 BGB kann neben den Heraus-
gabeansprüchen des Besitzers aus §§ 861, 1007 BGB bestehen
- Neben § 985 BGB können Bereicherungs- und Schadensersatz-
ansprüche geltend gemacht werden, soweit auf Herausgabe der
Sache gerichtet sind
V. Verjährung
- § 985 BGB unterliegt aber gem. § 194 I BGB der Verjährung
- § 197 I Nr. 2 BGB gilt nur für bewegliche Sachen wegen § 902
BGB, der Verjährung von Ansprüchen aus eigetragenem Recht
(Grundstücke) ausschließt
VI. Herausgabeort
- grds. der Ort, an dem sich die Sache befindet
- Aus § 242 BGB kann sich auch eine Verpflichtung des Besitzers
ergeben, die Sache an den Eigentümer zu versenden
21
Die negatorische Haftung gem.
§ 1004 BGB
I. Anwendungsbereich
- zunächst über die Legalverweisung gem. §§ 1027, 1065, 1090 II
und 1227 BGB erweitert
- analoge Anwendung auf der durch § 823 I BGB geschützten
Rechtsgüter möglich sowie für die durch §§ 823 II, 824, 825, 826
geschützten Rechtsgüter
II. Der Beseitigungsanspruch
- § 1004 I schützt kraft gesetzlicher Verweisung auch vor Beein-
trächtigungen von (u.a.) Pfandrechten (§§ 1227, 1257) und
Grunddienstbarkeiten (§ 1027)
- In analoger Anwendung gewährt § 1004 I darüber hinaus Ab-
wehransprüche gegen rechtswidrige Beeinträchtigungen sämtli-
cher deliktisch geschützter Rechte und Interessen (sog. „quasi-
negatorischer Unterlassungs- und Beseitigungs-anspruch“).
- streng von der deiktischen Verschuldenshaftung zu unter-schei-
den —> kein Verschulden erforderlich
22
1. Voraussetzungen
a) Eigentum
- Gläubiger des Anspruchs ist der Eigentümer
- Besitzer wird hingegen durch § 862 I BGB geschützt
b) Beeinträchtigung
Definition der Beeinträchtigung:
Jede von außen kommende Einwirkung in anderer Weise als
durch Entziehung oder Vorenthaltung des Besitzes, die sich auf
menschliches Verhalten zurückführen lässt und fortdauert, also im
Zeitpunkt der Anspruchsstellung noch fortbesteht
- tatsächlich Einwirkungen auf die Sache selbst liegt vor:
- wenn die Sache beschädigt, umgestaltet oder verändert wird
- wenn Handlungen des Störers auf seinem Grundstück auf das
Nachbargrund-stück wirken, vgl. §§ 907 - 910 BGB (gelten
neben § 1004 BGB)
- wenn die Sache unbefugt benutzt wird
- wenn grenzüberschreitende unwägbare Stoffe (sog. Imponde-
rabilien) zugeführt werden iSv „ 906 BGB
- wenn grenzüberschreitende wägbare Stoffe (sog. Grobimmis-
sionen) zugeführt werden
- Sofern der Eigentümer in der Ausübung des ihm zustehenden
Nutzungsrechts (§ 903 BGB) be- oder verhindert wird, liegt eine
Eigentumsbeeinträchtigung vor
- Eine rechtliche Eigentumsbeeinträchtigung ist gegeben, wenn
ein unmittelbarer Angriff auf das Eigentumsrecht vorliegt oder ein
unbefugter Dritter fremde Eigentumsrechte für sich in Anspruch
nimmt
- unmittelbarer Angriff auf das Eigentumsrecht kann darin lie-
gen, dass der Störer ein das Eigentum beschränkendes Recht
in Anspruch nimmt oder fremdes Eigentum bestreitet
- unbefugte Inanspruchnahme fremder Eigentumsrechte stellt
der Eingriff in wirtschaftliche Verwertungsrechte dar
23
- Keine Eigentumsbeeinträchtigung iSd. § 1004 BGB liegt nach
h.M. bei ideellen oder negativen Einwendungen vor
- Unter ideellen Einwirkungen versteht man Beeinträchtigungen
ästhetischer Art
- nach h.M. mangelt es hier an einer grenzüberschreitenden
Immission, soweit nur das sittliche Empfinden betroffen ist
- negative Beeinträchtigungen sind solche, die gewisse Vorteile
eines Nachbargrundstücks entziehen durch ein anderes
Grundstück, das innerhalb der Grenzen genutzt wird
- Bei wesentlichen Beeinträchtigungen kommt aber aus-
nahmsweise ein Abwehranspruch über § 242 BGB bzw. § 906
BGB analog in Betracht
- maßgeblicher Zeitpunkt: Beeinträchtigung muss noch andauern,
die Störungs-quelle also noch Fortwirken
- handelt es sich um einen bereits abgeschlossenen Tatbestand
der Gütereinbuße, liegt ein Schaden vor, der nur bei Schuld-
haften Handeln gem. § 823 BGB zu ersetzen ist
c) Störer
- Beseitigung kann nur vorm Störer verlangt werden
- Störer kann sein, wer durch eine Handlung fremdes Eigentum
verletzt oder für eine Sache verantwortlich ist, die fremdes Ei-
gentum beeinträchtigt
aa) Handlungsstörer
- hierunter fällt derjenige, der durch seine Handlung die Beein-
trächtigung verursacht
- dazu gehören auch mittelbare Störer
bb) Zustandsstörer
- Darunter fällt der Eigentümer oder Besitzer einer Sache, von der
eine Beeinträchtigung ausgeht
- ABER: reine Naturereignisse sind dem Störer nicht zurechenbar
d) Rechtswidrigkeit
- idR durch Beeinträchtigung indiziert
24
- Duldungspflicht gem. § 1004 II BGB zu beachten —> kann auf
einem dinglichem Recht, auf Vertrag oder auf Gesetz beruhen
- BEACHTE: Verschulden ist nicht erforderlich
2. Rechtsfolge
a) Anspruchsinhalt
- Pflicht, die primäre Störungsquelle zu beseitigen
- Anspruch darf nicht auf Störungsfolgen ausgedehnt werden
- Tatbestand der Gütereinbuße bereits abgeschlossen, gibt le-
diglich § 823 iVm. § 249 BGB einen Anspruch auf Wiederher-
stellung des ursprünglichen Zustands
- Rspr. verbindet mit Beseitigungsnaspruch umfassende Ziel, Zu-
stand der Benutzbarkeit wiederherzustellen
- Beeinträchtigung nicht nur in dem eigentlichen Einwir-kungs-
vorgang gesehen; vielmehr kann sich auch der durch den Ein-
wirkungsvorgang herbeigeführte Neuzustand eine fortdauern-
de Eigentumsbeeinträchtigung bilden
- offenkundig, dass dieser weingefasste Beseitigungs-anspruch
Mut dem verschuldensunabhängingen Scha-densersatzan-
spruch aus unerlaubter Handlung kollidiert und sich zudem in
einem Wertungswiderspruch zur Gefähr-dungshaftung setzt,
die auf dem Enumerationsprinzip aufbaut
- Restriktion (Ursupationstheorie): Nach dieser Ansicht ist ein
eigentumswidriger Zustand nur gegeben, wenn und solange
der Störer durch sein Verhalten oder durch die räumliche Lage
seiner eigenen Sache auf die fremde Sache einwirkt
- gefordert wird lediglich der Rückzug aus dem fremden
Rechtskreis
b) Kosten der Beseitigung
- Kosten der Beseitigung der Beeinträchtigung treffen den Störer
- Beseitigt Eigentümer selbst die Beeinträchtigung, hat Störer die-
se gem. § 82 I 1 Alt. 2 BGB oder über GoA zu erstatten
- nach h.M. gelten § 275 II BGB sowie § 254 BGB analog, auch
wenn es sich bei § 1004 I BGB um keinen Schadensersatzan-
spruch handelt
25
III. Der Unterlassungsanspruch
1. Voraussetzungen
- Grds. dieselben Vss wie für einen Beseitigungsanspruch
- „weitere Beeinträchtigungen“ (Wiederholungsgefahr) als weiteres
Erfordernis
- ausreichend, dass erster Eingriff drohend bevorsteht —> vor-
beugender Unterlassungsanspruch
2. Rechtsfolgen
- Anspruch auf Unterlassung bzw. Verhinderung
IV. Duldungspflichten
- Duldungspflichten können negatorischen Haftung gem. § 1004 II
BGB entgegenstehen und namentlich auch die verbotene Ei-
genmacht gem. § 858 BGB sowie eine Widerrechtlichkeit gem. §
823 BGB ausschließen
26
1. Arten von Duldungspflichten
- beschränkt dingliche Rechte und obligatorische Rechte
- Gesetzliche Duldungspflichten
- Öffentlich - rechtliche Bestimmungen
- Privatrechtliche Bestimmungen
- Allgemeine Duldungspflichten
- Verteidigungsnotstand gem. § 228 BGB
- Angriffsnotstand gem. § 904 BGB
- Nachbarrechtliche Duldungspflichten
- Unwägbare Stoffe gem. § 906 BGB
- unwägbare Stoffe sind Ruch, Dämpfe, Geräusche,
Blendwirkung einer Photovoltaikanlage, etc
- ähnliche Wirkungen iSv § 906 I BGB sind feinkörper-
liche Immissionen
- unwesentliche Beeinträchtigungen müssen gem. §
906 I BGB geduldet werden (Maßstab ist der ver-
ständige Durchschnittsmensch)
27
- wesentliche, ortsübliche Beeinträchtigungen müssen
gem. § 906 II 1 BGB geduldet werden, wenn Maß-
nahmen zur Verhinderung unzumutbar
- Nachbarschaftliches Gemeinschaftsverhältnis
- Nach h.M. besteht zwischen Grundstücks-nachbarn
keine Sonderver-bindung; aber es besteht ein nach-
barliches Gemeinschafts-verhältnis, das gem. § 242
BGB in Ausnahme-fällen bestehende Rechte be-
schränken oder ausschließen und stattdessen Aus-
gleichsan-sprüche gewähren kann
- grobkörperliche Immissionen fallen nicht unter § 906
BGB
- nach Rspr. kommt deshalb eine Duldungspflicht
nur ausnahms-weise gem. § 242 BGB aufgrund
des nachbarschaftlichen Gemeinschaftsverhält-
nisses in Betracht
- idR Abwehranspruch aus § 1004 I
- ideelle Immissionen und negatie Immissionen fallen
nicht unter § 906 BGB und sich nach Rspr. auch nicht
abwehrfähig gem. § 1004 I BGB
- Abwehranspruch besteht nur ausnahmsweise gem.
§ 242 BGB aufgrund des nachbarlichen Gemein-
schaftsverhältnisses
2. Aufopferung
- besteht als Ausgleich für erhebliche Duldungspflichten
a) Nachbarrechtlicher Ausgleichsanspruch
- Grundkonstellation: Nach § 906 II 1 BGB müssen ausnahmswei-
se auch wesentliche, ortsübliche Emissionen geduldet werden,
sofern deren Verhinderung wirtschaftlich unzumutbar ist
- Als Kompensation sieht § 906 II 2 BGB einen Ausgleichsan-
spruch in Geld vor
- Grobimmissionen: Besteht ausnahmsweise eine Duldungspflicht,
kann analog § 906 II 2 BGB ein Ausgleich verlangt werden
- gemeinwichtige Betriebe: § 906 II 2 BGB gilt analog
28
- sog. faktischer Duldungszwang
- Nach Rspr. besteht ein weiterer Entschädigungsanspruch ana-
log § 906 II 2 BGB, sofern von einem Grundstück im Rahmen
seiner privatwirtschaftlichen Nutzung Einwirkungen auf ein an-
deres Grundstück ausgehen, die das zumutbare Maß einer
entschädigungslos hinzunehmenden Beeinträchtigung über-
steigen und der betroffene Eigentümer aus rechtlichen oder
tatsächlichen Gründen gehindert war, die Einwirkung gem. §
1004 I BGB zu unterbinden
- Charakteristika besteht darin, dass bei den zugrunde lie-
genden Sachverhalt deiktischer Anspruch gem. §§ 823 ff.
BGB mangels Verschuldens regelmäßig ausschied und
stattdessen eine Aufopferungshaftung analog § 906 II 2
BGB angenommen wurde
- hoheitliche Tätigkeiten: Bei Immissionen, die auf hoheitlicher
Beeinträchtigung beruhen, kommt ein Anspruch aus enteigne-
tem oder enteignungsgleichem Eingriff in Betracht
b) Gläubiger
- Eigentümer, unter Umständen auch Besitzer
- bezüglich § 906 II 2 BGB, § 14 BImSchG fraglich, inwieweit auch
bloße Nutzer anspruchsberechtigt sind
c) Schuldner
- bei § 904 S. 2 BGB muss nicht der Retter, sondern der Gerettete
Schaden ersetzen
- Arg.: Gerettete ist der Begünstigte + sachgerechte Verteilung
des Insolvenzrisikos + Haftung des Retters würde uU § 828
BGB zuwiderlaufen
29
Der rechtsgeschäftliche Eigentums-
erwerb vom Berechtigten
I. Übereignung nach § 929 S. 1 BGB
Aufbauschema der Übereignung nach § 929 S. 1 BGB
- Einigung zwischen Veräußerter und Erwerber über den Eigen-
tumsübergang
- Übergabe der beweglichen Sache
- Berechtigung des Veräußere
1. Einigung
a) Einigung als Vertrag
- Einigung = dinglicher Vertrag (Rechtsgeschäft), bestehend aus
zwei übereinstimmenden WEen von Veräußerer und Erwerber
hinsichtlich des Eigentumsübergangs
aa) Geschäftsfähigkeit, § 104 ff
- Geschäftsfähigkeit der Beteiligten ist erforderlich
- Beschränkt Geschäftsfähiger kann nur eine auf Eigentumserwerb
gerichtete Einigungserklärung abgeben, da er durch die Verfü-
gung einen lediglich rechtlichen Vorteil erlangt
- Dingliche Verträge ohne Zustimmung des gesetzlichen Vertreters
sind schwebend unwirksam, wenn sich die Erklärung auf die
Übereignung eigener Sachen vollstreckt
- Grund: Eigentumsverlust = rechtlicher Nachteil iSd § 107
BGB
- (P): Ist die Übereignung fremder Sachen durch einen beschränkt
Geschäftsfähigen als sog. Neutrales Geschäft wirksam?
- WE des beschränkt Geschäftsfähigen auf Übereignung ist
wirksam
- Grund: Kein Eigentumsverlust kein rechtlicher Nach-
teil; sog. Neutrales Geschäft
- H.M.: Über fehlende Berechtigung können die §§ 932 ff hin-
weggehelfen, wenn deren Vss vorliegen
30
- Minderjährigenvorschriften wollen nicht den eigentli-
chen Eigentümer schützen
- A.A.: Keine Anwendbarkeit der § 932 ff
- Erwerber soll nur so gestellt werden, wie er bei Richtig-
keit seiner Vorstellung stünde
- Wäre Minderjähriger Eigentümer, scheitert Erwerb an §
107 mangels Einigung, da die Gutgläubigkeit bzgl Ge-
schäftsfähigkeit nicht geschützt wird
- § 105a beachten, wonach ein volljähriger Geschäftsunfähiger
Geschäfte des täglichen Lebens in Ansehung von Leistung und
Gegenleistung wirksam vornehmen kann, wenn leistung mit ge-
ringwertigen Mitteln bewirkt wird
- Fiktionswirkung erstreckt sich auch auf die dingliche Eini-
gung, sodass eine wirksame Übereignung möglich ist
bb) Willensmängel
- Für Einigung erforderliche WE kann anfechtbar oder nichtig sein
- Anfechtungs- oder Nichtigkeitsgründe müssen sich auf die
Übereignung beziehen
- Ausnahme: Grund, der das Verpflichtungsgeschäft zum schei-
tern bringt, kann auch die Einigung zum Scheitern bringen
cc) Form
- Formlos möglich konkludente Einigung auch möglich
dd) Bedingung und Befristung, §§ 158 – 163
- Einigung ist bedingungsfreundlich, sodass §§ 158 ff anwendbar
sind
- Häufigster Fall: Eigentumsvorbehalt, wonach Übereignung unter
aufschiebender Besingung gem. § 158 I erfolgt
- Veräußerer kann Bedingungseintritt nicht mehr einseitig ver-
hindern Erwerber hat bis dahin Anwartschaftsrecht
- Bedingung ist ein zukünftiges, ungewisses Ereignis
- Befugnis ist ein zukünftiges, gewisses Ereignis
31
ee) Vertretung, §§ 164 – 181
- Für dingl. Einigung gelten die §§ 164 ff. BGB
- Übergabe: Kein Rechtsgeschäft. Keine StV möglich (Ausnahme:
§ 854 II – offener Besitz).
- Aber: Übergabe ist auch kein höchstpersönliches Geschäft. We-
der auf Erwerber- noch auf Veräußererseite muss Prinzipal not-
wendig selbst auftreten.
- Veräußererseite
- Bsp.: Ladenangestellter A verkauft im Laden der V ein Buch
und übergibt es der K.
- Dingl. Einigung, § 929 S. 1: A = StV des V, § 164.
- Übergabe: A = Besitzdiener der V, § 855. Besitzübertra-
gung direkt an K.
- Erwerberseite
- Bsp. : Statt K kommt ihre Freundin F in den Laden und kauft
das Buch im Namen von K.
- Dingl. Einigung, § 929 S. 1: A = StV der V, § 164. F =
StV der K. Einigung zwischen V und K
- Übergabe: A = Besitzdiener der V; F-K: antizipiertes Be-
sitzmittlungsverhältnis
=> Vertretene K erwirbt unmittelbar Eigentum ohne Durchgangser-
werb.
—> Nicht offengelegte Stellvertretung: Grds. erwirbt der (verdeckte)
StV Eigentum (Durchgangserwerb). Ausnahme: Geschäft für den es
angeht.
ff) Geschäft für den, den es angeht
- Sachverhalt parallel zum schuldrechtl. Geschäft „für den, den es
angeht“: Bargeschäft des täglichen Lebens; der Handelnde tritt
in verdeckter Stellvertretung für den Erwerber auf, unter Durch-
brechung des vertretungsrechtlichen Offenkundigkeits-prinzips.
- Schuldrechtlich kommt der Vertrag mit dem zustande, „den
es angeht“: Verkäufer ist es gleichgültig, mit wem er kontra-
hiert.
32
- Sachenrechtlich:
- Bei der dingl. Einigung tritt der Handelnde in (verdeck-
ter) Stellvertretung für den Erwerber auf.
- Übergabe = Realakt. Keine StV möglich. Aber: Han-
delnder übernimmt die Sache als Besitzmittler oder Be-
sitzdiener seines Hintermanns (od Geheißperson). Mit
Übergabe wird dadurch Besitz des „Hintermanns“ be-
gründet => Übereignung nach § 929 S. 1 BGB.
—> Wichtig: Originärer Eigentumserwerb beim „Hintermann“; kein
Zwischenerwerb beim Handelnden!
gg) Durchgangserwerb vs. Direkterwerb
- Durchgangserwerb: Eine Person erwirbt vielleicht im physischen
Sinne gar keinen (unmittelbaren) Besitz, aber dennoch Eigentum
für eine logische/juristische Sekunde.
- Konsequenz: Rechtsnachfolger erwirbt das Eigentum u.U.
belastet mit einem gesetzlichen, vertraglichen oder Vollstre-
ckungspfandrecht / Vermieterpfandrecht (§ 562).
- Das bedeutet: u.U. gehen in der Zwangsvollstreckung/in der
Insolvenz andere Rechte vor.
- Durchgangserwerb tritt u.a. ein bei antizipierter Einigung
und antizipiertem Besitzmittlungsverhältnis gem. §§ 929 S.
1, 930; beim Geheißerwerb
- Aus Sicht des Erwerbers vorzugswürdig: Direkterwerb => Keine
Belastung durch Pfandrechte, die ggü. dem Zwischenerwerber
greifen. Direkterwerb tritt ein, wenn
- Bzgl. Einigung:
- Geschäft für den es angeht (Einigung)
- offengelegten Stellvertretung (Einigung)
- Bzgl. Übergabe: auf Erwerberseite ein Besitzdiener (§ 855)
auftritt
b) Bestimmtheitsgrundsatz
- Einigung muss zu übereignende Sache genau bezeichnen, so-
dass für einen fremden Dritten ohne zu Hilfenahme anderer Um-
33
stände erkennbar ist, an welchen Sachen eine dingliche Rechts-
änderung vorgenommen wird
c) Sonderfälle der Einigung
- Warenautomaten enthalten ein Angebot des Aufstellers bzgl
Kauf und Übereignung der Ware, bedingt durch das Vorhanden-
sein der Ware, das Funktionieren und die ordnungsgemäße Be-
dienung des Automaten durch Erwerber
- In Selbstbedienungsläden stellt Vorweisen der Ware an der Kas-
se durch den Kunden ein Angebot darf, das durch die Feststel-
lung des Rechnungsbetrags vom Kassier angenommen wird
- (P): Wann wird das Übereignungsangebot beim Tanken an
Selbstbedienungstank-stellen abgegeben?
- E.A.: Kauf und Übereignung an der Zapfsäule bejaht
- H.M.: stillschweigend vereinbarter Eigentumsvorbehalt
d) Widerruflichkeit der Einigung
- Nach § 929 1 müssen sich Veräußerer und Erwerber noch im
Zeitpunkt der Über-gabe bzgl Eigentumsübergang einig sein
- Dingliche Einigung ist nicht bindend und widerruflich
2. Übergabe
Aufbauschema Übergabe iSd. § 929 S. 1
I. Besitzerwerb auf Erwerberseite
II. Vollständiger Besitzverlust auf Veräußererseite
III. Veranlassung oder Duldung durch den Veräußere zum Zwe-
cke der Eigentumsübertragung
a) Besitzerwerb auf Erwerberseite
aa) Besitzerwerb nach § 854 I
- Besitzerwerb nach § 854 I setzt voraus
- Erlangung der tatsächlichen Sachherrschaft
- Natürlicher Besitzwille
34
bb) Besitzerwerb nach § 854 II
- § 854 II ermöglicht einen rechtsgeschäftlichen Besitzerwerb in
den Fällen des gelockerten Gewahrsams allgemeine Rege-
lungen finden Anwendung
- Übereignung erfolgt durch Einigung bzgl des Eigentums-über-
gangs und bzgl Besitzübertragung
cc) Einschaltung von Hilfspersonen
- Stellvertretung bei Übergabe nicht möglich, aber dafür Einschal-
tung von Hilfspersonen (Besitzdiener, Besitzmittler, Geheißper-
son)
(1) Besitzdiener, § 855
- Da Besitzdiener gem. § 855 für eigentlichen Besitzer tatsächliche
Gewalt ausübt, begründet eine Erwerbshandlung des Besitzdie-
ners unmittelbaren Besitz des Geschäftsherrn
- Kann auf Beiden Seiten eingeschalten werden
- Möglicher Fall, dass Veräußere seinen Besitzdiener anweist
nunmehr die tatsächliche Gewalt nur noch für Erwerber auszu-
üben
(2) Besitzmittler, § 868
- Übergabe kann auch durch Einschaltung von Besitzmittlern er-
folgen, da es ausreicht, dass Erwerber mittelbarer Besitzer wird
- Es darf kein besitz beim Veräußerer verbleiben
- Veräußerer ist Besitzmittler § 930 einschlägig
- Dieselbe Person kann auf beiden Seiten tätig sein, wenn der Be-
sitzmittler des Veräußerers auf dessen Weisung mit dem Erwer-
ber ein neues Besitz-mittlungsverhältnis eingeht und nun für den
Erwerber besitzt, gleichzeitig das alte Besitzmittlungsverhältnis
mit dem Veräußerer beendet
(3) Geheißerwerb
- Geheißerwerb möglich
- Auf Veräußererseite kann eine Geheißperson bei der Übergabe
mitwirken, wenn der besitzende Dritte auf Geheiß des Veräuße-
rers, der weder unmittelbarer noch mittelbarer Besitzer ist, dem
Erwerber Besitz verschafft
35
- Auf der Erwerberseite kann eine Geheißperson bei der Übergabe
eingeschaltet werden, wenn der Erwerber selbst keinen Besitz
erlangt, aber die Sache auf Geheiß des Erwerbers an eine von
ihm benannte Geheißperson ausgehändigt wird
- Auch sog. Doppelter Geheißerwerb ist ein Fall des § 929 1 BGB
- Geheißerwerb = In die Übergabe nach § 929 S. 1 BGB werden
Dritte eingeschaltet, die in keiner besitzrechtlichen Beziehung
zum Veräußerer oder Erwerber stehen (d.h.: weder Besitzdiener
noch Besitzmittler des Veräußerers oder des Erwerbers), die aber
trotzdem auf Veranlassung des Veräußerers/Erwerbers handeln.
- Konstellationen des Geheißerwerbs:
- Besitzerwerb des Erwerbers, indem der Veräußerer die Sa-
che auf Weisung des Erwerbers an einen Dritten übergibt.
- h.M.: Bei wirksamer Einigung wird der Erwerber gem. §
929 S. 1 BGB Eigentümer durch Übergabe, obwohl er
niemals selbst Besitz an der Sache erlangt. Der Besitz
des Dritten wird ihm – obwohl es keine besitzrechtliche
Beziehung (Besitzdiener-schaft, Besitzmittler) gibt, zu-
gerechnet.
- Besitzerwerb des Erwerbers durch Übergabe der Sache an
den Erwerber durch einen Dritten, der auf Veranlassung des
Veräußerers handelt
- H.M.: Eigentumsübergang vom Veräußerer auf den Er-
werber gem. § 929 S. 1 BGB, obwohl der Veräußerer/
Eigentümer keinen Besitz hatte / keine besitzrechtliche
Beziehung zum Dritten bestand. Für § 929 S. 1 BGB
reicht die Besitzverschaffungsmacht (= Macht, den Drit-
ten zur Übergabe zu veranlassen.
- Kombination beider Fälle (Lieferkette bzw. Streckenge-
schäft)
b) Besitzverlust auf Veräußererseite
- Erfordernis der vollständigen Besitzlosigkeit des Veräußere folgt
aus dem Umkehrschluss zu § 930 BGB
- tritt ein, wenn
- der Veräußere oder sein Besitzdiener die Sachherrschaft
aufgibt
36
- der Besitzmittler seinen unmittelbaren Besitz überträgt oder
mit dem Erwerber ein neuen Besitzmittlungsverhältnis ab-
schließt oder
- jemand auf Geheiß des Veräußerers den Besitz überträgt
(Geheißperson auf Veräußererseite)
- erforderlich, dass jegliche besitzrechtliche Position aufgegeben
wird
- bei Veräußerung an einen Mitbesitzer (§ 866) auch der Mit-
besitz
c) Veranlassung oder Duldung durch den Veräußerer zum Zweck
der Eigentumsübertragung
- eigenmächtige Wegnahme durch den Erwerber nicht ausrei-
chend
- Erwerber muss den Besitz auf Veranlassung des Veräußerers er-
langt haben
- Veräußerer hat den Besitzerwerb auf Erwerberseite veranlasst,
wenn er die Sache selbst übergibt oder wenn auf seine Weisung
hin sein Besitzdiener, Besitzmittler oder seine Geheißperson den
Besitz überträgt
- auch dann, wenn er die Besitzergreifung gestattet hat (sog.
Wegnahmeermächtigung)
- Veranlassung des Veräußerers muss zum Zwecke der Eigen-
tumsübertragung erfolgen
3. Berechtigung
- Berechtigter ist dr nicht in seiner Verfügungsbefugnis (= rechtli-
che Zuständigkeit für Verfügung) beschränkte wahre Eigentümer
oder, wenn der Eigentümer in seiner Verfügungs-befugnis be-
schränkt ist, der für ihn Verfügungsbefugte
- Fälle erfasst, in denen nicht Eigentümer selbst aber Dritte
verfügt
- Dritte darf aber im eigenen Namen verfügen
a) § 185 I
- Verfügung eines Nichtberechtigten wird mit Einwilligung (= vor-
herige Zustimmung, § 183 S. 1) des Berechtigten wirksam
37
b) § 185 II 1 Alt. 1
- Gem. § 185 II 1 Alt. 1 ist Verfügung eines Nichtberechtigten mit
Genehmigung (= nachträgliche Zustimmung, § 184 I) des Be-
rechtigten mit Rückwirkung (ex – tunc Wirkung) wirksam
- Genehmigung bezieht sich auf die Rechtsfolgen der Verfügung
- Nichtberechtigte wird nicht nachträglich zum Berechtigten
c) § 185 II 2 Alt. 2
- Verfügung wird ex nunc wirksam, wenn der Nichtberechtigte
Gegenstand erwirbt
d) § 185 II 1 Alt. 3
- Verfügung ex nunc wirksam, wenn Berechtigte Nichtberechtigten
beerbt und für Nachlassverbindlichkeit unbeschränkt haftet (
Konvaleszenz kraft Haftung)
- Unbeschränkt haftende Erbe hat für Anspruch, der eine Nach-
lassverbindlichkeit darstellt, einzustehen, § 1967 I
- § 185 II 1 Alt. 3 verhindert umständliche Lösung, dass Erbe er-
neut übereignen muss
e) § 185 II 2
- Bei mehreren Verfügungen über einen Gegenstand durch den
Nichtberechtigten ordnet § 185 II 2 für die Fälle des § 185 II 1
Alt. 2 und Alt. 3 die Geltung des Prioritätsprinzips (Privilegierung
des Ersterwerbers) an, sofern die Verfügungen aus Sicht des
ersten Erwerbers im Widerspruch zueinander stehen
f) Absolute Verfügungsbeschränkungen:
- § 1365 S. 2 BGB: Ehegatte kann über sein Vermögen im Ganzen
nur mit Einwilligung des Ehegatten verfügen (ca. 85-90% des
Vermögens; Verfügungsverbot erfasst auch einen einzelnen Ver-
mögensgegenstand, wenn er das ganze/nahezu ganze Vermö-
gen ausmacht)
- § 1369 I BGB: Ehegatte kann über Gegenstände des ehelichen
Haushalts nur mit Einwilligung des Ehegatten verfügen.
- = Gegenstände, die dem gemeinschaftlichen Leben der
Ehegatten im privaten Bereich zu dienen bestimmt sind.
38
- §§ 2113 I, II BGB: Verfügungen des Vorerben über Grundstücke /
unentgeltliche Verfügungen des Vorerben
- § 2211 BGB – Nach Anordnung der Testamentsvollstreckung
kann Erbe über Nachlassgegenstände, die der Testamentsvoll-
streckung unterliegen, nicht mehr verfügen.
- § 80 InsO: Keine Verfügungsbefugnis des Eigentümers nach
Eröffnung des Insolvenzverfahrens
II. § 929 S. 2 (Übereignung „kurzer Hand“; Übergabesurrogat)
Schema Übereignung nach § 929 S. 2 BGB:
I. Einigung über den Eigentumsübergang
II. Übergabesurrogat, § 929 S. 2 BGB
1. Bereits bestehender Besitz des Erwerbers
2. Besitzlosigkeit des Veräußerers
III. Berechtigung des Veräußerers
- Übergabe entbehrlich, wenn Erwerber bereits im Besitz der Sa-
che ist
- Publizitätsprinzip gewahrt, da die Besitzlage bereits derjenigen
entspricht, welche durch die Übergabe herbeigeführt werden
sollte
- Veräußerer darf aber keinerlei Besitz mehr zurückhalten
- Einigung nach § 929 2 kann bereits antizipiert erfolgen, wenn der
Erwerber noch keinen Besitz hat
III. Das Übergabesurrogat nach § 930 (Veräußerer bleibt im Besitz
der Sache)
Schema der Übereignung nach §§ 929 S. 1, 930 BGB
I. Einigung über den Eigentumsübergang
II. Übergabesurrogat, § 930
1. (Unmittelbarer oder mittelbarer) Besitz des Veräußerers
2. Vereinbarung eines konkreten Besitzmittlungs-verhältnis-
ses (Besitzkonstitut) nach §§ 930, 868 BGB
III. Berechtigung des Veräußerers
39
- Ermöglicht Veräußerer, trotz des Eigentumsverlusts Besitzer der
Sache zu bleiben mittels Vereinbarung eines Besitzmittlungsver-
hältnisses (§ 868) als Ersatz für Übergabe
- Unerheblich, ob der Veräußerer unmittelbarer oder mittelbarer
Besitzer ist
1. Besitzmittlungsverhältnis bzw. Besitzkonstitut
- Setzt voraus, dass ein Rechtsverhältnis zwischen Erwerber und
Veräußerer besteht, das den in § 868 aufgezählten Regelbeispie-
len entspricht
- Es genügt ein anderes Rechtsverhältnis, solange es konkrete
Rechte und Pflichten festlegt
- Abstrakte Ausrede des Inhalts reicht nicht aus
- Selbst wenn das Rechtsverhältnis zivilrechtlich unwirksam ist,
kann ein Besitzmittlungsverhältnis bestehen, wenn beim Besitz-
mittler ein Fremdbe-sitzwillen vorhanden ist und Erwerber ir-
gendeinen Herausgabeanspruch hat
2. Das vorweggenommene Besitzkonstitut
- Vom vorweggenommenen (auch antizipierten) Besitzkonstitut
spricht man, wenn Einigung und Vereinbarung des Besitzmitt-
lungsverhältnisses schon erfolgen, bevor Veräußerer im Besitz
der betreffenden Sache ist
- Sobald betreffende Sache in Eigentum und Besitz des Veräuße-
rers gelangt, wird Erwerber gem. §§ 929 1, 930 nach Durch-
gangserwerb für eine jur. Sekunde Eigentümer – das Fortbeste-
hen von Einigung, Besitzkonstitut und Besitzmittlungswille vor-
ausgesetzt
- Fehlen des Besitzmittlungswillen muss Veräußerer bei Besitzer-
werb erkennbar zum Ausdruck bringen
- (P): Wird Erwerber automatisch mit Besitzerwerb des Veräuße-
rers Eigentümer, oder ist zusätzlich zur Wahrung der Publizität
eine Ausführungshandlung des Veräußerers erforderlich
- H.L.: verneint Ausführungshandlung und begründet damit,
dass gerade § 930 die Publizität vernachlässigt
- A.A.: Bejaht Ausführungshandlung, damit Rechtserwerb er-
kennbar ist
40
- Antizipierte Besitzkonstitut ist vom gestatteten Insichgeschäft
iSv § 181 abzugrenzen
- Bei § 181 hängt Durchführung noch von einer weiteren Wil-
lensentscheidung des Veräußerers ab
- Veräußerer muss Insichgeschäft, d.h. die Einigung und die
Vereinbarung des Besitzkonstituts, noch vornehmen, d.h.
der Veräußerer vereinbart als Vertreter des Erwerbers das
Besitzmittlungsverhältnis mit sich selbst
- Da Gestaltung nach § 181 vorliegt, verstößt dich nicht ge-
gen § 181
- Ausführungshandlung unerlässlich, weil sich Rechtsge-
schäfte im Kopf einer Person vollziehen
- Beim antizipierten Besitzkonstitut geschieht Eigen-
tumsübergang später automatisch in dem Zeitpunkt, in
dem der Veräußerer Besitz erlangt
- Da Übergabe durch Vereinbarung eines Besitzmittlungs-verhält-
nisses ersetzt wird, ist Stellvertretung nach §§ 164 ff möglich
IV. Das Übergabesurrogat des § 931 BGB (Dritter ist im Besitz der
Sache)
Aufbauschema des §§ 929 S. 1, 931 BGB
I. Einigung über den Eigentumsübergang
II. Übergabesurrogat
1. Dritter ist im Besitz der Sache
2. Veräußerer tritt den Herusgabeanspruch aus einem beste-
henden Besitzmittlungsverhältnis (oder aus § 812, oder
aus §§ 823 I, 249, oder aus GoA)
3. gegen Dritten an Erwerber ab gem. §§ 931, 398 BGB
III. Berechtigung des Veräußerers
- Kommt in Betracht, wenn sich eine Sache im mittel- oder unmit-
telbaren Besitz eines Dritten befindet Übergabe kann dann
dadurch ersetzt werden, dass der Veräußerer dem Erwerber sei-
nen Herausgabeanspruch gegen den Dritten nach § 398 abtritt
41
- Abtretung ist ein Rechtsgeschäft Allgemeine Regelungen fin-
den Anwendung
- (P): Ist eine Übereignung bei einer besitzlosen Sache möglich?
- H.M.: nimmt Übereignung nach §§ 929 1, 931 an, wobei
ausnahmsweise bloße Einigung über Eigentumsübergang
ausreichen soll, denn schließlich fehlt es am Besitz eines
Dritten und damit existiert auch kein abtretbarer Herausga-
beanspruch
- Abtretung des Herausgabeanspruchs richtet sich nach §§ 398 ff
- Formfrei konkludent auch möglich
- Sofern Veräußerer mittelbarer Besitzer, muss er den schuldrecht-
lichen Herausgabeanspruch aus dem Besitzmitt-lungsverhältnis
gem. § 870 abtreten
- Veräußerer kein Besitzer, hat aber schuldrechtlichen Her-
ausgabeanspruch, muss dieser abgetreten werden
(P): Wie kann er sein Eigentum übertragen
- E.A.: Anspruch aus § 985 soll abgetreten werden?
- Widerspricht Charakter des § 985 als dinglicher
Anspruch, der nicht abgetreten werden kann, son-
dern beim jeweiligen Eigentümer immer entsteht
- H.M.: Ausnahmsweise genügt bloße Einigung für Über-
eignung nach §§ 929 1, 931 BGB
- Stellvertretung möglich, da Abtretung ein Rechtsgeschäft ist
42
Der rechtsgeschäftliche Eigentums-
erwerb vom Nichtberechtigten
I. Wirksamwerden der Verfügung, § 185 Abs. 2
- § 185 Abs. 2 S. 1 BGB regelt 3 Fälle des nachträglichen Wirk-
samwerdens der Verfügung eines Nichtberechtigten
- Verfügung wird wirksam, wenn der Berechtigte sie geneh-
migt
- Wirksamkeit ex - tunc
- Verfügung wirksam, wenn der Nichtberechtigte den Gegen-
stand erwirbt
- Wirksamkeit ex - nunc
- Verfügung wirksam, wenn der Nichtberechtigte von dem Be-
rechtigten beerbt wird
- Wirksamkeit ex - nunc
II. Gutgläubiger Erwerb
Aufbauschema gutgläubiger Erwerb gem. §§ 932 ff
I. Rechtsgeschäft im Sinne eines Verkehrsgeschäfts
II. Legitimation des Veräußerers durch den Rechtsschein des
Besitzes
III. Gutgläubigkeit des Erwerbers bzgl. des Eigentums des Ver-
äußerers im Zeitpunkt des Eigentumserwerbs
IV. Kein Abhandenkommen der Sache beim Berechtigten, § 935
BGB
1. Rechtsgeschäft im Sinne eines Verkehrsgeschäfts
- Gutglaubenserwerb kommt grundsätzlich nur bei einem rechts-
geschäftlichen und nicht bei einem gesetzlichen oder hoheitli-
chen Erwerb in Betracht
- Grund: Schutz des Rechtsverkehrs
- Es muss sich um ein Verkehrsgeschäft handeln
43
- KEINE Rechtsgeschäfte, die eine Vorwegnahme der Erbfol-
ge darstellen
- KEINE (wirtschaftliche) Personenidentität auf Veräußerer-
und Erwerberseite
2. Legitimation des Veräußerers durch den Rechtsschein des Be-
sitzes
- Veräußerer muss sich dem Erwerber ggü als Eigentümer auswei-
sen
- Behauptung Eigentümer zu sein ist nicht ausreichend
- Legitimation des Veräußerers ergibt sich nach der Konzeption
der §§ 932 ff. Gras. aus dem Besitz einer Sache (vgl. § 1006)
- Veräußerer muss in der Lage sein, dem Erwerber den Besitz
zu verschaffen (sog. Besitzverschaffungsmacht); eigener
Besitz ist nicht notwendig
a) § 932 Abs. 1 S. 1 BGB
Schema der §§ 929 S. 1, 932 I 1 BGB
44
- Verfügender = Nichtberechtigter
- Einigung zwischen NB und Erwerber
- Übergabe der Sache an den Erwerber
- Gutgläubigkeit des Erwerbers, § 932 II
- Kein Ausschluss des gutgläubigen Erwerbs
- § 935: Abhandenkommen der Sache
- Kein Verkehrsgeschäft
- Bei einer Übereignung durch Übergabe nach § 929 S. 1 richtet
sich der gutgläubige Erwerb nach § 932 Abs. 1 S. 1 BGB
- besonderer Rechtsscheintatbestand ist nicht erforderlich; Gut-
gläubigkeit des Erwerbers ausreichend
- Übergabe iSd. § 929 S. 1 BGB setzt ohnehin voraus, dass der
Erwerber auf Veranlassung des Veräußerers den Besitz erhält,
sodass der Veräußerer seine „Besitzverschaf-fungsmacht“ aus-
reichend dokumentiert
- ℗: Ist der Erwerb auch bei einer Scheingeheißperson möglich?
- Z.T.: Für einen gutgl. Erwerb muss sich die Geheißperson
tatsächlich dem Willen des Veräußerers unterordnen. Ein
bloßer Anschein der Unterordnung („Scheingeheißperson“)
genügt nicht / ist dem Rechtsschein des Besitzes nicht
gleichzusetzen. § 932 schützt den guten Glauben nur auf
der Grundlage tatsächlich vorhandener Besitzverschaf-
fungsmacht.
- Rspr.: Objektiver Rechtsschein der Willensunterwerfung
genügt. Dann soll zwecks Verkehrsschutz ein gutgl. Erwerb
möglich sein.
b) § 932 Abs. 1 S. 2 BGB
Aufbauschema der §§ 929 S. 1, 929 S. 2, 932 I 2 BGB:
45
- Verfügender = Nichtberechtigter
- Einigung zwischen NB und Erwerber
- Sache ist bereits im Besitz des Erwerbers: Erwerber hat die
Sache vom NB (oder auf dessen Veranlassung von einem Drit-
ten) erhalten
- Gutgläubigkeit des Erwerbers, § 932 II
- Kein Ausschluss des gutgläubigen Erwerbs
- § 935: Abhandengekommene Sachen
- Kein Verkehrsgeschäft
- Erwerber bereits im Besitz der Sache und erfolgt die Veräuße-
rung nach § 929 S. 2 durch bloße Einigung, dann hat der Erwerb
vom Nichtberechtigten zur Voraus-setzung, dass der Erwerber
den Besitz von dem Veräußerer erlangt hatte und im Augenblick
der Einigung noch gutgläubig ist (§ 932 Abs. 1 S. 2 BGB)
- Vorschrift setzt eine Besitzlage voraus, die das Vertrauen des
Erwerbers auf das Eigentum des Veräußerers rechtfertigt
- der Fall, wenn der Erwerber vor der Einigung den Besitz
durch eine „Übergabe“ iSv. § 929 S. 1 erlangt hat
—> erforderlich ist „vorherige Übergabe“ durch den
Veräußerer
c) § 933 BGB
Schema der §§ 929 S. 1, 930, 933 BGB:
46
- Verfügender = Nichtberechtigter
- Einigung zwischen NB und Erwerber
- Besitzkonstitut zwischen Erwerber und Verfügenden
- Übergabe der Sache an den Erwerber (oder an einem von ihm
benannten Dritten)
- Gutgläubigkeit des Erwerbers, § 932 II BGB (auch noch bei
Übergabe der Sache an den Erwerber)
- Kein Ausschluss des gutgläubigen Erwerbs
- § 935 BGB: Abhandengekommene Sache
- Kein Verkehrsgeschäft
- Soll Veräußerer im Besitz der Sache bleiben und vereinbaren
veräußere und Erwerber Besitzkonstitut iSd. § 930, setzt ein gut-
gläubiger Erwerb gem. § 933 eine „nachträgliche Übergabe“
durch den Veräußerer voraus
d) § 934 BGB
- Differenzierung, ob der Veräußerer mittelbarer Besitzer der Sa-
che war (§ 934 Var. 1) oder nicht (§ 934 Var. 2)
aa) Veräußerer ist mittelbarer Besitzer
- Erwerber erwirbt nach § 934 Var. 1 unmittelbar mit Abtretung das
Eigentum
- mit Abtretung des bestehenden Herausgabeanspruchs wird Er-
werber mittelbarer Besitzer (§ 870), während Veräußerer seinen
mittelbaren Besitz verliert
Schema der §§ 929 S. 1, 931, 934 Alt. 1 BGB:
47
- Verfügender = NB
- Dingliche Einigung zwischen NB und Erwerber
- Wirksame Abtretung des Herausgabeanspruchs des NB gegen
den unmittelbaren Besitz aus einem zwischen beiden tatsäch-
lich bestehenden besitzmittlungsverhältnis
- Gutgläubigkeit des Erwerbers
- Kein Ausschluss des gutgläubigen Erwerbs
- § 935 BGB: Abhandengekommene Sache
- Kein Verkerhsgeschäft
bb) Veräußerer ist nicht mittelbarer Besitzer
- Veräußerer hat keinen mittelbaren besitz —> gutgläubiger Er-
werb findet nur statt, wenn der gutgläubige Erwerber den Besitz
von dem Dritten erlangt hat
Schema der §§ 929 S. 1, 931, 934 Alt. 2 BGB:
- Verfügender = NB
- Dingliche Einigung zwischen NB und Erwerber
- Abtretung eines anderen Herausgabeanspruchs gegen den
unmittelbaren Besitzer (bereicherungsrechtlich = > nichtiges
Besitzkonstitut; aus GoA; schadensersatzrechtlicher Rückga-
beanspruch nach §§ 823 I, 249; unter Umständen nur ei be-
haupteter Herausgabeanspruch) an den Erwerber
- Dritter gibt Sache aufgrund eines Herausgabeanspruchs tat-
sächlich an den Erwerber heraus/ Erwerber erlangt (unmittelba-
ren oder mittelbaren) Besitz
—> Erst Besitzerwerb führt zu Eigentumserwerb
- Gutgläubigkeit des Erwerbers, § 932 II BGB
- Kein Ausschluss des gutgläubigen Erwerbs
- § 935 BGB: Abhandengekommene Sache
- Kein Verkerhsgeschäft
cc) Problemfälle
48
- Veräußerer ist zwar mittelbarer Besitzer, die Sache befindet sich
jedoch im (un-) mittelbaren Besitz des tatsächlichen Eigentümers
- gutgläubiger Erwerb darf nach § 934 Var. 1 nicht stattfinden
- Wenn Eigentümer selbst Besitz hat, darf Erschaffung von
mittelbarem Besitz nicht zu einem gutgläubigen Eigentums-
erwerb führen
- nach hM. lässt sich das durch eine analoge Anwendung von
§ 936 Abs. 3 erreichen, nachdem die Rechte eines Dritten,
der im Besitz der Sache ist, bei einer Veräußerung nach §
931 nicht erlöschen
- Unmittelbarer Besitzer verhält sich nicht eindeutig —> einerseits
gibt er zu erkennen, für den Erwerber besitzen zu wollen, ande-
rerseits für den bisherigen Eigentümer
- Besitzt dann der unmittelbarer Besitzer für Beide?
- hM. erkennt mittelbaren Nebenbesitz nicht an, weil mit der
Begründung eines neuen Besitzmittlungs-verhältnisses er-
lischt bisherige Besitzmitt-lungsverhältnisses
- Wille des Besitzmittlers ist umbeachtlich
- Erwerb nach § 934 Var. 1 stellt einen Wertungswiderspruch zu §
933 BGB dar
- Bei § 933 reicht der Erwerb des mittelbaren Besitzes für ei-
nen gutgläubigen Erwerb nicht aus, bei § 934 Var. 1 hinge-
gen schon
- Unterschied: Veräußerer verliert bei § 934 Var. 1 jede besitz-
rechtliche Position, bei § 933 nicht
49
§ 934, 1. Alt.: Abtretung eines rechtsgeschäftlichen Herausgabe-
anspruchs (d.h.: eines Herausgabeanspruchs aus einem Besitz-
mittlungsverhältnis i.S.d. § 868 BGB) durch den NB an den Er-
werber, wenn der NB wirklich mittelbarer Besitzer der Sache ist.
[Beachte: Bei § 933 genügt die Begründung mittelbaren Besitzes
nicht für den Eigentumserwerb; bei § 934 schon.
- Unterschied: In der Konstellation des § 933 behält der NB eine
eigene besitzrechtliche Position; in der Konstellation des § 934
scheidet er mit Abtretung des Herausgabeanspruchs aus einer
eigenen besitzrechtlichen Position aus]
- Außerdem: Der unmittelbare Besitzer behält beim gutgl.
Erwerb gem. § 934 seine Rechte aus dem Besitzmitt-
lungsverhältnis und kann sie gem. § 986 II auch dem Er-
werber entgegenhalten.
- Auch: Hat der unmittelbare Besitzer ein dingl. Recht an der
Sache, so bleibt dieses bestehen, § 936 III.
§ 934, 2. Alt.: Abtretung „anderer Herausgabeansprüche“ + Be-
sitzerlangung durch Erwerber:
Problem des Nebenbesitzes:
- Kann ein Erwerber nach § 934 BGB Eigentum erwerben, wenn
sich die Besitzposition des Veräußerers als mittelbarer Besitzer
noch nicht vollständig aufgelöst hat, sondern der mittelbare
Besitzer sich zweideutig verhält und sowohl für den Veräußerer
als auch für den Erwerber besitzt / nach außen zugleich das
Herrschaftsverhältnis des Veräußerers als auch das des Erwer-
bers respektiert (sog. „Nebenbesitz“)?
- BGH: Durch Begründung des neuen Lagervertrags zwi-
schen L und N wird das alte Besitzmittlungsverhältnis aus
dem Lagervertrag zwischen V und L zerstört. Daher: Be-
sitzverlust bei V; Besitzerwerb bei N. § 934, 2. Alt. (+)
—> In dieser Perspektive gibt es keinen Nebenbesitz
- A.A.: Lagerhalter L hat einen Lagervertrag sowohl mit V als
auch mit N und führt beide tatsächlich durch / erkennt den
Oberbesitz beider an. Er mittelt aufgrund seines doppel-
deutigen Verhaltens beiden den Besitz. V und K haben die
gleiche besitzrechtliche Position (mittelbarer Nebenbesitz)
50
- (P): Ist mittelbarer Nebenbesitz als Grundlage für einen Eigen-
tumserwerb nach § 934, 2. Alt. BGB ausreichend? Str.:
- Überwiegend: (-). Der neue Nebenbesitzer kommt der Sa-
che besitzrechtlich nicht näher als der Alteigentümer der
Sache noch immer ist. Der Alteigentümer hat nicht jede
besitzrechtliche Position verloren. Das reicht für gutgl. Ei-
gentumserwerb nicht aus. Erwerber ist nicht schutzwürdi-
ger als Alteigentümer.
- (P): Was genau ist „Nebenbesitz“?
- Kein mehrstufiger mittelbarer Besitz; denn die Nebenbesit-
zer besitzen gleichstufig.
- Kein Mitbesitz, § 866 BGB; denn bei Mitbesitz muss die
geteilte Sachherrschaft vom Bewusstsein der Mitbesitzer
umfasst sein. Typisch für den Nebenbesitz ist, dass jeder
Nebenbesitzer glaubt, alleine zu besitzen
3. Gutgläubigkeit des Erwerbers bzgl. des Eigentums des Veräu-
ßerers
- Gutgläubigkeit wird vermutet
- Bezugspunkt des guten Glaubens ist das Eigentum des Veräu-
ßerers
a) Kenntnis oder grob fahrlässige Unkenntnis
- Gem. § 932 Abs. 2 ist derjenige nicht Gutgläubig bzw. derjenige
bösgläubig, der positive Kenntnis oder grob fahrlässige Un-
kenntnis vom Nichteigentum des Veräußerers hat
- Bei eifacher Fahrlässigkeit ist der Erwerber gutgläubig
- Grob fahrlässige Unkenntnis des Erwerbers liegt vor, wenn er die
im Verkehr erforderliche Sorgfalt in ungewöhnlich hohem Maße
verletzt und das unbeachtet lässt, was im gegebenen Fall jedem
hätte einleuchten müssen
- Über das gebotene Maß an Sorgfalt entscheiden die Um-
stände des Einzel-falls
- Erwerber grundsätzlich nicht verpflichtet, Erkundigungen
hinsichtlich der Berechtigung des Veräußerers einzuziehen;
allgemeine Nachforschungs-pflicht besteht nicht
51
- Wenn sich dem Erwerber Verdachtsgründe bezüglich der
fehlenden Berechtigung des Veräußerers aufdrängen, muss
er diesen nachgehen (zb. auffälliges Missverhältnis zwi-
schen Verkehrswert und Kaufpreis)
- Hat der Erwerber nur leicht fahrlässig keine Kenntnis, ist er nach
§ 932 Abs. 2 nicht bösgläubig, sodass ein gutgläubiger Eigen-
tumserwerb in Betracht kommt
- Erwerber muss dann allerdings auch vor Schadenser-satz-
ansprüchen des früheren Eigentümers geschützt werden
b) Zeitpunkt der Gutgläubigkeit
- Erwerber muss im Zeitpunkt der letzten Erwerbshandlung gut-
gläubig sein
- bei einem Erwerb nach §§ 929 S. 1, 932 Abs. 1 S. 1 bei
Übergabe
- bei einem Erwerb nach §§ 929 S. 2, 932 Abs. 1 S. 2 im Zeit-
punkt der Einigung
- bei einem Erwerb nach §§ 929 S. 1, 930, 933 im Zeitpunkt
der „nachträglichen“ Übergabe
- bei einem Erwerb nach §§ 929 S. 1, 931, 934 Var. 1 im Zeit-
punkt der Abtretung
- bei einem Erwerb nach §§ 929 S. 1, 931, 934 Var. 2 im Zeit-
punkt des Besitzerwerbs vom Dritten
- Haben sich die Parteien aufschiebend bedingt geeinigt und die
Sache bereits übergeben, soll Übergang des Eigentums nur
noch vom Eintritt der Bedingung abhängig sein
- Alle erforderlichen Erwerbshandlungen liegen bereits vor;
eine Gutgläubigkeit im Zeitpunkt des Bedingungseintritts ist
nicht erforderlich
c) Bösgläubigkeit bei Kenntnis der Anfechtbarkeit
- Erweiterung besteht gem. § 142 Abs. 2 BGB
- Wer die Anfechtbarkeit eines Rechtsgeschäfts kannte oder
kennen musste, muss sich so behandeln lässen, als hätte er
dessen Nichtigkeit gekannt
52
- Kenntnis der Anfechtbarkeit wird Kenntnis der Nichtigkeit
gleichgestellt
d) Guter Glaube an Verfügungsmacht
- Wenn ein Kaufmann Waren im Betrieb seines Handelsgewerbes
veräußert, die ihm nicht gehören, und der Erwerber dieses weiß,
dann ist er nicht gutgläubig iSd § 932 BGB
- kann aber das Eigentum von einem Nichtberechtigten gem. §
366 Abs. 1 HGB erwerben, wenn er an die Verfügungsmacht des
Veräußerers glaubt, dh daran, dass der Eigentümer in die Verfü-
gung gem. § 185Abs. 1 eingewilligt hat
e) Guter Glaube kraft Erbscheins
- Nach dem Tod des Eigentümers geht das Eigentum gem. §
1922 As. 1 auf den Erben über
- Ist Veräußerer tatsächlich nicht Erbe geworden, legt dieser aber
einen Erbschein vor, der ihn als Erben ausweist, ist ein gutgläu-
biger Erwerb gem. § 2366 BGB möglich
- Allerdings überwindet § 2366 nur das fehlende Erbrecht, nicht
jedoch das fehlende Eigentum des Erblassers
- Durch Kombination von § 932 und § 2366 ist jedoch ein gut-
gläubiger Erwerb möglich
- Abhandenkommen wird durch § 2366 überwunden und das
fehlende Eigentum nach § 932
- Bei einem Doppelmangell wird das fehlende Eigentum durch
§ 932 überwunden, das fehlende Erbrecht durch § 2366
f) Zurechnung der Bösgläubigkeit
- Wenn bei der Einigung für den Erwerber ein Vertreter handelt,
kommt es auf die Gutgläubigkeit des Vertreters an, § 166 Abs. 1
- Handeln mehrere Vertreter, schadet bereits die Bösgläubig-
keit eines Vertre-ters
- Wenn der Vertreter jedoch nach bestimmten Weisungen handelt,
ist bei der rechtsgeschäftlichen Vertretung sowohl die Gutgläu-
bigkeit des Vertreters als auch die des Vertretenen erforderlich, §
166 Abs. 2
- Begriff der Weisungen ist weit auszulegen
53
- Für Anwendung des § 166 Abs. 2 reicht es aus, wenn der
Bevollmächtigte im Rahmen der Vollmacht ein bestimmtes
Rechtsgeschäft abschließt, zu dessen Vornahme ihn der
Vollmachtgeber veranlassen wollte
- Auf die gesetzliche Vertretung ist § 166 Abs. 2 grundsätzlich
nicht anwendbar, weil Vertretene nicht weisungsberechtigt ist
- Beim Erwerb durch eine juristische Person ist deren Bösgläubig-
keit anzunehmen, wenn ein Organ die Nichtberechtigung des
Veräußerers kennt
- darauf, ob die handelnde Organperson busgläubig ist,
kommt es nicht an
- sonstige Erwerbspersonen werden tätig, ist nach h.A. deren Gut-
oder Bösgläu-bigkeit ohne Belang —> diesen obliegt auch keine
Erkundigungspflicht
4. Kein Abhandenkommen der Sache beim Berechtigten, § 935
BGB
- zurechenbar ist Rechtsschein nur dann, wenn der Eigentümer
die Sache auch willentlich aus der Hand gegeben hat
- Abhandenkommen liegt nach § 935 Abs. 1 S. 1 vor, wenn er den
besitz ohne seinen Willen verloren hat
- nicht erforderlich, dass der Besitzverlust gegen den Willen
des Eigentümers eingetreten ist
- auch wenn er eine Sache unbemerkt verliert, liegt bereits
nach dem Wortlaut des § 935 ein Abhandenkommen vor
- Anknüpfungspunkt für ein Abhandenkommen ist stets der unmit-
telbare Besitz
- Falls der Eigentümer lediglich mittelbarer Besitzer war, ist
erforderlich, dass dem unmittelbaren Besitzer der Besitz
ohne seinen Willen entzogen worden ist, § 935 Abs. 1 S. 2
BGB
Definition des Abhandenkommens:
Eine Sache ist abhanden gekommen, wenn der unmittelbare Be-
sitzer den Besitz unfreiwillig verloren hat. Unfreiwillig ist der Ver-
lust schon, wenn er sich ohne den Willen des Besitzers vollzieht;
ein Besitzverlust gegen seinen Willen ist nicht erforderlich
54
- Übt der Eigentümer den unmittelbaren Besitz gem. § 855 durch
einen Besitzdiener aus, so liegt nach hM. ein unfreiwilliger Be-
sitzverlust vor, selbst wenn der Besitzdiener die Sache freiwillig
weggeben hat
- Maßgeblich ist Wille des Geschäftsherrn, da nur dieser un-
mittelbarer Besitzer ist
- A.A.: Besitzdiener und Besitzmittler dürfen nicht unter-
schiedlich behandelt werden
- Wenn ein Besitzdiener äußerlich nicht von einem Be-
sitzmittler zu unterscheiden sei, müsse auch ein gut-
gläubiger Erwerb möglich sein
a) Entzug oder willentliche Übertragung
- für Bestimmung der Unfreiwilligkeit ist der tatsächliche Wille ent-
scheidend
- willentliche Besitzübertragung liegt vor, wenn der Besitzer sich
bei der Übergabe der Sache geirrt hat oder getäuscht wurde, so-
lange er nur den natürlichen Übertragungswillen hatte
- Keine willentliche Besitzübertragung liegt vor, wenn der Besitz
aufgrund unwiderstehlicher physischer Gewalt entzogen wird
oder die Weggabe durch eine widerrechtliche Drohung veran-
lasst worden ist
b) Besonderheiten beim Erbfall
- Mit Erbfall wird der Erbe gem. § 857 BGB Besitzer —> Besitz ist
vererblich
- nicht erforderlich, dass der Erbe die tatsächliche Sachherr-
schaft innehat oder mit einem Besitzkonstitut begründet
wird
- rückt automatisch in die besitzrechtliche Stellung des Erb-
lassers nach
- Je nachdem welcher Besitz beim Erblasser vorlag, tritt
beim Erben Allein- oder Mitbesitz, Eigen- oder Fremd-
besitz, unmittelbarer oder mittelbarer Besitz oder eine
andere Besitzart ein
- Wenn Erlöser unmittelbarer Besitzer einer Sache war, rückt der
Erbe auch in diese besitzrechtliche Stellung ein
55
- Wird ohne des Wissen des Erblassers eine Sache aus dem
Nachlass entfernt, kommt sie dem Erben daher abhanden
iSd. § 935 Abs. 1 BGB
c) Unbeachtlichkeit des Abhandenkommens, § 935 Abs. 2
- Das Erwerbsinteresse an Geld und Inhaberpapieren genießt Vor-
rang vor einem Schutz des Eigentümers, um die Umläufigkeit
sicherzustellen
- Erwerb ist von Dieb möglich, außer Erwerber bösgläubig
III. Gutgläubiger lastenfreier Erwerb, § 936
Aufbauschema des gutgläubigen lastenfreien Erwerbs nach §
936 BGB
I. Eigentumserwerb auf Erwerberseite nach §§ 929 - 935 BGB
II. Voraussetzungen des § 936 BGB
1. Erwerb einer den §§ 932 - 934 BGB entsprechenden be-
sitzrechtlichen Position auf Erwerberseite
2. Gutgläubigkeit des Erwerbers hinsichtlich der Lastenfrei-
heit, § 936 Abs. 2 BGB
3. Kein Abhandenkommen der Sache beim Dritten gemäß §
935 BGB analog
4. Bei Veräußerung gem. §§ 929 S. 1, 931, 934: Kein Besitz
des Rechtsinhabers, § 936 Abs. 3 BGB
- Erwerber muss Eigentum erlangen
- gleichgültig, ob er es vom Eigentümer oder gutgläubig vom
Nichtberechtigten erwirbt
- Erwerber muss gem. § 936 BGB dieselbe Besitzposition erhal-
ten, wie bei einem Erwerb des Eigentums vom Nichtberechtigten
nach §§ 932 - 934, und zwar auch dann, wenn das Eigentum
vom Berechtigten erworben wird, § 936 Abs. 1 S. 2 und 3 BGB
- Erwerber muss in Ansehung der Lastenfreiheit gutgläubig sein, §
936 Abs. 2
- Sache darf dem dinglich Berechtigten nicht abhandenge-kom-
men sein
56
- Vorschrift des § 935 BGB gilt entsprechend
- Wenn die Veräußerung durch Abtretung des Herausgabean-
spruch erfolgt (§§ 929 S. 1, 931, 934) und der Inhaber des ding-
lichen Rechts die Sache im Besitz hat, bleibt sein beschränkt
dingliches Recht erhalten
- Ist der Rechtsinhaber allerdings nur mittelbarer Besitzer, bleibt
sein Recht nur dann bestehen, wenn der unmittelbare Besitzer
ihm den Besitz weiterhin vermittelt, § 936 Abs. 2 BGB
IV. Erwerb bei Beschränkungen der Verfügungsmacht
- Unterschied zwischen Verfügungsverbot und Verfügungsbe-
schränkung besteht darin, dass bei einem Verfügungsverbot der
Rechtsinhaber nicht verfügen darf, während bei einer gesetzli-
chen Verfügungsbeschränkung dem Rechtsinhaber die für die
Verfügung erforderliche Rechtsmacht fehlt, er kann nicht verfü-
gen
- Besteht eine absolute Verfügungsbeschränkung (Verfügungs-be-
schränkung, die gegenüber jedermann wirkt), ist die Verfügung
unwirksam
- Besteht ein absolutes Verfügungsverbot, ergibt sich aus §
134 BGB ebenfalls die Unwirksamkeit der Verfügung
- elatives Verfügungsverbot, ergibt sich aus §§ 135, 136 BGB,
dass Verfügung nur diesen Personen ggü unwirksam sein soll
- Auch bei einer relativen Verfügungsbeschränkung ist die
Übereignung nur im Verhältnis zum Geschützten Personen-
kreis unwirksam, im Übrigen (ggü. Dritten) aber wirksam
- kraft ausdrücklicher gesetzlicher Verweisung sind die §§ 932 ff.
auch auf folgende Verfügungen des in der Verfügungsmacht be-
schränkten Eigentümers für entsprechend anwendbar erklärt
- Wenn der Eigentümer aufgrund einer absoluten Verfügungs-be-
schränkung oder eines absoluten Verfügungsverbots in der Ver-
fügungsmacht beschränkt ist, dann ist ein gutgläubiger Erwerb
ausgeschlossen
- Rechtsgeschäfte, die gegen absolute Verfügungsverbote
verstoßen, sind, soweit die Genehmigungsfähigkeit durch
den geschützten Personenkreis vorgesehen ist, schwebend
unwirksam, im Übrigen gem. § 134 BGB nichtig
57
Der gesetzliche Eigentumserwerb
I. Ersitzung (§§ 937 - 945 BGB)
- Ersetzung = automatisch durch Zeitablauf eintretende Eigen-
tumserwerb des gutgläubigen (Eigen-) Besitzers
- vollzieht sich unabhängig von den Voraussetzungen rechtsge-
schäftlichen Eigentumserwerbs
1. Voraussetzungen
- Voraussetzungen der Ersitzung:
- Bewegliche Sache
- Eigenbesitz (mittelbarer Besitz genügt)
- 10 Jahre fortdauernd (Vermutung des § 938)
- Gutgläubigkeit: Besitzer hat sich für Eigentümer gehalten, §
937 II
- Bei Erwerb des Eigenbesitzes schadet bereits grobe Fahr-
lässigkeit
- Danach: Ersitzung nur ausgeschlossen, wenn Besitzer posi-
tive Kenntnis vom fehlenden Eigentum erlangt
- BGH: Es genügt, wenn dem Besitzer Umstände bekannt
sind, die jeden Unbefangenen ohne Weiteres zur Einsicht
veranlassen, nicht Eigentümer zu sein.
2. Praktische Bedeutung der Ersitzung
- Ersitzung kommt in Betracht, wo gem. § 935 gutgl. rechtsge-
schäftlicher Erwerb ausgeschlossen ist (abhanden gekommene
Sachen).
- Bei Veräußerungen durch Geschäftsunfähige oder in Erbschafts-
fällen: Erbe hält eine von Erblasser nur geliehene Sache für eine
Nachlasssache
II. Verbindung, Vermischung, Vermengung, Verarbeitung (§§ 946
ff.)
1. Verbindung einer beweglichen Sache mit einem Grundstück, §
946
58
Schema des § 946 BGB:
- beweglicheSache
- Verbindung der Sache mit einem Grundstück
- Sache muss durch Verbindung wesentlicher Bestandteil des
Grundstücks geworden sein
- Rechtsfolge: Eigentumserwerb des Grundstückseigentümers
- § 946: Eigentum am Grundstück erstreckt sich auf bewegliche
Sachen, die mit dem Grundstück dergestalt verbunden sind,
dass sie „wesentlicher Bestandteil“ i.S.d. §§ 93, 94 I, II sind.
- Wichtiges Kriterium dafür: Kann die bewegl. Sache ohne er-
hebliche Wertminderung getrennt werden?
- Nicht erheblich: Wertverhältnis zwischen Grundstück und be-
wegl. Sache.
- Wenn die bewegl. Sache nach § 946 einmal wesentl. Bestandteil
des Grundstücks geworden ist und ins Eigentum des Grund-
stückseigentümers gefallen ist, ändert sich an der Eigentumsla-
ge auch dann nichts mehr, wenn sie später wieder abgetrennt
wird.
- § 946 ist zwingendes Recht – nicht abdingbar. Eigentums-er-
werb kraft Realakt.
2. Verbindung mehrerer beweglicher Sachen zu einer neuen Sa-
che, § 947 I
Schema des § 947 I BGB:
- bewegliche Sache
- Verbindung mit einer anderen beweglichen Sache
- Sache muss dadurch wesentlicher Bestandteil der einheitlichen
Sache werden, ohne dass die Sache als Hauptsache anzuse-
hen ist
- Kein Fall von § 950 BGB
- Rechtsfolge: Miteigentum des bisherigen Eigentümers
- Wenn mehrere bewegl. Sachen so miteinander verbunden wer-
den, dass sie wesentl. Bestandteile einer einheitlichen Sache
59
werden, werden die bisherigen Eigentümer der Bestandteile Mit-
eigentümer (§ 1008) der einheitlichen Sache.
- Miteigentumsanteile richten sich nach dem Wertverhältnis der
Einzelsachen im Zeitpunkt der Verbindung.
- Beschränkt dingliche Rechte an den Einzelsachen setzen sich an
den Miteigentumsanteilen fort, § 949 S. 2.
3. Verbindung einer beweglichen Sache mit einer Hauptsache, §
947 II
- Bei Verbindung einer bewegl. Sache mit einer Hauptsache wird
der Eigentümer der Hauptsache Alleineigentümer der verbunde-
nen beweglichen Sache, § 947 II
- RF: Ausgleichsanspruch desjenigen, der Eigentum verloren
hat, nach § 951 I S. 1.
- Zweck des § 947 II: Erhalt des neu geschaffenen wirtschaftli-
chen Werts / Schutz vor Teilungsansprüchen im Rahmen der
Aufhebung einer Bruchteilsgemeinschaft.
- (P): Wann ist eine Sache „Hauptsache“ i.S.d. § 947 II?
- Wenn die beigefügte Sache fehlen könnte, ohne dass das
Wesen der aus der Verbindung entstandenen Sache beein-
trächtigt würde (Verkehrsauffassung)
- Rspr. wendet § 947 II restriktiv an: nur, wenn eine Sache im
Verhältnis zur anderen nur „schmückendes Beiwerk“ ist.
I.d.R. soll der vollständige Verlust des Eigentums nach § 947
II vermieden werden. Miteigentum nach Wertanteilen ist
i.d.R. interessengerechter.
4. Vermischung und Vermengung, § 948 BGB
- Bei untrennbarer Vermischung/Vermengung bewegl. Sachen ist
§ 947 entsprechend anwendbar.
- Vermischung = Verbindung von Flüssigkeit oder Gasen, so dass
sie ihre körperliche Abgrenzung verlieren
- Vermengung = untrennbares Zusammenfallen bewegl. Sachen
- RF: Grds. Miteigentümerschaft der früheren Eigentümer im Ver-
hältnis des Werts der einzelnen Sachen z.Z. der Vermischung/
Vermengung, §§ 948 I, 947 I
60
- Wenn das Wertverhältnis nicht feststellbar ist: Miteigentümer-
schaft zu gleichen Teilen, entsprechend § 742
- Jeder Miteigentümer kann allerdings nicht allein über seinen
Wertanteil verfügen. —> Vielmehr: Erst Aufhebung der Ge-
meinschaft gem. §§ 749, 753 / Teilungsvereinbarung.
- Bei Geld ist das wenig praktikabel. Korrektur str.:
- Z.T.: Geldschuld hat Wertsummencharakter. Jeder Miteigen-
tümer hat eigenständiges Aussonderungsrecht extra legem.
- Z.T.: Geld ist zu behandeln wie andere bewegl. Sachen.
Aber entspr. § 469 III HGB hat der besitzende Miteigentümer
ein einseitiges Abtrennungsrecht.
- Str.: Greift bei einem deutlichen quantitativen Übergewicht einer
Sache § 947 II, so dass der frühere Eigentümer des größeren An-
teils Alleineigentum erwirbt? (z.B.: Ein Sack Getreide des A fällt
in das Getreidesilo des B)
- Z.T.: § 948 I verweist auch auf § 947 II. Daher: B erlangt Allein-
eigentum. Der frühere Eigentümer hat dann einen wertmäßigen
Ausgleichsanspruch gem. § 951 I.
- A.A.: Es gibt keinen allgemein akzeptierten Grenzwert, wann
ein deutliches quantitatives Übergewicht vorliegt. Außerdem
nicht erkennbar, warum dem früheren Eigentümer des gerin-
gen Anteils seine dingl. Mitberechtigung entzogen werden soll.
Kein Wertverlust an der Gesamtsache durch Trennung (anders
als bei § 947 II)
- § 948 II: Verweis auf § 947 auch, wenn eine Trennung zwar theo-
retisch möglich, aber unverhältnismäßig teuer.
5. Verarbeitung, § 950
Schema des § 950 BGB
- Verarbeitung einer oder mehrerer beweglichen Sachen
- Entstehung einer neuen beweglichen Sache
- Verarbeitungswert nicht erheblich geringer als Rohstoffwert
- Rechtsfolge: Eigentumserwerb des Herstellers
61
- Wer durch Verarbeitung bzw. Umbildung fremder Stoffe eine
neue bewegliche Sache herstellt (= Hersteller), wird Eigentümer
der neuen Sache.
- Ausnahme: Wenn der Wert der Verarbeitung / Umbildung deut-
lich geringer ist als der Wert der eingesetzten Stoffe, bleiben Lie-
feranten Eigentümer / Eigentum setzt sich an der neuen Sache
fort (§ 947).
- Hersteller ist nicht der Arbeiter (= Besitzdiener), sondern der-
jenige, der das unternehmerische Risiko der Verarbeitung
trägt.
- Verarbeitung = zielgerichteter Arbeitsvorgang, der auf die Ver-
änderung des verarbeiteten Stoffes gerichtet ist —> Verarbei-
tung / Umbildung = Realakt! Geschäfts-fähigkeit / Redlichkeit
sind nicht erheblich
- Umbildung = Herstellung eines Produkts aus einem bereits
bestehenden anderen Produkt
- Entstehung einer neuen Sache (entscheidend!): Maßgeblich ist
die Verkehrs-auffassung. Voraussetzung: deutlich wertsteigernde
menschliche Einwirkung auf eine Sache. Faustregel: Hat die Sa-
che hinterher einen neuen Namen?
- § 950 ist nur auf bewegliche Sachen anwendbar
- § 950 verdrängt in seinem Anwendungsbereich die §§ 947, 948.
- Wertverhältnis: Wert der Verarbeitung darf nicht erheblich hinter
Stoffwert zurückbleiben: (1) Ermittlung des Stoffwerts der Aus-
gangssache; (2) Ermittlung des Verkehrswerts der neuen Sache;
(3) Wert der Verarbeitung = Verkehrswert der neuen Sache –
Stoffwert; (4) Wertverhältnis der Verarbeitung zum ursprgl. Stoff-
wert: Hersteller wird nur Eigentümer, wenn Wert der Verarbeitung
mindestens 60 % des Stoffwertes ausmacht.
- „Verarbeitung“ i.S.d. § 950 I 1: Gem. § 950 I 2 auch das „Schrei-
ben, Zeichnen, Malen, Drucken, Gravieren oder eine ähnliche
Bearbeitung der Oberfläche“
—> Durch Aufnehmen von Tondokumenten wird die Ma-
gnetschicht des Tonbandes physikalisch verändert
- „Neue Sache“: Zwischen Ausgangsstoff und Verarbei-tungspro-
dukt darf keine Identität mehr bestehen. Insb. dann, wenn die
62
Sache nach der Verarbeitung eine eigenständige, gegenüber den
verarbeiteten Sachen weitergehende Funktion erfüllt / sich durch
die Verarbeitung der wesentliche wirtschaftliche Verwen-dungs-
zweck geändert hat und der Ausgangsstoff nach der Verkehrs-
auffassung durch die vorgenommenen Handlungen eine We-
sensänderung erfahren. Indiz: neuer Begriff für das Verarbei-
tungsprodukt.
- (P): Herstellerbegriff / Verarbeitungsklausel
- Funktional regelt § 950 den Konflikt zwischen dem weiter-
verarbeitenden Unternehmer und den Lieferanten.
- Lieferanten wollen i.d.R. zur Sicherheit für ihre Kaufpreisfor-
derung Eigentum an den gelieferten Sachen behalten oder
Eigentum an neuen Sachen erlangen, bis der Kaufpreis voll-
ständig bezahlt worden ist. Deshalb: Vereinbarung sog.
„Verarbeitungsklauseln“ zwischen Lieferant und weiterver-
arbeitendem Unternehmer in den AGB: Lieferant soll Eigen-
tümer der neuen Sache werden.
- (P): Wie kann dieses Ziel erreicht werden?
- Kann § 950 BGB durch eine Verarbeitungsklausel abbedun-
gen werden?
- Z.T.: § 950 ist ausnahmsweise dispositiv. Gesetzgeber
wollte Konflikt zwischen Lieferant und Verarbeiter regeln.
Privatautonome Regelung hat Vorrang.
- BGH: § 950 steht systematisch beim gesetzl. Eigentums-
erwerb => zwingendes Recht. Nicht dispositiv.
- Kann privatautonom vereinbart werden, wer Hersteller i.S.d.
§ 950 BGB ist
- BGH: (+). Parteien können frei vereinbaren, dass der ver-
arbeitende Unternehmer für den Stofflieferanten herstellen
soll. Dies ergebe sich auch aus den Regeln zum Werkver-
trag: Wenn der Werkunternehmer aus Stoffen des Bestel-
lers eine neue Sache herstellt, wird nicht der Werkunter-
nehmer, sondern der Besteller Eigentümer, weil er die Sa-
che herstellen lässt.
- Kritik: Damit wird die zwingende Natur des § 950 de facto
umgangen. Verarbeitung = Realakt.
63
- objektiver Herstellerbegriff, der an soziale Gegeben-
heiten, nicht an den Willen der Parteien anknüpft.
Hersteller = wer den Verarbeitungsprozess verant-
wortlich steuert / das wirtschaftliche Risiko für die
Absetzbarkeit des neuen Produkts trägt.
- Wenn man von einem obj. Herstellerbegriff ausgeht und §
950 BGB für zwingendes Recht hält: Verarbeitungsklausel =
antizipiertes Besitzkonstitut gem. § 930 BGB. D.h.:
- Verarbeitender Unternehmer = Hersteller i.S.d. § 950.
- Wird mit Verarbeitung der Sache für eine logische Sekun-
de Eigentümer der neuen Sache (Durchgangserwerb).
- Aber: vorweggenommene Vereinbarung eines Besitzmitt-
lungsverhältnisses mit dem Lieferanten gem. § 930 BGB
IV. § 951 – Ausgleich in Geld
Anspruch aus §§ 951 I 1, 812 I 1 Var. 2 BGB
- Rechtsverlust infolge der §§ 946 ff. BGB
- Tatbestand des § 812 I 1 var. 2 BGB
- Etwas erlangt
- Infolge der gesetzlichen Wirkung der §§ 946 ff. BGB und
somit einsonstiger Weise auf Kosten des bisherigen
Rechtsinhabers
- Ohne rechtlichen Grund
- Rechtsfolge: Verpflichtung zum Wertersatz, § 812 II BGB in
Höhe der Bereicherung §§ 818 III, IV, 819 BGB
- § 951 I 1: Wer aufgrund der §§ 946-950 sein zuvor bestehendes
Eigentum an der Sache einbüßt, kann von demjenigen, der nach
diesen Vorschriften Eigentum erlangt, Wertausgleich in Geld
„nach den Vorschriften über die ungerechtfertigte Bereicherung“
verlangen
- Ganz h.M. Rechtsgrundverweis! (nicht bloß Rechtsfol-genver-
weis). Voraussetzungen der §§ 812 ff. sind zu prüfen. [a.A. Wil-
helm, Sachenrecht]
64
- Grund: §§ 946 ff. klären nur die sachenrechtliche Zuordnung,
aber nicht das etwaige Vorliegen eines (schuldrechtl.) Grundes
für die Eigentumsübertragung. Der ist bei §§ 812 ff. zu prüfen.
- H. Lit.: § 951 = SpezialTB der Eingriffskondiktion. Wenn Voraus-
setzungen einer Leistungskondiktion erfüllt sind, ist § 951 nicht
anwendbar (sondern bereicherungsrechtl. Anspruch direkt nach
§ 812 I 1)
- Rspr.: § 951 verweist auch auf Leistungskondiktion
- Anspruch aus § 951 I 1 greift auch, wenn jemand nach den §§
949, 950 II ein sonstiges dingliches Recht an einer Sache verlo-
ren hat (aber nicht, wenn er nach §§ 947 I, 948, 949 S. 2 Mitei-
gentum erworben hat).
- § 951 ist gegenüber anderen Ansprüchen auf Ausgleich des
Wertverlustes subsidiär (AuffangTB).
- Insbes.: Subsidiarität der Nichtleistungskondiktion gegenüber
der Leistungs-kondiktion.
- Lit.: § 951 I S. 1 nicht anwendbar, wenn der Eigentumsüber-
gang auf der Leistung des bisherigen Eigentümers oder ei-
nes Dritten beruht. Ein Eigentumsverlust, der auf der Grund-
lage einer vertraglichen Leistungs-beziehung erfolgt, kann
nur direkt nach § 812 I 1 ausgeglichen werden
- a.A.: Rspr. - § 951 I S. 1 verweist auch auf Leistungskondik-
tion
- i.E. kein Unterschied: Ausgleichsanspruch entweder unmit-
telbar nach § 812 I 1; oder nach §§ 951 I S. 1 i.V.m. 812 I 1
- Beachte: Eigentumserwerb gem. §§ 946 ff. zwar kraft Geset-
zes; trotzdem „durch Leistung“ / gezielte, zweckgerichtete
Mehrung fremden Vermögens, wenn Einbau (+ Besitzverschaf-
fung) in Erfüllung einer (vermeintlichen) Pflicht
- Str.: Wenn der verfügende Dritte rechtsgeschäftlich den Leis-
tungserfolg nicht hätte herbeiführen können. Ist § 951 I 1 dann
auch ausgeschlossen?
V. § 952 – Dingliche Zuordnung von Schuldurkunden und Legitima-
tionspapieren
- § 952 = Sonderform des gesetzl. Eigentumserwerbs an be-
stimmten Urkunden, wenn ein besonderer Zusammenhang zwi-
65
schen der Urkunde und der in ihr belegten Rechtsposition be-
steht.
- Die in § 952 bezeichneten Urkunden haben keinen selbständi-
gen Wert, sondern bilden eine Einheit mit dem verbrieften
Recht.
- Das Recht an der Urkunde soll daher mit dem verbrieften
Recht automatisch übergehen: Das Recht am Papier folgt dem
Recht aus dem Papier.
- Das Sparbuch ist eine Schuldurkunde i.S.d. § 952. D.h.: Das
Eigentum an der Urkunde folgt der Inhaberschaft des verbrief-
ten Rechts.
- Das Eigentum am Sparbuch wird daher NICHT nach § 929 S.
1 BGB übertragen. Vielmehr muss die Forderung gem. § 398
abgetreten werden. Das Eigentum am Sparbuch folgt dann
automatisch.
- Anwendungsbereich des § 952 BGB:
- Erfasst werden insbes. die sog. Legitimationspapiere (§ 808)
- aber nicht die Wertpapiere im engeren Sinne (= Inhaberpa-
piere): Bei ihnen folgt das Recht aus dem Papier dem Recht
am Papier, d.h.: Übertragung nach §§ 929 ff. (so insbes. In-
haberschuldverschreibung, § 793; Inhaberaktie, § 10 I AktG;
Wechsel und Scheck)
- Analoge Anwendung des § 952 II auf den Kfz-Brief (ganz
h.M.):
- Kfz-Brief ist keine Schuldurkunde im eigentlichen Sinne;
- Aber auch hier folgt das Recht am Kfz-Brief dem Recht am
Fahrzeug: Wer gem. §§ 929 ff. Eigentum am Fahrzeug er-
wirbt, erwirbt automatisch auch Eigentum am Kfz-Brief
- d.h.: Eigentumserwerb vom Berechtigten ist auch ohne
Übergabe des Kfz-Briefs möglich!
VI. Fund, §§ 965 ff.
- Fund begründet primär ein gesetzl. Schuldverhältnis – beson-
ders ausgeformtes Geschäftsbesorgungsverhältnis.
- Primäres Ziel: Eigentümer soll die Möglichkeit des Wiederer-
greifens der Sache haben.
66
- Daher: Finder ist verpflichtet, die Sache zu verwahren, § 966;
und ggfs. abzuliefern, § 967.
- Dafür: Finder hat Anspruch auf Aufwendungsersatz, § 970;
und auf Finderlohn, § 971
- Wichtig: §§ 965 ff. greifen nur für Sachen, die nicht nur an ei-
nem bestimmten Ort „vergessen“, sondern tatsächlich verlo-
ren und damit besitzlos geworden sind.
- Bsp.: A hat seinen Fahrradschlüssel im Haus des B verges-
sen. Er weiß genau, dass der Schlüssel dort ist (allerdings
nicht genau, wo im Haus) => Vorschriften der §§ 965 ff. greifen
nicht.
- Die Sache muss tatsächlich verloren und besitzlos geworden
sein; ein bloßes „vergessen“ genügt nicht
- § 973: Eigentumserwerb des Finders mit Ablauf von 6 Monaten
nach der Anzeige des Fundes bei der zuständigen Behörde.
- Originärer lastenfreier Eigentumserwerb; auch alle beschränkt
dinglichen Rechte an der Sache gehen unter.
- Allerdings: Kein Anwartschaftsrecht des Finders vor Ablauf der
Zeit; Eigentumserwerb hängt nicht ausschließlich vom Willen
des Finders ab. 50 Fund, §§ 965 ff.
Eigentumserwerb des Finders gem. § 973 BGB
- verlorene (besitzlose) bewegliche Sache
- Fund
- Anzeige des Fundes beim Verlierer, Eigentümer oder zuständi-
gen Behörde, § 965 I, II 1 BGB
- Ablauf einer Frist von 6 Monate seit Anzeige
- Empfangsberechtigter hat sich nicht bei zuständigen Behörde
gemeldet + ist dem Finder auch nicht vor Fristablauf bekannt
geworden
- § 974: Eigentumserwerb des Finders auch dann, wenn vor Ab-
lauf der 6 Monate der Eigentümer auftaucht, der Finder diesem
seine Ansprüche auf Aufwen-dungsersatz und Finderlohn kon-
kret beziffert mitteilt, aber der Eigentümer innerhalb der gesetz-
ten und angemessenen Frist nicht reagiert.
67
- § 977: Anspruch auf Ausgleich des Wertverlusts nach Bereiche-
rungsrecht, wenn Eigentümer gem. §§ 973, 974 sein Eigentum
verliert (§ 977 entspricht funktional § 951).
- Finder kann sich nicht auf Wegfall der Bereicherung berufen:
Er kennt den bereicherungsrechtl. Mangel (§§ 818 IV, 819)
- Bereicherungsrechtl. Anspruch gegen den Finder erlischt mit
Ablauf von 3 Jahren nach Eigentumserwerb, § 977 S. 2
- Besondere Arten des Fundes:
- Verkehrsfund, §§ 978 ff. = Sache wird in den Räumen / Beför-
derungsmitteln einer Behörde oder in öff. Verkehrsmitteln ge-
funden.
- § 978 I: Finder ist immer zur Ablieferung verpflichtet
- § 978 II: Finderlohn wird um die Hälfte reduziert; bei Wert
der Sache unter 50 € entfällt er ganz
- Kein Eigentumserwerb des Finders nach § 973 möglich
- Auch Behörde erwirbt kein Eigentum an der Sache, kann sie
aber öffentlich versteigern lassen; erwirbt mit Ablauf von 3
Jahren den Erlös. Kein Bereicherungsanspruch gegen die
Behörde.
- Schatzfund, § 984
- Schatz = Sache, die so lange verborgen war, dass der Ei-
gentümer nicht mehr zu ermitteln ist (Legaldef. in § 984)
- Wer einen Schatz entdeckt und in Besitz nimmt wird Mitei-
gentümer zu 50 %. Die anderen 50 % fallen kraft Gesetz in
das Eigentum dessen, in dessen Sache der Schatz verbor-
gen war.
- nicht erforderlich, dass die Sache besitzlos war
68
Das Pfandrecht
I. Begriff/ Rechtsnatur/ Grundsätze
- PfandR an einer bewegl. Sachen = Belastung einer bewegl.
Sache in der Weise, dass der Pfandgläubiger berechtigt ist,
bei Nichterfüllung der zugrundeliegenden Forderung die
Sache zu verwerten / aus dem Erlös Befriedigung zu erlangen
(§ 1204) => dingl. Recht
- PfandR kann auch an einem Miteigentumsanteil an einer
bewegl. Sache eingeräumt werden, § 1258
- PfandR ist streng akzessorisch, §§ 1204, 1250, 1252:
- Bestand einer zu sichernden Forderung = zwingende
Voraussetzung für die Entstehung des Pfandrechts
- Pfandrecht wird mit Forderung übertragen / erlischt mit
Erlöschen der Forderung
- Faustpfandprinzip (Publizität): Pfandrecht setzt Besitzwechsel
auf Pfandgläubiger voraus
- Besitzkonstitut als Übergabeersatz (entspr. § 930) genügt
nicht.
- Spezialität: Pfandrecht nur an bestimmten Sachen
- Funktion des Pfandrechts: Pfandgläubiger hat das Recht,
- sich bei Pfandreife (= Fälligkeit der Forderung)
- durch Pfandverkauf zu befriedigen (= Sicherungs- und
Verwertungsrecht).
II. Arten von Pfandrechten
1. Unterscheidung von Pfandrechten nach Art der Entstehung
- Vertragl. Pfandrechte an bewegl. Sachen (§§ 1204 ff.) und an
Rechten (§§ 1273 ff.)
- Gesetzl. Pfandrechte: setzen keine Einigung der Beteiligten
voraus; entstehen allein kraft Sachbeziehung
- Besitzpfandrechte (z.B. UnternehmerpfandR, § 647)
- Einbringungspfandrechte (z.B. VermieterpfandR, § 562)
1
- Pfändungspfandrechte, die im Wege der Zwangsvollstre-
ckung entstehen (§§ 803 ff. ZPO)
2. Unterscheidung nach Art der Nutzungsmöglichkeit
- Reguläre Pfandrechte: Pfandgläubiger darf das Pfand nicht
für sich nutzen
- Nutzungspfandrechte, § 1213 f.: Pfandgläubiger darf Nutzung
aus dem Pfand ziehen
- Irreguläre Pfandrechte (z.B. Mietkaution, Sperrung eines
Bankguthabens): Pfandgläubiger darf nicht nur die
verpfändete Sache verwenden. Ihm wird sogar Eigentum
übertragen. Nach Tilgung der Schuld muss er eine
gleichartige Sache zurückgewähren
=> §§ 1204 ff. analog anwendbar
III. Rechtsbeziehungen
1. Beteiligte am Pfandrechtsverhältnis
- Schuldner der zu sichernden Forderung
- Verpfänder:
- Regelfall: Personenidentität zwischen Forderungs-
schuldner und Verpfänder als Eigentümer der bewegl.
Sache [s. auch § 1248: Eigentumsvermutung zugunsten
des Verpfänders]
- Bei fehlender Personenidentität:
- Eigentümer der Pfandsache als Verpfänder
(zugunsten des Forderungsschuldners);
- oder Verpfänder verpfändet eine ihm nicht
gehörende Sache
- Forderungsgläubiger => zwangsläufig identisch mit Pfand-
gläubiger (zwingende Personenidentität: Akzessorietät des
Pfandrechts)
2. Rechtsbeziehungen, die in §§ 1204 ff. geregelt sind
- Bestellung des Pfandrechts zwischen Verpfänder und
Pfandgläubiger = gesetzl. SV, das bes. Rechte und Pflichten
begründet - §§ 1215-1221, 1223 ff.
2
- Verwahrungspflicht des Pfandgläubigers, § 1215
- Verpflichtung des Verpfänders zum Ersatz der
Aufwendungen des Pfandgläubigers auf das Pfand, §
1216
- Außerdem: Der Verpfändung liegt eine schuldrechtl.
Sicherungsabrede zugrunde, die Pfandrecht und zu
sichernde Forderung verknüpft. Nicht speziell geregelt
(§§ 311 I, 241)
- Rechtsbeziehung Pfandgläubiger – Eigentümer: §§ 1234,
1241, 1245, 1253 ff.
3. Rechtsbeziehungen, die allgemeinen Regeln Unterfallen
- Rechtsbeziehung zwischen Eigentümer und Verpfänder
(wenn Verpfänder nicht Eigentümer ist): nicht in den §§ 1204
ff. geregelt
- i.d.R. Auftrag, §§ 662 ff.; GoA, §§ 677 ff.; ggfs.
ungerechtfertigte Bereicherung, §§ 812 ff.
- Rechtsbeziehungen Forderungsschuldner und Eigentümer
der verpfändeten Sache (wenn Eigentümer = Verpfänder):
Nicht in §§ 1204 ff. geregelt
- Möglich: Ansprüche aus Auftrag, §§ 662 ff.; GoA, §§ 677
ff.; §§ 812 ff.
IV. Entstehung vertraglicher Pfandrechte - Ersterwerb
1. Vss. der Bestellung im Überblick, §§ 1205 ff.
- Rechtsgeschäftl. Einigung über die Pfandrechtsbestellung mit
Inhalt des § 1204
- Übergabe der verpfändeten Sache, §§ 1205 I 2, 1205 II
- Berechtigung des Verpfänders
- Bestand einer zu sichernden (ggfs. auch künftigen) Forderung
[Akzessorietät des Pfandrechts!]
2. Einigung
- Inhalt der Einigung über Pfandrechtsbestellung: Bestimmbare
Forderung soll durch ein Pfandrecht an einer konkreten
Sache gesichert werden. Sicherungswille muss erkennbar
sein.
3
- Unterscheiden von schuldrechtl. Sicherungsabrede als
Grundgeschäft: Vereinbarung der Parteien, dass zur
Sicherung einer Forderung ein Pfandrecht bestellt
werden soll.
- Spezialität / Publizität: Verpfändung von Sachgesamtheiten
als solcher (z.B. Warenlager mit wechselndem Bestand) ist
NICHT möglich. Hinsichtlich jeder einzelnen Sache müssen
Voraussetzungen der Pfandrechtsbestellung vorliegen –
insbes. auch Übergabe. Offenkundigkeitsprinzip!
- Antizipierte Einigung: Pfandrecht kann nur an einer
vorhandenen Sache bestellt werden. Künftig erst
herzustellende Sachen können nicht mit einem Pfandrecht
belastet werden.
- Aber möglich: Antizipierte Einigung über Pfandrechts-
bestellung, so dass
das Pfandrecht im Zeitpunkt der Besitzerlangung an der noch
nicht existenten Sache entsteht.
3. Übergabe und Übergabesurrogate
a) Parallelen/Unterschiede zwischen §§ 1205 ff. und §§ 929 ff.
- Z.T. entsprechen sich das Übergabeerfordernis bei der
Pfandrechtsbestellung (§§ 1205 ff.) und bei der Eigentums-
übertragung §§ 929 ff.; insb.:
- § 1205 I 1entspricht § 929 S.1;
- § 1205 I 2 entspricht § 929 S.2;
- § 1205 II entspricht § 931.
- Aber keine durchgängige Entsprechung:
- Pfandrechtsbestellung mit Besitzkonstitut (§ 930) ist
NICHT möglich.
- Pfandrechtsbestellung aber möglich durch Einräumung
von Mitbesitz, § 1206 (Abweichung zu §§ 929 ff.)
=> Grund für Abweichungen: Bei §§ 1205 ff. geht es nicht um
Rechtsübertragung (wie bei §§ 929 ff.), sondern um Einräumung
eines Verwertungsrechts (erklärt § 1206)
4
=> Gleichzeitig: Publizitätsprinzip beim Pfandrecht ist strenger
als bei §§ 929 ff. Grund: Entscheidung des Gesetzgebers für
das Besitzpfandrecht – Schutz des Gläubigers vor weiteren
Verfügungen des Eigentümers durch Aussonderung der Sache
aus dem Herrschaftsbereich des Verpfänders.
b) Übergabe, § 1205 I: Erwerb des unmittelbaren Alleinbesitzes
gem. § 854 I od. II durch Pfandgläubiger
- Voraussetzungen:
- Veranlassung des Besitzwechsels durch Verpfänder
- Wechsel in der Person des unmittelbaren Besitzers
- Vollständige Besitzaufgabe des Verpfänders und
Eigentümers
- Wenn Pfandgläubiger bereits unmittelbarer oder mittelbarer
Besitzer ist: § 1205 I 2: Einigung genügt.
=> Anbringen von Pfandzeichen genügt nicht für Übergabe –
kein Besitzwechsel, sondern nur Kundgabe nach außen.
c) Übergabesurrogate, § 1205 f.
- Besitzkonstitut (wie bei § 930) genügt nicht – keine hinrei-
chende Publizität der Verpfändung
- (P): Wenn der Verpfänder später dem Pfandgläubiger die
Pfandsache trotzdem übergibt, weil er irrtümlich
annimmt, der Pfandgläubiger habe ein Besitzrecht:
entsteht dann Pfandrecht mit Übergabe?
- Eigentlich keine dingl. Einigung bei Übergabe:
Parteien gehen davon aus, dass Pfandrecht schon
aufgrund des Besitzkonstituts besteht
- Auslegung der Erklärungen bei Übergabe
dahingehend, dass in jedem Fall ein Pfandrecht
entstehen soll, auch für den Fall, dass es noch nicht
besteht? => Im Einzelfall prüfen.
- Abtretung des Herausgabeanspruchs
- Übergabe kann durch Übertragung des mittelbaren
Besitzes gem. §§ 870, 398 ersetzt werden; aber
zusätzlich erforderlich: Anzeige der Verpfändung an den
unmittelbaren Besitzer, § 1205 II
5
- Übergabesurrogat gem. § 1205 II bei nur vermeintlichem
mittelbaren Besitz
- § 1205 II setzt die „Übertragung des mittelbaren
Besitzes“ voraus – der mittelbare Besitz muss
tatsächlich bestehen. Kein Pfandrecht, wenn ein nur
vermeintlicher Herausgabeanspruch abgetreten wird
- Begründung qualifizierten Mitbesitzes, § 1206 [Abweichung
von §§ 929 ff. => dort Besitzaufgabe durch Veräußerer
erforderlich]
- Begründung qualifizierten Mitbesitzes kann als
Übergabeersatz genügen. Voraussetzung:
- Alt. 1: Die Sache ist unter Mitverschluss des Gläu-
bigers; oder
- Alt. 2: falls die Sache im Besitz eines Dritten ist
(„Pfandhalter“), darf die Herausgabe nur an den
Eigentümer und den Gläubiger gemeinschaftlich
erfolgen können (= mittelbarer qualifizierter
Mitbesitz).
(P): Übergabe erfolgt, wenn Verpfänder heimlich einen
weiteren Schlüssel behält?
- z.T.: Verpfänder hat Besitz dann nicht völlig aufgegeben;
daher keine Übergabe / Pfandrechtsbestellung scheitert.
- Rspr. und z.T. Lit.: Beurteilung der Sachlage so, wie sie sich
nach außen darstellt. Dann: wirksame
Pfandrechtsbestellung. Der arglistig Handelnde soll nicht
durch Unwirksamkeit der Pfandrechtsbestellung begünstigt
werden.
4. Bestehen einer zu sichernden Forderung - Akzessorietät
des Pfandrechts
a) Zu sichernde Forderung
- Ohne Forderung kein Pfandrecht – strenge Akzessorietät des
Pfandrechts!
- D.h.: Wenn Forderung gem. §§ 134, 138 od. 119 i.V.m.
142 nichtig ist: Kein Pfandrecht
6
- Aber: wenn an die Stelle der nichtigen Forderung ein
bereicherungsrechtl. Zahlungsanspruch tritt (§§ 812 ff.)
gilt diese i.d.R. im Wege der ergänzenden
Vertragsauslegung als mitgesichert (aber: Parteiwille
ermitteln: konkrete Anhaltspunkte);
=> sonst prüfen: Umdeutung (§ 140) der nichtigen For-
derung oder des Pfandrechts in Zurückbehaltungsrecht,
§ 273 (str.!)
- Pfandrecht ermöglicht Befriedigung des Gläubigers durch
Verwertung des Pfandes. Zu sichernde Forderung muss
daher auf eine Geldforderung gerichtet sein bzw. in eine
Geldforderung übergehen können, § 1228 II S. 2. Viele dingl.
Ansprüche können daher nicht durch Pfandrecht gesichert
werden.
- Zu sichernde Forderung muss durchsetzbar sein.
- D.h.: Spiel- oder Wettschuld, § 762, kann nicht durch ein
Pfandrecht
durchsetzbar gemacht werden.
b) Sicherung künftiger und bedingter Forderungen möglich,
§ 1204 II
- Voraussetzung: sachenrechtl. Bestimmtheitsgrundsatz ist
gewahrt. Ausreichend: Forderung muss im Zeitpunkt ihrer
Entstehung zweifelsfrei bestimmt werden können.
- Dann: PfandR entsteht sofort durch Einigung und Übergabe
der Pfandsache, nicht erst mit Entstehung der zu sichernden
Forderung.
- Wichtig für Rang des PfandRs: Maßgeblich ist Zeitpunkt
der Bestellung, § 1209
- Verwertung des Pfandes erst ab Entstehung der Forderung
möglich.
- PfandR erlischt, wenn feststeht, dass die Forderung nicht
entstehen kann.
7
c) Forderungsaustausch / vertragliche Erweiterung der
Forderung?
- Austausch der zu sichernden Forderung bei Beibehaltung
des Pfandrechts nicht möglich! (sonst würde de facto ein
nichtakzessorisches PfandR entstehen). D.h.: Pfandrecht für
neue Forderung muss neu bestellt werden.
- (P): Haftet das bestellte PfandR auch für vertragliche
Erweiterungen der Forderung? (problematisch insbes., wenn
nachrangige Rechte am Pfand bestehen) => Str.
- Z.T.: (+); siehe § 1210 I 1: Haftung des Pfandes im
Umfang des jeweiligen Bestandes der Forderung;
Nachrangig Berechtigte müssen mit der Erweiterung
rechnen.
=> ausgeschlossen nur im Fall des § 1210 I 2 bei
Personenverschiedenheit von Schuldner und Eigentümer.
- A.A.: Haftung für nachträgliche Forderungserweiterung
immer ausgeschlossen, wenn nachrangige dingl. Rechte
bestehen.
5. Gutgläubiger (Erst-) Erwerb eines Pfandrechts vom
Nichtberechtigten?
a) Möglichkeit des gutgl. Ersterwerbs eines Pfandrechts vom
NB: § 1207 => §§ 932, 934, 935
- D.h.: Je nachdem, in welcher Form das Pfand übergeben
wurde / welcher Übergabeersatz gewählt wurde,
unterschiedliche Anforderungen an den gutgl. Erwerb (s.
nächste Folie)
b) Voraussetzungen des gutgläubigen Erwerbs: Verweis auf §§
932, 934, 935
- Pfandrechtsbestellung, die allein an der fehlenden
Rechtsmacht des Verfügenden scheitert (Verpfänder ist nicht
Eigentümer der Pfandsache und auch nicht ermächtigt, § 185
I)
- Besitz des Verpfänders an Pfandsache als Grundlage des
Rechtsscheins (unmittelbarer Besitz nicht zwingend
erforderlich; es reicht Besitzverschaf- fungsmacht)
8
- Guter Glaube des Pfandgläubigers an das Eigentum des
Verpfänders, § 932 II [guter Glaube an Verfügungsmacht
reicht nur gem. §§ 366, 367 HGB]
- Kein Abhandenkommen der Pfandsache, § 1207 i.V.m. § 935
Abs. 1
c) Gutgläubiger Rangerwerb, § 1208 => vergleichbar § 936;
aber kein Erlöschen der Rechte Dritter; sie werden nur
nachrangig
- Voraussetzungen:
- Wirksamer Pfandrechtserwerb gem. §§ 1205 ff.
- Gutgläubigkeit des Erwerbs bzgl. des Nichtbestehens
vorrangiger Rechte, § 1208 i.V.m. § 932 II
- Den eigentlich vorrangigen dinglich Berechtigten ist die
Sache nicht abhanden gekommen, § 1208 S. 2 i.V.m. §
935
- Bei Pfandrechtserwerb gem. § 1205 I 2 durch bloße Einigung:
gutgl. Erwerb nur, wenn der Pfandrechtserwerber den Besitz
vom Verpfänder erlangt hat, §§ 1208 S. 2 i.V.m. § 932 I 2
- Bei Pfandrechtserwerb nach § 1205 II (Abtretung des
Herausgabeanspruchs + Verpfändungsanzeige an Besitzer):
Ältere Rechte des unmittelbaren Besitzers gehen vor / kein
gutgl. Rangerwerb - §§ 1208 S. 2 i.V.m. 936 III.
V. Übertragung vertraglicher Pfandrechte (Zweiterwerb)
1. Übertragung vertraglicher Pfandrechte durch den
Berechtigten, § 1250
- § 1250: Pfandrecht geht mit Übertragung der Forderung auf
den neuen Gläubiger über. PfandR kann nicht ohne die
Forderung übertragen werden => Strenge Akzessorietät des
Pfandrechts
- D.h.: PfandR folgt gesicherter Forderung, unabhängig davon,
ob der Besitz an der Pfandsache übergeben wird
(Pfandrechtsinhaber hat Herausgabeanspruch gg bisherigen
Pfandrechtsgläubiger gem. § 1251 I); und unabhängig davon
auf welche Weise die Forderung übertragen wird:
- Durch Abtretung, § 398
9
- Kraft Gesetzes, § 412 i.V.m. §§ 399-404, 406-410; oder
§§ 1224, 1249, 1251
- Durch gerichtliche Überweisung an Zahlung statt in der
Zwangsvollstreckung, § 835 I Alt. 2, II ZPO
- Zweiterwerber erhält PfandR immer mit dem Umfang/Inhalt
der Forderung, wie sie auf ihn übergeht
2. Gutgläubiger Zweiterwerb eines Pfandrechts?
- Unterscheide 2 Konstellationen:
- 1. Konstellation: Es besteht keine zu sichernde
Forderung: Dann – strenge Akzessorietät! – kein gutgl.
Erwerb eines Pfandrechts
- 2. Konstellation: Zu sichernde Forderung besteht; aber
PfandR ist nicht entstanden (z.B. mangels wirksamer
Einigung bei Pfandrechtsbestellung):
- H.M.: Ebenfalls kein gutgl. Zweiterwerb des PfandRs
bei Abtretung der Forderung.
- Grund: PfandR geht gem. § 1250 S. 1 kraft
Gesetzes über; gutgl. Erwerb ist nur bei
rechtsgeschäftl. Erwerb vorgesehen.
- Außerdem: Es fehlt bei § 1250 der VertrauensTB –
für Pfandrechtserwerb kommt es nicht auf
Übergabe an.
- A.A.: Gutgl. Zweiterwerb dann, wenn die Sache
übergeben wurde.
VI. Gesetzliche Pfandrechte
1. Entstehung und Arten gesetzlicher Pfandrechte
- 2 Arten gesetzlicher Pfandrechte:
- Gesetzliche Besitzpfandrechte: Hängen von Inbesitznahme
durch Pfandgläubiger ab
- PfandR aus Hinterlegung, § 233;
- PächterpfandR am Inventar, § 583
- WerkunternehmerpfandR, § 647
10
- PfandR des Kommissionärs, § 397 HGB; des Spediteurs,
§ 463 HGB; des Frachtführers, § 440 HGB; des
Lagerhalters, § 475a HGB u.a.
- Einbringungspfandrechte: Sache muss in den räumlichen
Herrschaftsbereich des Pfandgläubigers eingebracht werden;
Besitz des Pfandgläubigers an der Sache ist nicht
erforderlich
- VermieterpfandR, §§ 562-562d; VerpächterpfandR, § 581
II i.V.m. § 562; Gastwirt, § 704
- PfandR des Verfrachters am Passagiergepäck, § 674
HGB
2. Gutgläubiger Erwerb gesetzlicher Pfandrechte
a) Ausgangslage
- Gesetzl. PfandRe setzen grds. die Berechtigung des
Pfandschuldners voraus (i.d.R. Eigentum)
- § 1257 BGB: Für gesetzl. PfandRe sind die Vorschriften „über
das durch Rechtsgeschäft bestellte Pfandrecht“
entsprechend anwendbar.
- (P): Verweis auch auf § 1207, §§ 932 ff.?
- Wortlaut des § 1257: Verweis nur auf die Vorschriften über
das rechtsgeschäftlich schon „bestellte“ PfandR, d.h. das
schon wirksam entstandene PfandR
- nicht auf den gutgl. Erwerb als EntstehungsTB
- (P): Trotzdem entsprechende Anwendung des § 1207 auf
gesetzliche Pfandrechte?
- Allg. A.: Einbringungspfandrechte können nicht
gutgläubig erworben werden. Einbringungspfandrecht ist
besitzloses PfandR. Gutgl. Erwerb knüpft aber an den
Besitzerwerb durch den Erwerber an.
- Str.: gutgl. Erwerb von Besitzpfandrechten, insbes. vom
Unternehmerpfandrecht, § 647?
11
b) Gutgläubiger Erwerb des Werkunternehmerpfandrechts, §
647?
- Z.T.: (+): Argumente:
- UnternehmerpfandR ähnelt vertraglichen Besitzpfand-
rechten. § 647 regelt nur das, was die Parteien ohnehin
vernünftigerweise vereinbaren würden.
- Außerdem: PfandR beruht auf Übergabe der Sache –
Rechtsschein existiert.
- Ferner: § 366 III HGB – Kaufleute können gesetzl.
Pfandrechte gutgläubig erwerben. Werkunternehmer ist
in vergleichbarer Situation: Vorleistungspflicht; anonymer
Kundenstamm.
- Schließlich: Schutzwürdigkeit des Werkunternehmers:
Vorleistungspflicht; weit verbreiteter EV
- Rspr. + Teil der Lit: gutgl. Erwerb (-): Argumente:
- Bewußte Entscheidung des Gesetzgebers gegen gutgl.
Erwerb
- § 366 III HGB ist Ausnahmevorschrift, nicht
analogiefähig
- Werkunternehmer kann sich schützen, indem er vertragl.
PfandR neben dem gesetzl. PfandR vereinbart.
- Gutgl. Erwerb würde wahren Eigentümer übermäßig
belasten.
=> In der Praxis häufig: AGB von Werkunternehmern enthalten
eine Klausel, derzufolge ein vertragl. PfandR des
Werkunternehmers an der Sache entsteht, an der das Werk zu
erbringen ist. Solche Klauseln sind zulässig.
VII. Schutz des Pfandrechts: § 1227 => verweist auf Ansprüche
gg Eigentumsbeeinträchtigung
- Herausgabeanspruch gg Eigentümer oder einen Dritten bei
Besitzentziehung, §§ 1227, 985
- Abwehransprüche bei sonstiger Störung, §§ 1227, 1004 I
- Nutzungsherausgabe und –ersatzansprüche gem. § 1227
i.V.m. §§ 987 f.: Nur bei NutzungspfandR, § 1213 f.
12
- Schadensersatzansprüche, § 1227 i.V.m. §§ 989 ff.: Vor
Pfandreife nur auf die Bestellung eines Pfandrechts am
Schadensersatzbetrag gerichtet
- Schadensersatzansprüche aus §§ 823 ff. BGB bei
Beschädigung der Pfandsache; Bereicherungsansprüche aus
§ 812 I S. 1, 2. Alt. (Eingriffskondiktion)
- Besitzschutzansprüche gem. §§ 858 ff., 1007 I, 1007 II
VIII. Tilgung der Forderung / Folgen für das Pfandrecht
1. Tilgung der Forderung und andere Gründe für das Erlöschen
der Forderung
- Forderung erlischt durch Tilgung, § 362 I. Mit Erlöschen der
Forderung erlischt auch Pfandrecht, § 1252 (Akzessorietät
des Pfandrechts)
- Weitere Gründe, aus denen das Pfandrecht erlischt:
- Wenn bei Übertragung der Forderung der Übergang des
Pfandrechts ausgeschlossen wird, § 1250 II (ebenfalls
Ausfluss der Akzessorietät)
- Einseitige Aufgabe- oder Verzichtserklärung des
Pfandgläubigers, § 1255 I
- Vereinigung von PfandR und Eigentum an der
Pfandsache – sog. Konsolidation (§ 1256 I) (für
Ausnahmen s.u.)
- Rechtmäßiger Pfandverkauf, § 1242 II 1
- Freiwillige und bewusste Rückgabe des Pfandes an den
Eigentümer oder Verpfänder, §§ 1253 ff.
2. Folgen der Forderungstilgung
- Wenn persönlicher Schuldner an Forderungsinhaber und
Pfandgläubiger leistet: Forderung erlischt, § 362 I. Pfandrecht
erlischt, § 1252
- Wenn ein Verpfänder, der nicht persönlicher Schuldner der
Forderung ist, an den Pfand- und Forderungsgläubiger
leistet: Forderung geht auf ihn über, § 1225 S. 1. PfandR geht
mit der Forderung auf Verpfänder über, § 1250 I 1
(Akzessorietät).
13
- Wenn Verpfänder = Eigentümer der Pfandsache, so fallen
Eigentum und PfandR in einer Person zusammen =
Konsolidation, § 1256 I 1: PfandR erlischt.
3. Ausnahmsweise Fortbestand des Pfandrechts trotz
Konsolidation
- 1. Konstellation: Forderung ist mit dem Recht eines Dritten
belastet, § 1256 I 2
- 2. Konstellation: Eigentümer hat ein rechtl. Interesse daran,
dass das PfandR fortbesteht, § 1256 II
=> Insbes. dann, wenn weitere dingl. Rechte an der Sache
bestehen (PfandR, Nießbrauch) und diese durch das Erlöschen
des erstrangigen Pfandrechts des Eigentümers aufrücken
würden.
4. Folgen der Tilgung bei Bestehen weiterer Sicherheiten /
Wettlauf der Sicherungsgeber
- Für eine Forderung können mehrere Sicherheiten bestellt sein
(z.B. PfandR, Bürgschaft, Hypothek).
- (P): Kann der Sicherungsgeber, der als erster in Anspruch
genommen wird, von den anderen Sicherungsgebern
Ausgleich verlangen?
- Z.T.: Bürge ist ggü. dinglichen Sicherungsgebern zu
privilegieren. Wenn er leistet, gehen die dingl.
Sicherheiten (u.a. PfandR) auf ihn über. Wenn aber der
dingl. Sicherheitsgeber leistet, erlischt die Bürgschaft.
- Grund: Bürgen sind in besonderem Maße
schutzbedürftig, weil sie mit dem gesamten
Vermögen haften.
- BGH und [Link].: Der zuerst leistende Sicherungsgeber
erhält entsprechend § 426 einen anteiligen
Ausgleichsanspruch gegen den anderen Sicherungseber.
Es gilt dasselbe wie im Verhältnis zwischen Bürgen
untereinander, §§ 769, 774 II, 426.
- Grund: Verweisung des § 1225 S. 2 auf § 774, der
nur zusammen mit § 769 angewendet werden kann.
Außerdem: allgemeiner Rechtsgedanke.
14
=> Dasselbe Prinzip soll für den Ausgleich zwischen mehreren
Verpfändern gelten.
IX. Befriedigung durch Pfandverkauf
1. Verwertung des Pfandes durch Pfandverkauf
- Formen des Pfandverkaufs:
- Privater Pfandverkauf ohne Vollstreckungstitel (§ 1233 I)
– Regelfall
- Privater Pfandverkauf durch öff. Versteigerung durch
den Gerichtsvollzieher, §§ 1233 I, 1228 I, 1235 I, 383
III
- Mit Zuschlag kommt KV und Übereignung
zwischen Pfandgläubiger (vertreten durch GV) und
Ersteigerer zustande
- Privater Pfandverkauf durch freihändigen Verkauf
durch öffentlich bestellten Versteigerer (nicht
notwendig: GV), §§ 1233 I, 1235 II, 1221 => wenn
das Pfand einen Börsen- oder Marktpreis hat
- Pfandverkauf mit Vollstreckungstitel (§ 1233 II)
- Verkauf nach Vorschriften der ZPO über die
Zwangsvollstreckung in bewegl. Sachen, §§ 1233 II
BGB, §§ 814 ff. ZPO. Voraussetzung: Vollstreckbarer
Titel gg Eigentümer auf Duldung der Befriedigung aus
der Pfandsache
- Zwangsvollstreckung: Pfandgläubiger klagt Forderung
gerichtlich ein, lässt dann das Pfand pfänden und durch
hoheitl. Versteigerung verwerten
=> Dann: Durch Zuschlag erfolgt eine Eigentumszuwei-
sung kraft Hoheitsakt
2. Wirkungen des rechtmäßigen Pfandverkaufs
- Pfandverkauf ist rechtmäßig, wenn nicht gegen die in § 1243
I genannten Vorschriften verstoßen wird.
- Wenn gegen bloße Ordnungsvorschriften (§§ 1234 I, II; 1237
S. 2, 1238 I, 1241) verstoßen wird: Versteigerung bleibt
15
rechtmäßig; Eigentümer kann ggfs. SchE geltend machen, §
1243 II
- Folge des rechtmäßigen Pfandverkaufs: Übergang des
Eigentums am Pfand auf Ersteigerer durch Übereignung gem.
§§ 929 ff. Pfandgläubiger, vertreten durch
Versteigerungsperson, kann bei Pfandreife als Berechtigter
über das Pfand verfügen, § 1242 I
=> Mit Eigentumsübergang auf Ersteigerer erlöschen sämtliche
sonst an der Pfandsache bestehenden Rechte, selbst wenn sie
vorrangig waren; unabhängig davon, ob Ersteigerer von diesen
Rechten Kenntnis hatte, § 1242 II.
=> Fremde Rechte setzen sich am etwaigen Mehrerlös fort
- Pfandgläubiger erwirbt Alleineigentum am Erlös durch
Übereignung gem. § 929, wenn ihm dieser zur Befriedigung
seiner Forderung inkl. Zinsen (§ 1210 I) im Ganzen gebührt.
Gesicherte Forderung erlischt dann durch Erfüllung, § 1247
S. 1.
- Wenn Erlös die gesicherte Forderung übersteigt:
Pfandgläubiger und ehemaliger Eigentümer der Pfandsache
erwerben Miteigentum (§ 1008) am Erlös:
- Pfandgläubiger durch Rechtsgeschäft, § 929 S. 1;
- Eigentümer durch dingl. Surrogation, § 1247 S. 2 (=
Eigentum am Pfand setzt sich am Erlös fort)
3. Wirkungen des unrechtmäßigen Pfandverkaufs und des
Verkaufs trotz fehlendem PfandR
a) Eigentumserwerb am PfandR
- § 1244: Ersteher erwirbt trotzdem lastenfreies Eigentum an
der Pfandsache, wenn
- Veräußerung in Ausübung eines (angeblichen)
Pfandrechts erfolgt [Wenn der Pfandgläubiger die Sache
als eigene veräußert: §§ 932 ff.]
- Ein Pfandverkauf in der Form des § 1235 I, des § 1235 II
oder des § 1233 II stattgefunden hat (bei § 1233 II: kein
gutgl. Erwerb, sondern Eigentumserwerb kraft
Hoheitsakt)
16
- Gutgläubigkeit des Ersteigerers hinsichtlich der
Verfügungsbefugnis des § 1242 I (d.h. Bestehen des
Pfandrechts + Rechtmäßigkeit des Verkaufs)
=> § 1244 verweist nicht auf § 935. Daher: Auch an abhanden
gekommenen Sachen kann bei Pfandversteigerung gutgläubig
Eigentum erworben werden.
b) Eigentumserwerb am Erlös
- Wenn Ersteigerer (z.B. wg. Bösgläubigkeit) kein Eigentum an
der Pfandsache erworben hat: Dann auch keine Änderung
der Rechtsverhältnisse am Erlös.
- Wenn Ersteigerer gem. § 1244 Eigentum an der Pfandsache
erworben hat:
- Wenn PfandR nicht existierte oder Pfandreife fehlte:
Pfandgläubiger hat kein Recht auf den Erlös. Der
Eigentümer der Pfandsache erwirbt dann Eigentum am
erzielten Erlös kraft dingl. Surrogation (§ 1247 S. 2)
- Wenn Pfandverkauf deswegen rw war, weil eine der
sonstigen Voraussetzungen des § 1243 I fehlte: Erlös
gebührt materiell-rechtlich dem Pfandgläubiger. Daher
h.M.: Pfandgläubiger erwirbt Eigentum am Erlös, § 1247
S. 1.
4. Sachmängelgewährleistung des Pfandgläubigers
- Als „Verkäufer“ des Pfandes treffen Pfandgläubiger grds.
Gewährleistungspflichten des Verkäufers.
- Aber: Bei Verwertung im Wege der öff. Versteigerung (§ 383
III) unter der Bezeichnung als Pfand:
Sachmängelgewährleistung ausgeschlossen, § 445
(Ausnahme: argl. Verschweigen des Mangels durch Verkäufer
oder Übernahme einer Garantie)
5. Einreden gegen Forderung und Pfandrecht
a) Verteidigungsmöglichkeiten des Verpfänders
- Verpfänder hat gg Pfandgläubiger Einreden aus dem
zwischen beiden bestehenden Rechtsverhältnis (schuldrechtl.
Siche-rungsabrede, §§ 241, 305);
17
- Verpfänder kann außerdem Nichtbestehen des Pfandrechts
geltend machen (z.B. Nichtigkeit der Einigung bei
Pfandrechtsbestellung)
- Ferner § 1211: Verteidigungsmöglichkeiten des Verpfänders
gg Inanspruchnahme des Pfandes, wenn er mit dem persönl.
Schuldner nicht identisch ist: Verpfänder hat:
- Alle Einreden, die auch dem persönl. Schuldner zustehen
- Alle Einreden, die ein Bürge gem. § 770 hätte (insbes.:
Verweigerung der Befriedigung, solange der persönl.
Schuldner das der Forderung zugrundeliegende
Rechtsgeschäft anfechten kann (§ 770 I) oder der
Pfandgläubiger sich durch Aufrechnung gegen eine
fällige Forderung des persönl. Schuldners befriedigen
kann (§ 770 II))
- Ausgenommen: Verjährungseinrede – Rechtsgedanke
des § 216 I: Pfandgläubiger kann Befriedigung aus
PfandR trotz Verjährung der gesicherten Forderung
verlangen.
- § 1211 II: Verpfänder kann Einrede auch dann erheben,
wenn der persönl. Schuldner auf sie verzichtet hat.
b) Einreden des Schuldners und des Eigentümers
- Schuldner kann nur forderungsbezogene Einreden geltend
machen (z.B. Nichtbestehen der Forderung)
- Eigentümer der Pfandsache kann eigentums- und
forderungsbezogene Einreden geltend machen
X. Pfändungspfandrecht
1. Entstehung eines Pfändungspfandrechts
- PfändungspfandR = Pfandrecht eigener Art, das bei der
staatlichen Beschlagnahme eines
Vollstreckungsgegenstandes in der staatl.
Zwangsvollstreckung (= Pfändung) entsteht, § 804 I ZPO
- Rechtsnatur str.:
- Z.T.: öffentlich-rechtl. Theorie – PfändungspfandR
entsteht allein durch den hoheitl. Akt der Pfändung
(Verstrickung). Ob eine Forderung des vollstreckenden
18
Gläubigers besteht, ist für Entstehung des
PfändungspfandRs nicht maßgeblich – ebenso wenig, ob
Eigentum des Schuldners an der Sache besteht.
- H.A.: gemischt öffentlichrechtlich-privatrechtl. Theorie:
Entstehung des PfändungspfandRs setzt neben der
Pfändung (Verstrickung) das Bestehen einer zu
sichernden Forderung und die Zugehörigkeit des
gepfändeten Gegenstands zum Schuldnervermögen
voraus.
2. Verwertung des Pfändungspfandrechts
- i.d.R. durch eine vom Gerichtsvollzieher vorzunehmende
Versteigerung, § 814 ZPO. Ersteigerer erwirbt Eigentum kraft
Hoheitsakt. Am Erlös setzen sich die an der Pfandsache
bestehenden Rechte fort (d.h.: früherer Eigentümer der
Pfandsache wird Eigentümer des Erlöses; Gläubiger erhält
PfändungspfandR am Erlös. Wenn GV den Erlös an den
Gläubiger auskehrt, gilt das als Zahlung des Schuldners, §
819 ZPO).
Schema Vermieterpfandrecht
A. Entstehung des Vermieterpfandrechts, § 562 BGB
I. Mietvertrag über Grundstücke oder Räume
II. Forderung des Vermieters aus dem Mietverhältnis
III. Einbringung einer Sache in den Mietbereich
Einbringen liegt vor, wenn der Mieter die Sache während der
Mietzeit willentlich in die Mieträume geschafft hat.
IV. Eigentum des Mieters an der Sache
V. Keine Unpfändbarkeit der Sache
B. Kein Erlöschen des Vermieterpfandrechts
I. Berechtigte Entfernung der Sache aus dem Mietbereich (§
562a BGB)
II. Aufgabe des Pfandrechts durch den Vermieter (§§ 1257,
1255 BGB)
III. Erlöschen der gesicherten Forderung (§§ 1257, 1252 BGB)
19
IV. Gutgläubiger lastenfreier Erwerb eines Dritten (§ 936 BGB)
Schema Werkunternehmerpfandrecht
Voraussetzungen des Werkunternehmerpfandrechts, § 647 BGB
I. Forderung des Werkunternehmers aus dem Werkvertrag
• Vergütungsansprüche, §§ 631 I, 645, 649 BGB
• Sekundäransprüche (z.B. Rücktritt, Verzug, Minderung,
Schadensersatz)
II. Bewegliche Sache
• Es muss eine bewegliche Sache vorliegen (z.B. KfZ)
III. Besitz des Werkunternehmers
• Werkunternehmer hat Besitz bei Herstellung oder zum
Zwecke der Ausbesserung erlangt.
IV. Eigentum des Bestellers
• An bestellerfremden Sachen entsteht kein
Unternehmerpfandrecht
• (P) Gutgläubiger Erwerb eines
Werkunternehmerpfandrechts
V. Kein Erlöschen des Pfandrechts
20
Die Sicherungsüberiegnung
Der Sicherungsgeber bleibt im Besitz der Sache und übereignet sie
nach den §§ 929 S. 1, 930 unter Vereinbarung eines Besitzkonsti-
tuts an den Gläubiger
—> Gläubiger wird (Sicherungs-) Eigentümer und kann, wenn der
Schuldner die Forderung nicht erfüllt, die Sache verwerten
—> tilgt der Schuldner die Forderung ordnungsgemäß, ist der Si-
cherungsnehmer verpflichtet, die Sache an den Schuldner zurück-
zugeben
Die Rechtsverhältnisse bei einer Sicherungsüberiegnung
I. Das SV zwischen Gläubiger und Schuldner, aus dem sich die
zusichernde Forderung ergibt
II. Die rechtsgeschäftliche Übertragung des Eigentums gem. §§
929 S. 1, 930
Grds. Überträgt der Schuldner sein Eigentum auf den Gläubiger,
aber es kann auch ein Dritter sein Eigentum für den Schuldner auf
den Gläubiger (Sicherungsnehmer) übertragen
III. Der schulrechtliche Sicherungsvertrag, der von dem Eigentü-
mer mit dem Gläubiger abgeschlossen und in dem vereinbart
wird, welche Rechte und Pflichten die Parteien haben. Dieser
verknüpft die Übereignung schuldrechtlich mit der zu si-
chernden Forderung und stellt den Rechtsgrund für die Über-
eignung und den Anspruch auf Rückübertragung nach Til-
gung der gesicherten Verbindlichkeit dar
I. Übereignung nach §§ 929 S. 1, 930
- Übereignung erfolgt regelmäßig nach §§ 929 S. 1, 930 BGB
Schema des §§ 929 S. 1, 930 BGB
I. Einigung über den Eigentumsübergang
II. Übergabesurrogat (§ 930 BGB)
1. Unmittelbarer oder mittelbarer Besitz des Veräußere
2. Besitzmittlungsverhältnis zwischen Erwerber und Veräußerer
III. Berechtigung des Veräußerers
74
1. Einigung
- erforderlich ist eine wirksame Einigung über den Eigentumsüber-
gang
a) Bestimmtheit
- Bestimmtheitsgrundsatz nicht gewahrt, dann geht die Einigung
ins Leere —> d.h. es werden keine Sachen übereignet
- Bestimmtheitsgrundsatz verlangt, dass ein objektiver Dritter al-
lein anhand der Einigung im Zeitpunkt des Eigentumsübergang
bestimmen kann, an welchen Sachen der Eigentumswechsel
Eintritt
- Beim Raumsicherungsvertrag ausreichend: Alle in einem Raum
befindlichen Sachen sollen übereignet werden
- Beim Markierungsvertrag ausreichend: Alle besonders markier-
ten Sachen werden übereignet
- Beim Inventarverzeichnis ausreichend: Alle in einem Inventarver-
zeichnis aufgeführten (bestimmten) Sachen werden übereignet
- Sachen müssen eindeutig identifizierbar sein
- ACHTUNG: Eine bloße mengen- oder wertmäßige Bezeichnung
des Sicherungsguts reich für die Übereignung nicht aus
b) Sittenwidirgkeit
- Einigung einer zur sicherungsweisen Übertragung des Eigen-
tums kann sittenwidrig und damit nichtig sein gem. § 138 Abs. 1
wegen Knebelung oder anfänglichen Übersicherung sein
- SKnebelung (+), wenn Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Be-
wegungsfreiheit des Schuldners bei wirtschaftlicher oder per-
sönlicher Abhängigkeit des Schuldners
- Sicherungsgeber wird durch die Sicherungsübereignung in
eine unerträgliche die wirtschaftliche und soziale Lebens-
stellung vernichtende persönliche Abhängigkeit gebracht
- Anfängliche Übersicherung (+), wenn schon bei Vertragsschluss
auffälliges Missverhältnis zwischen dem realisierbaren Wert der
Sicherheit und der gesicherten Forderung
- In der Regel bei 200% des Sicherungswertes der Fall
75
- BEACHTE: Strenge Unterscheidung von anfänglicher und nach-
träglicher Übersicherung
- Nachträgliche Übersicherung führt nicht zur Sittenwidirgkeit
des Vertrags, sondern zu einem ermessensunabhängigen
Freigabeanspruch des Schuldners
- Berechnungsmethode für die nachträgliche Übersicherung
kann auf die anfängliche Übersicherung nicht übertragen
werden
- ABER: wenn allerdings schon die Grenze für eine nachträg-
liche Übersicherung nicht erreicht ist, kann auf keinen Fall
eine anfängliche Übersicherung vorliegen.
- Bei der Sicherungsübereignung
2. Besitzmittlungsverhältnis
- Das für eine Übereignung gemäß 55 929 S. 1, 930 erforderliche
Besitzmittlungsverhältnis ergibt sich regelmäßig aus dem Siche-
rungsvertrag
3. Berechtigung des Sicherungsgebers
- Sicherungsgeber muss Berechtigter, d.h. verfügungsbefugter Ei-
gentümer oder gem. § 185 Abs. 1 ermächtigt sein
- Sicherungsgeber nicht nicht Eigentümer, weil sein Lieferant sich
das Eigentum vorbehalten hat, überträgt er meist jedoch konklu-
diert ein ihm zustehendes Anwartschaftsrecht nach §§ 929 S. 1,
930 analog
- Anwartschaftsrecht kann bei Bedingungseintritt dann unmit-
telbar beim Sicherungsnehmer zum Vollrecht Eigentum er-
starken
- gutgläubiger Erwerb des Sicherungsnehmers gemäß § 933
scheidet regelmäßig aus, da der Sicherungsgeber mi unmittelba-
ren Besitz der sicherungsübereigneten Sache bleibt.
II. Sicherungsvertrag
- Sicherungsvertrag = schuldrechtliche Grundgeschäft der Siche-
rungsübereignung
- Im Sicherungsvertrag werden die Rechte und Pflichten der Par-
teien geregelt
76
- Vielfach vereinbaren die Parteien in der Praxis jedoch keinen
ausdrücklichen Sicherungsvertrag
- Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass ein Sicherungs-
vertrag auch ohne ausdrückliche Regelung mindestens fol-
genden Inhalt hat:
- Verpflichtung des Sicherungsgebers zur Bestellung be-
stimmter Sicherheiten = Rechtsgrund für die Siche-
rungsübereignung:
- Festlegung der gesicherten Forderung;
- Verpflichtung des Sicherungsgebers, das in seinem Be-
sitz verbleibende Sicherungsgut pfleglich zu behandeln
und ausreichend zu versichern:
- Verpflichtung des Sicherungsgebers, das Sicherungs-
gut im Verwertungsfall an den Sicherungsnehmer her-
auszugeben;
- Verpflichtung des Sicherungsnehmers zur Rücküber-
eignung bei endgültigem Wegfall des Sicherungs-
zwecks (z.B. bei Tilgung der gesicherten Forderung);
- Verpflichtung zur ermessensunabhängigen Freigabe
von Sicherheiten bei nachträglicher Übersicherung
- Auch ohne ausdrückliche Vereinbarung ergibt sich aus dem Si-
cherungsvertrag ein Freigabeanspruch des Sicherungsgebers
auf Rückgabe nicht mehr benötigter Sicherheiten bei nachträgli-
cher Übersicherung
- Parteien können Freigabeanspruch zum Gegenstand einer aus-
drücklichen vertraglichen Regelung machen
- Anspruch besteht aber auch, wenn keine ausdrückliche Verein-
barung getroffen ist oder wenn die entsprechende Klausel un-
wirksam ist
- Freigabeanspruch besteht, sobald und in dem Umfang in dem
eine (nachträgliche) Übersicherung eintritt
- Nachträgliche Übersicherung kann auch dadurch entstehen,
dass der Schuldner seine Forderungen bereits zu einem Teil ge-
tilgt hat, der Wert der Sicherheiten aber gleich geblieben ist
77
- Allerdings kann sehr schwierig zu bestimmen sein, wie hoch der
realisierbare Wert des Sicherungseigentums ist
- Im Verwertungsfall wird der Sicherungsgeber oft nicht den
vollen Marktwert erzielen können —> deshalb vermutet,
dass nur 2/3 des Wertes realisierbar sind (Gedanke des
§ 237).
- Wird der Freigabeanspruch des Schuldners durch AGB be-
schränkt, ist die Beschränkung nach § 307 unwirksam
- Unwirksamkeit der Klausel führt nicht zur Unwirksamkeit
des gesamten Sicherungsvertrags; vielmehr tritt an die Stel-
le der unwirksamen Freigabeklausel der ermessensunab-
hängige Freigabeanspruch des Sicherungsgebers (§ 306
Abs. 2)
78
Anwartschaftsrecht und Eigentums-
vorbehalt
- Anwartschfschaftsrecht entsteht, wenn von einem mehraktigem
Erwerbstatbestand schon so viele Erfordernisse erfüllt sind, dass
eine gesicherte Erwerbsposition des Erwerbers entsteht, die der
Veräußere nicht mehr einseitig vernichten kann
—> Veräußere kann das werdende Eigentum des Erwerbers nicht
mehr verhindern
- Hauptanwendungsfall = Anwartschaftsrecht des Vorbehaltskäu-
fers
- Bei einem Eigentumsvorbehalt übergibt der Veräußerer dem
Erwerber die Sache
- Allerdings steht die Einigung i.S.d. §929 S. 1unter der auf-
schiebenden Bedingung (5 158 Abs. 1), dass der Erwerber
den Kaufpreis (vollständig) zahlt, vql. §449 Abs. 1
- Bis zur vollständigen Kaufpreiszahlung behält der Veräuße-
rer das Eigentum, doch der Erwerber kann sicher sein, das
Eigentum bei Kaufpreiszahlung „automatisch" zu erhalten:
- Weigert sich der Vorbehaltsverkäufer, den Kaufpreis
entgegen- zunehmen, wird gemäß § 162 Abs. 1 der Be-
dingungseintritt fingiert, und der Käufer erwirbt das
Volleigentum.
- Verfügt der Eigentümer vor Bedingungseintritt an einen
Dritten, so wird diese Zwischenverfügung bei Bedin-
gungseintritt unwirksam, § 161 Abs. 1S. 1
- Für das AWR gelten die §§ 929 ff., 932 ff.
I. Entstehung des Anwartschaftsrechts
- Anwartschaftsrecht entsteht durch eine Übereignung unter einer
aufschiebenden Bedingung, deren Eintritt möglich sein muss
Schema Entstehen eines Anwartschafstrechts (Ersterwerb)
I. Bedingte Einigung über den Eigentumsübergang, §§ 929 S. 1,
158 Abs. 1
II. Übergabe bzw. Übergabesurrogat
79
III. Berechtigung des Veräußert (wenn er verfügungsbefugter Ei-
gentümer oder zur Verfügung ermächtigt ist)
Falls (-), gutgläubiger Erwerb des Anwartschaftsrechts gem. §§
932 ff. möglich oder Genehmigung gem. § 185 Abs. 2 BGB
IV. Möglichkeit des Bedingungseintritts
- Fehlt dem Vorbehaltsverkäufer die Berechtigung, kann der Vor-
behaltskäufer das Anwartschaftsrecht gemäß §§ 932 ff. gutgläu-
big erwerben
- Mit der Zahlung des Kaufpreises erwirbt der Vorbehaltskäufer
auch dann das Eigentum, wenn er inzwischen von der Nichtbe-
rechtigung des Vorbehaltsverkäufers erfahren hat
- gutgläubige Erwerb eines Anwartschaftsrechts fällt in den un-
mittelbaren Anwendungsbereich der §§ 932 ff.: Der gute Glaube
des Erwerbers in das Eigentum des Veräußerers muss zum Zeit-
punkt des Bedingungseintritts nicht mehr bestehen.
II. Übertragung des Anwartschaftsrechts
- Nach h.M. werden die Vorschriften über das Eigentum analog
angewandt
Schema: Übertragung eines Anwartschaftsrechts (Zweiterwerb)
I. Einigung über die Übertragung des Anwartschaftsrechts, §
929 S.1 analog
II. Übergabe bzw. Übergabesurrogat, § 929-931 analog
III. Berechtigung des Veräußerers (wenn er Inhaber des Anwart-
schaftsrechts oder kraft Gesetzes oder gemäß § 185 Abs. 1
verfügungsbefugt ist)
Falls (-), gutgläubiger (Zweit-)Erwerb des Anwartschaftsrechts-
gemäß 5§ 932 f. analog möglich oder Genehmigung gemäß § 185
Abs. 2
IV. Möglichkeit des Bedingungseintritts
- Ist das Anwartschaftsrecht wirksam auf einen Dritten übertragen
worden, tritt dieser an die Stelle des Vorbehaltskäufers
- Die schuldrechtlichen Beziehungen zwischen Vorbehaltsverkäu-
fer und Vorbehaltskäufer bleiben davon allerdings unberührt
80
- Mit der Zahlung des Kaufpreises an den Vorbehaltsverkäufer
tritt- unabhängig davon, wer zahlt (§ 267) - die Bedingung ein
- Der Dritte wird nach h.M. ohne Zwischenerwerb des Vorbehalts-
käufers Eigentümer (soq. Direkterwerb).
- Ein gutgläubiger Zweiterwerb eines Anwartschaftsrechts unter
den Voraussetzungen der §§ 932 ff. ist grundsätzlich möglich
- Besteht das behauptete Anwartschaftsrecht überhaupt
nicht, scheidet ein Gutglaubenserwerb nach den§§ 932 f.
analog aus. Der gute Glaube an eine schuldrechtlicheGrund-
lage wird durch die §§ 932 ff. nicht geschützt.
- Besteht aber tatsächlich ein Anwartschaftsrecht, verfügt da-
rüber jedoch ein anderer als der eigentliche Anwartschafts-
berechtigte, finden die §§ 932 f. analog nach h.M. grund-
sätzlich Anwendung.
III. Erlöschen des Anwartschaftsrechts
Das Anwartschaftsrecht erlischt, wenn
- es durch Eintritt der Bedingung zum Vollrecht erstarkt;
- ein Dritter lastenfreiesEigentum erwirbt;
- der Bedingungseintritt nicht mehr möglich ist, weil die Erfüllung
der Kaufpreisforderung infolge einer Rückabwicklung des Kauf-
vertrags unmöglich ist;
- es einverständlich aufgehoben wird oder der Anwartschaftsbe-
rechtigte darauf verzichtet.
IV. Schutz des Anwartschaftsrechts
1. Schutz vor Zwischenverfügungen des Eigentümers
- Hat der Eigentümer unter einer aufschiebenden Bedingung ver-
fügt, sind an der Sache zwei Personen berechtigt:
- Der Erwerber erhält ein Anwartschaftsrecht und
- der Eigentümer behält das Eigentum an der Sache, bis die
Bedingung eintritt.
- Der Eigentümer ist aber weiterhin zur Verfügung über sein Eigen-
tum berechtigt
81
- Bestehen eines Anwartschaftsrechts schränkt die Verfügungsbe-
fugnis des Eigentümers nicht ein
- Übereignet der Eigentümer die Sache jetzt an einen Dritten, er-
wirbt dieser (zunächst) Eigentum nach den § 929 ff
- Schutz bietet dem Inhaber des Anwartschaftsrechts allerdings
§161 Abs. 1S. 1: Danach ist eine Verfügung während der
Schwebezeit - also zwischen Einigung und Bedingungseintritt -
unwirksam, soweit sie die von der Bedingung abhängige Wir-
kung- also den Erwerb des Eigentums - vereiteln würde
- Wirkung des § 161 Abs. 1 S. 1, nämlich die Unwirksamkeit
der Verfügung an den Dritten, tritt allerdings erst ex-nunc
mit Bedingungseintritt ein
- Dritte erwirbt also zunächst vom Eigentümer tatsächlich das
Eigentum an der Sache
- Mit Bedingungseintritt durch Kaufpreiszahlung wird diese
Verfügung unwirksam, sodass der Inhaberdes Anwart-
schaftsrechts Eigentümer wird.
- Dritte kann jedoch nach § 161 Abs. 3 gutgläubig „anwart-
schaftsrechtsfreies" Eigentum erwerben
- Allerdings scheidet ein gutgläubiger anwartschaftsrechts-
freier Erwerb nach h.M. analog § 936 Abs. 3 aus, solange
der Anwartschaftsberechtigte im Besitz der Sache bleibt
- Gibt er die Sache also nicht aus der Hand - insbesondere
nicht an den Eigentümer zurück -, ist er auch vor einem gut-
gläubigen anwartschaftsrechtsfreien Erwerb geschützt.
2. Schutz bei Wegnahme der Sache
- Wird dem Anwartschaftsrechtinhaber der Besitz an der Sache
entzogen, kann er als früherer Besitzer Herausgabe nach den
Besitzschutzvorschriften, § 861, 1007, verlangen.
- Im Verhältnis zu einem Dritten wird ganz überwiegend auch die
Anwendung von § 985 analog bejaht; gegenüber dem Eigentü-
mer kann dieser Anspruch allerdings nicht durchgreifen, da dem
Eigentümer selbst ein Anspruch aus § 985 unmittelbar zusteht
- Allerdings steht dem Anwartschaftsrechtsinhaber gegenüber
dem Eigentümer aus dem Kaufvertrag schuldrechtlich ein
Recht zum Besitz i.S.d. § 986 Abs. 1 S. 1 zu
82
- Dieses Besitzrecht erlischt erst, wenn der Vorbehaltsverkäu-
fer von dem Kaufvertrag wirksam zurückgetreten ist, § 449
Abs. 2.
3. Schutz bei Beschädigung der Sache
- Wird die Sache, an der ein Anwartschaftsrecht besteht, von ei-
nem Dritten beschädigt, kann der Eigentümer Schadensersatz
nach § 823 Abs. 1 verlangen
- Das Anwartschaftsrecht ist als sonstiges Recht ebenfalls ge-
schützt, sodass auch dem Anwartschaftsberechtigten ein Scha-
densersatzanspruch zusteht
- Umstritten ist die Frage, in welcher Höhe Eigentümer und An-
wartschaftsberechtigter Schadensersatz verlangen können:
- Nach der Rspr. ist eine Aufteilung des Schadens zwischen
Eigentümer und Anwartschaftsberechtigten entsprechend
des bereits entrichteten Kaufpreises vorzunehmen.
- Die [Link]. nimmt eine gemeinschaftliche Gläubigerschaft an,
dei auf eine entsprechende Anwendung des § 432 oder des
§1281 gestützt wird.
V. Besondere Arten des Eigentumsvorbehalts
1. Erweiterter Eigentumsvorbehalt
Bei einem erweiterten Eigentumsvorbehalt geht das Eigentum nicht
schon mit der Tilgung des Kaufpreises, sondern erst dann über,
wenn weitere Forderungen erfüllt worden sind. Sicherungsfähig
sind alle gegenwärtigen und künftigen Forderungen.
2. Nachträglicher Eigentumsvorbehalt
- Hat der Veräußerer das Eigentum auf denErwerber übertragen
und kann der Erwerber den Kaufpreis nicht wie vereinbart zah-
len, können die Parteien auch nachträglich wirksam einen Eigen-
tumsvorbehalt vereinbaren mit der Folge, dass der Veräußerer
wieder Eigentümer und der Erwerber Anwartschaftsberechtigter
wird
- Um- stritten ist allerdings, wie dies konstruktiv geschieht:
- Nach einer Ansicht erfolgt eine Rückübertragung des Eigen-
tums auf den Verkäufer nach §§ 929 S. 1, 930 und eine neue
83
aufschiebend bedingte Übereignung an den Käufer, § 929 S.
2, 158 Abs. .1
- Die Gegenmeinung nimmt an, das seine Rückübertragung
des um das Anwartschaftsrecht gekürzten Eigentums er-
folgt. Der Käufer behält ein Anwartschaftsrecht und der Ver-
käufer erwirbt gemäß $§ 929 S. 1, 930, 158 Abs. 2das um
das Anwartschaftsrecht „gekürzte" Eigentum unter der auf-
lösenden Bedingung vollständiger Kaufpreiszahlung zurück.
3. Verlängerter Eigentumsvorbehalt
- einfacher Eigentumsvorbehalt kommt als Sicherungsmittel nur in
Betracht, wenn der Käufer die Sache selbst nutzen möchte
- Soll sie durch ihn - vor Kaufpreiszahlung - jedoch verarbeitet
oder weiterveräußert werden, mus an dieStelle des vorbe-
haltenen Eigentums als Sicherungsmittel eine andere Si-
cherheit treten
- Eigentumsvorbehalt wird dazu eigentlich nicht „verlän-
gert", sondern durch ein anderes Sicherungsmittel ersetzt
- Hinsichtlich des Sicherungsmitels ist zwischen einer Verar-
beitung durch den Vorbehaltskäufer und einer Weiterveräu-
ßerung zu unterscheiden.
a) Verarbeitungsklausel
- Liefert der Verkäufer eine Sache unter Eigentumsvorbehalt, die
zur Weiterverarbeitung bestimmt ist, besteht die Gefahr, dass er
das Eigentum nach § 950 durch Verarbeitung oder Umbildung
der Sache noch vor Kaufpreiszahlung verliert
- Parteien können auch nicht mit dinglicher Wirkung ausschließen,
dass ein Eigentumserwerb nach § 950 stattfindet
- Eigentumserwerb nach §950 ist originär; er vollzieht sich
unabhängig vom rechtsgeschäftlichen Willen der Beteiligten
- Parteien können sich in einer sog. Verarbeitungsklausel vertrag-
lich darüber verständigen, dass Hersteller nicht der Vorbehalts-
käufer, sondern der Vorbehaltsverkäufer ist
- soll zur Folge haben, dass nicht der Vorbehaltskäufer durch die
Verarbeitung nach § 950 das Eigentum an der neuen Sache er-
wirbt, sondern der Vorbehaltsverkäufer.
84
- umstritten, ob der Begriff des „Herstellers" i.S.d. § 950 von den
Parteien wirksam vereinbart werden kann
- Nach der Gegenauffassung liegt aber jedenfalls eine kon-
kludente Sicherungsübereignung der neu hergestellten Sa-
che an den Vorbehaltsverkäufer vor.
- Ein durch eine Verarbeitungsklausel verlängerter Eigentums-
vorbehalt kann mit einer antizipierten Sicherungsübereig-
nung des Vorbehaltskäufers an einen Dritten kollidieren
- Nach h.M. geht in der Regel der verlängerte Eigentumsvor-
behalt vor. Unabhängig davon, ob der Vorbehaltsverkäufer
wirksam als Hersteller vereinbart wurde oder ihm die neu
hergestellten Sachen sicherungsübereignet werden, erlang-
ter das Eigentum
- Im Falle mehrfacher Sicherungsübereignung geht die hM. .
nämlich davon aus, dass der unmittelbare Besitzer nur für
denjenigen besitzen will, mit dem er zuletzt eine Siche-
rungsübereignung vereinbart hat, in der Regel also für den
Vorbehaltsverkäufer
- Selbst wenn die Sicherungsübereignung ausnahmsweise
zuletzt mit der Bank vereinbart worden sein sollte, wäre eine
solche Sicherungsübereignung sittenwidrig und damit nich-
tig, wenn die Bank mit einer Verarbeitungsklausel durch Wa-
renlieferanten rechnen musste
b) Vorausabtretungsklausel
- Liefert der Verkäufereine Sache unter Eigentumsvorbehalt, die
zur Weiterveräußerung bestimmt ist, und will der Käufer den
Kaufpreis erst aus dem von ihm erzielten Veräußerungserlös be-
zahlen, können die Parteien einen verlängerten Eigentumsvorbe-
halt mit Vorausabtretungsklausel vereinbaren.
- Der Vorbehaltskäufer muss seinem Abkäufer sofort das Eigen-
tum verschaffen, wenn dieser den vollen Kaufpreis zahlt
- Eigentumsübergang darf nicht davon abhängig sein, dass auch
der ursprüngliche Vorbehaltsverkäufer wegen seiner Forderun-
gen gegen den Vorbehaltskäufer befriedigt wird
- Der Vorbehaltsverkäufer muss daher den Vorbehaltskäufer er-
mächtigen, über die Sache zu verfügen (§ 185 Abs. 1)
85
- Damit der Vorbehaltsverkäufer nicht ungesichert ist, tritt der Vor-
behaltskäufer ihm im Gegenzug die Kaufpreisforderung gegen
seinen Abkäufer sicherungshalber ab
- Das vorbehaltene Eigentum als Sicherungsmittel wird also durch
eine Sicherungsabtretung ersetzt
- Vereinbart der Vorbehaltskäufer mit seinem Abkäufer ein Abtre-
tungsverbot (§ 399 Alt. 2) mit der Folge, dass der Vorbehaltsver-
käufer die Forderung aus dem Weiterverkauf nicht erwirbt, greift
die Ermächtigung nach § 185 Abs. 1 nicht ein
- Die Ermächtigung zur Weiterveräußerung steht nämlich unter der
Bedingung (§ 158) einer wirksamen Vorausabtretung
- Der Vorbehaltskäufer verfügt mangels wirksamer Ermächtigung
als Nichtberechtigter
- Abkäufer kann jedoch gutgläubig gemäß § 932 f. bzw. § 366
HGB erwerben
- Beim beiderseitigen Handelskauf ist § 354 a HGB zu beachten.
- Abtretungsverbot ist unwirksam
86
- Da in diesem Fal der Vorbehaltsverkäufer die Forderung aus
dem Weiterverkauf erwirbt, ist die Weiterveräußerung von
der Ermächtigung gedeckt
- Häufig hat der Eigentumsvorbehaltskäufer bereits vor Ab-
schluss des Kaufvertrags zur Sicherung etwa eines Betriebsmit-
telkredits alle gegenwärtigen und künftigen Forderungen gegen
Dritte im Rahmen einer Globalzession an eine Bank abgetreten
- Diese Abtretungen kollidieren dann mit der Vorausabtretung im
Rahmen eines verlängerten Eigentumsvorbehalts
- Grundsätzlich gilt bei mehrfacher Abtretung einer Forderung das
Prioritätsprinzip (vgl. §185 Abs. 2S. 1, §161 Abs. 1), wonach die
zeitlich erste Abtretung wirksam ist. Dies gilt auch bei künftigen
Forderungen
- Demnach wäre in aller Regel die Globalzession zugunsten der
Bank wirksam, während der verlängerte Eigentumsvorbehalt ins
Leere geht
- Die Globalzession ist in solchen Fällen jedoch meist gemäß
§ 138 Abs. 1 sittenwidrig und damit nichtig
- Nach der [Link] dies bei zur Kreditsicherung vereinbarten Glo-
balzessionen wegen Verleitung zum Vertragsbruch der Fall, wenn
sie nach Willen der Vertragsparteien auch solche Forderungen
umfassen sollen, die der Schuldner seinen Lieferanten aufgrund
eines verlängerten Eigentumsvorbehalts künftig abtreten muss
- Um diese Folge zu vermeiden, muss zwischen Vorbehaltskäufer
und Bank eine dingliche Teilverzichtsklausel vereinbart werden,
die dem verlängerten Eigentumsvorbehalt dinglichen Vorrang
einräumt —> schuldrechtliche Freigabeklausel reicht nicht aus
87
Eigentümer - Besitzer - Verhältnis
A. Überblick
- Eigentümer - Besitzer - Verhältnis = Verhältnis zwischen dem Ei-
gentümer und dem Besitzer ohne Besitzrecht iSd. § 986 BGB
I. Ansprüche im Verhältnis zwischen Eigentümer und Besitzer
ohne Besitzrecht
1. Ansprüche des Eigentümers gegen den unrechtmäßigen Besit-
zer
a) Herausgabeanspruch, § 985
b) Schadensersatzanspruch: §§ 989 ff.
c) Anspruch auf Herausgabe von Nutzungen: §§ 987, 988, 993
—> Nutzungen, in der zeit, in der Eigentümer nicht im
Besitz war und in dieser Zeit hätte ziehen können
2. Ansprüche des unrechtmäßigen Besitzers gegen den Eigentü-
mer
a) Anspruch auf Verwendungsersatz, §§ 994-996
b) Zurückbehaltungsrecht ggü. Herausgabeanspruch des Eigentü-
mers bis zum Ersatz der Verwendungen, § 1000
c) Wegnahmerecht bzgl. Sachen, die der Besitzer mit der fremden
Sache verbunden hat, § 997
II. Anwendungsbereich der §§ 987 ff./ Funktion/ Grundwertungen
- Grundvoraussetzung der Ansprüche aus §§ 987 ff.: Vindikations-
lage
- §§ 987 ff. sollen im Verhältnis Eigentümer/ unrechtmäßiger Be-
sitzer einen gerechten Ausgleich schaffen
- Sonderregelung ggü. §§ 812 ff. (bzgl. Nutzungen) und §§
823 ff. (bzgl. SchE)
- Gesetzliches Schuldverhältnis; d.h.: Regeln des Schuldrecht
AT grds. anwendbar (z.B. § 278)
88
- (P): Warum wird Sonderregelung benötigt? Was sind die Grund-
wertungen der §§ 987 ff.?
- (1) Privilegierung des redlichen und unverklagten, aber un-
berechtigten Besitzers (s. § 993 I, 2. Hs)!
- (2) Haftungsverschärfung für bösgläubig unberechtigten Be-
sitzer / für verklagten Besitzer
- (3) Besonders scharfe Haftung des deliktischen Besitzers
- Haftungssystem unterscheidet zwischen
- gutgläubigem, unverklagten Besitzer (= redlicher Besitzer);
- bösgläubigem/verklagten Besitzer (=unredlichemBesitzer);
- und deliktischem Besitzer
- Gut-/Bösgläubigkeit bezieht sich auf Berechtigung zum Besitz:
- „Bösgläubiger“ Besitzer, § 990 I: Wer bei Besitzerwerb
wusste oder grob fahrlässig nicht wusste, dass er nicht zum
Besitz berechtigt war (§ 932 II)
- Gutgläubiger Besitzer stellt sich bei Besitzerwerb eine
Rechtsposition vor, die ihn zum Besitz berechtigt
- „Grob fahrlässig“ bösgläubiger Besitzer: Außerachtlassung
dessen, was in der gegebenen Situation jedem hätte ein-
leuchten müssen.
- H.M.: Maßstab des § 932 II für Bösgläubigkeit ist nicht
nur auf bewegl. Sachen, sondern entsprechend auch
bei Grundstücken anwendbar
- MERKE: Grob fahrlässige Unkenntnis führt nur bei Besitzerwerb
zur Bösgläubigkeit. Nach Besitzerwerb schadet nur positive
Kenntnis vom fehlenden Besitzrecht, § 990 I S. 2.
- Deliktischer Besitzer, § 992 = Wer sich Besitz durch (schuldhaft!)
verbotene Eigenmacht, § 858, oder durch eine Straftat verschafft
hat.
- Sog. „Abschlussfunktion“ bzw. Sperrwirkung der §§ 987 ff.
(EBV): Rechte zwischen Eigentümer und unrechtmäßigem Besit-
zer sollen abschließend geregelt werden; s. § 993 I, letzter Hs.
89
- § 992: Keine Abschlussfunktion der §§ 987 ff. für den delikti-
schen Besitzer – Rückgriff auf §§ 823 ff. möglich [für weitere
Ausnahmen s.u.]
- Aber h.M.: der „nur“ bösgläubige, aber nicht deliktische Besitzer
ist wie der redliche Besitzer durch die Abschlussfunktion ge-
schützt.
—> Abschlussfunktion / Sperrwirkung des EBV nur für den Rege-
lungsbereich, den die §§ 987 ff. abdecken. Ansprüche, die die Her-
ausgabe der Sache betreffen / an die Stelle des Herausgabean-
spruchs treten, werden nicht von §§ 987 ff. abgedeckt / können
neben den §§ 987 ff. geltend gemacht werden.
III. Anspruchsgrundlagen des EBV
—> Vindikationslage muss zum Zeitpunkt des jeweiligen Ereignis-
ses vorliegen (z.B. Nutzungsentziehung, Schädigung, Verwendung)
- Verwendungsersatz: Zeitpunkt, in dem Verwendung ge-
macht wird
- SE: Zeitpunkt der schädigenden Handlung
1. Ansprüche des Eigentümers gegen den unrechtmäßigen Besit-
zer auf Schadensersatz
a) §§ 989, 990 (gegen den bösgläubigen/verklagten Besitzer) auf
Ersatz des durch Verschlechterung/Unmöglichkeit entstandenen
Schadens (nicht: Vorenthaltungsschaden)
b) §§ 990 II, 280 I, II, 286 (gegen den bösgläubigen Besitzers, der
mit dem Herausgabeanspruch im Verzug ist) auf Ersatz des Vorent-
haltungsschadens; außerdem SchEA auch bei Zufall, § 287 S. 2
c) § 991 II (gegen gutgläubigen Fremdbesitzer) auf SchE [in dem
Rahmen, in dem der Fremdbesitzer dem mittelbaren Besitzer ge-
genüber haftet]
d) §§ 992, 823 (gegen den deliktischen Besitzer) auf SchE (Rechts-
grundverweisung)
2. Ansprüche des Eigentümers gegen den unrechtmäßigen Besit-
zer auf Nutzungsherausgabe
a) §§ 987, 990 (gegen den bösgläubigen/verklagten Besitzer) auf
Herausgabe der tatsächlich gezogenen Nutzungen (§ 987 I); und
auf Ersatz der schuldhaft nicht gezogenen Nutzungen (§ 987 II)
90
b) § 988 (gegen den unentgeltlichen Besitzer) auf Herausgabe der
Nutzungen nach Bereicherungsrecht
—> [§ 818 III greift ggfs. ein]
c) § 993 i.V.m. §§ 812 ff. (gegen den gutgläubigen, unverklagten,
entgeltlichen Besitzer) auf Herausgabe der Übermaßfrüchte nach
Bereicherungsrecht (Rechtsgrundverweisung)
3. Ansprüche des Besitzer gegen den Eigentümer auf Ersatz sei-
ner Verwendungen
[Häufig als Einrede des Besitzers gg. Herausgabeanspruch des Ei-
gentümers zu prüfen - § 1000]
a) § 994 I – Verwendungsersatzanspruch des gutgläubigen Besit-
zers für notwendige Verwendungen
b) § 996 – Verwendungsersatzanspruch des gutgläubigen Besitzers
für nützliche Verwendungen
c) § 994 II i.V.m. §§ 683, 670 bzw. § 684 S. 1, 812 ff. –
Verwendungsersatzanspruch des bösgläubigen Besitzers für not-
wendige Verwendungen
B. Anwendungsbereich der §§ 887 ff. BGB
I. Direkter Anwendungsbereich: Vindikationslage
1. Grundsatz: Einstieg in die Prüfung nach den §§ 987 ff. mit Prü-
fung der Vindikationslage:
- Eigentümer
- Besitzer (egal welche Art des Besitzes)
- Kein Recht zum Besitz
—> Dann weitere Anspruchsvoraussetzungen
2. Sonderfälle
a) Nicht mehr berechtigter Besitzer: (P): §§ 987 ff. anwendbar?
- BGH + ganz h.M.: §§ 987 ff. anwendbar, wenn zum Zeitpunkt
der Rückforderung eine Vindikationslage besteht. Nicht mehr be-
rechtigter Besitzer soll nicht schlechter stehen als Besitzer, der
von Anfang an nicht berechtigt war.
91
- Aber: Wenn bes. vertragsrechtl. Regelungen zur Abwicklung be-
stehen, gehen diese vor. Sie sind nicht durch § 993 I, Hs. 2 aus-
geschlossen. Vielmehr sind in einem solchen Fall EBV-An-
sprüche ausgeschlossen
b) Nicht so berechtigter Besitzer: (P): §§ 987 ff. anwendbar?
—> Eigentlich berechtigter Besitzer überschreitet sein Besitzrecht
(„Exzess des rechtmäßigen Fremdbesitzers“)
- Z.T.: §§ 987 ff. anwendbar. Auch der „nicht so berechtigte Besit-
zer“ kann redlich sein. Dann soll er von Haftungserleichterungen
der §§ 987 ff. profitieren.
- Heute ganz h.M.: Vertragl. und gesetzl. Haftungsansprüche rei-
chen aus. §§ 987 ff. nicht anwendbar.
c) Aufschwingen vom Fremd- zum Eigenbesitzer: §§ 987 ff. an-
wendbar?
- BGH: Aufschwingen vom Fremd- zum Eigenbesitzer steht Besit-
zerwerb i.S.d. § 990 I gleich. Auf den dann unberechtigten Ei-
genbesitzer sind die §§ 987 ff. anwendbar, auch wenn Besitz-
mittlungsverhältnis noch besteht.
- A.A.: Änderung des Besitzwillens hat keine Auswirkungen auf die
Rechtmäßigkeit des Besitzes
II. Indirekter Anwendungsbereich infolge Legalverweisung
- Bei beschränkt dinglichen Rechten: Verweisung auf § 985, §§
987 ff. in §§ 1065 (Nießbrauch), 1227 (Mobiliarpfandrecht), § 13 I
WEG (Wohnungseigentum)
- Verweisung auf §§ 986 - 1003 in § 1007 III 2
III. Entsprechende Anwendung
1. Ganz h.M. + Rspr.: Analoge Anwendung der §§ 987 ff. auf
Grundbuchberichtigungsanspruch, § 894
2. Rspr.: Analoge Anwendung der §§ 997 ff. auf das Verhältnis vom
Vormerkungsinhaber (§ 883) bzw. dinglichem Vorkaufsberechtigten
(§ 1094) zum Zwischenerwerber
3. Grds. keine entsprechende Anwendung der §§ 987 ff. auf den
berechtigten
Besitzer (zu Ausnahmen: s.u.)
92
IV. §§ 987 ff. erfassen nur Ansprüche des Eigentümers gg den Be-
sitzer auf SchE und auf Nutzungsersatz bzw. Ansprüche des
Besitzers gg den Eigentümer auf Verwendungsersatz.
—> NICHT: Ansprüche auf das Surrogat – insbes. Anspruch aus §
816 I auf Veräußerungserlös; oder nicht-schadensersatzrechtliche
Ansprüche wegen des Verbrauchs der Sache
B. Schadensersatzansprüche des Eigentümers gegen den un-
rechtmäßigen Besitzer
—> Grds. keine Haftung des redlichen Besitzers (Ausnahme: redli-
cher Fremdbesitzer, §§ 991 II, 989)
—> Unterscheiden zwischen der Haftung
- des verklagten Besitzers, § 989
- des bösgläubigen Besitzers, § 990 I (und bei Verzug: § 990 II
i.V.m. §§ 286 ff.)
- des deliktischen Besitzers, § 992
- des redlichen Besitzmittlers gem. §§ 991 II, 989
I. Haftung des verklagten Besitzers, § 989
1. Voraussetzungen
- Vindikationslage z.Z. der schädigenden Handlung
- Rechtshängigkeit des Herausgabeanspruchs (§ 985, § 894) z.Z.
des schadensbegründenden Verhaltens (§ 261 ZPO) = Zustel-
lung der Klageschrift an Bekl.
- Besitzer weiß dann, dass er u.U. herausgeben muss/ nicht
mehr schutzbedürftig
- Verschlechterung, Untergang oder sonstige Unmöglichkeit der
Herausgabe
- Nicht erfasst: Bloße Vorenthaltungsschäden! Sind nur nach
§§ 992, 823 ff. oder §§ 990 II, 286 erfasst!
- Verschulden:
- H.M.: Verschuldensbegriff der §§ 276 ff.; d.h.: Veräußerung
der Sache = Verschulden; ebenso: Abnutzung durch norma-
len Gebrauch
93
—> Verschuldensfähigkeit: §§ 276 I, 827 f.
—> Verschulden gesetzlicher Vertreter und Bewahrgehilfen
wird gem. § 278 zugerechnet
2. Rechtsfolge
- SchE nach §§ 249 ff.;
- Umfang: Gesamter Schaden durch Verschlechterung/Untergang,
inkl. entgangener Gewinn, § 252
- Aber: Grds. keine Haftung für Vorenthaltungsschaden! (nur bei
Verzug, §§ 990 II, 280 II, 286 ff.)
- Bei unwirksamer Veräußerung: § 255
II. Haftung des bösgläubigen Besitzers, § 990 I
1. Voraussetzungen
a) Vindikationslage
b) Verschlechterung, Untergang oder sonstige Unmöglichkeit der
Herausgabe
c) Verschulden
d) Bösgläubigkeit des Besitzers
(1) Bösgläubigkeit bei Besitzerwerb, § 990 I 1 => analog § 932 II:
fehlende Besitzberechtigung ist Besitzer bekannt oder grob
fahrlässig unbekannt
(2) Nachträgliche Bösgläubigkeit, § 990 I 2: Wenn Besitzer bei Be-
sitzerwerb gutgläubig war, wird er nachträglich nur durch posi-
tive Kenntniserlangung vom fehlenden Besitzrecht bösgläubig.
(3) Grundsätzlich muss Bösgläubigkeit in der Person des Besitzers
vorliegen.
2. Besondere Probleme bzgl. Bösgläubigkeit des Besitzers
a) (P1): Bösgläubigkeit beim Besitzerwerb nicht voll Geschäftsfähi-
ger?
94
- Unstr.: Nicht voll Geschäftsfähige(r) haftet aus § 990 I, wenn
sein/ihr gesetzl. Vertreter für ihn Besitz erwirbt und dabei bös-
gläubig ist / nachträglich bösgläubig wird, § 990 I 2
- Str.: Inwieweit haftet der/die nicht voll Geschäftsfähige wegen
eigener Bösgläubigkeit aus § 990 I?
- h.A.: Eigene Bösgläubigkeit wird nur dann zugerechnet,
wenn der beschränkt Geschäftsfähige deliktsfähig i.S.d. §§
827, 828 ist
- §§ 987 ff. begründen Haftung für vorwerfbares Verhal-
ten; deliktsähnlich
- A.A.: Für Bösgläubigkeit des/der beschränkt Geschäftsfähi-
gen ist allein auf das Wissen des gesetzl. Vertreters abzu-
stellen, analog § 166 I. Grund: Minderjährigenschutz
- Differenzierende Ansicht.: Bei Abwicklung eines fehlge-
schlagenen Vertrags: § 166 I analog; bei deliktsähnlicher
Haftung: §§ 827 f.
b) (P2): Zurechnung bösen Glaubens des Gehilfen?
- Unmittelbar sind weder § 166 (weil Besitzerwerb = Realakt und
keine WE) noch § 278 (weil z.Z. des Besitzerwerbs noch kein ge-
setzl. Schuldverhältnis aus EBV besteht, sondern dieses erst
begründet wird) oder § 831 anwendbar.
- Z.T.: § 831 analog – mit Exkulpationsmöglichkeit nach § 831 I S.
2 für Besitzer. Grund: §§ 987 ff. sind v.a. Sonderregelungen zum
Deliktsrecht
- Dagegen: Haftung nach § 831 setzt nur eine objektiv
rechtswidrige unerlaubte Handlung des Verrichtungsgehilfen
voraus – nicht ein subj. Bewusstsein des Verrichtungsgehil-
fen. Kann keine Grundlage für Zurechnung fremder Bös-
gläubigkeit zum Geschäftsherrn sein
- H.A./Rspr.: § 166 analog – Rechtsgedanke: Wenn sich jemand
im Rechtsverkehr fremder Hilfe bedient und die positiven Wir-
kungen fremden Handelns für sich in Anspruch nimmt, soll er
auch Nachteile tragen müssen, die aus der Bösgläubigkeit des
Gehilfen resultieren.
- Differenzierende A.: Wenn Gehilfe selbständig und eigenverant-
wortlich auftritt wie ein Vertreter: § 166 I analog. Wenn Gehilfe
95
sich auf eine rein mechanische Tätigkeit beschränkt: § 831 ana-
log.
—> MERKE: § 166 I ist nur eine Zurechnungsnorm, keine Entlas-
tungsnorm. D.h.: wenn Besitzer unredlich ist, hilft ihm auch die
Redlichkeit des Gehilfen nichts
c) (P3): Behandlung des Erbenbesitzes, § 857
- Erbe rückt in dieselbe Besitzposition ein wie der Erblasser; wenn
Erblasser bösgläubig war, ist es auch der Erbe.
- Aber: Wenn Erbe selbst die tatsächliche Sachherrschaft ergreift
und unmittelbaren Besitz (§ 854 I) begründet: Ab dann kommt es
nur auf den guten Glauben des Erben bei Besitzergreifung an.
Wenn Erbe bei Besitzergreifung gutgläubig ist, ist die durch §
857 fingierte Bösgläubigkeit geheilt.
3. Rechtsfolge des § 990 I
Haftung wie der verklagte Besitzer (s.o.): SchE nach §§ 249 ff. –
gesamter Schaden durch Verschlechterung/Untergang, inkl. ent-
gangener Gewinn, § 252;
- Bei unwirksamer Veräußerung: § 255
III. Haftung des bösgläubigen Besitzers bei Verzug: § 990 II iVm.
§§ 286 ff.
- Wenn Besitzer mit der Erfüllung der Herausgabepflicht aus §
985 im Verzug ist: Haftung gem. §§ 286 ff. —> Rechts-grund-
verweisung!
- Insbes. § 287 S. 1: Schuldner hat jede Fahrlässigkeit zu vertre-
ten; und er haftet wg. der Leistung auch für Zufall
- Nur bei Verzug wird auch für Vorenthaltungsschaden gehaftet,
s.o.
IV. Haftung des deiktischen Besitzers, §§ 823 ff., § 992
1. Bedeutung des § 992
§ 992 ist keine eigenständige AGL; sondern Rechtsgrundverwei-
sung auf §§ 823 ff.! Sperrwirkung des EBV ggü. Deliktsrecht wird
aufgehoben!
96
—> MERKE: Aufhebung der Sperrwirkung des EBV nur für delikti-
schen Besitzer; nicht für bösgläubigen Besitzer!!! Eindeutiger Wort-
laut des § 992
2. Voraussetzungen des § 992
- Besitzverschaffung durch schuldhaft verbotene Eigenmacht
- „schuldhaft“ = ungeschriebenes TB-Merkmal – teleolog.
Reduktion des § 992. Grund: Sonst Wertungswiderspruch
mit der 2. Variante (Besitzverschaffung durch Straftat)
- Od. Besitzverschaffung durch Straftat (z.B. §§ 242 ff., 249 ff.,
259, 263 StGB)
3. Rechtsfolge: SchEA gem. §§ 823 ff., 249 ff.
- Wenn schon die Besitzentziehung den TB einer schuldhaften un-
erlaubten Handlung erfüllt: § 848 – Haftung auch für Zufall
- Haftung erstreckt sich auf alle aus dem Besitzentzug resultieren-
den Folgeschäden
- (P): Umfasst Haftung aus §§ 992, 823 ff. auch Nutzungen, die
der Besitzer gezogen oder gem. § 987 II schuldhaft nicht gezo-
gen hat, die aber der Eigentümer selbst nicht gezogen hätte?
- z.T. (+): Deliktischer Besitzer darf nicht besser stehen als un-
redlicher oder verklagter Besitzer gem. §§ 987, 990
- Aber: Kein Schaden des Eigentümers.
—> Konkurrenzverhältnis §§ 992, 823 ff. und §§ 987 ff.: Ansprüche
bestehen nebeneinander; kein Ausschluss der §§ 987-991
V. Haftung des redlichen Besitzers gem. §§ 991 II, 989
1. Grundlagen
- Redlicher, unverklagter aber unrechtmäßiger Eigenbesitzer haftet
grds. nicht aus §§ 989 ff. wg. Verlust oder Verschlechterung der
Sache
- Gem. § 993 I, 2. Hs. auch keine Haftung aus §§ 823 ff.
- Aber: § 991 II – vollständige Haftungsprivilegierung gilt nicht in
gleicher Weise für den redlichen Fremdbesitzer:
- Fremdbesitzer besitzt im Rahmen eines Besitzmittlungsver-
hältnisses für einen Dritten; diesem gegenüber ist er aus
97
dem Besitzmittlungsverhältnis i.d.R. für Beschädigungen der
Sache haftbar.
- § 991 II: Dann soll der redliche Fremdbesitzer auch dem Ei-
gentümer gegenüber in dem Rahmen haften, in dem er dem
mittelbaren Besitzer gegenüber haftet. Haftungsmaßstab
ggü. Eigentümer folgt dem Haftungsmaßstab, wie er sich
aus dem Vertrag mit dem mittelbaren Besitzer ergibt.
—> § 991 II = eigenständige AGL für den Eigentümer gegen
den redlichen unverklagten Besitzmittler
—> Grund: Redlicher Fremdbesitzer kennt die Begrenztheit
seines Handlungsrahmens / kennt das Haftungsrisiko bei
unsorgfältigem Umgang mit der Sache. In dem Umfang, in
dem er sowieso haften müsste, ist er gegenüber dem Eigen-
tümer nicht schutzwürdig.
2. Haftung des redlichen unrechtmäßigen Fremdbesitzers, der den
Besitz aufgrund eines unwirksamen Besitzmittlungsverhältnis-
ses direkt vom Eigentümer ableitet, analog § 991 II?
- § 991 II setzt 3-Personen-Verhältnis voraus: Eigentümer – mittel-
barer Besitzer – unmittelbarer Besitzer.
- Aber Frage nach SchE-Haftung nach §§ 987 ff. kann sich auch
im 2- Personen-Verhältnis zwischen Eigentümer und unmittelba-
rem Besitzer stellen, wenn das Besitzmittlungsverhältnis unwirk-
sam ist.
- Auch hier weiß der Besitzer, dass er im Rahmen des Be-
sitzmittlungsverhältnisses für Schäden an der Sache haften
muss / diese nicht als eigene besitzt. Wenn er den durch
das Besitzmittlungsverhältnis definierten Handlungsrahmen
überschreitet, ist auch er nicht schutzwürdig.
—> Daher allg. A. : der redliche unrechtmäßige Fremdbesitzer, der
sein Besitzrecht unmittelbar vom Eigentümer herzuleiten glaubt,
haftet insoweit auf SchE, als er die Grenzen seines vermeintlichen
Besitzrechts überschreitet.
- Str.: Dogmatische Herleitung der Haftung
- Z.T.: Haftung gemäß dem Rechtsgedanken des § 991 II
- Z.T.: Analoge Anwendung der §§ 989, 990 [(P): § 990 I setzt
zumindest grobe Fahrlässigkeit bei Besitzerwerb voraus;
98
was ist die Entsprechung beim Fremdbesitzerexzess? Gro-
be Fahrlässigkeit bei Überschreitung des vermeintlichen Be-
sitzrechts?]
- H.A.: Telelogische Reduktion des § 993 I, 2. Hs: De-
liktsrechtl. Haftung greift ein; Haftungsmaßstab folgt dann
aus Besitzmittlungsverhältnis.
C. Ansprüche des Eigentümers gegen den unrechtmäßigen Besit-
zer Auf Herausgabe von Nutzungen
I. Nutzungen - Begriff
- Ziel der Nutzungsherausgabe: Eigentümer soll Kompensation für
Vorteile erhalten, die der Besitz der Sache vermittelt hat.
- Nutzungen – Def.: § 100
- Früchte einer Sache (§ 99 I), inkl. mittelbarer Früchte (§ 99
III) [Beim EBV kommen nur Sachfrüchte in Betracht, keine
Rechtsfrüchte]
- Gebrauchsvorteile (unabhängig davon, ob der Besitzer die
Sache tatsächlich benutzt hat)
—> Gebrauchsvorteile können rückwirkend nicht herausge-
geben werden; daher Wertersatz (z.B. üblicher Miet-/Pacht-
zins für die Sache)
- Schwierige Abgrenzungsfragen, wenn dem Besitzer der Sache
Vorteile zugeflossen sind, die teils aus der Sache fließen, teils
aus dem eigenen Investitionen/Geschick/Einsatz des Besitzers.
- Bsp.: Unberechtigter Besitzer eines Grundstücks hat auf
diesem einen Gewerbebetrieb betrieben. (P): Sind die Erträ-
ge aus dem Gewerbebetrieb „Nutzungen“ des Grund-
stücks?
- h.A.: Unterscheiden, ob die Grundstücksnutzung selbst den
Kern der gewerblichen Tätigkeit ausmacht (z.B. Steinbruch;
Kiosk an einem beliebten Aussichtspunkt); oder ob das
Grundstück nur ein Einsatzmittel unter anderen ist, und erst
das Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten ist
(z.B. Errichtung einer Handyfabrik auf dem Grundstück).
- Nutzungsherausgabe bezieht sich nur auf Herausgabe von aus
der Muttersache gezogenen Vorteilen / setzt voraus, dass Mut-
tersache erhalten bleibt.
99
- —> Keine Nutzung: Veräußerungserlös / Verbrauch der Mut-
tersache!
- —> Daher: Anspruch aus § 816 (Veräußerungserlös) / auf
Wertersatz gem. §§ 812 I S. 1, 2. Alt., 818 II bei Verbrauch
oder Verarbeitung bleibt unberührt! [Letzterer kann mit
SchEA nach §§ 989, 990 einhergehen]
II. Haftung des redlichen/unverklagten entgeltlichen Besitzers?
§ 993
- Grundsatz: redlicher unverklagter Besitzer muss nur die sog.
Übermaßfrüchte (§ 993 I, 1. Hs.) nach den Regeln der ungerecht-
fertigten Bereicherung herausgeben [= Früchte, soweit sie nach
den Regeln einer ordnungsmäßigen Wirtschaft nicht als Ertrag
der Sache anzusehen sind; d.h.: Früchte, die materiell auf Kos-
ten der Sachsubstanz gezogen wurden]
- Im Übrigen schuldet der redliche/unverklagte Besitzer bei ent-
geltlichem Besitzerwerb keine Nutzungs-herausgabe/keinen
Nutzungsersatz
- Rückgriff auf die §§ 812 ff. (§ 818 I: Herausgabe der gezogenen
Nutzungen) ist gesperrt, § 993 I, 2. Hs.
- Anspruch auf Herausgabe der Übermaßfrüchte gem. § 993 I, 1.
Hs, §§ 812 ff.:
- Grund für Ausnahme zum Grundsatz, dass redlicher/unver-
klagter Besitzer nicht haftet: Ziehung von Übermaßfrüchten
= Substanzeingriff; Herausgabe der Sachsubstanz schuldet
auch der redliche Besitzer.
- Verweisung auf §§ 812 ff. ist nach h.A. Rechtsfolgen-ver-
weisung. Besitzer kann sich unmittelbar auf § 818 III beru-
fen.
III. Haftung des redlichen unentgeltlichen Besitzers, § 988
- § 988: Durchbrechung der Regel des § 993 I, 2. HS, dass der
redliche unverklagte Besitzer die Nutzungen behalten darf: Hat
der redliche Besitzer den Besitz unentgeltlich erlangt, so ist er
zur Herausgabe der Nutzungen nach den §§ 812 ff. verpflichtet!
=> Rechtsfolgenverweisung, insbes. auch auf § 818 II, III
- Grund: Wer den Besitz ohne Gegenleistung erhalten hat, verdient
geringeren Schutz (ähnlich wie § 816 I 2). Privileg des § 993 I, 2.
100
Hs. wird nur im Gegenzug dafür gewährt, dass der Besitzer An-
schaffungskosten aufgewandt hat / selbst das „Rückholrisiko
der Gegenleistung“ trägt.
- § 988 gilt dem Wortlaut nach nur für den Eigenbesitzer und den
Fremdbesitzer, der von einem dingl. Nutzungsrecht (Nießbrauch,
PfandR) ausgeht.
- Rspr.: § 988 gilt auch für den Fremdbesitzer, der von einem
schuldrechtlichen Nutzungsrecht ausgeht (z.B. Leihe)
- § 988 gilt nur für die Nutzungen, die in der Zeit vor Rechtshän-
gigkeit oder Bösgläubigkeit gezogen werden.
- Danach: §§ 987, 990
IV. (P): Soll § 988 analog auf den rechtsgrundlosen Besitzer ange-
wandt werden? (WICHTIG)
- Grundlagen der Diskussion:
- § 993 I, 2. Hs. bedeutet Begünstigung des redlichen Besit-
zers ggü. Bereicherungsrecht: Nach § 818 I muss auch der
redliche Kondiktionsschuldner gezogene Nutzungen her-
ausgeben.
- D.h.: Nach gesetzl. Regelung ist derjenige, der Eigentum an
der Sache rechtsgrundlos erlangt hat (Unwirksamkeit des
Verpflichtungs- aber nicht des Verfügungsgeschäfts)
schlechter gestellt als derjenige, der kein Eigentum erwor-
ben hat (Unwirksamkeit von Verpflichtungs- und Verfü-
gungsgeschäft). (P): Ist das ein korrekturbedürftiger Wer-
tungswiderspruch? Dann ließe er sich durch analoge An-
wendung von § 988 auf rechtsgrundlosen Besitzer lösen.
- St. Rspr.: § 988 ist analog auf den rechtsgrundlosen
Erwerb anzuwenden
- H. Lit.: Keine analoge Anwendung von § 988 auf
rechtsgrundlosen Erwerber. Aber teleologische Reduk-
tion des § 993 I, 2. Hs (Sperrwirkung des EBV): Sperr-
wirkung bzgl. §§ 812 ff. soll nicht für den rechtsgrund-
losen Besitzer gelten.
—> Folge: Über die Anwendung der §§ 812 ff. bleibt fakti-
sches Synallagma des Austauschverhältnisses im Rückab-
wickungsverhältnis erhalten.
101
V. Haftung des verklagten / unredlichen Besitzers gem. §§ 990,
987
1. Anspruch auf Herausgabe der gezogenen Nutzungen, §§
990, 987 I
d) Voraussetzungen
- Vindikationslage im Zeitpunkt der Nutzungsziehung
- Zu welchem Zeitpunkt gelten Früchte als gezogen? § 993 II
i.V.m. § 101
- Anfall der Nutzungen nach Rechtshängigkeit (§ 987) oder Bös-
gläubigkeit des Besitzers i.S.d. § 990 I
e) Rechtsfolge
- Herausgabe (= Verschaffung von Eigentum + Besitz) an körper-
lich noch vorhandenen Früchten (wenn nicht mehr vorhanden:
§§ 275 ff.); Wertersatz für Gebrauchsvorteile
- Bei Wertersatz ist Wert der herauszugebenden Nutzungen objek-
tiv zu bestimmen – z.B. objektiver Mietwert
- § 987 verweist nicht auf Bereicherungsrecht. Besitzer kann sich
daher nicht auf § 818 III berufen.
2. Anspruch auf Wertersatz für schuldhaft nicht gezogene Nut-
zungen, § 987 II
a) Voraussetzungen
- Nichtziehung von Nutzungen, die nach den Regeln einer ord-
nungsmäßigen Wirtschaft hätten gezogen werden können. Maß-
geblich sind die anerkannten Regeln für die Bewirtschaftung ei-
ner Sache. Nicht maßgeblich ist, ob der Eigentümer selbst die
Nutzungen hätte ziehen können
- Verschulden => Maßstab der §§ 276, 278
b) Rechtsfolge
Ersatz des objektiven Wertes der nicht gezogenen Nutzungen.
VI. Haftung des deiktischen Besitzers, §§ 992
- Haftung nach §§ 987, 990
102
- Außerdem, über § 992: Haftung nach §§ 823 ff., 249 ff.
- Gezogene Nutzungen sind herauszugeben
- Ggfs. Wertersatz, § 251 I
- Nicht gezogene Nutzungen: Ersatz nach §§ 992, 823 I, 252,
wenn der Eigentümer zur Nutzung in der Lage gewesen wä-
re.
—> Keine Berufung auf Entreicherung, § 818 III
D. Verwendungsersatzansprüche des Besitzers gegen den Eigen-
tümer, §§ 994 ff.
- Legitimes Interesse des unrechtmäßigen Besitzers bei Heraus-
gabe der Sache an Eigentümer: Ersatz der Aufwendungen, die er
während der Zeit des Besitzes getätigt hat.
- Legitimes Interesse des Eigentümers: Keine Ersatz für Aufwen-
dungen, die aus seiner Sicht unnütz waren.
—> §§ 994 ff. sollen diesen Interessenkonflikt lösen.
—> Wichtig: §§ 994 ff. sind auf die Interessenlage zwischen un-
rechtmäßigem Eigenbesitzer und Eigentümer zugeschnitten. Bei
unrechtmäßigem Fremdbesitzer können sich aus dem vermeintli-
chen Besitzrecht Modifikationen ergeben.
- Überblick über das System der §§ 994 ff.:
- Unterscheidung zwischen gutgläubigem, unverklagten Be-
sitzer und bösgläubigem bzw. verklagten Besitzer;
- und Unterscheidung zwischen notwendigen, nur nützlichen
und sog. Luxusverwendungen:
- Gutgl., unverklagter Besitzer hat Anspruch auf:
- Ersatz der notwendigen Aufwendungen, § 994 I; sowie auf
- Ersatz der nützlichen Verwendungen, insoweit der Wert der
Sache hierdurch noch zur Zeit der Herausgabe erhöht ist, §
996.
- Bösgläubiger oder verklagter Besitzer:
- Gem. § 994 II Anspruch auf Ersatz der notwendigen Auf-
wendungen nach den Vorschriften der GoA, §§ 683 S. 1,
670;
103
- kein Anspruch auf Ersatz nur nützlicher Verwendungen
I. Verwerndungsbegriff
- Grundsatz: Verwendungen = alle willentlichen Vermögensauf-
wendungen des Besitzers, die einer Sache zugute kommen, in-
dem sie sie wiederherstellen, erhalten oder verbessern.
- Str.: Sind auch Aufwendungen, die die Sache grundlegend um-
gestalten, noch Verwendungen i.S.d. §§ 994 ff.?
- Bsp.: Errichtung eines Gebäudes auf einem fremden Grund-
stück; Verarbeitung eines Schweins zu Wurst und Fleisch
- st. Rspr. seit BGHZ 41, 157: enger Verwendungsbegriff =>
umgestaltende Aufwendungen, die die Zweckbestimmung
der Sache ändern, sind keine Verwendungen i.S.d. §§ 994 ff.
- Grund: Schutz insbes. des Grundstückseigentümers
vor aufgedrängter – meist sehr kostspieliger – Umge-
staltung. Besitzer kann weder Ansprüche aus §§ 994 ff.
geltend machen, noch aus §§ 812 I 1, 2. Alt. (Sperrwir-
kung des EBV). Besitzer hat nur das Wegnahmerecht
aus § 997 I.
- [Link].: Weiter Verwendungsbegriff – wenn umgestaltende
Aufwen- dungen der Sache zugute kommen, sind es Ver-
wendungen i.S.d. §§ 994 ff.
- Grund: Eigentümer muss gem. §§ 989, 990, 993 I 2. Hs.
sogar eine Vernichtung der Sache durch einen gutgl.,
unverklagten Besitzer hinnehmen. Dann muss er auch
mit der aufgedrängten Umgestaltung leben / hierfür
nach §§ 994 ff. Verwendungsersatz leisten.
- Str.: Arbeitseinsatz als Verwendung?
- BGH: Die eigene Arbeitsleistung des Verwenders ist als
Verwendung ersatzfähig, wenn für sie ein Marktwert besteht.
D.h.: Nur dann, wenn dem Besitzer durch die Arbeitsleistung
ein anderweitiger Verdienst entgangen ist; oder wenn die
aufgewendete Arbeitsleistung in den Rahmen des vom Be-
sitzer ausgeübten Berufs / Gewerbes fällt.
104
- A.A.: Aufwendung eigener Arbeitskraft = Verwendung i.S.d.
§§ 994 ff., wenn durch ihren Einsatz fremde Arbeitskraft ein-
gespart wird.
II. Person des Verwenders
- Grundsatz: Unrechtmäßiger Besitzer, der die Verwendung vor-
nimmt
- Str.: Werkunternehmerfälle – Unrechtmäßiger Besitzer B lässt an
der Sache Reparaturen durch einen Werkunternehmer U vor-
nehmen. (P): Ist B Verwender? Oder ist (auch) U Verwender?
- Rspr.: Auch Werkunternehmer ist Verwender i.S.d. §§ 994 ff.
- Grund: Schutz des Werkunternehmers [(P) dann aller-
dings: Berechtigter Besitz des U zur Zeit der Verwen-
dungsvornahme?]
- Lit. z.T.: Verwender = Wer den Verwendungsvorgang auf ei-
gene Rechnung veranlaßt und steuert – d.h. nur der Werk-
besteller
III. Arten von Verwendungen: Notwendige, nützliche und Luxus-
verwendungen
1. Notwendige Verwendungen, § 994 [Grds. ersatzfähig bei gutgl. +
unverklagtem Besitzer; nach Maßgabe der GoA auch bei bösgläu-
bigem Besitzer]
- Def.: Notwendige Verwendungen = Verwendungen, die objektiv
erforderlich sind, um die Sache in ihrem wirtschaftlichen Bestand
einschließlich ihrer Nutzungsfähigkeit zu erhalten oder wieder-
herzustellen. Subjektive Sicht des Eigentümer ist nicht maßgeb-
lich [anders ggfs.: GoA]
- Bsp.: Reparatur des vom Wind beschädigten Daches; Fütte-
rung eines Tiers
- Maßgeblich ist eine ex-ante-Betrachtung. D.h.: Auch fehlge-
schlagene Rettungskosten können ersetzt verlangt werden.
- Notwendige Verwendungen umfassen auch Aufwendungen zur
Bestreitung von Lasten der Sache, § 995 I S. 1 = periodisch wie-
derkehrende und nach den Regeln ordnungsgemäßer Verwal-
tung aus den Erträgen der Sache zu bestreitende Ausgaben
105
2. Nützliche Verwendungen, § 996 [grds. ersatzfähig bei gutgläubi-
gem und unverklagtem Besitzer]
- Nützliche Verwendungen = Verwendungen, die nicht zum Erhalt
oder zur ordnungsgemäßen Nutzung der Sache notwendig sind,
aber deren Wert erhöhen oder die Gebrauchsfähigkeit steigern
- Bsp.: Einbau eines Navigationsgeräts in das Auto
- Str.: Ist für Werterhöhung ein objektiver oder subjektiver Wert-
maßstab zugrunde zu legen?
- z.T.: Maßgeblich ist subjektiver Wertmaßstab des Eigentü-
mers. Grund: Schutz des Eigentümers vor aufgedrängter
Bereicherung.
- H.A.: Grds. objektiver Wertmaßstab; aber nur insoweit, als
diese für den Eigentümer in zumutbarer Weise nützlich sein
kann.
3. Luxusverwendungen
- Def.: Luxusverwendungen = Verwendungen, die den Wert der Sa-
che objektiv nicht erhöhen.
—> Grds. nicht ersatzfähig, auch nicht bei gutgl. / unverklagtem
Besitzer. Nur Wegnahmerecht, § 997 BGB
IV. Ansprüche des redlichen und unverlangten Besitzers
1. Anspruch auf Ersatz notwendiger Verwendungen, § 994 I 1
a) Voraussetzungen
- Vindikationslage z.Z. der Verwendungsvornahme
- Keine Bösgläubigkeit, keine Rechtshängigkeit des Heraus-gabe-
anspruchs
- Notwendige Verwendungen (s.o.)
b) Rechtsfolge
- Ersatzanspruch i.H. des vom Besitzers aufgewandten Vermö-
gensopfers ohne Rücksicht auf fortbestehende Erhöhung des
Sachwerts, § 994 I 1
- Ausnahme, § 994 I 2: Nicht ersatzfähig sind gewöhnliche Erhal-
tungskosten für die Zeit, in der dem Besitzer die Nutzungen ver-
blieben sind
106
- Grundsatz: Wer Nutzungen ziehen/behalten darf, soll auch
gewöhnliche Erhaltungskosten tragen. Ebenso § 995 I 2: Für
die Zeit, in der dem Besitzer die Nutzungen verbleiben, hat
er auch die gewöhnlichen Lasten der Sache zu tragen. Er-
satzanspruch umfasst nur die außerordentlichen Lasten.
—> D.h.: Nur der unentgeltliche Besitzer (§ 988) kann in der Praxis
nach § 994 I gewöhnliche Erhaltungskosten ersetzt verlangen;
denn nur er darf Nutzungen nicht behalten.
—> Wenn man den rechtsgrundlosen Besitzer dem unentgeltlichen
Besitzer gleichstellt, kann auch rechtsgrundloser Besitzer gewöhn-
liche Erhaltungskosten ersetzt verlangen.
2. Anspruch auf Ersatz anderer Verwendungen, § 996
a) Voraussetzungen
- Vindikationslage z.Z. der Verwendungsvornahme
- Keine Bösgläubigkeit/Rechtshängigkeit des Herausgabean-
spruchs bei Verwendungsvornahme
- Andere als notwendige Verwendungen
b) Rechtsfolge
- Ersatzanspruch, soweit der Wert der Sache infolge einer nicht
notwendigen Verwendung z.Z. der Herausgabe der Sache noch
erhöht ist
- h.A.: Objektiver Wertmaßstab
- Kein Ersatzanspruch für Verwendungen, die den Wert der Sache
nicht erhöht haben/ bei denen keine bleibende Erhöhung einge-
treten ist. Insoweit nur Wegnahmerecht, § 997 I.
V. Ansprüche des verklagten oder bösgläubigen Besitzers
1. Anspruch auf Ersatz notwendiger Verwendungen, § 994 II i.V.m.
GoA
a) Voraussetzungen
- Vindikationslage z.Z. der Verwendungsvornahme
- Bösgläubigkeit oder Rechtshängigkeit z.Z. der Verwendungsvor-
nahme
- Notwendige Verwendungen,
107
b) Rechtsfolge
- Verwendungsersatzanspruch nach Vorschriften der GoA
- Partielle Rechtsgrundverweisung auf Voraussetzungen der
GoA – unter Ausschluss des Erfordernisses des Fremdge-
schäftsführerwillens (fehlt bei Eigenbesitz)
- Verwendungsersatzanspruch kommt v.a. in Betracht bei be-
rechtigter GoA, d.h. wenn die Vornahme der Verwendungen
dem Interesse und dem wirklichen oder mutmaßlichen Wil-
len des Eigentümers entspricht: Ersatzanspruch nach §§
683 S. 1, 670 => liegt bei notwendigen Verwendungen i.d.R.
vor
- Ansonsten, wenn Verwendungen nicht vom Eigentümerwil-
len getragen sind (unberechtigte GoA): § 684 S. 1 =>
Rechtsfolgenverweisung auf §§ 818 ff. Ersatzanspruch des
Besitzers nur insoweit, als der Eigentümer z.Z. der Wieder-
erlangung der Sache noch bereichert ist. Es gilt subj. Berei-
cherungsbegriff / maßgeblich ist subjektive Nutzungsmög-
lichkeit des konkreten Eigentümers.
2. Kein Anspruch auf Ersatz nützlicher Verwendungen
- Bzgl. nützlicher Verwendungen / Luxusverwendungen hat bös-
gläubiger / verklagter Besitzer nur ein Wegnahmerecht, § 997
VI. Rechtsnachfolge, § 999
- § 999 I: Besitzer kann für Verwendungen, die sein Vorbesitzer
getätigt hat, im selben Umfang Ersatz verlangen wie sein Vorbe-
sitzer. Grund: Verwendungen wurden mit dem vom Besitzer an
Vorbesitzer gezahlten Kaufpreis abgegolten.
- h.M.: An den Vorbesitzer gezahlter Kaufpreis ist die Ober-
grenze des zu leistenden Verwendungsersatzes
- § 999 II: Wenn Eigentümer die Sache (z.B. gem. § 931) weiter-
veräußert, haftet der neue Eigentümer für die Verwendungen, die
vor seinem Eigentumserwerb entstanden sind.
VII. Durchsetzung des Verwendungsersatzanspruchs
1. Zurückbehaltungsrecht, § 1000 S. 1
- Besitzer, der einen Verwendungsersatzanspruch gg. den Eigen-
tümer nach §§ 994 ff. hat, kann ggü. Herausgabeanspruch des
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Eigentümers aus § 985 ein Zurückbehaltungsrecht geltend ma-
chen, § 1000 S. 1 [Ausnahme: § 1000 S. 2 – er hat die Sache
durch vorsätzlich begangene unerlaubte Hdlg. erlangt]
- § 1000 als Sonderregelung ggü. § 273. Zweck des § 1000:
- Verwendungsersatzanspruch ist gem. § 1001 erst fällig,
wenn der Eigentümer die Verwendung genehmigt oder die
Sache wiedererlangt. ZBR aus § 273 setzt aber einen fälli-
gen Gegenanspruch voraus.
2. Geltendmachung von Verwendungsersatzansprüchen unab-
hängig vom Zurückbehaltungsrecht, § 1000 S. 1
- § 1001: Besitzer kann Anspruch auf Verwendungsersatz erst gel-
tend machen, wenn der Eigentümer die Sache wiedererlangt
oder die Verwendungen genehmigt. Rücknahme der Sache
durch den Eigentümer gilt als Genehmigung.
- § 1002: Verwendungsersatzanspruch erlischt, wenn der Besitzer
die Sache dem Eigentümer zurückgibt,
- bei beweglichen Sachen mit Ablauf eines Monats
- bei Grundstücken mit Ablauf von 6 Monaten nach Heraus-
gabe.
3. Befriedigungsrecht, § 1003
- Wenn Besitzer den Eigentümer zur Genehmigung auffordert, die-
ser aber nicht binnen angemessener Frist reagiert: Recht des
Besitzers, sich aus der Sache nach den Vorschriften über Pfand-
verkauf zu befriedigen (bei Grundstücken: Zwangsvoll-stre-
ckung)
4. Wegnahmerecht, § 997
- Wenn der Besitzer eine andere Sache mit der fremden Sache
verbunden hat, kann er diese grds. wieder abtrennen und sich
aneignen.
- Folgt bei Sachen, die nicht wesentlicher Bestandteil der
herauszugebenden Sache geworden sind, bereits aus § 985
- Gilt aber auch für Sachen, die wesentlicher Bestandteil der
herauszugebenden Sache geworden sind – spezielles (Wie-
der- )Aneignungsrecht. Eigentümer hat grds. keinen An-
spruch auf Fortbestand der Verbindung.
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- Ausschluss des Wegnahmerechts in folgenden Fällen:
- Wenn die Hauptsache nach Wegnahme nicht mehr in den
früheren Zustand versetzt werden kann
- Wenn die Wegnahme dem Besitzer keinen Nutzen bringt, §
997 II (weder Vermögenswert noch ideeller Wert)
- Wenn die Sache nach der Trennung nicht mehr verwen-
dungsfähig ist.
- Eigentümer kann nach § 997 II, 3. Alt. das Wegnahmerecht da-
durch ausschließen, dass er dem Besitzer den Wert ersetzt, den
der Bestandteil nach Abtrennung haben würde.
E. Konkurrenzen
- Grundsatz: §§ 987 ff. enthalten eine abschließende Regelung
- Aber: Sperrwirkung der §§ 987 ff. reicht nur so weit wie ihr Rege-
lungsgehalt: Folgeansprüche des Eigentümers gegen den Besit-
zer auf Schadensersatz und Nutzungsersatz; Ansprüche des Be-
sitzers gg Eigentümer auf Verwendungsersatz.
- Nicht verdrängt werden hingegen:
- Anspruch aus § 816 auf Herausgabe des Veräußerungserlö-
ses
- Ansprüche aus § 812 I S. 1, 2. Alt. bei Verbrauch der Sache
– Verbrauch ist keine Nutzung
- Ebenso: Anspruch aus § 812 I S. 1, 2. Alt. bei Zerstörung
der Sache
- Konkurrenz EBV/§§ 823 ff.:
- Z.T.: §§ 823 ff. sind nur zugunsten des redlichen und unver-
klagten Besitzers ausgeschlossen
- Rspr. / h.A.: Entsprechend Wortlaut des § 992 entfällt
Sperrwirkung nur beim deliktischen Besitzer
- Allg. Ansicht: § 826 bleibt auch neben EBV anwendbar -
§ 826 enthält allgemeines Grundprinzip der Rechtsordnung.
- Konkurrenz EBV/§§ 812 ff.
- Nutzungsersatz: §§ 987 ff. sind abschließend; §§ 812 ff.
werden verdrängt.
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- Aber: Verbrauch oder Zerstörung der Sache sind keine
Nutzungen i.S.d. § 100 —> Eingriffskondiktion + § 816
auf Herausgabe des Veräußerungserlöses
- Umstand, dass der Schuldner den Besitz der Sache
durch Leistung eines Dritten erlangt hat, steht nicht
entgegen: Eingriffskondiktion tritt an die Stelle des Ei-
gentumsverlusts. Und Eigentum hat der Schuldner nicht
durch Leistung des Dritten erlangt.
- Entsprechendes gilt bei Verarbeitung auch für die berei-
cherungsrechtl. Rechtsfortwirkungsansprüche gem. §§
950, 951, 812 I.
- Verwendungsersatz: §§ 994 ff. sind abschließende Sonder-
regelung.
- Nach BGH auch dann, wenn eine Verwendung (Haus-
bau auf fremdem Grundstück) nicht unter den (engen)
Verwendungsbegriff fällt. [str.!]
- Konkurrenz EBV/GoA
- Wenn schon in der Inbesitznahme einer Sache eine berech-
tigte GoA liegt: Recht zum Besitz; daher kein EBV
- Bei unberechtigter GoA: Jedenfalls mit Blick auf Verwen-
dungsersatzansprüche sind die §§ 994 ff. abschließend /
verdrängen GoA
- Z.T.: Für Fälle altruistischer Einmischung enthalten die Vor-
schriften über GoA mit Blick auf Schadensersatzansprüche
eine Sonderregelung, die die §§ 989, 990 verdrängt. Unbe-
rechtigte GoA soll insoweit eine schuldrechtliche Sonder-
verbindung darstellen, die EBV verdrängt.
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