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Fabian Mohrweiß

Matrikelnummer: 1438632

Lerntagebuch für das Seminar „Ausgewähltes Thema zur


Musikpädagogik/ -didaktik: Lieddidaktik“
Sommersemester 2017
Dozentin: Veronika Rattenberger

1.Sitzung (08.05.17)

Nach einem organisatorischen Einstieg zum Seminar und einem Test des LeHet-Projekts eines
anderen Seminars unter Leitung von Frau Puffer, begannen wir das Seminar mit dem Kanon
„Banuwa“. An diesem wurden mehrere Methoden der Einstudierung veranschaulicht, die mir
teilweise schon aus Ensembleleitung bekannt waren, wie beispielsweise Livearrangement, Call and
Response, etc. Trotz allem war es eine angenehme Auffrischung der Methoden und der praktischen
Umsetzung an einem Beispiel. Der ausländische Text des Kanons wurde als Anlass genommen auf
weitere Aspekte zu verweisen, die bei einer Liedeinstudierung berücksichtigt werden können. Ein
solcher Aspekt ist der des interkulturellen Bezugs eines Stückes, welcher meiner Ansicht nach bei
einer immer heterogener werdenden Schülerschaft, nicht zu niedrig eingeschätzt werden kann.
Als weiterer Aspekt kommen Stimmübungen infrage, die mit einem solchen praktischen Beispiel
durchgeführt werden können. Im Zuge der Liederarbeitung versuchten wir das Stück mit
Boomwhackers zu begleiten, was wie wir bald feststellten, stilistisch nicht wirklich adäquat und gut
klingend war. Daher wurde ein passender Tanz einstudiert,welcher zugleich auch noch die
Singhaltung förderte, da man automatisch in Bewegung war und somit eine gewisse
Grundspannung besaß, die dem Singen förderlich ist.
Der ziemlich reibungslose Prozess der Einstudierung ist größtenteils unserer Erfahrung und
Vertrautheit mit solchen Dingen als Musikstudent geschuldet. Dabei tauchte natürlich die Frage auf,
wie dieser reibungslose Vorgang bestmöglich auf eine Klasse zu übertragen ist. Insbesondere auf
solche, die nicht von Anfang eine übermäßige Motivation für das Singen mitbringen. Interessant
wäre es dabei Methoden zu lernen, solche Gruppen zum Singen zu bringen, aber ohne dabei eine
Atmosphäre des Zwanges entstehen zu lassen.

2. Sitzung (15.05.17)

In dieser Sitzung studierte eine Kommilitonin mit uns das „Rap-Huhn“ ein. Der Rap ist als
Sprechstück konzipiert und für eine Übergangsklasse an der Mittelschule gedacht. Durch das
Beobachten der Einstudierung anderer Kommilitonen fallen einem immer wieder Dinge auf, die
man selbst verbessern könnte, so aber nicht wahrnimmt. Im Anschluss wurde angemerkt, dass die
Einstudierung sehr stark aus langen Erklärungen bestanden hatte. Eine Vorgehensweise, die
besonders bei musikalischer Einstudierung nicht immer zielführend ist. Dies kann ich auch aus
eigener Erfahrung bestätigen. Als Lehrer hat man einen gewissen Erklärungsdrang, der schnell in
ein routiniertes Verhalten umschlägt, welches oft nicht mehr reflektiert wird und somit im
schlimmsten Falle zu einer Erstarrung der Methoden führt. Aber gerade bei der Einstudierung von
(einfacheren) Stücken macht es durchaus Sinn, die Erarbeitung nicht durch lange Erklärungen,
sondern durch Vormachen und Nachmachen lassen zu strukturieren. Besonders hilfreich sind dabei
sogenannte stumme Impulse, die vorher schon mit der Klasse eingeübt werden sollten. Diese
Vorgehensweise hat auch den Effekt, dass die Schüler meistens aufmerksamer sind, da keine Gefahr
besteht bei langen Erklärungen abzudriften. Außerdem ist es notwendig sich auf das zu
konzentrieren, was der Lehrer vormacht, um mitzukommen.

Im Anschluss an die Einstudierung, stellte Frau Rattenberger die Fragen vor, die wir in der
Eingangssitzung zur Lieddidaktik formuliert hatten. Diese sollten wir dann in Zweiergruppen in
einem GEH-spräch erörtern. Die erarbeiteten Ansichten wurden anschließend im Plenum vorgestellt
und diskutiert. Am Ende der Sitzung gab es noch etwas Input über die Unterschiede der Stimmen
von Erwachsenen und Kindern und Mädchen und Jungen.

3. Sitzung (22.05.17)

Der Einstieg in diese Sitzung erfolgte mit dem Stück „Jo in der Knopffabrik“. Dabei handelt es sich
um ein Sprechgesangstück, welches mit fast schon akrobatischen Bewegungen aufgeführt wird. Im
Stuhlkreis sitzend, wurde als Grundbaustein der „We will rock you“ Rhythmus mit verschiedenen
Instrumenten wie Boohwhackers oder Klanghölzern etabliert. Um die restliche Gruppe rhythmisch
zu beschäftigen und das Tempo weiter zu festigen, sollte diese die Viertel weiterstampfen. Die
Einstudierung erfolgte durch Call and Response. Das Memorieren des etwas längeren Textes wurde
durch das Auslegen von Bildern unterstützt, welche das textliche Geschehen abbildeten. Dies ist aus
meiner Sicht eine hervorragende Methode, da dadurch im Lernprozess auch das visuelle Register
angesprochen wird. Diese Methode werde ich auf jeden Fall mitnehmen. Es ist aber darauf zu
achten, dass sie dem Song entsprechen eingesetzt werden sollte. Durch die vielen verschiedenen
Bewegungsabläufe kann ich mir auch gut vorstellen, das Stück einzusetzen um eine Klasse mit
überschüssiger Energie wieder etwas ruhiger zu bekommen.

Als nächstes kam die Einstdierung von „ein Besuch im magischen Zoo, bei dem es sich wieder um
ein Sprechstück handelte. Die Protagonisten des Stücks waren dabei ein Huhn, eine Schlange, ein
Bär und ein Zoobesucher. Wir wurden in vier Gruppen geteilt, von denen jede einen Protagonisten
des Zoos übernahm. Jeder der einzelnen Figuren im Text bekam nämlich einen speziell
rhythmisierten Text, welche zunächst durch Vor- und Nachsprechen einstudiert wurden. Danach
wurden die verschiedenen Textbausteine als verschiedene Rhythmuspatterns übereinander gelegt.
Im Anschluss wurde versucht das Stück als Kanon durchzuführen, was nach kurzer Zeit auch
gelang. Ich kann mir vorstellen, dass sich ausgehend von diesem Stück, auch eine wunderbare
kreative Aufgabe konzipieren lässt. Und zwar ließe sich ein Thema vorgeben, wozu die Schüler
dann eben solche kurzen rhythmischen Textbausteine erfinden sollen, die anschließend dann zu
einem Stück einstudiert werden.

Anschließend überlegten wir in Gruppen, wie verschiedene Vorgehensweisen zur Liedeinstudierung


aussehen könnten. Die Vorschläge dazu wurden gesammelt und den anderen Teilnehmern
präsentiert. Danach folgte ein theoretischer Input von Frau Rattenberger, bezogen auf das Thema
Solmisation, bei dem auch die guidonische Hand erwähnt wurde. Bei diesem Konzept werden den
Tonhöhen verschiedenen Silben zugeordnet, die die jeweilige Tonstufe abbilden. Somit stellt das
Solmisationssystem ein System dar, welches die relativen Beziehungen der Tonhöhen darstellt.
Dieses Methode hat mich immer schon fasziniert, jedoch bin ich immer davor zurückgeschreckt, da
es einen großen Zeitaufwand erfordert, dieses Methodik sich so weit zu erarbeiten, dass sie
automatisiert ist. Hier sehe ich auch das größte Hindernis um dieses System im Unterricht zur
Liederarbeitung zu benutzen. Die Schüler müssten diese Methodik erst verinnerlicht haben, bevor
man damit arbeiten kann. Dieser Automatisierungsprozess, der auch viel Üben erfordert, ist im
alltäglichen Unterricht aus zeitlichen Gründen kaum zu leisten.
4. Sitzung (29.05.17)

Begonnen wurde diese Sitzung ebenfalls wieder mit einer Einstudierung. Es wurde eine kurze
stimmbildnerische Geschichte erzählt, in der ein kleiner Junge mit seiner Tante den Zoo besucht.
Diese Geschichte mündete dann in dem Lied „Was müssen das für Bäume sein“. Da das Lied den
meisten bekannt war, dauerte es nicht lange um den Text, die Melodie und die dazugehörigen
Bewegungen einzustudieren. Da wir nicht viel Zeit für die Einstudierung benötigten, wurde
überlegt, das Stück als Kanon zu versuchen – was nicht ganz so gut funktionierte.

Als zweite Einstudierung in dieser Sitzung folgte der Popsong „Pompeji“. Dadurch dass ihn die
meisten kannten (meine Wenigkeit kannte ihn mal wieder nicht), ging er auch recht schnell ins Ohr.
Dies erleichterte die Einstudierung wiederum etwas, da dadurch ein paar die den Song schon
kannten, den Rest mitgezogen haben. Dennoch gab es noch rhythmische Probleme und Probleme
bei der Mehrstimmigkeit, welche aber durch gekonntes Eingreifen der anleitenden Studentin
behoben wurden. Das Stück ist auch deshalb für Schüler passend, da es über einen für Schüler
angenehmen Ambitus und Tonlage verfügt.

Der theoretische Input erfolgte diesmal über die Themen Kinderstimmbildung, Brummer und
Stimmbruch. Da Singen für jeden eine äußerst sensible Angelegenheit ist, die oft sehr eng mit der
Persönlichkeit des Einzelnen verbunden ist, kann der bewusste und sensible Umgang mit diesen
Themen nicht zu hoch eingeschätzt werden. Dies gilt besonders für Jungs im Stimmbruch, denen oft
durch falsche Rückmeldungen („Du kannst nicht gut singen, deswegen machst du nur Percussion
etc.) der Spaß am gesanglichen Umgang mit der Stimme genommen wird. Aus eigener Erfahrung
und durch Mitgliedschaft in einem reinen Jungenchor, der von unserem Musiklehrer damals aus
diesem Grund zusammengestellt wurde, weiß ich auch das es anders möglich und durchaus
erfolgreich sein kann.

5. Sitzung

Den Anfang in dieser Sitzung machte die Einstudierung des Songs „Shape of you“ von Ed Sheeran.
Der Grundrhythmus wurde dabei mittels Boomwhackers und Bodypercussion etabliert. Dazu sollte
die Melodie gesungen werden, während ein Kommilitone am Klavier begleitete. Dies stellte sich
aber schwieriger als gedacht heraus, da viele – mich eingeschlossen – den Song trotz seines
scheinbar hohen Bekanntheitsgrad nicht kannten. Um die Einstudierung zu vereinfachen wurde
dann jeweils eine Rhythmus- und eine Gesangsgruppe gebildet.

Als zweite Einstudierung kam ein Circle Song an die Reihe. Dabei gab es drei unterschiedliche
Gruppen mit jeweils drei unterschiedlichen Melodien, die kombiniert und teilweise variiert wurden.
Diese Einstudierung war ein schönes Beispiel für eine Liederarbeitung, die ohne große mündlichen
Erklärungen funktionierte. Da die Männerstimme kaum variiert wurde und uns langweilig wurde,
bauten wir selbstständig kleine improvisatorischen Veränderungen ein.

Der anschließende thematische Teil drehte sich um das Thema Gruppenimprovisation. Wir bildeten
einen Kreis und immer fünf Personen sollten einen Akkord bilden. Dies ging dann reihum. Es
kostete etwas Überwindung nicht immer normale Akkorde, wie die gängigen Moll-, Dur- und
Septakkorde zuzulassen.
Bei der zweiten Improvisation wurde der Raum in fünf Felder eingeteilt. Jedes Feld stand für
bestimme Vokal und Konsonantkombinationen, die stimmlich umgesetzt werden sollten. Das
mittlere Feld war das „Groove- und Kommunikationszentrum“, dessen Aufgabe war es ein
ostinatohaftes Rhythmuspattern zu etablieren welches als rhythmisches Fundament diente. Die
Aufgabe war nun sich durch den Raum zu bewegen und immer die musikalische Anweisung der
verschiedenen Felder zu übernehmen, die betreten werden. Nach einer gewissen anfänglichen
Skepsis wurde das „Felderimprovisieren“ zu einer herausragenden kreativen Erfahrung.

6. Sitzung (19.06.17)

In dieser Sitzung erfolgte nur eine Einstudierung, die aber von zwei Studentinnen gemeinsam
durchgeführt wurde. Als Lied wurde das allseits bekannte „I like the flowers“ erarbeitet. Zunächst
jedoch erfolgte die Einstudierung einer Boomwhackerbegleitung. Anschließend sollten sechs
Studierende die Begleitung weiterspielen, während der Rest das Lied dazu sang. Danach kam noch
eine Klavierbegleitung hinzu. Da das Stück für uns recht einfach und schnell einstudiert war, wurde
es zusätzlich noch zu einem Kanon erweitert. Durch fehlende Klarheit bei dem Geben der Einsätze
kam es hier zu Übergangsschwiergikeiten. Dies wurde auch anschließend im Plenum thematisiert.
Eben wie Einsätze und Schlusspunkte im Dirigat am Besten gegeben werden können.

Das Sitzungsthema „Interpretation“ wurde an dem Beatles Stück „Let it be“ veranschaulicht. Dieses
Lied sollte auf unterschiedliche Weise vorgetragen werden. Beispielsweise mit Mäuschen- oder
Roboterstimme oder als Männer- bzw. Opernchor. Dies war eine äußerst lustige und bereichernde
Methode neue Klänge zu erzeugen und macht Lust auf mehr. Der Interpretation sind in diesem
Rahmen kaum Grenzen gesetzt. Des weiteren schult die Methode einen spielerischen Umgang mit
der eigenen Stimme, bei dem ganz nebenbei alle Komponenten (Brust- Kopfstimme, Stütze etc.)
trainiert werden. Zum Schluss hörten wir uns zwei Versionen des Stückes Mad World an. Viele
waren verwirrt als sich die allseits bekannte Version von Gary Jules gar nicht als Originalversion
entpuppte sondern die weitaus rhythmischere und schnellere Version von Tears for Fears. Grund
dieser großen Diskrepanz findet sich in der unterschiedlichen Interpretation des Wörtchens „mad“.

7. Sitzung (26.06.17)

Zu Beginn dieser Sitzung wurde ein zweiter LeHet Test durchgeführt, der im Vergleich mit dem
ersten Test dazu dienen sollt, ob es im Verlauf des Seminars zu einem Lernzuwachs kam. Im
Anschluss erfolgte die Einstudierung eines Gospel Mash Ups aus „Wade in the water“ und
„Sometimes i feel like a motherless child“. Bassbausteine dienten dabei als harmonische Grundlage.
Eingeteilt in zwei Gruppen, sangen wir uns unsere Lieder jeweils zu. Währenddessen wurden von
der anleitenden Studentin durch das Dirigat Änderungen in der Dynamik vorgenommen. Kleine
intonatorische Schwierigkeiten wurden recht schnell behoben. Am Ende wurden die Gruppen noch
getauscht. Das Arrangement und die Liedauswahl war äußerst gelungen. Ich denke, dass sich
besonders mit Gospelsongs Schüler mitreißen lassen, da diese über eine spezifische Energie
verfügen, die einfach ansteckend ist.

Bei der Einstudierung des zweiten Songs wurden fünf Leute ausgewählt mit Bechern das
Rhythmuspattern des „Cupsongs“ zu klopfen. Auf diesen Rhythmus sollte der Rest nun „Yellow
Submarine“ singen. Trotz der Bekanntheit des Stückes kam es bald zu Problemen in Kombination
mit der rhythmischen Begleitung. Dieses wurde schnell identifiziert. Das Problem bestand darin,
dass hier der binäre Rhythmus des „Cupsongs“ auf den ternären Rhythmus von „Yellow
Submarine“ traf. Eine weitere Schwierigkeit bestand darin, dass die Begleitung mit den Bechern das
Tempo nicht halten konnte und der Song somit immer auseinanderzubrechen drohte.
Als letztes Stück wurde er Kanon „Endaleja“ eingeübt. Als Begleitung wurde Bodypercussion
eingesetzt. Durch den etwas schwierigeren Text gestaltete es sich etwas komplizierter, Gesang und
Bewegung zu koordinieren, da viele so mit dem Text beschäftigt waren. Aus zeitlichen Gründen
entfiel der inhaltliche Teil der Sitzung.
8. Sitzung (3.07.17)

Eine angenehme Abwechslung war die erste Einstudierung, bei welcher bei der Erarbeitung eines
Sambas nur auf perkussive Instrumente zurückgegriffen wurde. Dies sorgte natürlich für eine
äußerst „lautes Klangerlebnis“. Zuerst wurden verschiedene Samba Rhythmen als Bodypercussion
durch Vor- und Nachmachen erlernt. Diese verschiedenen Patterns wurden dann auf Klanghölzer,
Agogos, Trommeln, etc. übertragen und übereinander gelegt. Anschließen wurde noch angeboten
auf einer Snare Drum eine Solo über dieses rhythmische Geflecht zu improvisieren.
Gerade ein solches Element, welches nur rhythmisch ist, eignet sich um für Abwechslung im
Liedreportoire zu sorgen. Desweiteren eignet sich dergleichen besonders für Jungs, die aufgrund
des Stimmbruchs nicht singen wollen oder können, als angenehme Alternative. Außerdem besteht
eine grundlegende körperliche Verbindung zwischen Rhythmus und eigenem Körper und sollte
daher nicht vernachlässigt werden.
Als zweites Stück wurde „Viva la Vida“ von Coldplay einstudiert. Auf den etablierten Grundbeat
wurde die Begleitung mit Boomwhackern gespielt. Dabei war es besonders wichtig die Synkopen
besonders deutlich zu spielen. Da den Song alle im Ohr hatten, gelang die Einstudierung äußerst
reibungslos.
Das letzte Stück in dieser Sitzung war „Ich wär' so gern wie du“ aus dem Film „Dschungelbuch“.
Da dieses Stück auch recht bekannt war, gelang die Einstudierung auch äußerst schnell. Interessant
dabei waren die verschiedenen Shouts, die als Fill Ins anschließend auch wechselseitig kombiniert
wurden.
Das Ende der Sitzung wurde mit dem Nachholen des Themas „Liedbegleitung“ bestritten. Dabei
schauten wir uns einen Film einer Einstudierung eines Lehrers und seiner Schülerband an. Die an
uns gestellte Aufgabe war, Verbesserungsvorschläge zu der Einstudierung zu geben, worauf wir
auch einige sammelten (Sitzordnung ändern, Schüler, die gerade nichts zu tun haben, sollen andere
Schüler beobachten, Lehrer sollte seine Position im Raum verändern). Der eigentlich für diese
Stunde vorgesehene Inhalt „Liedbearbeitung und Diversity“ wurde auf die folgende Stunde
verschoben.

9. Stunde (10.07.17)

Den Beginn der Stunde machte diesmal ich und zwar mit dem namibianischen Song „Okaana ka
meme“. Den Song hatten wir damals mit unserem Chor für unserer Afrikareise einstudiert und war
mir daher gut bekannt. Weitere Gründe für die Entscheidung zu diesem Song, war die relative
harmonische Einfachheit solcher afrikanischen Lieder, sowie eine gewisse Eingängigkeit. Ähnlich
wie bei Gospels wird man aber auch davon mitgerissen. Ich versuchte die Einstudierung ohne
Notenmaterial und nur mit Hilfe des Textes. Bald stellte sich heraus das einige Phrasen zu lang
waren um sie sofort nachzusingen, worauf ich die vorgesungenen Phrasen verkürzte. Nachdem Alt
und Sopran relativ stabil waren, machte sich ein weiteres Problem bemerkbar, welches ich nicht
einkalkuliert hatte. Und zwar tat ich mir tatsächlich etwas schwer die Bassstimme dagegen zu
singen. Was einerseits an Sprüngen in eben dieser lag und daran, dass sie mir teilweise zu tief war.
Allerdings konnte ich sie auch nicht höher vorsingen, da das den Charakter der Basslinie, der für
dieses Stück eben immens wichtig ist, zunichte gemacht hätte. Die rettende Idee, die Bassstimme
mit dem Klavier vor- und mitspielen. Dies hatte zur Folge, das es stabiler wurde und gleichzeitig
stimmschonend war. Da ich die Einstudierung ohne Noten und nur anhand des Textes durchführte,
dauerte diese natürlicherweise etwas länger, was aber so mit eingeplant war. Besonders für solche
Songs, die früher oft nur mündlich überliefert wurden und auch durch ihre Entstehung solche
Strukturen aufweisen, ist es durchaus von Vorteil diese eben ohne Noten zu erarbeiten. Dadurch
wirkt das Singen auch viel freier, wenn der Song erst mal steht.
Zu den darauffolgenden Songs „Entchen“ und „Früchte Kanon“ habe ich mir leider nicht mehr
Notizen angefertigt.
Zum Abschluss der Stunde führten wir eine Diskussion über Singstar/Karaoke im Unterricht, bei
der die Meinungen äußerst auseinander gingen. Das reichte von Standpunkten wie „pädagogisch
wertvoll“ bis zu „für die Schule überhaupt nicht geeignet und auch unter musikalischen,
stimmlichen Gesichtspunkten nicht zu vertreten“. Ich zähle mich bei dieser Diskussion durchaus
eher zur letzteren Gruppe. Ich finde, dass man Karaoke durchaus mal im Unterricht machen kann
zur Auflockerung und als kleinen Motivationsschub. Darüber hinaus finde ich jedoch, dass Karaoke
im Unterricht nichts zu suchen hat. Besonders die Liedauswahl bei solchen Karaokeformaten
begünstigt einen eher schädlichen Stimmumgang, was ich auch selbst immer wieder feststelle. Und
die Aufgabe als Musiklehrer besteht mitunter darin, solche ungünstigen Stimmhaltungen nicht zu
fördern oder gar zu begünstigen.

10. Sitzung

Zu Beginn der Stunde wurden die nun ausgewerteten LeHet Tests vorgestellt. Im Anschluss daran
füllten wir den obligatorischen Evaluationsbogen zu dem Seminar aus.
Danach erfolgte die letzte Liederarbeitung mit „Zwei kleine Wölfe“. Äußerst passend -besonders
für Grundschüler- wurde darauf mit einer Geschichte hingeführt. Da jedem das Lied bekannt war,
konnten wir auch sofort dazu übergehen, dieses als Kanon einzustudieren.
Der letzte inhaltliche Teil drehte sich um das Thema „Störungen im Unterricht und in Proben“.
Wirklich angemessen auf solche Störungen zu reagieren stellt immer wieder eine Herausforderung
dar. In einem anderen Seminar hab ich dazu gelernt, wie wichtig es ist, sich schon im Voraus
Gedanken darüber zu machen, wie man reagieren könnte. Wichtig dabei ist auch entspannt zu
bleiben, um angemessen zu reagieren. Da man, wie ich aus eigener Erfahrung selbst schon
festgestellt habe, eher unangemessen reagiert, wenn man zu stark angespannt ist und sich zu schnell
aufregt. Das wird auch von den Schülern registriert, die sich so etwas sehr gut merken. Dies
erschwert wiederum den Umgang in späteren ähnlichen Situationen.

Fazit:

Mir hat das Seminar insgesamt sehr viel Spaß gemacht, besonders dass man eigentlich immer
praktisch gefordert war. Viele der Inhalte waren mir unbewusst aus meiner langjährigen
Chorerfahrung schon bekannt. Allerdings hatte die Vorgehensweise praktische Anteile mit
Reflexionen über das Stattgefundene zur Folge, dass dieses Wissen wirklich verankert wurde und
man auch eine Vorstellung bekam, wie man damit in der Praxis souverän agieren kann. Ebenfalls
war es von Vorteil Erfahrungen aus Ensembleleitung anzuwenden und vertiefen zu können.
Faszinierend war, dass das Thema Liedeinstudierung von sehr vielen Seiten beleuchtet wurde, was
einem wieder ins Gedächtnis ruft, wie viel dabei zu beachten ist. Allerdings erschließen sich
dadurch auch mannigfaltige Vorgehensweisen bei der Einstudierung und der Motivation.
Zusammenfassend gesagt ist die Kombination aus praktischen Teilen und die Reflexion über diese
Praxis, die aber immer mit dem Ziel erfolgte, die momentane Vorgehensweise zu verbessern,
äußerst gelungen.