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Gedichtinterpretation König in Thule

Das Gedicht von Goethe beschreibt die ewige Treue eines Königs zu seiner verstorbenen Geliebten. Der König erhält von ihr vor ihrem Tod einen goldenen Becher. Dieser Becher erinnert ihn täglich an seine große Liebe und löst eine tiefe Trauer in ihm aus. Kurz vor seinem eigenen Tod wirft der König den Becher ins Meer und stirbt ebenfalls. Das Gedicht thematisiert die bedingungslose Liebe und Treue auch über den Tod hinaus.

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Gedichtinterpretation König in Thule

Das Gedicht von Goethe beschreibt die ewige Treue eines Königs zu seiner verstorbenen Geliebten. Der König erhält von ihr vor ihrem Tod einen goldenen Becher. Dieser Becher erinnert ihn täglich an seine große Liebe und löst eine tiefe Trauer in ihm aus. Kurz vor seinem eigenen Tod wirft der König den Becher ins Meer und stirbt ebenfalls. Das Gedicht thematisiert die bedingungslose Liebe und Treue auch über den Tod hinaus.

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Gedichtinterpretation „König in Thule“

Die Ballade „Der König in Thule“ wurde im Jahre 1774 von dem bekannten deutschen
Dichter und Denker Johann Wolfgang von Goethe verfasst und handelt von einem König, der
nach dem Tod der geliebten Buhle ewig trauert und ihr bis an seinen eigenen Tod treu bleibt.
Die Ballade wurde in Goethes Drama „Faust I“ in der Szene „Abend“ eingebaut, in der
Gretchens Verliebtheit nach dem ersten Zusammentreffen mit Faust anhand von
Gefühlswallungen deutlich wird. Da das Drama sozusagen über den literarischen
Strömungen steht, lässt sich das Gedicht nicht direkt einer Epoche bzw. Strömung zuordnen.
Doch viele Merkmale des Sturm und Drangs werden erfüllt. So handelt es sich in der Ballade
um Empfindungslyrik, in der die Gefühle und Emotionen (emotio) des Individuums im
Vordergrund stehen. Auch die Anerkennung der Gattung der bürgerlichen Literatur stammt
aus dem Sturm und Drang.

Die Ballade besteht aus 6 Strophen mit jeweils 4 Versen und besitzt durchgehend
regelmäßige Kreuzreime. Bei dem Metrum handelt es sich um einen eher unregelmäßigen
dreihebigen Jambus. Die Kadenz wechselt mit jedem Vers beginnend mit einer weiblichen
Kadenz. Durch den formalen Aufbau des Gedichts wirkt es regelmäßig, geordnet und klingt
harmonisch.

Es geht um den König in Thule, der von seiner Buhle am Sterbebett einen goldenen Becher
erhält. Dieser Becher begleitet den König von nun an täglich. Wenn er aus dem Becher trinkt
wird er an die verstorbene große Liebe erinnert. Aufgrund seiner Trauer wird er so zum
Alkoholiker. Als der König dann selber kurz vor dem Tod steht, vererbt er sein Land und all
seinen Besitz großzügig an seine Erben. Doch den Becher wirft er kurz vor seinem Tod in das
Meer, wo er versinkt. Kurz darauf stirbt der König, der seiner Buhle ewig treu war.

Das Gedicht steht für die ewige Liebe und Treue, die anhand des symbolischen goldenen
Bechers deutlich wird. Zudem offenbart es im Kontext von Faust I Gretchens Anforderungen
und Wünsche an die Liebe, indem das bürgerliche Mädchen ihre innere Befindlichkeit
anhand von Volksliedern und Gedichten preisgibt.

Der Titel der Ballade steht in direktem Zusammenhang mit dem Inhalt, denn das Leben,
Verhalten und der Gemütszustand des Königs werden beschrieben. Der Titel ist im
Gegensatz zum Inhalt hingegen eher neutral gehalten, da er die Trauer des verlassenen
Königs nicht zeigt.

In der ersten Strophe erzählt das lyrische Ich von dem goldenen Becher, den die Buhle/
Geliebte dem König schenkte. Der Becher kann als Symbol für ewige Treue und Liebe auch
nach dem Tod gesehen werden. Die Verbindung zwischen Buhle und Becher wird sprachlich
durch ein Enjambement untermauert. „Dem sterbend seine Buhle einen goldnen Becher
gab“ (V. 2761 f.). Durch den Zeilensprung wird die Übertragung der Beziehung auf ein
Symbol (den Becher) verdeutlicht.
Dadurch, dass der Becher aus „Gold“ ist hat er nun nicht nur materiellen, sondern auch
einen viel größeren symbolischen Wert. In Bezug auf Gretchens Wünsche an die Liebe
passen beide dieser Eigenschaften. Das bürgerliche Mädchen wünscht sich nicht nur einen
Aufstieg durch die Liebe bzw. Ehe, sondern auch ewige Treue. Das teure Gold repräsentiert
ihren Wunsch nach sozialem Aufstieg und Reichtum, während die Symbolik für ihren Wunsch
nach Treue steht, der durch die Kirche und bürgerliche Moral geprägt ist. In dieser Strophe
werden Aspekte der Weimarer Klassik deutlich, denn moralisch richtiges Verhalten und
Vollkommenheit (Treue, Ehrlichkeit) werden gezeigt. Hier ist anzumerken, dass „die Buhle“
eine neutrale und keinesfalls eine abwertende Bezeichnung für die Geliebte des Königs
darstellt. Die Bedeutung des Begriffs änderte sich mit der Zeit.

In der zweiten Strophe zeigt sich die Trauer des Königs. Anhand des Sprichwortes: „Die
Augen gingen ihm über“ (V. 2765) zeigt sich seine tiefe Sehnsucht und sein Schmerz, weil er
verlassen wurde. In der Strophe wird auch deutlich, dass der König sehr oft und regelmäßig
aus dem Becher trinkt. Daraus kann man schlussfolgern, dass er seine Trauer im Alkohol
„ertränkt“. Dies bestätigt sich auch in Vers 2775, wo der König als „Zecher“ bezeichnet wird.
In Bezug auf Gretchens Wünsche entspricht der König ihren Idealvorstellungen. Er hält an
seiner verstorbenen Geliebten fest, denn die Liebe ist durch den Tod nicht ausgelöscht.

In der dritten Strophe bahnt sich der Tod des Königs an. Er vererbt seinen Besitz, bis auf den
Becher, an seine Erben. Da der Becher jedoch einen enormen symbolischen Wert hat und er
seine Buhle nicht teilen möchte soll er nicht weitervererbt werden. Auffällig ist die Nutzung
von Apokopen wie z. B. „zählt‘“ und „Städt‘“ (vgl. V. 2768). Diese dienen dazu, das Metrum
einzuhalten und so den Rhythmus nicht zu unterbrechen.

In der vierten Strophe erlebt der König seinen letzten Tag. Es gibt eine Art Festmahl in
seinem Schloss. Auffällig ist die Nutzung vieler Substantive aus dem semantischen Feld der
Monarchie/ des Herrschens. Goethe nutzt Worte wie z. B. Ritter, Schloss oder Königsmahle
(vgl. V. 2771 ff.). Die ausgewählten Worte wirken in Zusammenhang mit der Beschreibung
des Schlosses auf dem Meer fast märchenhaft. Sie ermutigen den Leser zur Imagination und
könnten Hinweis auf Gretchens naive, kindliche und märchenhafte Vorstellung von der Liebe
sein. Gretchens Charakter zeigt jedoch auch direkt daran, dass sie sich zur Artikulation ihrer
Gefühlswelt der Worte anderer bedient. Sie ist nicht in der Lage ihre Gefühle auszusprechen,
sondern finden sich selber in Volksliteratur wieder.

Die fünfte Strophe beginnt mit einer Anapher: „Dort […]“ (V. 2775). Diese stellt einen Bezug
zu der vorigen Strophe her und zeigt, dass der König sich in seinem Schloss am Meer
befindet. Kurz darauf trinkt der König das letzte Mal die „Lebensglut“ (V. 2776) aus dem
Becher. Diese Metapher zeigt, dass der Alkohol bzw. die Erinnerung an seine Buhle ihn
sowohl am Leben gehalten als auch emotional verletzt und kaputt gemacht hat. Mit der
Entscheidung den Becher in die Flut zu werfen, entscheidet der König sich für den Tod. Die
Bezeichnung als „heil’gen Becher“ zeigt die Bedeutung der Buhle für den König. Ohne den
Becher/ die Buhle ist ein weiteres Leben für den König unmöglich.

Die sechste Strophe zeigt anhand einer Klimax den Weg des Bechers in das Meer. Er stürzt,
trinkt und sinkt (vgl. V 2779 f.). Dieses Stilmittel zeigt die Dramatik der Situation anhand er
Steigerung. Darauf folgt eine Wiederholung des Wortes „sinken“, denn mit dem Becher
sinken auch die Augen des Königs. Die Metapher der sinkenden Augen steht für den Tod.
Zum Schluss befindet sich ein Aussagesatz: „Trank nie einen Tropfen mehr“ (V. 2782), der die
ewige Treue des Königs noch einmal verdeutlicht.

Das lyrische Ich der Ballade bleibt im Verborgenen. Es hat die Absicht den Schmerz und die
bedingungslose Liebe und Treue des Königs darzustellen. Dazu beschreibt das lyrische Ich
den Verlauf des Lebens des Königs anhand seines Alkoholismus ausgelöst durch den Becher
bzw. den Tod der Geliebten. Es wirkt so als wolle Goethe eine realistische Darstellung der
Treue mit all ihren Schattenseiten zeigen.
In Bezug auf das bürgerliche Gretchen halte ich diese Ballade doch für eher unpassend. Die
Situation des reichen Königs und seiner Buhle unterscheiden sich sehr stark. Dennoch finde
ich die Nutzung des Wortes „Buhle“ angemessen, denn man kann vermuten, dass Gretchen
bereits ahnt, dass die Beziehung zu Faust sich nicht in Form der Ehe manifestieren wird.

Für die Gegenwart ist diese Ballade mit Sicherheit von Bedeutung, denn ewige Treue ist in
der heutigen Welt, geprägt von Geschwindigkeit, Sprunghaftigkeit und dauernder
Veränderung, eine absolute Rarität. Es könnte als Rückbesinnung dienen, um den Bezug zur
Realität nicht zu verlieren.

Insgesamt hat sich meine Deutungshypothese bestätigt. So passen tragische Balladen wie die
diese zu den häufigen Subjekten in der Epoche des Sturm und Drang. Dennoch steht die
Ballade im Gegensatz zu der Geniezeit, denn der König hielt sich im Gegensatz zu den
meisten Stürmern und Drängern an feste Normen wie z. B. Treue. Daher würde ich die
Ballade nicht ausschließlich in den Kontext des Sturm und Drangs einordnen, da auch
Aspekte der Weimarer Klassik vorkommen.

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