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Text und Textualität

Lekt. Dr. Evemarie Draganovici


Textlinguistik
Heinemann/Viehweger 1991:17
Die Textlinguistik soll sich auf die Erforschung von
Textstrukturen und Textformulierungen
beschränken, jeweils in ihrer Einbettung in
kommunikative, allgemein soziologische und
psychologische Zusammenhänge (interdisziplinärer
Ansatz). - Der Text selbst bildet den primären
und originären Gegenstand der Wissenschaft vom
Text, die zentrale Aufgabe der Textlinguistik.
Text
 Verbinden Sie die Lexeme, die wieder
aufgenommen werden!

Auf einem Baum sitzt ein Rabe.


In seinem Schnabel hält er ein Stück Käse.
Der Fuchs riecht den Käse.
„Ich muss den Käse haben“, denkt er und läuft
zum Raben.
Text (lat. textus )
urspr. Gewebe, Geflecht zu lat.
texere weben, flechten
Ein Text ist wie ein Stoff.
Textelemente stehen im
Zusammenhang.

Metaphorisch: gemeint war der


Stil des Textes, in sich
verwebte sprachliche
Äußerung
Texte
 bestehen aus einer Kombination sprachlicher
Zeichen
 haben Grenzen, sie sind abgeschlossene und
autonome Ganzheiten
 besitzen einen strukturellen und inhaltlichen
Zusammenhang
 haben (zumindest) ein erkennbares Thema
 haben (mindestens) einen Verfasser und einen
Rezipienten
 haben eine kommunikative Funktion und einen
sozialen Sinn
Textdefinitionen

Text ist „eine kohärente Folge von Texten.“


(Isenberg 1970:1) – sprachsystematisch
orientiert

„Text ist die Gesamtmenge der in einer


Kommunikativen Interaktion auftretenden
Signale.„ (Kallmeyer u.a.1974:45)
- kommunikationsorientiert
Textlinguistik
 „geht es vor allem darum, die
allgemeinen Bedingungen der
Textkonstitution und der Textrezeption
zu beschreiben, über die der
kompetente Sprachteilhaber in
konkreten Kommunikationssituationen
im allgemeinen unbewußt verfügt.“
(Brinker, 1988, S. 10)
Disziplinen der Textlinguistik
 Textgrammatik: Textkonstitution und Kohärenz
 Textsyntax: Zusammenbindung von Sätzen zu
größeren Einheiten durch textverweisende
Referenzmittel und Konnektoren
 Textpragmatik: außersprachliche Bedingungen
von Textproduktion und- rezeption
 Textsemantik: Bedeutung von Texten,
Isotopie/Koreferenz (Zuordnung von Wörtern
zum selben inhaltlichen Topos)
Text?

Handtasche geraubt- Reinickendorf


Leichte Verletzungen erlitt eine 88-Jährige
gestern Abend bei einem Straßenraub in
Reinickendorf. Ein Unbekannter hatte gegen
18 Uhr 30 der Frau in der Emmentaler Straße
die Lederhandtasche entrissen. Die betagte
Dame kam dabei zu Fall und zog sich
Verletzungen im Gesicht zu. Der Täter
flüchtete mit seiner Beute.
Pressemeldung
Text?
 Alltagsverständniss:
nein, denn
T=schriftlich fixiert
 Sprachsystematisch:
nein,
 Pragmatisch
(kommunikativ): ja
Für Linguisten:
mündl.T = intant wie
schriftlicher

Oscar Jacobsson
Text?

 Verkehrsschild
 rein symbolisches Verkehrsschild
Text?

Die grüne Minna ist gar nicht grün.


Schweinemettwurst ist heute im
Sonderangebot. Das Spiel dauert
90 Minuten.

Sätze ohne einheitliches Thema


Ab wie viel „Sinn“ ist ein Text
ein Text?

Ene mene miste/ es rappelt in der Kiste./


Ene mene mu/ und raus bist du.

Ene mene ming mang, knieptang, ting-


tang, use, buse eck und du bist weg.

Abzählreime
Ab wie viel „Sinn“ ist ein Text
ein Text?
jolifanto bambla o falli ü üü ü
bambla schampa wulla wussa
großgiga m'pfa habla olobo
horem hej tatta gorem
egiga goramen eschige zunbada
higo bloiko russula huju wulubu ssubudu uluwu
hollaka hollala ssubudu
anlogo bung tumba ba – umf
blago bung blago bung kusa gauma
bosso fataka ba – umf
Hugo Ball (1886-1927)
Karawane, Dada-Gedicht
 Fast keine
Kohäsionsmittel,
 Titel: weist auf
Texthaftigkeit
hin+aktiviert
Wissensbestände
über Karawanen
Ab wie viel „Sinn“ ist ein Text
ein Text?
Verdaustig wars, und glasse Wieben/ Rotterten
gorkicht im Gemank;/ Gar elump war der
Plucker- wank,/ und die gabben Schweisel
frieben.
„Hab acht vorm Zipferlak, mein Kind!/ Sein Maul ist
beiss, sein Griff ist bohr!/ Vorm Fliegelflagel
sieh dich vor,/ Dem mampfen Schnatterrind!“
Er zückt‘ sein scharfbefifftes Schwert,/ Den Feind
zu futzen ohne Saum,/ Und lehnt sich an den
Dudelbaum/ Und stand da lang in sich gekehrt.
Ab wie viel „Sinn“ ist ein Text
ein Text?
JABBERWOCKY Lewis
Carroll
Beware the Jubjub bird,
'Twas brillig, and the slithy and shun
oves The frumious
Did gyre and gimble in the Bandersnatch!'
wabe:
He took his vorpal sword
All mimsy were the in hand;
borogoves, Long time the
And the mome raths manxome foe he
outgrabe. sought –
'Beware the Jabberwock, So rested he by the
my son! Tumtum tree,
The jaws that bite, the And stood awhile in
claws that catch! thought
Ab wie viel „Sinn“ ist ein Text
ein Text?

Kroklokwafzi? Semememi! /Seiokrontro


-prafriplo:/Bifzi, bafzi; hulalemi:/quasti basti
bo.../Lalu lalu lalu lalu la!/Hontraruru
miromente / zasku zes rü rü? / Entepente,
leiolente / klekwapufzi lü? / Lalu lalu lalu lalu
la! / Simarar kos malzipempu /
silzuzankunkrei! / Marjomar dos: Quempu
Lempu / Siri Suri Sei. / Lalu lalu lalu lalu la!
Christian Morgenstern
 Das große Lalula 1905, Nonsense-
Gedicht
  Textbegrenzungssignale:
sprachliche und nichtsprachliche
Mittel: Buchtitel, Überschriften,
Einleitungs- oder Schlussformeln,
Sprechpausen (mündlich)
MERKMALE DER
TEXTUALITÄT

Beaugrande § Dressler 1981

ein Text ist ein Text, wenn


…………………………
Kohäsion

Lat. cohaerere=verknüpfen
– der formale, meist grammatikalische
Zusammenhang der Elemente eines Textes, die
miteinander durch entsprechende
grammatikalische Verknüpfungen verbunden
werden.
- semantische Verknüpfungen
  Kohäsionsmittel
- auf der Textoberfläche
Kohäsionsmittel
 Rekurrenz
vollständige bzw. totale Rekurrenz
(wortwörtliche Wiederaufnahme)
 Das Auto fährt weg. Ich kenne das
Auto.
partielle Rekurrenz (teilidentischen
Wiederaufnahme)
herrschen - Herrscher, Glück - glücklich
Kohäsionsmittel
 Substitution:
Synonym: Samstag – Sonnabend
Hyponym: Kriminalfilm - Film
Hyperonym: Film - Kriminalfilm
Metapher: Jemandem das Herz brechen
Paraphrase
Paraphrase
 A sagt zu seiner Freundin: “Mir hat die
letzte Party nicht gefallen. Es hat kaum
jemand mit mir geredet - ich fühlte mich wie
das fünfte Rad am Wagen!"
 Freundin paraphrasiert: "Willst du mir
damit mitteilen, dass du dich wohler fühlst,
wenn ich mich auf Partys mehr um dich
kümmere - mehr mit dir rede?
 A antwortet: "Ja, das wäre sehr schön!"
Pro-Formen (anaphorischer,
kataphorischer Verweis)

Pronomina, Pronominaladverbien
Das ist Anna. Sie ist Schülerin.
 Ich möchte eine Party, wo nicht nur schräge Musik
läuft. Darauf kommt es mir vor allem an.
 Es war einmal ein Mädchen. Das hatte einen
Teddybär. Der hatte ein Ohr verloren.
 Viele ältere Schüler gehen morgens zur Schule,
danach kurz zum Mittagessen, arbeiten
nachmittags in irgendeinem Geschäft und
verschwinden abends in die Kneipe. Das alles kann
nicht so leicht unter einen Hut gebracht werden
bestimmter und unbestimmter
Artikel

textdeiktische Funktion des


unbestimmten Artikels
Einführung neuer, noch nicht bekannter
Gesichtspunkte in einen Text
Es war einmal eine kleine Prinzessin. Die
Prinzessin wohnte in einem alten
Schloss in einem tiefen, schwarzen
Wald.
bestimmter und unbestimmter
Artikel

 wissensdeiktische Funktion des


bestimmten Artikels
Bezugselement ist etwas Bekanntes,
was schon erwähnt worden ist
 Ein junger Autofahrer verursachte
einen schweren Unfall mit Todesfolge.
Der junge Mann trägt voll die Schuld
an dem tragischen Unfall.
(Situations)-Deixis

- Verweis aus dem Text heraus auf die


konkrete Situation

- „Ruth, wo ist der Hausschlüssel?“ - ‚


- „Ach Gott, irgendwo, vielleicht dort.“
Ruth deutet auf den Esstisch.
Ellipse
 A: 'Ich komm nicht mit. Das ist mir zu
blöd.‚
 B: 'Ich schon'

Hamburg hat mir nicht gefallen. Berlin


schon.
Explizite (metakommunikative)
Textverknüpfung

 wie bereits oben erwähnt


 (vgl. S.5)
 unter Punkt zwei
 gliedernde Ausdrücke - Abfolge
erstens ...., zweitens..., drittens
weitere Kohäsionsmittel
 Tempus (best. Textsorten)
 Konnektive (Satz, Text):
Konjunktionen, Konjunktionskorrelate
(deswegen)
Die Sonne scheint. Und ich muss im
Haus bleiben!
Er muss arbeiten. Deswegen kommt er
nicht mit.
Kohärenz

 lat. cohaerentia = Zusammenhang; in


der TL, inhaltlicher und
außersprachlicher Bezug
(Texttiefenstruktur) von Sätzen, die als
Text verstanden werden) - (vgl. Linke
u.a. 1994)
Kohärenz
 Erklärung (Explanation)
Max isst jetzt. Er hat Hunger.
Max kommt früher. Seine Arbeit ist noch nicht
fertig.
 Reihenfolge und Begründungsbeziehung

Der Schüler holte seine Stifte aus der Tasche


und begann zu schreiben.
*Die Kuh suchte frisches Futter und das
Unternehmen erlitt schwere Verluste.
Intentionalität
 In einem weiteren Sinn des Wortes
bezeichnet Intentionalität alle Mittel,
die Textproduzenten verwenden, um
ihre Intentionen im Text zu verfolgen
und zu realisieren. (Beaugrande/
Dressler 1981: 122)
Akzeptabilität
 die Textrezeption betreffend
 erwartet einen kohäsiven und kohärenten
Text, der für ihn nützlich oder relevant ist
 hängt von der Qualität des Textes, seiner
Kohärenz, Verständlichkeit und
Informativität ab, + von der Erwartung des
Rezipienten und dessen Bereitschaft, den
Text zu verstehen (118 ff);
Situationalität
 Betrifft die Beziehungen zwischen
Texten und den Situationen ihrer
Verwendung
 die Gesamtheit der Beziehungen
zwischen Texten und (aktuellen und
rekonstruierbaren) Situationen (169 ff).
 Langsam

Spielende Kinder
Informativität
 betrifft Quantität und Qualität der durch einen Text
übermittelten Informationen und deren
Bekanntheitsgrad
Das Meer besteht aus Wasser (bereits bekannt)
nur in dem Sinn, dass Wasser die darin hauptsächlich
(Einschränkung des Bekannten)
vorkommende Substanz ist.
Tatsächlich ist es eine Lösung aus Gasen und Salzen,
(Zusätzliche Information)
dazu kommt noch eine riesige Anzahl lebender
Organismen
Intertextualität
 Gefüge von Relationen zwischen
Texten und Aktivierung von
Kenntnissen über Texte bei deren
Verwendung.
Intertextualität
Spiegel Nr. 4 / 97
S. 9: Das Phantom der Seifenoper
Film und Musical: „Das Phantom der Oper
S. 92: Zurück in die Zukunft
- Film: „Zurück in die Zukunft
S. 164: Schwabing, Schwabing über alles - Deutschlandlied
S. 188: Elf kleine Negerlein
- - Kinderlied: „Zehn kleine Negerlein
die tageszeitung, 6.2.98
S. 4: Die Koalition schlägt zurück –
Film: „Das Imperium schlägt zurück
S. 5: Rechts vor links - Verkehrsregel
Intertextualität
 Scrisoarea a IIIa
Iata vine-un Jeep pe strada, cu un girofar pe el,
Baiazid statea in dreapta si rosti catre sofer:
- Sper ca Mircea sa ajunga, sa nu-ntarzie
din nou.
Ia vezi daca-a tras masina, langa gura de
metrou…
- N-a venit Maria Ta, zise el privind in jur…
- Si mi-a zis ca fix la 12 ne vedem langa
Carrefour.
Intertextualität: Somnoroase
păsărele", de Mihai Eminescu

Drăgălaşe păhărele Mult doritele dosare


Pe la DNA se-adună,
Dinainte-mi să se pună
Zac şi unele-n sertare
Să se toarne vin în ele, Drept arvună!
Poftă bună!

Vinovaţii mult suspină


Să golim toţi în tăcere
Când Parchetul treabă
Iar cuiva vin de nu-i place face,
Bea-atunci mai bine bere, Delatorii, în surdină,
Bea în pace! Dorm în pace!