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an der Sdrw eizergre rrze

; Ein Bcitrag zum nadrbarlidren Yölleerreöt

DISSERTATION
der reüls- und slaalswissensöaftlidren
Fakulläl
der tlniversitätZüridr
zur

Erlangungder Würde eines Doklors beider Redrte


vorgeledl von

HANSBECtrER
von ENNENDA (Kt Glarusl
genchmlgt auf Antrag von

Herrn Prof. Dr. D. $diindlcr.

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Ein Beitrag zum n

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Vl t-1^ Professor Walther Hug
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a n d i e H o c h s c h u l eS t . G a l l e n
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von ENNI
' genehm

Herrn Prof
Die Rechtsverhältnisse
an der Schweizergrenze
Ein Beilrag zum nadrbarlidren Völkerrcdrt.

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DISSERTATION
der rechls-und staatswissenschafllichen
Fakultät
der Universität
Zürich
zur
Erlangungder Würde einesDoklors beiderReöte
vorgelegt von

HANSBECKER
von ENNENDA (Kt. Glarus)
genehmigf auf Anfrag von

Herrn Prof. Dr. D. Sdrindler.

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M+ ÄqgÜ'
L'-
Die redrts- un{ staatswissensctraftlicheFakultät gestattet
hiördurch die DrucklegungvorliegenderDissertation,ohne damit
zu den darin auigesprodrenen Anschauungen Stellung zu
nehmen.

MeinenElternin
Z ü r i d r , d e n 1 1 .J u l i 1 9 3 1 .

Der Dekander redrts-und staalsw.


Fakultäf:
Prof. Dr. M. Sailzcw.
gewidmet!
MeinenElternin Dankbarkeit
LI
Allg

Dir

H e r r n P r o f . D r . D . S c h i n d l e r d a n k ei c h a u c h a n d i e s e r
Stelle für die woh]wollende Förderung, die er der auf seine An- Oie V8tterrechtsgemein
regung hin verfassten Arbeit durch seinen Rat hat angedeihen Nebeneinanderbestehens versc
gegrenztenH err schaftssphärer
lassen.
bereich.
Ebenso danke ich für wertvolle Untersfützung der fürstlich Daraus folgt, dass kein
Gesandtschaftin Bern, den Kreisdirektionen II
liechtensteinischen dass alle Glieder der Staat
unabhängig sind. Man rvär
und III der S.B.B., der Direktion des BadischenBahnhofesin
theoretischdurchaus richtig i
Basel, der StaatskanzLeides Kantons St. Gallen, Herrn Ständerat der Unabhängigkeit, ein Sta
E. Thalmann, Basel, und Ilerrn F. Leuzinger-Becker,Dienstchef lassen kann, was er will, un1
beim Volkswirtschaftsdepartement,Bern. jure suo utitur, neminem lae
Allein dieses Frinzip ki
Der Verfasser. ein von allen andern Staaten
welches die Ausstrahlungen
voll wirksam gestalten könr
nicht so.
Die Staaten haben sich r
gemeinschaftverbunden; sie
Unabhängigkeitist in versch
Das will nicht sagen,da
die-serhalbnicht mehr innege
heute gehemmt isf, seine Hr
hat er doch ein Recht, von dr
sie diejenigen Handlungen u
fügen würden.
Aber auch diesesRecht r
wenn ein Staai das Recht ar
verfechtenwollte, so würden
Wir sehen: Die Gelten
hoheit und der absoluten In
I. Kapilel.

Allgemeines.

$1.
Die Lehre.
<On ne peut vivre sans ötre voisin>
(Fournel, Traitd du Voisinage).
Die Völkerrechtsgemeinschaft beruht auf dem Gedankendes
)iebeneinanderbestehens verschiedenerStaaten mit gegenseitigab-
gegrenztenHerrschaftssphären,mit gegenseitiganerkanntemMächt-
:ereich.
Daraus folgt, dass kein Staat den andern verletzendarf und
dass alle Glieder der Staatengemeinschaft gleichberechtigtund
:nabhängig sind. Man wäre nun versucht, anzunehmen- was
:hecretischdurchausrichtig ist - dass, inlolge des Grundsatzes
,jer Unabhängigkeit, ein Staat auf seinem Territorium tun und

',-cjl wirksam gestalten könnte. Dem


ist nun aber heutzutaqe
:licht so.
Die Staaten haben sich mehr oder weniget zu einer Staaten-
gemeinschaftverbunden; sie sind aufeinanderangewiesen;ihre
Unahhängigkeitist in verschiedener Hinsicht tangiört worden.
Das will nicht sagen,dass der Grundsatzdes Nichtverletzens
dieserhalbnicht mehr innegehaltenwürde. Wenn auch ein Staat
?.evtegehernmtist, seine Hoheit überall geltend zu machen, sg
hat er doch ein Recht, von den andern Staaten zu verlangen,dass
sie diejenigenHandlungen unterlassen,welche ihm Schädenzu-
iügen würden.
Aber auch diesesRecht scheintuns beschränktzu sein. Denn
u'enn ein Staat das Recht auf absoluteIntegrität seinesGebietes
','erfechtenwollte, so würden unausbleiblicheKonflikte entstehen.
Wir sehen: Die Geltendmachung der absolntenTerritorial-
:oheit und der absolutenIntegrität stossensich. Diese völker-
rechtlichenPrinzipien müssensich gegenseitigbeschränken.Wür-
den sie in ihrer Absolutheit geltend gemacht,so wäre eine zwi-
schenstaatlicheRechtsordnung unmöglich und ein friedtriches
Nebeneinandersein, eine Gemeinschaftder Staaten,undenkbar.1)
Auf diesen Grundsätzenberuht das Recht, welchesdie Be-
ziehungender Nachbarstaaten untereinanderregelt (zwischenstaat- 4

liches Recht). Alle Beschränkungender Souveränität,speziell


der Gebietshoheit,fallen darunter. Dazu gehörendie sogenänn-
ten Staatsservituten ( s e r v i t u t ejsu r i s g e n t i u mn a t u r a l e s ) .
,,Das Recht des Staates, auf desseneigenemGebiet aTleszu ttrn,
was ihm gut dünkt, ist aber schondurch die Pflichten beschränkt,
die aus dem Selbsterhaltungsrechte der Nachbarstaaten entstehen.
Man hat hier, wie im Privatrechte,den Begrilf von natürlichen
Servitutenoder besservon Nachbarrechten aufgestellt. Der Satz:
In suo quisquefacere non prohibitur, dum alteri non nocet (U1-
pian, I, 1 S 11 D. XXXIX 5) gilt auch für die Verhältnissezwi-
schenStaatenwie zwischenPrivaten."2)
Es wäre einfach und verlockend,alle Beschränkungender
Souveränitätan der Landesgrenzeals Servitutenzubezeichnen,als
Lasten, die von einem Staat dem andern aufgelegt werden und
ihn in bestimmten Beziehungen in seiner Bewegungsfreiheit
hemmen.
In der Volkerrechtsliteraturist aber heute der Begriff der
Servitutennoch lebhaft umstritten; zudem scheintes uns, als ob
er nichf nötig sei, das Wesen der an der Crenze sich ergebenden
Rechtsverhältnissezu erklären.
Zuvörderstseien deshalbkurz die widerstreitendenAnsichten
über den Servitubenbegriffgeschildert.
Die Anhänger diesesInstituts macheneinen Unterschied
zwischen den Servituten und den rein obligatorischenRechts- [;i-i- :-::..: >-. :
verhältnissen unler den Staaten. Sind dte letzteren an zeitlicfue
Klauseln gebunden,so führen die erstereneine von den sie be-
gründenden Verträgen unabhängigeExistenz. Die Servitut ist
dauernd, d. h. sie ist mit dem Staatsgebieteals solchem ver-
knüpft und bleibt bestehen,ohne Rücksichtdarauf, ob der ,,die-
nende" oder ,,herrschende"Staat derselbebleibt oder nicht. Es
gibt negative und atfirmative Dienstbarkeiten. Erstere bestehen
in einem non faciendo,einem UnterlasseneineseigenenHoheits-
rechtes,letztere in einem patiendo,einem Dulden eines fremden
Hoheitsrechtes. Subjekte der völkerrechtlichenServitut können
nur Staaten sein, nicht Privatpersonen. Begründet werden die
Servituten in Hauptsachedurch Vertrag; selten ist eine Begrün-
dung durch unvordenklichen BesTtz. Die Servitut geht unter
durch Verzicht des berechtigtenStaatesauf das Recht der Servitut
und durch confusio,d. h, durch Vereinigungdes herrschenden mit
dem dienendenStaate.
t) Liszt,S 7, I, 1.Schulthess, 25.
2) Rivier, 191.

6
marschsrechte durchausanal,ogzu konstruieren,indem jenes den
Ks,sprstK ast Brs\r\rsrrg bts\rsrtrs\rr $rr.lr\bralü\urrgen, ültses ürn
Anspruch auf Duldung bestimmter Staatshandlungönin einem be-
stimmten Raume bedeute etc. Ein wesentlich känstruktiver IJn-
terschied zwischen der staatsdienstbarkeitund der privatdienst-
barkeit bestehenicht.
, _v: Waldkirch (200) lässt Servituten nur gelten,wenn es sich
handelt um völkerrechtlichePflichten, die ein Staat nicht bloss
auf Grund einesRechtsverhältnisses mit einembestimmtenandern
Staate eingenommenhat, sondern gegenübereiner Mehrzahl an-
derer Staaten. Sie beruhen regelmässigauf einem allgemeinen,
zahlreiche Staaten berührenden Interesie und seien v6n unbe-

zu Bedenken Anlass qeben."


Die G_eg n e r de"r Servitutenlehresagen, dass Gegenstand
von Staatsdiänstbarkeitennur Eigentumsreöhtesein könien. Es
sei nicht haltbar bei der gegenwärtigenAusbildung, Einheitlich-
keit und Unteilbarkeit der Staatssouveränität,Einschränkungenin
Bezug auf die Ausübungoder Nichtausübungvon Hoheitsrechten
vorzunehmen. ,,Die Verpflichtung zu einer solchen Staatsdienst-
barkeit widerspricht der Souveränitätswürde eines Staates" (Bul-
merincq). Ueberdies,sagen sie, ist der sachenrechtlich'privat-
rechtliche Begriff der Servitut für das öffentliche Recht weniger
geeignet. Liszt (15i), Gegner der Servitufen,sagt, es sei völlig
irreführend, von positiven und negativen Servituten zu sprechen.
Es fehle der dingliche CharakterdieserBerechtigungen, abgesehen
davon,dassan Stelle des praediumdominansder berechtiEteStaat
trete. Von einem dinglichen oder absoluten,an dem Grundstück
haftenden Charakter des Rechtsverhältnisseskönne keine Rede
sein. Er verwirft die Tlieorie, als ob die Servitut eine dauernde
Beschränkungder Gebietshoheitsei.a)
Liszt macht dann aber noch eine andere Unterscheidung,dia
sich auch bei v. Waldkirch findet, nämlich: Wenn bei einer Ver-
pflichtung, die Ausübung von Hoheitsrechtenzu unterlassen,die
Bindung des verpfiichtebenStaatesnicht im einseitigenInteresse
seines Vertragsgegners,sondern, etwa durch einen Kollektiv-
vertrag,im allgemeinenInteresseerfolgt, dann ruht die Verpflich-
tung ailerdings auf den Gebiet,so dass sie bei Gebietsveränder-
ungen aul den Errverber übergeht; dann nimml sie dinglichen
Charakter an. Liszl (236) begründet aber die Ablehnung der
Servitut weiter wie folgt:,,Völkerrechtliche Rechtsverhältnisse
sind Rechtsverhältnisse zwischenStaaten,bei denena1sberechtigt
und verpflichtetStaateneinandergegenüberstehen. Rechtsverhä1t-
nisse sind nur dann völkerrechtlicheRechtsverhältnisse, wenn cier
Inhalt dieser tserechtigungen und Verpflichtungendie Ausübung
von Hoheitsrechtenausmacht,also von solchenRechten,die Aus-
fluss der Staatsgewaitsind. Nur soweit die Staatsgewaltselbst
als Herrschaft über Menschen,als Befehls- und Zwangsgewalt,
gebundenoder berechtigtwird, kann von einem völkerrechtlichen
Verhältnis die Rede sein, Daraus ergibt sich, dass der Begriff
der völkerrechtlichenServitut unhaltbar ist. Denn wenn es sich
wirklich nur urn die Einräumung eines dinglichen Rechtes an
fremder Sache handelt, so liegt ein völkerrechtlichesRechts-
verhäitnis überhauptnicht vor. Hat aber ein Staat dem andern
die Ausübungvon Hoheitsrechtenauf seinemGebietgestattetoder
sich in der Ausübung seiner Staatsgewaltvertragsmässigbe-
schränkt, so ist von einem dinqlichen Rechte an fremder Sache
a) Er erwähnt folgendes Beispiel: Wenn Russland auf einer fran-
zösischen Insel eine Kohlenstation eingeräumt erhält und später Eng-
land diese französische Insel err,virht, so kann durchaus nicht behauptet
werden, dass der Errverber des bestehenden Gebiets ohne l'eiteres in
die \terbindlichheiten seines Vorgängers einrücht. Es ist vielmehr in
einem solchen Falle Sache des Veräusserers, den bisher Berechtigten
zu entschädigen, wenn diescr nicht ausdrüchlich oder stillschweigend
durch vorbehaltlose Einrvilligung in dic Gebictsveränderung auf sein
Recht verzichtet.

8
:::t mehl' die Rede. Entweder Einschränkungdes Dominiums:
-.:l entfällt die Anwendung des völkerrechtegoder Einschrän-
"..:_gciesImperiums: dann entfällt der Begriff der Servitut.,.
,{enrich (Strupp, Wörterbuchdes VR und der Diplomatie,554)
--:-ri die Servituten ebenfalls ab. Die Staatsservitutenitetten
r r:::e KonstituierungdinglicherRechtedar, es sind Verträgc,wo-
--,..chsich die Staatenauf eine von der normalen vötkerröcirtiictr

'-::rg einer irreführenden,der Diplomatensprache


entlehntenTer-
-:iologieund deswegen,weil, eine der kontrahierendenparteien

- '::q des besetztenGebietes erlösche die Servitut. positive und


: -:ative Staatsservitutengebe es nicht; eventuell seien sie alle
'.-:ativ. Fleischmann
(Liszt, 131) kann sich Liszts schr,offer
,rilffiilP"'
-:-:lehnungder Staatsdienstbarkeiten nicht anschliessen.Er rneint,
: -'.-atrechtlicheEinflüsseseienim völkerrechtseit altershernach-
''--sbar; eine Identifizi,erungmit den Dienstbarkeiten
des privat-
::::tes lehne man ja ab, es würde aber überscharfsein. wenn
:' :t eine blosseParallele - wie sie der Name andeutet_. die
,::it bindet, aber doch Ergänzung bieten kann, schlechthin ver-
'.,'rrle.

--e_R_egelung des Verkehrsin d,enGrenzbahnhöfen, der Fischerei


.;rd Schiffahrt auf Grenzflüssenund -seen? Erge'bensich clabei
-ie'"vichtigenund schwerwiegenden Belastungend-esStaatsgebiets,

lilWlll
sind die Beschränkungen an der Grenzedauerndmit dem Gebiete ,isz1 12161 umschreib
verbunden.beruhen diese völkerrechtlichenPflichten auf einem .-::- :. - zu: \'erkehr: ,,äu
aligemeinen,zahlreicheStaatenberührendenInteresse? Wir glau- :.'-l:: :.;: -:- daSdie Gt::ti:'
ben nicht. Das geht ruch unzweideutig aus dem Charakter cler .::,:- .-:- Rtihi und Piiir: ,
--, ..-.. ,::igen Jtliigli.i::
Verträge hervor: Es sind Verträge, die Rechte und trflichten
der kontrahierenden Staaten festlegen, die sie zu beobachten E . - : , i - i l c i e sV e r k e h r s .
haben, wenn sie miteinander in geregeltenVerkehr treten und : - , : ' - - : a t i s c h e rB e z i t ' ' .
die nötig sind, wenn sie d'och ihre Unabhängigkeitbehauplen -.. -'- ierner die L-nir.
wollen. Geht es deshalbniclrt an, statt die umstritteneServituten- -:-.-.- S.::ler. i-: :::
theorie hier anzuwenden,die Regelung der völkerrechtlichenBe- ----":,.riiiciet. Es litgL
ziehungen an der Landesgrenzeals Vertragsrecht zu betrachten, - . -- - . - : d i e A n g e h : : : .
d a s s i c h e r g i b t a u s d e n G r u n d r e c h t edne r U n a b h ä n g i g k e i t .-=..ziiche GleichstellLii
--.. ..:;::n Staatsaigi:
und des Verkehrs, die das Völkerrechtdem Staateverliehen?
Als Vertragsrecht,welchesdie Souveränitätdes Landes tangiert, :-"---:- ,,-. \\'aldkirci t:-
ge'*'iss, aber nicht in dem Masse, wie der Begriff der Servitut :.::l \-erkehrstelii nt::
es verlangt, als Vertragsrecht,welches leicht abgeändertwerden - - - - : - , , r'-,nq
a
der
Änr Staata:.
S1=air-

kann, welchesnichts Ausserordentliches an sich hat und sich rei- - -: " _ i . ' r , : c i e r o r r r n cS
i -:
bungsloseinfügt in das übrige völkerrechtlicheVertragsrecht. r -,-
_ L r
S,laat
P L U U L
artrrd<ä+2"

Wir möchtendaher a1leVerträge,die die Schweizmit ihren Staaten zu unierhal'i.


--:i diesesRecht u::
Nachbarstaatenabgeschlossen hat und die die Souveränitätan
der Landesgrenze berühren,als Emanationendes Rechts auf Ver- =-',-erständlichbelia.
kehr und aut Unabhängigkeitbetrachten. -'
..,. Aufgabe, dia
Uebergeordnetbleibt die Staatengemeinschaft, denn ohne sie zr-innt rrrq zir tir-;'
wären Rechte auf Verkehr und Unabhängigkeitwirkungslos und
würden, in leerem Raum stehend, ihre Aufgabe nicht erfüllen Denken n'ir an :;
können. Ohne Staatengemeinschaft kein Recht auf Verkehr, kein :,::: ',, Gesaitdtschaiis- :-,:
Recht aut UnabhänEigkeit.s) Ein- undÄusir::.:-
Was bedeutetnun aber das Recht auf Verkehr? --- ':.- ',":,i Schilisverke
r:, ;
. -. ::',--:=slichder L tb,ir:
,,So11ein dem höchstenZiel des Völkerrechtsentsprechender - -. -' j i .:z der Freizügi:. .:
Verband unter Nationen bestehen,so müssensie sich auch einern
- -: - r:.Iizeiliche Nassr:::
gegenseitigen Verkehl für ihre geistigenund materiellenBeclürf-
nisse öffnen." (Heffter,74.) Jeder Staat kann vermöge cles
Grundrechtesauf internationalenVerkehr verlangen, dass sein
Interesse,mit andern Staaten in einen gewissendiplomatischen
und wirtschaftlichen Verkehr zu sfehen, rechtlich anerkannt und
gewahrt werde. Dieses Grundrecht (,,Soziabilität", jus coffi-
mercii) ist die rechtliche Voraussetzungder freien Fremden-,
Zoll- und Handelspolitik eines jeden Staates,findet aber eben in
dieser Politik auch seine Begrenzung:es steht jedem Staate frei,
Personenund Waren von seinem Gebiet ab- und auszuweisen,
welche er nicht in demselbendulden will, und kein Staat braucht
sich Vorschriften in Bezug auf seine Zollpolitik, Fremdenpolizei
etc. aufoktrogierenzu lassen,
5) ,,Das Recht auf internat. Verhehr entspringt direkt aus der Exi-
stenz der internat. Gemeinschaft und liegt dem Völkerrecht selbst zu
Grunde: fehlten die internat. Beziehungen, so wären klärlich auch keine,
auf dieselben anwendbaren Rechtsnormen vorhanden." (l\{artens I, 306).

10
Liszt (216) umschreibt folEendermassenden Begriff des
Lachtes auf Verkehr: ,,Aus dem Grundgedankendes Völker-
,:chts, durch das die Gemeinschaftder Staatenkonstituiertwird,

:en übrigen Staaten,clie im Abschlussvon Staatsverträgen ihren


-iusdruck findet. Es liegt darin endlich die Erschliessungdes
-andes für die Angehörigen der übrigen Staaten und deren
irundsätzliche Gleichstellunguntereinanderund möglichst auch
:rit den eigenenStaatsangehörigen."
Auch v. Waldkirch (214) spricht sich ähnlich aus: ,,Beim
Recht auf Verkehr steht nicht die unabhängigeExistenz und die
Gieichordnungder Staaten, sondern das Moment der Gemein-
schaft im Vordergrund. Sein wesentlicherInhalt besteht darin,
dass jeder Staat grundsätzlichberechtigtist, Beziehungenzu den
andern Staaten zu unterhaTten.Innerhalb der Völkerrechtsoemein,
sclraftwird diesesRecht und die entsprechende Pfliclrt {ercdezu
als selbstverständlich
betrachtet."
Unsere Aufgabe, die Verhältnisse an den Grenzen zu be-
trachten,zwingt uns zu einer Einschränkung,denn das Recht auf
\-erkehr ist für alle möglichen staatlichen Beziehungenvon Be-
deutung. Denken wir an den amtlichenVerkehr (das aktive und
passive Gesandtschaf ts- und Konsularrecht), an clen Handels-
'''erkehr(Ein- und Ausfuhrbewilligungen -verbote),
und den Eisen-
bahn- und Schiffsverkehr,an das Recht auf Durchgangsverkehr
t ernschliesslichder UebermittelunEvon Nachrichten), an den
Grundsatz der Freizügigkeit der Personen von Staat zu Staat
I durch polizeilicheMassnahmenzwar eingeschränkt).
Das Grundrechtauf Verkehr steht nun in engstemZusammen-
iang mit der Verkehrsfreiheit. Durch den Fortschritt der Tech-
lik, besondersder Verkehrsmittel,sind der Güteraustausch und
die Bewegungder Menschenvon Staat zu Staat stark gefördert
-*-orden.
Der Verkehr muss daher möglichst genau geordnet werden
'-inddie Ausgestaltungdesseibenmuss ins Einzelnegehen.
Des-
lialb müssenalle Schrankenfallen, die ihn hemmenkönnten (un-
ter Vorbehalt des Rechtes auf Unabhängigkeit). Das Prinzip
Cer Verkehrsfreiheitmuss daher jeder Staat postulieren,der ver-
riehrshindernde Fesseln sprengenwill. Der Verkehr mit andern
Staatenmuss gefördert,Güteraustausch und Personenverkehr über
lie Grenze.so viel als möglich begünstigt werrien.
Was tür ein Verkehr aber vollzieht sich an den Grenzstatio-
':.en,in den Grenzortschaften,
an den Grenzflüssen?

11
Der Verkehr im technischen Sinne,0) die Eisenbahnen,
Schiffe, Flugzeuge, der Verkehr der Grenzbewohner untereinan-
der, die Nachrichtenübertragung.Dieser Verkehr im technischen
Sinne (und damit das Prinzip der Verkehrsfreiheit)verrnaEsich
aber nicht schrankenlosauszuwirken. Ihm steht vor allern das
Recht auf Unabhängigkeitentgegen,das es jedem Staat als er-
'li.ünschterscheinenlässt,z) in der Staatengemeinschaft als mög-
lichst starka Persönlichkeit dazustehen und von fremden Ein-
flüssefrnur soweit berihrt zu werden. als dies mit seiner Seibstän' --a:a:, r:,,1
digkeit vereinbarist.
Dieses völkerrechtlicheGrundrechtwird, mit andern Grund-
rechten, denen auf Cleichheit,ÄchtunE, Verkehr zusammen,von
einer neuern völkerrechtlichenRichtung (Jeliinek, Triepel, Heitr' -:: l:: :1. ::, . l.-i
born u.a.) abgelehnt. Teils werden sie als ,,naturrechtliche"
Truggebilde vö11i9verworfen, teils wird nur ein einzigesGrund'
recht, das Recht auf Selbsterhaltung,gelten Eelassen. Strupp
z.B. anerkennt,dass in den Lehren von den Grundrechtenein
richtiger Kern stecke; er weist aber darauf hin, dass es sich
bei den Grundrechtssätzenufti gewisse, allgemein anerkannte
Univelsalvölkerrechtssätze handelt, an die jeder Staat mit seiner
Anerkennurrga1sVölkerrechtssubjekt gebundenist.
Das Recht auf Unabhängigkeitberuht aber unmittelbar auf
dem Begriff und auf dem Wesen des Völkerrechts. Es ist einer
der Rechtssätze,die aus dem Crundqedankender Gleichberech-
tigung folgen und durch rvelcheRechteunelFflichten cler Staaten
untereinanderbesiimmt u'erCen,die keiner besonderenvertrags-
rnässigenAnerkennungbedürfen,um binciendeKraft zu besitzen.
,,Sie bilden den festen Crundstock des unqeschrieLrenen Völker-
rechts, seinen ältesten,wichtigsten,heiligstän Besfand." (Liszt,
116). Es sind nicht ,,naturrechtliche"
Truggebilde,sondernRechts-
norruen,die der Form ausdrücklicher RechtsseLzung nicht bedürfen,
weil ohne sie ein Völkerrecht gar nicht denkbar wäre.
JedereinzelneStaat hat den Anspruch,sein eigenesstattliches
Dasein zu wahren (Recht auf Selbsterhaltung), und er hat gegen-
über andern Staaten seine Selbständiokeitzu wahren (Recht auf
Unabhängigkeit). Das Recht auf Seib"sterhaltung liegt äalin, dass
jeder Staai das Recht hat, alle Massnahmenzu treffen, die zur
M/ahrungseinerExistenzunerlässlichsind. JedemStaatesteht es
frei, die Mittel zur Selbsterhaltunsselbst zu rvählen (Organisa-
tion der militärischenKräfte uswl, a)
-,{--ll
Der Kern des Rechtesauf Unabhängigkeitaber liegt darin, lffr'l l[ t'l: -- - - : a:- :; r
dass sich der Staat selbständigorganisierenkann (VerfassunE, ;--- ; :f r-,q. S-t.t -. - - :' _ .'_
=;:.: -i:,-r::in--.i- :- - -- -:
6) ,,L'inter\rerkehr im technisciren Sinne r,r.erdenctrieEinrichtungen
zusammengefasst, die der Ueberrnittlung von Nachrichtcn, dem Aus- : - - -- - - --__
- _- :_
tausch von Gütern und der Beförderuns der trIenschen von Staat zu
Staat dienen.''(\\'aldkireh, 218). .-r-:" -l:i.:j'-,: -r. : l : ., : iri '
z) Waldkirch, 237. li:,-l--n::s:::t:t ti r---- ----- -'
8) Waldhirch, 290 ff. . . : . i i a u : : . : - : : . - : - - - - -l

12
--s.izgebung, Rechlsprechungund Verwaltung soll er frei ord_
... .;önnen). Ferner hat jeder Staat das Reiht, seine H,oheits-
-- ::r:e frei auszuüben.
DiesesRecht kann er aber dr-rrchdie Ein-
'-.ung von verträgen
mit andern Staatenin mannigfacherweise
.-scnränken. Kein Staat, eine weitere Folge des Rechtes auf
--:-abhängigkeit, unterliegt der Gerichtsbarkeiteines andern Staa-
:.s Diese Befreiung wird auch angewandt auf einzelne.sIaa?
-::e Beamte,wie z.B. auf Grenzkommissare, die sich in Aus-
. : ing ihrer amtlichenTätigkeit in das GebieteinesfremdenStaa-
-.s zLt begebenhaben.

len, die uns aber auch die Pflicht auferlegen,in den internationa,

lc
len Verträgen sowohl auf die Interessendes Verkehrs, wie auch Dic Staaisgrenzebezeic
auf die den gleichen GrundrechtenentspringendenForderungen S;..;sgen'alt und der Funkiic
der andern Staaten Rücksicht zu nehmen. -,=:::ts: u-o sie läuft, hört die .
Eine ganz reinliche Scheidung in Rechte und Pflichten, in :::gr die des andern an. (^\1
soiche,die sich aus dem Grundrechtedes Verkehrs ergebenund in Die Grenzensind entu-ed
solche, die aus den drei erwähnten Völkerrechtsgrundsätzen enl- :----:irc Grenzenkommenheu
springen, ist nicht rnöglich. Sie fliessen oft ineinander über.
Denken wir nur an die BestimmunEenin denVerträgen,welche die ts;i Gebirgenist meist di
Steilung der Landes- und der Bahnpolizei in den Grenzbahnhöfen -i-: i.jinn des 19. Jahrhunde
-
regeln etc. Sind hier die Interessendes Verkehrs oder die auf _:-- -. -:,:ilen sind, der sog.
Selbständigkeit, auf Wahrung der Staatshoheit,massgebendge- ;-: ---::ren Wassers,als Gre
wesen? Beide! Das eine Mal überwiegendie Verkehrsinteressen, .r.r- r.! ) Künstliche Grenz
=,--:essungauf der Landkari
das andereMal möchte cler Staat durch seine Organe sein Recht r-;:
wahren. Erinnern wir uns weiter an die militärischen Errvägun- Es gibt nur vertikal
,1:.:z:lächen. die sich von de
gen, die oft für das TraEe einer Bahn bestimmendsind, die da-
bei aber auch vor verkehrspolitischenBedürfnissen zurttcktreten , i . -: r .r . : , ! s : n k r e c h t s i " , ;
müssen,so dassam Ende, wenn der Bau und Betrieb einerCrenz- .----- S.-,'nderung der beicr:.
bahn vertraglicheGeslalt annimmt,der Inhalt der gefundenenRe-
'teils ='-:,r Giönzbestimmungdu
gelung bestimmt wird durch Interessendes Verkehrs,teils
durch das Interesseauf Wahrung der Unabhängigkeitdes Landes. :.1:. '--: kralt übereinstimrn
Wir verlassenso vollständigden Begriff der Servituten. Die- . l x - . i : - : ; , r i e ü b l i c h eU n t e r s
ses Institut 1ässt sich auf unsere Rechtsverhältnisse nicht an-
wenden.s)
Wir beschränkenuns daher auf die Untersuchungund Dar-
stellung der ,,kleineren minderwichtigen" Grenzfuagen,soweit sie W'unrui;r;-: hler von Grenze sp:
vertraglictr geordnet sind, die nicht grosse internationaleDis- dnr,: :I-:.-:altion und nichi ri:
wlni:.rr riäe juristische Taisri
kussionenheraufbeschurören, deren Regelungmeistensunbeachtet
]r:T :. -"--;gt, die begrüilde:,
bleibt, die aber doch von absoluter Notwendigkeit sind, einmal
ulr,:.- 3-.rger, und die ihren :
für den betreffendenStaat selbst,dann aber auch für die gesamte ;r.- .- -- . - - ii/]rm (7offi 1r^-r---
Staatengemeinschaft. Bevor wir aber die Einschränkungenund v ul ti cL
ffrfj:1:r:. nämlich zweie,rlei:
Erweiterungen der Souveränität an der Landesgrenzedarstellen,
: . _i - - . - - - p n R e c h l s d i e i i : :
haben wir uns kurz äber die Grenzeselbst zu unterhalten.
ti,:.: t i : r e S c h r a n k e ,e i n H i : -
lrr- ..-:.:c. Gesetze, Verori:'l',:
: --,- ';: Zeiten des Kriesas
.rurr
$2. , r-erstehen rvir del E
Die Grenzc.li') : , R e c h t s ,a l s e i n e : -
',
wie es der C:.:--
Theoriendarüber,was als Grenzezu gelten hat, werden hier
e r l e b t u n d d e r e i rR .
nicht zur Sprache kommen. --:;cn der Ber,vohnei l-.ri_
e) \Yir würden aber diesen Begriff anlenden, wenn wir z, Il. die -.;rrkehr erleichiert.
Hüninger Festungsservitut, die Neutralisierung von IJochsavoyen, die
Zonenfrage etc. behandeln rvollten, was wir aber in dieser Arbeit zu
tun unterlassen. Wollte man diese wichtigen völkerrechtlichen Servi- D:ese Zone, die, ge,'nes
tuten einer nur einigermassen eingehenden Betrachtung unterziehen, ;'::s chiedener Ausclehnl:-_
wtirden sie allein schon Stoff genug fär eine Dissertation ergeben. I)iese - :-n:r zn-eiiachen Recler-,
Probleme sind dazu noch so oft und so viel untersucht, beschrieben .:-r::-rr-ohner einer Gei-',zt:
und kommentiert rvorden, dass eine nochmalige Bearbeitung nicht
mehr wesentlich Neues zrtage fördern hönnte. -'
i'rrrnn \\'Ärterhr',':' ,
to) Lapradelle, La Frontiöre, Etude de. Droit internat. Paris, 1928.

74
Diese Zone' die, gernäss den internationalen Konventionen,
'on verschiedenerAusdehnunEsein kann (10, 15 km meistens),
i'ird einer zweifachenReglemöntationunteisteilt: einmal sind ore
crenzbew'ahner einer gaizen Reihe von Ernschrankung*'^irrrn,
tt) Strupp,\\rörterbuch,615.

15
Freiheit und ihrer Rechte unterworfen, die im Interessedes Grenz- .:::,:r bestandeine dauernd
dienstesunerlässlichsind.12) -.: crei rhätischentsünde l
Andererseits werden den Grenzbewohnern eine Anzahl von :,s gegenMals und Glurrrs
Erleichterungenzuteil.ra) -lhi der Unmöglichkeii
Bevor wir aber die Verträge besprechen,die die Sch'"veizmit Lii;:e nilitärische Grenze,0i
ihren Nachbarländernabgeschlossen hat, und die, im Interesse les Fags de Gex und die
des internationalen Verkehrs, das durch die starre Grenzlinie -:::.:. Teilesvon Savogen,i
notwendig gewordene Regime gemildert und solche Verhältnisse
geschaffen haben, die ein reibungslosesNebeneinanderleLren ,'-:- üenl und das Verbof
er-
möglichen,möchtenwir in aller Kirze den Verlauf der Schweizer- --:---,t:r.
Rheinseite,welche u-
1a)
grefize feststellen. -:;:rg erleichternsolllen.
Die Schweiz grenzl bei einem Flächeninhalte von 47294,93 Die GrenzverhältnisseI
kmz und einer Grenzausdehnungv,on ungefähr 1854,5 km Länge \e-renburgwurde 1857 gar
an Liechtenstein,Oesterreich,Deutschland,Frankreich und Italien. l';ng des Dappentales, 187{
:1eu geregelt, 1878 fand
Die schweizerischeGrenzlinie ist zum Teil eine sog. ,,natür'
liche", d. h. durch die höchsteKammlinie (Wasserscheide) eines Deutschlandbei Konstanzsi
her rvesentlichauf thurgau
Gebirgszuges,die Mitte ,oder einseitige Uferlinie eines Gewässers
(Flusses oder Sees) bestirnmte. Zum Teil ist sie ohne solche Deutschlandabgetreten) .
von der Natur gegebeneAnhaltspunktedurch Grenzzeichenbe- Folgeh wir nun der h
zeichnet. In einzelnenFällen, jedoch nur ganz ausnahmsweise, Die 575,3 km rnessend
gegenFrankreichverstehen r
ist sie auch eine mathematische, d. h. eine gerade Linie. 15)
halb des Dorfes Kleinhüni
Die Grenzender Schweizsind durch die l{ongressverhandlun- Pariser Vertrag vom 20. \
gen von Wien und Paris 1814115im allgemeinenin cler Aus- durch Vermarchungsprotok
dehnungwieder hergestelltworden, die sie vor dem Jahre 1.792 die alte, wie sie vor dem i
hatten. Doch umfasste das Gebiet der alten Eidgenossenschaft bez,",rr.deni FürstbisLumBa,
noch die Stadt Mühlhausen,die jetzt württembergischeStadt Rott- bernischenGebiete im \\-ar
weil am Neckar und das Veltlin nebst den beiden Grafschatten Der Doubs. der bei Les Br,
B,ormio und Chiavenna. Zeltweise gehörten zu der Eidgenossen- bis in die Nähe von Soubz
schaft ferner die savogischenProvinzen Chablais und FauciEng strömt, d.ie Crenze. \\'ir i
südlich des Genferseesund östlich bis zur Dranse und die kleine rand die Grenzebildet, d. h
LandschaftGex, welche Länder jedoch bereits am 30. Okt. 1564 lich der Hoheit eineseinzi-
durch einen Schiedsspruchan den Herzog Em. Philibert von ciie Hoheitsgrenze,Talri'eg
Savogerr zttickfielen, unter der Verpflichtung, sie nicht weiter iracht. Der gesamte\\'assr
zu veräussern;ferner das Eschental,das 1515 auf eine noch nicht Dte Grenze zieht sich in i:i
aufgeklärte Weise derelinquiert wurde und in die Hände der r'-,ribei,welches Gegenstan
Ft'anzosenüberging. Weiter stand die Eidgenossenschaft in einem bildete.16)
konfessionellenBündnis mit der Stadt Konstanz, und 1458 wurde Dieser Vertragsschlus
Waldshut der Eidgenossenschaft verpfändet. Mit der Franche- besondersinteressant,g-eii
tz; Die Grenzlinie darf nicht verwischt werden, und es müssen gingen,auf den beiderseitsr
deshalb den Bewohnern des Grenzgebietes ausserordentliche Beschrän- rischerr Werke zu errichte:
kungen auferlegt werden. Denken rvir an den Zolldienst und die Ueber- mehr damit: auch sind keine
wachung der Grenzen und an das \rerbot, in unmittelbarer Nähe der
Grenze zu bauen. 16) AS 7, 450, Fleiner, S.
tB) Es sei nur an die Massnahmen erinnert, die die Wirksamkeit angegebene Literatur.
des Zolles aufheben (Zollfreiheit), an die Freizügigkeit der Medizinal- Der Vertraq überlässt der
personen im Grenzgebiet. folgende Faucillestrasse Frank
i+; Vergl. Geographisches Lexikon der Schweiz, XVI, 628 ff., Geo- schädigung ein an Fläche gle
graphie der Schrn'eiz von J. Früh, I, S. 1 ff. des Noirmont und längs der
sprochen hat (Geogr. Lexikon
15) Hilty, II, 669 ff.

76
--_r,tö bestand.eine dauerndeSchutzverbindung,und der Freistaat
_:: drei rhätischenBünde besassden Ausgang des Münsüertales
::) gegenMals und Glurns.
-\tit- der Unmö^glichkeit,auf dem Wienerkongresseine eigent-
--:lre militärische Grenze,oder in zwelter Linie die Neutraliiaton
-ts Pags de Gex und die Beseitigung von Festungsanlagenauf
-:: Westgrenzezu erlangen, hingen zusammendie Neutralisation
;.:,es Teiles von Savogen,die bes. ZolTverhältnissean der Grenze
-:: Genf und das Verbot von Befestigungenbei Basel auf der
--:-ren Rheinseite,welche indirekt die schweizerischeGrenzvertei-
:-gung erleichternsollten.

)er Doubs, der bei Les Brenets seinen Grenzlaul beginnt, bildet
:ls in die Nähe von Soubeg(Bern), rr/o er ins Innere des Landes
s.römt, die Grenze. Wir stellen fest, dass am Doubs der Ufer-
and die Grenzebildet, d. h. das Gewässerunterstehtausschliess-
lch der Hoheit eines einzig,enuferstaates. Der uferrand bildet
-ie Hoheitsgreflze,Talweg oder Mittellinie kommen nicht in Be-
::acht. Der gesamtewasserlauf steht unter fuanzösischer Hoheit.
)te Grenzezieht sich in ihrem Laufe auch am Vallö des Dappes
r_r'bei,welches Gegenstand eines Vertrages vom g. Dez. lg52
::ldete.16)
Dieser-Vertragsschlussund seine Geschichtesind deswegen
:asondersinteressant,weil beide Staaten die Verpflichtungein-
:ingen, auf den beiderseitsabgetretenenGebietsteilönkeine mitita-
,,schen Werke zu errichten. (Wir beschäftigenuns hier nicht
:ehr damit; auch sind keine weiterenGrenzveriräge, welchedieses
16) AS_7,450,Fleiner,8,87/88,
Blumer-Morel,
III, 847und die dort
,:gegebene Literatur.
Der Vertrag überlässt den Mont des Tuffes und die dem Danoental
' - -.r e n d e
F a u c i l l e s t r a s s eF r a n k r e i c h , w ä h r e n d e r d e r s c h w e i z a t i n n t -
-:hädigung ein a! Fläche
_gleich grosses eebiet am jenseitigen Hang
:s Noirmont und längs der Strasse Les Rousses-Lös Bras5,s z.se-
iochen hat (Geogr. Lexikon der Schrveiz. XVI, 633.)

t7
worden, und dia militärischen
Gebiet betreffen, mehr abgeschlossen :-:, nl_ ,:licZürcher Kantonsgr
: --. --- r z:iänni l:r\
Bindungen spielen heute keine grosse Rolle mehr. t
D--. G:errzliniezu'ischenSr
r -:[ ';-.::isten, da der Kantor
:.- S-.-', ::l Rhein ausgencm
-=,--..-:-.- riigi und aus drei gtr
, - - . - : ; : - : - -b e i i n d e ns i c h d a z u :
:-i-l- , --rt \-erenahof, die, ohn
t -: '.'-.;.\larchsteinen abgeg
-._-.:- 3aden greitt ebenlalls:
'
das rechte Uler d
', :-:.:'-. aui
.:::3iren von 7652 mii ciernLe
;.: ,:z! Fürsten Sch$rarzenbe
ü.::-zrevisionmit Baden vo:I
italienisch, und am mittleren Teil des Sees befindet sich die Die aargauischewie bas
italienischeEnklave CamPione. : rsiiinrnung en v . 77. Okt. 1806 r
Tatsächlich,wenn auch nichi gecgraphisch,ist das Valle di -..i ier Talweg des Rheins. B
Livigno ebenfalls eine italienische Enklave. .:is ist die Schweizerorenze e'r
>.
E:-.ilar-en. und in Akterstückt
-5=5 näher beschrieben.Neis
. -: der Einmündungder Er_
r-:-.r.ze,später auch auf eine
Diese kurze, nur das \.I.
neutralesGebiet. Nebenoesterreichbildet das FürstentumLiech- -.: SchweizerGtenze möge z.
tenstein,welchesseit den Nachkriegsjahren durch eine Post- und .,.-1ungder Verhältnisse an re
Zollunion mit der Schweizverbundenist, eine Streckeweit - an- rg) Unterhalb I)iessenhofen.
grenzend.an Teile der Kantone Graubündenund St. Gallen -- die =-, beiden Seiten vom schrveiz. Ll
Grente. Der Rhein ist, soweit der Kanton St. Gallen in Betracht :- --:rdrsqerichtlichen
:r.erf Urteil r-on i
Schaffhausen das Hohel:
kommt, bis zu seiner Mündung in den BodenseeGrenzfluss,wobei --,i:e
1 8 9 7 ) .E b e n s o s i n d b e i S t r l :
die Mitte des Flussesmassgebend ist. 18) : ;E 1897, I\r, 1405).

Von GrenzpunktdesBodenseesbeginnt die nördlicheGtenze,


die sich, 343,3 km lang, bis zur Schusterinselbei Basel erstreckt,
wo wieder die Westgrenzebeginnt Die Verhältnisseam Boden-
see werden dwch zahlreicheVerträge geregelt; die Hoheitsrechte
werden von allen Anstössernbis in die Mitte des Sees ausgeübt
(vergl.unten).
DieStadtI{onstanz ist der einzigePunkt, an dem das deutsche
Territoriurn über den Rhein herüber reicht. Von der Konstanzer
Grenzeweg bildet, gemässVertrag mit Baden v'om50. Okt. 1854'
die Mitte des Unterseesund des Rheins die Landesgrenzebis da-
1?)Ueber die Frage der Neutralität des Wasserbeckens auf dem-
i e n i S e nT e i l e . a n w e l c h e " m n i c h t b e i d e U f e r s c h l v e i z e r i s c h e sG e b i e t s i n d
irnilober die rechtliche Lage von St. Gingolph, siehe unten.
18) Der Vertrag betr. die Bheinhorrektion vom 30' Dez. 1892 be-
stimmt,' dass clie L"andesgrenze auch weiterhin dem alten Rheinlauf
und niäht den diesen abkürzenden Durchstichen von Fussach und Die-
poldsau folgen solle.

.18
*

,:r, rvo die Zircher Kantonsgrenzebei dem aufgehobenenKloster


-:radies anfänEt. 1e)
Dic GrenzliniezwischenSchaffhausenund Badenist eine der
-:r.pliziertesten,da der Kanton Schaffhausen,einekleine ParzelTe
--.i Stein am Rhein ausEenommen, ganz auf dem rechtenUfer des
?.:reinesliegt und aus drei getrenntenGebietsteilenbesteht. Im
.-auptteii befinden sich dazu noch zwei badischeEnklaven,Bü-
--lgen und Verenahof,die, ohne natürlicheGrenze,nur durch eine
.=.::.zahlvon Marchsteinenabgegrenztsind. Die zürcherische Grenze
-::gen Baden greift ebenfallsan zwei Punkten, bei Eglisau und
-aufen, auf das rechte Ufer des Rheins hinüber und beruht aut
-,-erträgen
v,on7652mit dem Landgrafenvon Sulz, Gebietsvorgän-
-':r des Fürsten Schrvarzenberg und des Grossherzogtums Baden-
Grenzrevisionmit Baden vorn 20. Oktober 1858")
Die aargauischewie basellandschaftlicheGrenze (Grenz-
:estimmungen v.77. Okt. 1808resp.v. 13. Juli 1827) gegenBaden
-si der Talweg des Rheins. Bis zur Schusterinselunterhalb Ba-
.als ist die Schweizergrenze. ebenfalls kompliziert, immerhin ohne
:nklaven, und in Aktenstüökenaus den
Jahren 1827, 1850 und
-S45 näher beschrieben. Meistensbildet der Talweg des Rheins,
','on der Einmündung der
Ergolz bis zum Grenzacherhorn,die
Jrenze, später auch auf eine kleine Strecke die Wiese.
Diese kurze, nltr das Wesentliche llerührende BetrachtunE
jer Schweizer Grenze möge zum speziellen Teil, d. h. zur Dat-
.iellung der Verhältnissean der Landesgtrenze, überleiten.
19) Unterhalb Diessenhofen, bei der sog. Laag, ist aber der Rhein
-
-,rf beiden Seiten vom schweiz. Gebiet begrenzt, ebenso hat nach einem
. r n d e s g e r i c h l l i c h e nU r t e i l v o n d e r r r n t e i n l J ü s i n g e r G r e n z e b i s z u m
---rrverf lüll!{lK
'lhre SchalThausen das Hoheitsrecht über den-Rhein. (Urteil vom
1897). Ebenso sind bei Stein arn Rhein beide Ufer schweizerisch.
iiGE 1897, IV, 1405).

19
Campionewar eine Schen
:::: San Ambrogio in Mailand
ll"iXregierendenOrten der alten
:.spektiert. Campionestand nii
; :lr,ie nach schweizerischernR
II. Kapitel ;,,1 Campioneschrvieg,konsultie

BesondereGrenzverhällnisse Die Bürger von Campionen


;-: 1635, in Lugano nie als I
-_l:nD das Recht,Grundstücke,
;,i::en, ohne den sog. ,,Abzug
$3 :.:' LuganerndieselbenRechteir
.:s Lugano durften nur drei Tag
Die Enklaven. ztiten, wenn die Truppen vcn I
r.-:r,pione 1rf2 Mann zur Mlliz ,:
Es ist möglich, dass Teile des Landgebietesvollständig vom e.ren verhältnismässigenAntei a
Gebiete eines andern Staates umschlossensind, sei es vom Land- I. 594). Die Einwohner \.on
oder Wassergebiet. Diese so von andern Hoheitsgebieten um- Steuernwie die von Lugano; der
schlossenenGebietsteile sind völkerrechtliche Kuriositäten, denn :nd CampioneN{arvollständig ir
sie widersprechendem Satz, dass das, was innerhalb der Landes- iass 1800 Zschokke,der Komrn
grenze liegt, auch zum Cebiete des Staatesgehört. i:l Kantoir Tessin, die Aufmer
Die Enklaven, die uns interessieren,können daher theoretisch i-orteile, die eine Erwerbung (
nicht an der schweizerischenNeutralität pafüzipieren; tatsächlich ier Minister des Auswärtigen,!
sind sie aber in die Neutralität einbezogen. Eine vertragsmässige lie Enklave und deren Lage rer
Bestimmung darüber besteht nirgends. Würden aber die in der nachte, Indemini, im Austausc
Schweiz sich befindenden Enklaven nicht neutrales Gebiet dar- schenRepublik zu überlassen.I
stellen, so könnte der Grenzstaat nur unter der zwangsläufigen Dieser Antrag wurde von
V erletzung der schweizerischen Neutralität militärische Funktionen deiinitiver Beschlusskam aber r
in den Enklaven ausüben.
Wir treffen an der Schweizergrenzelolgende Enklaven an: 1814 verlangtedie Tessiner
Büsingen, Verenahof und Campione. i-ereinigungCampionesmit der
Die Regelung der Beziehtngen zu diesen Enklaven ist nicht an den Wiener Kongress die In
überall befriedigend;oft fehlen Bestimmungen,und es sind des- :acherd'obtenir que le village dr
halb, bes,ondersan der Südgrenze, unliebsame Zwischentälle ein- rontre toute espöcede convena
getreten (2. B. Anlockung eines Antifascistendurch italienische t:lö par le gouvernementautrich
Spitzel von Lugano nach Campioneund Verhaftung dortselbst am Campioneblieb aber öster
29. Augr-lst7928), so dass wir Hiltg beistimmen,wenn er schon iieser Frage kein Erf,olg besch
1886 sagt,1) dass die schweizerischen Enklaven mehr historisch
interessantals zweckmässigseien. 3) In schrvierigen Streitfällen
in Lugano um Auskunft und s-en
A. Campione.2) Lugano an. - Luganer Bürger ri-:
a) abgedruckt bei Graffina. S.
Am mittlern Teil desLuganerseesbefindet sich die italienische 5) 1797 war nämlich Campio
Enklave Campione, die dort bis in die Mitte des Sees hinaus r-erleibt rvorden, indem an der erstr
reicht und seit ältester Zeit italienischesGebiet ist. inr l{ärz 1797 37 Stimmen für den
pubiik und 33 Stimmen für den -
t) Hilty, I, 594. -Ä'oroen waren.
z1 2,56-km2 mit 7,1 km Grenze (12 Grenzsteine).Eistori_sch-llio- 6) Aktensammlung aus der Zr
qraphiiches Lexikon der Schweiz, 1I,482, Hilty, II, 669 1T.XVII, 117 fl.
?) Abschied, Rep. 1814/48,lI,
Graffrna, Documenti relativi al confine pra il Ct. Ticino e il Regno
d'Italia, 1928,S. 9 u. 31. 8) vergl. auch Hilty, IY, 318.

20
uarnpionewar eine SchenkungKarls des Grossen an das
:.--:
'--- San Ambrogio in Mailand und wurde daher stets von den
:egierendenOrten der alten Eidgenossenschaft
als Kirchengut
-,::..iiiert. Campionestand nie unter lornbardischem
Recht; es
..::e nach schweizerischem Recht regiert: sowie das Gesetz
-:: Campioneschwieg,konsultierteman das Rechtvon Lugano.3)
Die Bürger von Campionewurden, nach einem ,,acteformell"
.:, 1685, in Lugano nie als Fremde betrachtet; sie hatten in
- ::no das Recht, Grundstückezu kaulen und Erbschaltenzt er-

- - . LuganerndieselbenRechtein Campionezustanden.Verbannte
,-". Lugano durften nur dreiTage in Campionebleiben. trnKriegs-
:-,'.:1, wenn die Truppen von Lugano auszurückenhatten, hatte
-::'-pione |rfz Mann zur l\t\,i\izvon LuEano zu stellen und musste
. :..r verhältnismässigenAnteil an denKriegskostenzahlen (Hiltg,
. rE4). Die Einwohner von Campione zahlten die gleichen
S..uernwie die von Lugano; der HandelsverkehrzwischenLugano
-:.r Campionewar vollständigfrei. So war es wohl zu verstehen,
-.ss 1800 Zschokke,der Kömmissärder HelvetischenRegierung
- :.
- I{antoir Tessin, die Aufmerksamkeit der Regierung auf die
-:teile, die eine Erwerbung Campionesböten, lenkte, worauf
,-:r .illinister des Auswärtigen,Begos, einen langen Bericht über
-,.: Enklave und deren Lage verfasste, a) worin er den Vorschlag
-::chte, Indemini, im Austauschgegen
Campione,der Cisalpini-
, :hen Republlk zl überlassen. s)
Dieser Antrag wurde von der Regierung gutgeheissen, ein
.-initiver Beschlusskam aber nie zustande.0)
1814verlangtedie TessinerDeputationan der Tagsatzungdie
-,-.reinigung
Campionesmit der Schweiz,worauf der Deputation
::. den Wiener l(ongress die Instruktion mitgegebenwurde: ,,de
:.:rer d',obtenirque le village de Campione,enlevöinjustement et
:,.-.tretoute espöcede convenance au Ct. de Tessin,lui soit resti-
.-.J par le gouvernementautrichiende la Lombardie".7)
Campioneblieb aber österreichisch;der Delegation war in
--eser Frage kein Erfolg beschieden. s)
3) In schrvierigen Streitfällen süchten die Richter von Campione
Lugano um Auskunft und *'endeten die Gesetze des Distrikts von
,r:zlno an. - Luganer Bürger waren Gerichtsschreiber in Campione.
a) abgedruckt bei Graffina, S. 10.
5) 1797 war nämlich Campione der Cisalpinischen Republik ein-
-:leibt rvorden, indem an der ersten Versammlung der ,,freien Bürger"
: \Iärz 1797 37 Stimmen für den Anschluss an die Cisalpinische Re-
-;rlik und 33 Stimmen für den Änschluss an die Schweiz abgegeben
r,len waren.
6) Aktensammlung aus der Zeit der Helv. Republik, \rI, 335.
;) Abschied, Rep. 1814/48,II, 1100 u. 1108.
8) vergl. auch Hilty, I\r, 348.

21
i861 rvurde durch eine aus Schweizernund trtalienernzssarn- Iu der Uebereinkunltzu-is:
nengesetzieKommission die Grenze Campionesfestgesetzt. Die .--.;:iunc der Schiffahrt aui ii
scirn-eizerischeDelegation musste sich überzeugen,dass es von -- Oktober 192312)wird im le ,
Italien nicht möglich war, Campionezu erhalten. Dagegenwurde ,,\\'as den Verhehrmii ::.
eine früher zu Campione Eehörige Parzelle Land, San Martino .,':;,ttltrtgt,so bleibt cier gc1-
auf dem gegenüberliegenden Ufer, durch Vertrag vom 5. Oktober : . ::t-n, so lunge die beicll: .
1861 an die Schweizabgetreten,deren Gebietshoheit auf dem See . ': Sonderabkommen cibg,:'
sonst stellenweise gänzlich unterbrochengewesenr,väre,während Das will heissen, dass Fu- :
sie auch jetzt gegenüberCampionebis in die Seemittereicht.e) . :, ',,,'onach sich italienischeZ,
Häufig werden Enklaven,obwohl sie zum Staatsgebietihres .:- .,1 durch die schweizerisc
Lande; gehören,zollpolitischzu dem sie umgebendenStaale ge' .-..:-.itdes italienischenGebiets
rechnet: das Fehlen bestimmter Abmachungendarüber wurde , .s ihnen gestattensoilte, aur,l
schon 1855 emplunden. Die italienischeRegierung erhob Vor- -.:-, abgelehnt wurden und dzr :
stellungeninbezug aut die Zallbehandlungder Enklave Campione. r.r.altenwurde.rs)
Der Bundesratstellte ihr denAntrag, dieseBehandlungaut Grund- Es ergibt sich darausdie in
lage des status quo durch einen förmlichenAustauschvon Erklä- ir mit italienischenAmisPers
rungen testzusetzen In diesen Erklärungen sollte festgesetztwer- :rch nach CamPionezu begebe
den, dass Campionein Bezug auf Einfuhr- und Ausfuhrzöllevon r.iir mit bestirfttnten BeschränkL
den eidg Zollbehörden,wie bisher,auchferner als zum schrveize- :eshalb, um nicht unnötigerr"-
rischen Gebiete Eehörendangesehenwerde. Italien war damit z'.1Yerlelzenund wahrscheinlil:
einverstanden. eine Abmachung scheint aber trotzdem nicht zu- it1er1zü verhüten. 7923 habe:
stande gekommenzu sein.10) cen Abschlusseines LTebereir-
Dass Enklaven nicht dem sie umgebendenStaate angehören, rage der Enklave CamPionest:,
ergibt sich z.B. aus der ReklamationItaliens, dass oft schweize- rtalienischenRegierungarn 6- D
rischeSoldaten,die in den an Campioneangrenzenden Gemeinden aui deren Vorschlägeüberrair
wohnen, bewatfnet durch das Gebiet dieser Enklave gehen, um derer: Mitteilungen, denn g€:3
das Dampfschiff nach Lugano zu nehmen oder heimzukehren. ,i-ollte,kam die leidige Rossi--
Ebensopllegte ein Offizier der schweizerischen Grenzwächter,in stigenBoden lür Konferenzan:
Uniform unC bewaffnet, übet Campionezu geheft, um den Zoll. E s w ä r e z u w ü n s c l t e nd,: s .
posten von Arogno (Schweiz) zu erreichen. Der Bundesratgab s t a n d ck ä m e , r r ;ä h n l i c hd e r j r :-
darauf Weisung, r,vonachGrenzwächterund Militärpersonendas iigen wollen und die das \'e:-
Gebiet von Campionenicht rnehr betreten durften.ll) Büsingenregelt.
9) Vertrag zrvischen cler Schrveiz und Italien betr. die Feststellung
der Grenzcn zwischen der l-ombardei und clem Iit. Tessin an einigen B. BLs
Orten, wo dieselbe streitig ist, r'orn 5. Olttober 1861 (AS 7 a. F.211 tr.
BBl. 1862 I, 155) S. 247 des \Iertrages: ,,Das bisher von der Gemeinde Büsingen ist eine badisc]:
Campione als Teil ihres Gebiets besessene und Privaten gehörencle, Rhein stösst und die im übii3-
auf der entgegengesetztenrn'estlichenSeite des Luganersees gelegeneUfer
zu San llartino rvird der Schl'eiz abeetreten und nrit ihm die Ge-
ist (7,62 fttn2,$12 Ei:-'
r-rmfasst
r i c l r t s b a r k e i tb i s z u r ] I i t t e d e s d a z r v i s c l r e rI ti e g c r r d e nS e e s z u t l e n n ä m - steine).
lichen Bedingungen, welche im allgemeinen da gelten, wo von dcn bei-
den Ufern das eine italienisches, das andere schrveizerisches Eiger-rtum 12)AS 43, 300.
'I'atsache
ist. Gleichzeitig wird erklärt, dass diesc der Abtretung des 13) BBI 1923, III, 482.
Ufers zu St. Nlartino an die Schweiz nie soll angcsehen werdcn können,
um die gegenr.r'ärtigenZollverhältnissc zrvischen der Gerneinde Carnpi- t+) Geschäftsbericht 1923. l:
one und der Schrveiz zu erschu'eren." rb) Heute ist die Post in C:
t0) BBI 1885, II, 644. - Dass Campione als schrveiz. Zollinland .-,nd Telephon dagegen schrveizeii
gilt, geht aus einer Fussnote zu Art. 1 der Postzollordnung hervor t6) vergl. Thurgauische Bei,
(Blumenstein und Gassmann, Die schweiz. Zollgesetzgebung, 1927.) 3. Heft, 1926,S. 1 fT: Der Busin-r.
r r ) B B I 1 9 1 1 ,I I , 9 6 . separat erschienen.

22
In del Uebereinkunft zwischen der Schweiz und ltalien zur
3egelung der Schiffahrt auf dem Langen- und Luganerseevorn
12. Oktober 192312)wird im letztenAbsatz von Art. 2 bestimmt:
,,Was den Verleehrmit der italienischen Enhlave Campione
nnbelangt, so bleibt der gegenwdrtigeZustand unvertindertbe-
stehen,so lange die beiden vertragsschliessenden Teile hierüber
keiruSonderabkommen abgesclLlossenhaben."
Das will heissen,dass Forderungender italienischenDelega-
,ion, wonactrsich italienischeZoll- und Polizeitransporteganz all-
oemein durch die schweizerischen Gewässerhindurch von einem
Punkt des italienischenGebietszu einem andernbegebendürften,
,.r-as
ihnen gestattensollte, aucir in der Enklave Campionezu'7an-
den, abgelehntwurden und der bisherigeZustandunverändertbei-
behaltenwurde.13)
Es ergibt sich darausdie interessante Tatsache,dasses Schif-
fen mit italienischenAmtspersonenim allgemeinenverbotenist,
sich nach Campionezu begeben,oder dass dortselbst Landungen
nur mit bestimmtenBeschränkungen geduldetwerden. Dies wohl
deshalb,um nicht unnötigerweisedie schweizerische Neutralität
zu verlelzenund wahrscheinlichauch,um Schmuggelund derglei-
chen zu verhüten. 7923 haben UnterhandlunEenmit Italien für
den Abschlusseines Uebereink,ommens zLt Ordnung der Rechts-
lage der Enklave Campionestattgetunden.Der Bundesrathat der
italienischenRegierungam 6. Dezember7923einenGegenentwurt
auf deren Vorschlägeüberreichtund gewärtigt nun (bis heute!)
deren Mitteilungen, denn gerade, als man wieder verhandeln
wollte, kam die leidige Rossi-Aftäremit Italien, die keinen gün-
stigenBoden für Konferenzenbot.1+)
Es wäre zu wünschen,dass eine detaillierteVereinbatuflgzu-
standekäme,15)ähnlich derjenigen,mit der wir uns jetzt besc.hät-
tigen wollen und die das Verhältnis zwischender Schweiz und
Büsingenregelt.

B. Büsingen.16)
Büsingen ist eine badischeGemeinde,die südwärts an den
Rhein stösst und die im übrigen ganz vom Kanüon Schaffhausen
umfasstist (7,62 kmz, 872 Einwohner,1.2km Grenze,I23 March-
steine).
12)AS 13, 300.
13) BBI 1923, III, 482.
ta) Geschäftsbericht 1923, 38.
15) Ilcute ist die Post in Campione z. B. italienisch, Telegraph
und Telephon dagegen schN'cizerisch.
t6) vergl. Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte,
63. Heft, 1926,S. 1 ff: Der Büsinger Handel v. Dr. A. Leutenegger. rtuch
separat erschicnen.
Büsingenwar einst zu Schaffhausenkirchgenössig;seit 1845
hat aber Baden die Kirchenhoheit. Die kirchliche Gewalt war
aber nicht die Landeshoheit. Wohl hatte eine schaffhausische
Familie die Landeshoheit, bezw. die niedere Gerichtsbarkeit in
Büsingerrausgeübt. 1693 geriet aber ein Glied der Familie (Im-
thurn) inf,olge konfessionellerFragen mit Schaffhausenin Streit,
in derr sich Oesterreicheinmischfe. Imthurn, welchär von den
Schatfhausernschoneingekerkertworden war, musstefrei gelassen
werden, und Schaffhausenverlor die hohe Gerichtsbarkeit,welche
darauf Oesterreichausübte. 7725 gelang es Schaffhausen,das
vertroreneGebiet, zu dem u. a. auch noch Thagngen, Herblingen
und Bibern gehörte, zurückzukaufen,wegen des Imthurnhandels
aber sollte zum ,,ewigenAerger" für SchaffhausenBüsingenöster-
reichisch bleiben. Dies blieb bis heute so. nur dass 1805 Bü-
singen zu Wirttemberg und 7870 zu Baden kam.
Das Jahr 1849 brachteAufregung,weil eine hessischeTrup-
penabteilung,um in die Enklave zu gelangenund badischeRevo-
lutionäre nt verhaften, die Schweizergrenzeverletzte, indem sie,
170 Mann stark, von Konstanz aus mit einem Dampfschiff nach
Büsingenfuhr und infolge der Durchfahrt des Dampfersbei Stein
am Rhein schweizerisches Gebiet durchquertwurde.
Nachdem die Angelegenheit gehörig aufgebauscht worden
war, der Bundesrat die gesamteArmee auf Pikett stellte und man
m|t einem gewaltsamenHandstreich zur Befreiung der in Büsingen
durch die schweizerischen Truppen eingeschlossenenHessenrech-
nete, fand sie dann dennoch einen versöhnlichenund beide Teile
befriedigendenAbschluss: die deutschenTruppen konnten un-
gehindertabziehen.
Wir beschäftigenuns hier nicht näher mit dieser Angelegen-
heit, da sie eingehend durch Leuteneggerbehandelt worden ist,
und weil wir uns mit der gegenwärtigenLage an der Grenze zu
befassenhaben und das Funktionierender betreffendenVerträge
untersuchenwollen.1?)
Die Enklave Büsingen ist aus der deutschenZollinie ars-
geschtrossen,'dasie, wie schon gesagt,im Hauptteil des Kantons
Schaffhausengelegen,ganz von demselbeneingeschlossen ist, ohne
durch natürliche Grenzen (nur Marchsteine)abgemarchtzu sein.
SchweizerischeWaren gehen in das Gebiet von Büsingen zollfrei
ein, indem ein Vertrag zrvischender Eidgenossenschaft und Baden
,,über gegenseitigeZolllreiheit auf kurzen Verbindungsstrecken zu
rv Die heutigen \rerkehrszahit
Lande und über Regelungund gegenseitige Ermässigungder bei- : :.--tion nicht zur Kenntnis der Oe
derseitigenSchiffahrtsabgaben auf der Rheinstrecke"vom 27. Juli r:') In Kräft am 1. Januar 189f,
185218)in Art. 1 f,olgendes bestimmte: :tt Yertrag vom 24. Januar 1!
-:'-rn
die Person rn'ederSchs'eizer
17) vergl. zum Büsingerhandel auch Hilty, X, 483/86, II, 669 ff. , -. :en der Auslieferungsantrag gest
xvII, 133. . . :'-e. \'enn dieser den Antrag stell
18) AS B, a. F. 457,Btsl 1852,III, 101. -,.s:ellenden Staate ausliefern."

24
Bei Transporten aul nachstehendenVerbindungsstrechenzu
,/nd€ soll weder schweizerischer-noch budischerseitsDurch-
;tngszoll oder Wegegeld erhoben werden, als: 4) vom schweiz.
jebiet über Büsingen nach schweiz. Gebiet.
Die Sachewar früher erträglich;jetzt ist sie aberweniger an-
.:-.ehmgeworden, seit die schweizerischenZölle erhöht worden
:.j. Die jährliche Einfuhr von Büsinger Erzeugnissenin die
-:.\';eizbetrug 1896 ungefährFr. 2500.-, so dass also nicht von
:-:r schwerenBelastung gesprochenwerden konnte.1e)
Die Z,ollerleichterungisf die Kompensation gegenüber der
'.-en Einfuhr schweizerischer Erzeugnissein die Enklave; diese
,-lregelungfindet sich sozusagenbei allen Enklaven.
Ueber die Grenzverhältnisse und die Zollerleichterunoen
-;:de dann später noch ein besonderesAbkommenmit Deutsih-
.:.d abgeschlossen. 20)
Das Abkommen enthält die Büsingen gewährte Zoltfreiheit,
.nv. die gewährten Zallerleichtertngen, indem auf verschiedene
::zeugnisseder GemeindeBüsingen ermässigteZö\le erhobenwer-
--.n (die Ausfuhr erliegt erst bei Gewichtsmengen von über 100 kg
' ..: Zollbelastung). Weitere Bestimmungen
befassensich mit den
-:sprungszeugnissen der Waren aus Büsingenund dem Transport:
., . . . €t' hann unbeanstandetunter den von den eidg. ZoIl-
behörden angeordnetenl(ontrollmassregeln stattlinden, iedoch lil
unbesC,hadet der wegen Ausbruchs von Viehseuchenergehencl.en
Yerbotet(. (Art. i Abs. 5.)
Wichtiger ist Art. 2. Durch ihn wird den deutschenGe-
-:htsbehördengestattet, Personen anderer als schrveizerischer
S:aatsangehörigkeit,die lvegen eines strafrechtlichen Vergehens
,:- Büsingen verhaftet werden, unbeanstandetdurch das schweize-
:-scheGebiet auf den nach Randegg (Baden) führendenStrassen
'-:n aber nur in dieser
Weise transportiert werden, wenn sie wegen
.-:rer nach dem Gesetzedes deutschenReichesoder des Staates
3aden mit Strafe bedrohtenHandlunq oder auf Grund eines von
-rrem deutschenGerichteerlassenenStrafurteilsoder Haftbefehls
.:- der GemeindeBüsingenverhaftetworden sind.
Diese Bestimmungkann nicht als ein Einbruchin das Prinzip
:,n Art. 2 des deutsch-schweizerischen Auslieferungsvertragesz1)
::trachtet werden, sie bedeutetnur eine Erleichterungder Abur-
..ilung fremder Staatsangehöriger, die bereits auf deutschemGe-
1e)Die heutigen Verkehrszahlen von Büsingen will die Oberzoll-
.:ektion nicht zur Kenntnis der Oeffentlichkeit bringen.
zo) In Kräft am 1. Januar 1896. AS 75,314, BBI 1895, IV, 433.
21)
'l-enn Vertrag vom 2i[. Januar 1874, AS I, n. F. 82. Art. 2, Abs. 3.:
die Person weder Schx'eizer noch Deutscher ist, kann der Staat,
r den der Auslieferungsantrag gestellt ist, entrveder sie dem Heinat-
-.:r^ate,r,'enn dieser den Antrag stellt, oder dem verfolgenden und an-
.agstellenden Staate ausliefern."

25
biet (Büsingen) ergriffen w,ordensind und sich also schon in der -.:' -1llentallsmuss die Schrve
Polizeigewaltdes andern Staatesbefinden. :. .:tionsstücke,an Badenabtre
Für die in Büsingen verhaftetenPersonen schweizerischer .: --::raleLage Büsingensein Er
Staatsangehörigkeit giit der Auslieferungsvertrag(Art. 2 Abs. 2
des Abkommens). $
Büsingenist nach Konfession,Mundart, Sitten und Bräuchen
und natürlich nicht zuletzt in wirtschaftlicher Hinsicht ein schait- Halbenlclaven, neutra
hausischesBauerndorf; zirka 120 Büsinger finden täglich Arbeit inlernalioni
in Schaffhausen.
Schuleund Gottesdienstfolgen deutlich deutschenBräuchen; A. Valle i
da aber viele junge Leute von Büsingendie schafthausischen Real- -,i-ischender Berninagrup
und Fortbildungsschulen besuchen, macht sich schweizerischer : - r,-:ii. wird, und dem Val1ecl
Einfluss auf diesem Gebiete doch bemerkbar. --.::,: Puschlavertal einenstark e
Was den Geldverkehranbetrifft, so gilt die Schweizerwäh- , .-,-i:r Das Valle di Livigno,n-
rung, da die Mark seit der Nachkriegszeitals fremdes Geld ge' -:- -:en würde, teiit infolge seii
wertet wird. Vorher stand die Mark in gleichem Ansehenwie -.. alten Grafschaf t Bormio da
- .:sächlich,wenn auch nicht ge
--.:.rscheEnklave und wie Carnp
: -.::eschlossen.Das heisst:Lir'
.= iur von drei Seiten von der
.riich schliesstes eine Bergkei
-.- dleseHalbenklavevon der ita
- h es bestehenbesondereAbr.
- : 1 e , m i t d e n : ü b r i g c nI t a l i e n
-.s Livignotal als Zollausland;b
in schweizerischem Gelde bezahlt. -::.nstigungen betreftendWarene
Seit i926 fährt die EidE. Post nachBüsingen. Die ausgehen-
B. Finsl
den und eingehendenBüsinEerPostsachenpassierenalle Schaff-
hausen. 22) Unter diesemNamen möchi
Während früher die Anschlussgedanken über einige stati- .r,egelungen verstandenwissen,
stische Erhebungennicht hinauskamen,da Berlin und Karlsruhe .-lmmen,durch den eigentüm1i
sich abiehnendverhielten,schienenin neuesterZeit (August i930) '',-endiggewordensind.
Vorbereitungenzu \rerhandlrtngen mit Deutschlandgetroffenwor- Von Finsterminz bis zum S
den zl sein.?3) :em samnauntalekommender-l S
Natürlich müssendie Eidgenossenschaftund der Kanton zu- ;on diesentHof bis Spiessist de
sfimmen, da neben der eidgenössischen auch die kantonale Ge- :nais berührendeGrenzwegneuir
beitshoheitin Frage steht.2a) -reiheit durch keinerlei Zö||e,
Büsingenkann nur auf Grund einesfreiwilligen, die Schweiz :.emmt werden darf ; die Stras
und DeutsihlanclbefriedigendenStaatsvertrags schweizerischwer- tiet. 27)
22) Der X{ännerchor, sei nebenbei bemerkt, gehö-rt dem schaff-
Unter diesen Verhältnisse
hausisciren Kantonalverbänd an und singt mit dän Schweizern die zum Abschlusseines Vertrages
.'r-irtschaftli
che (Zoll-) Fragen
I-ieder ,,Eidgenossen, Gott zum Gruss" und den Schweizerpsalm.
za) Dreitägiger Aufenthalt von Minister Diniche-rt, Ch-qf der Abtei- 25) Ueber das rnilitärische f
lung f'r.riAusrväriiges im pol. Dep. und einiger a1d,erq1 Rea-mter der .ine Enklave militärisch zu behan l
Buriclesveru'altung'in Schaffha'seir, um an Oit und Stelle Erhebungen sicher. Im \Veltkrieg hätten rveder
über cinc in vielläicht naher Zukunft stehende Einverleibung Bäsingens B i r s i n g e nT r u p p e n l c g e n k ö n n e n .
in das schweizerische Gebiet vorzunehmen. (N. Z. Z. 25. wd 27' August ior Hitry. KvII, r25, \l\. ;1:
1930.) Ler.rzinger-Bccher,Bern, Dienstchef
za) vergl. Fleiner, B. St. R., S. 86, 88,/89. z?; Hilry, x\rII, 127i28.

26
, . Allenfalls muss die Sch',veizTeile ihres Gebieies,als Kom-
. - ,:ationsstücke,
an Baden abfieten. Es wäre zuhoffen, dass die
- - -::rale Lage BüsinEensein Ende fände.2ä)

$4.
HaLbenkXaven, neutralisierfe Grenzstrassen,
inlerna*ionale Dörfer.
A. Valle di I-ivigno.
Zwischen der Berninagruppe,welche von der Grenzedurch-
. :ritten wird, und dem Vaile di Livigno bildet das graubünclne-
. , -.ie Puschlavertaieinen stark ausspringenden Winkel gegendas
,-:iin Das Valle di Livigno, welchestopographischzur Schweiz
. -,renwürde, teilt infoige seiner historischenZugehörigkellzu
-: alten Grafschafl Bormio das politische Schicksalderselben.
..sachlich,wenn auch nicht Eeographiscir, ist es auch eine lta-
-:-ischeEnklave und wie Campioneaus der italienischenZollinie
.3eschlossen.Das heisst: Livigno ist eine Halbenklave,indem
: lLrr vorl drei Seiten rron der Schweiz eingeschlossen ist; süd'
.,-lch schliesstes eine BerEkettegegenItalien ab. Wie gesagt,
, , dieseHalbenklavevon der italienischenZolTinieausgeschlossen,
-.-esr es bestehenbesonclere Abmachungenüber den Verkehr dieses
mit dem übrigen ltalien. Die Schweizbetrachtetdagegen
.s Livignotal als Zollausland;besondereBestimmungen oder Ver-
.rstigungenbetreffendWareneinfuhrsind nicht getroffen.26)
B. Finstermünz.
Unter diesemNamen möchtenwir nur bestimmteeinzigarfige
:-:gelungen verstandenu'issen, die dem Enklavecharakternahe-
'rnrnen,durch den eigentümlichenVerlaut der Grenzeaber not-
iiidig gewordensind.
Von Finstermünzbis zum Schergenhofam Einflussedes aus
:n SamnauntalekommendenSchergenbaches in den Inn, sorvie
,rn diesemHof bis Spiessist der das schweizerischeGebietmehr-
. ais berührendeGrenzwegneutralesGebiet,auf den die Verkehrs-
. eiheit dnrch keinerlei Zö|\e, Abgaben oder Belästigungenge-
:mtnf werden darf ; die Strasse selbst ist österreichisches
Ge-
- - r e t? 7 )
Unter diesen Verhältnissendrängte sich die Notwendigkeit
--rm Abschlusseines Vertragesauf, der sich aber nicht nur auf
, rrtschaftliche(Zoll-) FraEen beschränkenmusste,sondern in-
25) Uebcr das militärischc Durchmarschsrecht, siehc $ 11. \\rie
:re ]lnhlave militärisch zu behandeln \\'äre, ist hcute noch nicht ganz
. . her Im \\reltkrieg hätten rveder Deutschland noch die Schu'eiz nach
.rsingen Truppen leqen können.
26) Hilty, XVII, 125, XIX, 513. Freundl. Mitteilungen von Hrn.
--'.izinger-ßecher, Bern, Dicnstchcf des \rolksu'irtschaftsdepartements.
zz; Hiltl', X\rII, 127/28.
f'olge der (früher wenigstens)wichtigen strategischenLage dieses Ei:re neutralisierteStrassec
GrenzgebietesinteressanteBestimmungenenthielt. ,r;-. :as andern Staatesnicht b
So lautet denn Art. 1 des Grenzvertragesmit Oesterreichüber :-:: zber, dass eidg. Militärp
die Regulierungder Grenzebei Finsterminz v. 14. Juli 1868:28) -.:i:re gelegenenTeile des ne
,,Das zwischen der Scltweiz und der get'ürstetenGralschaft - -..: -'ililitärpersonen wurden a
Tyrol streitige Gebiet am linhen Innuler, vom Novellenhole bis ,,.:::.iirn, die an bestimmten
'.:.:., nicht untersucht,da eint
zum Schergen- oder Schalhelhofe,wesllich vom Inn, u.nd vom
::: :) besagte,dass der öste
Si'ltergen- oder Schalleelhofebis zur Spiessermültle,südlich vom
Schergen- oder Schalhelbache,lällt der Schweiz zu, mit Aus- ' .. ::. rchischenZ'ol|vorschriite
nahme des sog. Schergen- oder Schalhelhot'es und der von die- ::-:--::,en Verrichtungen,Angt,
sem bis zur Altlinstermünzbrüche lührenden Strassenstreche, -:r::.: und Militärpersonenin
nebst dieser Brüche und dem Turm, wogegen clie Schweiz sich -:.-.:- Um nun allen eventuel
verbindlich macht, uut' dem ihr zut'allendenGebiete und ins- ;'-:ic der Zusatzartlkel zu Ar
besondereauf dem Novellerberge heine Befestigungen z& er' --. betreffendenschweizerisch
bau.ett." :.- ;:-ischen Zollämtern Spiesse
Neben der Verpflichtung der Schweiz, im Dappentale keine l:::iilkaf der hierzu ermächtig
militärischen Werke zu errichten, ist die hier mitgeteilte militä- :.-:schef, Kreiskommando)sicl
rische ,,Servitut" dte einzige, die der Schweiz von einer fremden .-r entrvederzur Militärdiensil
Macht auferlegt ist. Dieser Belastung hatte die Schweiz zuzu- =::i oder von äerselbenin ihre l
stimmen, um dem Rechte Oesterreichsauf Unabhängigkeitund -.: Bau der Samnaunstrasse ist
SelbsterhaltungRechnungzu tragen; sie ist dauernd und würde :--:rdings sehr verringert u'orc
vielleicht auch auf den Nachfolgerdes Gebietesübergehen.Heute Grosse Bedeutung haben L
allerdings haben Befestigungengegen Oesterreichkeinen grossen :.-gen nur, dassman mit \r,'enic
Wert mehr. Es muss aber noch bemerktwerden, dass die Ver- .;:h an strategischwichtigel C
pflichtung, keine Festungen anzulegen, nicht etwa ein aus den :- ,rassein reibungsloserVerke:
Regelungender Schweizerverhältnisseam Wiener Kongress her- ','er in diesemFalle allerding-
rührender Akt ist, sondern lediglich eine zwischen den beiden ilienzbefestigungsrecht und dir
GrenzstaatenvereinbarteVerpflichtung.2s) :-:;trales Gebiet.
Aus der Neutralität des Zollweges (er ist österreichisch,aber C. St C
geschütztvor den Eingritfen der beiden Grenzländer)ergibt sich,
dass die Verkehrsfreiheifweder durch Zöllz Abgaben oder Be- Hiltg schrieb 1905 in seir-
lästigungen gehindert werden dart (Art. 4). Zollwächfern ist die :xg der schweizerischen Grei;
Vornahme von Funktionen auf diesemWege untersagt. Um dem ,,In St.Gingolph,das sic:
Schmuggel,der sich an solchen neutralen Stätten leicht aus- ::ch getrennte,sonst'röllig zu:
breiten kann, zu begegnen,wurde Oesterreichim ZolTvefirag vom St Gingolph- Suisse und St (
';nter etwas schwierige Verhä
70. Dezember1891ao; gestattet,unbeschadetder Neutralität und
Zolllreiheit des Grenzweges,eine weitere Zollstätte (mit Zoll- S:euerfragen,Nutzungen etc., i
wächtern) beim Schergenhofezu errichten Eine Erweiterung er- sogar Beamte desselben,aui c
.ind. " 32)
fuhr dieserVertrag noch durch eineBestimmungim Handelsvertrag
mit Oesterreichvom 9. März 1906.31) Und in der Tat: aussergr
-,-or;staatsvertragliche
Regelulg
Das Dorf St. Gingolph ge:
:,'oUen,vom Jahre 1556-1a69
';569 zu Thonon zwischenden I
zog Em. Philibert von Savoge
-"lorge als Grenze der beiden L
:es Dorfes wallisisch, die and
32)Hilty, XVII, 117.

28
Eine neutralisierte Strassedarf von Militärpersonendes einen
-. des andern Staates nicht beschrittenwerden. Nun ergab es
.-.-.iete
-:- aber, dass eidg. Militärpersonen die auf österreichischem
gelegenenTeile des neutralen Weges benitzen mussten.
- -.se Militärpersonenwurden aber von den österreichischen Zoll-
::ntern, die an bestimmtenPunkten des Gebietes installiert
.:en, nicht untersucht,da eine Vorschrift im Vertragevon 1891
:.: 8) besagte,dass der österreichischenZ'ollkontrolle und den
, :rreichischen Zollvorschriften schweizerischeAmtspersonenin
- -.:-ichen Verrichtungen,Angestellte der Grenzwache,Polizei-
-_-aneund Militärpersonen in Dienstkleidung nicht unferworlen
.:i Um nun allen eventuellenSchmugglertrickszu begegnen,
, . de der Zusatzartikel zu Art. 8 geschatfen,gemäss welchem
.. betreffendenschweizerischen Militärpersonenbei den öster-
' . -:-ischenZollämtern Spiessermühleund Schalkelhof durch ein
-.::iiikat der hierzu ermächtigtenschweizerischen Organe (Sek-
' -::schef,Kreiskommando)sich darüber ausweisenmüssen,dass
. entweder zur Militärdienstleistung in die Schweiz einberufen
. - oder von derselbenin ihre Wohnstättenzwickkehren. Durch
:. Bau der Samnaunstrasse ist die BedeutungdieserBestimmung
- .:dings sehr verringert worden.
Grosse Bedeutung haben diese wenigen Artikel nicht; sie
-,len nur, dassman mit wenigenSätzennachbarlicheVerhältnisse
, . .:, an strateEischwichtigen Orten befriedigendgestaltenkann,
:ass ein reibungsloserVerkehrermöglichtwird. Voraussetzung
.. in diesem Falle allerdings der Verzicht der Schweiz auf ihr ilülffiilt
:.:lzbefestigungsrecht und die Erklärung der Grenzstrassea1s
- -;,rales Gebiet.
C. St. Gingolph.
Hiltg schrieb 1903 in sein Jahrbuchanlässlichder Beschrei-
. .; der schweizerischenGrenzverhältnissewas folgt:
,,In St. Gingolph, das sich in zwei bloss durch den Morge-
: --. getrennte,sonst völlig zusammenhängende Dorfteile scheidet
i Cingolph- Suisse und St. Gingolph- France), bestehenmit-
..: etwas schwierige Verhältnissein Bezug auf Stimmrecht,
'..:.riragen, Nutzungen etc., da die Bürger des einen Staates,
-:: Beamte desselben,auf dem Gebietedes andern wohnhaft
'l?)
_
'nd in der Tat: aussergewöhnliche Verhältnisseliegen hier
: staatsvertragliche
Regelungengibt es aber nicht.
Das Dorf St. Gingolph gehörte bis zum Jahre 7536 zu Sa-
:,::, i,om Jahre 7536-7569 zum Wallis. Der am 4. März
'- - zu Thonon zwischenden Herren von Wallis und dem Her-
. En Philibert von Savogenabgeschlossene Vertrag nahm die
, -:t a1sGrenzeder beiden Länder an, so dass die eine Hä1fte
, )orfes wallisisch, die andere savogischwurde. Diese Tei-
':r Hilt]', X\iII, 117.

29
lung war natüriich ein Fehler, sowohl in wirtschaftlicherais in
ciiptomatischerHinsicht. Die Grenze hätle logischerweisebei
Locum, d. h zwischenden GemeindenSt. Gingolph und Meillerie, :!-:- Sc lange die Güier (also
errichtet ri'erdenmüssen. Die Bewohnergewöhntensich aber an r-:. ::n Miteigentum beider G
dieses Ausnahmesgstem.Die Gemeindegüter,har"rptsächiich aus ,-: .:-, die durch ihren Kapitaii',
. . . . . : o d e r d e r G e m e i n d ed i t
Alpen und Vy'aldungenbestehend,blieben,fatalerweise,ungeteili,
" - - . . - r c h e nV e r u ' a l t u n El i e r . :
\\-as zu einer Quelle von StreitiEkeitenzwischendert getrennten
Teilen der Gemeindewirrde. So beklagtesich z. B. St. Gingolph- ,-rnd zular, da kelne
' . i , . , S c h w e i z e r s e i t ed e m Z t , ,
Wallis, dass die französischen Miteigentümerdie auf savogischem
Gebiete gelegenenGüler, die den bedeutenderenTeil des Ge- , . --. Seiteden Bestimrnilng?:
meindevermögens ausmachen, zu ihrem Vorteil aus-
ausschiiesslich - :. - 3ehördenicht eigenmäcl
- -' ,- :'. Ende setzen.ro)
beuleten. Der Bundesrat hatte sich deshalb schon in den 50er
Jahren veranlasst gesehen,sich mit der Regierung Sardiniens -'19 rvaren die Gemeindegut
ins Einvernehmenzu setzen, um eine Teilung der Gemeinde- - . - . : : l e r l u n d L i e E e n s c h a f t e ng .
güter herbeizufihren Die Verhandlungenzogen sich in die Länge -. --roiph. Ein Bürgerrat,der
und wurden schliesslichdurch die politischenEreignissedes Jah- :,: goiph l-rat und der zu gieii
res 1860 unterbrochen i9C3iA4 hat der Bundesratauf Ansuchen - : a n z o s i s c h e nB ü r g e r n b e s t i
des Walliser Staatsrates,dem cine gütliche Verständigungzwi- ..-is del Gregze liegenden C-1
schen St. Gingolph'\,Vallis und St. Gingolph- Frankreich ausEe- : - : :rllrr wird aber ciie Verwaltl:.
schlossenschien,dj.e Sachervieder an ciie Hand genommen,und :: -i iie auf Schweizer Gebiei
in der Absicht, den beiden Farteien lang'"vierigeund kostspielige ..r.'',lrrrdem Gemeinderate\'.,:
Plozessezu ersparen,machte er den Vorschlag,die Teilung auf -. .:-d die auf französischeil
administrativemWege, d. h. durch Kommissäreder beidenRegie- - einer Bürgerkorporaticn
rungen, vorzunehrflen,wenn die französischenGesetzees ge- - : .rschemRechte- der Er
statteten.:3)
Es wurde darauf eine rnternationaleKornmissionbestellt, die ',:.r, deren Wert die GLrter
die Teilung vorztnehmenhatte. 1909 hatte sie ihre Arbeit noch :.::raus und zum grossen T,.
nicltt zum Abschlussebringen können; sie führte aber zu keinem - .:: -e1gt.
Resultat,da die Schweizsich auf den Standpunktstellte, die auf lieben den StreitfraEenrin
der WalliserseiteliegendenGüter gehörtenvollständig den Bür' :::, nirn, wie es scheint,e:-i
gern des schweizerischenSt Gingolph, Frankreich aber darauf -- rirrcheund deren Eigentum?
bestand, dass die Güter zu gleichen ideellen Teilen den beiden . - nur eine Pfarrgemeinder.i
Gerneindengehören sollten.?a) . .r', der vom Bistum Anneci;
1,972(tm Juni) traten neuerdingsUnterhändierder beiden ' - uncrder Friedhof liegen .
Staaten zusammefl, um eine Lösung dieser Grenzangelegenheit - Siirger werden also im i-
herbeizuführen;aber das Resultat der Verhandlungenwar wieder- - -::::11
um negativ.35) - , 5 wollte nämlich der \\ z,
Sie wurden, wie es hiess,unter dem Drucke lokaler Interessen - - :.-::r Schrilte unternehmen, c:
nt nichte. (Glarner Nachrichtenvom 24, Januar 1918) : . -:plomatischemWege die :-
Infolge des Ausbruchsdes Weltkriegesmusstendie Verhand- ' r -: rci Eigentumsrechte der \,',
lungen sine die vertagl werden. Und so konnte auch nicht mehr : l-:gciptr am Vermögender ii.
versuchtwerden, aul einem andern Wege eine Lösung he.rbeizu : ..-:'de St. Gingolph zur Keii:r
führen. Der Bundesrat dachte närnlich daran, ob nicht einseitig ,.. Gesetzes über die Trennung
und auf Grund des bestehendeneidgenössischen und kantonalen ', -'. r'om
Jafue 7905wurde när,
Rechts dem anormalen Verhältnis, weniqstensinsolern es sich ,. Iirventaraufgenommen, dami
33) BBI 1904,I, 633, Neue Zürcher Zeitttng, No. 2497,18. Dez. 1929. .- .: (Nach französischem Rei
34) BBI 1909,II, 609.Hiltl', XXVII, 519. :. sichc z.B. Z.G.B. Art. (]ltl t
35) Hilty, XXVIII, 432.

50
. . ..er SchweizliegendenGüter handeite,ein Ende gesetzt
. :rirte. Dieser Ausweg scheint mir etwas zweifelhaft
St langedie Güter (also auchdie, die auf Schweizerseite
. . -lliteigentumbeider Gemeindeteilestehen (öffentliche
--: durch ihren Kapitalwert oder durch ihre Erträgnisse
-. oder der Gemeindedie Iinanziellen Mittel zur Führung
. .,rchenVerwaltung liefern), mithin dem Privatrecht un-
rnd z\rar, Ca keine andere "Vorschrift besteht, die
, Schweizerseite dem Zivllgesetzbuch,die Güter auf fran-
Seiteden Besbimmungen des CodeCivil, darf Cie schrvei-
3ehörde nicht eiEenrnächtig vorgehenund dernMiteiEen-
=nde setzen.36)
-: \i'Erer1die Gemeindegüter immer noch nicht geteilt. Die
.: und Liegenschaftengehören den Bürgern der beiden
-rh Ein Bürgerrat, der seinen Sitz im schvreizerischen
-oh lrat und der zu qleichen Teilen aus schr,veizerischen
::-r rsischen Bürgern bästeht, verwaltet die cliesseitsund
::r Crenze liegendenGüter. Die Sachewäre somit ein-
, : u-ird aber ciie Verwaltungder Güter dadurchvervrickeit,
, auf Schweizer Gebiet liegenden Güter ais Gemeinde-
. dem Gemeinderalevon St. Gingolph unterstellt sind,
.. jie auf französischemBoden befindlichenVermögens'
--:.el Bürgerkorporationunterstehenund deshalb- nach
, :::rem Rechte - der Einkommensteuer unterliegen. Auf
. rserseiteliegen die Schulgebäude, zahkeicheWiesen und
' reren Wert die Güter auf französischerSeite (Kirche,
-. : und zum grossen Teil bewaldetesLand) wesentlich

. '-:r den Streitfragenum Feld und Wald ging noch eine


-in, wie es scheinf, erledigte, her: Wie stand es rnit
- .r und deren Eigentum? Das internationaleDorf bildet
, r eine PfarrEerueindeund hat nur einen lranzijsischen
-?r vom Bistum AnnecEabhängigist. Die gemeinsame
. der Friedhof liegen auf französischemGebiet. Wal-
-:er werden also im Ausland getauft, verehelichtund

-",'oiltenämlich der Walliser Staatsratbei den Bundes-


Schritteunternehmen, damit der französischen Regierung
-:ratischemWeEe die nötigen Vorbehaltef ür die Wah-
.: Eigentumsrechte der Walliser GemeindeSchweizerisch'
,:li am Vermögender französisch-schweizerischen l(irch'
- St Gingolph zur Kenntnis gebracht würden. Infolge
.: - ZeSüber die Trennungvon Staat und Kirche in Frank-
. Jahre1905 nämlichin den französischen Kirchen
- ,ar aufEenommen, "r'urdedamit es dem Staatenicht entfreiridei
\ach französischem Recht sind die KirchenStaaiseigel-
. . : r z B . Z G .B . A r t . 6 4 6f f . b c s .A r t . 6 4 8A b s . 2 .

ct
tum und werden nur den sog. ,,Kultusgesellschaften" zur BenüIz' - - .i : . : - : i - s a i s a u c h u r n i l . : e
ung überlassen. Diese ,,Kultusgesellschaften" werden als einfache --...:..:ilnst, indemer dara-
Koiporationenbetrachtet.) Die Interventionging dahin,_derBun- . l : : - - - . - : d e n b e l r e l i e n d eSnc
desiat möge bei der französischenRegierungdahin wirken, dass :-- . ::2. (Die Gultigxei
in der Kirche von St. Gingolph diese Inventaraufnahme nicht ge- - .- .-:-.---,'orsteher von Si G-
macht werde, weii die Kirche im Miteigentum von Schweizerisch- - ,i -....: n'orden.) Der B:::
-'
St. Gingolphstehe.3i)
- . -; -^L^
- : . .. : S t S C n eDK^e- :g l e l u n g a - -
Iniolge Fehlens r,veitererMeldungen über diese Streitfrage, - - ;rauflösbar verknip:
und da die Kirche nach wie vor im Miteigentumbeider Dorfteile i , - - -:-.>rr1lund wies dara:-
- -:.. schweh r a l t e ,z i t - e i i r
steht, muss angenommen rvelden,dass die französischeRegierung
- ' - ' ' z i l i e r ts e i e n d
. a dic:
verzichlet hat, auch die Kirche, obwohl ganz auI französischem
Territorium stehend,als Staatseigentum zu beftachten. Ueberdies - , : - - : - " : . u n d W o h n u n gb e s ä s
wäre es sehr fragllch geu'esen,ob die Bestimmungendes fran- : :--.:. Staatsgebieten wechsl
zösischenTrennungsgesetzes auf diese Kirche hälIen angewendet i- .',;:'ien, sie könne nicht z:.
werden können, dä ein eiüseitigerStaatsakt,der ein Objekt be- r::: :- sischemGesetzals Frai:
' " . : : - ; j i i c h t i n F r a n k r e i c hb e
trifit, an u-eichemireinde Staatsangehörige Miteigentumbesrlzen,
nur Güliigkeit erlangen kann, tl'enn entweder eine direkte Ver- r. ..- :iicht französische Staat
ständigungmit den tliieigentümern stattgehabt,oder wenn eine : :::i vor französischen Ge;
internätioiale Abmachungzr,rrischen den beiden Staaten getroffen : - - r . r A u s r . V eügb r i g b l i e b , .
u'orcienist. , ...:l:en Gerichtenzum A':s
-!- .,'-,i-i dem urteilendenGe:
'.- .:-.r nicht angehörende:"
- ,' , :;sbrauch(mündlicheE:
.-:.- das zeigt das Unbei:
-.: .ile ein Kind solcherE-
J:.:-';:eichsgeborenwurden I
beide Bahnhöfe noch und alle Zige halten dort an. "::.,rhten Volljährigkeitin oe
. : . . o h n e B e w i l l i g u n gd e r
-:',',-cizerischen Armee Dienst
-,: '"',-urden vom Gericht als ..l
-: nlichesAufgebot zum .:
-.: :l und die Präfekturver\
; . .:scheinlicherachtete (\',-c
: - .:rrar eine stillschweigen
- , ::-den nicht als Franzos
i . -:.:-s eine efwas zweilelhz
r : ;'.. Stütze im Entscheid dz
.,-.i andern Bürgers, der, r
S: .-.',:iz bezahlt hatte, ais F:
i.::riung der Ersatzsteueri:r
-.-rt:ng nicht gleichgestellt ',
i.iuiung an die obernInstan
-.: Interessentinzwischenvef:
',''-:, nicht mehr auf den Orfs
würden. Der Bundesratverwandtesich für diese Leute bei der
französischen Regierung und bat sowohl um Anerkennung des Eine weitere interessan
3?)Hilty, XX, 479. :.: geteiltenGemeindezog
s8j fiasitomi."h wu", dass sich dabei auch ein Mitglied dcs
Grosse' näiö a.r Kantons'(Vallisbefand. (GlarnerNachrichten,Januar le vergl. BBI 1918,II, 37 u
1 9 1 8)

-::
,::':auchs als auch um ihre Entlassungaus dem französischen
-.-.::sdienst, indem er daraut hinwies, dass irgend eine Nach-
,.-:reit den betreffendenSchweizernnicht zur Last gelegt wer-
-,iönne.
. (Die Gültigkeit der Ausschlagserklärung war vom
:.lLndevorsteher von St. Gingolph und dessenVorgängernnie
: :Lften worden.) Der Bundesrat machte bei diesem Anlasse
-ranzösische Regierungauf die ausserordentlichen Verhältnisse
- d.ie unauflösbarverknüpftenInteressender Doppelgemeinde
:rerksam und wies darauf hin, dass es bei zahbeichen Be-
.:rernschwerhalte, zweifelsfreifestzustellen, in welchemStaate
lomiziliert seien, da dieselben beidseiiig der Grenze Grund'
,rtum und Wohnung besässenund ihr Aufenthaltzwischenden
-:n Staatsgebieten wechsle. Die französischeRegierungliess
- ,'orten, sie könne nicht zulassen,dass Personen,welche nach
'zösischemGesetzals Franzosenzu beftachfenseien,von ihrer
,:.rpflicht in Frankreich befreit würden. Die Behauptung,sie
- r nicht französischeStaatsbürger,hätten die betreffendenBe-
:ier vor französischenGerichtengeltend zu machen. Da kein
.:er Ausweg übrig blieb, kam die Angelegenheit vor den fran-
: schen Gerichten zum Austrag. Twei Schweizetbitger wut-
,.-ondem urteilendenGerichte als dem französischenStaats-
.nd nicht angehörenderkannt. Dabei wurde aber nicht auf
. Ortsbrauch(mündlicheErklärung) abgestellt,sonderndaraut
-rncidas zeigt das Unbefriedigendeder Verhältnisse-, dass
' lrne ein Kind solcher Eltern war, welche beide ausserhalb
'. .ireichs
Eeborenwurden und er selbstsich im Zeitpunkte der
'- :hten Volljährigkeit in der Schweizaufhielt,und dass der an-
. ohne Bewilligung der französischenRegierung, in der
, :izerischenArmee Dienst geleistethatte' Die übrigen Klä-
','urdenvom Gericht als
,,nonrecevables"erklärt, weil sie kein
', rliches Aufgebot zum iranzösischenHeeresdiensteerhalten
' .1 und die Präfekturverwaltungein solchesÄufgebot als un-
-:cheinlicherachtete(worin - fügt der Bundesratbei -
-:.bar eine stillschweigendeAnerkennungliege, dass die Be-
.rden nicht als Franzosenbeanspruchtwerden; meines Er-
- -:.s eine etwas zweifelhafte Supposition). Sie findet z. B.
- Stützc im Entscheid des französischenGerichts in Sachen
. andern Bürgers, der, obwohl er die Militärsteuer in der
, etz bezahlt hatte, als Franzosebetrachtetwurde, weil ,,die
-.zahlung der Ersatzsteuerin der Schweizder effektivenDienst-
stung nicht gleichgestelltwerden könne". (Leider führte die
- . Lrlungan die obern Instanzenzu keiner Entscheidungmehr, da
- Interessentinzwischenverstorbenwar.) In Zukuntt wird man
, nicht mehr auf den Ortsbrauchabstellenwollen.rle)
Eine weitere interessanteFolgerung aus den Verhältnissen
oeteilten Gemeinclezog das Wallisergesetzbetretlend das

lc'rgi. BBI 1918,II, 37 u. BBI 1919,II' 276.

6-ö
Stimmrecht, indem es den jenseits der Grenze wohnendenWalli- :':r ".s-icrrstimmtedie sardis
sern gestattete, in Kantons- und Gemeindeangelegenheiten ihr :;'--:--..:, der Walliser Regieru
Stimmrecht auszuüben. 7927 wurde diese weitgehendeLiberalität :.-:'.:.1:l zu sein" setzte da
durch eine strengere Auslegung des Stimmrechtsgesetzes ersetzt, -:-: jes Comptes)von Sardi
und damit die Stimmberechtigungder im französischen Dorf- --:-, -'-lgendesfest:
teil wohnendenKantonsbürgerverneint. Ein hiergegenbeim Bun- :':. 2): Von nun qn n:
desgericht eingereichter staatsrechtlicherRekurs wurde als un- ). -.': .l€n vorerwähnten Te;t
begründetabgewiesen.In St. Gingolph sind demgemäss nur noch - -':. nehmenund zt+'ara'
diejenigen Schweizerin kantonalen und kommunalen(und natür- ' :,, ,\'rihe des Dories Lo,
lich in eidgenössischen)Fragen stimmberechtigt,die effektiv im . : :; . ).et,. sie wird dcm \\' t
schweizerischenDorfteil wohnen.a0) : .'; : Jrts lolgen über die !
Was die Zollgrenze anbetrifft, so hat die Schweiz in den '',1,-::se bis zu einer
Quelle
Prozessverhandlungenmit Frankreich in Bezug auf die Zonen, - : Grenzlinie zwischen den
1929 und 1950, die Beibehaltungder durch den Turiner Vertrag | .;;'i bildet; von diesemI'er
von 1816 geschaffenenSonderzone von St. Gingolph verlangt, ::, Berghette verlaulen, dit
und der Internationale Ständige Gerichtshof hat in seinem Zwi- : . :: ritl, den Fuss der Dent
schenurteiivom 6. Dezemberi95041) das Recht der Schweizauf ,':-:
. ,'.'eiterdem Berghammio::
Beibehaltung grundsätzlichanerkannt. neben-der STtitzeder C
Die Sonderzonekeilt den lranzösischenTeil von St. Gingolph r '1rt. 3): In der neu so !.
zwischen zwei Mauern ein: zwischen der im Jahre 1849 errichte- Z -::beamtenheinerlei Diens:
ten, wenige Meter von dem Bache lVlorgeentfernten schweizeri-
schenZollgrenze und der französischenZollgrenze an der Grenze Sr n'urde die freie Zone ,
des Dortes Meillerie bei dem Weiler lpcum. In dem 1923 vom "--.:.:
-':::is Beziehungenzwischencie
Volke verworfenen Abkommen zwischen der Schweiz und Frank- eineNotwendigkeitri'ar,'
retch zur Regelung der Handelsbeziehungenund des freundnach- 1:::ags endgültig bestätigt. Ar
barlichenGrenzverhehrszwischen den ehemaligenFreizonenHoch- - r?s geschlossen wurde, rvie e
savouensowie der Landschaft Gex und det angtenzendenschwei- -: rer Meinung, dass es anqe
zerischenKantone vom 7. August 792142)wären die Verhältnisse , -: Si. Gingolph zu berücksich
in St. Gingolph in dem Sinne geregelt worden: Der Verlauf, den -.: :estehendenVerhältnissez
die sardische Zollgrenze von Meillerie bis zur Grenze des Kan- _ : : l e: T l a s s :
tons Wallis nehmen sollte (Länge des Sees bis nach Meillerie, ..ltt Berüchsichtigung der,
um alsdann die gegenwärtige Grenze von nächst bei St. Gingolph ::.rung von St.Gingolplr.
gelegenenOrten weiter zu verfolgen) - der sardische Teil des , ':.,: iranzösischenTeil ge:,
Genlerseeswurde auf diese Weise zwischen die Zollinie der bei- , -.,.!1!iungender beidenLär,t
den angrenzendenStaaten gestellt - gab sogleich Anlass zu -'=':. die zu ergreiien sir:j.
einer Streitigkeit über die Auslegung. Ein sardischerZollposten i. :=,i der Grenzeden kleint
war schon 1816 im Dorfe St. Gingolph aufgestelltworden. Die .:.."' :: ssendienendenVerhei:r
Walliser Regierung machte auf die ernstenUnzuträglichkeiten,die
sich aus einem Vorgehen ergebenmüssten,das ihr dem in Turin Durch die Verwerfungdes 1
(1816) abgeschtrossenen Vertrage zu widersprechenschien, auf- .;.. ',-rispr€chens unmöglichgen
merksan und vertrat die Meinung, dass der ,,nächstebei St. Gin- : - -,:',.itisch nicht befriedigendi
golph gelegenePosten" sich jedenfalls ausserhalbdieses Dorfes -.: :eutigen Sgstem durch i.
befinden müsse. Die Frage blieb während 13 Jahren offen. -.* ;brigen SavogenEehemm
. . Sxzug aui den Verkehr nac
40)Das Urteil wurde nicht veröffentlicht,vergl. aber N.Z.Z' 13.Mai -,: :r:nzösischenBewohnersc
1929. :.: -z:es Regimegeschaffen $'er
+1)Publication de la Cour Permanente de Justice Interationale,
S6rie A, No. 24, S. 16/17. S: l::golph - Frankreich die -\\
-:.: Erzeugnisse nach St.Ging
42)BBI 1921,IV, 511.

34
,-;sslich stimmte die sardischeRegi,erungunter gewissenVor-
.:-:en der Walliser
Regierung zu. ,,Um dem Kanton Wallis
".:ehm zu sein" setzte das Manifest des Rechnungshofes
,.: des Comptes)von Sardinien vom 9. SeptemberlB24 näm-
-cigendesfest:
,1rt.2): Von nun an wird die Zollinie in der Richtung
-, qtn den vorerwtihntenTeiX der Wallisergrenzesm See ihren
'
iang nehmen und zwür an dem Orten wo die erste Brücke
': cler Ntihe des Dorles Locum rlie Grenzstrassercuch Evisn
:':hneidet; sie wird dem Wege desselbenBaches von Locum
.,crgwärts t'olgen über die Spitze der Frosse und den Berg
illmise bis za einer Quelle am Fusse der Felsketfe, welche
.:!e Grenzlinie zwisclten d.en Aemeinden Novel, Bernex und
Tolon bildet; von diesem Vereinigungspunhteab wird sie lcings
':r Berghette verlaulen, d.ie, nqhe bei Tröpertaet sich hin-
.:ek.end,den Fuss der Dent d'Oche erreicht,.von da an wirrl
,:e weiter dem Berghammfolgen, dey sich mit der Dent deVil-
:.nd neben d.er Spitze der Cornette vereinigt.
(Art.3): In der neu so gebildeten Zone wircl von Seite der
.7:,!lbeamtenheinerlei Diensthandlungenvorgenommen.
So wurde die freie Zane von St. Gingolph, die infolge der
-'.3en Beziehungenzwischen den beiden Teilen ain und desselben
-.rrfes
',:tragseineNotwendigkeitwar, durch dieseÄuslegungdes Turiner
endgültig bestätigt"Art.50 des verworfienen Abkommens
das geschlossen wurde, wie es an der betreffendenStelle heisst;
'. der JYleinung,d.asses angezeigt sei, die geographische
Lage
: St. Gingolph zu berücksichtigen,um ihr die Aufrechterhaltung
,: bestehendenVerhältnissezugute kommen zu lassen", lautet
, - gemäss:
,,ln Berüchsichtigungder aussergewöhnlichenLage der Be-
-''kerung von St"GingolTth,die in einen schweizerischenund
,ten französischen Teil getrennt ist, werden sich die Zoll-
. rn,altungender beiden Länder über die .4Lussncthmen verstän-
:ien, die zu ergreifen sind, um den Bewohnern auf beiden
-..'iten der Crenze den kleinen, rein lahalen, den tägliclten Be-
' ::rinisseri.dienendenVerhehr zu erleichtern",.

Durch die Verwerfung des Vertrageswurde die Erfüllung die-


, \,'ersprechens unmöglichgemacht,und so sind die Dinge auch
rolitisch nicht befriedigendgeordnet. Ist die Gemeindeunter
- heutigen Sgstem durch keinen Zollgirtel im Verkehr mit
-. iibrigen Savogengehemmt,so bestaht
noch keine Regelung
3zzug auf den Verkehr nach der Schweiz, und der Wunsch
: :ranzösischenBewohnerschaftgeht dahin, es möchteein be-
.--:ies Regimegeschaffenwerden,welchesden Einwohnernvon
lrngolph - Frankreich die Möglichkeit gebe, beliebigeÄ\engen
' Erzeugnissenach St. Gingolph- Schweiz oder in die irbriqe
Schweizauszuführen. aB) (N.Z.Z. 18. Dez. 1929.1 Nebenbeisei
bemerkt, dass seit Aufhebung der kleinen Zone Ftanzösisch'St.
Gingolph von der französischen Regierungeine kleine Entschädig-
ung erhält, die annähernddie Hälfte der Gemeindeausgaben deckt.
Im ganzenbetrachtetliegen die Verhältnissein St. Gingolph
so, dass ein internationalesAbkommenzwischender Schweizund

Schwierig wird es sein, die Miteigentumsverhältnissean Gütern,


Kirche etc. endgültig zu ordnen. - Das Stimmrechtscheint so-
weit in Ordnung zu sein. Die Frage, ob St. Gingolph in die
schweizerische Neutralität einbezogenist, muss für den schweize-
rischen Teil des Dorfes natürlich bejaht werden. Die Schwierig-
keiten liegen nicht so sehr hier, wie hinsichtlichder internenAn-
gelegenheiten.
Wenn sich die Beteiligten an ein Sgstemgevröhnthaben, so
bedeutetdas noch lange nicht, dass es immer so bleiben müsse,
d. h. in unseremFalle, dass unsichereund unbefriedigendeZu-
ständenicht in feste,sichereund dauerndeFormen gegossenwer-
den könnten.
Zu den Enklaven, Halbenklaven,internationalenDörfern und
neutralisiertenGrenzstrassen dürfen wir noch eine andere ,,Ano-
'malie"
rechnen:das Verhältnis Liechtensteinszur Schweiz,wobei
wir von Anomalie aber nur sprechenkönnen in Bezug auf dio
Crenzverhältnisseund die dadurch sich ergebendeneigenartigen
Ausstrahlungender Souveränitätbeider Länder. Wirtschaftlich
sind nämlich die zwischen der Schweiz und Liechtenstein ab-
geschlossenen Yerträge von der glücklichstenBedeutungund po-
litisch ist das heute geltendeRegime ohne grosseTragweite'
Da aber ganz exceptionelleVerhältnisse vorliegen, rechtfer-
tigt sich eine eingehendereBetrachtung.

$5.
Liechtenstein.
Eine Erörterung der früheren Beziehungenzu Oesterreich
sind im Hinblick auf die
möge vorangehen,da sie aufschlussreich
nach dem Weltkrieg neu geschaffenenzur Schweiz.aa)
Das Fürstentum Liechtenstein stand bis zum Weltkrieg in
enger Verbindung mit dem benachbartenOesterreich. Es rvar
43) Nachdcm das Recht der Schweiz auf Bei-behaltung der-So-nder-
zone anerkannt wordcn ist (siehe Seite 34), werden künftige Verhand-
lung-en zwischen den Parteien dic wirtschaftlichen vcrhältnisse der Zone
regeln.
" 14)vergl. Zeitschrift für schweiz. Recht, n. F. 1923' S. 356.

56
lurch eine Zoll. und Währungsgemeinschaft verbunden" Die
-.:izgebungdes I-andeshatte in weitestemUmfangeösterreichi'
:s Recht vielfach wörtlich iibernommen"Oesterreichisehe Or-
.. besorgtennach österreiehischem Recht die Finanz-, Post-,
.'rhon- und Telegraphen-und die Eisenbahnverwaltung.Das
, zrreite Instanz fungierendeAppellationsgerichtund die poli-
re Rekursinslanzhatteir ihren Sitz in Wien und waren aus
-.,reichischen
Juristen zusammengeselzf.
1815 war Liechtensteindem DeutschenBunde beigetreten,
r es bis zu seiner Auflösung (1866) angehörte" Seither isi
-:lrtensteinein unabhängigersouveränerStaat. An dieserTat-
,:re änderte auch die enge Verbindung mit Oesterreichnichts,
ir diesewar keine staatsrechtliche,sondernberuhteauf freien,
:1baren,die r'ölkerrechtliche
Geschäftsfähigkeit nicht beschrän-
len Staatsverträgen, die denn auch,wie die späterenTatsachen
, iesenhaben,von Liechtensteingelöst werden konnten. Diese
: Gemeinschaftmit Oesterreichbrachteaber fur das l-and die
. ahr mit sich, in die Katastrophedes Weltkrieges mitgerissen
u'erden. Vor allem war es die Währungsgemeinschatt, die
-,lge der Entwertung der österreichischen
Krone das Land mit
:r rr,'irtschaftlichen
Ruin bedrohte. Liechtensteirwar gezwun-
., sictr eine gesicherteWährrffig zLr schaffen. Dies geschah"
2nres die Währung seineswestlichenNachbarn- den Schwei-
ranken annahm. Noch vor Ende des Krieoes war in
-:htensteindie Annahme von Kronen verweigertwörden. Der
''rveizelfrankengelangte auf verschiedenen
Wegen ins Land,
, schliesslichdie Kronenwährunoverschwundenund tatsächlich
- Schweizerwährungeingeführt war. Dieser Vorgang spielie
:- ausserhalbder Rechtsordnungab, denn juristisch war eine
.derungder Währungsgesetzgebung nicht erfolgt. Den tatsäch-
en Verhältnissentrug dann die Gesetzgebung Rechnung,indenr
denr am 1. Sept. 792Ain V./irksamkeittretendenGesetzevom
Augusl 1920 bestimmtrvurde,15)dassdie in sämtlichenliech-
steinischenSteuern' und Gebührengesetzen enthaltenen,auf
' ,:äge der KronenwährunglautendenVorschriftenso urnzuwan-
:, wären, wie wenn sie auf gleiche Beträge der Schweizer
:-::-rlienwährunElauteten. Ein besonderer Währungsvertrag
aber seitensder Schweiz mit Liechtensteinnie abgeschlossen
-.den, der gegebeneZustand ist somit juristisch nicht sank'
:,iert Eine andere Frage ist freilich die, ob durch das er-
::rrte Gesetzdie die österreichische Währung einführendenliech-
sleinischenGesetzeeinfach als aufgehobenzu betrachtensind,
ral das erwähnte Gesetz von einer Aulhebung der liechten-
--:rischenWährungsgesetzeüberhaupt nicht spricht. Da aber
. Gesetzverfügt, dass in allen Finanzgesetzen die Kronenwäh-
-.l durch die Schweizerwährung zu ersetzensei, hat es ipso jure
- die KronenwährunqeinführendenGesetzeaufsehoben,r.i"as
+ö) Liechtenstcinische Gesetze, Bl. No- u, 1920.

5V
auch durch die tatsächlichenVerhältnisse gerechtfertigt war, da
Oesterreichselber die Kronenwährungabgeschafftund die Gul-
denwährung eingeführt hatte.
Was die Steuern und Zölle anbelangt,so besorgtebis gegen
1919 Oesterreich,dessen Zollgebiet Liechtenstein angehörte,die
gesamteindirekte Besteuerung(Zölle, Staatsmonopole, Yerzehr-
ungssteuern). Die Grundlage dafür bildete der Staatsvertrag
vom 5. J:uni 1852. Liechtensteintrat damit dem österreichischen
Sgstem der Zölle, Staatsmonopole,Verzehrungssteuern und Stem-
'auf
pel Kalender, Spielkarten und Zeitungen bei. Als souveräner
Staat dagegen bestimmte Liechtensteinallein die Erhebung aller
direkten Sbeuern. Die österreichischen Gesetzeund Vorschriften
und der österreichischeZolltarlf galten in dem gleichen Umfange, : ' - r - :l a ; : ^ : ; ; : : : .: a : :
wie sic für Vorarlberg galten, auch für Liechtenstein. Die liech- - -: : : : . a . ?- . 2 . : . : : : - :
tensteinischeRegierungübernahmdie Verpflichtung,alle spätern
auf diese Materie sich beziehendenösterreichischen Gesetzeund
Verordnungenin Liechtensteinkund zu machen. Die Verwaltung
führte die Finanzbezirksdirektion in Feldkirch durch österrei-
chische Finanzorgane.- Die Zollämter in Liechtensteinwaren
gemeinsame Aemter, die die Wappen beider Staatentrugen. Die
in Liechtenstein stationierten österreichischenFinanzotgane un-
terstanden in dienstlicher Beziehung den österreichischenBe-
hörden. Sie führten neben der liechtensteinischen die österrei-
chischcKokarde. Das Reinerträgnisaus der Verwaltung wurde
nach einemvereinbartenSchlüsselzwischenOesterreichund Liech-
tensteingeteilt,jedochwurde dem Fürstentumein jährlichesRein-
einkommenverbürgt. Für die Verwaltungskostenhatte Liechten-
stein einen Pauschalbeitragzu zahlen. Die Einnahmen aus der
Zollgemeinschaft mit Oesterreich bildeten die Haupteinnahme-
posten im liechtensteinischen Budget.
Inr August 1919beschlossder Landtag- ohne Kündigung -
das Aufhören des Zollvertrages. Mit dem Kabinettsbeschluss vom
20. August 1919 wurde die Äufhebung v,on der österreichischen
Regierung zur Kenntnis genommen. Dabei wurde ausdrücklich
festgestellt, dass der Schritt Liechtensteinsnicht als Kündigung
im Sinne des Vertrages,sondernals Aufhebungdesselbenwegen
des Wegfalls eines Vertragteileserscheine. Wir haben es daher
nicht mit der völkerrechtlichenKündigung eines Vertrages,son-
dern mit dem Aufhören eines Vertragesinfolge Untergangeines
der beiden Vertragsteilezu tun (Oesterreich-Ungarn).
Da infolge des Währungszerfallsdie gesamtewirtschaftliche
Lage Oesterreichssich veränderte,führte dies zu einer wirtschaft-
lichen Neu'orientierungLiechtensteinsin der Richtung, dass das
Land nicht nur österreichische Verträge authob, sondernin enge
wirtschaftliche Beziehungenzur Schweiz trat. Denn nach Frie- r, D i e ö s t e r r e i c h i s c r - .' ' .
-. - t-lemeinde llittelber" -,-
densschlusswurde die Regierung von Liechtensteinvon der Entente . - - - . : l Z o l l s 1 - s t e ma n : e ; - r - . i :-
aufgetordert, die Souveränität des Landes stärker zu betonen, . - : i a n d i e P o , s t -u n , l Z - - l :
wenn sie auf Wahrung und Anerkennungder staatlichenSelbst- : . \ \ ' ö r t e r b . I . 2 - 1 i,

38
::rLgkeit Wert lege" Lieehtensteinwar daher gezwungen,sich
'. Jesterreichloszulösenund sich ein eigenesRecht zu schaffen.
: ) s es hierbei Anlehnung an die Schweizsuchte,war nur eine
' ..rliehe Folge seiner geographischen Lage und der Kleinheit
,, Staates.
Es kam daher zum Abschluss des Zollvertrages mit der
.''rerz. Seit der Auflösung der Zollgemeinschaft mit Oesterreich
i,rrgte Liechtensteinden Zollverkehr mit eigenen Organen, bis
- neue Regelungmit der Schweizzustandegekommenwar.
Betreffend des Verkehrs stand die einzige,das Land durch-
-:.ende Eisenbahnlinie von Feldkirch über Schaan nach
:irs - unter österreichischer
Verwaltung. DieserZustandblieb
:-,. dem Kriege unverändertfortbestehen,da die Schweiz kein
-.:esse daran hatte, noch den Bahnbetriebüber staatsfremdes
-:iet zu übernehmen und die Verträgemit Oesterreichbetreffend
,: internationalentsahnhofs Buchs nicht geändert zu werden
-.-rchten,was hätte geschehenmüssen,wenn Liechtensteinan
.. Stelle Oesterreichsgetreten wäre.
Das Postwesenwurde seif 1817 von der österreichischen
.:n-altungauf Grund fallweiser Abkommengetührt. Spätertrat
,'h das Telephon-und Telegraphenwesen hinzu. Am 4. Oktober
- - 1 wurde dann eine törmliche Uebereinkunftgeschlossen.Aul
-:;nd
derenwaren die Post und die Telegraphen-und Telephon-
sialten im Lande gemeinsameösterreichisch - liechtensteinische
: :.stalten. Die Verwaltung des Postwesenswar der Post- und
,-egraphendirektion in Innsbruck unterstellt.- Am 31. Januar
.!0 wurde das Postabkommen infolge des Währungszerfallsvom
-:rdtag gekündigt. (Interessant,dass gekündigt wurde!) Am
, November7920 schlossLiechtensteinmit dem Bundesratdas
- , stabkommenab.
Zoll- und Postanschlusskommen in den Beziehungender
Staatenetwa vor. aG) Sie werden dann vollzogen,wenn ein ver-
rältnismässigkleines mit einem grossen Gebiet für Zoll- und
ilandelssacheneine Einheit bildet. In der Regel bestehtalsdann
lie Verbindungin der Weise, dassdie Gesetzgebung des grössern
Teiles als für beide Teile massgebenderklärt wird. Der kleine
Staat begibt sich damit jeder selbständigen Handelspolitik. Wir
raben es bei den Zoll- und Postverträgennicht nur nm eine
=inschränkungder Souveränitätan der Landesgrenzezu tun,
sondern um ihre Minderung für das staatlicheImperium über-
raupt in allen ihren Auswirkungen in dem durch die Verträge ge-
egeltenGebiet.
46) Die österreichische G'cmeinde Jungholz (T-vrol) isi scit 1868
rnd die Gcmeinde Mittelberg (Vorarlberg) scit 1890 durch Vertrlg der.i.r
r e u t s c h e n Z o l l s y s t c m a n g e g l i e d c r t ( R c i c h s g e s b l .1 8 9 1 "5 9 , L i s z t , 3 2 1 , E s
.ei auch an clie Post- und Zollunion Luxemburgs mit Ilelgien etltrntt't
Strupp, Wörterb. I, 241.)
- Betrachtenwir zuerstden Postvertlag; der am 10. Nov. war. Die Verwaltung der i
t:li 1920 abgeschlossen wurde und am 1. Februar' 1927 in Kraft trat. smit für die schweiz.Behör
r,i
i,,i (Abkommen zwischen.dem schweiz; Bundesrat und der liechten- nach Art. 2 des Verhages ge
steinischenRegierung betreffend die Besorgung des Post-, Tele- Yorschriften über das Post-, 1
graphen- und Telephondienstesim Fürstentum Liechtensteindurch h die einschlägigen Verhäge r
die schweiz. Postverwaltung und die schweiz. Telegraphen- und im Fürstentum in gleid
Telephonverwaltung. +z; Cwtze enthalten aber kein
Es war klar, dass es für das Fürstentum bei einer Ausdeh- - Darum schreibt Art- 1
nung von 759 kmz und einer beinahe ausschliesslichbäuerlichen Postsparkasse in der Schwc
Bevölkerung von ungefähr 10,000 Seelen ausserordentlichschwie- besondern Postsparkgssad
rig gewesenwäre, in Bezug auf die Verkehrspolitik eine selbstän- und die hiefür geltendm
dige Stellung einzunehmen,so dass es sich mehr oder weniger hge werde gelten lassen, bis
darauf angewiesensah, die Wahrung seiner wirtschaftlichen In- ndrlhrt sei. Doch wird im lie
ter€ssenwenigstens teilweise einem Nachbarstaatezu überlassen. die schweizerischeWähruric
Da Liechtensteinals vollkommen unabhängigesStaatswesenzum bung befasst sich aber
Abschlussdes Vertrags freie Hand hatte (derFriedensvertragvon &ünung und Guthaben liechüen
St. Germain anerkennt übrigens das Fürstentum Liechtensteinals hfon Fostspar[assa-Amt in Wien
eineir von der Republik Oesterreich unabhängigen,selbständigen Die Einhelt des postalischen
,rwrrahmslos die Geltung schw
Staat, Art. 27 des Friedensvertrages),konnte der Bundesrat,ohne
irgendwelche politischen oder rechtlichen Schwierigkeiten be- Urücrtrefungen, soweit ihre gerid
fürchten zu müssen, in Vertra$sunterhandlungentreten. Das nßt, in erster Jnstanz vom fürstlid
bisherige Vertragssgsfem,welches Liechtenstein an Oesterreich uhilt werden (fremde Gerichte z
band, war, wie wir oben schon ausführten, ausser Kraft gesetzt iln schweiz. Gesetze). Berufmg
und durch rein pr,ovisorischeAbmachungenzwischenLiechtenstein him st. gallischen Kantonsgerich
und Oesterreichersetzt word,en. ertoüt erhoben werden (Art. 5).
Die Post-, Telegraphen- und
Auf Grund des Postübereinkommens wird die schweiz. Ver.
rhin unterstehen ausschliesslich
waltung den Post-, Telegraphen- und Telephonbetriebin Liech-
tenstein übernehmen. Zum Postdienst gehören nun aber auch tedoch als fürstlich-iiechtensteinis
f*gensatz zu trüher, als die Fm
Postscheck-und Postsparkassadienst, und es erhob sich hier die
üisrh-liechtensteinische Anstalts
Frage, ob die Schweiz den Postsparkassadienstin Liechtenstöin
ffikm die Kreisposf St. Gallen, b
übernehmen und weiterführen dürfe und zwar auf Rechnung
ür St. Gallen. Für Aufschriftero
I-iechtensteins. Für die Errichtung einer sog. Postsparkassefehlt grbrauchen, sind aber die liechten
in' der Schweiz.dieverfassungsmässiga Grundlage,da es sich bei ffi€n zu verwenden. {Art. 4 A
der Postsparkassenicht um ein Postgeschäfthandelt, sondern um
tnsteinischer Staatsangehörigkeit
ein Bankgeschäft. (Der Entwurf eines Gesetzesüber die Er-
futmsteinische Kokarde anzubri
richtung einer Postsparkassewurde an den Bundesrat zurick-
Werden vorübergehend, w€tr
gewiesen;vergl Ftreiner501, Anm. 10.) Da ist zu sagen,dass
fu"eizerische Beamte und Ang,sl
die Bundesverfassungin Liechtenstein nicht gilt, folglich auch
m werden sie an ihren Dienstmi
deren Schrankendort kein Hindernis bilden. So traf der Bundes-
ffialten, da nur für die liechtmstr
rat in LiechtensteinVerhältnissean, die er nicht abschaffenkonnte.
Bestimmung vorgeschrieben ist
Die Postsparkassewar eine öffentlich-rechtlicheliechtensteinische süw-eiz. Verwaltung angestellt. t
'Institution, die mit dem Postwesenso verbunden war, dass die
rccht. (Art. 7 Abs. 1.) Rechte r
Schweiz diese tale quale zu übernehmenhatte, wenn sie überhaupt
die gleichen wie in der Schweiz. (
das Postwesenübernehmenwollte, wie esin Art. 1 desVertrags vor-
der eidg. Verwaltung für die vers
' 4\ AS 37, 105.Weltpostvertragvom 23. August1924,Art.9: ,,Als rerden, sind Bundesbeamte,aueh
zurn Weltpostverein gehörend werden angesehen . . . b) Das Fürstentum
' AS 47, 5ll. {8) Betr. die Gerichtsbarkeit ve4
Liechtenstein als Teil des. schweiz. Bqndesgebietes . .
vergl. auch BBI 1920, V, 145. *rrtrag.

40
gesehenwar. Die Verwaltung der liechtensteinischen.P,ostsparkasSe
tuldet somit für die schwciz.Behörden:eineneueArt ihrer Tätigkei!
,milrenrn
Each Art. 2 des Vertrages gelten die schweizerischenGesetze
umdVorschriften über das Post:, Telegraphenrund Telephonwesen
wie die einschlägigenVerträge und Uebereinkünftamit.fremden
iiindern im Fürstentum in glöicher Weise wie.in .der.Schweiz;
dlrrcseGesetze'enXhaltenaber keine,Bestimmungen über die Post-
snerkasse. Darum schreibt Art. 10 vor, dass bis zur Errichlung
urner Postsparkassein der Schweiz die schweiz..Postverwaltung
emen besondern Postspar(assadienstim Fürstentum einrichfen
m'erdeund die hiefür geltenden liachtensteinischenVorschriften
so lange werde gelten lassen,bis in der Schweiz diese Institution
*mgefiihrt sei. Doch wird im liechtensteinischenPostsparkassa-
nrLenstdie schweizerischeWährung eingeführt. Dia schweizerische
Rrstyerwaltung befassf sich aber nicht mit der Ueb,ernahmevon
Rechnungund Guthaben liechtensteinischerEinwohner, die diese
nrim Postsparkassa-Amt in Wien besitzen.
Die Einheit des postalischen Verkehrs erfordert aber sonst
ru-snahmslos die Geltung se,hweizerischer Postgesetze, deren
ieb,ertreh'ngen,soweit ihre gerichtliche Abwandlung erforderlich
rsa in erster Jnstanz uarn fürstlichen Landesgericht in Vaduz be,
.ur.leiltwerden (fremde Gerichte zur Beurteilung von Uebertretun-
ry:r schweiz. Gesetze). Berufung und KassatiLondagegen kann
ruim st. gallischen Kantonsgericht bezw. beim schw,eiz.Bundes-
Sericht erhoben werden (Art. 5).48)
Die Post-, Telegraphen- und Telephon-Aemterin Liechten-
srein unberstehenausschliesslichder schweiz. Verwaltung, sind
.rrioch als fürstlich-iiechtensteinischezu hezeichnen(Art.-4), im
Gegensatzzu friher, als die Postanstaltengemeinsameösterrei-
qisch-liechtensteinisch€Anstalten war€n. Die Betriebsleitung
ilhren die Kreispost St. Gallen, bezw- die Kreistelegräphendirek-
tr':n St. Gallen. Für Aufschriften, Sfempel usw., die die Aemter
@rauchen, sind aber die liechtensüeinischen Wappen und Landes-
Men zu verwenden. (Art.-4 Abs. 2.) Die Angestelltenliech-
mnsteinischerStaatsangehörigkeithaben auf den Dienstmützendie
:echtensteinissheliokarde anzubringen. (Art. a Abs. 5.)
Werden vorübergehend,wenn es der Dienst erfoidert, auch
*chweizerischeBeamte und Angestellta verw ndet (Art. 7 Abs. 2),
sr: werden sie an ihren Dienstmützen die schweiz. Kokarde bei-
lphalten,da riur für die liechtensteihisehen
Beamteneine besöndere
Sestimmung vorgeschriebenist. Die Beamten werden rvon der
rCrweiz.Verwaltung angestellt. Liechtensteinhat das Vorschlags-
ruht. (Art. 7 Abs. 1.) Rechte und Pflichten der B,eamtensind

ler eidg. Verwaltung für die verschiedenenPostdiensteangestellt


m'Erden,sind Bundesbeamte,auch wenn sie dic liechtensteinische
s) Betr. die Gerichtsbarkeitvergl. weitere Ausführungen beim Zoll-
* 3r':rag.

47
Staatsangehörigkeitbesitzen,weil die Eidgenossenschaftdie Post - s , i e l - rli' o n d e r i ü r s t l i :
usw. in Liechtensteinzu besorgenübernommenhat und die Be- I :,.:,::l::.ai Verkaui liechtel
amten deshalbFunhtionender schweiz.Verwaltung ausüben,weil - r-,,'.-:.i1 t'erbleibennatüri
' - . " . - : B e i r i e b s r e c h n u negi n b e
die Verwaltung nach Bundesgesetzen (aber für RechnungLiech- 11'

tensteins) geführt wird. ae) . .-. . .-*.im Telegraphen- ur.i


Die Beamtenunterstehendem eidgenössischen Beamtenrecht. ,:.: Liechtenstein die r-e:
Den ganzen sachlichen Verwaltungsapparat für das P,ost-, -.:-.o, in dem sie erhoben'.
Telegraphen-und Telephonwesen (Bauten,Bureaux mit Inventar, - : . : r s g a b efnü r d i e a l l g e :
Fuhrwesenund -material, die Telegraphen-und Telephonanlagen) I , L . , - - : : l u n g d e s D i e n s t e sP , r'-
hat die liechtensteinischeRegierung zur Verfügung zu stellen; er i " " - . . - : : : i t t e l b a rz u m V e r b r a u c
bleibt jed,ochihr Eigentum. (Art. 15 Abs. 1.) Neuanschaffungen : . ' - , , : - : e t c ) w e r d e nd e r B e i r
und Neuerstellungenwährend der Dauer des Uebereinkommens , i ' . - 3 : : s c h b e t r a gb e l a s t e t d , er
erfolgen auf Rechnungund zuEigentum des Fürsüentums.(Art. 13 , - ' ..:'.s::inische Zwecke zu entsp
' , .:-::tchnungmit Liechtenst
Abs. 2.) In Art. 18 Abs. 1 wird nochmalsbetont,dass Liechten-
stein aufkommenmüssefür die Kosten aller Bauten und Anschaf- i:it dritten Ländern f in
fungen, die nach dem Ermessen der schweiz. Verwaltung nötig PostverkehrLiechtenste
seien. Für Bauten und grössere Anschaffungenist aber die Zu- , '- *:: Lrechtenstein so lange nii
- - . - , - . - . ; e h ri n b e i d e nR i c h t u n g e
stimmung der fürstlichen Regierung erforderlich. - -.:
Liechtenstein lässt besondereliechtensteinischePostweftzei- ' Telegraphen- und Telephc
chen herstellen, die von der eidg. Verwaltung wie eidgenössische :. " .:-dern erhält Liechtenstein:
benitzt werden (Art. 5). Einfacherwäre es, schweizerische Post- : r:: :sverkehr. Im Einoanosr e
-- - .: -ändern behält clie"Sciu'e
wertzeichenauch in Liechtensteineinzuführen,da für den Verkehr -,
zwischen der Schweiz und Liechtensteindie Taxen und Gebünren .r:::ren- und Telephonverk
- - ." t.-:.: von Durchgangsgebüh
wie für den schweizerischen Inlandverkehrgelten (Art. 6). Eben-
-'- : Die aus dem Postscheck
so gelten für den Verkehr mit dem Ausland die nämlichen Tarife
wie in der Schweiz. (Da aber LiechtensteinmonarchischerStaat .- .-' -::. zu Anlagenverwendbarent
ist, hat es wohl darauf beharrt, wenigstens auf den Briefmarken , - : s Z t z e na n z u l e g e nw, i e d i e a : ,
die monarchischeGewalt mittelst des Bildnisses des Fürsten zum " - - s : a m m e n d eGne l d e r .( A r t 1 1
Ausdruck zu bringen, neben den finanziellen Gründen, die dabei :- -;.sIicheForderung,die sich ;,:
'--':.::l ergibt,spätestens innert i-
massgebendwaren; siehe Art. 16 Abs. 2.)
GemässArt. 10 gilt in Liechtensteindie gleiche Gebühren- : - -.-:nung in Schweizerwährunz
freiheit wie in der Schweiz. : : .ine halbjährigeKündigungsfr
Die Einnahmendienen zunächstder Deckung der Betriebs- - . 1-rsseiner Auslegungentstehe
ausgaben. Ein Betriebsgewinn fällt Liechtenstein zu, ein Be- * . ...:hemWege nicht beigelegtu'e
triebsverlustist von ihm zu decken(Art. 18). Die in den Kassen : .',::.i entschieden. (Ärt.20.1so1
der liechtensbeinischen Aemter liegenden Barmittel sind Eigentum i Im April 1929 erschien eine \
der schweiz.Verwaltung (Art. 12). Die zw Kassagebarungbei : rts'icklung des liechtensteinisch.
den Post-, Telegraphen- und Telephonämternerforderliche Bar- - :::rmen: Vor der Uebernahme de
schaft wird, soweit nötig, von der Schweiz vorgeschossen;die . . ,iz bestanden in Liechtenstein 5
: : . S c h a a nu n d E s c h e n ) . D a m a l s z ä h -
schweiz. Postverwaltung ist indessen berechtigt, für den Post- I liechtensteinische. z. T. oesteri-
betrieb zunächst bis zu 20 olo der Guthaben liechtensteinischer . :rang der Post in schrvcizcri*c
Inhaber von Postscheckrechnungen und Kassabüchernzu ver- . ::, Dcr Personalbestand konnte :
wenden. (Art. 12 Abs. 2.) Art. 16 bestimmtsodann,dass die bei ,, : der Vertragszeit drei neue Post
: :.-1) entstandensind und sich der \
den liechtensteinischenPostämtern im Postverkehr eingehenden -. .hrsentwicklung bezw. Vermehru:
Taxen und Gebührenausschliesslich dem Fürstentumverbleiben, - -:.hlungen im Postcheckverkehr T2ti
dass dagegendie Taxen- und Gebühreneinnahmen der schweizeri- , ,-sbezahltenPostanwcisungen 31[)::
- :tt7294010,bei Stückscndungen ol.rn
schen Dienststellen ausschliesslichder Schweiz zukommen. Die ' rung für 1928wies denn auch bei dit
- :rng einen Einnahmenüberschuss r
re) vergl. Fleincr, 247,505.

42
Einnahmenaus dem von der fürstlichen RegierungbesondernStel-
-en übertragenenVerkauf liechtensteinischerPostwertzeichenzu
sammelzweckenverbleiben natürlich Liechtenstein und werden
:-icht in die Betriebsrechnungeinbezogen.(Art. 16 Abs. 2.) Eben-
so verbleibenim Telegraphen-und Telephonverkehrzwischender
S:hweiz und Liechtensteindie vereinnahmtenTaxen und Gebüh-
-.:l dem Land, in dem sie erhobenwerden. (Art. 16 Abs. 3.)
Die Ausgaben für die allEemeineVerwaltung (Oberleitung,
3eaufsichtigung des Dienstes, Prüfung der Rechnungen), sowie
:":r die unmittelbar zum Verbrauch bestimmtenBureaubedürfnisse
lormulare etc.) werden der B,etriebsrechnungmit einem jähr-
-il-ren Bauschbetragbelaslet,
:nen lJausctlb€trag belastet, der
der annah,ernd
annäh,ernddem
dem Aulwand
Aufwand tuf
für
:chtensteinische Zwecke
-_{lflLEllJf,srrlrDLlls
zwgL\u zu
Lu entsprechen
tsrrLJPrgLrrglr hat.
rroL. (Art.L , 15
tJ Abs.
DDJ. 2.)
2.,
=-re Abrechnung mit Liechtenstein über den\ n rPostverkehr der
::ru'eiz mit dritten Ländern findet selbstredend nicht statt.
-:ber den PostverkehrLiechtensteinsmit dritten Ländern dagegen
; -:d mit Liechtensteinso lange nicht abgerechnet,als der dahe-
--:e Verkehr in beiden Richtungen ungefähr der gleiche ist. (Art.
-
I Im Telegraphen-und TelephonverkehrLiechüensteins mit an-
:i:n Ländern erhält Liechtensteinden schweiz.Gebührenanteilim
:-:sgangsverkehr. Im Eingangsverkehr nach Liechtenstein aus
::-tten Ländern behält die Schweiz die Endgebühr. Im Post-,
-.-egraphen-
und Telephonverkehrwird beidseitig auf die An-
:.:hnung von Durchgangsgebühren veruichtet. (Art. 17 Abs. 2
- 1 3). Die aus dem Postscheck-und Postsparkassadienst flies-
i"::-den,zu Anlagen verwendbarenGelder sind nach den gleichen
-::ndsätzen anzulegen,wie die aus dem schweiz. Postscheckver-
i::r stammenden Gelder. (Art. 11.) Nach Art. 18 Abs.2 ist die
,::liessliche Forderung, die sich für die Schweizoder für Liech-
:.:stein ergibt, spätestensinnert 14 Tagen nach Anerkennungder
r---rechnung in Schweizerwährungzu begleichen. Für den Vertrag
; : eine halbjährige Kündigungsfrist (flrt. 19), und Streitigkeiten,
''. aus seiner Auslegung entstehen,werden, wenn sie auf diplo-
r::fischemWege nicht beigelegtwerden können, durchein Schieds-
:.:icht entschieden.(Art. 20.1so;
m) Im April 1929erschieneineNotitzin der N. Z. Z. Q.April) über
r: . Entwicklung des liechtensteinischen Postwesens, der wir was folgt
::rehmen: Vor der Uebernahme der Verwaltung der Post durch die
::::r-eiz bestanden in Liechtenstein 5 Poststellen (Vaduz, Triesen, Bal-
:, :s. Schaan und Eschen). Damals zählte das gesamte Personal 22 Köpfe,
I liechtensteinische, z. T. oesterreichische Staatsangehörige. Der
::frgang der Post in schweizerische \rerwaltung hat sich sehr be-
', irn. Der Personalbestand konnte herabgesetzt werden, obwohl im
i:fe der Vertragszeit
-,i:fe Postämter (Triesenberg,
Vertragszeit drei neue Postämter (Triesen Mauren und
i -,il\
--rll) entstanden asind
on+c+onrtan in,l
und osich
rrh,l i^h
der \Verkehr
.16r IaFl,ahr
sehr gesteigert
colrr rr
hat. -- Die
-i;ehrsentwicklung
-i;ehrsentwicklung bezw. bezw. Vermehrung
Vermehrung seit seit der Uebernahme beträgt
der Uebernahme beträgt bei
bei
; -iahlungenim
, iahlungenim Postcheckverkehr 7200/0,
PostcheckverkehrT200/o,im im Postanweisungsverkehr4340
Postanweisungsverkehr o,
i. -iusbezahlten
-iusbezahltenPostanweisungen
Postanweisungen 3100/0, , bei ausbezahlten
ausbezahlten Zahlungsanrlei-
Zahlungsa
L -ren 12940/0, bei Stücksendungen ohner Wertangabe
Wertanoabe 9360/0.Die Betriebs-
- , . 5:ung für 1928wies denn auch bei diesen Rekorden in der Yerkehrsver-
r: .,rung einen Einnahmenüberschuss von Fr. 232.000.- auf. L-eberall im

43
Die Souveränität Liechtensteinswird durch den Postvertlag
in ziemlichemUmfange eingeschränkt,was abgr durch den Nutzen,
den Liechtenstein(araus zrehf, gerechtfertigt ist.
Juristischinteressanterund verschiedene beachtenswerte Pro-
b l e m ea u f w e r f e n di s t d e r Z o l l v e r t r a g , d e n d i e S c h w e i zm i t
Liechtensteinabgeschlossen hat. (Vertrag zwischender Schweiz
und Liechtensteinüber den Anschlussdes FürstentumsLiechten'
stein an das schweiz.Zollgebiet vom 29. März 1923,in Kraft seit
[illllfl,lltTLLl
dem 1. Januar 192+.14t1 l|lrrüullllllll
Wie kam es zu diesemZollvertrag? i:,r
lwFlr!,1lilT
Die Einlührung des Frankens als allgemeinesZahlungsmittel llllllmirr
(sieheoben), die Reorganisationdes Gerichtswesens und die unter lllmlllllllullii
starker Anlehnung an die Schweiz erfolgten Abänderungender
prozessualen und materieTlenRechtsvorschriften brachten eine
weitereAnnäherungder Schweizgegenüber.Um so empfindlicher
wurde das liechtensteinische Wirtschaftslebenvon den im Verkehr
mit der Schweiznoch bestehenden Schrankenberührt, indem ins-
besonderedem liechtensteinischen Bauer durch die schweizerischen Ill{utrilf: i
Einfuhrbeschränkungen die Schweizals Absatzgebietfür sein Vieh lüil,
verschlossen blieb und dem liechtensteinischen Arbeiter, der einer nmlilri
Beschäftigungin der Schweiz nachgehenwollte, hemmendeEin- r
iltililllltt
reisevorschriften entgegenstanden.So war es erklärlich,dass ein WIIr i,
Vertrag mit der Schweiz, der die Zoll- und Reiseschrankenzwi- rldüXilruu'r
schenden beiden Ländern beseitigenwollte, für Liechtensteinnur iüüIllili ,,
vorteilhaft war. iluüilllluiir
i:.:r'I
Ob das Fürstentummif einer eigenenZollpolitik, d. h. indem
es vom Zollanschluss(Zollunion) Umgang genommen,gute Er-
fahrungen gemachthätte, muss bezweilelt werden, wenngleich die
diesbezüglichen Bestrebungen,die auf eine Wahrung der vollen
SelbständigkeitLiechtensteinsgerichtet waren, ernst genommen
werden mussten,obschonsie nicht viele Anhänger fanden.
Das liechtensteinische Gebiet ermangelt eigener wirtschaft-
licher Hilfsmittel allzu sehr, als dass die Aufrechterhaltungeines
eigenenZollregimesdem Anschlussan ein fremdesZoTlgebietaul
die Dauer hätte vorgezogenwerden können. Namentlichder liech-
tensteinische Vieh- und Milchtransport,die wichtigsteEinnahme-
quelle des Landes, konnte nur dann einigermassensichergestellt
werden,wenn das Land Teil einesWirtschaftsgebietes wurde, das
Gewähr für' Absatzmöglichkeiten von Vieh- und landwirtschaft-
lichen Produkten b,ot.
ganzen Lantle, heisst es da, sind die Postverbindungen verbcssert wordeu.
und die Bcsorgung der Yerrn'altung durch die Schweiz kommt Liechten-
stein ausserordentlich billig zu stehen. 1928 bctrug nämlich die Pau-
schalentschädigung (Art. 15, Abs. 2) nur Fr. 2859.-. ,,Lichtenstein hai
also den Abschluss dcr Uebereinkunft nicht zu bercuen, denn es fährt
sehr gut dabei."
51)AS 39, 551, BBI 1923, II, 374 tr. Gutachten über den Zollan-
schluss, erstattet von Dr. J. Lorenz.

+1
Um was handelt es sich im ZoTlverfuag? '. ,
Art. 2 Äns. Z des Bundesgesetzesübei-das Zollwesen vom
1. Oktober lg21bz) lautet:
,trVlit Rücksicht aüf ikre Lage h.önnen"schweizl Grenzgebiete
oder Gr enzliegenschaften, unbesch*det der Ueber wuchung du.rch
die Zollverwaltwng, vom schweiz. Zollgebiet ausgeschl.assen
werden ( Zollausschlussgebiet).
Fällt bei Grenzseendie poliiische Grenzenicht mit der Zoll-
Jrenzezusamrnen,:soverläuft die Zollgtenze tn eimemAbstirnd von
ctl0 m vom Schweizeruftet. Der Zwischenraum zwischen der ZolI-
grerze und der politischen Gfenze ist Zollausschlussgebiet, wenn
tetzterc mehr als 600 m vom Ufer ,entfernt ist und den See nicht
,;uer durchschneidet.53)
Abs. 4 des Artikels sagt:
,,Fremdes Staatsgebiet, das durch Staatsvertrag dem schweiz.
Zollgebiete angegliedert ist (Zollanschlussgebiet), gilt uls in-
nerhalb der schweiz. Zollgrenze liegend."
Liechtensteinist tgpisches Zollanschlussland. Beim Staats-
mertraghandelt es sich nicht. etwa um einen Zollvereinsvertrag,
i h. nicht um die Vereinigung'zweier mit Bezug auf die Zollpoli-
rk gleichberechtigter l(ontrahenten, sondern um einen Zoll-
mschlussvertrag,d. h; üffi eine Vereinbarung, nach welcher das
,:rössereWirtschaftsgebietdie Interessenwahrungfür das kleinere
iltrcrnimmt, wobei die Regierung des kleineren Landes vor Ab-
schlussdes Vertrages anzuhören ist. - Der Vertrag spricht es
eursdrücklichaus:
,,Das Gebiet des Fürste'ntums Liechtenstein wird an das
schweiz. Zollgebiet angeschlossenund bildet einen Bestandteil
des schweizerischenZollgebietes.
Aru der schweizerisch-iiechtenstein,ischen Grenze dürlen d.a-
her wöhrend der Dau.er des Vertrages von keiner Seite Ab-
gabenerhoben,sowie Beschränhungeiund Verboteder Ein- und
-trasfuh.rerlassen werden, sofern solcke nicht im Verhehr von
f,anton zu Kanton als zulässig erhltirt werden."
Von grosser.Wichtigkeit sind die Bestimmungendes Art. 4:
,,ZufoLge des Zollanschlusses.linden im Fürstentum Liichten-
slein in gleicfter Weise Anwendung wie in der Schweiz die zur
Zeit des Inh,rafttretens dieses Vertrages geltenden und während
dessen Dauer. in Rechtswirhsamkeit tretenden Bestimmungen:
1. der gesamten sthweizerischen Zollgesetzgebung;
2- der übrigen Bunde:sgesetzgebung, soweit dbr Zoltanschluss
ihre Anwendung bedingt.
Von diesen Bestimmungen bleiben ausgenommenalle dieieni.
gen Vorschrilteiz der Bundesgesetzgebung,durch welche eine
Beitragspflieht des Bundes begründet wird.',5a)
52)AS 42,287.
eajZottv<irördnoog, Art. 1, AS 42, 339.
il) Z. B. Art. 25 des Bundesgesetzes betr, die Bekämpfungder

1r5
GemässArt. 5 . des Vertrages wird sodann beschlqssen,dass Uebertreüungen lishalischer i
Lie,chtenstein,wenn nötig, auch die Bundesgeset2gebungüber Bundesbeschlüsse betr. Besch
gewerbliches,literarisches und künstlerischesEigentum und die werhen, das Bundesgesetzübt
betreffenden internationalen Verträge anerkenhensolle. Gemäss den Vogelschutz und die ds.
Art.7 finden sodann die von der Schweizmit Dritten abgeschlos- nungen. Alle Epidemiengese
senen Handels- und Zollverträge auch in LiechtensteinAnwend- Epidemien, i4assnahmen betr
ung, ,,wobei die Schweiz ihre aus bestehendenVerträgen sich er- Tierseuchengesetz).
gebende Verpflichtungen vorbehäIt". Für Abgaben, die in An- Das Lebensmittelgesetzunt
wendung der nach Art.7 geltenden Staatsverträgeerhoben wer- verbot, das Bundesgesetz b
den, sorvie für die uRter Anwendung cidgenössischenRechts aus- Kunstmost.
gesprochenenBussen gilt die schweiz. Währung; auch die Eid- Dann finden Anwendung
genossenschaft entrichtet die dem Fürstentum zu bezahlBnden rechts (Allg. Teil, Verbrechen
Beträge in schweizerischer Währung (Art. 2). In Ansehungder Beamte, Ftilschung von Bundt
im Fürstentum gemäss den Art. 4 und 5 anzuwendendenGesetz- des Org.-Ges. der Bundesrec
gebung kommt dem Fürstentum die gleiche Rechtsstellungzu wie Militärdepurte ments hommen
den schweizerischenKantonen (Art. 6), d.h. es übernimmt alle monopol u.. diversePulververo
Rechte und Pflichten-derselben. Dass Liechtensteinwährend der Ausfuhr verbotener militäriscrt
Dauer des Vertrages mit keinen dritten Staaten selbständigHan- ist in Liechtenstein eingelührt
dels- oder Zollverträge abschliessendarf, is! selbstredend(Art. 8). der Handeßreisenden, dann,
Die Tragweite dieser Artikel ist sehr gross. Zu Art. 4. sind das Fabrihgesetz und die bez
denn auch in zttei Beilagen ztm V'ertrage diejenigen Gesetze, chengesetz,die Phylloxeratibt
Bundesbeschlüsse, Bundesratsbeschlüsse und Verfügungenvon ein- treffend dte Ordnung des Lu,
zelnen Departementen aufgezeichnet,die auch in Liechtenstein in dung noch zirha 30 Bunde
Rechtswirksamkeittreten. und, Departementalverfügungc
, Eine kurze Zusammenstellungmöge f,olgen:rs) beschrtinhungen,die olt wech
Folgende Gesetzgebungfindet in LiechtensteinAnwendung: gefallen sind.
Einfuhr-, Ausfuhr-, Umlauf-, Austausch- und Rückzugs' In der Anluge II finden wt
bestimmungendie tl[ünzen betreffend,s0) das Bundesgesetzüber zerischen Hqndels. und Zollr
fulass und Gewieht, die Bundesbeschlüssebetr. Kontrollierung ten, die im Fürstentum Anwer
der Einfuhr von Gold-, Silber- und Platinwaren. Die Anwendung der Bunde
Gesetze und Verordnungen betr. Stempelabgabenund betr. durch die vorstehendenArtikel
Stempelabgabenaul Coupons. Das Bundesgesetzüber die ge' rungsgesetz zum Zollvertrag, er
brsnnlen,Wasser und Beschlüsseüber die Verwendung von In' welches wir kurz zu sprechenI
dustriesprit. Dann alle Gesetze und Verordnungen betref- regelt.
fend. das Zollwesen (Zollgesetz, Zolltarifgesetz, Orgunisation Es ist zu betonen, dass ins
der Zollverwaltung, das Bundesgesetz betr. Verlahren bei tonalen Ausführungsbestimmun
Tierseuc\en vom 13. Juni 1917 (AS 34, 125), der den Kantonen an die rates vorgesehenist, auch die
Ausgabe,nfür die geschädigten Tierbesitzer Beiträge von 40-500/o gewährt. derselbenGenehmigungunterlia
Wir haben zu unterscheid
a) Bestimmungen,die intolge
zuwendensind, die in der
b) Bestimmungen,die infolge
zuw'enden sind, aber erst
schlusseerlassen wurden.
c) Ergänzungenund.Abände
ten Bestimmungen.
.
liechtensteinischen Münzen (Kronen) auf, sodass es oft Verwechslungen 67) Liechtenstein, Gesetzesbl.
gab und auch liechtenstreinische Kronen als Franken ausgegeben wprden.

46
Uebertreü!1.ng9nlis,hqli;cher und. polizeilicher Bundesgesetze),
Bundesbeschlüssebetr. Beschränhung:der Einluhr von Kunst-
werhen, das Bundesgesetzüber die Fischerei und die lagd und.
den Vogelschutz und die dazu gehörigen Vollziehungsvetord.-
wtg,€tt : AlIe ETtide.miengesetze-(Gesetz betr. gemeingelährliche
Epidemien, i4assnahmen betr. Leichentransporte, Desinfehtion,
Tierseuchengesetz).
Dus Lebensmittelgesetzund seine Verordnung, das Absinth-
verbot, das Bundesgesetz betr. Verbot von l(unstwein und
Kunstmost.
Dann finden Anwendung einzelne Teile des Bundesstraf-
rechts (Allg, Teil, Verbrechenund Vergehen von Beamten, gegen
Beamte, Fälschung von Bundesahten etc.). Dann einige Ärtihet
des Org.-Ges. der Bundesrechtspflege. Aus dem Beietche des
tllilitärdepartements hommen nur das Gesetz betr: das Pulver-
monopol u. diversePulververordnungen sowie d, Verlügung betr.
Ausfuhr verbotener militürischer Wallen in Betracht. - Ebenso
ist in Liechtenstein eingeführt das Gesetz betr. die Putenttaxen
der Handelsreisenden, ddnp, was bedeutungsvoll werden hann,
das Fabrihgesetz und die bezügl. Verordnungen, das Zündhölz-
chengesetz,die Phylloxeraübereinkunft, und der Beschluss be-
trelfend die Ordnung des Laltverhehrs. Dann linden Anwen-
dung noch zirha 30 Bundesbeschlüsse,Bundesratsbeschlüsse
und. Departementalverfügungen betrellend Ein- und Ausfuhr-
beschrünhungen,'dieoft wechseln,die teils uuch schon dahin-
gelallen sind.
In der Anlage II finden wir ein Verzeichnis von iI schwei-
zerischen Handels. und Zollverträgen mit ausländischen Staa-
ten, die im Fürstentum Anwendung finden.
Die Anwendung der BundesEesetzgebungin Liechtenstein, die
lurch die vorstehendenArtikel vorgeseheqist, wird im Einfüh-
rugsgesetz zum Zsllvertrag, erlassen am 15. Mai 1924,571auf
melcheswir kutz zu sprechenkommen möchten, des nähern ge-
-egelt.
Es ist zu betonen,dass insoweit für die entsprechendenkan-
:onalenAusführungsbestimmungen die Genehmigungdes Bundes-
:ates vorggsehenist, auch die liechtensteinischenBestimmungen
:erselben Genehmigungunterliegen. (Art. 38 des Zollvertrages.)
Wir haben zu unterscheiden:

c) Ergänzungenund Abänder.ungender sub a) und b) genann-


ten Bestimmungen.
54{,i.chtenstein,G".etä".Ui.iS2A,N". li.

47
,,. Zu a): Sowie der Zollvertrag in Kraft trat, erhielten füt
.diesen lYloment.auchdie in LiechtensteinanwendbarenBestimm- nicht getroffen worden, dagegen isl
.ung€n für das Gebiet des FürstenturnsverbindlicheKraft (Art, 21 rmd.Zünch ein Abkommen über die
-Einf.-Ges.). abgeschlossenworden (Ai't. 105 Abs
Zu b): Werden später für LiechtensteinanwendbareErlasse Das Einführungsgesetzenthäll
.und Verträge.geschaffeR,so treten sie im Fürstentum zt gleicher ten, zn verschiedenenBundes!;eset
Zeit wie in der Schweizin Kraft (Art. 2 Abs, 2 Finf.-Ges.),und die eigens geschaffenwerden muss
der Bundesrat teilt sie der liechtensteinischen
Regierungmit (Art. ziehungsverordnungennicht ohne w
10 Abs. 2 des Vertrages). steinischen Verhältnisse anwenden I
In jedem Falle aber hat die liechtensteinische .Regierungzt) zn sind aber diese liechtensteinisch
.prüfen, ,obdie von zuständigenBundesbehördenals anwendbarbe- eerischen sehr ähnlich. Wir erwäl
:zei:chnetenBestimmungenzu der in Art. 4 des Zollvertrages ge-
nannten Bundesgesetzgebung gehören (Art. 5 Abs. 1 Einf.-Ges.).
Diese Bestimmungenlegt sie, nach gewalteter Prüfung, dem liech-
.tensteinischenLandtage zurKenntnisnahme v,or. Er wird nur
. dann um Wünsche gefragt, wenn der Bundesrat der liechtenstei-
,nischen Regierung mitgeteilt hat, er beabsichtige,mit Oesterreich
reinen ZolI- und Handelsvertrag abzuschliessen(Art. 5 Abs. 2 rung der Abteilung für Industrie ur
Einf.-Ges. und Art.'B Abs. 3 Zollverftagl. wirtschaftsdepartefüentsBericht unc
.- Die Regierunghai das Inkrafttretenäer anwendbarenschwei- eine industrielle Anstalt im Fürsten
zerischen Bestimmüngenin deir Landesblättern ,;unter Angabe des zu unterstellen,und ob,eine so unt
vollen Titels'i'bekannt zu gebenund den beziglichen Regierungs- verzeichnis wieder zu streichen sei.
.beschluss in däs Landesgesetzblatt aalzunehrnen (Art. 4 Einf.-
Die Hauptsacheist, classin der
.Gesetzund Art. 105 Abs. 1 und 2 Einf.-Gesetz). Verbrauchssteuerwesens, der Vorschr
Zt c): Alle Ergänzungenund Abänderungender in den An. der Fabrikgesetzgebungund der be
lagen I und II des Vertrages erwähnüenBundesgesetzgebung und werbegesetzgebung,' gewisser Vorsc
.Staatsverträgewerden vom Bundesrat der liechtensteinischenRe- sdraft, das Veterinärwesen, des Ver
.gierung mitgeteilt uhd von derselb,enöffentlich gemacht. wie betreffend des Arbeitsmarktes i
Wir gelangen zu iolgenden Schlüssen: ordnung der Dinge liegt. Natürl
Es ist weder eine Verfassungsänderung, noch ein besonderes wtze nut insoweit zur Anwendung, a
Gesetz nötig, wenn eidg. Gesetzgebungin LiechtensteinAnwen- bedingt sind. (Das Fabrikgesetz n
dung finden soll: Wird ein eidg. Gesetz etc. eingeführt, so wird, Snwendung komm€n, denn gäbe es
wenn zwischenden beidenR,egierungen Uebereinstimmungherrscht, s'äre es nicht angängig, unter vielle
dem Landtag hievon lediglich Kenntnis gegeben. rrischenVerhältnissen und Gesetzes
In der Praxis sa) erhält der Landtag damit Gelegenheit,eine dustrien den schweizerischen fu.2ügl.
gegenteilige Auffassung zur Geltung zu bringen. Die Regierung h-) Deshalb Gleichstellung mit d'
könne darauf in neue Unterhandlungentreten, wenn sie wolle, an
die Stellungnahmedes Landtages ist sie, gemäss Vertrag, nicht Dieser Grundsatz wirkt sich in i
gebunden. Bei dieser Kenntnisnahme nimmt aber mitunter der $etz betr. die Stempelabgabenund (
Landtqg dann die Gelegenheitwahr, in einem GesetzAusführungs- Nach Art. 6 des Vertrages kom
'oder
Ergänzungsbestimmungenzu erlassen. Ander.e Befugnisse Rechtsstellung a1 wie den ictrqreiz
'hat er in dieser Sachenicht. Es sei bemerkt, dass meistensauch Bezug auf das Stempelgesetzrriüt
die schweiz. Vollziehungsverordnungenmit den Gesetzen über- n$L Es kommt somit Obligationenar
'nommen
werden (wie es in manchenFällen der Text der Anlagen frell der Gemeinden ohne weiteres
zum Vertrag auch vorsieht). - lvlit einzekrcn Kantonen sind be- den schweizerischen,d.h. sie u:
'sondere
Vereinbarungenüber die Vollziehung der Bundesgesetze üensteinischeprivate Emissione
- ra) nac_hqiner freqndlichen Mittpilung dgr liechtepsteinischen Ge- 5e)
sandtschaft in Bern. .B€tr. Anwendu4g des -St. gallis
, slehe unten.

118
:--ichtgetroffen worden, dagegenist mit den Kantonen .SL Gallen
";nd Zürich ein Abkornmen über die Vollstreckung von Zivilwteilen
:bgeschlossen worden (Art. 105 Abs. 4b Einf.-Gesetz).st1
Das Einführungsgesetzenthält, um dies gleich hier anzutih-
ien, zu verschiedenenBundesgesetzenAusführungsb,estimmungen,
ie eigens geschaffenwerden mussten,da sich die schweiz.Voll-
ziehungsverordnungen nicht ohne weiüeresauch auf die liechten-
steinischenVerhältnisse anwendenliessen. Im grossen und gan-
zen sind aber diese liechtensteinischen
Besfimmungenden schwei-

n unterstellen, und ob eine so unterstellte Fabrik vom Fabrik-


,-erzeichniswieder zu streichen sei.
Die Hauptsacheist, dass in der Einheitlichkeit des Zoll- und
i'erbrauchssteuerwesens, der Vorschriften betr. die Stempelsteuern,
:er Fabrikgesetzgebungund der bestehendenund künftigen Ge-
;erbegesetzgebung,gewisser Vorschriften betr. die Landrvirt-
=chaff, das Veterinärwesen,des Verkehrs mit Lebensmitteln,so-
.-rie betrefiend des Arbeitsmarktes das Schwergewichtder Neu-
,-rdnung der Dinge liegt. Natürlich kommen alle diese Ga-
--etzenur insoweit zur Anwendung, als sie durch den Zollanschluss
Sedingt sind. (Das Fabrikgesetzmuss z. B. voll und ganz zur
.lnwendung kommen, denn gäbe es Fabriken in Liechtenstein,so
';r,-äre
es nicht angängig, unter vielleicht günstig,erenliechtenstei-
:ischen Verhältnissen und Gesetzesbestimmungen söhaffendeIn-
rustrien den schweizerischenbezigl. Handelsverträgegleichzustel-
ien.) Deshalb Gleichstellungmit den Kantonen.
Dieser Grundsatz wirkt sich in interessanterWeise beim Ge-
:ztz betr. die Stempelabgabenund Couponsteuernaus:
Nach Art. 6 des Verfrages kommt Liechtenstein die gleiche
Rechtsstellungzu wie den schweiz. Kanüonen, obwohl dies in
Eezug auf das Stempelgesetznicht expr,essisverbis ausgedrückt
:st. Es kommt somit Obligationenanleihendes Landes wie even-
.uell der Gemeindenohne.weiteres die gleiche Behandlung'zu
* ie den schweizerischen,d. h. sie unterliegen der Abgabe nicht.
Liechtensteinischeprivate Emissionen werden als sghweizerische
5e).8-etr.Anwepdung. des st. gallischen Straf- upd Strafprozess-
-
::chts. siehe unten.

4E
behandelt,wie überhaupt dem Liechtensteinerhinsichtlich des Ge- $'ar. (Sie konnte z. B. nach der I
setzes die gleiche Rechtsstellung wie dem Schweizet zukommt..6o) r.orgenommenwerden, deren Bem
Ueberäie aus dem Fürstentum auf Grund des Stempelabgabe- schien.) In Ermangelungeiner a
rungsziffer gewählt, und es wurd
stung von Fr. 20..- auf den Kopf
Abzug v'orr25 o/o für verminderte
schenBevölkerung als Grundlage
durchschnittlichenBerechnungder
rcn 7917-7921 ergab. Die Ber
Anteils komplizierle sich noch d
setzung dem Umstande Rechnung
dem Fürstentum die gemässBunr
die Kantone zu leistenden Beiträ
währt wurden. Von der Anwendrl
Bestimmungenauf Liechtensteinr
gaben werden nicht als rückwirkend etklärt ("..\.^.auf vor dem men (Art. 4), weil vorauszusehe
17. lanuar 1923 ergangeneObligationenanleih'en). !2) . zelner Abrechnungenim Verhältn
Das interne Sieueirecht Liechtensteinswird durch den Zoll- keiten ergebenwürden. Wenn m
vertrag nicht berührt. Dass die Stempel- und Couponsteuerauf träge ganz bedeutendsein können
LiechtänsteinAnwendung findet, hat seinen Grund darin, dass sie die durch die Bundesgesetzgebun
- wir erinnern nur an die Kosten
eine tgpische Verkehrssieuerist und f,olglich nicht ^nur auf das
liechteästeinischeStaatsgebietbeschränktbleibt (der Stempelwird so erschien es ger.echtfertigt,das
z.B. auf Frachturkundenerhoben). beiträge die an Liechtenstein zu
Zurückkehrend zu Art. 4 des Vertrages sind noch folgende angemessenerWeise erhöht wurd
Art. 56 bestimmt sodann,das
bemessenen Anteils v,onn,euemvor
der beiden vertragschliessenden
Ablauf einer vom Inkraft[reten de
dreijährigen Periode ein dahinge
Eine in der Natur der Sach
dann Art. 8 des Vertrages. Art. 8
nicht. Diese UnglOichheitwird behob'endurch Art. 55 des Ver-
der Geltungsdauerdes Vertrages
ständig Handels- oder Zollvertrd
ein schwerer Eingriff in die Sour
bedeutet aber nur die praktische
w-onach.fast alle von der Schweiz
nen Verträge auch in Liechtenste
noch andere Verträge Liechtenst
trlatz mehr daneben finden kör
auch die Schweiz, es bei 'Unterh
über den Abschlussvon Handels-
Dauer des Vertrages zu vertreten
samkeit auch für das Fürstentum
---60) rrit Oesterreich, dem direkten Ni
vergl. Gutachten Lorenz, S. 23.-
erj i,ä"[i. ääiu Ärt. 3 des Stempe-lst-euergesetzes,.der. nur auf die abgeschl,ossen, so ist vor dem Abs
schweizeriscften Kantone Anwendung- Iindet, femäss Art' 4, Abs' 2 des anzuhören(Art. B Abs. 2).
Vertraqes.
eä vergl. Schlussprotokoll zum Vertrag, AS 39, 563. 63)BBI 1923,II, 389/90.
rrd-- (Sie konnte z.B. nach der Konsumkraft eines jeden Staates
är:r-genomrn€n werden, der,enBemessungaber allzu schwierig et-
r:ien.) In Ermangelungeiner andern Basis wurde die Bevölke-
rrgsziffer gewählt, und es wurde dabei eine Durchschnittsbela-
sil:f,g von Fr. 20.'- auf den Kopf der schweiz.Bevölkerung unter
o:zrlg von 25 o7ofür vermindertel{onsumkraft der liechtensteini-
i;=en Bevölkerung als Grundlage genommen,welche sich aus der
:;:ehschnittlichen Berechnungder schweizerischenZolleinnahmen
wa 7917-1921 ergab. Di€ Bemessung des liechtensteinischen
n:ieils komplizierte sich noch dadurch, dass bei dessen Fest-
r{---amgdem Umstande Rechnung getragen werden musste, dass
*r.n Fürstentum die gemässBundesgesetzgebung vom Bunde an
r," Kantone zu leistenden Beiträge, wie oben gesagt, nicht ge-
mlrt wurden. Von der Anwendung der bezügl. bundesrechtlictien
i;-siimmungen auf Liechtensteinwurde deshalb Umgang genom-
nta (Art. 4), weil vorauszusehenwar, dass sich hinsichtlich ein-
:,:-rer Abrechnungenim Verhälinis zu den Kantonen Schwierig-
r r:ren ergebenwürden. Wenn man nun erwog, dass diese Bei-
:=ge ganz bedeutendsein können und ein billiges Aequivalent für
' . durch die Bundesgesetzgebung überbundenenLasten darstellen
- nir erinnern nur an die l(osten der Viehseuchenbekämpfung -
-- erschien es gerechtfertigt, dass für den Ausfall der Bundes-
:!-rträge die an Liechtenstein zu gewährendePauschalsummein
E:-Eemessener Weise erhöht wurde.63)
Art. 56 bestimmt sodann, dass die Festsetzungdes in Art. 35
:!-iressenenAnteils v,onneuem votzunehmensei, sotern von'einem
:.r beiden vertragschliessendenTeile mindestens ein Jahr vor
:i-riauf einer vom Inkrafttreten des Vertrages an zu berechnenden
-:eijährigen Periode ein dahingehendesBegehren gestellt werde.
Eine in der Natur der Sache liegende Bestimmung ist so-
::lr Art. 8 des Vertrag,es. Art. 8, wonach Liechtensteinwährend
:er Geltungsdauerdes Vertrages mit keinem drittan Staate selb-
:;ändig Handels- oder ZollverträEe abschliessenkönne, scheint
i:ri schwerer Eingriff in die Souveränität Liechtensteinszu sein,
:uzdeutetaber nur die praktische Konsequenz der Bestimmung,
a onach fast alle von der Schweiz mit dem Ausland abgeschlosse-
:en Verträge auch in Liechtenstein Geltung besitzen, und somit
roch andere Verträge Liechtensteins mit dem Auslande keinen

it Oesterreich, dem direkten Nachbar Liechtensteins,Verträge


:bgeschlossen,so ist vor dem Abschlussedie fürstliche Regierung
:rzxhslsn (Art. 8 Abs. 2).
63)BBI 1923,II, 389/90.

51r
dlese RechtsstellungLiechtelstein r
Eigenartig ist ferner die folgende Bestimmung im Schluss-
grmäss Fut. als des Vertrages in
protokoll:
&setzgebung. Die in Liechtenste
,,Zrllischen den vertragsschliessendenTeilen besteht Einver- ist aber in den Anlagen I und II
ständnis darüber, dass während der Geltungsdauer des Ver-
gezeichnet. Eine Bestimmungdie I
trages die Duldung oder Errichtung einer STtielbanh.aut' dem
erwähnt. Wenn auch im Schlussp
Gebietc des Fürstentumsausgeschlossen ist and dass die fürst-
des Vertrages, das Spielbankverbo
liche Regierung die zur Du.rchführung dieses Verbotes erforder-
Itchen Massnahmentrellen wird.u Spielbank zu enichten oder zu dul
so kommt ftotzdem Art. 6 des Ve
Die Botschaft64) bem€rkt d,azu: seil dieser nur ganz bestimmte l
,,Liechtensteinverpflichtet sich, keine Spielbank auf dem Ge- Verbot der Bundesverfassungdie
biete des Fürstentumszu errichten oder zu dulden. Dadurch ist I-erpflichtung Liechtensteinsbesteh
ein wesentlichesElement der Beunruhigung für die Schweiz aus- I"erfassungsartikels.
geschaltet; denn das Projekt einer Spielbankerrichtungin Liech- Wollte man die gegenteilige
tenstein tauchte von Zelt zt Zeit immer wieder auf, und es wäre man mit aller Gewalt Liechtenstei
fraglich, ob die fürstliche Regierung bei anhaltender wirtschaft- artikel aufzwingen, müssüeden B
licher Depressionlänger den Lockungen,die mit dem Spielbank- lassen, ,ob Liechtenstein die betr-
unternehmenfür die Bevölkerung verbunden sind, hätte Wider- dürfe, ob die Bedingungenerfüllt s
stand leisten können." einnahmenkäme dem Bunde zu.
Diese Bestimmung wurde in das Schlussprotokollaufgenom- sich Liechtensteinnicht gefallen las
men, als Art. 55 der Bundesverfassungdie Errichtung von Spiel- l"ertrage nirgends eine Stütze find
banken strikte untersagte. Am 2. Dezember 1928 ist aber durch merksam zu machen, dass im Sr
Volksabstimmungeine neue Fassung des Art. 55 BV beschlossen der Celtungsdauer des
worden, wonach die kantonalen Regierungen unter dem vom ",Während
steht das Spielbankverbot. Wollte
öffentlichen Wohl gefordertenBeschränkungenden Betrieb der bis Liechtensteinanwenden,käme dies
zum Frihjafu 1925 in den Kursälen üblich g€wesenenUnterhal- Schlussbestimmunggleich, sonden
tungsspielegestattenkönnen, sof,ernein solcher Betrieb nach dem Irerbotes fiele dahin. Allerdings
Ermessender Bewiiligungsbehördezw Erhaltung oder Förderung anders: Das Spielbankverbotgelt
des Fremdenverkehrsals n,otwendig erscheint und durch eine ganz allgemein; es solle aber nicht
Kursaalunternehmung geschieht, welche diesem Zwecke dient. Verbote in der Schweiz. In diesen
Jede kantonale Bewilligung unterliegt der bundesrätlichen Ge- des Art. 35 auf Liechtensteinzaricl
nehmigung. Ein Viertel der Roheinnahmenist dern Bunde abzu- weitgehendenInterpretation, obwo
lietern. l nicht befreunden. W€nn man ein
' Es erhebt sich die Frage, ob diese Verfassungsbestimmung so ändere man den Vertrag. Wer
auch auf LiechtensteinAnwendunq finde. Sie muss meines Er- des neuenArt. 55 in Liechtensteine
ächtens verneint werden. Einmai schon deshalb, weil schweiz. Vorschriften.
Verfassungsartikel auf Liechtenstein keine Anwendung finden, Die Aenderung könnte nur dar
weil Liechtensteinein souveränerStaat mit eigenerVerfassungist; Bestimmung im Schlussprotokollg
sollten nicht nur bestimmteBundesgesetzeeti., die sich zw{r aui neue Fassung des Art. 35 im Ei
Verfassungsartikelstützen, sondern auch die Verfassungselber in ihre Stelle gesetzt würde.
LiechtensteinAnwendung finden, so müsste dies im Vertrag aus- Eine Kontroverse hat sich bez
drücklich bestimmt werden. -Es kann aber keine Rede davori hoben. Art. 25bis der Bundesve
sein, dass durch schweiz. Verfassungsartikeldas staatliche Leben ,,Da,sSchlachten der Tiere ohn
Liechtensteins sollte bestimmt werden. Blutentzuge ist bei ieder Schh
, Nun könnte aber eingewendetwbrden, nach Art. 6 des Ver- nahmslosuntersagt."
trageS nehme Liechtenstein die gleiche Rechtsstellung ein, wie'dass
die Dieses Verbot des Schächte
schweizerischenKantone. Art. 6 sagt'laber- aüsdrüiklich,' schweizerischeTerritorium, eine au
64)BBI 1923,II, 391. fassungsbestimmungauf das Ausl

52
einnahmenkäme dem Bunde zu. Einen solchen Eingriff müsste
sich Liechtensteinnicht gefatlen lassen,er könnte auc[- im ganzen
Yertrage nirgends eine Stütze finden. Es ist ferner daraui auf-
merksam zu machen, dass im Schlusspr,otokolldeutlich steht:
,,Während der Geltungsdauer des vorliegenden Vertrages,, be-
steht das Spielbankverbot. wollte man den neuenArt. 55 BV auf

Die Aenderung könnte nur darin bestehen,dass entweder die


Bestimmungim Schlussprotokollganz abgeschafftoder dann die
neue Fassung des Art. 55 im Einverstandnis Liechtensteinsan
ihre Stelle gesetzt würde.

Dieses Verbot des Schächtens gilt natürlich nur für das


schweizerischeTerritorium, ,eineausdehnendeWirkung einer Ver-
fassungsbestimmungauf das Ausland ist undenkbar. Somit ist

53
auch die Eihfuhn von geschächtetem Vieh aus dem Auslande ge- gibt sich dies aus Art. 4 des Ve
stattet. Dia liechtensteinischeRagierung hat nun im Mtuz 7929 übrigen Bundesgesetzgebung,sol
das Schächten gestattet. ,,In welches Verhältnis," so fragt ein umdung bedingt, vorsieht und i
Einsenderin,der,,,NeuenZürcher Zeitang",65) ,,setztsich Liech- md in Beilage I enthaltenen Erl
tenstein zu uns, wenn es kraft seiner Autonomieetwas zulässt,was tm auf das Alkoholwesen sich h
in der Schweiz klar verboten ist, praktisch also, wenn .in einem die wichtigsten Bundesfatsbesc
kleinen Teil des gerneinsamenZollgebietesdas Schächtenerlaubt alle Gesetzeetc., die auf diesen I
'das mit dem Zollanschluss irgendw
wird, für den' Hauptteil strikte ,untersagt ist?" Er meint
dann, dass,gemässArt. 4 .Abs..2 und gernässArt. 1 (wonach die nicht die nackten Verfassungsa
Schweiz von allen'Beschränkungendes Verkehrs gegenüberLiech- etc., weil man auf Grund eines V
tenstein absehe)Liechtensteinnicht in der Lage sei, das Schächten dere Gesetze'erlassen könnte, die
zu gestatten in Betracht kämen. Und überdi
Ein Z$sammenhangdes Art. 25 BV mit der Gesetzgebung, die es nicht an, schweizerischeVer
durch den Zollanschluss bedingt ist, ist nicht zu leugnen. Die den, souveränenStaatswesenaufz
Einfuhr v,on geschächtetemVieh, die dem Ausland gestattet ist, redend, dass die Gesetzesbesti
sollte eigentlich von Liechtansteinh€r, welches mit dem übrigen Herstellung, den Verkauf etc. vo
Teil der Schweiz eine Zolleinheit bildet, nicht eingeführt werden den Handel mit nicht gebrannten
dürfen. Es müsste aber das Schächtverbot ganz bestimmt im politisch an die Schweiz angesch
Vertrage vorgesehen,also von Liechtanstein approbiert sein, sonst angewandt w€rden, wia in der I
kann die Verfassungsbestimmung nicht angewendetwerden. Es Uebrigens, wie schon oben r
gilt hier das Gleiche rvie beim Spielbankartikel. Uechtenstein, die neue Voilage i
Was nicht im Vertrage expressis verbis enthalten ist, ist trur von Gutem sein wird. Lied
von Liechtenstein nicht anzuwenden. Das Eeht aus folgender rung der neuen. Gesetzgebungeir
Meldung klar hervor:. Einnahmen aus der Alkoholregie
,,Da die in der Schweiz neu geschaffeneGetreideordnungin Zollanteils.
dem seinerzeit abgeschlossen€nZollvertrag mit Liechtenstein nicht
Eine vereinzelteRegelungerl
vorgesehenwerden konnte, bestand für das 'Fürstentum Liechtren-
tmsteinischen Viehs (im Schluss
stein keine Verpflichtung,'sie auch f ür sein Gebiet als anwendbar liechtensteinischemVieh in den V
aniu,etkeinen. Immerhin fragte die Schweiz Liechtenstein aä, ob
lich gestattet sein, unter Vorbeh
es bereit wäre, dieselbeebenfallszü übernöhmen,da bei ihrer Ab- demVertrage übernommenenVorsr
lehnung die Schweiz genötigt wäre, zur Ueberwachungder Mehl-
Sofern das in den Vorarlbergera
einfuhr aus dem Liechtensteinischen längs der Rheingrenzewieder
nische Sömmerungsvieh infolge r
Zbllposten aufzustellen. Der liechtensteinischeLandtag beschloss tuieb sich einer Quarantäne unt
darauf "eiristirnmiEam25.'Juni, die am 1. Juli 1929 in der Schweiz stiindnis darüber, dass diese Qua
in ,Kraft tretende vorläufige Getr,eideordnungebenfalls zu über- seuchenpolizeilichen Vorbedingun
nehmen."66) liechtensteinischem,
: " " Natürlich kann eine solchbUebernahmeäuf freiwilligem Wege Gebiet durdrr
scheint weit zu gehen, greift dor
gbschehen,gemässdem beschriebenenVerfahren, aber sonst nicht gebung in B eziehungenLiechtenste
änders. (Nur noch auf' dem \Mege^der Veitragsänderung,bem. sie konnte'nur deshalb akzeptre
Ergänzung.)
" eine üb,er die I.andesgtenzen hin
Andeis liegt die Sache bezüglich der Alkoholvorllge (Revi- erfordert; sie bleibt aber Ausna
sion der Art. 51 und, 32bis der Bundesverfassungund die Auf- ausgelegtwetden.
nahme elnesineuenAit. S2quater),welche am 6. April'1950 von
.Volk und Ständen'angenomm€nworden iSt. oz;,,Das Fürstentum Liechtens
Obwohl im Zollvertrag nirgends ausdrücklich die Aufnahme schaftseinheit bildet, muss die Alkol
auch durchführen. Wir dürfen nicl
der Verfassr:ngsaitikelbetr. das Alkoholwesenvorgeseh€flist, er; steht. durch das man den Bestimn
gebung entr:innen kann": Bundesrs
. . . oq N. Z, Z. 20.März 1929. :
: " 66)Neue Zürcher Zeitung,25.Juni, 1929. Liechtensteiner Volksblattes. Neue Z

54
gibt sich dies aus Art. 4 des Vertrages, der die Anwendung der
übrigen Bundesgesetzgebung, soweit der Zollanschluss ihre An-
rvendung bedingt, vorsieht und aus den in Art. 9 vorgesehenerl
und in Beilage I enthaltenenErlassen, worunter sich die gesam-
ten auf das Alkoholwesen sich beziehendenschweiz. Gesetzeund
die wichtigsten Bundesratsbeschlüsse befinden. Es gelten daher
z-:.7eGesetzeetc., die auf diesen Verfassungsartikelgegründet und
:it dem Zollanschluss irgendwie verbunden sind. Es gelten
:rlcht die nackten Verfassungsartikel,sondern nur die Gesetze,
:tc., weil man auf Grund eines Verfassungsartikelsauch noch an-
ere Gesetzeerlassenkönnte, die für Liechtensteinin keiner Weise
rn Betracht kämen. Und überdies, wie oben schon betont, geht
es nicht an, schweizerischeVerfassungsgrundsätzeeinen frem-
den, souveränenStaatswesenaufzuoktrogieren. Es ist aber selbst-
:edend, dass die Gesetzesbestimmungen über die Einfuhr, die
Flerstellung,den Verkauf etc. von gebranntenWassern und über
den Handel mit nicht gebrannten geistigen Getränken in dem 2o77.
politisch an die Schweiz angeschlossenen Lande in gleicher Weise
angewandt werden, wie in der Schweiz selbst.67)
Uebrigens, wie sch,onoben dargetan, ztvingt der Zollverttag
Liechtenstein,die neue Vorlage anzuwenden,was für das Land
nur v,on Gutem sein wird. Liechtensteinerhält bei der Einfüh-
rung der neuen.Gesetzgebungeinen prozentualenAnteil an den
Einnahmen aus der Alkoholregie und eine kleine Erhöhung des
Zollanteils.
Eine vereinzelteRegelung erfährt auch die Sömmerungliech-
tensteinischenViehs (im Schlussprotokoll). Die Sömmerungvon
iechtensteinischem Vieh in den Vorarlbergeralpensoll grundsätz-
üch gestattet sein, unter Vorbehalt der vom Fürstentum gemäss
demVertrage übernommenen Vorschriften der Bundesgesetzgebtng.
Sofern das in den VorarlberEeralpenuntergebrachteliechtenstei-
nische Sömmerungsviehinfolge dieser Vorschriften beim Heim-
trieb sich einer Quarantäne unlerziehen muss, besteht'Einver-
ständnis darüber, dass diese Quarantäne,wenn die erforderlichen
seuchenp,olizeilichen Vorbedingungenhierzu vorhanden sind, auf
Liechtensteinischem Gebiet durchgeführt wird. Diese Vorschrift
scheint weit zu gehen, greift doch damit schweizerischeGesetz-
gebungin BeziehrngenLiechtensteinsmit einemdritten Staate über;
sie konnte nur deshalb akzeptiert w,erden,weil der Viehverkehr
eine über die t,andesgrenzenhinaus sich erstreckendeKontrolle
erfordert; sie bleibt aber Ausnahme und darf nicht ausdehnend
ausgelegtw,erden.

55
. Nachdem wir einze.lnewichtige, und wie uns schien, grund- ten etc. werden von den eidg. B
sätzliche Fragen, die mit dem Zollvertrag zusammenhängen,er: utl.assen. Sie unterstehen in aller
örtert haben, können wft dazu übergehen,die Einzelheiten des beziglich der Disziplin,
.zollamtlichen Dienstes zu befi achten. rischenBehörden. Die liechtensteinis
Liechtenpteinwerden folgende Einschränkungen,der Schweiz aprischen Beamten und Angestellte
.folgende Ptlichten und Rechte auferlegt: rersehen (Art. 19). Liechtenstein
Del Z,ollschutz der liechtensteinisch-österreichischenGrenze in einer von der Z'ollv'etwaltung nt h
wird durch. die: schweiz. Zollverwaltung übernommen und von crischen Zolldienste angestellt werd
der Direktion des III. Zollkreises(Chur) vollzogen (Art. 11).68) heamte. Im Grenzwachtkorps dürfen
. Die liechtensbeinischeRegierung muss auf Wunsch dgr amgestellt werden (F.rt. 26). Jede
schweiz, Zollbehörden dafür Sorge trag€n, dass durch Grenz- Fersonals, muss der fürstlichen E
steine und ähnliche Hilfsmittel der Verlauf der Grenze gegen .tf,eussert diese begründete Bedenk
Vorarlberg leicht sichtbar gemachtwird. (Art. 12.) Die im Für- siles Beamten oder Angestellten im
stentum errichteten Zollämtet werden als ,,schweizetische ZolI- werden sie von der schw,eizerische,
ämter im Fürstentum Liechtenstein" bezeichnetund mit den Wap- I['rrrtscht die fürstliche Regierung
pen der beiden Staaten versehen.6e) l'ersetzunE von Beamten und Angest
Die schweiz. Oberzolldirektion setd., unter Mitteilung an die Behörden diesen Wünschen tunlichs
fürstliche Regierung, die im Fürstentum zu errichtenden Zoll- Alle Behörden'bei
des Fürstentums
ämter und Wachbposten,sowie die Zollstras5en fest (Art. 1a). wd Angestellten ihren Dienst
Für die Zollablertigung im Bahnverkehr werden auf den Sta- Eeistand gewähren,wie die kantona
tionen Schaan-Vaduz und Nendeln Zollämter errichtet. Halten gcbiet.(Art. 12). Die schweiz. Gr
Schnellzüge an diesen Stationen nicht, so findet die Zollabterttg- liechtensteinischemGebiet Uniform r
ung in Buchs statt (Art. 15). Grmzwachtkorps (Art. 20);
Art. 16 setzt die Verpflichtung Liechtensteinsfest, die er- Ueber die Steuerverhältnissedr
forderlichen Zollamtsgebäude zu beschaffen und diese in be. rnerden wir uns im Zusammenhangi
nützungsfähigem Zustande zu erhalten, während die schweize- Die liechtensteinischeRegierun
rische Z,ollverwalfung die Einrichtung, Beheizung und Beleuch- trganen (Zollpersonal und Grenzrlt
tung der Diensträumezu rtbernehmenhat. Sie trägt ebenfalls die .tusnahmeder indirekten und der G
Kosten für die Unterbringung der Grenzwache. Dem steht der Vorteil gegenü
Was die Beamten und ihre Stellung anbetrifft, so ist zu uische Volkswirtschaft aus dem Verl
unterscheidenzwischen den Zollbeamten und Angestellten,die in N Zollbeamten ziehb.7r)
den Zollbureaux ihren Dienst tun, und dem Grenzwachtkorps, Dagegen möchten wir uns noc
welches sich an der Grenze aufhält, sie überwacht und den Zoll- shrafrechtlichenVerhältnissen befas
dienst sichert, welches militärisch organisiert ist und unter dem standen sind und die ganz eigenar
Militärstrafrecht und der Militärgerichtsbarkeit steht (Zollgesetz hab€n.
Art. 737).: Beide Arten v,on Beamten sind Bundesbeamte;die Ein Teil des schweiz.Rechts mr
Grenzwächter nehrnenmeines Erachtens die gleiche Stellung ein bar erklärt werden, z. B. das Zollgt
wie die Fortwächter, die ebenfalls dem Militärregime unterstehen, Diese, und noch vielö andere hier an
Das übrige Zollperconalunterstehtdem allgemeinenBeamtenrecht. arberauchstrafrechtlicheBestimmung
Das Zollpersonal und das Grenzwachtkorpsverrichten eidg. Strafrecht auf liechtensteinischem Te
Funktionan; sie gehören dem eidg. Beamtenkorpsan. Die Zoll- sofern gegen die dort geltenden Bun
rergang€n wird, und die Widerhar
68) Die durch den Zollanschluss notwendige Vermehrung des
Mannschaftsbestandes der Grenzwachebetrug 12 Mann. Dabei muss er- gesetzgebungwerden nach schweize
wähnt werden. dass dieser Zuwachs mit den frei werdenden 38 Mann den vom Kantonsgericht St. Gallen r
reichlich genügt, um die Grenze gegen Oesterreich zu sichenn. (BBl ?5l. Es handelt sich z.B. um Uebe
1923,II, 381.) stuafbestimmungen auf liechtenstein
6e) Vor und während .des Krieges, waren die Zollämter gemein:
same Aemter; heute ist das Zollamt rein schweizerisch, obwohl auch 7o)siehe $ 22: Die Steuerhoheit.
das liechtensteinisch-eWappen daran angebracht ist. (Art. 13). 71)Verbrauch von ca. Fr. 12Q000

56
üusmtenetc. werden von den eidg. Behörden ernannt, besoldet und
rnmn+s€n. Sie unterstehen in allen Dienstangelegenheiten, ins-
hu;*r:nderebezüglich der Disziplin, ausschliesslich den schweize-
rsr:en Behörden. Die liechtensteinische Regierung hat die schweir
sl'*chen Beamten und Angestellten mit Legitimationskarten zu
rm-q€hen(Art. 19). LiechtensteinischeStaatsangehörigekönnen
ilr e::er von der Zollverwallung zu bestimmendenZahl im schwei-
us-<chen Zolldienste angestellt werden; si,ewerden damit Bundes-
ruerürnte. ImGrenztrachtkorps dürfen dagegen keine Liechtensteiner
urgestellt werden (Art. 26). Jede Aenderung.im Bestande des
Fu:sonals muss der fürstlichen Regierung mitgeteilt rverden'.
4rrry;s-rert diese begründete Bedenken gegen' die Stati,onierung
"rrm*isBeamten oder Angestellten im Gebiete des Fürstentums, so
u,{:den sie von der schweizerischenZollverwaltung berücksichtigt.
ru die fürstliche Regierung aus öffentlichen Rücksichten
'',rf;a5sl1f
r:etzung von Beamten und Angestellten, so werden die schweiz.
3"n,rrden diesen Wünschen tunlichst Rücksicht tragen (Art. 21).
Alle Behörden des Fürstentumswerden den schweiz.Beamten
r.n: Angestellten bei ihren Dienstverrichtungen den nämlichen
E-ry--tandgewähren, wie die kantonal,enBehörden auf Schweizer-
grrciet (Art. 121. Die schweiz. Grenzwächter tragen auch auf
mr,::tensteinischem Gebiet Uniform und Bewaffnung des schweiz.
lnenzwachtkorps(Art. 20) :
Ueber die Steuerverhältnisseder Beamten und Angestellten
uu:rdenwir uns im Zusammenhangaussprechen. z0)
Die liechtensteinischeRegierung gewährt den schweiz. Zoll-
rr_aflnen(Zollpersonal und Grenzwächter) die Steuerfreiheit mit
n-;=-nahme der indirekten und der Grundsteuern(fuI. 22)-
Dem steht der Vorteil gegenüber, welchen die liechtönstei-
ns:he Volkswirtschaft aus dem Verbrauchedes Einkommensvon
t+. Zollbeamten zieht.?Ll
DageEen möchten wir uns noch etwas einEehendermit den
sr:afrechtlichenVerhältnissen befassen, die vertragsgemässent'
r:=rden sind und die ganz eigenartige Formulierungen erfahren
rr,l.:€n. I i t
Ein Teil des schweiz.Rechts musstein Liechtensteinanwend-
rrti erklärt werden, z. B. das Zollgesetz, das Lebensmittelgesetz.
llese, und noch viele andere hiör angewend,etenGesetzeenthalten
-rLccr auchstrafrechtlicheBestimmungen.Also kommt schweizerisöhes
S;:afrecht auf liechtensteinischem Territorium zur Anwendung, in-
uiern g€gen die dort gelbendenBundesgeselzeund Verordnungen
rp-rgärlg€nwird, und die Widefhandlungen g€gen die Bundes-
qu:setzgebung werden nach schweizerischemRechte beurteilt wer-
itn vom Kantonsgericht St. Gallen und vom Bundesgericht (Art.
:i). Es handelt sich z.B. um Uebertretungender schweiz.Zoll-
sirafbestimmungenauf liechtensteinischömBoden. In solchen
?o)siehe $ 22: Die Steuerhoheit
71)Verbrauch von ca. Fr. 120,000bis Fr. 150,000pro Jahr.

57
Fällen wird nicht auf die Nationalität des Täters abgestellt; die geht - Dienstvergehen ausgesch
Verfolgung geschieht in jedem Fall nach den Vorschriften des schem Recht bestraft wird, ist ol
,eidg. Fiskalstrafgesetzesvon 1849, sofern in der Bundesgesetz- eine strafbare Handlung auf liet
gebung,diesesVerfahren vorgesehenist. ist folgende, einzig dastehendeI-ö
; Greift das Fiskalstrafgesetznicht Platz, z.B. bei Vergehen zer ist" im Kanüon St. Gallen zu vq
geg€n das Lebensmittelgesetz, so urteilt bei Uabertretung der er- lischen Straf- und Prozessrecht
wähnten Gesetze (auf liechtensteinischemGebiet) in erster Linie nicht die materielle Gesetzgebun
das fürstliche Landesgericht.Appellation kann an das st. gallische eines anderenStaatdsan, was, wir
Kantonsgericht und Kassation an das Schweiz. Bundesgerichter- national strafrechtliches Kuriosug
hoben werden. Es treten somit Instanzen zweier verschiedener Um die Schweizer verfolgen
souveräner Staaten im gleichen Rechtsfall in Funkti,on. Behörden (also nicht nw Zollbek
Art. 28 lautet: betreten rind dort amtliche Hanr
,,Dieienigen Widerhandlungen gegen die hraft dieses Ver- lung, die sonst internationalenMa
trages im Fürstentum Liechtenstein anwendbare Bundesgesetz-
gebung, die nicht nach frlassgabe des Bundesgesetzes vom Bezüglich des Grenzwachtko
auch eigentümlicheLösung.
30. luni 1849 zu veilolgen sind, werden durch das lürstliche
Landgericht beurteilt, sofern die Beurteilung solcher Wider- Art, 25:
handlungen entweder unmittelbar durch die Bundesgesetzgeb- ,,Strafbare Handlungen, weh
ung den kantonalen Gerichten zugewiesen ist oder durch Be- Liecltienstein von dort stationi
schluss des Bundesrutes oder einer von ihm bezeichnetenBe- Grenzwachthorps begungen wot
' schweiz" Bundesrate als zustdr
hördc dem fürstlichen Landgerichfe überwiesen wird .. ..('
. Der Staat Liechtensteinwird also auch hier wie ein schweiz. strafgericht verfolgt und beurte
Kanton behandelt, der Bundesrecht anzuwendenhat; Begnadig- Abs. 4:
ungsinstanz ist deshalb auch die eidgenössischeund nicht eine ,:,Hinsichtlich der im eidg. I
liechtensteinischeBehörde (Art. 52). lVtit dem strafrechtlichen nen stralbaten Handlungen lin
Begriffe des Realprinzips hat diese Regelung nichts zu tun, da hörigen des Grenzwackthorps /
gemässdem Real-Schutz-Prinzip nur die Strafgewalt eines Staates Dädurch wird der Grundsat
auf gewisse im Ausland ihm und seinen AngehöriEen gegenüber zips, wie es für auswärts delinq
^verübteTaten begründet wird, für deren Sanktion eigentlich das
ist, zur Anwendung gebracht. t
ausländischeRecht anwendbar wäre, obschon dann - zur Sühne sonalitätsprinzipl bringt das sog
- inländisches,eigenes Strafrecht zur Antfiendunggelangt. In
Entfaltung. Dies gilt auch gege
Liechtensteinist es aber So, dass eidg. Gesetze,die dort Anwen- territorialen Personen; ferner fär
dung finden, ver\etzt werdeni und dass dann'das eidg. Straf- recht unterstehendenPersonen,d
recht, welcheszum SchutzediesesGesetzesaufgestelltworden ist, (Militärstrafgerichtsordnung, Art
in Aktion tritt. nicht eigentliche Stellvertretung a
Was die Beamten anbetrifft, ist folgende Lösung geitroffen gung), sondern seine eigene Stra
worden. bei den liechtensteinischenGren
,,Strafbare Handlungen, die im Fürstentum Liechfenstein von nicht vor, denn eine Flucht in de
dort Stationierten schweiz. Beamte'h und Angestellten schweiz. folgendeAuslieferung sind ausge
Nationalität und von in gemeinsam,emHaushalte m.it ihnen 'der eigenen Strafgewalt des Irla
lebenden Aitgehörigen schweizeriscber Nationalittit begangen im Ausland delinquieren;denn d
. worden sind, werden von denienigeh Behörden verfolgt und be- stehen, wic die Grenzwächter, wi
. urteilt, die zur Verfolgung und Beurteilung zuständig wären, dem schweiz. Militärstrafrecht.
wenn die strufbaren Handlungen im Bezilh Werdeiberg verübt "nalstatut. Es begleitet den Mer
.' worden wären. In diesenFällen lindet das im Kanton St.Gallen sprüngliche Strafrecht, welches a
' geltende Straf- and StiafTtrozessrechtAnwendung." (4rt.24.)
bezagen wai,' ohne auf ein Tc
Begeht also ein schweiz.Beqmter oder .ä.ngestellter(dass ein (Hafter, 50, Anrn. 5.) Die Zusti
liechtensteinischer Angestellter, der eine sttafbare Handlung be- bleibt vorbehalten,soweit sie nad

58
;eht - Dienstvergehenausgeschl,ossen - gemäss liechtensteini-
=chemRecht bestraft wird, ist ohne weiteres einzusehen)irgend
iine strafbare Handlung auf liechtensteinischqmTerritorium, so
:st tblgende, einzig dastehendeLösung getroffen: Dieser Schwei-
zer ist im KanüonSt. Gallen zu verfolgen unter Anwendung st. gal-
'::chen
Straf- und Prozessrechtes. Man wendet auf seine Tat
:icht die materielle Gesetzgebungdes Tatortes, sondern diejenige
i.nes anderenStaatesan, was, wie von Cleric meint, als ein inter-
:ational strafrechtlichesKuriosum zu werten ist.
Um die Schweizer verfolgen zu können, dürfen die schweiz.
3ehörden (also nicht nur Zollbehörden) liechtensteinisches Gebiet
:etreten und dort amtliche Handlungen vornehmen, eine Rege-
-:ng, die sonst internationalenMaximen durchauswiderspricht.
Beziglich des Grenzwachtkorpsgilt wieder eine andere, aber
:-iclt eigentümlicheLösung.
Art. 25:
,,Strafbnre Handlurcgen, welche im Gebiete des Fürstentums
Liechtenstein von dort stationierten Angehörigen des schweiz.
Grenzwuchthorpsbegangenworden sind, werden von dem vom
schweiz" Bundesrate a\s zusländig erhldrten schweiz. Militär-
stralgericht verlolgt und beurteilt."
Abs. 4:
,,Hinsichtlich der im eidg. tllilittirstrafrecht nicht vorgesehe-
nen strafbaren Handlungen findet Art. 24 auch aul die Ange-
hörigen des CrenzwachtkorTts Anwendung.((
Dadurch wird der Grundsatz des aktiven Personalitätsprin-
:rps, wie es für auswärts delinquierende Militärpersonen üblich
'-sI, zrTr Anwendung gebracht. Das Heimatprinzip (aktives Per-
srnalitätsprinzip) bringt das sog. stellvertnetendeStrafr,echtzur
Sntfaltung. Dies gilt auch gegenüberden nach Völkerrecht ex-
:erritorialen Personen; ferner für die dem schweiz. Militärstraf-
:echt unterstehendenPersonen,die ihre Tat im Ausland begehen
-\1i1itärstrafgerichtsordnung,
Art. 2). Hier aber übt der Staat
richt eigentlicheStellvertretung aus (Uebernahmeder Strafverf,ol-
gung), sondern seine eigene Strafgewalt. Das ist auch der Fall
:ei den liechtensfeinischenGrenzwächtern. Stellvertretung liegt
richt vor, denn eine Flucht in den Heimatstaat und die nicht er-
:olgendeAuslieferung sind ausgeschlossen. Es tritt die Anwendung
ier eigenenStrafgewalt des Inlandes bei Militärpersonen ein, die
rm Ausland delinquieren,denn diese betr. Militärpersonen unter-
stehen,wie die Grenzwächter,währ,endihres Auslandaufenthaltes
iem schweiz. Militärstrafrecht. ,,Das Strafgesetzist hier Perso-
:ralstatut. Es begleitet den Menschen überall hin, wie das ur-
sprüngliche Strafrecht, welches auf den Kreis der Volksgenossen
, sezogen war, ohne auf ein Territorium beschränkt zu sein."
l Hafter, 50, Anm. 5.) Die Zuständigkeit des Bundesstrafgerichts
:ieibt vorbehallen,soweit sie nach Massgabeder gestützt auf Art.4

59
I
L
.itn Fürstentum Liechtenstein geltenden Bundesgesetzgebungge+ der schweiz. Vorschrilten über
geben ist (Art. 50). erscheinen."
Art. 51 regelt die Vollstreckung: In Ausführung des obgen
Schweiz in Liechtenstein in nicl
Handhabung der Fremdenpolize
Vereinbarungüber die Regelung
ungen vom 28. Dezember 1923.
Die von der Schweiz geüb
Hierunter fällt m. E. nun nicht Art. 67 der Bundesverfassung wird an die liechtensteinisch'vo
(die Bundesgesetzgebung und an der schweizerisch-liech
trifft die erforderlichen Bestimmungen
über die AuSlieferungder Angeklagten von einem Kanton an äen Grenzkontrolle mehr ausgeübt (Ar
andern). Denn diese strafrechtliche Rechtshilfepflicht tritt nur schriften betreffend Grenzübertrit
punkt der Regelung des Aufentha
€in, wenn die Kantone ihr eigeneskantonalesStrafrecht anwenden,
In Art. 31 des Vertrages heisst es aber ausdrücklich, dass in kurs haben auch für das liechtens
Frage nur kommen Strafen, welche in Anwendung der Bundes- ebensodie wesentlichenBestimm
gesetzgebungausgesprochenworden sind. Hiefür gilt Art. 5O der Verordnung des Bundesrates
des Organisationsgesetzesd.er Bundesrechtspflege: Kontrolle der Ausländer und eir
Gebührenordnung. Interessant s
,Jn den nach eidg. Gesetzen zu erledigenden Strat'sachen gende Bestimmungen: Aus der
haben die Behörden eines l(antons denienigen der andern l(an- dern, Liechtensteinernausgenom
tone sowoht lür die Untersuchung, als die Urteilsvollstrechung rung Aufenthalt und Niederlassu
Rechtshilt'ezu leisten,wie die Behörden deseigenenKantons..tzzl desratesbawilligen. Besitzensie
Auch für die Regelung der Fremdenpolizeifragesind im Ver- sie ihnen auf Gesuch des Bunde
trage Bestimmungen aufgestellt w,orden und zvvar in dem Sinhe, dem liechtensteinischenRecht zr
dass die Schweiz sich bereit erklärt, auf die Ausübung der frem- geht es den aus dem Fürsten
denpolizeilichen Grenzkontrolle an der liechtensteinisch-schweize- Schweizer ausgenommen;Aufen
rischen Grenze zt verzichten, sofern Liechtenstein dafür Sorge Kantonen Graubündenund St. Ga
trägt, dass die Umgehungder schweiz.Vorschriften über Fremden- die fürstliche Regierung damit
polizei, Niederlassung,Aufenthalt usw. vermiedenwird. Ist dies schon eine Bewilligung, so wird
der Fall, so werden die schweiz. Zollorgane darüber hinaus die geteilten gleichen, hier nur in ur
f remdenpolizeiliche l(ontrol le an der liechtensteinisch-vorarlbergi- tsedingungenenlzogen. Der Untr
schen Grenze unentgeltlich durchführen (Art. 35). Art. 54 aber Schweiz Ausgewiesenesich im r
sieht vor, dass die fremdenpolizeilicheGrenzkontrollewieder ein- stimmung des Bundesrates aufh
geführt wird, wenn die vom Fürstentum getroff,enenMassnahmen LiechtensteinAusgewiesenen nur
vom Bundesrate als ungenügenderachtet werden. Graubündenmeiden müssen,sich
Die Botschaft73) bemerkt dazu: : Schweiz aufhalten können,ohne
,,Die Handhabung der Fremdenpolizei musste aus dem Arund sagen hätte. Dies ist deshalb s
in die Vertragsbestimmungen aufgenommen werden, weil die grösse" hat und durch das Be
fremdenpolizeilichen Funhtionen den Zollorganen übertragen Kantone genügend geschütztist.
sind. Die praktisch allein richtige Lösung geht dahin, auf Beide Staaten werden sich
die Ausübung der Jremdenpolizeilichen Grenzhontrolle auf der länder nicht zuschieben. Haben
schweizerisch-liechfensteinischen Grenze zu verzichten, und Staat in den andern begeben,v
Liechtenstein indireht dazu zu verhalten, von sich aus dieienigen u-ieder aufgenommenwerden, es
' ll4assnahmenzu treffen, welche zur Vermeidung der Unigehing d-iesenunerwünschtenAusländer
bewilligf (Art. 8).
72)vergl. zum ganzenAbschnitt über Strafrecht: Hafter 50/51;
Cleric,in Juiistenzeitung, Die Vereinbarung über den
XX, 251,Fleiner,434,Anm. 7, Einf.-Ges. zum plizei traft gieichzeitig mit dem
Zollvertrag,Art. 11-17.
73)BBt 1923,II, 388/89. 74)AS 40, S. 1.

60
ier schweiz. Vorschrilten über Fremdenpoli2ei etc. als geboten
:rscheinen.'
In Ausführung des ,obgenanntenVertragis hat sich die
S-aweiz in Liechtenstein in nicht unbedeutendemUmfange der
---:ndhabung der Fremdenp'olizei ang€nommen und ,zwar in der
;.reinbarung über die Regelung der fremdenpolizeflichenBezieh-
-gen vom 28. Dezember t923.74)
Die von der Schweiz geibte fremdenpolizeiliche Kontrolle
ru':d an die liechtensteinisch-vorarlbergische Grenze vorgeschoben
,-d an der schweizerisch-liechtensteinischen Crenze wird keine
,l:enzkontrolle mehr ausgeübt(Art. 1). Die schweizerischen Vor-
*irrift en betreff end Gr enzib ertritt, We gweisung, Anmeldung, Z elt-
:"-inkt der Regelung des Aufenthaltsverhältnisses, Strafen und Re-
.:rs habenauch für das liechtensteinische GebietGeltung (Art.2),
ndnso die wesentlichenBestimmungen(auch die strafrechtlichen)
-er Verordnung des Bundesratesvom 29. November 1921 über die
:"ontrolle der Ausländer und einige Zltflern der dazu gehörigen
lebührenordnung. Interessant sind aus dieser Verordnung fol-
:ende Bestimmungen: Aus der Schweiz ausgewiesenenAuslän-
:ern, Liechtensteinernausgenommen,wird die fürstliche Regie-
::rg Aufenthalt und Niederlassungnur mit Zustimmungdes Bun-
-esratesbewilligen. Besitzen sie schon eine Bewilligung, so wird
.:e ihnen auf Gesuch des Bundestatesentzogen,wenn dies nach
-em liechtensteinischenRecht zulässig ist (Art. 6). Umgekehrt
_:eht es den aus dem Fürstentrim ausgewiesenenAusländern,
Schweizer ausgenommen;Aufenthalt und Niederlassung in den
:iantonen Graubündenund St. Gallen wird ihnen nur erteilt, wenn
:ie fürstliche Regierung damit einverstanden ist. Besitzen sie
.;hon eine Bewilligung, so'wird sie ihnen unter den oben miü-
:eteilten gleichen, hier nur in umgekehrtemVerhältnis stehenden
3edingungenentzogen. Der Unterschiedliegt darin, dass aus der
Schweiz Ausgewiesenesich im ganzen Fürstentum nur mit Zu-
-.timmung
- des Bundesrates aufhalten dürfen, währ,end die von
iechtensteinAusgewiesenennur die GrenzkantoneSt. Gallen und
rSraubündenmeiden müssen,sich sonst aber in det ganzenübrigen
Schweizaufhalten können, ohne dass Liechtensteinetwas dazu zu
sagen hätte. Dies ist deshalb so, weil Liechtenstein ,,Kantons-
:rösse" hat und durch das Betretungsverb,otder benachbarten
Kantone genügend geschützt ist.
Beide Staaten werden sich ausserdem unerwünschte Aus-
-änder nichi zuschieben. Haben sich solche aber von dem einen
Staat in den andern begeben,so sollen sie vom ersteren Staate
;cieder aufgenommenwerden, es sei denn, der ntreite Staat habe
iiesen unerwünschtenAusländern Aufenthalt und Niederlassung
:ewilligt (Art. 8)
Die Vereinbarung über den Gr'e:n2verkehr und die Fremden-
wlizei tral gleichzeitig mit dem Zollvertrag in Kraft, und eine
74)AS 40.S. 1.

6lt
Kündigung dieses Vertrages erstreckt sich auch , a.uf die beiden wohl heine grössere Garantie fi
Vereinbatungen(Art. 11). Souverönität besitzenhunn, als s
In einer Zusatzerklärung wird u. a. Liechtenstein noch ver- gerade die schu,eiz. Eidgenossa
pflichtet, dafür zu sorgen, dass durch seine Einbürgerungspraxis ist;'
die schweiz.,Bestimmungenüber die Fremdenp,olizeinicht um- In der Schweiz wurde ferner dt
gangen werden. dehnung des Zollgebiets über die L
Werur wir so nun die Bestimmungen der zweiVerfuäge (Post- Bundesverfassung nicht vorgesehe
und Zollvertrag) und der Fremdenpolizeivereinbarung duichgan- werden, dass eine solche Bestimmu
hineingehört, da die durch StaatsYe
$en haben, müssenwir konstatieren,dass tiefe und schwereEin-
schnitte in die Souveränität Liechtensteins gemacht worden sind. nisse völkerrechtlicher und niüt S
Liechtensteinhat wohl deshalb das Bedürfnis empfunden, seine sind auch bei einemZollanschlussvc
ihm verbleibendenHoheitsrechteausdrücklichund expressisverbis Staaten diejenigen'zwischenstaatl
zu wahren, was geschehenist z.B. im Ingress des Zollvertrages, staatsrechtlicher Ueber- und Untem
wo es heisst: ,, ... Der schweiz. Bundesrat und Seine Durch- tes nach schweizerischer Auffassm
laucht der regierendeFürst von Liechtcnstein ... in der Absicht, mag, dass der Wirkungskreis sc-hw
einen Vertrag über . -. unter Vorbehalt der souveränen Hoheits- Landesgrenzenhinaus sich erstredt
rechte Seiner Durchlaucht des Fürsten zu Liechtenstein zu schlies-' bar", sagt die Botschaft, ,,dass di
s e n . . . h a b e n "e t c . . . . schweizerischer Beamter nach Fon
Dazu ist zu bemerken: Der Vorbehalt zugunsten der landes- verfassung nicht im. WidersPru&e
herrlichen Hoheitsrechtewurde auf Wunsch d,erliechtensteinischen hörden die Möglichkeit gewährt sit
Regierung aufgenommen,da durch eine derartige Bestimmungdo- menschlicher Not und Bedrängnis t
kumentiert wurde, dass die volle Souveränität des Staates auch So schön auch dieser Satz tön
nach Abschluss der Verträge unbestritten war. Als Staat bleibt Bundes, solche Verträge zu schlies
Liechtensteinsouverän; denn die Souveränitätist nur in denjeni- desverfassungabgeleitet werden, d
gen Sachgebieten,welche durch die Verträge berührt werden, auf- serer Äuffassung, nur über sol&e
gehoben,und ztvar nur für die Dauer des Vertrages. Theoretisch Verträge abschliessen,über welche
besteht die Souveränität immer noch; sie lebt sofort wieder auf, sung zugestandenhat. Art. 28 BI
sowie die Verträge gekündigt werden. Bunde, und Art. 36 BV spricht ihr
. Zut Souveränität Liechtensteinsäussert sich auch die Bot- rcgal zu. Also darf der Bund üh
schaftTs)wie folgt: dem Ausland abschliessenund rya
gesehenenWeise, d. h. er kann aud
,iDie mit Rüchsicht aul eine Schmtilerung der Souvertinität kontrahenten, wi€ auch die seinil
Liechtensteins geäussertenBedenhen würde ma.n im Grunde
Gebiete betreffen, die in die Koml
genommeileher von Liechtensteinals von schweizerischerSeite
erwarten. Es ist nun offenhundig, dass sich ftegierang und
Volh von Liechtenstein volle Rechenschalt darüber geben, dass
die Uebertragung der Ausübung eines Teils der staatlichen Ho-
heitsrechtean einen andern Staat eine tatstich[icheEinschrän-
hung der Hoheitsgewalt für die^Dauer des Vertrages notwendi-
gerweise mit sich bringt. V,on einer auch nur teilweisen Aaf-
gabe des Souveränitätsrechtes selbsl hann iedoch nicht gespro-
chen werden, so lange das Vertragsverhöltnis zeitlich befristet
ist und Liechtenstein durch lrertragshündigung sich seine volle
Freiheit in der Ausübung der lraglichen, Hoheitsrechte zarüch.
gewinnen hann. - Anderseits darl auch hervorgehobenwerden,'
dass ein Staatswesen wie Liechtenstein in einem derurtigen
Vertrauensverhältnis,wie' es eine sog. ,,Zollunion. darstellt;
75)BBI 1923,II,382.

62
'.r'ohi keine grössere Garantie
für die Unantastbarkeit seiner
Souverrinität besitzen kann, als sie in dem Umstande liegt, als
Eerade die schu,eiz. Eidgenossenschaltsein Gegenhontrahent
; st."
In der Schweizwurde ferner der Einwand erhoben,eine Aus-
iitrnung des Zollgebiets über .die Landesgrenzehinaus sei in der
iindesverfassung nicht vorgesehen. Dem kann aber entgegnet
tu;.rden,dass eine solche Bestimmunggar nicht in die Verfassung
teingehört, da die durch StaatsverträgegeordnetenRechtsverhält-
-'-ise völkerrechtlicherund nicht staatsrechtlicherNatur sind. So
srd auch bei einemZollanschlussvertragdie Beziehungender beiden
iiaaten diejenigen'zwischenstaatlicherGleichstellung und nicht
=:aatsrethtlicherUeber- und Unterordnung. ,,So viel Ungewohn-
:.s nach schweizerischerAuffassung auch die Vorstellung haben
:ag, dass der Wirkungskreis schweizerischerBehörden über die
-andesgrenzenhinaus sich erstreckensoll, so ist doch unbestreit-
:ar", sagt die Botschaft, ,,dass diese Ausdehnung der Tätigkeit
=chweizerischerBeamter nach Form und Geist mit der Bundes-
;erfassung nicht im Widerspruche steht, die vielmehr den Be-
:örden die Möglichkeit gewährt, sich in den Dienst der Behebung
renschlicher Not und Bedrängnis an unsern Grenzen zu stellen."
So schön auch dieser Satz tönt, m. E. kann die Befugnis des
3undes, solche Verträge zu schliessen,ganz einfach aus der Bun-
:esverfassungabgeleitet werden, denn der Bund darf, nach un-
serer Äuffassung, nur über solche Materien mit dem Auslande
",-erträgeabschliessen,über welche zu legiferieren ihm die Verfas-
sung zugestandenhat. Art. 28 BV übergibt das Zollwesen d,em
Bunde, und Art. 36 BV spricht ihm das Post- und Telegraphen-
:egal zu. Also darf der Bund über diese Materien Verträge mit
dem Ausland abschliessenund zwar in der nach Völkerrecht vor-
gesehenenWeise, d. h. er kann auch die Hoheitsrechtedes Gegen-
iontrahenten, wie auch die seinigen, einschränken,wenn diese
Gebietebetreffen, die in die liompetenz des Bundes fallen.

6&
Die Schweiz, deren Schiffi
ein Binnenland. Folglich ware
nenstränge wichtiger als die F
neuerer ZeIt an Bedeutung g
d. h. solche, die das Gebiet me
die Grenze zwischen ihnen bilc
I I I .K a p i t e l . Rhone, Doubs und der Tessin
nicht irr Betracht, da er für die
Die füenzgewässer. Verträge bezlehen,nicht von gros
wo er schiffbar wird, liegt, ur
flusses aus dem Langensee,so d
sen Schiffahrt aber besondere
Flusschiffahrt an und für sich ni
$6. beirn Doubs die Schiffahrt kein
Die Freiheit der Schiffahrt
Söiffahrt und Fisdrerei. gernässden Friedensverträgenr
Flüsse stehen dem Handel und <
(Allgemeines.) und den Binnenstaatenan den U
Weg in das offene Meer oder vc
A. Die Schiffahrt.l) pflichtet die Staaten in der \to
verpflichtet aber auch die Schu
Die Schiffahrt steht allen Uferstaaten offen. Mit diesem
kongressakteund damit die eru
Grundsatz des Völkerrechts ist die Gebietshoheitder Uferstaaten
in Einklang zu bringen, und es erhebt sich die Frage, ob sie Sich zeichnet hat, weil diese Grundv
geworden sind.
dabei voll auswirken kann, oder ob sie Einschränkungenerleiden
InUSS.
Wenn wir von den Schiffa
Frage aufgeworfen werden, w€
Die Antwort geben wiederum Sätze des Völkerrechts, die
kann. Nach Art. 664 ZivlLgese
durclr die Praxis erhärtet sind und die wir auch in d,en zu be-
wässer, wenn der Nachweis de
sprechendenVerträgen anEewendetfinden:
werden kann, unter kantonale
Uferstaateneines internationalenGewässers(2. B. einesGrenz. Kanüone die erforderlichen B€
flusses) bilden eine Nutzungs- und Verwaltungsgemeinschaft.Der gebrauch aufstellen können, als
Grundsatz der Gleichberechtigungist in weitestem Masse durch- Fischerei ,etc. Die Kantone dür
geführt. Ebenso der Grundsatz der Solidarität. Ihm zuliebe er- die Schiffahrt auf interkantona
leidet die TerriüorialhoheitrdereinzelnenUferstaatenzum Teil be- untereinander abschliessen.
deutende Einschränkungendurch die Pflichten positiven und ne- Handelt es sich aber um in
gativen Chaiakters. der Bund kompetent, solche Ve
Positive Pflichten bestehenin dem Sinne, dass die Uferstaaten schliessen,vorbehaltenVereinba
zur VornalTmegewisser Arbeiten verpflichtet werden (Instand- einen internationalen See angren
haltung des Fahrwassers,Beseitigung natürlicher und künstlicher auf den schweizerischenTeil r
Schiffahrtshindernisse,Instandhaltung des Leinpfades,der Schiff- neht. Aber auch in einem solct
fahrtsstrassen). kantonalesRecht.
Negative Pflichten bestehenin dem Sinne, dass die Ufer- Aber nicht nur das. Da dil
staaten sich aller die Schiffahrt störenden Handlun gen zu ent- serstrassenanschliesst,hat sich
halten haben. Die Solidarität kommt dadurch noch besonders die Nutzbarmachungder Wasse
zum Ausdruck, dass gemeinsampolizeiliche Vorschriften erlassen zen vorbehalten. (Verzeichnis d
werden. wässerstreckenund daraus folE
t) vergl. Schulthess,50, Fleiner 578,726127, Gewässerstrecken Vorkehren für r
Mutzner (im politischen
Jahrbuch der Eidg.) 30, S. 284, Lapradelle, 285 u. a. m. 2) AS 33, 189,1916,Giacomett

64
'sffFf\
ilr ,.r..

Die Schwe2, deren Schiffahrtsverträge wir betrachten, ist


ein Binnenland. Folglich waren für sie lange Zeit die Schie-
nenstränge wichtiger als die Flussläufe. Doch haben diese in
neuerer ZeIt an Bedeutung gewonnen. Internationale Flüsse,
d. h. solche, die das Gebiet mehrerer Staaten durchfliessenoder
die Grenz,e zwischen ihnen bilden, sind in der Schweiz Rhein,
Rhone, Doubs und der Tessin. Letztercr kommt nachfolgend
nicht irr Betracht, da er für die Schiffahrt, auf welche sich die
Verträge beziehen,nicht von gr.osserBedeutungist, d. h. der Punkt,
wo er schiffbar wird, liegt, wenn nicht unterhalb seines Aus-
tlusses aus dem Langensee,so doch im Langenseeselbst, für des-
sen Schiffahrt aber besondere Verträge vorliegen, die mit der
Flusschiffahrt an und für sich nichts zu tun haben. Ebenso spielt
beirn Doubs die Schiffahrt keine Rolle.
Die Freiheit der Schiffahrt auf internationalen Flüssen, ge-
gernässden Friedensverträgenvori tat+7f5 (die internationalen
Flüsse stehen dem Handel und der Schiffahrt aller Staaten offen,
und den Binnenstaatenan den Ufern dieser Flüsse muss der freie
Weg in das offene Meer oder von ihm her gewährt werden), ver-
pflichtet die Staaten in der Weise, wie wir oben gesehen; sie
verpflichtet aber auch die Schweiz, obschon diese die Wiener-
n korgressakte und damit die erwähnten Vorschriften nicht unter-
I
zeichnethat, weil diese Grundsätze des allgemeinenVölkerrechts
h geworden sind.
n Wenn wir von den Schiffahrtsverträgensprechen,kann die
Frage aufgew,orfen'ü/erden, wer überhaupt solche abschliessen
e kann. Nach Art. 664 Zivilgesetzbuchstehen die öffentlichen Ge-
wässer, wenn der Nachweis des Privateigentums nicht erbracht
werden kann, unter kantonaler Hoheit. Das heisst, dass die
Kanüone die erf,orderlichen Bestimmungen über den Gemein-
gebrauctr aufstellen können, also über Schiffahrt, Flösserei und
Fischerei etc. Die Kantone dürfen interkantonale Verträge über
t- die Schiffahrt auf interkantonalen Gewässern (Zürchersee z. B.)
LJ untereinander abschliessen.
e, Handelt es sich aber um internationale Gewässer,so ist nur
der Bund kompetent, solche Verträge mit andern Staaten abzu-
en schliessen,vorbehalten Vereinbarungender Kantone, die z,B. an
d- einen internationalenSee angtenzen,wenn sich dieseVereinbarung
lef auf den schweizerischenTeil des betreffenden Gewässers be-
tf- zieht. Aber auch in einem solchen Falle gilt: Bund srecht bricht
kantonalesRecht.
It. Aber nicht nur das. Da die Schweiz an internationaleWas-
tt serstrassenanschliesst,hat sich der Bund (im Bundesgesetzübet
ers die Nutzbarmachungder Wasserkräftez) verschiedeneKompeten-
ien zen v'orbehalten. (Verzeichnis der als schiffbar zu geltenden Ge-
wässerstreckenund daraus folgend die Verpflichtung, an diesen
Gewässerstrecken Vorkehren für ungehinderteAusübung der Schiff-
z) AS 33, 189,.1916,Giacometti, 1089.

65
riltrllF-

fahrt zu treffen, Verständigung bei Errichtung von Kraftwerken eine fortdauernde Ausübung de
an Grenzgewässernmit dem Nachbarstaat,Bau der notwendigen Pflege der Fische und sonstige
Flösserei-Einrichtungen,Art. 24-29 des Gesetzes.) infolgedesseneiner schonungsl
Die Zuständigkeit des Bundes zur Gesetzgebung über die den muss.
Schiffahrt wurde ihm 1919 durch die Aufnahme des Art. 24ter Die Abkommengreifen des
der Bundesverfassungerteilt. 3) gerechtigkeitenein, die nach inr
Ebenso steht die Nutzbarmachungder Wasserkräfte unter der den, sondern sie enthalten Ma
Oberaufsicht des Bundes und ihm steht zu die Konzessionsertei. wie gegen eine die Allgemei
lung an Gewässersfrecken,die die Landesgrenzebilden, allerdings Fischerei.
unter Beiz:iehung der beteiligten Kantone. a) Wie gesagt, das Fischerei
Die Verträge, die wtr zu betrachten haben, sind alle aus- als sich seine Gebietshoheit e
schliesslichvom Bunde abgeschlossen worden, nicht nur gestützt bis zur Mitte desTalweges,bezw
auf die obgenanntenVerfassungsbestimmungen, sondern auch auf Auf Grund eines besondernTi
Art. 8 der Verfassung, gemäss welchem dem Bunde allein das das alleinige Recht des Fisch
Recht zusteht, mit dem Auslande Staatsverträge abzuschliessen, Flusses, somit auch auf dem T
wenn er dazu die nötige materielle Kompetenz hat. Staates (2.8. bei der Tresa im
Ob der Bund beim Abschluss von Verträgen auch die Kan- Die Berechtigungder Fisc
tone, als Uferanstösser, ins Einvernehmen gezngen hat, lässt sich lichen dort, das kann man all
nicht immer nachweisen,wird aber manchmal im Ingress des Ver- den Wasserlauf der Breite nach
trages gesagt. Flüsse und diejenigen Gewäss
nicht durch bestimmteZeichen'
B. Die Fischerei.s) Bestimmungen.
Ist die Grenzführung beka
Kraft seiner Souveränitäterlässt jeder Staat die Bestimmun- stens eine T,oleranzzonegewätu
gen, nach denen auf den öffantlichen Gewässernseines Gebietes
Oft besteht infolge Vertra
die Fischerei ausgeübtwerden darf. (Bundesgesetzbelt. die Fi- schaft in der Ausübung des I
'scherei vom 27. Dezember 1888.)6)
Staaten eines Grenzgewässers(
Gemässdiesem Cesetz steht die Verleihung oder Anerkennung 1854), so dass die Fischerei vr
des Rechts zum Fischfang den Kantonen zu, der Bundesgesetz- gemeinsamenGewässerteil auq
geber aber bezeichnet die Schonzeiten, die verbotenen Fangappa-
rate, die der Fischerei.entzogenenFische, er erlässt ein Fischerei- Indessen lässt sich eine s
strafrecht etc. gemeinen Grundsätzen des Vö
Nach innerstaatlichem Recht (nach kanlonalem in der nun auch gewöhnlich eine Ger
Schweiz) beurteilt sich die Frage, welchen Personendas Fischen Sinne, dass die Angehörigen b
die Souveränitätsgrenze, auf de
rgestattetist.
Dieser Grundsatz gilt auch für solche Gewässer,die in ihrer nicht besteht,so wird doch durr
Länge oder Breite das Gebiet mehr als eines Staatesberühren,sei eigentliche Verwaltungsgemein
es, dass das Gewässer untet geteilter oder ungeteilter Herrschaft der Fischerei begründet, von d
der Uferstaaten steht. Nun sind aber gtreichwohlhinsichtlich der radezu die Regel darstellt. Dn
Fischerei in Grenzseenund -flüssen oft zwischenstaatlicheAb- die Raubwirtschaft und dient d
machungengetroffenworden,die die beidenkontrahier,endenMächte Fischerei.
verpflichten,über,einstimmendeVorschriften zu erlässen.Der Grund Aus diesen Erwägungenhe
indem die Staaten erkannten,
liegt darin, dass sich bei der Ausübung der Fischerei Crenz'
überschreitungennicht vermeid'enlassen, sodann auch darin, dass Gesamtinteresseder Uferstaate
haben sie sichBeschränkungeni
a; ,,Die Gesetzgebungüber die Schiffahrt ist Bundessache." orte, Schonzeiten,Fischpässe,llt
Ei Ärt. 24bis u-hd Art 24bis, Abs. 4 der Bundesverf. rerbotene Fangarten).
s) vergleiche Schulthess,.54 ff, Strupp, Wörterbuch des VR. 311'
Fleiner, 602. Deshalb haben sie zur Ueb
6) AS 11, 62, Giacometti, S. 1076ff. besonderePolizei aufgestellt, d

66
eine fiortdauerndeAusübung der Fischerei von der Erhaltung und
Fflege der Fische und sonstiger Fangtiere abhängig ist und dass
infolgedesseneiner schonungslosen Raubfischereivorgebeugtwer-
den muss.
Die Abkommengreifen deshalbnicht in bestehendeFischerei-
gerechtigkeitenein, die nach innerstaatlichemRecht beurteilt wer-
den, sondern sie enthalten Massregeln gegen die unbefugte, so-
wie geEen eine die Allgemeinheit schädigende Ausübung der
Fischerei.
Wie gesagt, das Fischereirechtsteht jedem Staate soweit zu,
als sich seine Gebietshoheit erstreckt. Bei Grenzflüssen daher
bis zur Mitte desTalweges,bezw. bis zur Mittellinie desGewässers.
5uf Grund eines besondern Titels besitzt jeweilen ein Uferstaat
das alleinige Recht des Fischfanges in der ganzen Breite des
Flusses, somit auch auf dem Territorium des gegenüberliegenden
Staates(2.8. bei.der Tresa im Tessin).
Die Berechtigung der Fischer findet Schrankenin den staat-
lichen dort, das kann man allgemein sagen, wo die Grenzlinie
den Wasserlauf der Breite nach schneidet. Für die längsgeteilten
Flüsse und diejenigen Gewässer,in denen die Territorialgrenzen
nicht durch bestimmteZeichen festgelegt sind, gelten abweichende
Bestimmungen.
Ist die Grenzführung bekannt ,oder erkennbar, so wird mei-
stens eine T'oleranzzonegewährt.
Oft besteht infolge Vertrag oder Herkommen eine Gemein-
schaft in der Ausübung des Fischfangs unter den umliegenden
Staateneines Grenzgewässers(schweizerisch-badische Verordnung
X854), so dass die Fischerei von jedem Fischer auf dem ganzen
EemeinsamenGewässerteilausgeübt werden kann.
Indessen lässt sich eine solche Gemeinschaft aus den all-
gemeinen Grundsätzen des Völkerrechts nicht herleiten. Wenn
nun auch gewöhnlich ein,e Gemeinschaftdes Fischfangs in dem
Sinne, dass die Angehörigen beider Staaüen,ohne Rücksicht auf
die Souveränitätsgrenze, auf dem ganzen Gewässerfischen dürfen,
richt besteht,so wird doch durch die vielen Fischereiverträgeeine
eigentliche Verwaltungsgemeinschaftder Ulerstaaten hinsichtlich
der Fischerei begründet, von.der wir sage4 können, dass sie ge-
radezu die Regel darstellt. Die gemeinsameRegelung verhindert
die Raubwirtschaft und dient dem Schutz und der Förderung dar
Fischerei.
Aus diesen Erwägungenheraus sind die Verträge entstanden,
-ndem die Staaten erkannten, dass ihr Einzelinlercsse niit dem
Gesamtinteresseder Uferstaaten zusamrnenstimme.Und deshalb
raben sie sichBeschränkungen ihrerSouveränitätauferlegt(Schon-
orte, Schonzeiten,Fischpässe,Mindestmassder gefangenenFische,
rerboteneFangarten).
Deshalb haben sie zur Ueberwachungder Bestimmungeneine
resondere Polizei aufgestellt, die mit mehr oder minder umfang-

67
an den schweiz. Grenzflüssen
reichen Befugnissenausgestattetist und die sich mit der Polizei ordentlichen Verhältnisse vorli
anderer Uferstaaten in der Erfüllung ihrer Aufgabe teilt. Zur Konventionen nicht aus dem
Durchführung ihrer erlassenenStrafbestimmung€nhaben sich die machungen. Wir finden über
Vertragsmächtefast überall Rechtshilfe zugesagt. (Das Bundes- Es ist daher unsere Aufgabe, jr
gesetzbetreffend die Fischerei gibt in seinemArt. 30 dem Bundes- sondert zu behandeln und dab
iate die Vollmacht, über die Fischereipolizeiin den Grenzgewäs- die Verordnungen,Reglemente
sern mit den Nachbarstaaten Konventionen abzuschliessen,in
Wir streifen nur die Frao
welchen, soweit möglich, die Besiimmungendes Fischereigesetzes
der Gewässer?) und venveilei
fahrts- und Fischerei-Verträg
Pflichten und Rechte der kontre
können-
Die Schiffahrt auf der Rh<
stalt angenommen. 1918 wurd
Kommission zum Studium des S
polizei in den schweiz. GrenzgewässernGrenzwächterbeigezogen
stellt. In einer internationalen
werden, die ihre Instruktionen vom schweiz. Zolldepartement et'
ein Pr,ojekt über die Seeregulie
halten (Art.25, Abs. 2).
Lahrt, einztreichen. Dann will
Kant'onalesund eidgenössisches Recht stossenda zusammen.
Uferkantonenins Einvernehmen
Diejenigen Bestimmungen,die das Fischereigeseizenthält, sind an ,die internationale Kommissi
natürlich auch für die l{onventionen massgebenddann, wenn sie
expressisverbis dort enthalten sind. Die Schiffahrt auf dem Rt
in Verträgen niedergelegt, die
Wer in den Grenzgewässernfischen darf, sagt der Kanton.
dem Bodenseeund dem Unterse
Wo und wie man fischen darf, sagt, kantonale spezielle Vor- Sprache kommen.
schriften vorbehalten,der Bund.
Von einer Schiffahrt auf d
nur in einem beschränktenillass
$7. Die Fischerei in den Gren
trage geregelt wie diejenigen in
Die Grenzflüsse. die Grenzflüsse meistens in Se
Rhein,Rhone und Doubs sind schweizerische Grenzflüsse. Der der Gr'enzeliegen.
Rhein einmal v,on der liechtensteinisch-graubündnerischen Grenze
bis zu seinem Einfluss in den Bodensee,dann wieder von seinem A. Der
Ausfluss aus dem Bodensee,allerdings mit einigen Unterbrüchen, Der Doubs ist ein Grenzflu
bis zunt Grenzacherhornbei Basel. Clairbief bildet, d. h. von dort, r
Der D,oubsbildet die Grenze gegen die Kantone Neuenburg reich und dem Kanton Neuenbu
und Bern von Les Brenets an bis in die Nähe von Soubeg (Bern), bernischa Gebiet einmündet un
wo er dann in das Innere des Landesströmt. zu sein.11)
Die Rh,onebildet auf einer ganz kurzen Str cke im Kanton Für die Grenzregelungkom
Genf, bev'orsie die Schweiz verlässt, die Grenze' vention entre le Roi et le Prince
Auch der Inn folgt in seinem Laufe - von Martinsbruck bis cernant les Limites de leurs Eta
Finstermünz - der politischen Grenze. der in seinem Art. 1 u. a. sagt
Ein kleiner Grenzfluss ist sodann die Tresa im Südwesten
desKantonsTessin; unbedeuiende Grenzflüssesind ferner Doveria,
Melezza, der Spöl und andere.
Es kann sich hier nicht darum handeln, eine Darstellung des
internationalen Flussrechteszu geben; es soll lediglich versucht
werden, an Hand der leitenden Grundsätze, soweit sie sich bis
heute für das Völkerrecht ergaben,die Regelun! der Verhältnisse

68
an den schweiz. Grenzflüssenzu erforschen. Da keine äüSS€r-
ordentlichen Verhältnisse vorliegen, fallen die abgeschlossenen
Konventionen nicht aus dem allgemeinen Rahmen solcher Ab-
machungen. Wir finden überall fast dieselben Bestimmungen'
Es ist daher unsere Aufgabe, jeden der schweiz. Grenzflüssege-
sondert zu behandeln und dabei zu untersuchen, wie die Praxis
die Verordnungen,Reglementeund Verträge angewendethat.
Wir streifen nur die Fragen nach Grenze, Ausnützung etc.
der Gewässer?) und verweilen bei den abgeschlossenen Schiff-
fahrts- und Fischerei-Verträgen, da aus ihnen ganz besonders
Pflichten und Rechte der kontrahierendenStaaten ersehenwerden
können.
Die Schiffahrt auf der Rhone hat noch keine definitive Ge-
stalt angenommen. 1918 wurde eine französisch-schweizerische
Kommission zum Studium des SchiffahrtswegesGenf-Rhone be-
stellt. In einer internationalenKonferenz wurde Genf beauftragt,
ein Projekt über die Seeregulierung,die Vorbedingungder Schiff-
fahrt, einzureichen. Dann will sich der Bundesrat zuerst mit den
Uferkant'onenins Einvernehmensetzen,s)und erst hernachwieder
an,die internationale Kommission gelanEen.o)
Die Schiffahrt auf dem Rhein (Konstanz-Schaffhausen) ist
in Verträgen niedergelegt, die zugleich auch die Schiffahrt auf
dem B,odenseeund dem Unterseer,egeln. Sie wird daher dort zur
Sprache kommen.
Von einer Schitfahrt auf den schweiz. Grenzflüssenist also
nur in einem beschränktenMasse die Rede.
Die Fischerei in den Grenzflüssenist oft im gleichen Ver-
trage geregelt wie diejenigen in den Grenzseen,da in der Schweiz
die Grenzflüsse meistens in Seen münden, die selbst wieder an
der Grenze liegen.
A. Der Doubs.lo)
Der D,oubsist ein Grenzfluss,der die Grenzevon Villers bis
Clairbief bildet, d. h. von dort, wo er die GrenzezwischenFrank-
reich und dem Kanton Neuenburgbildet, bis d,ort,wo er ganz ins
bernische Gebiet einmündet und daher aufhört, ein Grenzfluss
zu sein.11).
Für die Grenzregelungkommt in Betracht ein Vertrag ,,Con-
vention entre le Roi et le Prince Evöque et l'Eglise de Basle con-
cernant les Limibes de leurs Etats .r,espectivs"vom 20. Juni 7780,
der in seinem Art. 1 u. a. sagt:
?) Dies wurde eingehendvon Schulthess behandelt.
8) Was in2rn'ischengeschehenist. (Sept. 1930)
e ) B B I 1 9 2 0 I, , 8 3 2 ; 1 9 2 7 , I I , 2 3 7 .
to) vergl. Nippold, Rechtsgutachtenüber die Grenzverhältnisseam
Doubs, 1909,und Angabenin den Werken der StaatsrechtslehrerFleiner,
Blumer-Morel, Schollenberger etc., a. a. O.
11)vergl. Fleiner, 571, Anm. 15.

69
,,Die Gränzlinie ... solle wie vor Alters gezogenund durch aufgenommen,die die Schw
das Gestaddes Doubsstrornesunabänderlichbestimmetwerden, so, Bestimmungenüber die Fisct
dass das ganze Bett und der volle Strom vollkommen unter der einmal im Uebereinhomme
l,andeshoheit von Frankreich verbleiben solle .. ." Dann besteht einem besondern Titel III
'ein
noch Grenzprotokoll zwischen Bern und dem französischen Doubs, welcher die Grenze I
Königreich v'om 12. August 1826, welches nichts Neuessagt. dass niemand in den Grenzg
Die Trennung der Gebietshoheitbei internationalen Gewäs- nicht ermächtigt sei: in Fran
sern, die zwei ader mehrereStaaten voneinanderscheiden,begeg- Schweiz durch die kantonal
net uns in verschiedenenFormen. Es kann der Uferrand die für die staatsrechtlicheAuftr
Grenze bilden, das heisst das Gewässer untersteht der äüS- bernischemRecht wird der I
schliesslichenGebietshoheiteines einzigen Staates; ferner kön- gerechnet,während das fran
nen die Mittellinie oder der Talweg die Grenze bilden. Die Punkt mit dem bernischennir
erstere Form, Uferrand als Grenze,ist seltener;es sind nur wenige Die Uebereinkunft, die
Fälle bekannt, wo er - auf längere Streckenwenigstens - die stimmungen enthält (Masch
Grenze bildet. Am Doubs ist das nun der Fall. Der rechte versen Fanggeräten, von se
Uferrand bildet die schweizerischeGrenze. Frankreich hat die Verbot des Abflusses von de
Hoheit über den ganzenFluss, d. h. auf das Flussbett und auf das Fluss, Bestimmungenüber di
Wasser und mrar bis zum jenseitigen Ufer.12) ist, über die Länge der Fisct
Anderseits kann aber kein Zwellel bestehen,dass auch der tigung zum Fischen nicht u
Nachbarstaat (die Schweiz), obschon ihm an dem Fluss selbst Rechte der Fischer, bis wohir
keinerlei Gebietshoheitzusleht, doch an seinem Ufer seine vollen sich rhancherleiKonflikte.
Hoheitsrechte ausüben kann. Allgemein anerkannte Rechts- . Die Uebertretungender
norrnen zurar, die in genügend präziser Weise die Beziehung'en den zuständigenBehörden g
zwischen den Uferstaaten an längsgeteiltenFlüssen ordnen, gibt in welchem sie begangenw<
es tnicht.13) strafen, also Territorialprinz
Nun sind aber öffentliche, wirtschaftliche und politische In- auch die Kompetenz des Ge
teressender beiden Uferstaatenmit einem Grenzflusseunter allen Gerichtsbarkeitrufen.
Wenn bei gleichenZuwir
betteten wurden, oder wenn i
die zuständigenBehörden de
die Zuwiderhandlung zur Vet
Eine weitere Bestätigun
bezw. det Kantone, am Fluss
reines besondernTitels (Vertrag, Gesetz,spezielle Uebung). betr. die Ueberwachungder
Mehr kann nicht gesagt werden. Beim Doubs ist die Lage Art. 28 sagt, dass zwei
.für die Schweiz deshalb ungünstig, weil ihr keinerlei Hoheits- und im weiteren vier Spez
rechte über den Fluss zustehen. WoIIte daher die Schweiz am französischeRegierungzwei
Flusse, der seiner Natur nach nur eine gemeinschaftlicheBe- die Regierung von Neuenbur
nulzung finden kann, irgend welche Rechte ausüben, so musste nicht nur auf die Landesteile
sie sich mit Frankreich, dem Territorialherr, ins Einvernehmen sondern die gleichzeitig beid
sietzen,denn ohne vertragliche Garantierung wäre die Benutzung ein Staat für seinen Teil r
einer Sache bezw. ein'es Gebiets in, einem fremden Staate un- Vertrag erwähnten aufstellen
zulässig. Das Abkommen von 18
Die Beslimmungen,die am Doubs die Verhältnisse regelten mehrfach abgeändert.rl) Dir
(die Fischerei insbelonder'e;die Crenzen,die ja feststanden,be- rer Bedeutung. Vom Wuns
rdurften keiner neuen Vereinbarungmehr) wurden in die Verträge 14)AS 6, 640.
tz; Mit zwei Ausnahmen, siehe Vertrag von 1929,unten. 15)Abändeflrngen vom 1
13)Huber, Zeitschrift für Völkerrecht, 1,772. 12, 523),30.Juli 1891(AS 1 3
aufgenommen,die die Schweiz rnit Frankreich über gleichartige
Bestimmungenüber die Fischerei in Grenzgewässernschloss. So
einmal im Uebereinhommenvom 28. Dezember 188014) unter
einem besondern Titel III (Bestimmunqen über den Teil des
Doubs, welcher die Grenze nilAet;, der in einem Art. 12 besagt,
dass niemand in den Grenzgewässernfischen dürfe, wenn et hiezu
nicht ermächtigt sei: in Frankreich durch den Uferb,esitzer,in d,er
Schweiz durch die kantonale Behörde. Dies ist charakteristisch
für die staatsrechtlicheAuffassung in den beiden Ländern. Nach
bernischemRecht wird der Doubs zu den öffentlichen Gewässern
gerechnet,während das französischeVerwaltungsrechtin diesem
Punkt mit dem bernischennicht übereinstimmt.
Die Uebereinkunft, die in den Art. 13125 technischeBe-
stimmungen enthält (Maschenwgite der Netze, Verbot von di-
versen Fanggeräten, von schädlichen VorrichtunEen für Fische,
Verbot des Abflusses von den Fischen schädlichenStoffen in den
Fluss, Bestimmungenüber die Zeit, zu der der Fischfang verboten
ist, über die Länge der Fische etc.), spricht sich über die Berech-
tigung zum Fischen nicht weiter aus, besonders nicht über die
Rechte der Fischer, bis wohin sie fischen dürfen. Daraus ergaben
sich rhancherleiKonflikte.

Wenn bei gleichen Zuwiderhandlungen zwei oder drei Gebiete


betretenwurden, oder wenn Zweilel harrscht, so werden sie durch

mehrfach abgeändert.t;) Die letztere Abänderungist von grösse-


rer Bedeutung. Vom Wunsche beseelt, die Unlerdrückung der
-
r-) AS 6. 640.
. _ _15)
'.{s Abänderungen vom 14.April 1S88(AS10, 7Bg),12.März 1891
12,523),30.JutilSgl (AS13,22Ö).

7l
Fischereivergehenzu sichern,wurde zu Art.10 der Uebereinkunft im DoubsgebieteGegenstande
von 1880 folgende Zusatzerklärung beschlossen: sollte.
,,Die hohen vertragschliessenden Staaten verpllichten sich Durch die Kündigung trat
gegenseitig, dieienigen ihrer Angehörigen, welche aal dem Doubs getroffenenVerein6arun
Gebiet des andern Stuutes eines der in der Uebereinhunlt von setzt durch von Frankreich u
1880 vorgesehenen Vergehen begangen hqben sollten, unter Neuenburg erlassenenautonom
Anw,e.ndungder in der Gesetzgebungdes eigenen Landes vor- im genanntenFlusslauf, d. h. .
gesehenenStrafen, in gleicher Weise gerichtlich zu verfolgen, Gutdünken. Diese autonomen
wie wenn sie sich des Vergehens im eigenen Lande schuldig auf die betreffenden,der Gebie
gemachr hätten. Es hnt iedoch keine Straf verfolgung ein- ten Gebietsteile. Verhandlung
zulreten, wenn der Delinquent den Nachweis leistet, dass er bahnt wurden, unterbtach der V
in demienigen Lande, in welchem das Vergehen stattgefunden, unbefriedigende Zustand der Fj
endgültig abgeurteilt, und im Falle der Verurteilung, dass die Les Brenets riet gebieterischna
Strafe vollzogen oder veritihrt, oder dass er begnadigt worden kompliziefien Gr enzverhältniss
sei." stalten sollte. Da zudem der
Weitere Neuerungensind, dass Bussenund Kosten dem Staate Doubs jährlich auf gegen Fr.
zufallen, in dem die Strafverfolgung durchgeführt wurde, und wirtschaftliche Bedeutung und
dass die Fischereiaufseherbefugt sein sollen, die Delinquenten in- nach einer rechtlichenRegelung
nerhalb des Ragons von 5 km über die Grenze des eigenen Landes Aus der Reihe der Vorfäl
hinaus zu verfolgen und verbotene Fische und Geräte zu requi- Zeit ereig:neten,sei nur einer I
rieren. Es wird ihnen aber verboten,ohne Begleitung eines Be- im sog. ,,Bois banel" im Doubs
anften der Lokalpolizei, dem selbst diese Befugnis zusteht, in zu lassen, hatte ein französisc
Häuser, Gebäude,Höfe und Einfriedungen einzudringen. das rechte, auf Schweizerseit
Diese Bestimmung ist eine Ausnahme vom Prinzip, dass auf schickt, und sich zur Rechtferti
staatsfremdemGebiet ein'eAmtshandlungnicht.vorgeflorflm€rw€r- gebliches,jedoch nichtbestehen
den darf (ein Rechtsbrecherdarf nur bis zur H,oheitsgrenzeyer- mit Vorbedacht beoangeneGre
folgt werden). iVlit der Ausnahmebestimmungwurde aber ein s_chenRegierung näkaänt gege
international strafrechtlichesPostulat befolgt, das sowohl im In- Verhütung weiterer Eingritte i
teresse beider Staaten an der Habhaftmachung möglichst aller treffEl. 20)
Delinquenten liegt. re; Die französische Regiarun
1904 wurde eine zweite Ue.bereinkunttabgeschlossen,lT) die Durchgangsracht nicht beÄtehe
Die Behörden des Kantons l
keine grossen Aenderungen brachte, und welche wiederum in
unter Hinweis auf die Verschied
Titel III besondereArtikel dem Doubs und (neu) der Rhone, polizeilichen Vorschriften, wiede
,,welche die Gtenze bildet", widmet. Die oben erwähnten Ab- ten im lnteresse einer gedeihlich
änderungen der l(onvention von 1880 wurden unverändert iber-
rei Schritte zur Herbeiführung
nommen, ebenfalls ist wörtlich der Art. 26, der das Verfahren
Iung getan werden.
bei Uebertretungenregelt, aus dem alten Vertrage übernommen
worden. Auch die Vorschriften betr. Aufseher und Kommissäre In den Jahren 1927,7924,1
handlungen mit den an der Do
sind dieselben. Diese Uebereinkunft wurde am 23. Dez. 7970
Bern und Neuenburg statt; ein
auf den 31. Dezember1971 gekündigt,ra; und zwar aut Begehren
aus diesen Beratungenhervorgin
der waadtländischenFischer (siehe unten).
breitet, von den französischen I
Eine neua Uebereinkunftbeschränktesich auf den Genfersee,
nete Vertragsgrundlage betrach
die Rhone und ihre Zuflüsse, während die Ausübungder Fischerei
Anrn 7926 wollte man mit
16)Im neuen Vertrag von 1929ist sie allerdings nicht mehr ent- reich dic Schonzeit für die Forel
halten.
1?)Betr. Regelung der Fischerei in den Grenzgewässernvom 9. re; BBI 1924,1I1,573.
März 1904,AS 21, 9. Wolf IV, 519. m) Geschäftsbericht1925.S.5:
18)AS 27, 32. BBI 1924,III,573. zr1Geschäftsbericht 1927;S. 4l

12
im DoubsgebieteGegenstandeines besondernAbkommens bilden
sollte. I
Durch die Kündigung traten auch die über die Fischerei im
Doubs getroff,enenVereinbarungenausserGeltung; sie wurden er-
setzt durch von Frankreich und von den Kantonen Bern und
Neuenburg erlassqnenautonomenVorschriften über die Fischerei
im genanntenFlusslauf, d. h. jedes Land handelte nach eigenem
Gutdünken. Diese autonomen Satzungen bezogen sich eben nur
auf die betrefienden,der Gebietshoheitdes best. Landesunterstell-
ten Gebietsteile. Verhandlungen,die nach der Kündigung ange-
bahnt wurden, unterbrachder Weltkrieg. Der reichlich lange und
unbefriedigende Zustand der Fischerei am Doubs und im See von
Les Brenets rief gebieberischnach einer Neuordnung,die, trotz den
komplizierten GrenzverhäItnissen,besser und gerechter sich ge-
stalten sollte. Da
'aufzudem der Ertrag der schweiz. Fischerei am
Doubs jährlich gegen Fr. 80,000 beziftert rÄrurde,war die
wirtschaftliche Bedeutung und zugleich das dringende Bedürfnis
nach einer rechtlichenRegelungder Fischereiselbstverständlich.le)
Aus der Reihe der Vorfälle, die sich in der vertragslosen
Zeit er'eigneten,sei nur einer herausgegriffen: Um Fischer, die
im sog. ,,Bois banel" im Doubs Fischereifrevelbegingen,verhaften
zu lassen, hatte ein französischer Zollollizier eine Patrouille auf
das rechte, auf Schweizerseiieliegende, Flussufer herüber ge-
schickt, und sich zur Rechtfertigung seinesVorgehensauf ein an-
gebliches,jedoch nicht bestehendes Durchoangsrechtberufcn. Diese
nrit Vorbedacht begangene Grenzv'erletzing-wur.de der französi-
schen Regierung bekannt gegeben mit der Bitte, V,orke,hrenzur
lrerhütung weiterer Eingriffe in die schweiz. Gebietshoheit zu
neffEl.20)
Die französische Regierung anerkannle darauf, dass ein
Durchgangsrechtnicht bestehe.21)
Die Behörden des Kantons Neu'enburgsprachenin der Folge,
unter Hinweis auf die Verschiedenheitder beiderseitigenfischerei-
oolizeilichen Vorschriften, wiederholt,den Wunsch aus, es möch-
ten im lnteresse einer gedeih'lichenEntwicklung der Doubsfische-
rei Schritte zur Hetbeiführung einer neuen gemeinsamenRege-
,ung getan werden.
In den Jahren 1921, 1924, 1926 und 7927 landen darauf Ver-
:andlungen mit den an der Doubsfischereibeteiligten Kantonen
tsern und Neuenburg statt; ein schweizerischerVorentwurf, der
eus diesen Beratungenhervorging, wurde 7924 Frankreich unter-
Sreitet, von den französischenBehörden jedoch nicht als geeig-
:ete Vertragsgrundlage betrachtet.
Anro 7926 wollte man mit einem Notenwechsel mit Frank-
:eich die Schonzeit für die Forelle vereinheitlichen: man nahm bei
le) BBI 7924,tI7,573.
zo)Geschäftsbericht 1925,S. 55.
zt) Geschäftsbericht1927,S. 40.

73
diesem Anlass die Celegenheitwahr, Frankreich neuerdings zum rnungen ein einheitlichesFisr
Abschlusseiner Fischerei-KonventTon zu bewegen. Fischschutzzu er zielen.
1928 endtich konnte mit Verhandlungenbegonnenwerden, die Die Art. i6 und 77 beÄ
am 15. April1929 zurlJnterceichnungder Uebereinkunftführten. z2) ses, d. h. auf den Schutz der
Die Bestimmungender Uebereinkunftsind anwendbärauf die
Fischerei in den die Grenze bildenden Strecken des Doubs, näm' Art. 16:
lich 1. von Villers bis Biaufond; 2. von Biaufond bis Clairbief; ,,Fabrihen und ander',ve
5. von Ocourt bis La Motte (Art. 1). ZwischenVillers und Biau- ist es verboten,Abgänge a,
fond verläuft die Grenze in der Mitte des Flusses, von Biaufond den Wasserpllanzenund 1l
bis Clairbief bildet das rechte Flussufer, zwischen Ocourt und ser einzubringen. Solclte I
La Motte das linke Ufer die Landesgrenze. Im Abschnitt von Kosten die nr)tigen Vorric|
Biaufonci bis Clairbief, der grössten und bedeutendstenStrecke, ihrer Abgänge zu erstellen
in dem der ganze Wasserlauf der französischen Oberhoheit unfer- stdnde, wie Blechbücksen
steht, wird den Eigentümerndes Schweizerufersdas Fischereirecht geeignet sind, die Ausüba
bis zur Mitte des Flutset zuerkannt. Mit diesendeutlichenGrenz' in dus Flussbett zu werjen.
ziehungenwird allen Reibereien, die sich infolge der komplizierten
Art. 77
Grenzverhältnisse ergaben, ein Ende gesetzt.
Art. 2 setzt ausführlich die Bedingungen fest, unter welchen ,rEs ist verboten, den Da
gefischt werden darf : für den Abschnitt von Villers bis Biaufiond Zweche des Fischlangs {r1
6edarf es einer Bewilligung d,er kantonalenBehörde (Neuenburg) -Massnahmelür andere Zw.
auf schweizerischerSeite und des Ufereigentümersauf' französi- die Erlaubnis der zustündig
scher Seite; die Fischereibewilligung gewährt das Recht zum erst erteilt wird, nachden
Fischfang nur in den Gewässern des betreff'endenStaates; für Wahrung der Fischereiintc
den Absihnitt von Biaufond bis Clairbief bedarf es auf der schwei- vertragschliessenden Geseil
zerischenwie auf der französischenSeite einer Bewilligung des huber von Wasserwerhen
Ufereigentümers. 4.,ötigenAnstalten zu treife
Die Eigentümer des Schweizerufersbesitzen in . diesem Ab- Erhaltung des Fischbestan
schnitt das Fischereirecht bis zur Mitte des Wasserlaufesgemäss
Wie weit geht der Ansp
der französischenGesetzgebungin gleicher Weise wie die Eigen-
oder Flusses? Und wo ist die Gn
tümer des französischenUfers. Weitergehende,ersessene"
frei walten kann? Und u'a
verbriefte Rechte bleiben zugunsten'der beidseitigen Ufereigen-
Verletzung der fremden pers
tümer vorbehalten.
fremden Integrität? Allgeme
Für den Abschnitt von Ocourt bis La Motte bedarf es der Be-
massenins Einzplne gehen ut
willigung der kantonalen Behörde (Bern).
' benachbartenGebietshoheiten
bie-gestimmungen diesesArtikeis schränkenin keiner Weise
recht nicht aufgestellt. Im a
die staatlichenHoheitsrechteein, wclche die StaatsverträgeFrank-
dass eben jede Einwirkung vo
reich zwischen Biaufond und Clairbief und der Schweiz zwischen
Staatsgebiethinüber, durih c
einer Weise verletzt wird, auc
sönlichkeit involviert, und dr
Unterlassung und ev. Schadl

22) Uebereinkunft zwischen der Schwei"zunif Frankröich ii,ber die


Fischerei in den Grenzgewässern"des'Döups vom 15.April 1929. Bot-
schaft vom 14. April 1929,No. 2467.. za) vergl. Nippold, S. 12.
",
,7 tl
t=
mungen ein einheitlichesFischen und einen möglichst wirksamen
Fischschutz zu er zielen.
Die Art. 16 und 77 beziehensich auf die Integrität des Flus-
ses, d.h. auf den Schutz derselben.
Art. 16:
,,Fabrihen und anderweitigenAnlagen in der Nähe des Doubs
ist es verboten,Abgänge oder sonstige Stoffe, die den Fischen,
den Wasserpt'lanzenund Wassertierenschtidlich sind, ins Was-
ser einzubringen. Solche Unternehmensind gehalten, aul ihre
Kosten die nötigen Vorrichtungen lür die wirhsame Reinigung
ihrer Abgänge zu erstellen. Es ist gletchfalls verboten,Gegen-
stände, wie Blechbüchsen,Drahtgitter; Astwerh usw., welche
geeignet sind, die Ausübung der Fischerei zu beeintrdchti.gen,
in das Flussbett zu werfen."
Art. 17:
;,Es ist verboten,den Doubs und. seine Abteitungshantilezum
Zweche des Fischfangs trochen zu legen. Wenn eine solche
ll4assnuhmelür andere Zweche nötig wird, darf sie nicht ohne
die Erlaubnis der zuständigenBehörde durchgelührt werden, die
erst erteilt wird, nackdem die geeigneten fuI,assnshmenzur
Wahrung der Fischereiinteressengetraffen sind. Die beiden
vertragschliessendenGesellschalten verTtllichten sich, die In-
haber von Wasserwerlzen nach ll4öglichhett zu verhalten, die
nötigen Anstalten zu treffen, um den Zug der Fische und die
Erhaltung des Fischbestandeszu sichern.('
Wie weit geht der Anspruch auf Schutz der Integrität des
Flusses? Und wo ist die Grenzezu ziehen,bis zu der der Staat
irei walten kann? Und wann liegt jenseits des Flusses eine
Verletzung der fremden Persönlich'keit vor, eine Verletztng der
iremden Integrität? , AllgerneineGrundsätzehierüber, die einiger-
rnassenins Einzelne gehen und die bei Konflikten zwischen den
benachbartenGebietshoheitenmassgebendwären, hat das Völker-
2
recht nicht aufgestellt. Im allgemeinenwird man sagen können,
?
dass eben jede Einwirkung von einem Staatsgebietauf ein anderes
n
Staatsgebiethinüber, durch die die fr,emde Integrität in irgend
L
einer Weise verletzt wird, auch eine Verletzung der fremden Per-
ü
r unlichkeit involviert, und dem Verletzten einen "Anspruch auf
rl -=nterlassungund ev. Schadloshaltunggibt. za;
Man unterscheideteine phgsischeund eine chemischeIntegri-
E :ai und eine Verletzung der beiden. Erstere kommt zustandebei
tr; ier Nutzung durch VergrQsserungdes natürlichen Volumens des
n- Flusses auf künstlichemWege oder durch Wässerentnahme.Die
ltu Stauung zum Zwecke der Kraftgewinnung kann daher nicht in
ß
23) vergl. Nippold, S. 12.

75
das ausschliesslicheBelieben eines Staates gestellt sein (siehe Jormulä ducil.neopposition
z.B. Art, 17 Abs. 2). mentä, 14. le Dr. ftossel r
Die chemischeIirtegrität besagt, dass ein Staat auch über die nement franpais avait Ie
chemischeBeschaffenheiteines Seeanteilsetc. verfügt, aber nur so- näcessairesd ce proiet san
däs qu,il o en maiis, par
la preuve q,ue les riieiain.
position d la därivation d
toire.(,
Es ist dazu zu sagen, da
scher Seite keine Oppösiiion
Schluss zulässt, das's'Frankr
schaltenund walten könne,w
lichen Sätzen muss zwiscire
zustande kommen, weil ein .
phgsische
anbetrifft, ist folgendes zu sagen: In einer Note vom B. lKärz _Integrität des gar
dasjenige Ufer in Mifleideisr
190024) führte die französische Regierung inbezug auf die beid- des andern Staatessteht und
seitigeri Rechte an gemeinsainenGewässern folgendes--an: Die sam ausgeübtwird, beeinfräc
Uferbesitzer könnten bis zur Mitte des Flusses Doubs alle Rechte natürlich kann Frankreich all
ausüben,welche ihnen die Gesetzeihres Landes einräumten. Jeder In diesem Zusammenha
Uferbesitzerdürfe zum Betriebe seiner Mühlen und Fabriken nicht Die GemeindeSaignelög
mehr als die Hälfte des Wassersin Anspruch nehmen,welchesder sitztum Theusseretmit äem i.,
Strom beim tiefsten Wasserstandemit sich führe. Dieses Mass konzessioniertenkleinen Kra
dürfe nicht überschrittenwerden, es sei denn, dassein ausgiebige- Kantons Bern auf die Wasse
rer Wassergebrauchden Besitzern des andern Ufers keinen Nach-
teil zufüge und die Regierung des andern Staates darein ein-
willige. - Dieser Grundsatz fand dann seine Bestätigungin einer
franz-ösisch-schweizerischen Uebereinkunft für die Gewinnung der
Wasserkräfte der Rhone zu einem Kraftwerk von La Plaine vom
4. Oktober 1913,25)worin ausdrücklichgesagt wird, dass da, wo
der Fluss die Gtenze z'*'ischenbeiden Ländern bildet, anerkannt
werde, dass der französischeStaat und der Kanton Genf gleiche
Rechte über das Wasser und das Gefäl1edes Flusses besitzen.

an demselben.zo)
Die ,,Gazettede Lausanne" schrieb damals (1908) darüber: . Die Errichtung und der Br
=och vertraglich festgelegt wa
,,Cettemine a ötö autorisö pour le gouvernementf ranEais.EIle rreden werden kann-
s'ätablit entiörementsur le territoire de nos voisins. Nous re'
mürqaons que les eaux du Doubs sont absolumetfranqaisesen Der Streit um die Anlage
cet endroit'et que les propriötaires riverains du cötö suissen'ont m'ähnteGutachtenNippold näd
:echtigung versagte,öine Anlar
%) BBI 1901.886. s:onieren,ohne sich vorher ri
25)AS 29, 131,BBI 1914,I, 1.
26)vergl. Hilty, 12, 353. 27)NeueZürcher Zeitungv.

76
formulä ducil.neopposition. Dans un mömoire fortement docu-
mentö, /14.le Dr. ftossel arrive d ln conclusioi que le gouver-
nement franEais avait le droit de donner toutes autorlsations

Es ist dazu zu sagen,dass die Tatsache,dass von schweizeri-


scher Seite_keine opposition gemacht wird, in keiner weise den
Schl-usszulässt, dass Frankreich bei der Errichtung des werkes
schaltenund walten könne, wie es ihm beliebe. Nacl völkerrecht-
Lichensätzen muss zwischen den uferstaaten eine vereinbarung
zustande kommen, weil ein Elektrizitätswerk auf jeden Fall diö
phgsische
_Integrität des ganzen Flussbettes berührt, also auch
dasjenigeufer in Mitleidenschalt zieht, welches unter der Hoheit
des andern Staatessteht und zudemdie Fischerei,welche gemein-
sarn-glggeübt wird, beeinträq4tigt. Das Recht auf wasserÄutzung
natürlich kann Frankreich allein zustehen.
In diesem Zusamntenhangist f,olgenderFall von Interesse:
Die GemeindeSaignelögierhat vor etwa 40 Jahren das Be-
--itztumTheusseretmit dem von Frankreich und dem Kanton Bern
.;onzessionierten kleinen Kraf fwerk erworben. Das Recht das

Die Errichtung und der Betrieb von Werken sollen aber dazu
:'xh vertraglich festgelegt werden, damit jedweder Konflikt ver-
rieden werden kann.
Der Streit um die Anlage am R,efrain zog das mehrfach er-
mainte GutachtenNippold nach sich, welchesFrankreich die Be-
:zchtigung versagte, eine Anlage am Refrain einseitig zu konzes-
s'ronieren,ohne sich vorher mit der bernischen Re-gierungver-
?7)Neue Zürcher Zeitungv. 22. Sept.1g28.

77'
ständigt zu haben (S. 48 des Gutachtens). Ihr Verhalten wider- oder, falls mehrereKantone bet
sprechäden Grundsätzendes Völkerrechts,das den Nachbarstaa- Willen der beteiligtenKantone
ten gewisseBeschränkungenauferlege. Nippold schlägt vor, dass Fä1lenzwar in eigenemNamen
für künftige Fälle Vorsorge zu treffen sei, indem die beiden Staa- nung der beteiligten Kantone I
ten vereinbaren,sich künttig vorher miteinander zu verständigen, 46 Abs. 5; 52; 62; 7l Abs. 2
bevor sie Konzessionenfür grössereKraftwerke am Doubs ertei- ( A S 5 5 1 8 9 ) . "2 4 ;
len, die auf das Gebiet des Nachbarstaateshinüber zu wirken ver- Kehren wir wieder zum )
Auch die Fischereipoljzei i
Art. 25:
,,Ieder Staat regelt lür si
Sonntagen und lairchlichenI
pflichtet, die Vorschrilten de;
dessen Gebiet er dem Fistl
Art. 24
denn diese Auffassung widersprächeden Grundsätzender Billig-
,,Ieder Staat ernenni Fisc
keit und der Gleichberechtigungder Uferstaaten. Ein jeder Staat und gibt deren Namen und
hat Anspruch auf gleich grosse Nutzung, auf die halbe Wasser- hannt, bei dem die Genehm
krait, ohneRücksicht darauf, ob Talweg oder Mittelweg die Gtenze Art. 26 enthaltenenBestimm
bilden und wo gerade die Hauptmassedes Flusses durchfliesst.
Diese Aufseher sind mit t
Beim Doubs allerdings bedarf es noch anderer Uebereinkünfte,um
unter der Leitung der Kornn
die Grundsätzedes Völkerrechtsanzuwenden,denn die Grenzebe-
Der Dienst wird von de
findet sich zum grössten Teil nicht in der Mitte.
Zweck einer gleicltzeitigen L-
Heute sind die Kantone nicht mehr ungehindert in der Ver-
Beziglich dieses Artiketrs
schweizerischen Unterhändlerd
der Aufsicht über die Geg'äss
aufseherin der Uebereinkunft{
Verlangen der französischenL-
kurft aber lediglich, dass die
Zahl ernannt werden sollen.
Interessendern Auslande gegenüberzu wahren. Wenn daher ein geäussertenWunsche Rechnu
Kanton eine Gewässerstreckeausnutzenwill, die nicht ausschliess- nennung der Fischereiaufsehe
lich auf schweizerischemGebiet liegt, oder die zwar ausschliess- tragsstaatesausbedungen.
lich aui schweizerischemGebiet liegt, bei der aber die andere Art. 25 setzt die Aufgabe
Uferlinie - wenn auch nur auf eine ganz kurze Strecke - die haben die Uebertretungenfestz
Grenzebildet, so bedarf es hiezu der Bewilligung des Bundesrates. und zwar ,ohneUnterscheidung
den französischenGewässern
Handelt es sich um die Ausnutzung der Gewässerstrecke
Wenn sie ihre Tätigkeit
durch ginen privaten Unternehmer,so ist der Bundesrat ntr Er-
Gewässer ausüben,die der H<
teilung der Konzession zuständig. In beiden Fällen wird der
hat, unterstehen,so dürfen sie
Bundesrat dem Gesuchenur entsprechen,wenn die vorgesehene
oder Beschlagnahmungen vorne
Kraftausnutzung den allgemeinenGrundsätzendes internationalen port zu erstatten. Zum Zu,ecL
Rechts entspricht,odersich als die Ausführung einer mit demNach-
können die Fischereiaufseher
barstaat abgeschlossenen besondernVereinbdrung darstellt.
mässig bewaffnet oder unbewa
Bevor der Bundesratdie I(gnzessionzut Ausnützungeiner in-
auf dem Flusse frei verkehren
ternationalen Gewässerstrecke erteilt, hat er die beteiligten Kan-
särebestimmendie Ausdehnun
ione anzuhören;er ist aber an ihre Vorschläge nicht gebunden.
Tatsächlichwird es indessenkaum vorkommen,dass der Bundes- 28) Mutzner. Politisches Jahr
rat eine Idonzessiongegel den Willen der beteiligten Kantone, in: Die Bundesgesetzgebungüber

78
,:der, falls,mehrereKantone beteiligt sind, gegenden gemeinsamen,
',\illen der beteiligtenKantonererteilt,dA der Bund
auch in diesen
Fällen zttrat in eigenemNamen, aber im Interesseund auf Rech-
rung der beteiligtenKantone handelt (vergl. Art.7; 58 Abs. 2;
:{.'6Abs. 5.; 52; 62; 77 Abs. 2 des Gesetzesvom 22. Dez. 1976
tAS 55 189;."zsl
Kehren wir wieder zum Fischereivertrag zurick.
Auch die Fischereipolizeiist abschliessendgeordnet worden.
Art. 25: :
,,Ieder Staat regelt'für sich die Ausübung der Fischerei an
Sonntagenund hirchlichen Feiertagen. Ieder Fischer ist ver-
pflichtet, die Vorschrilten desienigen Staates zu beobachten,uuf
dessen Gebiet er dem Fischlang obliegt."
Art. 24:
,,Ieder Staat ernennt Fiscltereiaufseherin genügender Zahl
und gibt deren Numen und Wohnort dem andern Staate be-
hannt, bei dem die Genehmigunglür die Anwendung der in
Art. 26 enthultenenBestimmungeneinzuholen ist.
Diese Aufseher sind mit der Ausübung der Fischereipolizei
unter der Leitung der l(ommissiire betraut.
Der Dienst wird von den l(ommissären eingerichtet zum
Zwech einer gleichzeitigenUeberwachungder beiden Ufer.
Bezüglich dieses Artikels ist darauf hinzuweisen, dass die
schweizerischen Unterhändler die Zahl der von beiden Staatenmit
ier Aufsicht über die Gewässer des Doubs betrauten Fischerei-
eulseherin der Uebereinkunftfestzusetzengewünschthätten. Auf
',-erlangender
französischenUnterhändler bestimmt die Ueberein-
cunft aber lediglich, dass die Fischereiaufseherin genügender
Zahl ernannt werden sollen. Um einem von französischerSeite
geäussertenWunsche Rechnung zu ttagen, wurde für die Er-
rennung der Fischereiaufseherdie Zustimmung des andern Ver-
:lagsstaatesausbedungen.
Art. 25 setzt die Aufgabe der Fischereiaufseherfest. Sie
:aben die Uebertretungenfestzustellenund ausfindig zu machen,
:nd zwar ohne Unterscheidungzwischenden schweizerischenund
ien französischenGewässern.
Wenn sie ihre Tätigkeit ausserhalb des Gebietes und der
Gewässerausüben,die der Hoheit des Staates, der sie ernannt
:-at, unteqstehen,so dürfen sie keine Zwangsmassnahmen treffen
:der Beschlagnahmungen vornehmen,sondern si,ehaben nur Rap-
:rtrL zu erstatten. Zum Zwecke der Ausübung dieser Befugnisse
r-önnendie Fischereiaufseh'erauch in Uniform und vorschrifts-
rässig bewaffnet oder unbewaffnet längs den beiden Ufern und
:uf den Flusse frei verkehren (Art. 26). Die Fischereikommis-
-iärebestimmendie Ausdehnungdes als ,,IJfer" bezeichnetenLand-
28) Mutzner, Politisches Jahrbuch der Schweiz. Eidg. XXX, S.288
-: Die Bundesgesetzgebung über die Ausnützung derWasserkräfte.

79.
wie eine Verbesserungder E
der beiden Ufer herbeizufüh
Von einer Einschränku
ist, ausgenommendie kleint
nicht die Rede; Frankreich
sich auf den ganzen Fluss e
schränkungengefallen lassen
DieindenfrüherenKonventionenenthalteneBestimmung' tioniert sind, und dazu im k
dass die wächter Delinquenten 5 km weit über die Grenze ver- lung des Fischstandesusrr.)
folgen
- dürfen, ist weggefallen.-- Wenn wir die Bestirrm
" Art 27 öndlich r"e-qeltin klarstellender Weise das Verfahren
Grenzflüssen,Rh,oneund Rhr
ftir die stratverfolgung- und den strafvollzug in einer den inter- uns kurz fassen. Sie sind c
nati,onalenVerhältnissenangepasstenWeise' lung der Fischerei in den S
bindung stehen (Genfer, ul
liche Verträgesind, z. B. inh
worden.
Vorerst sei aber die Fi:
Regelung ebenfalls in Vertri
enthalten ist, kurz erwähnt.

B. Die T
Ein erster Vertrao karn
der gleichartige Bestimmun
Staaten angehörendenGewäs
und Luganersee,sowie für r
wiire." Tresa, Maira, Br,eggia,posc
Damit wird ein überall geltendes internationalesPrinzip an- technischeBestimmungenü_
gesagt, dass zum Zwecke de
betreffendenGewässernund r
arten zu schützen und zu rel
sen w,ordensei. Andere Bes
das bei Uebertretungender i
einzuschlagenwäre,iinden u-
dass jeder Staat die nötige
seinem Gebiet die Bestimmu
zu bringen. Also war das St
innerstaatlich angewandt. geordnet, und ebensonicht c
Bussen und kosten erhält der die Strafverfolgung durchfüh- Dies kam erst hinzu in
1898.32) Es heisstda in Art
verpflichten, diejenigen ihrer
heitsgebieteine Uebertretung
ihres Landes so zu bestrafen,
im eigenenLande schuldig ge
zur Anerkennung gebrachte
30)Eine einlässliche Betra
3r)AS 7. 114.
32)AS 17, 79.
2s)BBI 1924,Ilr, 573.

80
wie eine Verbesserungder Beziehungenzwischen den Anwohnein
der beiden Ufer herbeizutihren.
Von einer Einschränkung der schweizerischenSouveränität
ist, ausgenommendie kleine Strecke von Ocourt bis La Motte,
nicht die Rede; Frankreich hingegen, obwohl seine Oberhoheit
sich auf den ganzen Fluss erstreckt, muss sich verschiedeneEin-
schränkungengefallen lassen,die aber durch das Völkerrechtsank-
tioniert sind, und dazu im Interesseder beiden Länder (Entwick-
lung des Fischstandesusw.) liegen.
Wenn wir die Bestimmungenbeft. Fischerei in den andern
Grenzflüssen,Rhone und Rhein, betrachtenwollen, so könnenwir
uns kurz fassen. Sie sind oft im Zusammenhangmit der Rege-
lung der Fischerei in den Seen, mit denen diese Flüsse in Ver-
bindung stehen (Genfer- und Bodensee) getroffen, und eigent-
liche Verträge sind, z.B. inbezug auf die Rhone, nicht geschlossen
worden.
Vorerst sei aber die Fischerei in den Tessinerflüssen,deren
Regelung ebenfalls in Verträgen, die die Tessinerseenberühr'en,
enthalten ist, kurz erwähnt.30)

B. Die Tessinerflüsse.
Ein erster Vertraq kam am 8. N,ovember18823r) zustande,

gesagt,dass zum Zwecke der Regulierungdes Fischfangsin den


beireffendenGewässernund um die als Nahrung wichtigen Fisch-
arten zu schützen:und zu vermehten,die Konvention abgeschlos-
sen worden sei. Andere Bestimmungen, z.B. über das Verfahren,
das bei Uebertretungender im Vertrag aufgestelllienVorschriften
einzuschlagenwäre, finden wir nicht. Es heisst nur in Art. XVI,
dass jeder Staat die nötigen Vorkehr'en treffen solle, um auf
seinem Gebiet die Bestimmungender Uebereinkunft zum Vollzug
zu bringen. Also war das Strafverfahrennoch nicht international
geordnet, und ebenso nicht die Fischereiaufsicht.
Dies kam erst hinzu in der Zusatzübercinkunftvom 8. Juli
1898.32) Es heisstda in Art. 1, dasssich die Staatengegenseitig
verpflichten, diejenigen ihrer Angehörigen, die auf fremd_emHo-
heitsgebieteine Uebertretungbegangenhaben, nach den Gesetzen
ihres Landes so zu bestrafen,wie wenn sie sich einer Uebertretung
irn eigenenLande schuldig gemachthätten. Diesem nun artchhier
zw Anerkennunggebrachteninternati'onalen,,Strafaushilfesatz"
30)Eine einlässliche Betrachtung der Grenzseensiehe unten, 5q8-
3r)AS 7, 114.
32)AS 17. 79.

81
schliessensich die in solchen Verträgen üblichen Bestimmungen betr. Artikel wieder aufgeh
an: der Grundsatz ne bis in idem, die Wege der UebermitUun;g 1898 dafür wieder in Kräft
der Verbalprozesse,der Anteil an den Bussen,die Beschlagnahme Kenntnis.36)
von Geräten und Fischen etc. Art. 24 der Ueberei.nk
Hier wird, wie auch in andern Verträgen, eine praesumtio mungen der Uebereinkunftr
juris et de jure aufgestellt,wenn stipuliert wird, dass die Angehö- die Gerichtsbarkeit inhezx
rigen, welche auf dem Gebiete des andern Staates ein in der in Kraft bleibe, also durd
Uebereinkunft genanntesVergehen begangen haben, im eigenen rührt werde.
Staat bestraft werden sollen: es wird angenommen,dass mit der
Consumtiondes Deliktes auf dem einen See- oder Flussgebietein Di
Delikt auf dem andern begangenwird.33) Dic Tresa ist ein Gren
1906 wurde ein neues Abkommen abgeschlossen(Ueberein- gensee fliesst; die italienist
kunft betr. gleichartige Bestimmungenüber die Fischerei in den lVlitte des Flusses, die Fisc
beiden Staaten angehörendenGewässernvom 13. Juni 1906.34) Im Vertrage von 1g61 (R
Dadurch wurde nicht nur die Uebereinkunft von 1882, sondern Lombardei und dem Kantän
auch die Zusatzbestimmung von 1898 aufgehoben. Inter'essant streitig ist) sa; heisst es inl
ist hier die Bestimmung,dass die Uebereinkunftauch Anwendung
,,Der besagte Tresailu:
finde auf die mit den betreffenden Gewässern in Verbindung gezeigten Orte nach liord
stehendenPrivatgewässerund auf die Privatfischereirechtenunler- ergiesst sich in den l_an
worfenen öffentlichen Gewässer. Vom praktischen Gesichtspunkt dend, vert'olgt er in seint
aus eine selbstverständlicheB'estimmung,da die Uebereinkunft lauf, mit seiner Hauptstt
den Schutz und die Erhaltung der Fischarten bezwecktund Art.2 hienach erwähnten Sie (t
ausdrücklich dazu sagt, dass die beiden Staaten sich verpflichten Aut' dieser Strecleev,ird
sollen, für die in die zwei Seenmündendenund die aus demselben bestehendenBrücken in pt
abfliessenden Gewässer aile ntr freien Zirkulatton der Fische Baggerung des Flussbette
nötigen und überhaupi die im Interesse der Fischerei liegenden Teilen auffallen. Der Fis
Verfügungen zu treIIen. und die Gerichtsbarh.eitdb
Der betr. Artikel der Uebereinkunft wurde aber wieder ge- her gdnzlich Sache der St
strichen in der Zusatzübereinkunftvom 8. Februar 1911.35) Es
geschahdies mit Rücksicht auf das öffentliche Recht der Schweiz; Anders ist es bei den a
gewässern. Art. 25 der Ue
denn die Fischereihoheitüber die kantonalen Gewässersteht dem
Bunde nur dann zu, wenn es sich um Gtenzgewässerhandelt ,,feder der beiden Siaott
den gemeinschat'ilichenGet
(FischereigesetzArt. 50). Unter diese Bezeichnungfielen aber
räumen, welche gegen Ent
die mit den Grenzgewässernin Verbindung stehenden Privat-
gewässer nicht. Um den Schutz der Fischerei aber nicht illu- ten ln gemeinsamemEinre,
Bewilligungsschein erhalte
sorisch zu machen, übernahm die Eidgenossenschaftdie Ver-
ungssclteine werden v,on d
pflichtung, dafür Sorge zu tragen, dass die kantonale Fischerei-
gesetzgebung in Uebereinstimmung gebracht wurde mit den kannt werden...
Demgemässwar also d
Grundsätzendes gestrichenenAbsatzes. Auf diese Weise konnte auf den beiden Seen und Flils
die Uebereinkunft doch ihren Zweck erfüllen.
anbelangt,so wurden die Ausnahmegewisser namenfli
Was die Verf,olgungsbestimmungen
die beidseitigen Anwohner.
Zusätze von 1898 fast wörtlich übernommen. Nur in Art. 26
der Fälle statt, bei denen vom 8. Februar 1911eo) wurr
Abs. 2 fand eine genauereUmschr,eibung
ben und bestimmt:
der Grundsatz des ne bis in idem in Anwendung treten sollte.
Doch in einer Zusatzerklärung vom 15. Januar 1907 wurden die 36)AS 23, 49.
3?)vergl. Il fiume Tresa n
aB)vergl. Doka, 104. II,669 tr
3 4 )A S 2 3 , 2 3 . 38)AS 7, a. F. 211. Graffln
35)AS 27, 772. 3s)^s 27, t72.

82
betr. Artikel wieder aufgehoben und die Zusatzibereinkunft von
1898 dafür wieder in Kraft erklärt. Warum, entzieht sich meiner
Kenntnis.36)
Art. 24 der Uebereinkunft Von 1906 sagt, dass die Bestim-
mungen der Uebereinkunftvon Lugano vom 5. Oktober 1861 betr.
die Gerichtsbarkeit inbezug auf den Fischfang in der T r e s a
in Kraft bleibe, also durch die neuen Bestimmungennicht be-
rührt werde.
Die Tresa.3z)
Dic Tresa ist ein Grenzfluss, der vom Luganer- in den Lan-
genseefliesst; die italienisch-schw,eizerische Grenze liegt in der
-\litte des Flusses, die Fischerei dagegen ist ganz schweizerisch.
Irn Vertrage von 1861 (Feststellung der Grenze zwischen der
Lombardei und dem Kanton Tessin an einigen Orten, wo dieselbe
streiiig ist; as; heisst es inbezug auf die Tresa:
,,Der besagte Tresafluss läuft am etwas weiter oben an-
gezeigten Orte nach Norden gönzlich auf tl4ailtindergehiet und
ergiesst sich in den Langensee,und, sich nuch Süden wen-
dend, verlolgt er in seinen l(rümmungen, gegen den Wasser-
lauf , mit seiner Hauptströmang die Grenzlinie bis zum ...
hienach erwähnten See (Luganersee), aus welchem er strömt.
Aul'dieser Strecleewird die Unterlzalt,ungder beiden zurzeit
bestehendenBrücken in Ponte Tresa und Cremenuga,sowie die
Baggerung des Flussbettes ietzt an beide Staaten zu gleichen
Teilen auffallen. Der Fischfang aber längs derselbenStrecke
und die Gerichtsbarkeitüber seine Ausübung verbleibt wie bis-
her grinzlich Sache der Schweiz.ß
Anders ist es bei den andern tessinisch-italienischenGrenz-
gewässern. Art. 25 der Uebereinkunft sagt:
,,Ieder der beiden Staaten wird das Recht zum Fischfang in
den gemeinschat'tlichen Gewiissernnur denienigenFischern ein-
räumen, welche gegen Entrichtung einer von den beiden Staa-
ten in gemeinsamemEinverstrindnisfestzustellendenTaxe einen
Bewilligungsschein erltalten haben werden. Diese Bew,illig-
ungsscheinewerden von den beiden Staaten gegenseitiguner-
hannt werden.('
Demgemässwar also die Fischerei mit Bewilligungsschein
auf den beiden Seen und Flüssenin ihrer ganzenAusdehnung(mit
-lusnahme gewisser namentlich bezeichmeterStellen) gestattet für
die beidseitigen Anwohner. Im Zusatz zu dieser Uebereinkunft
rcm 8. Februar 19113e)wurde aber in Art. VII Art.25 aufgeho-
ben und bestimmt:
36)AS 23. 49.
3?)vergl. Il fiume Tresa nella storia v. E. Pometta, 1924, Hilty,
lI.669tr
38)AS 7, a. F. 211, Graffina, 149.
3e)AS 27. 172.

85
pflichten, die durch ihre beid
,,Es bleibt iedoch den hohen vertragschliessenden Parteien
rung der freien Zirkulation d
vorbehalten,innerhalb ihres Territoriums das Recht zum Fisch-
im ganzen Umfange der obE
lang in den gemeinsamenGewiissernnur denienigen Fischern Ein FischereirechtFrank
zu gestatten, welche gegen Entriclttung einer Taxe einen Be-
da die betreffendenGewässe
willigungsscheinerhalten haben, und zwar aul Grund der von
auf einer kleinen Strecke di
iedem der beiclenvertragschliessenden Staaten eventuell zu er-
stimmungendes Titels III (D
lassenden Vor schrit'ten".
bilden) massgebendsind.) 1
Demzuiolgewurde die Fischereifreiheitwieder aufgehoben,es
erwächst aber den beiden Str
aber den beidseitigen Kontrahenten überlassen, Bewilligungen
die phgsische Integritat der
auch an die italienischen resp. schweizerischenEinwohfiet zu ar-
Bauten zu vermeiden und, solJ
teilen.
einander ins Einvernehmenz
Arn 2. Mai 1915 erliess der Bundesrat sodann eineVerordnung
Im Fischereivertragvon
betr. die Fischerei in den gemeinschaftlichena0) Gewässern,+r)
tion in dem Sinne, dass fiinzr
die alle BestimmungenaufzähIt (Art. 1), welch,efür die Fischerei
gelten (neben dem Vertrage und den Zusatzabkommendas Eidg., nahmerr zur freien Zirlrartafiq
hinderung der Verunreinigrmg
Fischereigesetzund dessenVollziehungsordnung).a2)
Dort, wo die Rhone dis
Die Verordnung des Bundasratesenthält sonst ausser Straf-
fischen, wer dazu durch die
bestimmungenbetr. Vergehen,die von den schweiz.Behörden ge-
Landes ermächtigt ist, aut des
mäss den Gesetzender Kantone Tessin und Graubündpn zl ahn-
Art. 271. Aus dieser Bes"-n
den sind, nur technische Bestimmungen.
die Mittellinie des Flusses ist
Diese Fischereiverträgebergen interessanteDetails, sind aber geschränktist durch eine Bw
in ihrer Gesamtheitnicht besondersbeachtenswert,wie die nun jenigen Landes, auf dessenTe
folgenden, die die Fischerei in der Rhone regeln.
Nach Kündigung dieser U
C. Die Rhone. des Krieges und der Nachkrie
Konvention abgeschlosscnwe
Den Fischereivertragvom 28. Dez. 1880, dessenIII. Teil die
Deren erster Teil befasst r
Verhältnisse am Doubs regelte,aa) haben wir in seinen haupt-
während die folgendenTitel a
sächlichenBestimmungen,die'sowohl für Doubs wie Rhone galten,
schonbetrachtet. Der Titel II enthält Bestimmungenbetr. die Zu' Es wird unterschiedenrui
der Arve mit ihren Zuflüsscn,
flüsse des Gentersees,die Rhone von ihrer Quelle im Wallis an
zur Gtenze, der Rhone als Gn
bis zu der französischenGrenze unterhalb Chancg, die Arve und
ihre Zuflüsse, sowie die andern G,ewässerauf dem Gebiete der dem Kanton Genf und dem De
beiden Staaten,mit Ausnahmedes Doubs. den Grenzbächen: Morge, Hm
don und Versoix.
Unter diesemTitel befindetsich aber nur ein Artikel (Art.11),
der die den beiden VertragsstaatenobliegendeVerpflichtung ent- Inbezug auf die ersteren I
hält, die Zerctörtng der Fische zu verhilen und deren Fortpflan- Verträgen, die Verpflichfung
zung zu begünstigen. Namentlich sollen sich die Staaten ver- men geg€n die Gewässerven
den Grenzgewässernbestimmt
+o)Ueber den Begriff,,gemeinschaftlich" siehe unten (Tessiner Seen).
4D AS 29, 131. ,,Niemund darf fischen, u
42) Interessant ist dabei Art. 2 des Decreto legislativo di modifi- vont Uferbesitzer in Franhrt
catione delle legge cantonale sulla pesca: All'art. 6 delle legge suddetta tonalen Behörde in der Sc
ö aggiunto il sequente paragrafo: ,,Il Dipartiqrento di Agricoltura potra Was heissen will, dass i
autorizzare le Municipalitä svizzere a rilascarc delle patenti anchi a
cittadini esteri non domicilati, e öhe. interessero esercitare Ia pesca nei
Behörde (Genf) eine Bewilligu
Laghi Maggiore e di Lugano purchö prestino garanzia sufficiante per 44) AS 21, g.
gli eventuali danni contravenzione." Das Fischen in den schweiz. Ho- ab) Uebereinkunft betr. die
heitsgewässern, bemerkt Doka (75 ff), ist also nicht mehr frei kraft in- von ihrem Ursprung bis zur Grer
ternat. Vereinbarung, sondern hängt für die auf ital. Boden. Domizil- ZPflüssen, vorn 28. Juli 1924, BB
ierten von einer Bewilligung des.Tessiner Landwirtschaftsdep. ab. nicht ratifiziert.
43) AS 6, 640.

84
pflichten, die durch ihre beiderseitigenGesetzgebungen zur Siche-
rung der fueien Zirkulation der Fische vorgesehenenMassnahmen
im ganzen Umfange der obgenanntenGewässerzu treffen.
Ein FischereirechtFrankreichs an den Flüssen besteht nicht,
da die betreffendenGewässernirgends die Grenze bilden (ausser
auf einer kleinen Strecke die Rhone, für welche aber die Be-
stimmungendes Titels III (Doubs und Rhone, wo sie die Crenze
bilden) massgebendsind.) Aus der Verpflichtung des Art. 11
erwächst aber den beiden Staaten die Pflicht, die chemischewie
die phgsische Integrität der Gewässer zu wahren, schädigende
Bauten zu vermeidenund, sollten Kraftwerke erstellt werden, mit-
einander ins Einvernehmenzu treten.
Im Fischereivertragvon 1904aa)erfuhr Art. 11 eine Redak-
tion in dem Sinne, dass hinzugefügt wurde, dass nebst den Mass-
nahmerr zur freien Zirkulation der Fische auch solche zur Ver-
hinderung der Verunreinigung der Gewässerzu treften seien.
D'ort, wo die Rhone die Grenze bildet, darf im Strome nur
fischen, wer dazu durch die zuständigen Behörden desjenigen
Landesermächtigtist, auf dessenTerritorium er fischt (Titel III,
Art. 27). Aus dieser Bestimmung geht hervor, dass die Crenze
die Mittellinie des Flusses ist und dass die Fischereifreiheitein-
geschränktist durch eine Bewilligung der Uferstaaten,bezw. des-
jenigen Landes, auf dessenTerritorium gefischt wird.
Nach Kündigung dieserUebereinkunft(1911) ging es, infolge
des Krieges und der Nachkriegszeit,15 Jahre, bis 1924 eine neue
Konvention abgeschlossenwerden konnte.a5)
Deren erster Teil'befasstsich mit der Fischereiim Genfersee,
während die folgendenTitel auf die Rhone Bezsg nehmen.
Es wird unterschieden zwischenden Zuflüssendes Genfersees,
der Arve mit ihren Zuflüssen, der Rhone von ihrem Ursprung bis
zur Grenze,der Rhone als Gr'enzfluss(die Rhonestreckezwischen
dem Kanton Genf und dem DepartementAin) und den nachfolgen-
den Grenzbächen:Morge, Hermance,Foron, Machillg, Laire, Lon-
don und Versoix.
lnbezug auf die ersteren Gewässerwird wieder, wie in allen
Verträgen, die Verpflichtung betr. Fischdurchzug und Massnah-
men gegen die Gewässerverunreinigung festgesetzt,während bei
den Grenzgewässernbestimmt wird (Art. 43):
,,Niemand darf fischen, wenn er dazu nirht vom Staat oder
vom Uferbesitzer in Frankreich und von der zuständigenkan-
tonalen Behörde in der Schweiz ermtichtigt ist.'(
Was heissen will, dass in der Schweiz nur die kantonale
Behörde (Genf) eine Bewilligung erteilen kann (an Schweizerund
44)AS 21, 9.
aQ Uebereinkunft betr. die Fischerei im Genfersee, in der Rhone
v o n i h r e m U r s p r u n g b i s z u r Grenze unterhalb Chancy, sowie in ihren
Zuflüssen,vom 28. Juli 1924,BBI 1924, III, 580. Von Frankreich noch
nicht ratiliziert.

85
Franzosen), während in Frankreich je nach den Eigentumsver- vorgelegt. Und zwar aus fo
hältnissen an dan Gewässernder Staat oder der Private die Fi- ligen Stande der Gesetzgeb
scherei den Petenten erlauben kann. nicht unter die Kategorie d
Auf die Rhone (als Grenzstrom) und die obgenanntenGrenz- konnte deshalb nicht die Ar
gewässerkommen nun auch die Art.35/41 des Vertrages zur An- dergelassenenAusländern rr
wendung, die die Polizeibestimmungenenthalten. Es heisst da- Gewässern einer Fischereiü
rin, dass dig Fischereiautsehereines jeden Staates die fehlbaren Gernäss den Bestimmungen
Fischer (die die geltendenVorschriften desjenigenStaates einzu- nun die Schweiz (Art. 4O)"
halten haben, in dessenGebiet sie den Fischfang ausüben,Art. 54 Fischereideliktesin den Cre
Abs. 2) über die Grenze in die G,ewässerdes Nachbarstaatesbis gemacht haben, zu verfolgen,
auf einen Abstand von 200 m vom Uier verfolgen und dort zur zergebiet begangen rvorden r
Beschlagnahme der Fische und Fanggeräte schreiten können. Behandlung der schweiz. S1
I{ommt diese Bestimmung für die Rhone auch zur Anwendung? in der Schweiz niedergelas
Man möchte Zweitel hegen, da es ausdrücklich heisst, dass die meiden, war es erf,orderlich
Verfolgung 2OOm vor dem fremdan Ufer (im See) einzustellen lieferung verlangt werden k<
sei, d. h. fremdes, festes Staatsgebietdarf nicht betreten werden. ermöglichen, die Bundesver
Da bei einem Strom andere Verhältnisse vorliegen, kann m. E. (Art. 48, Abs. 5 der Bundes
Art. 58 nicht angewendet werden. Er hat nur für die See-, Aus dem bisher Gesagte
nicht aber für die Flusspolizei Geltung. Diese darf augenschein- Verhältnisde am Doubs auch
lich nur auf dem Territorium des eigenen Landes ihre Funktionen fahren müssen, dass die Fi:
ausüben, und da es keine Bestimmung gibt, ginge es nicht an, Tessins und der Rhone und il
wenn sie die Delinquenten noch 200 m ins Innere des festen men solcher Fischereiabkom
Landes verfolgen wollte. Es kann dies auch per analogiam ge- staatensich Einschränkungm
schl'ossenwerden aus Art. 25 det Uebereinkunft betr. die Fische- solcher Abkommen ist die I
rei im Doubs, die von dem früher angewandten5 - km - Ragon Durch die Solidarität der Ufr
abgekommenist und bestimmt, dass die Aufseher, wenn sie sich
auf fremdem Territorium aufhalten, nur Rapporte über Contra- Diese ist, in vermehrte
ventionen etc. erstatten, abet keine Zwangshandlungenvornehmen urn noch viel grössere Wass
dürfen. Ich glaube, diese Bestimmung dürfte man auch auf die
Rhone anwenden,da Art. 58 sich in keiner Weise mit den Ver-
hältnisser an einern Flusse vereinbaren lässt.
Verdeutlichtwird auch die Strafverfolgung(Art. 40):
,,Ieder Staat verfolgt die in seinenGewässernbegangenenund
Die (
von den Fischereiuufsehern lestgestellten Uebertretungen vor
seinen eigenen Gerichfen." Die Schweiz besitzt we
Langen- und Luganersee.
Das folgt aus der Gebietshoheit (Kompetenz der Behörden
(Grenz-, Fischerei-, Schiffah
des Gebietsherrn,die seiner Gerichtsbarkeit rufen). Wurde die
fremden Staaten die Verhält
Uebertretungaber durch eine im Gebiet des andern Staateswohn-
regelt.
hafte Person begangen(Abs. 2), so verpflichüetsich dieser Staat,
die Uebertretung so zu verfolgen, wie wenn sie auf seinem eige- Wir haben hier nicht d
nen Gebiet begangenworden wäre (Prinzip der Stellvertretung, Seen zu schreiben.a8) Was
da der Rechtsbrechernicht ausgeliefert wird, wenn er nach ver- völkerrechtlichinteressanteTr
übtent Delikt sich wieder in seinen Heimatstaat begibt). Der mithin auf die Grenzen der
gleiche Grundsatz wurde schon in den Verträgen von 1891 und ztehen, darzustellen. Wenn I
1904 (Art. I bezw. 10) ausgesprochen. lo) vergl. BBI 1924,III, 580
Diese Uebereinkunftwurde, was hier beigefügt sei, im Gegen- 47)Die Verträge betr. des
satz zu den andern, der Bundesversammlungafi Genehmigung 48)vergl. Doka, Der Boden

85
vorgelegt. Und zwar aus folgendem Grunde: Nach dem dama-
ligen Stande der Gesetzgebungfielen die Fischereiübertretungen
nicht unter die Kategorie der Auslieferungsdelikte. Frankreich
konnte deshalb nicht die Auslieferung von in der Schweiz nie-
dergelassenenAusländern verlangen, die sich in französischen
Gewässern einer Fischereiübertretungschuldig gemacht hatten.
Gemäss den Bestimmungen der Uebereinkunft verpflichtet sich
nun die Schweiz (Art. 40), ihre Angehörigen, welche sich eines
Fischereideliktesin den Gewässerndes andern Staates schuldig
gemachthaben, zu verfolgen, wie wenn das Vergehenauf Schwei-
zergebiet begangenworden wäre. Um eine Ungleichhait in der
Behandlung der schweiz. Staatsangehörigeneinerseits und der
in der Schweiz niedergelassenenFremden andererseits zu ver-
meiden, war es erf,orderlich,dass bei Fischereideliktendie Aus-
lieferung verlangt werden konnte. Deshalb musste, um dies zu
ermöglichen, die Bundesversammlungden Vertrag genehmigen
(Art. 48, Abs. 5 der Bundasverfassung).+0)
Aus dem bisher Gesagten+z)ergibt sich, dass die besondern
Verhältnisse am Doubs auch eine besond,ereRegelung haben er-
fahren müssen, dass die Fischerei in den Grenzgewässerndes
Tessins und der Rhone und ihrer Nebenflüssenicht aus dem Rah-
men solcher Fischereiabkommen heraustretenund dass beide Ufer-
staatensich Einschränkungengefallen lassenmüssen. Hauptzweck
solcher Abkommen ist die Fischerei und der Schutz derselben.
Durch die Solidarität der Uferstaatenwird er err,eicht.
Diese ist, in vermehrtem Masse, notwendig, wenn es sich
um noctr viel grössere Wassermassen,die Grenzseen,handelt.

$E.
Die Grenzsccn.
Die Schweiz besitzt vier Grenzseen: B,odensee,Genfersee,
Langen- und Luganersee. Sie hat in zahlreichen Verträgen
(Grenz-, Fischerei-, Schiffahrtsabkommen)mit den angrenzenden
fremden Staaten die Verhältnisse auf diesen Wasserflächen ge-
regelt.
Wir haben hier nicht die Absicht, Monographien der vier
Seen zu schreiben.a8) Was wir an dieser Stelle wollen, ist,
völkerrechtlichinteressanteTatsachen,die sich auf diese Seenund
mithin auf die Grenzen der Schweiz und ihre Souveränität be-
Äehen, darzustellen. Wenn man die vielen abgeschl,ossenen Ver-
a6)vergl. BBI 1924,III, 580 IL
4?)Die Verträge betr. des Rheins: siehe $ 8, C.
ae)vergl. Doka, Der Bodenseeim internationalen Recht. 1927.

87
die Schiffahrt anbehifft, so
seesim allgemeinen,ohne R
grenzen, allerdings unter
treiben.
Es ist ein völkerrecht
Teile internationalar Strömc
vereinbartenGrundsätzeübe
obwohl Rhein und Rhone m
besltzen, sind sie der inte
natürlichen Beschaffenheil
geöffnet. Folglich unterlieE
der Internationalität, und r
Strecken in Verbindung steh
delsschiffen) aller Nationeu
A. De
1.(
Die Mitte des Sees bild
Einmündung der Hermance'
dung des M,orgebachesbei
trag (Schiedsspruch)I'om 3
und Bern, abgeschlossenat
,, .. . es solle die tVittc
stossender und gelegner I
in lrene Zirhh und Begri,
ten und heyteren rtIarch
Durch den Vertrag vom
Grenzverhältnisse etc. zwisd
schaft,s3) sowie durch die
Grundsatz seine Bestäti$ng
seither abgeschlossenen Verh
berührt, so dass die Mifte d
festgelegt zu betrachten isl
bestimmten Teiles, der unter
liegt nicht vor, denn es ist
angenommen,und der See z
bestimmteTeile, wie z.B- d
2.N
Wichtig und damit in Z
Neutralität des Genfersees,I
grenzseen überhaupt.
50)BBI 1904,I, 630.
5t) vergl. Hilty, II, 669
Doka. 27.
52)Eidg. Abschiede,I\', 2,
4r) te.sl' für das Folgende: Waldkirch' 263' Laband' B I' Reber' 53)Rep. trI, 817, OS I, 153
86, Strupp, Wörterbuch,l, l4l u' a' m'

88
die Schiffahrt anbetrifft, so können die Anwohner eines Grenz-
seesim allgemeinen,ohne Rücksicht auf den Verlauf der Hoheits.
grenzen, allerdings unter bestimmten Bedingungen, diese be.
treiben.
Es ist ein völkerrechtlicher Grundsatz, dass, soweit, Seen
Teile internationaler Ströme bilden, auch für sie die vertraglich
vereinbartenGrundsätzeüber die Schiffahrtsfreiheit gelten. Nun,
obwohl Rhein und Rhone unmittelbareVerbindung mit dem Meer
besltzen, sind sie der internati'onalen Schiffahrt, infolge ihrer
natürlichen Beschaffenheit, auf Schweizgrgebietnur aim Teil
geöffnet. Folglich unberliegendie nicht schiffbarenStreckennicht
der Internationalität, und deshalb stehen auch die mit diesen
Strecken in Verbindung stehendenSeen nicht den Schiffen (Han-
delsschiffen) aller Nationen otlen. 50)
A. Der Genfersee.
1. G r enze.srl
Die Mitte des Sees bildet seit altersher die Grenze, von der
Einmündung der Hermanceostwärts in den See bis zur Einmin-
dung des M,orgebachesbei St. Gingolph. Schon in einem Ver-
trag (Schiedsspruch)vom 50. Oktober 7564, zwischen Savogen
und Bern, abgeschtrossen zu Lausanne,5?)haisst es wörtlich:
:r . . . €s solle die l'titte des Seewesgegen vedentheils duran
stossenderund gelegner Lunden und Herrschaften, so wyt die
in Irene Zirh.h und Begriff richen, zu einer bestdndigenrech-
ten und heyteren ,March gesetzt und benambsetsin."
Durch den Vertrag vom 16. März 1816 betr. Gebietsabtretung,
Grenzverhältnisseetc. zwischen Sardinien und der Eidgenossen-
schaft,53)sowie durch die jahrhundertelangeUebung hat dieser
Grundsatzseine Bestätigung,gefunden. Alle über den Genfersee
seither abgeschlossenen Verträge haben die Grenzfragenicht mehr
berührt, so dass die Mitte des Sees als Grenze offensichtlich als
festgelegt zu betrachtenist. Realüeilung,d.h. Abgrenzung eines
bestimmtenTeiles, der unter die Oberhoheiteines Staateskommt,
liegt nicht vor, denn es ist die geographischeMitte als Grenze
angenommen,und der See zerfällt somit nicht in spezielle, ganz
bestimmfeTeile, wie z.B. der Bodensee.
2. Neutralität.
Wichtig und damit in Zusammenhangist die Frage nach der
Neutralität des Genfersees,wie nach der der übrigen Schweizer-
grenzseenüberhaupt.
50)BBI 1904,I, 630.
51)vergl. Hilty, II, 669, Blumer-Morel,l[l, 374, Schulthess,17,
Doka. 27.
52)Eidg. Abschiede, r \ , 2 , 1 4 7 7 .
53)Rep. trI, 817, OS I, 153.

89
Bei der Definition des Begriff'es ,,neutrale Gewässer" ist Die rechtliche Folge de
grundsätzlich zwischen neutralen Hoheitsgewässernund neutrali- Ausschlussvon Seebefestig
iierten M,eeresüeilen zu unterscheiden.5a) dergleichen Vorrichtungen r
Gemeinsam ist ihnen das negative Merkmal, dass sie nicht während im übrigen dessen
zum Kriegsschauplatzin völkerrechtlichemSinne gehören. Unter Seebeckens(von Hermance
den neutralen Hohaitsgewässern(die für uns allein in Betracht schieht
kommen) sind die Eigen- und Küstengewässerneuttaler Staaten Während des Krieges
zrt versiehen, die natürlichen Ströme und Kanäle, sowie die verstärkt, um eine Verletzrt
Binnenmeereund -se€fl. das gesamteSeegebietan de
Diesc Neutralisation kann unter den Staaten vereinbart wer- partizipierte, galt jede Verlr
den, d. h. es können vertraglich Seen, Flüsse und Kanäle ausser lelzung der schweiz. Neuh
Kampf, bezw. friedlich gesetzt werden. Flieger das Gebiet überflieE
porte auf demselben stattfir
Was den Genferseeanbetrifft, so ist einmal festzustellen,dass
Im Zusammenhangnun
lungen von Versailles 1919
NeutralisierungHochsavoge
densvertrageshiefür vorges
der Schweiz und Frankreicl:
Eine besonderevertragliche Abmachung, dass der schweizerische ausgesprochenenVerzicht d
Seeteil als solcher neütralisiert ist, besteht nicht. Die Neutrali- H,ochsavogensund auf die
sation folgt aber aus der vertraglichen Anerkenn{49 und völker-
-garantierten Befugnisse. Als Gegenleis
rechtlich Neutralität der Schweiz,s5) mit andern Anerkennungihr.er eigenenr
Worten: Signatarmächtedes Frieden
Als Teil eines weit grösseren Gebietes, das neutral erklärt Friedensvertragvom 28.Juni
worden ist, ist der schweiz. Abschnitt des Genferseesebenfalls zicht auf den Genferseeund
neutral.ne) tralisierten französischen T
Wie stand und 'wie steht es aber mit der der französischen spricht in seiner Botschaft
Staatshoheit unterliegendenandern Hälfte des Sees? vertrages zwischen den allii
Wir stossenauf diese Frage, weil wir wissen,dass durch den Deutschland niedergelegtere
wienerkongress und die Pariser Konferenz 1815 die Neutralität gierung vom 14. Oktober 19
auch auf die Provinzen Chablais und Faucigng in Hochsavogen in den Verhandlungendes N
ausgedehntworden ist. 57) Neutralität spielt die Neut
keine Rolle. Einzig Gelpke
Der tranzösische Teil des Sees bildet zugleich das Wasser-
gebiet der Provinz Chablais. Also wurde mit der Provinz ,,Dei Sprechendewünsc
Önanlais auch dieser Teil des Sees neutralisiert und somit reiclt r.vieder aulgenomm
das gesamte Becken des Genferseesals neutrales Gewässerer- Schweiz gewisse l(ompen:
klärt. Er wurde nicht etwa neutralisiert auf Grund eines angeb- weise wiiren zu lordern
gebietes und die Schaft'un
tes . . .", und Professor Zt
lisierung des Genlerseesv
barn nicht sehr an die Ehr
da an den Langenseehom
beanstandet w,orden.58) sie wissen, wie angenehm
54)Strupp, II, S, 117. pedobooteauf den See he
55)Fleiner. 708 ff. Uler bestrahlten, natürlich
56)Hiltv. XVII, 91 IL
5?)Fleiier, 7t5 ff. Hilty, IX, 202. 5e)BBt 1919,V, 165.
se) Hilty, II, 669 ff. 60)Stenogr. Bulletin, Nat.

90
Die rechtliche Folge der Neutralisation ist hauptsächlichder
Ausschlussvon Seebefestigungen, Kriegsfahrzeugen,Seeminenund
dergleichen Vorrichtungen von Seite des südlichen Grenzstaates,
während im übrigen dessenT'erritorialhoheit bis in die Mitte des
Seebeckens(von Hermance bis St. Gingolph) kein Eintrag ge-
schieht
Während des Krieges wurden natürlich alle Massnahmen
verstärkt, um eine Vetletzung der Neutralität abzuwenden. Da
das gesamteSeegebietan der perpetuellenNeutralität der Schweiz
partizipierta galt jede Verletzung des Seegebietesals eine Ver-
letzung der schweiz. Neutralität. Es durften weder feindliche
Flieger das Gebiet überfliegen, noch Waffen- und Truppentrans-
porte auf demselb,enstatttinden.
lm Zusammenhang. nun mit den Friedensvertragsunterhand-
lungen von Versailles' 1919 hat Frankreich die Beseitigung der
NeutralisierungHochsavogensverlangt. Die in Art. 435 des Frie-
densvertrageshiefür vorgesehenedirekte Verständigung zwischen
der Schweiz und Frankreich führte zu einem von den eidg. Räten
ausgespr,ochenen Verzicht der Schweiz auf die Neutralisierung
Hochsavogensund auf die ihr in jenen Provinzen zustehenden
Befugnisse. Als Gegenleistungwurde der Schweiz die erneute
Anerkennungihrer ,eigenendauerndenNeutralität durch sämtliche
Signatarmächtedes Friedensvertragesvon 1919 zuteil (Art. 435
Friedensvertragvom 28.Junil919. - Wie wirkte sich dieser Ver-
zicht auf den Genferseeund besondersauf den bisher auch neu-
tralisierten französischen Teil desselben aus? Der Bundesrat
spricht in seiner Botschaft betr. das in Art. 455 des Friedens-
lertrages zwischen den alliierten und assoziiertenMächten und
Deutschland niedergelegteAbkommen mit der französischenRe-
gierung vom 14. Oktober 19195e) nirgends vom Genfersee. Und
furden Verhandlungendes Nati'onalratesüber den Verzicht auf die
Neutralität spielt die Neutralisierung des Genierseessozusagen
keine Rolle. Einzig Gelpke (Basel) äusserte sich wie folgt:
,,Dei' Sprechendewünscht,dass die Verhandlungenmit Frank-
reiclt tvieder aulgenommercwerden in dem Sinne, duss der
Schweiz gewisse l(.ompensationengemacht werden. Beispiels-
weise wären zu. t'ordern: 1. die Neutralisierung des See-
gebietesund die Schalfung eines wirtschaltlichen Seefreigebie-
tes ...(', und ProfessorZürcher (Zürich) meinte: ,die Neatra-
lisierung des Genlerseeswäre doch gewiss dem grossenNsch-
barn nicht sehr an die Ehre gegangen. Die Herren, die hie und
da an den Langenseeleommenoder am Lago ll4aggiore wohnen,
sie wissen, wie angenelttnes w,ar, wenn die italienischen Tor-
pedobooteauf den See herauslahrenund die Scheinwerleralle
Uler bestrahlten,natürlich über die Grenze hinaus . . ." u0)
5e)BBI 1919,V, 165.
60)Stenogr. Bulletin, Nat.-Rat, 1919,S. 977 u. 981.

91
Allein diese Stimmen blieben vercinzelt. Der Rat erklärte die t'ranzösische ftegierun
den Verzicht auf die Neutralisierung, ohne sich des näheren mit von der Schweiz erhobenc
der Lage am Ganierseezu befassen. tWrichtenein anderes Abiit
Dies tat dagegenin gründlicherWeise der Ständerat.61) geeignet wäre, eben so seÄ
Dort stellte närnlicl-reine Kommissionsminderheitfolgende nügen, als der Eidgenosse
Anträge in Form eines Postulates: einen Ersatz zu bieten, ni
,rDer Bundesrat wird eingeladen,mit Frunhreich neue Ver- l. der Schweiz eine hlein
handlungen in lolgendem Sinne einzuleiten: de Ferret überlussent
a) Auf das Rechl der Schweiz zü.r militririschen Besetzung 2. Frankreich sich verpil
v.onHocltsavoyendarf nur verzichtet werden unter der Be- dem. Genfersee zu ha
dingung, duss die bisherige Verpllichtung Franhreichs, in beobachte;
der bisher neutralen Zone von Hocltsavoyen heine Be- 3. Franhreich sich dnzu l
lestigungen zu errichten, sowie aul dem ganzen Genfersee innerhalb eines bestin
leeine bewaft'netenScltilfe irgend welcher Art zu halten, Vuache, Lion und Sd
lortbestehen bletbt. Hieraaf habe der Bunt
b) Für den Verzicht der Schweiz aul ihre Rechte zur milittiri- schläge die ndtige Beruhi
schen Besetzung Hochsavoyenssind von Franhreich an- .... denn weil Frsnkreich
gemessenel(ompensationenzu erwirhen.'( desleile unter onerosemT
Aus der anschliessenden Debatte heben wir folgende Aeusse- schon auf iene angeblich
rungen hervor:62) za. Aul einem Gebiet t
Isler (Aargau): dritten Staate zustelte, und
,, . . . Aber der ganze See war bis heute überdies neutral.; cr neutraLisiert worden, dürfc
war in unsere Neutralilöt einbezogenund auf diese Neutralittit tern keine bewaffneien Sr
des Sees verzichten wir ia auch mit dem ietzigen Abhommen. werke errichtet werden."
Aucli hier würde die Scku,eizes freudig begrüssen,wenn Franh- Der Verzicht fand dage
reich.tatsächlichnoch weiter es bei dem Zustqnde beliesse,den diger, der sich wie folgt au:
es 1860 ihr ohne weiteresangebotenund seither immer belassen
hat, ndmlich h.eine Flottille auf dem französischen Teil.e des ,,Gewiss ist vom Geitht
heit von bewat'fnetenSch
Sees zu ltalten. Wir wissen ia schweizerischerseits ruohl, dass pathisches. Doch hat eint
wir eine Zusiclterungder Neutrulität bei den andern Greltzseen, Genlersee recht wenig Si
dem Bodensee,auclt tticht besitzen. Aber bei diesen andern tracht zu ziehen. Die gr
Grenzseenist uns eine Ne,utralisierung1603 und 1815 eben 13 km; mit andern lüortet
nicht gewährt worden, wiihrend wir sie beim Genlerseeerhielten. Häfen unter Feuer nehme
Zudem ltielten und hulten tatsächlich Deutschland und Oester- von Franhreich unter Feu
reiclt eine solche uns,gegenübervon ieher doch auch inne, aus
für eine ot'fensive arii!ler
freieru Stüchen. Also hollen wir hier wiederum von Franh- waft'neten Boote keine *.e
reich. dass es dem Genferseeauch hünltig aus freiem Entgegen- von Truppen aber yom :
kommen die Neutralitrit weiter gewährt, und ersuchenden Bun- würde die Begleitung du"
desrat, auch diesen Wu,nsch seinerzeit der französischen Re- besser sein, als wenn di,
gierung zu übermitleln.(' wären . . .c(
Dass aber 1860 nicht ohne weiteres die Neutralisierung zu- Das Postulat der Kono
gestanden wurde, erfahren wir aus dem Votum von Ochsner und, nachdem sich beide i
(Schwgz): zichl abgefunden hatten,ü5
,, ...Am 25. luni 1860 erliess der Bundesratin Sachen Sa- wie f,olgt: Die Neutralisier
voyerfrage die zweite Botschaft an die Bundesversammlung. gefallen inf,olge unseres Ver
Darin wird ausgeführt, durch Englund habe man ert'ahren, dass Frankreichs, auf dem franz
jenigen militärischen Massn
61) Stenogr. Bulletin, Ständerat, 1921, S. 494 ff.
62) Stenogr. Bulletin, S. 498, 504, 511. 63)AS 44, 39.

92
die französische Regierung sich bemühe, mit Urngehung der
van der Schweiz erhobenenAnsprüche (aut' Hochsavoyen) d.en
tl4iichtenein andercs Abfindungsmittel genehm zu machen,das
geeignet wtire, eben so sehr den europöischenInteressenzu ge-
nügen, als der Eidgenossenscltaft für die ihr garantiertenRechte
einen Ersatz zu bieten, nämlich dass:
1. der Schweiz eine hleine Berglinie von 'ÜIeilleriebis zum Col
de Ferret überlassenwerde;
2. Franhreich sich verpllichtet, heine bewallneten Schiffe auf
dem Cent'erseezu halten, sofern die Schweiz Gegenrecht
beobachte;
3. Frunkreich sich dnzu verstehenwürde, heine Festungswcrhe
innerhalb eines bestimmtenGebietes,das durch die Berge
Vuache, Lion und Salöve begrenzt wäre, zu errichten.
Hieraul hube der Bun,desratgeantwortet, dass diese Vor-
schltige die nötige Beru.higungnicht zu g'ewdhrenvermöchten,
.... denn weil Frunhreichdie neutralisiertensavoyischenLan'-
desleile unter onerosemTitel besitze, stehe der Schu'eiz ietzt
schon auf jene angeblichen Zugeständnisseein voll'es tlnrecht
zu. Auf einem Gebiet ndmlich, dessen Verteidigung einem
dritten Staqte zustehe,und das zugunstendiesesdritten Staates
neutralisiert worden, dürlen ohne die Einwilligung dieses letz-
tern. heine bewat'fnetenSchiffe gehalten und heine Festuttgs-
werhe errichtet werden."
Der Verzicht fand dagegenin Usteri (Znrichl einen Vertei-
diger, der sich wie folgt aussprach:
,,Oewiss ist vom Get'ü.hlsstandpunltt aus auch die An.wesen-
heit von bewallneten Schillen aul dem Genlerseenich.tsSym-
putltisches. Doch hat eine solclrc lranzösischeFlotte aul dem
Genfersee recht wenig Sinn und ist deswegen haum in Be-
tracht zu ziehen. Die grösste Breite des Genferseesbelrtigt
13 km; mit andern Worten: die Schweiz leannalle savovischen
Hälen unter Feuer nehmen, wie anderseitsalle schweiz.Htit'en
voi Franhreich unter Feuer genommen werden könncn. Also
für eine ollensive artilleristisclte Wirhung spielen diese be-
wat't'netenBoote heine wcsentliche RoUe. Für den Transport
von Truppen aber vom savoyischen Ufer nach der Schweiz
würdc die Begleitung durch bewallnete Fl,ugzeugesehr viel
besser sein, (tls wenn die Transportlahrzeuge selbst armiert
w ä r e n. . . ' (
Das Postulat der Kommissionsminderheitwurde abgelehnt,
lnd, nachdem sich beide Räte und das Volk mit dem Ver-
zicht abgefunden hatten,63) gestalüet sich die ietzige Lage
n'ie f,olgt: Die Neutralisierung des ganzen Genferseesist dahin-
gefallen inf,olge unseres Verzichtes, und es ist somit ein Recht
Frankreichs,auf dem französischenTeile des Genferseesdie-
ienigen militärischen Massnahmenzu treffen, die es als für ge-
63)AS 44, 39.
b,otenerachtet. Wir habenkein Recht mehr, dagegenzu prot@stie- Ein erstes Uebereinkom
ren. Wenn heute dieses Recht Frankreichs sicherlich ohne jeg- schlossen.an) Da es durch
liche Gefährdung der Schweiz ausgeübtwerden kann, so ist doch auf deni Genferseevom 10- I
im Falle einer dventuellenzukünftigen kriegcrischenVerwicklung und da das neue Abkommen
Frankreichs und Italiens der nicht mehr neutralisierte Teil des sei nur dieses in seinen wi
Sees nicht ohne Gefahr für die Schweiz, bezw' das gegenüber- Art. 1 lautet:
liegende Ufer und dia Stadt Genf. Es wäre bessergewesen--
,,Zur Aust'ührung eincs ,
auöh wenn direkte feindliche Einwirkungen heutzutagenicht mehr sonentransportsin den sch
zu befürchten sind - wenn Frankreich die Neutralisierung noch schift'e eines von der B,
weiterhin zugestandenhätte. sionsahtes, der die Beding
schiffahrt mit Rücksicht at
ordnung betr. den Bekieb r
5. Schiffahrt. Art. 42 ff.; oz; ,,f)ie fran
die in den t'ranzösischenG
Kraft seiner Souveräniiat erlässt jeder Staat Bestimmungen, Bestimmungen zu unleru,e
nach denen er auf seinen öffentlichen Gewässern die Schiffahrt
ausgeübt wissen v.rill. Berührt das öffentliche Gewässerin sei- Das nunmehr aufgehobe
ner Länge oder Breite das Gebiet mehr als eines Staates, so vigation sur le lac Löman voE
folgt daraus, dass eine internationale Regelung an Stelle der na- reich und Genf, Wallis und
genossenschatt abgeschlossp
tionalen treten muss. Es werden SchiffahrtsverträgeabEeschlos-
sen, die alle diejenigen Bestimmungenenthalten, welche notwen- ung. Damit wurde implicite c
dig sind, um den Verkehr auf dem internati'onal'enGewässerin Dampf schiff e schweiz.SeeEe
mehr odel weniger weitem Umfange den Untertanen der An- wie die schweizerischen,die X
gekehrt gilt für die schrrei
liegerstaaten gewähren zl könmen.
stimmungensind aufgestellt
Man kann einen Unterschied machen zwischen Schiffahrts- und anderer im ersten A-bs
verträgen und Schiffahrtsordnungen. Letdere enthalten die Aus- Segelschiffe und Ruderschit
führungsbestimmungen zu den internationalenVerträgen' Je, nach diese Fahrzeuge einer Bewil
Bedeutung eines Gäwässersenthalten aber schon die grundlegen- Art. 4a des Vertrages
den Verträge die notwendigenpolizeilichenAnordnungen.Ga) eines Dampfschiffes, welche
Neben diesen Verträgen und Verordnungen treffen wir auch Reisenden und Waren benu
des öftern reine Polizeiverordnungenan (Schiffahrtspolizei), in- kompetentenBehörde (in Fr
gestellten Schiffahrtsbewillig
dem sich bei internationalenGewässerndie Tendenz zeigt, gleich-
die selbstverständlicheBedin
uferstaaten in der ihm eir
ligung auch in den Gewäss
solle. Jeder Inhaber einer
schiffbetrieb ist z. B. gehalta
gierungeninbezug auf die Sc
ten Agenten im ganzenUmfa
kerrechtlichen verträgen, in Landesgesetzenoder in Polizeiver- unentgeltlich aufzunehmenur
ordnungen. Sie haben ztTm Gegenstand meistens die Schiffe sionär Angestellte ein (Ber
geben diese zu ernstlichenK
selbst, die Sicherheit des Wasserwegesund die Regelung des
Schiffsverkehrs,also meistenteilstechnischeBestimmungen. 65)AS 10, 111,Wolf, II, 1(
66)AS 19, 281.
Wie ist nun die Schiffahrt auf dem Genferseegeregelt? 6?)AS 19, 1.
68)vergl. Doka, S. 62.
o+) Schiffahrtsverordnung für d-en Bodensee, für den Untersee und
'Uebereinkunft 69)Ueber I(onzession Yerg
Rhein: betr. den Genfersee.

94
Ein erstes Uebereinkommenwurde am 9. Juli 1887 abge-
schlossen.6s) Da es durch das Abkommen betr. die Schiffahrt
auf dem Genferseevom 10. N,ovember1902 aufgehobenwurde,66)
und da das neue Abkommen nur technischeAenderungenenthält,
sei nur dieses in seinen wichtigsten Bestimmungenerörtert.
Art. 1 lautet:
,,Zar Ausführ,ung eines regelmtissigen und TteriodischenPcr-
sonentransportsin den schweiz.Gewdssernbedürlen die Dampf-
schiffe eines von der Bundesbehörde aulgestellten I(onzes-
sionsahtes,der die Bedingungen enthält, welchen die Dampf-
schilfahrt mit Rüchsicht auf den Bund unterworlen ist.(( (Ver-
,ordnungbetr. den Betrieb von Dampfschiffenvom 18. Mai 1896,
Art. 42ff.; 021 ,,f)ie lranzösische ftegierung behrilt sich vor,
die in den lranzösischenGewässernfahrenden Schille analogen
Bestimmungenzu unlerwerfen.'(
Das nunmehr aufgehobeneröglement international de Ia na-
vigation sur le lac Löman vom 50. November1886 zwischenFrank-
reich und Genf, Wallis und Waadt, unter Genehmigungder Eid-
genossenschaftabgeschlossen, enthielt in Art. 1 dieselbeBestimm-
ung. Damit wurde implicite anerkannt,dassauch die französischen
Dampfschiffeschweiz.Seegebietbefahr,endürfen,nur benötigensie,
wie die schweizerischen, die Konzessiond,erschweiz.Behörde. Um-
gekehrt gilt für die schweiz. Schiffe dasselbe. Besondere Be-
stimmungensind aufgestellt hinsichtlich der Vergnügungsdampfer
und anderer im ersten Abschnitt nicht erwähnten Dampfschiffe,
Segelschiffe und Ruderschiffe. Das Wesentliche ist, dass auch
diese Fahrzeuge einer Bewilligung bedürfen.68)
Art. 4a des Vertrages sagt dann, dass jeder Eigentümer
eines Dampfschiffes, welcher dasselbe f ür den Transport von
Reisendenund Waren benltzen will, im Besitze einer von der
kompetentenBehörde (in Frankr,eichdurch den Präfekten) aus-
gestellten Schiffahrtsbewilligung sein muss, und schliesst daran
die selbstverständlicheBedingung, dass die durch einen der See-
uierstaaten in der ihm eigentümlichen Form erteilte Bewil-
ligung auch in den Gewässern des anderen Staates gültig sein
=ollg.- ]eder Inhaber einer solchen Konzession6e) für Dampf-
schiffbetriebist z.B. gehalten(Art.5), die durch die beiden Re-
gierungerrinbezug auf die Schiffahrt und die Fischereibezeichne-
ren Agenten im ganzen Umfange des betr. Gebietes(Dienstbezirk)
urnentgeltlichatlzunehmen und zu befördern. Stellt der Konzes-
>ionär Angestellte ein (Bemannung eines Dampfschiffes) und
gebendiese zu ernstlichenKlagen Anlass, oder erweisen sie sich
65)AS 10,171,Wolf, II, 1020.
66)AS 19, 281.
6?)AS 19. 1.
68)vergl. Doka, S. 62.
69) Ueber Konzession vergl. Fleiner, Verw. Recht, 1922,317 tr,

95
als unfähig zur Erf üllung der Dienstobliegenheiien,so haben die 4.
Regierungender Schweiz (resp. die R,egierungender Uferkantone)
und von Frankreich (resp. die Präfektoralbehörde)das Recht, die Die Hauptfrage ist hia
Entfernung dieser Angestellten zu verlangen (Art.26). Itechte der Uferanwohner?
Neben technischenBestimmungenheben wir noch die Art. 58 Antwort geben die ren
und 40 hervor. Ein erstes Abkommen
geschlossen.zr; Grundlega
Art. 58:
, ,,Niemand darf anders
und ihre Schiffsleutemüssen im
,,Auc/t die Bootsvermieter bender Angelsch'nur uüs
Besitze einer Bewilligung sein, welche durch die hompetenten l
einer yon der hompeteit
Amtsstellen in den Ulerhantonen . . . . erteilt sein müssen." erlaubnis ist.ß
Art. 40: Daraus geht nicht heru
,,Diese Behörden setzen auch die Bedingungen fest, v,elche
zu erlüllen haben,und ordnen alles, was aul die
die .llLietsboote
Einschreibung und Eichung der Boote Bezug hut."
Diese Uebereinkunft sagt dem Juristen nicht sehr viel. Es
ist eine reine Schiffahrts- und Hafenordnung mit den unzähligen
Vorschriften über die versehiedenenArten von Schiffen, über das - - 1904, am 9. JVIärz,wr
schlossen,z+'1in die der Art
Anlaufen in den Häfen u. a. m.70)
nommen wurde, versehen m
Polizeireglemente bezüglich der auf ihrem Gebiete gelegenen
Häfen und Reeden können die betr. Regierungen natürlich er- ,,Wer wegen Fischereit
keine F ischereibewilligung
lassen, soiern diese Reglementenichts enthalten, was dem inter-
chen( glysfe verbüsst"hai-
nationalenVertrage zuwiderläuft (Art. 77), d.h. die Uferstaaten
sind in der Ausgestaltungihrer Irokalvorschriftenfrei. Sie haben
diese aber den beteiligtenRegierungenzur Kenntnis zubringen.zr)
Ausset dem Prinzip, dass der See den Angehörigen beider
Uferstaatenzur freien Schiffahrt offen steht, enthalten Abkommen
und Reglementenur technische,uns hier nicht weiter interessie-
rende Vorschriften.
?0) vergl. z. B. das Verbotsrecht in Art' 74: Die Zufahrten zu den
Landungsplätzen müssen irnrner offen gehalten werden und alles ist
zu vermeiden, was ein Hindernis für den freien Verkehr und die Ma-
növer der Dampfboote bilden könnte.

see von'den beiden Staatene,


ausgearbeitet,dessen Anwend
Kommens von 1904 wesenfli

, ^ 7 2 t _ D ad i e g l e i c h e n A b k o m r
o - e n " D o u b sG e l t u n g h a t t e n , i n s b <
\ ert o Ig^ung_von Fischereir.ergehet
73) AS 6, 640.
74)AS 21, 9.
?5) vergl. Wessel, im
\'örte

96
4. Fischerei.
Die Hauptfrage ist hier auch wiederum die: welchessind die
Rechte der Uferanwohner?
Antwort geben die verschiedenen Abkommen.T2)
Ein erstes Abkommen wurde am 28. Dezember 1880 ab-
geschlossen. ?3) Grundlegend ist Art. 1 :
,,Niemand darf anders fischen als mit ruhender und schwe-
bender Angelschnur aus freier Hand, wenn er nicht im Besitz
einer von der hompetenten Behörde ausgestellten Fischerei-
erlaubnis ist."
Daraus geht nicht hervor, ob die beidseitigen Uferanwohner
zum Fischfang auf dem ganzen See berechtigt waren; da der
Vertrag nichts anderes sagt, muss man es verneinen.
Forum delicti commissiund lex fori Eelfenauchhier (Art.10).
Die technischenBestimnungen, betreffend die Ausübung der Fi-
scherei,sind nicht von Belang.
1904, am 9. lV\ärz, wurde eine neue Uebereinkunft abge-
schl,ossen,7+) in die der Art. 1 des Abkommensvon 1880 über-
nommen wurde, versehenmit folgendem Zusatz:
,,Wer wegen Fischereivergehenbeslralt worden ist, hann
heine F ischereibewilligung erlangen, bevor er die ausgespro-
chene Strale verbüsst hat.'(
Wenn es nun heisst, dass die beiden Staaten sich verpflich-
ten, diejenigen ihrer Angehörigen, welche auf dem Gebiete des
andern Staabesein in der l-lebereinkunftvorgesehenesVerbrechen
begangenhätten, gerichtlich zu verf'olgen,und wenn gesagt wird,
dass die Fischereiaufseher befugt seien, die Delinquenten5 km
weit über die Landesgrenzezu verfolgen, so könnte man meinen,
dass auf Grund diesesArt. 10 die Fischerei von jedem Fischer
auf dem ganzen See ausgeübtw,erdenkönne..?5)
Art. 10 kann auf diesenIrrtum führen; keineBestimmungdes
Vertrages,auch nicht Art. 1, sagenetwas über die Berechtigung
zum Fischfang beider Uferbewohnerauf dem ganzen See aus.
Art. 10 hat somit nur Uebertretungen im Auge, die begangenwer-
den, wenn sich clie Uferanw,ohner,sträflicherweise, über die
Grenzebegebenhaben. Dies geht auch hervor aus dem 5 Jahre
später erfolgten Abschluss einer Spezialkonvention.Denn im
Jahre 1909 hatten die zur Ueb,erwachung der Fischereiim Genfer-
see von den beiden Staaten ernannlenKommissäreein Reglement
ausgearbeitet, dessenAnwendung zur Kündigung des Ueberein-
liommens von 1904 wesentlich beitrug. Dieses Reglement sah
zz) Da die gleichen Abkommen auch in einigen Bestimmungen I u r
'1en Doubs Geltung hatten, insbesondere die Vereinbarungen betr. d i e
von Fischereivergehen, fassen wir uns hier hurz.
"-erfolgung
73) AS 6. 640.
?4)AS 21. 9.
75) vergl. Wessel, im Wörterbuch des Völkerrechts, 311

97
;+
vor. ?6) dass die Fischer des einen Staates die Ermächtigung zum ser Ansicht widersetztensi
Eischfäng in den Gewässerndes andern Staateserlangen konnten- energisch,so dass es beim
ni* nntüinlten die Verträge von 1880 und 1904 diese Erlaubnis Die Art. 3134 enthaln
Fischereigerätschaften,ÄIi
Massnahmenzum Schutze
der Gewjisseretc.). Art
sichtspunktschon betrachte
reiaufseher eines jeden Sü
Fischern nicht beachbetwürden.?8) nennen Fischereiaufseher
in die Gewässer des Nach
2OOn vom Ufer verfolge
Fanggeräteund Fische sch
des Wassersanbelangt,so r
in andern Abkommen (fu
der Substanz eines Grena
stimmung der sämtlichen In
das Projekt auftauchte, de
Paris anzuzapfen, so hätt
Unternehmenangefragt we
Aus dem Verbot der H
stimmung der übrigen l_If
Seespiegelregulierung nur g
Dieses Prinzip ist durchbri
Genfersees1877. Infolge de
daher als unerlässlich. sen die Kantone Waadt, U
Deshalb wurde 7924 eine neue uebereinkunft betr. die Fi- traglich an die Hand neht
am 28. Juli 1924'7s)
scherei im Genferseeabgeschlossen, den Verhandlungen,surde
Unterm 17. Dezember
Uebereinkommen concerna
de l'öcoulementdes eaux dr
Nichtteilnahme Frankreichs
Iegung, dass die projektie
müsse, und fährt fort: unerheblich berührte, ande
gemeldet. Dies geschahsp
sorgung des beweglichen \
revidiert werden sollte: da
sent 'ebenfallsbeigezogenz
Schiffahrt und Fischen
hältnismässig einfache Reg
wohl deshalb, weil die Gr
'keine
stand und Veränderu
klare Verhältnissein Bezug
Viel schwieriger und vr
nisse bei den Tessinerseen,
?6)vom 20. Januar 1909,AS 25,578.
?0 AS 27. 32. 80) Hilty, V, 667.
78)BBI 7924,Ir1,573. gl) 1877,rr,139/40.
zo;BBI 1924,IIr, 580. sz;E-Bl
BBt 1895,I. 555.

98
ser Ansicht widersetztensich aber die schweizerischenDelegierten
energisch,so dass es beim reinen Territorialprinzip verblieb-.
.Dia. Art-_3134^enthalten technischeBestimmungen(zulässige
Fischereigerätschaften,Mindestgrössen der Fische, Schonzeite-n,
Massnahmenzurn Schutze gegen Verunreinigung und Vergiftung
der Gewjisseretc.). Art. Sl,-Oen wir untei e{nem anderän Gel
sichtspunkt schon betrachtethaben (Rhone) sagt, dass die Fische-
reiaufsehereines jeden Staates (Art. 55: die-beiden Staatener-
nennerLFischereiaufseher)die fehlbaren Fischer über die Grenze
in die Gewässer des Nachbarstaatesbis auf einen Abstand von
200 n vom Uf,er verfolgen und dort zur Beschlagnahmeder
Fanggeräteund Fische schreitendürfen. Was die Integrität
des Wassersanbelangt,so sind die Bestimmungendie gleichei wie
in andern Abkommen (Art. 28[Sl). Grosse Veränderungen in
der Substanz eines Grenzwasserbeckensdürfen nicht ohie Zu-
stimmungder sämtlichenInteressentenvorgenommenwerden. Als
das. Pr,ojekt auftauchte, den See für die Wasserversorgungvon
P-aris anzuzapfen, so hätte die Eidgenossenschaftübör äieses
Unternehmenangefragt werden müssen.80)
Aus dem Verbot der Hebung und Senkung des Sees ohneZu-
stimmung.der-.übrigen Uferstaatenergibt siih auch, dass eine
Jeesplegelregullerungnur gemeinsamvorgenommen
-bei werden kann.
Dieses Prinz_ipis-t durchbrochenworden der Regulierung des
Genfersees1877. lnfolge der Hochwasserkatastrophe ion 1gzllies-
sen die Kantone Waadt, Wallis und Genf die Regulierung ver-
tragliqh an die Hand nehmen. Frankreich partizi{iertre niötrt an
den Verhandlungen, wurde auch hiezu nictrt einfeladen.s1)
Unterm 17. Dezember 1884 wurde dann ein interkantonales
uebereinkommen concernant la correction er la rögularisation
de l'öcoulementdes eaux du Löman abgeschlossen.Die clamalige
Nichtteilnahme Frankreichs lässt sich erklären aus der uebei-
legung,-dass die projektierte Regulierung seine Interessennur
unerheblich berührte, anderseits hätte es sich sicher zum worle
gemeldef, Dies geschahspäter, als das Reglement über die Be-
_ -Entlastungsschleusen
sorgung des beweglichen wehres und der
revidiert werden sollbe: da wünschte Frankreich, als l[itintetur,
sent ebenfallsbeigezogenzu werden.82)
Schiffahrt und Fischerei auf dem Genferseehaben eine ver-
hältnismässig einfache R_egelunggefunden; in der Hauptsache
irohl deshalb, weil die Grenze'schon seit altersher genai fest-
stand und keine veränderung erfuhr, und weil aussörordentlich
klare Verhältnissein Bezug aut die Lage des Sees vorliegen.
schwieriger und verwickelter slnd dagegen die \ierhält-
. Vjnl
:isse bei den Tessin,erseen, denen wir uns ztw-enden.
sol Hilty, V, 667.
8D BBI 7877,II,139/40.
82)BBI 1895,I, 555.

99
! B. Die Tessinerseen. das G,ewässereidgenöss
dischen Ufern nach der .&
1. Gr enzen. mailändischenUfern (Arn
An der gemeind-eidgenössischen Tagung vom 1. Juli 1576 ländisch taxiert. Ueber
erstattete Alexander Lago von Lauis (Lugano) Bericht, wonach nicht ausdrücklich. Doct
'und dem
zwar ein, über die Landmarchen zwischen dem eidg. mentes von Varesevom 6
mailändischenGebiet getroffener Vergleich in bester Meinung ge-
Betr. des Langensee
schehen sei; trotzdem sei er nachteilig, indem dieser See ganz
Uferpunkte massgebendfi
den Eidgenossen gehöre, d. h. der Landschaft Lauis, während,
wenn man den Mailändern irgend ein Recht einräurne,der freie In der schweizerisch
stellung der Grenzen N,
Kauf verwehrt sei. Man bitte daher, den Verkauf nicht zu ak'
zeptier'en. Worauf die Mailänder Gesandten erwiderten: ,,ES an einigen Stellen, wo di
trag von Varese hingewie
seien alle Anstände zr,vischendem Herzogtum Meiland und der
LandschaftLauis, mit Ausnahmejener über den See ... . durch Diese Stipulation vor
die beidseitigen Abgeordneten vertragen worden; man möchte gültig geblieben, denn dt
nur zur Ausgleichung auch dieser beiden n,ochstr'eitigenPunkte der Bundesrat nimmt zt
Abgeordnete senden." Die Gesandtenvon Uri, Schwgz und Un- irgend welche Grenzmix
terwalden wollten aber dem Begehren von Lauis nicht ent- So schreibter z.B.:s
sprechen. ss)
,,An Hand besteltend
Wir ersehenaus diesem Bericht, dass seitens eines einzelnen von Varese und des lrt
Staates die ausschliesslicheTerritorialhoheit über einen inter- 1861 haben wir (rier tex
nationalen See behauptet worden ist, allerdings ohne Erfolg. aut' dem Luganersee di
(Vergl. auch Grenzanstandbei Tresa 1597, zwischen Mailand gemäss allgemein anerh
und der Eidgenossenschatt. Absch.V,1557, Art. 507).84) der Mitte des Sees sirt
Die Tagsata)ng vom 7. November 1604 brachte keinen we- in verschiedenem Besit
sentlichen Fortschritt bezüglich der Jurisdiktionsverhältnisseam überdies ein allgemeiner
Luganersee(Gebietshoheitund Jurisdiktion wurden nicht ausein- X|,2, S. 5) im Etnüanl
andergehalten.) Finmal heisst €S, dass die ,,Jurisdiktion auf und Flüssen die tVitte
dem Lauiserseean den Orten, wo das eine Ufer zum mailändischen, sprecltender Gegentheil
das andere zum eidg. Gebiet gehört," ietzt rnch nicht erörtert {enessen bescheinenköt
werden könne, dann wieder: ,,das streitige Gebiet ... soll bis in gehörte.'t Auf unsern I
die Mitte des Sees zur Jurisdiktion der Eidgenossenschaftge' Grenzen ebenfalls in d
hör,en85) beiden Staaten Uferans
1604 erklärte ein Abkommen, die Ausübung der Fischerei So waren die Grenz
in den ,,neutralen Gewässern" sei beiden Staaten gemeinschaft- immer noch eine Unklarhc
lich, liess aber die Frage der Gerichtsbarkeitin der Schwebe. schen schweizerischenund
Durch ein weiteresAbkommen vom 27. September1678wurde wie der Vertrag sagt, die
vereinbart, dass in diesen Gewässerndie Gerichtsbarkeitvon jeder eine Teil des Sees somit
Partei im Wechsel je eines Monats ausgeübtwerden solle. war, wurde der Beqriff de
Die schliesslicheRegelung geschahdann aber im VertraE;der bildet und gesagt, dass e
Eidgenossenschaft (resp. der regierendenStände) mit Mailand, dass auf diesem neutralisi
abgeschlossen zu Vareseam 2. August 7752.86) Verhaftung wegen Zollufu
Der Vertrag bringt eine ins Einzelne gehende Gtenzziehung
auf das Gelände,wie auf den See,w,obeidie Hoheit der Anlieger- Auch Hiltg so; sprich
dass es zweifelhaft sei, ob
staaten derart bestimmt wurde, dass bei beidseitig schweiz.Ufer
s?)AS 7, a. F. 211. (19
$) vergl. Doka, 27. 88)BBI 1897,V, 213.
8a) Schulthess. 16 IT.
85)Abschied v, 1, 1560, No. 315/16. I, No. 9g II, I
!!) _S_qJis,
eo) Hilty, IIl,76l.
a6) vergl. Graffina, S. 62 ff. Abschiede, VII, 2, 908/09' No. 471'

1m
das Gewässereidgenössisch,bei einseitig schweiz. resp' mailän-
dischen Ufern nach der Mitte geteilt sein sollte' Bei beidseitigen
mailändischenUfern (Arm von Porlezza) wurde der See als mai-
ländisch taxiert. Ueber die Gerichtsbarkeit sprach der Vertrag
nicht ausdrücklich. Doch bestätigte die Fortsetzung des Regle-
mentes von Varese vom 6. August 1754 die Abmachungvon 1678'
Betr. des Langenseeswurde vereinbart, dass die beidseitigen
Uferpunkte massgebendfür die Teilung seien.
In der schweizerisch- italienischen Uebereinkunft betr. Fest-
stellung der Grenzen zwischen der Lombardei und dem Tessin
an einigen Stellen, wo dieselbe streitig ist, wurde auf den Ver-
trag von Varese hingewiesen.s?)
Diese Stipulation von Varese ist bis auf den heutigen Tag
gültig geblieben, denn der Vertrag ist nie aufgehobenworden;
der Bundesrat nimmt zu verschiedenenMalen, wenn es sich um
irgend welche Grenzzwischenfällehandelt, auf ihn Bezug.
So schreibter z.B.:88)
,,An Hand bestehenderVerträge, insbesonderedes Vertrages
von Varese und des Vertrages über die Grenzregulierungvon

überdiesein allgemeinerTagsatzungsbeschluss von 1681(Absch'


Xl,2,5.5) im Einhlang, der sugt: ,,Dussdie '44arche in Seen
und Flüssen die tl4itte sein soll, es wtire denn, dass ein an-
sprechenderGegentheit mit Briet' und Siglen wider die Eyd'
genossenbescheinenhönnte, dass ihm selbige ganz allein zu-
gehörte.u Auf unsern l(arten, Dulour und Siegfried, sind die
Grenzen.eben\atts in der tVlitte des Sees bezeichnet,wo die
beiden Staqten Uferanstössersind.q
So waren die Grenzen klar festgelegt. Indessen bestand
immer noch eine Unklarheit betreffend den Gewässern,die zwi-
schen schweizeischenund italienischenUfern liegen. Statt dass'
wie der Vertrag sagt, die Mittellinie die Grenze bildet, und der
eine Teil des Sees somit schweizerisch,der andere italienisch
war, wurde der Begriff des ,,lago pr,omiscuo",gemischterSee,ge-
bildet und gesagt, dass er beiden Länd,ern gemeinsamsei und
dass auf diesem neutralisierten Gebiete weder Zollkontrolle noch
Verhaftung wegen Zollübefiretungen stattfinden dürften. 8e)
Auch Hiltg 0o; spricht vom ,,gemischtenGebiet" und sagt,
dass es zweifelhaft sei, ob auf diesem Seeteile die Grenze durch
87)AS 7, a. F. 211. (1861.)
esl BBt 1897,V, 213.
ee; Salis, I, No. 99, II, 394.
so; Hilty, III, 761.

101
;".-:$sfF r

eine ideelle, die Mitte des Sees durchschneidendeLinie gebildet B e i mL a n g e n s e e s


werde, odar ob der ganze See neutralesoder ,;gemischtes"Gebiet Seeteil vom grössen italir
sei. (Also noch eine weitere. Unterscheidung!) und Brissago ab. Komp
Die vertragsmässigeRegelung,obwohl eine solche eigentlich, wegen, nie ergeben.
was die Grenzeanbetrifft, nicht nötig gewesenwäre,wurde erst ge-
i{ schaffenim Schiffahrtsvertragauf demLangen-und Luganerseevom 2.
22. Okt.l925.sLl Tn diesemAbkommenwird nämlichin Art.5 gesagt, a)
i. dass jeder der vertragsschliessendenStaaten die Oberaufsicht
über die Schiffahrt in den innerhalb seiner eigenen politischen Eine erste Uebereinku
Grenzet liegenden Gewässern ausübe. Dadurch wurde der Be- Regierung am 25. April 1
griff der ,,gemischten Gewässer" beseitigt und der Grundsatz Sie drückt klar aus, d
festgelegt, dass jede Partei im Besitze der vollen Ausübung ihrer ist:
Staätshotreit über die innerhalb ihrer politischen Grenzen liegen- _ ,,Qie Schilfahrt ae dt
den Gewässernstehe, d. h. in denjenigen Teilen des Luganersees, Punkte desselbensteht a
wo ein Ufer schweizerischund das gegenüberliegendeUfer ita- überhaupt ieglichen Fat
lienisch ist, bis zu der idealen Mittellinie des Sees, die die Gtenze der EidgenossenschaftI
zwischen den beiden Staaten lildet. e2) scltit't'e des einen wie ä
Htit'en des Sees zu land
In den Einleitungsworten zur Botschaft über den Vertrag und auszuschift'en, ohnc
sagt der Bundesrat nochmals,das die betr. Vereinbarungeneiner ren oder irgend welchen
gewissenRechtsunsicherheitein Ende selzten,die ihre Ursachein
den.'( (Art. I.l
der Ungenauigkeit der alten Verträge hinsichtlich der Ausübung
Also völlige Schiffahr
der Staatshoheitüber die zu Unrecht sog. ,,gemischten"Gewässer
finde. Diese Uebereinkunft b
Uns scheint mit Doka (S. 29), dass die Rechtsunsicherheit sant, dass in Bezug auf c
vielmehr den Zoll-, Polizei- und lVlilitärdienst in den engen Ge- sich zugleich auf beide See
'wässern, keineswegs aber eine Unsicherheit über die Lage der wurden, "dass es über d{
politischen Grenze betraf, obwohl zu sagen ist, dass die acque einer allumfassendenKor
promiscue auch bei hervorragendenStaatsr'echtlern(Salis, Hiltg) Schwierigkeitenbezüglich r
eine Rolle spielten. lizeiverhältnisse auf dem
nicht dasselbeBedürfnis, ir
D i e F r a g en a c hd e r N e u t r a l i s a t i o n kannso beantwortet gen, wie für den Fischbest
werden, dass das Gebiet zwischenden beidan verschiedenenUfern Vertrag von Varesege"rrEa-
nicht neutralisiert ist, bezw. nur der schweizerischeTeil des Ge- ernruntt von 1860 ztnn gro
wässers" CrenznachbarlicheVerhäItnisse führten natürlich von Sie wurda trotzdem von ita
selbst dazu, einen zwischenstaatlichen, internationalenVerkehr auf
'dem ten angerufen,um sich ber
See einzufihren, ohne rigoros die Grenzen inne zu halten. - schen Zollverwaltung nt a
Aber festzuhalten ist: die Mittellinie bildet die Grenze, und bestritt z.B. dem ZöllAqa
nur der schweizerischeTeil ist neutrales Gebiet. ihm die Fahrplanentwürfer
So verlaufen also die Grenzenheute folgendermassen:,
Zwischen Ponte Tresa und Morcote ist der Luganerseein
der Mitte geteilt. Die Buchten von Porto Ceresio und Porlezza
sind ausschliesslichitalienisch. Am mittleren Teil des Sees be'
findet sich die von sch'uveiz. Gebiet umschlosseneitalienische En-
klave Campione. Die Bucht von Ponte Tresa diesseits der Linie
Ponte Tresa-Torr'ozzaund der ganze Seearmvon Agno sind aus-
schliesslichschw,eizerisches Gebiet.
e1)AS 43. 300.
ezrvergl.-BBl 1923,III, 482 ff. eb)vergl. BBI 1905,II, g7

702
BeimLangensee schneidetdie Grenzeden schweizerischen
Seeteil vom grossen italienischen in der Strecke zwischen Pino
und Brissago ab. I(omplikationen haben sich hier, der Grenze
wegen, nie ergeben.
2. Schif f ahrt.
a) Langensee.
Eine erste Uebereinkunftwurde mit der königlich sardinischen
Regierung am 25. April 1860 abgeschlossen. e3)
Sie drückt klar aus, dass jedermann zur Schiffahrt berechtigt
ist:
,,Die Schiffahrt auf dem Langenseeund das Landen an iedem
Punkte desselbensteht allen Dampfschilfen,Barken und F!össen,
überhaupt ieglichen Fahrzeugen der sardinischenStaaten und
der Eidgenossenschaftlrei. Infolge davon haben die Dampf'
scltille des einen wie des andern Landes das Recht, un allen
Hät'en des Sees zu landen, Reisendeand Wuren daselbst ein-
und auszuschif f en, ohne z.ur En.trichtungvon Konzessionsgebüh'
ren oder irgend welchen andern Leistungenangeltaltenzu wer-
den.'( (Art. 1.1
Also völlige Schiffahrtsfreiheit.ea)
Diese Uebereinkunftblieb bis 1905 in Kraft. Es ist interes-
sant, dass in Beztg auf den Fischfang mehrere Abkommen, die
sich zugleich auf beide Seen erstreckten,schon früh abgeschlossen
wurden, "dass es über den Schiffsverkehr aber erst 1923 zl
einer allumfassenden l(onventi,on kam. Einesteils waren die
Schwierigkeitenbezüglich der Schiffahrt, d. h. der Zoll- und Po-
lizeiverhältnisse auf dem Luganersee gross, anderseits bestand
nicht dasselbeBedürfnis, in der Weise für die Schiffahrt Zü Sor-
gen, wie für den Fischbestand;die Grenzenwaren ja deutlich im
Vertrag von Varesegezagen. Zwat war schonum 1900 die Ueber-
einkunft von 1860 zum gr,ossenTeile gegenstandslosgeworden.ss)
Sie wurde tr,otzdemvon italienischenDampfschiffahrtsgesellschaf-
ten angerufen,um sich berechtigtenForderungen der schweizeri-
schen Zollverwaltung zu entziehen. Die italienische Gesellschaft
bestritt z.B. dem Zolldepaftement das Recht, zu v'etlangen, dass
ihm die Fahrplanentwürfegemäss Art.2, letzter Absatz, der Ver-
ea) AS 6, 482, Wolf, II, 993.
9a) Als Kuriosität mag aus dem Vertrage noch folgendes vermerkt
sein: Der Bundesrat vermietet der sardinischen Regierung das Räder-
schiff,,Ticino", das eiserne Lichterschiff oder die Schleppboote und die
Schillsausrüstung (Art. II). Die Miete dauert vier Jahre (Art. VI). Der
vermietete Dampfer trägt jederzeit eine Flagge mit dem \Vappen der
schweiz. Eidgenossenschaft ,,als gesetzliche Zuständigkeit". Ein Teil der
untergebenen Mannschaft soll aus schweiz. Angehörigen genommen
werdcn (Art. XIID. Sowohl die Dampfschiffe, die der sardinischen Re-
gierung gehören, als auch die ihr vermieteten, haben die schtreizerische
Post unentgeltlich zu befördern. (XIX).
e5)vergl. BBI 1905, II, 876.

105
ordnung betr. Vorlage, Prüfung und Genehmigungder Fahrpläne Uiern enflernt wöre un:j
der Eisenbahnenund Dampfschiffevom 20. I. 1899eG)zur Prü- ten dienensottte.eT)
fung und Genehmigungvorgelegtwürden.- Als ferner die schwei-
zerische Zollverwaltung für die Zollabtertigung von Schiffsgütern . Diesen .(vernünt'tigen
der im BBI niclti ongig
ausserden reglementarischen Zollstundenund für die Ueberwach- Er war wohl der ,44eiiu-
ung von übernachtendenSchiffen eine Gebühr erhebenwollte, ver- vivendi würden genügtr:
weigerte die Gesellschaf I die Entrichtung dieser Gebühr, weil alte Herleommensnzuerl
durch dic Uebereinkunftvon 1860 freier Fahr- und Landungs- sichtlich der Ausübung
verkehr auf dem LangenseeEewährleistetsei, was zweifellos walen, es wcjre denn, dtt:
richtig war. die Gericlttspraxisorler t
Der Bundesratsah sich deshalbveranlasst,die Uebereinkunft Der Bundesrqt aber koil;
zu künden,was am 21. Mai 1903 geschah. Die italienischeRe- st.en,behaup/e/ezwar, ,i.
gierung gab mit Note vom 77. Januar 1904 von dieserKündigung cher sich die Sc/tweiz bt
Akt. seits bestrittenenHerhot;
Für den Langensee bestandalso seit 1904 keineinternationale den bestenBeweis ctalür t
Regelung der Schiffahrt mehr. Die Erklärung betreffend den f all von,l[orcote t'orti,äh,
Zolldienst von tr901 (die wir später besprechen)wird über die Argumentation isl ric/tttg
vertragsl,oseZeit haben genügenmüssen. Die Grenzverhältnisse Gewcisserneutr,alisiert.i.,
sind aber einfach,so dass Schwierigkeitenbei der Schiffahrtwohl wegen w,qr aber die yo
nicht entstandensind. Die Literatur weiss davon nichts zu mel- grüssen. Zum Sc/tmugg
den. Missliche Verhältnisseherrschüendagegen auf dem Lu- nicht ausersehe n w,ercIe"n
ganersee. gebrochen werden. _ D,
oollr".weiter aus, cless,
b) Luganersee. scnu/len, man siclt in iltr
1752 und dem mod.usri:.t
Die Fälle, die angeführtwerden, riefen nach einer Regelung
der unhaltbaren Zusfände, sowohl der Schiffahrt als des Zoll- Ilaliert war nicht iibeiz,
dienstes. Bisher bestandüberhauptkein Abkommen. meinsamenTeil nicltt n,olt
1886 verhaftetenilalienischeZollangestellteauf dem Lttganer-
see bei lWorc.otezwei italienischeUntertanen wnd sequestrierten
ihre Barke nebst den darauf befindliclten Waren. Die tessi-
nische ftegier,ung proteslierte gegen diese Verhaftung, weil
diesa in den sogenanntengemeinsamenGewässerndes Seesvor-
genommenworden sei. - Der Bundesraf, der am Verhot tl.er neu zu bestimnrcn.es)
Zollhontrolle und der Verhaltung wegen Zollübertretung in den 1896 legte der Bunclesr
gemischten Gewtissern lesthielt, richtete das Begehren nach auslü/trliclten Schreibert rt:
Ilom, es seien die sequestriertenObjelelezurüchzugeben. Ita- dar, da die tessiniscltenBr
lien schlug rundweg ab. Die italienischeQegieru.ngbeltauTttete
ntimliclt, sie habe heine Kenntnis von Uebungen,denen zut'olge
der Schmuggel auf den gemeinsamenGewässern t'reie Hand
haben sollte. (Was richtig war, aber nur, wenn mofl den Be-
grit't' der ,,freien Gewässer((ablehnte.) Dagegen ersuchte die
italienischeftegierung den Bundesrat, er möge die Verhiiltnisse
der Schit't'ahrt und der zollamtlichen Ueberwachungdes Lu.-
günerseesdurch eine Uebereinkunt'tzu regeln suchen,eventuell
in dem Sinne, dass der See im gemeinsamenTeile d.urcheine
ideelle Linie zu trennen sei, welclte gleich weit yon beiden
e ? )B B I 1 8 8 8 ,i l . 9 1 0 .
e6)AS 17, 36. e8)Bßl 1890, II; 39J.

1n!
Uiern erifernt wäre und {tls Grenze zwischen den beiden.Stan-
ten dienensollte.eT\
Diesen (vernünt'tigen) Antrag honnte der Bundesrat au.slei-
der im BBI rticht angegebenenGründen nicht genehm iind.en.
Er war wohl der tl4einung,das aLteHerkommenund der motlus
vivendi würden genügen. Itulien dagegen weigerte sich, das
alte Herhommen &nzu.erhennen, kr.at'tdessendie Gewässerhin-
sichtlich der Ausübung cler Zollpolizei neutralisiert worclen
w(rren,es wäre denn, dass die Schweiz ienes Herkomnrcnclurch
die Gerichtspraxisoder aul irgend eine andere Art beweise.-
Der Bundesrat aber honnte diesen negativen Beweis nicht lei-
sten, behauptetezwar, dass gerade die Unmöglichheit, in wel-
cher sich. die Schweiz belinde, die Existenz des italienisclter-
seits bestrittenenHerkommensmit Richtersprücherc zu belegen,
den bestenBeweis dat'iir bilde, dass dasselbebis zum Zwischen-
fall. von/lforcote t'ortweiltrendbeachtet worden sei" Auch diese
Argumentation ist richtig; waltrscheinlichwar das gem.einsame
Gewässerneutralisiert. Vertrtige darüber bestctrcden nicht. Des-
wegerc wur qber die von It(tlien ergrit't'eneInitiativc ztt be-
grüssen. Zum Schmuggelbetriebsollte dus neutralisierteGebiet
'f
nicht ausersehenw,erden. Einmal musste mi.t dieser raditictn
gebrochen werden. -- Der Bundesrut t'ührt in seinem Bericht
noclt weiter atls, dass, wollte man eine neue Uebereinhunt't
schat't'en,man sich in ihr den alten Stipulutionen von 1604 und
1752 und dem modus vi.vendi. tunlichst nähern sollte.
Italien war nicli überzeugt; mun hönne inbezug auf cl.cnge-
meinsamenTeil n.ichtwohl eine Ausnahmevon den Grund.stitzen
st,atuierlhaben, nuch welclten sich die Rechte tler Uferstuüen,
ohne Rücksichl aut' die .4usdehnungihres leweiligen Ulergebie-
tes, überall richten, und wonach eine vom Ut'er mehr oder we-
niger entfernte Linie die Grenze bezeicltne,diesseits welcher
feder einzelne Ulerstast sein eigenes Recht zur Anwendung
bringen dürfe. Es handle sich ietzt darum, diese Orenzlinie
neu zu. bestimnten.es)
1896 legte der Bundesrat der tessiniscltenftegierung in einem
nusführlichen Schreiben d.ie Rechtsverlttiltnisseam I-uganersee
dar, da die tessinischenBehdrden angenommenhatten, dass tler
Luganersee dort, wo das eine Uf er Italien, das andeve cler
Sc/tweizgehört, in dem Sinn.eneutralisiert sei, dass iiberltaapt
heine Zollltontrolle auf demselbenstattfinden dürfe uncLdaher
Barhen erst angehaltenund sequestriertwerden hönnten, wenn
sie am italienischen Uler gelandet haben. Ferner stellte die
lessinischellegierung die Behauptung aul, auch die Bucht ,,,on
Ceresiosei als gemeinsames Gewässerzu betrachteno weil ge-
genüberder Ortschat'tPorto Ceresiodas Uler von Morcote Iiege,
tlie ,,riva opposta" somit schweizerischsei. Letzteresutot' t!,1-
9;) BBI 1888,II, 949.
e8) BBI 1890,II, 395.

tuc
türlic/t unrichtig; der Seearm von Porto Ceresio verltiult aus- Die italienischeReqieru
schliesslichzwischenitulienischenUt'ern. Der Bundesrat nimmt damit der Bundesrat ben
in seinem Antwortschreibenan die tessinischeftegierung eine durch schweizerischeGeri-
Wendung insofern vor, als er mit aller Bestimmtheit und ge-
Ein Anfanq war da:
stützl'auf den Verlrag von Vareseund einen alten Tagsatzungs- Punkte die staailicheHohe
beschluss(siehe oben) als die alleinige Arenz- u.nd Jurisdih- festgestellt.
tionslinie die tWittellinie des Sees anerhennt und gibt zu, dass
er int Falle von Morcote gemeint habe, zu Unrecht, die itqlie- 1898 ereignetesich ei
nische Zollgrenze beginne erst am italienischenUler. ,,Wir ver- Nuch einem aul'Bortlaltem
t'ochtendie Ansicht oltne Erfolg, denn sie honnte iich weder aut' hielten sich an i
verlragliche Bestimmungen,noch aul das Herhommen stützen.'( verkehrenden Dampls chi i
Die damals vorgenommenenUntersuchungenförderten clen lrr- auch. in schweizerisclte
tunt zu Tage; ,,sie lassen unsern ietzigen Standpunkt sls rich- Diensl verrichteten. Dtt
tig und. unanfechtbar ersclteinen". (Grenze : Seemitte.)ee) scltw eizer ische Z oltdie nst
sorgt, mit gleichen Beiup
Trotz diesesEinverständnisses
der beidenRegierungenereig- Reisendenund Untersuc
neten sich, wohl um die Unhaltbarkeit des vertragslosen Zu- Gewässern).,,Diese Eint
standeszu dokumenlieren,noch andere Zwischenfälle. und es kann heine Rede t
Nur wollte man diesen nt
Einmal handeltees sich um die von Italien auf dem Lnganer- einen.Staatesauf dem Gt
see gehaltenenTorpedobooteund ihre freie Durchfahrt durch die Umschreibung)durclt etn
ausschliesslichschweizerischenGewässer. Der Bundesrat saqf Zweilel und Anstrincteijl
dazu: t'ugnisse beseitigt.'(rar)
,,Diese Fahrzeugesind ausrangierteTorpedoschiffe, aus denen Verhandlungen mit Ita
die Torpedoapparateentfernt worden sind, so dass sie nicltt Zolldjenst auf dem Langen
mehr uls l(riegsschiffe angesehenwerden hönnen; sie sind aber 1 9 0 1r.0 ? )
Staatssc/tiffe,die zur Zollüberwachungund zur Unterdriltkung Diese Erkläruns setzt
des Schleichhqndelsverwendetwerden, elso slaatliche Hoheits- Staatenbefugt sind, auf den
und lurisdihtionsahte auszuübenbestimmtsind." - Drei solcher Ueberwachungsdienst über c
Schift'e fuhren 1896 durch schweizerischeCewrisser von Porto das Schiffspersonalzt1 verT
Ceresio (italienisch) nach Porlezza (italienisch), ohne dass die jenseitsder Grenzlinie.die L
it,alieniscltenBeltörden vorher den schweizerischenBehördcn welche dieseDampfschiffeb
Anzeige erstattet htitten. Der Bundesr,atprotestierte und ver- desGepäcksder passaqieres
trat dia Ansicht, dass, obwohl er heineswegsdas Qecht Italiens, ginnen, sofern letzterö d.arin
derartige Schit'le in seinen Gewässernzu halten, bestreite, sie nicht in der Erklärung,\r.o
unserc Grenze nicht passieren dürt'ten, ohne an den betrel- Ansicht, dass nur die Erklä
fenden Stationen zur Erlüllung der Zolllormalitäten anzuhqlten diese extensiveInterpretatio
und ohne die schweizerischeBewilligung zur Durchfuhrt ein- nen Passagiersstellt, ob eir
geholt zu haben. Der Bundesrat denh.enicht darun, die freie in der Erklärung ausdrück
Schiffahrt aüf dem Luganersee zu beeinträchligen, er müsse werden kann. Die mit dies
aber daran festltalten, dass die betreft'end.enSchifle nicht ge- die durch ihre Reslement
wöltnliclte Handelsschiffe, sondern Staatsschit'feseien, die mit Tragen von Feuerwäffenied
Rüchsicltt aut' den Zwech, zu dem sie verwendetwürden, nicht ihres Aufenthaltes auf dän
ohne weiteres durch denienigen Teil des Sees, der der Schu,eiz Schmuggelsauf anderemWe
ausschliesslichgehöre und ihrer Gebietsltoheitunterstehe,fah- bei Staatsschiffenderari ger
ren dürften. -
.q nel 1898,II, 19.
ror;BBI 1899,II. 19.
ee)BIll 1897,II, 213. toz;AS lB, 429,Wolf, IV,

106

I,'
Die italienischeRegierungtraf dann die nötigen Anordnungen,
damit der Bundesrat benachrichtigtwerde, wenn ein Zollschiif
durch schweizerische Gewässerfahren musste.100)
Ein Anfang war damit gemacht und wenigstens in einem
Punkte die staatlicheHoheit bei der Durchfahrt von Zollschiffen
festgestellt.
1898 ereignetesich ein anderer Konflikt:
Nach einem auf ultem Herkommen'beruhendenmoclusvivendi
hielten sich an Bord dcr aul dem Luganer- und Langen.see
verkehrendenDamplschille italienischeZollwächter au.t',welclte
auclt. in schweizerischenGewiissern weihrend der Fahrt ihren
Dienst verrichteten. Das schien stossend, obgleich auch der
schweizerischeZolldienst, durch Aut'seher(Zivilangeslellle) be-
sorgt, mit gleichen Belugnissenausgestaltetwar (Belragen der
Reisendenund Untersuchungdes Gepcichsin den italienischen
Gewrissern). ,,Diese Einrichtung ist im Interessedes Fublihums
uncl es hann leeineRede davon sein, sie abzuschallent,,heisst es.
Nur tvollte mun diesen modus vivendi, der Amlshnndlungendes
e-inen. Staetesauf dem Gebietedes andern duldete (ohne nähere
Llmschreibung)durch ein.eUebereinhunlt ersetzen,,,welche all.e
Zweit'el. und Ansti)nde über die gegenseitigenflechte und Be-
c
I ugnisse beseiti gt./ rotl
Verhandiungen mit Itaiien führten zur Erklärung betreffend
Zolldienst auf dem Langen. und Luganerseevom B./18. Januar
1 9 0 11. 0 2 )
Diese Erklärung setzt fest, dass die Zoltrbeamten der beiden
Staatenbefugt sind, auf den Dampfschiffender beidenSeeneinen
Ueberwachungsdienst über die Waren und Reisenden,sowie über
das Schiffspersonalzt verrichten, und zwar sowohl diesseits als
jenseits der Grenzlinie, die beide Länder trennt. Die Zollbeamten,
welchedieseDampfschiffebegleiten,dürfen mit der Untersuchung
desGepäcksder Passagiereschonvor Ueberschreiten derGrenzebe-
ginnen, sofern letztere darin einwilligen. Dieser letzte Satz steht
nicht in der Erklärung, urohl aber rm Bundesblatt. Ich bin der
.lnsicht, dass nur die Erklärung massgebendsein soll und nicht
diese extensiveInterpretati:on,die es in das Beliebendes einzel-
nen Passagiersstellt, ob eine Amtshandlung,zu der der Beamte
in der Erklärung ausdrücklichermächtigtworden ist, verhindert
',r'erdenkann. Die mit diesem
Dienst betrautenBeamtentragen
lie durch ihre Reglementevorgeschriebene Uniform, aber das
Tragenvon Feuerwaffenjeder Ärt und Grösseist ihnen während
-rres Aufenthaltes auf den Schiffen verboten. Die Gefahr des
Schmuggelsauf anderemWeg als über einen Landungsstegist ja
rei Staatsschiffenderart gering, dass sie schlechterdings als nicht
r00)BBI 1u98.II. 19.
101)BBI 1899,II, 19.
toz)AS 18, 429,\Yolf, IV, 19, BBI 1902,II, 342.

707
vorhanden angesehenwerden muss. Deshalb lautet Artikel 1 Fahrt au/ dem See unC :.
der Erklärung: Ueberwachungder Waren auf dem Schiffe.103) '.t'ehrt werden wolle, wertr
Waren nun die Zollschwierigkeiten einigermassen geregelt,so untl periodischen TransT'
erhob sich eine andere Schwierigkeltinbezug auf die Schiffahrt Falle sei sie mit dem Burt.
an sich, welche einer umfassendenOrdnung rief. .cnlctt an die Beslimntutr'-
Die in Porto Ceresio ( italienisch) domizilierte itnlienische haiten hätten. ,,Dic itcil;e,
Dampfschiflahrtsunternehmunglührte jeden Sonntag wrihrend Fällert nicht ondars ret fi.
des Sommerszwischen Lugano und Caprino, also in schl,ci- Ein. weiterer Zwischeirt
zerischenGewüssern,einen regelmässigenTransport von Per- nisches Schill gegenüber
-in
sonett aus. Sie hatte aber noch heine Konzession eingeholt, !izeihoheit einem sch,'
wie dus in der Verordnung vom 18. IL 1896 betrelfend clen seiner Flagge und die E,
Bau und Betrieb von DamTtt'schift'en und andern mit ,44otoren nationale Recht maclzt ttbt,
versehenenSchit't'enauf den schweizerischenGewässern vor- Seen inbezug aut' die Bt::.
gesehenwar (Art. 42). Sie wurde aut'get'ordert,Art. 42 ein- iie qus der Hoheit llie ss.
zuhalten. Die Unterneh.mungbeschwertesich hierauf bei der Schiffaltrt auclt die Oeri,
itolienisclxenllegierung, weil sie behauptete,heiner Konzessiott über das Schit't', wenn €s
zu bedürlen. - Die italienische llegierung vertrat die gleiche staates belindel.) Desltt.
Ansichl, da in Ermqngclung einer Konvention zwischenden bei- und es wurde der Wunsi::
den Ländern die all.gemeinenGrundsätze des Völherrechts zu aul den Dampt'ern der b,-:
gelten hr)tten, wonqch die Schit'fahrt aul diesem See, wie aul werden. ro5)
allen gemeinsamenGewässern,lrei sei. (Was zweilellos riclttig Der Krieg unterbrach c
ist inbezugaul dielenigenFlüsse und Seen,die vom,44eere uus -.,-n rvurde nicht nur ein.'
schit't'barsind, nicht aber inbezug aut' den Luganersee.) Die -.iharfe Zoilaufsicht auch ait-
'.azu
italienische ftegieru.nglührte des weitern an, dass die Gesell' D o Ld i e E r k l ä r u n g v o :
schaft, wenn sie aul schweizerischemGebiete Agenturen uncl remde Staatsschiffe rvurde
Bureuux errichten wolle, die von den schweizerischenGeselzer .ufgefasst. Angenehm r','ai
vorgeschri.ebenen Bedingun.generlüllen müsse, die Forderung i.'erhältnissen nicht. 10c)
nach einer l{onzession verstosseaber gegen den Grundsatz der Italien war natürlich b.
Schiflahrtslreiheit. Der Bundesrat entgegneteeinmal, dass d.ie : u t s c h e i n e n d e nM a s s n a h n r e
(Jnternehmung in der Sc/tweizein Gewerbeausübeund dass un- Finwirkungen über die Grr
sern Gesetzengemässieder Ausländer,der in unseremGehiet schweizerische Hoheit v erl.eiz
ein Gewerbe ausübenwolle, sich den schweizerischenCesetzen. -en Gewässern alles zü \ei:'.'
zu unterziehen habe. Und dann verwies er daraul, dass der -ind StörunE cies natürlich : -
Grundsutz der Schit'fahrtsfreilteit nicht auf den Luganersee Dinge führen und damit clir
angewendetwerdenkönne. Uebrigensbeabsichliged.erBuncles- '-elzerr
könnte, und zudem d.
rat nicht, die Schilfahrtsfreiheil einzuschränlzen,welch.ed.arin Itaiien, irgendwelche mit i.
bestehe,dass italienische Schille d.urch schweizerischesGebiet l{andlungen unserem neutrc
transitieren clürfen, oltne an die Ert'üllung nnderer Formalifä.ten also auch nicht unsere L,:
gebundenzu sein, als an die, welche die schweizerischenZol.l- s i r a h l e n . ( W i e j a a u c h c i a , -.
gesetzcund Verordnungenvorscltreiben. Wenn aber eine italie- E e s t a t t e tw a r . )
nische Gesellschaftin dcn schweizerischenGeutässerneinen re- 1923 endlich konnte er:
gelmässigenund periodischenTransport von Personenbesorgt, - e n , w e l c h e a l l e n U n g e. : :
Itube sie die gesetzlich vorgeschriebenenBedingungen für die Ende setzte Es wurde ab:
Ausübung'dieses Gewerbeszu erfüllerc. Schiffahrt allein geschiosse
Die italienischeftegierung nahm darauf mit Bet'riedigungvott 104)BBI 1904, I, 6:t0.
der Erhlärung Aht, dass den italienischen Scltilt'en d.ie lreie 105)verql. Hiltl', XXYI. +
106)\.crgl. Votum Zrirch.r
103)ys1gl. Doka, 58.
obcn, S. 91.)

ii4li
ffi.
iil
,ßl

ifl Faltrt aai dem See und clas Anlaut'en.in den Hölen nicht ver-
wehrt werden wolLe,wenn es sich nicht um einen regelmtissi gen
untl periodischen Transport von Personen handl.e,'in diesem
FttLlesei sie mit dem Bundesrat einverstanden,dctssd,ieInteres-
sentertun.die Bestimmungender schweizerischenGeselzesich.zu
halten ltätten. ,,Die italienischeVerwaltung würde in ti.hnlichen
Fällen rcichtandcrs verfahren'( 104)
Ein weiterer Zwischenfall ereignetesich 1912, u.ls ein italic-
nisches Schill gegenüberder GeltendmachunglessinisclterPo-
lizeihoheit in einem schweizerischenHat'en die llespehtierung
seiner Flagge und die Exterritorialität verlangte. (Das inter-
nationalellecht machl aber eine AasnahmezwischenFllissen und
Seen inbezugaut' die Binnenschilluhrtnicht,.deshnlbinvolviert
die qus der Hoheit fliessende allgemeine Oberaulsicht über die
Schilt'altrl auclt die Gerichtsburkeil und die Po/izeihoh.eitetc.
über das Schill, wenft es sich in den OewässernclesHoheits-
staate:; belindet.) Deshalb erregte der Fall starhes Attfselren,
urtd es wurde der Wunsch erneuert,es mcichtedie Polizeiltoltcit
a.ut'clen Damplern cler beiden Seen durch einenVertrag geregelt
werden.ros)
Der Krieg unterbrachdie Verhandlungen. Während dessel-
ben rvurde nicht nur sin2 -spionagekontrolle, sondern eine sehr
scharfeZoilaufsichtauch auf ,,hoher" See unterhalten. Fiandhabe
dazu bot die Erklärung von 1901. Uebertretungder Grenzedurch
iremde Staatsschiffewurde als Verletzung der fremden Hoheit
aufgefasst. Angenehm war die Situation unter den gJegebenen
Verhältnissennichi.1oc)
italien war nalüriich berechtigt,auf seinemSeeteil alle itrm
gutscheinenden Massnahmenzu treffen. Eine Frage ist, ob die
Einwirkungen übe.r die Crenze hinaus (Scheinwerfer)nicht die
schweizerische Hoheit verTetzten.Der Grundsatz,an internationa-

strahlen (wie ja auch dasLleberflieEen


unseresTerritoriumsnicht
gestattetwar.)
1923 endlich konnte eine Uebereinkunft abseschlosseilwer-
den, welche allen Ungelegenheitenauf den Üeiden Seen ein
Ende setzte. Es wurde aber nicht nur ein Abkommenüher die
Schiffahrt allein geschlossen,
sondernes wurden darin aLrch,zu-
104)illll 1904. I. 630.
105)vs1sl. HiltJr, XXVJ, 494.
t96)I'ergl. \rotum Ztircher im Nat.-Rat, Sten. Bull. 1919,S.9ti1, (siche
.
obcn. S. 91.)

1C9
gunsten der Uferbevölkerung,besondereMassnahmenbetreffend Unter den gleichen Be_
Zolldienst (die Erklärung von 1901 wurde aufgehoben)und die ten wird auch die Uebe
Ausübungder Fischereivereinbart. Ueberdieswurde ein Schieds- auf Zoll- oder gewö/tn!:
verfahren vorgesehenfür den Fall, dass zwischen den Parteien Italienisclte Zolt.sch
ii i i
Meinungsverschiedenheiten über die Anwendung oder Auslegung lizeibeamteru ausfültreri,,
der Uebereinkunftund des beigeschlossenen Reglementesentstehen sern keine Amtshundlu rt,-
sollten. Die Uebereinkunftzwischender Schweizund Italien zur Gebiele nur in Ftiilen i.:
Regelungder Schiffahrt auf dem Langen- und I-uganersee wurde den. (Abs. a.)
am 22. Oktober 1923 abgeschlossen.107) Die italienisclten po/;zt
Art. 1 stellt den bisher geübten Grundsatz der Schiffahrts- der regelmlissigen du,:.
freiheit auf: durch das schweizeriscltt
,,Die Schit'lahrt steht sowohl in den schweizerischenals in iltre Reise nicht anterbre:
den italienischenAewässerndes Langen- und Luganerseesie- port von mehr qls 6 Ber;
dermann lrei, solern dabei die Bestimmungender vorliegend.en mangen dieses Artikels .
Uebereinlzunltbeachtet werden." zerischenGewrissernlrubt
Von ausschlaggebender Bedeutungist Art. 2. Er legt das len abzulegenund siclt it
politischeHoheitsrechtjedes Staatesüber die Gewässerfest, die satz 6.)
einen Teil seinesGebietesausmachen.Was diese Festlegungan- Als man dieseAusnahn
betrifft, so ist zu sagen,dass das politischeHoheitsrechteigenL- langte die italienischeDelec
lich schon durch den Vertrag von Varesebegründetworden ist. schweizerischen Gewässerä:
Die Uebereinkunftsetzt aber die aus der Floheit sich ergebenden fen. Die schweizerische Del
Folgen fest; die Gewässermüssennicht mehr abgegrenztwerden; wenn nur die Durchfahrt
die Uebereinkunftsetzt das voraus. ein entsprechendesZuqestä
Art.2 stellt zuerst den Grundsatzauf, dass Schiffe, die lVli- auf Schiffe mit rnilitärisc
Iitär-, Zoll- und Polizeizweckendienen, die politische Grenzenicht könne. Die italienischeDei
üherschreitendürfen, denn solche Schiffe sind der Ausdruck der merkte, dass Fälle eintreten I
Hoheit des Staatesund diirfen nur innerhalb des eigenenGebiets Iizeibeamten ausführen mus
Verwendungfinden. Ihl Uebertritt auf staatslremdesGebiet ist nach völliger Abklärunq de
eine Verletzung der fremden Hoheit. Die komplizierte Lage am dings zu den ob,enbesöhrie
I-uganersee,wo die gegenüberliegenden Ufer bald beide schwei-
zerisch oder italienisch sind, wo das italienische Becken Diese sind klar. Selbs
von Porlezza vom italienischen Becken von Ceresio durch die Gebiet (Seegebietin unserem
genommenwerden, selbst ri.
schweizerischen Gewässerdes mittleren Seebeckens zwischenGan-
beamter dasselbebetreten so
dria und Morcote getrennt ist, mit Ausnahmeder italienischen
Rechtsbrechervon einem G
Gewässer,die die Enklave von Campioneumspülenund sich bis
werden; die Amtshandlunqb
zut Mitte des Sees erstrecken,musste aber sofort zu Ausnahmen
der SchweizliegendenBdwa
von der Regel führen.
Sie sind in Art. 2 enthalten; Interessantist ferner die
der Waffen durch itatrienisc
Aut' dem Langensee ledoch dürlen die italienischen Zoll- sie sich in den schweizerisc
schit'fe irc Ausnahmeftillendie politische Grenze überschreiten, (?tjf) sagt, dass dies in pra
um sich vom Bechen von Porto Ceresio nach demienigen von vielleicht etwas komplizier't: i
Porlezzo und wmgeheltrtzu begeben. Diese Durcltt'nh.rtencltir- Waffen bewachenund müss
len aber nur am 7'ageund ohne Zwischenhalterfolgen und sind
spätestenseinen Tag, bevor sie stattt'indensollen, bei der Zoll- Art. 3 der tJebereinkun
direh.tionin Lugano anzumelden. Diese Transporte hönnen der die Oberaufsichtüber die Sch
schweizerischenZollkontrolLe unterworfen werden. (Abs. 2.) nen p,olitischenGrenze liegen
107)AS 43. 300 ff. Btsl 1923.III. 482 fl. 108)vergl BBI 1923, III. j8:

1ill
Unter den gleichen Bed.ingungenund den gteichen Vorbelnl-
ten wird auch die Ueberfahrt von italienischen polizeibeamten
aut' Zoll- oder gewöhnlichenSchiflen gestattet. (Abs. 3.)
Italienische Zollscltift'e und Schift'e, die Transporte von po-
lizeibeamtenausführen, dürlen in den schweizerischenGewäs-
sern keine Amtshandlungenvorneltmenund auf scltweizerischern
Gebiete nur in Ftillen von Havarie oder höherer Gewslt [an-
den. (Abs. a.)
Die italienischen Polizeibeamtendürfen auch qls passagiere
der regel.mtissigenl(urse der ölfentliclten Schiffahrtsbctiiebe
durch das schweizerischeHolteitsgewtisser|ahren, dabei ied.och
ihre Reise nicht unterbrechen. Handelt es sich um ein.enTruns-
port von mehr als 6 Beamten,so muss er gemässden Bestim-
mungen dieses Artihels angemeldet werden. In den schwei-
zerischenGewässernhaben die itqlienischenBeamtenihre Wuf -
fen abz.ulegenund sich ieder Amtshandlung zu entltatten. (Ab-
satz 6.)
Als man dieseAusnahmebestimmungen festzulegenhatte, vet-
langte die italienischeDelegationvon allem Anfang an, clurclrdie
schweizerischen GewässeramtlicheTransporteausführenzu dir-
fen. Die schweizerische Delegationdagegenerklärte zuerst,dass,
wenn nur die Durchfahrt von Zollschiffen in Frage komme,
ein entsprechendesZugeständnisaus zwingenden Gründen nicht
auf Schiffe mit militärischer Bestimmung ausgedehntwerden
könne. Die italienischeDelegationaber bestand-daraufund be-
merkte,dass Fälle eintretenkönnten,wo man Transportevon po-
lizeibeamten ausführen müsse. Diesem Verlangen konnte dann
nach völliger Abklärung der Fragen entsprochenwerden, aller-
dings zu den oben beschriebenen Bedingungen. los)
Diese sind klar. Selbstverständlich kann auf staatsfremrlem
Gebiet (Seegebietin unseremFalle) eine Amtshandlungnicht vor-
genommenwerden, selbst wenn ein fremder Zoll- oder polizei-
beamter dasselbebetreten sollte. Dies ist dann der Fall, wenn
Rechtsbrechervon einem Grenzhalen zum andern transportiert
werden; die Amtshandlungbestehtdann in der auch im Interesse
der Schweiz TiegendenBewachung.
Interessantist ferner die Bestimmunqbetreffenddas Ablegen I

der Waffen durch itatrienischeMilitär' ind Polizeibeamte.rvenn


sie sich in den schweizerischen Hoheitsqewässern befinden. Doka
(54 ff ) sagt, dass dies in praxi nicht dürctrgeführtwerde. Es ist
vielleicht etwas komplizi,ert;irgend jemand müsste die abgelegten
Waffen bewachenund müsste deshalb doch bewaffnet sein.
Art. 5 der Uebereinkunftbestimmt, dass jeder der Staaten
die Oberaufsichtüber die Schiffahrt in den innerhalb seiner aige-
nen politischenGrenze liegendenGewässernausübe. Obwohl es 'rl

108)vergl BBI 1923, III, 482 ff.

117
sich bei diesemSee (und bei den meisteninternationaleneuropä- Diese Bewilligung :.
ischenBinnenseen)um Gewässerhandelt, die kutze Distanzenvom sind, erteilt werden; ans
Heimathafen zu Iremden Landeplätzen autweisen und man des- erkannten Grundsatz cie:
wegen aus Opportunitätsgründen den Standpunktvertretenkönnte, fahrtsfreiheit in beschra
dass infolge des engen Zusammenhangsdes Schiffes mit seinem spektivedie Bewohnerc.
- Ueber das Schiflsnt-.
Heimatstaatdie Hoheit des andernStaates,wenn es sich in dessen
Gewässernbefinde, ihre Rechte (2.8. die Gerichtsbarkeit)nicht aus (Art 13). CärÄ=!':
zur Geltung bringen dürfte, so statuiert eben das internationale weitern Vorschriften be:_
Recht, dass die aus der GebietshoheitfliessendeOberaufsichtalle probung der Schiffe unc
Rechte über das Schiff in sich schliesst. lOe) Staateüberlassen. Es rr,t
Art. 3 statuiert so ganz allgemein, abet in gültiger Weise, lichkeit der Anordnungei
diese Oberhoheitdes Territorialstaates. Staatenmit verschiecieie
jedoch vereinbart,classc
In Art. 4 wird gesagt (Einbruch in die Schiffahrtsfreiheit),
dass die Unternehmungen, die der regelmässigen und periodischen diesen internen Vorschril
Beförderung von Personenund Gütern obliegen,von iedem der gebensollen. Selbstvers
beiden Staaten mit einer Konzessionausgerüstetwerden rnussen, schriften nur auf die eige
wenn sie derenF{äfenoderLandungsstellen bedienenwollen. Diese . Der Vertragenthäli s
Vereinbarungsteht mit keiner schweizerischen Vorschriii in Wi- trellend den Zolldiensf. i
derspruchund schafft eine klare Rechtslage. (Am Boden- und Art lBordnetdetiZa;
am Unterseebestehtkeine solcheBestimmung,und man vermisst und den schweizerischen L.
sie.) Die Konzessionder betrefiendenStaatenbeziehtsich natür- Armes des Luganersees
lich nur auf die Fahrten innerhalbihrer eigenenGewässer. an einen modus vivendi
Weitere Bestimmungenbeschäftigensich mit den Pflichten Zallbeamtendie von, gegi:
der Konzessionsinhaber(Cewährung freien Zuttitts an die Ueber- erst untersuchten, nachdä':
wachungsbeamten), mit Schiffsinspektionen (durch italienischeund die italienis chen Zollbean-
schweizerische Behörden),verordnendie Untersuchungder neuen menden Schiffe erst in e::
S c h i f f ea u f S t a b i l i t ä et t c . ( A r t . 5 , 8 , 9 u n d 1 0 ) . D e r j e n i g eS t a a t , schen Lifer anzuhalten u:..
an dessetrUfer der Einschreibehaien liegt, erteilt die Schiftahrts- freute sich denn auch in r
bewilligung (Art. 7). u n d e s h a t t es i c h r l i e _ : .
Del ÜnterschiedzwischenKonzessionund Schiffahrtsbervii- bestehc keine eiqentiiche
ligung bestehl.darin, dass ersterenur den regelmässigen und pe' {vergleichcoben über dii
riödisifren Schiffahrtsunternehmungen erteilt wird; cler Konzes- Der Brauch beruhte a
sionsinhabermuss gewisseBedingungenerfüllt haben,wenn ihm satzen. Nach den allgerr
die Konzessionerteiit vlerden soll. In der Konzessionist die Fällen,wo die Gervässör ..
schiffahrtsbewilligungimplicite enthalten. Konzessionsurkunden zwei verschiedenen Staate
rverden von jedem der beiclen Staaten ausgestellt,Schiffahrts- von der Mittellinie der C
bewilligungen nur von den Behördendes Einschreibehafens"
-sihlechterdings Diese die Ausübung der Gericirt
gelten für jedes Fahrzeug, beziehungsweisefür
jeden Inhaber eines solchen,llo)
Diese Einschränkungder Schiffahrtsfreiheithat eben gerade
in ihr selbstden Grund; da es jedem freigestelltist, Schitfahrt zu
betreiben,und.zwar auf dem ganzenSee, also auf schweizerischem
wie auf italienischemGebiet, muss eine gewisseKontrolle über die
Schiffahrttreibendenbestehen (Vermieter von Booten, Schiffs-
besitzer), da zwei Hoheitsgebietebetahrenwerden dürfen.
109 vergl. Doka, 54.
110)\'erg-I. dazu'schiffahrtsordnung von 1910 (AS 26, 1493), Art' 2, rrr; BBI 1923,III, 182li
33 35, 95.

'1)
8*

h
Diese Bewilligung muss aber, wenn die Bedingungen erfüllt
sind, erteilt werden; ansonstwürde man gegen den in Art. 1 an-
erkannten Grundsatz der Schiffahrtsfreiheit verstossen. (Schiff-
fahrtsfreiheit in beschränktemSinne auf die Uferanwohner.,re-
spektive die Bewohner der vertragschliesse4den Staaten bezogen.)
- Uebet das Schiffspersonal üben die Behörden eine Autsicht
aus (Art 13). GemässArt. 14 bleibt die Aufstellungder nötigen
weitern Vorschriften betreffend die Untersuchung und die Er-
probung der Schiffe und die Ueberwachungdes Personalsjedem
Staate überlassen. Es wird also in dieser Hinsicht keine Einheit-
lichkeit der Anordnungen herrsch,enund möglicherweisein beiden
Staaten mit verschiedenen Masstäbengemessenwerden. Es wurde
jedoch vereinbart,dass die beiden Staaten sich gegenseitigvon
diesen internen Vorschriften und deren Abänderunoen Kenntnis
geberrsollen. Selbstverständlichkönnen sich diese internen Vor-
schriften nur auf die eigenenSchiffe e.tc.beziehen.
Der Vertrag enthält sodanngrundsätzlicheBestimmungenbe-
treffend den Zolldienst. (Art. 16ff).
Art lBordnetdenZolldienst in denzwischenden italienischen
und den schweizerischen Ufern liegendenGewässerndes westlichen
Armes des Luganersees. Bisher hatten sich die beiden Staaten
an einen modus vivendi gehalten, wonach die schweizerischen
Z'ollbeamtendie voni gegenüberliegenden Ufer kommendenSchiffe
erst untersuchten, nachdemsie gelandethatten; umgekehrtpflegten
die italienischenZollbeamten die vom schweizerischenUfer kom-
menden Schiffe erst in einigen'Metern Entfernung vom italieni-
schen Ufer anzuhalten und zu untersuchen. Die Schiffahrt er-
freute sich denn auch in diesem Teile des Sees grosser Freiheit,
und es hatte sich die - sehr verbreitete- Meinung gebildet, es
bestehe keine eigentliche Gerichtsbarkeitüber diese Gewässer
(vergleicheoben über die,,gemeinschaftlichen Gewässer").111)
Der Brauch beruhte aber auf keinerlei vertraolichen Rechts-
sätzen. Nach den allgemeinen Rechtsgrundsätzei wird in den
Fäl1en,wo die Gewässereines Seeszwischen Ufern liegen, die zu
zwei verschiedenenStaaten gehören, die Crenze zwischen ihnen
von der Mittellinie der Gewässergebildet; jeder Staat besitzt
die Ausübung der Gerichtsbarkeitbis zu dieser Grenzlinie.
Die erstenitalienischenVorschlägezu Art. 18 nahmendeshalb
folgerichtig in Aussicht, dass jeder Staat den Zolldienst bis zur
politischen Grenze ausübensolle. Bei Annahme einer derartigen
Regelung aber hätte, so sagt die Botschaft, die Schweiz die ge-
genwärtigeUebung aufgebenund entsprechendeMassnahmentref-
fen müssen. Diese tiefgreifendeUmgestaltunghätte jedoch für
beide Teile ernstliche,prahtische Unzukömmlichkeitenim Gefolge
gehabt, die leicht verständlich werden, wenn man denkt, r.vie
schmai diese Gewässer -- 450 bis 700 m - tatsächlich sind.
BBI 1923,III, 482 II.

t13
Zollschiffen, die sich an den Grenzen der Gewässer begegnen,
wäre'gewesen,
es in der Tat, vorzüglichin FäIlen von Verfolgungen,unmög-
lich GrenzverLetzungen und alle damit verknüpften An-
stände zu vermeiden.
Ferner musste auf die Bedürfnisse und Gewohnheiten der
UferanwohnerRücksicht genommenwerden, namentlich mlt Bezug
auf die Fischerei (wichtigste Erwerbsquellefür einige Dörfer).
Hinsichtlich dieser Fischerei sind die Gewässergemeinschaftlich
(siehe unten), d.h. die Uferanrvohnerkönnen nach Beliebendies-
seits oder jenseits der Grenze fischen. Durch nachteilige Zoll-
massnahmendurfte diese Fischereibefugnis nicht gestört werden.
Deshalb kam zwischen den Delegierten eine Einigung zu-
stande,und Art. 18 erhielt folgendeFassung:
,, ... die Scltift'e in den betreft'endenSeeteilen(schweizerische
unrl italienischeUfer) dürfen von den beiderseitigenZollbeam-
ten nur innerhaLbei.nerEntfernung von nicht mehr als 150 m
vom Ufer angeltalten und antersucht werden. Im Golf von
Lavena wird diese Entfernung auf 100 m verringert. In der
Enge von Lavena findet die Untersuchung von Schiffen nur
an Land. statt.('
Die Fischerei soll durch diesen Zolldienst so wenig als mög-
lich behindert rryerden. Die Hauptsache ist, dass die Mittellinie
als Grenze jetzt vertraglich feststeht; die Abweichungen,den Zoll-
dienst betreffend, liegen in der Natur der Sachebegründet. Der
Vertrag von Varese siegt über alle Bräuche und über den modus
vivendi!
Der Uebereinkunft ist ein internationales Reolement zfl-
gehängt, welches sozusagenIauter schiffahrtstechnislheBestim-
mungen enthält.112)
3. Fischerei.
Es sei lediglich auf die Ausführungen über die Fischerei in
den Tessinerflüssenverwiesen; die gleichen Bestimmungengelten
auch für die Seen.
4. Integrität der Gewässer.
Keine Vertragsbestimmungüber die Seen spricht von der In-
tegrität des Wassers und im Zusammenhangdamit von Vorschrif-
ten bei Seeregulierungen.lls)
Bei den Tessinerseen handelt es sich meistensum die phg-
sische Integrität. Theoretisch ist zur Seespiegelregulierungzu

ttal Es sei nur die einzic-eVorschrift in Art. 15 des Vertraqes von


1923 genannt: Verpflichtungäel Stanten, die Unterhandlungen iiber
clie Korrektionsarbeiten zur Rcgulierung dcs Wasserstandes fortzusetzen.

114
sagen,dass die Frage, ob ein oder mehrerean eineminternationa-
len See beteiligte Staaten von einem andern Uferstaat, in dessen
Territoriun der Abfluss liegt, die Erstellung von Regulierungs-
werken verlangenkönnen, verneint werden muss, so lange im Völ-
kerrecht der gegenseitigeGrundsatz positiver Hilfe nicht besteht.
Allerdings kann dadurch, dass der betreffendeStaat einerseits
vorher den Seewasserstanddurch gewisse Vorkehren in für die
mitbeteiligten Staaten schädigenderWeise beeinflusst,eine pflicht
zur Herstellung solcher Regulierungswerkebegründet werden.
Sonst aber und im allgemeinenkann eine solchePflicht wiederum
nur durch Vertrag festgesetztwerden.114)

a) Langensee.
Es wurden aut' Veranlassungder tessinischenftegierung in
ftont Erkundig,ungenüber das Proieht für die Erstellung eines

dasProieht zu. NachPrüfung ham man zumschlusse,dass die


beabsichtigtenArbeiten auf die Wasserverlttiltnissedes Langen-
seesvon Nschteil sein müssten,insbesonderedurch Hoclnuasser,
und. dsss ctuch die Fischerei geschtidigt würcle. Ferner würde
dadurch auch die lreie Schilfahrt aaf dem Tessin in Froge ge-
stellt. Der l(rieg verhindertedie Ausführung des Proiehtes.fln)
Betreffend die Erstellung dieses Kanals hätte ein Vertrag
abgeschlossenwerden müssen, wenn es zur Ausführung hätte
kommensollen.- Wegen Anlage eines Wehres am Ausflussedes
Langenseestauchtensodannimmer wieder Befürchtungenauf.116)
In der neuestenZeit handelt es sich oft um die Erstellung
von Kraftanlagenam See; dazu sind ebenfallsVereinbarungen mit
dem Nachbarstaatenotwendig;auchmachensich gewichtigeSchiff-
fahrtsinteressen
geltend, so z. B. diejenigen,die auf eine Verbin-
dung Tessin-Langensee-Po tendi,eren. 11?)

b) Luganersee.
Ein Projekt zur AbTeitungeines Gewerbe-und Bewässerungs-
kanales nach der Lombardei musste der Schweiz (Gebietsherr
über einen Seeanteil) zur Genehmigungunterbreitet werden. Der
Bundesrat liess aber erklären, er habe keine Veranlassunggehabt,
114)vergl. dazu Schulthess, 72.
115)BBI 1913, II, 213.
t t o ; B B I 1 8 6 3 ,I I , 5 0 2 ; 1 8 6 8 , I I , 3 0 1 ; 1 8 8 9 ,I , 5 3 2 ; D o k a 1 1 8 .
ttz; vergl. Wasserwirtschaft, X\rI, 1924, No. 10, S. 109.

115
sich darüber a) entscheiden. (Das Projekt war von privater vertraglichenRegelung:
Seite aufgestellt worden.)11.8) sen den Talweg als Gre:
Projekt betreffendNutzbarmachung
Ein italienisches der Was- dem allgemeineniniern::
serkräfte der Tresa und des Luganersees getährdete infolge der dernisse der Internatio:
vorgesehenen Stauung tessinischeGemeindenJle) Seennicht gut in Frage ,
Studien und Verhancllungen mussten,aut Einsprachemehrerer sen Stelle die mathena:
tessinischerGemeinden hin, fortgesetzt werden.1?0) Wie verhäit es si::.
zwei Auffassungengeg.
Nach der einen lieg.
der andern besteht ain
Während die Vertreteri.
schaft übel den See annc
sie einfordert und die belrotfenen Uferan'uvohnerreklamieren' ganzeSeegebietin dei u:
Die Darstellung der Verhältnissean den Tessinerseen führt ist nichL realiter qeteilt
uns eine reichlich komplizierte Eniwicklung vor Augen, die aber Frage steht ohne Ausne
doch zu einem befriedigendenAbschluss gelangt ist. Völker- Herrschaft der Ufersraai
rechtliche Grundsätze, die die Grundlage bilden, eriauben trolz- Schriftstellerverschiecie
dem Abweichungen,um die nachbarlichenVerhältnissenicht zu Der Bodenseeu-urc
starr, sondern rationell gestalten zu können. Die gegenseiiige lich unbestrittenerAuiias
Hoheit der Staatenist gewahri. Die Einschränkungen sind durch- den Grundsätzen über i:
aus gegenseitig. abizr unter der qeteilten
e" Der Bodensee. Ausnahmebildenl Der lt
Verträge, ein solches C,
Genau in gleicherWeise, wie bei den vorangehenden Grenz- von keiner Seite erbracr,
gewässern,wenn nicht noch ausführlicher,wären die Geschichte (Darnianscher Vertrag ii:
des Bodenseesund die aul ihn Bezug nehmendenVerträge und (AS 4, 285), Protokcll c
Abkommenzu besprechen.rXllein die auslührlicheMonographie mittelbar aus Bestimmur
von Doka (Der Bodenseeim internationalenRecht, 7927) enthe.bt d a s s ,w e n n a u c hn i c h t c . :
uns dieser Pflicht. Wollien wir den Bodenseein gleichemRah- mit det SeemitteOo.rr]c
men behandelnwie den Genfer- und die Tessinerseen, so bliebe der einzelnenGebietsflä
Mitte einfach auf Eint
Grund einer Vereinbarun
oder schiedsrichterliche
Doka stellt folgendeni
see aufschlussreichsind. ,,Es wird tecltttlsch .
den gegenüberlie gend et:
i. Die Grenze. zu verbinden,.clie -TIir.
Der Bodenseeliegt im Gebiet von fünf Staaten:Oesterreich, Scltnittpunht für die i,
Bagern,Württemberg,Baden und Schweiz. linie. Dqrnach ergibr s
Wo verläuft die Grenze? see erhobene deutsc/it
Für die Flüsse gibt uns das internationaleWasserrechtdie rechtt'ertigt ist. Dle :
Antwort: in der von den beidseitigenUfern aus mathematisch marhationslinie würde :,
festgestelltenMittellinie oder im Talweg. In Ermangelungeiner den und siclt als die -1
punhte verbindenden G
11s)vcrgl. RIll 1886,I, 485 und rcrgl. rvciter über diese Fragcn:
B B I 1 8 7 4r,, 2 7 5 ; 1 8 7 5I ,I , 3 6 5 ; 1 8 7 7I ,I , 1 3 9 ; 1 8 7 8I,I , 665. 1 2 1 v) e r g l . D o k a , 2 1 , H i
_
Ito; Btsl 1914,II, 358. Fussnote.u. ä. m.
tzo;BBI 1912, II, 358; 1913, II, 221; 1914, II, 741, 766. Doka, 81, r22)z. B. Rettjch in . . t
97tr hältnissc am Bodcnsce,,.

116

t
vertraglichenRegelungbezeichnetman heute bei schifibaren Fiüs-
sen den Talweg als Grenze. l)er Binnenseeunterstehtprinzipieil
dem allgemeineninternationalenWasserrecht,wenn er die Erior-
dernisse der Internationalität erfüllt. Da ein Talweg bei den
Seennicht gut in Frage kommenkann, tritt grundsätzlichan des-
sen Stelle die mathematischeMittellinie.
Wie verhäit es sich damit beim Bodensee? Es stehensich
zwei Aullassungengegenüber. 1?1)
Nacli der einen liegt die Grenzein der Mitte des Sees,nach
der andern besteht am See ein Condominium der ljferstaaten.
Während die Verireter der ersterenAuffassungeine geteilteFlerr-
schaft über den See annelrmen, befindet sich nach der zweitendas
ganzeSeegebietin der ungeteiltenHerrschaft der Uferstaatenund
ist nichb realiter geteilt. Die schweizerische Literatur über diese
Frage steht ohne Ausnahme auf dem Standpunkt der geteilten
Herrschaft der Uferstaatenüber den Bodensee,während deutsche
Schriftstellerverschiedene Auffassungenvertreten.122))
Der Bodenseewürde aber, da, wie oben gesagt,nach ziem-
lich unbestrittener Auffassung, die Binnenmeereund -s€efl ndch
den Grundsätzen iber die Grenzflüsse behandelt werden, diese
aber unter der geteilten F{errschaft der Uferstaaten stehen, eine
Ausnahmebilden. Der Nachweisnun, dass irgendwie,z. B. durch
Verträge, ein solches Condominiumgeschaff en worden sei, ist
von keiner Seite erbracht worden. Aus verschiedenen Verträgen
(DamianscherVertrag 1785, Uebereinkommen vom 24. Juni i879
(AS 4, 285), Protokoll der BregenzerKonferenz 1867) und un-
mittelbar aus Bestimmungender Schiffahrtsverträgefolgt aber,
dass, wenn auch nicht genau gesagtist, wo die Grenzeläutt, sie
mit der Seemittedoch identisch ist. Mangels einer FeststellLrng
der einzelnenGebietsflächendrängt sich eine Teilung nach der
Mitle einfach auf. Eine genaue Demarkationsliniebesteht auf
Grund einer Vereinbarungnicht; man wird sie aut diplomatischem
oder schiedsrichterlichem Wege bestimmenmüssen.
Doka stellt folgendenVorschtragauf (S. 47):
,,Es wird. techni.schvon Vorteil sein, fe einen Fixpunkl auf
d.en gegenüberliegend.en Ut'ern durclt eine Gerade miteinander
zu verbind.en;die .,I4itteied.er dieser Geraden bildet rlann den
Schnittpunltt für die hewte lediglich virtuell bestimmte Mittel-
linie" Darnach ergibt sich, dnss cLeraul den ganzenLTeberlinger'
see erltobene deulsche Souvertinitätsunspruchzweit'ellos ge-
recltlt'ertigt ist. Die im Konstanzertrichter aulgestellte De-
marhationsliniewürde in die Seelldchehinaus fortgesetztwer-
den und sich als die tVittellinie schlechtwegmit den di.e Fix-
punkte'verbindendenGeraden schneiden. Auf diese Art ge-
121)vergl. Doka, 24, Hilty, XXIX, 587, Reber, 88, Laband, I, $ 22,
Fussnote, u. a, m.
r22) z. ß. Iiettich in ,,Die völkerrechtlichen und staatlichen Ver-
hältnisse am Bodcnscc".

117
langt man, von Westen ausgeltend,zu einer belriedigendenTei-
sce nicht zum Gegensta
lung des Seegebietesbis in die österreichischeSouveränitäts-
den dürfte etc. Erst du
zone. Die ,,Seemitte'(hann nur Gelt,ungbe,anspruchen für die schweizerischenTeils so
Wasserflächezwisch.endem Nord- und Süduler bis zur öster-
schiendie Sachenicht kli
reichischen I nteressensphäre."
Auch das deutscheReichsgerichthat sich für die Ansicht ent-
schieden,in Uebereinstimmungmit einem Urteil des Landqerichtes
Idonstanz,dass die ,,Reichs- und Zollgrenze in die Mittellinie des
B,odensees verlegt sei." 123)
In der Begründunggeht das Reichsgerichtvon dem völker-
rechtlichen Grundsatz der entsprechendenAnwendung des Fluss-
völkerrechts auf die Grenzbinnenseenaus und betont in kurzen
Ausführungen,dass die geschichtlicheEntwicklung der Rechts-
verhältnisseam Bodenseegegen die Annahme eines Condomi-
niums und für die Lehre von der Gebietsteilungspreche. Das
Reichsgerichtwendet sich dann besondersgegen die Annahme
Rettichs, die Schweiz habe zu Beginn des vorigen Jahrhunderts massregelnveranlasstseh
aut ihren Gebietsanteilam Bodenseeverzichtetund schliesstsich - wohl geschaffen
7ip v
der Auffassungan, dassdie internationaleHafen- und Schiffahrts- Jee wären allerdings aus
ordnung vom Jahre 1867 und der badisch-schweizerische Staats-
vertrag vom Jahre 1878 über die Teilung des Konstanzer Trich-
ters die Gebietsteilung nach der Mittellinie zwingend beweisen,
ebensowie die militärischePraxis der Uferstaatenwährend des
Weltkrieges.
DiesesUrteil wurde von der AppenzellerZeitung vom 24. April
1924 (Nr. 97) in einem Leitartikel angegriffen, in dem behauptet
wurde, die kaiserlicheRegierungsei bis zum Kriegsbeginn(,,aLrs
imperialistischen Hiniergedanken")auf dem Standpunktder Con-
dominiumstheoriegestanden.
Diese Auffassungkann aber durch nichts bewiesenwerden.
Nimmt man diese Teilung an, so ergibt sich inbezug auf die
Neutralitäl f,olgendes:
2. Neutralität.
Der schweizerischeSeeanteilpartizipiert an der ewigen Neu-
tralität der Schweiz, denn gcmäss der Wienerkongressaktesowie
der Londoner Erklärung des Völkerbundsratesvom 15. Februar
7920 betrilft die immerwährende Neutralität das ganze Gebiet.
Die Folge davon ist, dass eine Verletzung der Seegrenzenicht
nur die Schweiz tangiert, sondern auch die Mächte, welche die Die militärischenTatsa
Neutralität anerkannten. Das Seegebiet unter schweizerischer für allemal endgültig jeden
Hoheit unterliegt einem besondernvölkerrechtlichenStatut. Wäre an eirr blosses,,übernaiion
der See aber nicht realgeteilt, sondern Condominium, so müsste _ Die deutschenund von
ja die Erstreckungder Neutralität auf das ganze Seegebietan- litärbehörden bewachtenm
genommenwerden. Die Folge wäre, dass kein Uferstaat ohne Krieg über den See bis zur
vorgängigeZustimmungFestungenamSee anlegenund derBoden- I21) Hilty, VlI, 474.
123)R. G. E. Band 57, S.368. R. G. in Strafsachen,I. Strafsenat; r 2 5 )f l i l t y , X X , 4 5 2 .
126)vergl. Reber, I47
Rcber, 149. fl
127)Lederle, Das Recht
d
118
s€e nicht zum GegenstandmilitärischerOperationengemachtwer-
den därfte etc. Erst durch den Weltkrieg ist die Näutralität des
schweizerischenTeils so recht in Erscheinung getreten. Vorher
schien die Sachenicht klar zu sein.
So schreibt Hiltg tz+; 1892, dass die Rechtsverhältnissedes
Bodensees nicht befriedigendgeordnetseien,und er bedauert,dass
der See nicht neutralesGebiet sei, wie es der Genferseevermöge
der Neutralisationbeider Ufer bilde, und dass das Gebiet ,,Tei-
ritorium der fünf Grenzstaatenbis in die Mitte" sei.
Ein im August des Jahres 1906 im ,,Schwäbischen Merkur,,
erschienenertendenziöserArtikel erinnerte daran, dass man vor
50 Jahren beabsichtigthabe,eine deutscheFlotte auf dem Boden-
seezu schaffenmit einemKriegshafenin Lindau. Hiltg tzs; meint,
dass die Möglichkeit einer solchen Massregelkaum zu be.zweifeln
wäre, doch würden die Schweiz und Oesterreichsich zu Gegen-
massregelnveranlasstsehen. Eine Kriegsllotte hätte - im prin-
zlp - wohl geschaffenwerden können; grosse Operationenzut
See wären allerdings ausgeschl.ossen.
Jeder Zweifel, der über die Auffassung einzelnerUferstaaten
und über die Rechtsverhältnisse am Bodenseejemals geherrscht
habenmag, musstein Anbetrachtder militärischenVerhältnisseauf
demBodenseewährenddesWeltkriegesverschwinden.Nähmeman
weiter ein Condominium an, so erstreckte sich die Gebietshoheit
der Schweizüber die gesamteFläche des Seesbis zu den Hafen-
anlagen von Lindau, Bregenz, Friedrichshalenund Ueberlingen.
Dann dürften Oesterreichund Deutschlandim Kriege den Seeweg
von Bregenzund Lindau nach Konstanz in den Unterseeund auf
den Rhein nicht benützen,da sie sonst die schweizerische Neutra-
lität verTetzenwürden, dürften von ihren Ufern aus keinerlei mili-
tärischeSchutzmassnahmen treffen,wären also eineswichtiqenVer-
kehrswegesberaubt.
Deutschland und Oesterreichwürden in der militärischen
Sicherungihrer Uler ausserordentlich beschränkt,in der Schiff-
fahrt ztm grössten Teil behindert sein. Täglich wäre im [(riegs-
fall die Verletzung des schweizerischen Hoheitsgebietesund der
schweizerischenNeutralität durch Unvorsichtigkeit mit allen ihren
völkerrechtlichenFolgen zu befürchten. 126)
Die militärischenTatsachendes Weltkriegesvernichtetenein
für allemal endgültig jeden Gedankenan ein Condominiumoder
an ein blosses,,übernationales Verkehrsgebiet"auf dem Bodensee.
Die deutschenund von Bregenzaus die österreichischen Mi,
litärbehörden bewachten rnit bewaffneten Schiffen den qanzen
Krieg über den See bis zur Mittellinie als Grenze.lel)
121)Hilty, VlI, 474.
tzr) Hilty, XX, 452.
126)vergl. Rebcr, 147 ff
127)Lederle, Das Recht dcr internationalen Gcs-ässer. 1920. 37.

I rv
Ohne Unterbrechung wurde sie gegenSchmuggelvon Lebens- fahrt auf dem Bodenst:
mitteln, Kriegsgerätund andern für Deutschlandlebenswichtigen paratu_rgelegenund zu:
Waren unter Kontrolle gestellt. Schiffstransporte mit Truppen rrnreKonstanz_Bregcnz -
und Kriegsgerätgingen unter peinlicherEinhaltung der deutschen Altnau erhielt Oas Scn.
Seehälfte von Konstanz nach Lindau hin und her. Selbst militä- Seedorf,Landschlacht) s_
rische Uebungenwurden auf ihr abgehalten Die deutschenZep- fen den Dampfer im Buc
peline und Militärflugzeuge hallen den Befehl, nicht über die stört wurde. personen1
Mitte des Bodensees hinaus zu fliegen.128) ergab, dass der befehls
DeutscheWachtschiffe übtenwährend des ganzenKriegesauf habe die Schweizergren
dem See bis zur Mitte eine militärischeKontlolle aus; von keiner nähert. Es stimmte zit-a
Seite rvurde dies als Neulralitätsverlelzungbetrachtet,die Schweiz Schiff etwa 500 m vom s.
Die SchweiT glf5qhrrtrti=
erhob keinen Einspruch.1ee)
Einc ernster.ü;;t:,
Anderseits wachten Schweizer Militärboote und Kontroll- vember 1914 englischeF
schiffe auf Einhaltung der Gebiets- und Neutralitätsgrenzein der gegendie Zeppelinwerit .
Seemitte. Waren deutscheUeberläuferauf die SchweizerSee- wie auf dem Rückweges
hälfte gelangt,so waren sie auf neutralesGebiet entkommenund länge von rund 110 [m .
durften von deutschenWachtschiffennicht weiter verfolgt werden.
Am 23. Novemberi,.
Int Weltkriege ereignetensich aber trotz der genauenInne- Gesandtenin London uu,
haltung der Grenzlinie mehrfacheNeutralitätsverletzingen.Ein der britischenund der lra
besonderesAbkommen betreffend die Anerkennung und Inne- festieren und Genugtr_r
haltung der schweizerischenNeutralität wurde aber nicht ab- den Zwischenfallunä sch
geschlossett.r3o) ger. zu., Im übrigen, sag
Bezüglichdes Anhaltensschweizerischer Lastschifteauf dem mehr als je Gewicht aui
Bodenseedurch deutschePatrouillenbooteund zwar at.jr Ent- wolle, dass diese durch ii,:
fernungenvom schweizerischen Ufer, die es als sicher erscheinen um das Gebietds1 L t u ! r !.-r
trirt^
liessen,dass der Eingriff auf dem unter schweizerischem Hoheits' Luftrauniträ"är"'
recht stehendenTeil des Sees stattfand, enthält der 5. Neutrali- . ^AuchEngland spraci
tätsberichtvom 15, Mai 1916131) die Mitteilung,dassder Bundes- Del lestzustellen,dass da.
rat deswegenin Berlin vorstellig gewordenund dass hieraut den Anerkennungeines nichi :
deutschenWachtbootender Befehl erteilt worden sei. sich bei Urundsatzes befreffenddii
ihren Dienstfahrtenorundsätzlichdiesseitsder Mitteilinie des Sees zogen werden könne. _
zu halten" Ebensoüurde bei den Probefahrtender Luftschitfe die dass er bei seiner Aufia,
Seemitte als Richtlinie eingehalten. gebietebefindlicheLuf tra;-
den StaatesunterworfenLi
Ferner wird im 4. Neutralitätsberichtvom 9. Sept. 1916132) kriegführenderStaaten in
mitgeteilt, ein aui dem schweizerischen Teil des Bodenseesver- als Neutralitätsverletzun.
hafteter deutscherDeserteur sei auf Grund der vom Bundesrat
eingereichtenBeschwerdevon der deutschenRegierungnach der
Schweiz zurückgesandtworden, nachdemer vorher in der Nähe
von Arbon von zwei Deutschen unter Anwendung von Gervalt
verhaftei und auf deutschesGebiet gebrachtworden war.
Im Dezember7977 ereignetesich ein anderer Zwischentall,
indem das badischeDampfschitf ,,Kaiser Wilhelm" eine Frobe-
tzs)Rcber, 148 ff.
l2e)$f11pp, Praxis und Theorie dcs \rR, 149.
130)Hilty, XXIX, 587. tar; Nach Zeitungsmclcl:
131,\
BBI 1916.II. 533.
132) . - 1 3 4 ) - v e r g lH. i l t r . , \ \ \ - l l l
BBI 1916,III, 519. und der Krieg, 33 ff, Rebrr. I_

124

h
fahrt auf dem Bodenscemachte,nachdemes in Konstanz in Re-

133)Nach Zeitungsmeldungcn.
_ .13a)--vc'rgl. -Hilt5., XX\rIII, 427, XXX, 339, Zoller, Das Yrjllierrccht
. rn r l d e r K r i e g , 3 3 f f - R c b c r , 1 4 9 .

121
dem Erdboden an der Staatshoheit des untenliegendenStaates betreffend Staatsluftfahr
entrückt ist. Die Engländer meinten, dass die Frage, ob die Palizei- und postveru.al
Gebietshoheit des Grundstaates den ganzen Luftraum in sich behaltensich die Staate:
schliesse,oder ob sie durch eine bestimmte Höhe begrenzt sei den oder aus Gründen c
und dort ihr Ende finde, offen bleibe, Frankreich dagegenaner- gewöhnlichenUmständer
kannte die Neutralität des gesamtenLuftraumes. gewissenTeilen desselbe
England und Frankreich vertauschtendamit ihre Rollen; Dieser Uebereinkun
denn es waren in der HauptsachefranzösischeGelehrte (Des- tralen Staatensehr zurüc
ouches und Fauchille), welche die Ansicht vertraten, dass die zelabkommen zu treffer.
Staatshoheitnicht den ganzen Luftraum umfasse.135) vom 74. September 192
Standpunkt standendie englischen (AS 38, 495), mit Fran.
Auf dem entgegengesetzlen
(AS 36, 190), mit den \
Gelehrten. An den Kongressenüber Luf trecht hatte England
immer die Ansicht bekundet, dass die Staatshoheit den ganzen Nach diesem ,,Abste
zum Bodenseezurück.
Luftraum umfasse und in dieser Beziehung keine Einschränkung
vertrage.- Auch die Deutschen(Niemeger)traten der französi-
schenMeinung entgegen. 5. Schiiii
Während des Weltkrieges anerkannten aber in einer Reihe
von Fällen die RegierungenDeutschlands,Frankreichsund lta- Ueber die Reqeluno
liens, dass der Luftraum über dem Gebieteeines neutralenStaa- Bodensee- und dämit 7L
Arbeit von Doka ausführ
tes von Fliegern kriegführenderNationen nicht durchflogenwer-
den dürfe, ohne dass die betreffendenRegierungengenugtuungs- so dass wir uns mit eir:
eventuell schadenersatzpflichtigwürden. Durch diese aus dem können.13e)
Kriege sich ergebendevölkerrechtlichePraxis und durch die aus Die Schiffahrt auf di
staatspolitischer Notwendigkeit heraus getroffene Entscheidung manu gestattet. Iede \.:er
des Bundesrateswurde der englischeVorbehalt hinfä11i9und die dern Parteienzu, dass C
handeltwerden wie die e
völkerrechtlicheFrage eindeutig gelöst. Der Neutrale darf keine
gilt ebenfallsder Gruncis
kriegerischenAktionen eines Kriegführenden im Machtbereichder
sen dementsprechenddie (
neutralen Staatshoheit dulden. Zum Machtbereich gehört aber
der andern Vertraqsparre
auch der gesamteLuftraum.136) -einze
polizeilicher. Art de-r
Diesen Grundsatz enthielt schon die Neutralitätsverordnung
vom 4. August 1914.137) den Behörden und nach
Bevor also die Praxis dem nun gelfenden RechtssatzeAll- folgt, auf dessenGebiet :
gemeingeltung verlieh, war der Bundesrat in der Ver'ordnung Deutsch-schweizeris_
bahnbrechendvorangegangen. die Rhein-Bodensee-schia
Nach dem Kriege wurde die Luftschiffahrt im Anschluss an Verträgen führen, die eine
die Pariser Friedensunterhandlungen durch eine Uebereinkunft die seinerzeitiqeFortfiihru
von 27 alliierten Staatenam 75. Oktober 1919 geordnet(in Kraft Bodenseezum Gegenstan
am 10. Juli 1922). Auch die nordischen Staaten haben ein Wirri das Ziel, der Au
Uebereinkommenabgeschlossen.AlIe diese Staaten haben sich Bodensee zu einem Grcs
das Rechtzu wechselseitigem Luftverkehreingeräumt. Ausnahmen Schweiz mit Baden einen
13ö)Revue g6n6rale de Droit Int. Publ. B 8, 1901, S. 418 ff und B
Kostenverteilung,die Frist
17, 1910,55. und Seinetechnischeund
136)Strupp, 829, 850. Haager Abkommen betr. die Rechte und
-neutralen werden sollen.140)
Pflichten der Mächte und Personen im Falle eines Land-
krieges, Art. 3 und 5. I3.)vergl. Hess, Schsr.e
taz; AS 1914, S. 353. ZiIIer 17b lautete: ,,Das Eindringen von Luft- 1 3 9r, ' e r g l . a u c h S t o t f e l .
fahrzeugen jeder Art vom Auslande her in unsern Luftraum ist ver- : r - n t e rl t e r t i c k s i c h t i g r r n g r l e r a ,
boten. Vorkommendenfalls ist es mit allen Mitteln zu verhindern und Waldkirch, 203,Reberi:;t, H:
zu diesem Zwecke auch rveiter zu mclden." t 4 o )v e r g l . N e u e Z ü r c h e r

122
betreffend Staatsluftfahrzetge, Heeresluftfahrzeuge,sowie Zoll-,
Polizei- und Postverwaltungslultlahrzeugesind vorgesehen.Aucb
behaltensich die Staatendas Recht vor, ,,ausmilitärischenGrün-
den oder aus Gründen der öffentlichenSicherheit"unter ausser-
gewöhnlichenUmständenden Luftverkehr über ihrem Gebietoder
gewissenTeilen desselbenzu verbieten.
Dieser Uebereinkunftgegenüberhaben sich die ehemalsneu-
tralen Staaten sehr zurückhaltendgezeigt und es vorgezogen,Ein-
zelabkommen zu treffen (2.8. deutsch-schweizerischerVertrag
vom 74. September1920, AS 37, 25; Abkommen mit Belgien
(AS 58, 495), mit Frankreich (AS 56, 25), mit Grossbritannien
(AS 56, 190), mit den Niederlanden(AS 42, 515).138)
Nactr diesem ,,Abstecher" ins Luftrecht kehren wir wieder
zum Bodenseezurück"

3. Schif f ahrt und Fischerei.


Ueber die Regelung der Schiffahrt und der Fischerei im
Bodensee- und damit zusammenhängend im Rhein - ist in der
Arbeit von Doka ausführlichund abschliessend referiert worden,
so dass wir uns mit einer kurzen Zusammenfassungbegnügen
können.r3e)
Die Schiffahrt auf dem Bodenseewird grundsätzlichjeder-
mann gestattet. Jede Vertragspartei(5 Staaten) sichert den an-
dern Parteien zu, dass deren Schiffe und Ladungen gleich be-
handelt werden wie die eigenen. Für die Benutzung der Häfen
gilt ebenfallsder Grundsatzder Gleichbehandlung, und es müs-
sen dementsprechend die Gebührenfür Inländer und Angehörige
der andern Vertragsparteiendie gleichen sein. Uebertretungen
polizeilicherArt der einzelnenVertragsbestimmungen werden von
den Behörden und nach den GesetzendesjenigenLandes ver-
folgt, auf dessenGebiet sie begangenwerden.
Deutsch-schweizerisch-französischeVerhandlungeninbezugauf
die Rhein-Bodensee-Schiffahrtwerden, laut Zeitungsberichten,zu
Verträgen führen, die einesteilsAusbaufragenregeln, anderseits
die seinerzeitigeFortlährung der Schiffahrt von Basel bis zum
Bodenseezurr, Gegenstandhaben.
Wirci das Ziel, der Ausbau des Oberrheinsvon Basel bis zum
Bodensee zu einem Grosschiffahrtsweg erreicht, so wird die
Schweiz mit Baden ,einenVertrag abschliessen,durch den die
I{ostenverteilung, die Frist für die Ausführungdes Unternehmens
-rnd Seine technische und adminisfrative Förderung festgesetzt
'.,,'erden
sollen.140)
13!')vergl. H e s s, Sch*'eiz. Luftrecht, 1927.
139)vergl. auch Stoffel, Die Fischereiverhältnissc des Bodensees
.nter Beräcl<sicl'rtigung dcr an ihm bestehenden Hohcitsrcchte, 1906.
''-aldkirch, 263, Rcber, 271, Hiltv, XXIX, i187 fll
140)vergl. Neue Zurcher Zeitung vom 23. April 1929.

123
Die Eisenb

Die Mission der Ei_:


t i g k e i te r s c h ö p fst i c hn a r : :
staatsgebietes aufzuhürcr.

Bodenseevom 22. SePtember1887-


vom 5. Juli 1895'
5. Die Fischereiveieinbarung
4. vertrag über die Beurkundungvon Geburts-und Sterbefällen
auf dem Bodenseevom Jahre 1880.
DieSchiffahrts-undHafenordnungistmehrfach,meistin
technischenBestimmungen,abgeändertworden.
2) vcrgl. auch Gareis,
Il:
'.2'
IV.Kapitel.

Die Eisenbahnen
an der Grenze.

$e .
Allgenneines.')
Keine Verkehrsanstalthat vermöge der durch sie herbei-
EeführtenUeberwindungvotl Zeit und Raum so sehr wie gerade
die Eisenbahn dazu beigetragen,die Idee zu kräftigen. dass die
Völker nicht voneinanderabgeschlossen sein können,sonderndass
sie durch ein gemeinsamesorganischesBand miteinander ver-
knüpft sind.
Die Mission der Eisenbahnenist eine universelle. trhreTä-
tigkeit erschöpftsich naturgemässnicht darin, an der Grenzeeines
Staatsgebietesaufzuhören;sie sind ihrer innern Natur nach für die
geographischen Grenzmarkenunempfindlichund von Launen und
ZufälIigkelten politischer Abgrenzung unabhängig. Damit aber
der Zweck der Eisenbahnenerfüllt werden kann, ohne dassin das
Gebiet der einze.lnenSlaaten rechtswidrig eingegriffen wird, sind
die Staatsverträgenötig. Ueberall da, wo eln Staat in einem
andern Staateeine Eisenbahnbauenoder betreibenwill, oder da.
wo bloss das Teilstück einer EisenbahnanstaltzwischenCrenz-
gebietenzweier Staatenliegt, oder da, wo eine Eisenbahnbtoss
auf das Terrain eines Nachbarstaatesausmündet,bedarf es der
internationalenVertragsiätigkeit. Es muss der beteiligte Staat
über die Zulässigkeiider Eisenbahnbauten gefragt werden,rzsbe-
darf einer Ueberwachungder erstelltenBahn, und es ist nötig,
eine Verständigungüber die Art des TransportbetrieL,es, tiber die
verschiedenen Interessender Zolltragen, der Polizei, über die Be-
handlung der Post- und Telegraphenadministration und über an-
dere Fragen mehr zu erzielen.2)
1) r.elgl. Bulmclincq in X'IarquarrlsensIfandbuch dcs öffcntlichen
f:lci:tr_1, 2, S.!6!77; Cah'o, Droit internat. II, b14/20; Field, projct.
2ö5_,ff;Martens, \'ölkcrrecht, II, 26-l;Hcfftcr, \rölkerrccht, g241; tsluntschli.
\-rilhcrrecht, 32; tr{eili in Floltzendorffs Handbuch cles\iblkerirechts. III.
2 5 7 - 3 1 5 ; I a p r a c l e l l e , 2 6 51 T S
; t r e u l i , D i c K o m p c t c n z a u s s c h c i d u n gz s ' i s c h c i r
R u n d u n d K a n t o n a u f d e u r G c b i e t e d c s E i s c n b a h n \ \ : e s c n s ,S , - l ; . 2 1 . : : ü
-1.a. rn.
2) vcrgl. auch Gareis, Instit. des VR. S. 189.

I:C
Ohne Cooperation und gegenseitigesIn-die-Hände-atbeiten , Zuvörderst können
der Staatenin dieser Verwaltungssphärekönnen die legitimen Be- 1. VerträgeüberBau u
dürfnisse der Untertanen nicht befriedigt werden.e) flnlen.
2. Verträge über die tt
Diese mit dem Eisenbahnverkehrzusammenhängenden Rechte bahnlinien.
und Pflichten entspringen,wie wir oben schon gesehenhaben,
dem Grundrecht der Staaten auf Verkehr.a)
Die Organisationdes Eisenbahnverkehrsgeht in zwei Stadien
vor sich. Zuerct einmal wird das Netz im Innern des Landes
geschaffen, die Grenze gilt gleichsamals die vorgezeichneteUm'
rahmung diesesNqtzes. Dann aber, in einer zwelten Phase,er- In dieserArbeit hab
folgt die internationaleOrganisationdes Verkehrs; die Grenze,ob' nannten Verträgen zu be
wohl immer noch als Endpunkt des nationalen Netzes betrachtet, rolgt einteilen:
wird durchbrochen:,,est tenue pour un lieu de voisinageet de
relations".s)

herrschteund man nur das Wohl der eigenenLandesbewohnerim


Auge hatte.6)
In den ersten schweizerischenVerträgen (mit Baden vorn
Jahre 1852) ist uns ein solchesMisstrauen nicht begegnet. Wohl
wurde sehr ausführlich alles Mögliche angeführt und ange'ordnet,
aber durchaus in einem freien und offenen Geiste, und die Vor-
teile einer Zusammenarbeitmit dem Ausland werden wohl ein-
gesehen.
Inr Anfang waren es meistensVerträge, die den Zusammen'
schlussvon Eisenbahnverbindungen regelten; später wurden ge-
meinsamBahnengebaut und im Zusammenhang damit internatio-
nale Stationen geschaffen.z)
Wie gesagt,um eine Zusammenarbeitzu ermöglichen,müssen
Verträge abgeschlossen ll'erden. Wir möchten uns hier nicht in
die Streitfrage einmischen, von wem sie abgeschlossenwerden
sollen.8)
3) Martens, II, 230 und Waldkirch, 251 und 214.
+; ,,Die \rrilker der internationalen Rechtsgemeinslhqft sind ver-
o f l i c l r t e t . "d e n E i s e n b a l r n e n A n s c h l ü s s e z t t g c w ä h r e n . E s i s t d i e s e i n c
k o n r e q u e n t d e s R e c l r t s a u f i r t t e r n a t i o n a l e nY e r k e h r . M e i l i ' 2 5 7 f f '
5) Lapratlelle, 265'
a) vergl. z. B. die Yerträge zwische! Frankreich und- Belgie^nvom
26. Aug. 186"2,zrn'ischen Frankieich und Preussen vom Jahre 1862'
?) Der Gotthardvertrag bildete den A-nfang einer- Reihe solcher
Verträje. Wir werden im Folgenden die-Verträge nicht nach diesen,
mehr äusserlichen Gesichlspunkten aufzählen.
s) siehe Steuerhoheit der Beamten'

126
. Zuvörderst können wir einmal unterscheiden:e)
1. verträge über Bau und Betrieb von internationalänEisenbahn-
linien.
2. vefiräge über die technisch,eEinheit der internationalenEisen-
bahnlinien.
5. verträge über die pekuniäreunterstützung einer für den inter-
nationalen Verkehr bedeuüendenEisenbähnfinie.
4. Verträge über das internationale Eisenbahnprivatrecht.
5. verträge über den internationalenStrafrechts'schutz der Eisen-
bahnen.
In diesär Arbeit haben wir uns vor allem mit den sub 1) ge-
nannten verträgen zu befassen. Diese lassen sich wiederum wie
folgt einteilen:
1. Vedräge über.die Verbindung (Bau) des inländischenEisen-
bahnnetzes mit dem des benachbarten Staates.

4. verträge riber_uebernahrneund verwaltung eines Betriebes


auf fremdem Staatsgebiet.ro1
-. . Die .unter 5) eingereihtenVerträge lassen sich weiter spezi-
fiziercn in:
a) Verträge über die Besorgung des Zoll-,
b) des Polizei-,
c) des Post- und
d) des Sanitätsdienstesauf den Bahnhöfen.
Diese Aufzählung ist eine rcin theoretische. Wollten wir ge-
nau nach ihr verfahren,wir würden alle die erwähntenverschiede-

727
Es ist daher nicht möglich, die Verträge so einzuteilen,wie Dic Bundesversa
wir oben angedeutethaben; sie müssenhier nach andernGesichts- Eisenbahn verweigerr:
punkten dargestelltwerden. .trrdgenossenschaft ver-.
Wie war die Entr,;:
Wir werden das Gemeinsame,das aus all den vielen Ver-
. ^It Art. 2 des BC
und in einenZusammenhang
trägen ersichtlichist, zusammenstellen im GebietcOer EiOg;r_
bringen. Soweit es uns gelang,wollen wir die Praxis darstellen, der Bund das Rechtäei_
die sich im Anschlussan diese Verträgegebildet hat, indem wir nonzessionfür Eisenbi.i
die zu unserer Kenntnis gelangten ,,Fälle" an den Vertrags- r,rlvaten zunächst
bestimrnungenmessen. voi-
sund behielt sich
zu.ai
Geschichtliche Erörterungenüber die Entstehungder Verträge wre beschränktaber
cliis
und über die Eisenbahnpolitikwerden nur, wenn sie zur Erläute- vor,. der bestimmte,
das
rung der Verträge etwas beitragenkönnen,herangezogen. ob durch c:.
flflen..sel,
cre militäriscfrenin
Die Schweiz ist wie kein zweites Land in der Lage, uns te.es
oen.^ Lagen in dieser
Material zu verschaffen,sind es doch vier Staaten,die sie nm-
pflegt, d. h. mit {]rc uenehmigungtJes Ä.
geben und mit denen sie Verkehrsbeziehungen Bu
denen sie Eisenbahnverträge abgeschlossen hat. ,, _t? t,rkenntnjsder
No_twendigkeiteiner
ol9nq erst durch, als \-er
mif cjj.
DeutschenRei;:
$ 10. -dsm
von Nord nactr Suo
mii'i
Drl._h den Staatsi.c;-
Eisenbahn und Terriforialhoheit. ,^ ,
tember 1869.151ri

Der Bund hat die Terriiorialhoheit. Aus ihr leitet er die I:"f i,"it,.',
;,,#;ä.ff.:
y::9.:" demBunde
Eisenbahnhoheit ab, indem er vorschreibt,dass für den Bau und sesen
welche nach "der;r
Betrieb von Eisenbahnenauf schweizerischem Gebie[e in jedem :1,u-gnn,
einzelnen Falle eine staatliche Konzession ertorderiich sei, d h. 3i9nlt .Linien den I{ani.
öa.hnlinie, bei wetctrer i:-
neben dent Recht des Staates,selber Bahnen zu bauen und zu be' es natürljch:
treiben, kann diese Befugnis auch Privaten übergebenwerden.11) :l[n!,ging
v9n
l^u,,,r11...
rrur len Gr engen
Bei der Ordnung der Eisenbahnanschlüsse ans Ausland, so ernem_Schlage
hätte rnz
bestimmtweiter das Gesetz,hat der Bundesratdie Ansichtender trommen. 1z)
Regierungender Grenzkanlonebezüglichder festzustellenden
tragsstipulationen und der Interessen der Grenzortschaften zu
12)
Ver'
,',,?li[.Ti: äJl;;,
vernehmen. dje bisher von
ouneessacheerkJärt, de:
::].:_h,nn,
Das geschiehtin jedem Falle, ob der Bund oder ein Privater -jeJc
baut. Der Bund wird die Eisenbahnverbindungen zu entwickeln lgl-one bei den vorbcieitci
und zu vermehren suchen, ,,insbesondereden Bestrebungen,im *lT1rng wurde dem unh:
nonzessionen
Osten, Zentrum und Westen der schweizerischen Alpen die Ver- durch die I{ai
:mg durch den Bund,
kehrsverbindungender Schweiz m1t ltalien und dem Mittelländi- jcnen Interessen lr..i*
schenMeere nt verbessern, möglichsteFörderung angedeihen".. q-nKonnte,ein durch die z
(Art. 3, Abs. 1.) Der erste Satz gilt natürlich heute noch, wäh- Ende geflar
rend der zweite seine Verwirklichung mehr oder weniger gefunder j':lrnrjYnn zu ertei16n.
hat vergl.Art. 3 Äbs. II
,runtn.,
11)vergl. Art. I des BG über dcn Bau und Betrieb der Eisenbahner
auf dem Gebiete der schweizerischen Eidgenossenschaft vom 23. Dez l3) +! { a. F. 170
,r) Äs
1 8 7 2 .( A S . 1 1 , S . 1 . )
10,555.
16)
.\s 10, ;8:1.
12) Art. 2. Abs. 2. ,,t vergl. Strerrli.
. S ._ 1 2l l .
Die Bundesversammlung kann aber die Konzession erner
Eisenbahn verweigern, urelche die militärischen Interessen der
Eidgenossenschaft verletzt"rr)
Wie war die Entwicklung,die zu diesenGrundsätzenführte?
In Art. 2 des BG über den Bau und Betrieb von Eisenbahnen
im Gebieteder Eidgenossenschaft vom 28. Juli 18521a) überliess
der Bund das Recht denKantonen,indem bestimmtwurde, dassdie
Konzessionfür Eisenbahnunternehmungen von Gesellschaften oder
Privaten zunächst von den Kantonen auszugehenhätte. Der
Bund behielt sich zwar die.GenehmigungdieserKonzessionvor;
wie beschränktaber diese Genehmigungwar, ging aus Art. 7 her-
vor, der bestimmte, dass bei dieser Genehmigung vor allem zu
prüfen sei, ob durch die Erstellung der betreffendenEisenbahn
die militärischenInteressender Eidgenossenschaft verletzt wür-
den. Lagen in dieser Beziehungkeine Hindernissevor, so war
die Genehmigungdes Bundes zu ertellen.
Die Erkenninis der UnhaltbarkeitdiesesZustandesund der
Notwendigkeit einer Vermehrung der Kompetenzen des Bundes
drang erst durch, als die Schweizsich anschickte,in Verbindung
mit dem DeutschenReiche und Italien eine internationaleLinie
von Nord nach Süd mit Durchtunnelungder Alpen zu bauen.
Durch den Staatsvertragder Schweizmit Italien vom 15. Sep-
tember1869,15)dern am 28. Oktober18711{r)auch das DeLitsche
Reichbeitrat,in weichemder Bau der Gotthardbahngeregelt."vurde,
wurderrdemBundegegenüberder Gotthardbahn Kornpetenzen iber-
tragen, welche nach dem bisherigen Eisenbahngesetz gegenüber
andern Linien den Kantonen zustanden. Bei dem Bau einer
Bahnlinie, bei welcher internationale Verhältnisse in Betracht
kamen, ging es natürlich nicht an, die Regelungihrer Rechtsver-
hältnissevon den engenGrenzen der Kantone abhängigzu tnachen.
Mit einemSchlagehatte man nun ein doppeltesEisenbahnrecht be,
kommen. 17)
Durch den vorher zitierten Art. 1 des neuen Gesetzesvon
1872 wurde die Konzessionserteilung, sowie die Erneuerunqvon
solchen,die bisher von den Kantonän erteilt worden warci, zur
Bundessacheerklärt, jedoch unter Mitwirkung der beteiliEten
i{antone bei den vorbcreitendenVerhandlungen.Durch dieseBe-
:tlmmung wurde dern unhaltbaren Zustande der Erteilung der
,ionzessionendurch die l(antone und der nachherigenGenehmig-
,:ng durch den Bund, welche ja nur bei VerTetzungder militäri,
.:hen Interessendurch die zu erteilendeKonzessionversacltrver-
in konnte,ein Ende gemacht. Von jetzt an hatte cler Brlncl Cie
-rnzessionenzu erteiTen.
tB) vet-gl. .\rt. 3 Abs. II tles Gcsetzes und Artikel 21 Bunrlcsr-r:.
: r.1llg.
14)AS 4 a. F' 170.
rs) ÄS 10, 555
16)A:j 10, i)tj3.
1i) \'ergl. Streuli, S. 22 fT.

rl\)
Eisenbahnenwerden von fremden Staaten auf schweizeri- Baden den ungesto,:
schemGebietegebaut und betrieben;schweizerische Eisenbahnen scltweizeriscltem Gt :.
liegen auf dem Territorium fremder Staaten und ihre Leitung
liegt in schweizerischenHänden; Bahnverbindungenzweier Län- , .. .Baden baut die Ba.:
der treffen sich auf schweizerischem oder ausländischem Boden; orucrrlich^(Art 2) und
;
das eine Mal steht ein Bahnhof, von beiden Ländern gemeinschaft- dtschen Gebiets auf
se:
lich benutzt, auf dem Gebietedes einen, dann wieder auf dem Ge-
biete des andern Siaates. Die Botschaft beme:
Das eine Mal ist es die Schweiz,das andere Mal der fremde,
ausländischeStaat, die erhöhte Verpflichtungenauf sich nehmen,
dafür' aber auch Rechte ausüben dürfen, die sonst thre Gesetz-
gebungennicht vorsehen.
Wenn wir einmal absehen von den Einschränkungenund
Rechteninbezug auf die Steuerhoheit,die Strafhoheit,die Polizei-
hoheit etc., so bleibt vorerst einmal die Belastung des Bodens, des
Gebietes,die Einschränkung der Territorialhoheit, um negatl zu
sprechen,die durch die Erstellung von Bahnbauten,Tunnelanlagen,
Bahngebäudenentsteht. Diese Belastung schien im Zeitalter der
aufstrebendenEisenbahnpolitik der Schweiz keine allzu grossen
Inkonvenienzenzu bringen. Viel mehrwert schienderNutzen,den sie,
infolge der Bahnverbindungenmit den vier Nachbarstaaten,da- ^
Nachdem der Bundes
raus zog. Leiteten diejenigen, die diese Verbindungen mit dem oann auseinander gesetz:
Ausland zustandebrachten, vor allem wirtschaftliche Gründe (die
in dieser Arbeit nicht Erwähnung finden), so waren es auf der
andern Seite militärische Bedenken, die einer at freigebigen
Eisenbahnpolitikentgegen standen. Einmal ails dem Grnnde,
weil die Schweiz in ihrer exponierten Lage nicht noch alle ihre
Grenzen weit aufmachen sollte, um eventuellen feindlichen Ein-
brüchen des Auslandesin leichtfertiger Weise die Tore zu ötfnen.
Dann aber auch deshalb, weil der ausländischeStaat, wenn er
wichtige Bahnstreckenund Bahnanlagen,die in die Schweiz füh-
ren, in Händen hätte, jedwede Aktion von Seiten der Schweiz
unterbinden könnte.
Ueberdiesist im allgemeinenzu sagQn,dass jedes Land seine
Souveränität über sein eigenes Gebiet nicht ohne weiteres ein-
schränkenlässt und dies nur tut, wenn zwingendeGründe es dazu
veranlassen.Daher ist in der Schweiz jederzeit, sowohl vom wirt-
schaftlichenwie vom militärischen Standpunkteaus jede Bahnver-
bindung und jeder Bahnanschluss mit dem Auslandeaufs sorgfäl-
tigste geprütt und diskutiert worden. Wir wenden uns zuerst
ihnen zu.
Der erste Eisenbahnvertragra)spricht deutlich aus:
,,Die SchweizerischeEidgenossenschaft,unter ausdrüclzlicher
Wahrung ihrer Hoheitsrechte, sowie derfenigen der Kantone
Baselstadt und Schalfhausen,überlässt dem Grossherzogtum
1s)Vertrag betr. Wciterfährung der badischen Eisenbahnen über
schrveizerisches Gebiet vom 27. Juli/l1. August 1852. AS 3 a. F. 438. le) BBI 1852,l1I,
77 i82.
lCU
Baden den ungestörten und ungehinderten Betrieb der auf
schweizerischemGebiete bet'indlichen Bahnstrecken." (Art. 9.)
Baden baut die Bahn (Art. 1); es verpflichtetsich dazu aus-
drücklich (Art 2) und übt den Betrieb wie auf den Strecken ba-
dischen Gebiets auf seine I{osten aus (Art. 10).

Die Botschaft bemerkt dazu:1e)


,,Es Iiegt aut' der Hand, dass Baden nur unler dieser Bedin-
gung (unbehinderter und unbehistigter Betrieb von Seite der
Schweizl aul die Weitert'ühr,ungseiner Eisenbaltn über schwei-
zerischesGebiet(Mannheim-Basel und Basel aufwärtsnachdem
Bodenseeüber schweizerischeGebietsteile) eintreten und dass
ein derartiges Eisenbahnunternehmenlür die bqdische ftegierung
nur dann einen Sinn haben lzonnte,wenn dasselbesich sowohl
in der Ausführung als im Betrieb als ein einziges ungeteiltes
Ganzes darstellen, und wenn der Wechsel des Territoriums
nicht auch zugleich eine Stör,ung in den Bau- and Betriebs-
bedingungen mit siclt bringen würde.((

Nachdem der Bundesrat die wirtschaftlichen Vorteile dieser


Bahn auseinander gesetzt,schreibt er weiter:
,,Was die militärischen Rücksichten betrifft, so will es uns
im allgemeinenscheinen,dass solche haum in Betracht hommen
leönnen, wenn nicht ein str.ategischerP,unht, ein Festungswerk.
oder dergleiclten,in den Bereich der Bahn lällt und durch sie
wirklich geföhrdet wird. Den Werhen des Friedens gegenüber
müssengewiss die Rüchsichtenlür die Zeiten des l(rieges auf
das kleinste lllinimum beschränh,twerden, sonst wäre am Ende
iede Verbindungsbahnvon einem Staate zum andern aus slra-
tegischenGründen zu verhindern. ,Aftt Beziehunguuf den vor-
liegenden FaIl scheinen uns aber militärische Bedenhen ganz
unstatthaft zu sein, da die berührten Gebieteienseits des Rkeins
ausserhalbder Verteidigungsliniesich befinden, welche man im
Falle eines l{rieges au.s wohl gerechtfertigten mil.itärischen
Rüchsicltten sot'ort preisg.ebenwürde; dieselben iecloch trm-
gehehrt aus den gleiclten militärischen Rüchsichtender Vorteile
der Eisenbahn verluslig erhlären wollen, dus wird wohl nie-
mandemeinfailen."

Die Schweiz gab somit den Durchpass"durch die Kantone


3aselstadt und Schaffhausenfrei. wofür sie von Baden in Zoll-
="achen ein doppeltes Zugeständnis erhielt: einmal den zollfreien
Surchgang zwischen den schaffhauserischenEnklaven und an-
:ern durch badisches Gebiet getrennten schaffhauserischenGe-
:-etsteilen, und zweitens die Abschaffung der Rheinzöl1e von
le) BBI 1852, 77182.

731
Konstanzbis Schaffhausenund Basel nach Vollendungder betref- Grenze(Art. g). Aucr
fenden Bahnstrecken. 20)
k. u. k. österreichisch
Im Vertrag betreffend Weiterführung der badischenEisen- nichts an der bezeici--
bahn durch den Kanton Schaffhausenvom 30. Dezember185821) Eine weitere Ba:-:
heisst es in Art. tr: treffend die Verbini:::
,,Dia grossherzoglichbadischeftegierung verpt'lichtetsich, die grossherzoglich-badis
F ortsetzung der grossherzoglichenStaatseisenbahnvon WakJs- c:_
hut in der Richtung nach l(onstanz durch den Kznton Schaff' Art. 1:
httusen, solcrn nicht attsserordentliche Hindernissr eintrclen, ,,Die in Ausfühtt,.
innerhalb der kantonalen Grenzen binnen drei Jahren aut' ihre naclt l(reuzlingen r l.
herzustellen und in Betrieb setzen zu. lassen." derselbenmif ller E
Kostert I(onstanz in clirel::s
Art. 2:
Art. 4:
,,Der Betrieb cler I
ein einheillicher sr,,:
lässt für diesen Z:r ,
handen des I(onzess:
rische Gebiet verlassensoll." aer auf badiscltemG.
Auch dieseDurchquerungschweizerischen Gebieteslag in det . AIso das Gegente
im wrr, resp. die schu.erz
Natur der Sachebegründet. Es sind keine Bahnverbindungen
Sinne,sondern geschlosseneausländischeBahnsgs_teme, Bahnenauf ausländisch
eigentlichen
rjl Staatsvertragbetrr;:
diö aber aus notwendigentechnischenund wirtschattlichenGrün-
den ihr Trassö über Schweizergebieterstrecken rnüssen. Dass tsrsenbahnen bei Singer
dadurch auch die von der Bahn betroffenenschweizerischen Ge- Art. 1:
biete Nutzen daraus ziehen,ist augenscheinlich. ,,Beide Regierungt,
Bahnverbindungen lernenwir in folgendenVerträgenkennen: schenund die buliirit.
Irir Staatsvertragmit Oesterreichund Bagern über die Her- Wintertltur über Etzt: t
stellung einer Eisenbahn von Lindau über Bregenz nach St. Mar- einc Abzweigungrott t
grethen,sowie von Feldkirch nach Buchs (die sog. Bodenseegür- Konstqnzin unmitttlü,:
felbahn) vom 27. August 1870.22) Es soll, gemäss F'rtikel 1, Art. 5:
eine Eisenbahn von Lindan nach Bregenz und von dort nach ,,Der Betrieb cler lst
St.Margrethen zur Verbindung mit den Vereinigten Schweizer' sein. Zu diesem Zy,.
bahnenund eine Bahn von Feldkirch nach Buchs, gleichfallszum sc,hweizerisclten Bunde:
Anschlussan die Vereinigten Schweizerbahnen, herEestelltwer' ung-sgesellscltafl
liir i
den. Es handeltesich somit tm eine Verbindungder drei Boden- B0hil aurh die I(onzcs:
seeuferstaaten.23) Strecke Landesgrenze_
Der Betrieb dieser beiden Anschlussbahnen geht folgender- w eile n - Ko nstaizer _Bti
rnassenvor sich: Der Betrieb der auf schweizerischem Gebiet
gelegenenStreckenvon der schweizerisch - österreichischenGtenze
bis St.,Uiargrethen und Buchsist der Vorarlbergerbahn übertragen,
ebenso auch der bagrischeTeil: Lindau-bagrisch-österreichische
20)Vertrag zrvischen der Sch*'eiz und Baden äber- gcgenseitigo
Zollfrciheit auf--l<urzen\rcrbindungsstreclictr zu Landc und über Regc- -
Iung und gegenseitigeärnrässigung-iler beidcrseitigen schiffahrtsabgahen tr)
auf'-der Rheinstreckc von l{oi.rstanz }lis Basel cinschlicsslich vom 27. Bundesbesch
\orartberg " ;egrl . B a h n d u r c l r
Juli 1852 (BBl 1852, IIl,77. AS III, 475, \\tolf II, 79i). 1E84, I, 426.
dis
zr) RBI 1tt59,I, 85, AS 6, a. F. 204.
zz) Bnt 1869; IiI, 612, 1870,III, 905, AS 10, a. F. 380, \volf, -IL 912. ll) {l.tg, a, F. 427,\\-oi
ze)vcrgl. auch Schollcnberger, Die Schrveiz seit 181tj,S. 221. :g)P.P.l1873,
rrr,rb,.ri
27)tstsl
1875, III,',l3i. .i
grossherzoglich-badischen Staatsbahnvom 70. Dezember1870.25)
Art. 1 :
,,Die in Auslührung begriflene Eisenbahn von Romanshorn
nach l(reuzlingen (Kantonsgrenze) soll durch die Fortselzung
derselbenmit der BadischenStaatsbqhnund clem Bahnhofe zu
Konst,anzin direlete Verbindung gebracht werden.,,
Art. 4:
,,Der Betrieb der Baltn von Romqnshorn bis I{onstanz soll
ein einheillicher sein. Die grossherzoglichellegierung über-
lässt f ür diesen Zwech der scltweizerischenQeqierung zu-
handen des I(onzessians-Inltabersder Seetalbahn den Eetrieb
der aut' badischemGebiet gelegenenStrechen, samt Zugehör.(,
Also das Gegenteil zum obigen Vertrag mit Oesterreich:
wir, resp. die schweizerischeGesellschaft,bauen und betreiben
Bahnen auf ausländischem Boden. - Ebensoist dies vorgesehen
i:l Staatsvertragbetreffend die Verbindung der beiderieitigen
Eisenbahnenbei Singen und bei Konstanz vom 24. Mai 1825.26)
Art. 1 :
,,Beide llegierwngen hommen überein, dass die scltweizeri-
schettund die badischenEisenbahnendurclt eine Eisenbahnvon
Winterthur über Etzweilen and Ramsennach Sircgenund durclt
eine Abzweigung von Etzweilen aut' dem linhen Rheinafer nsch
Konstanz in unmitttlbare Verbindung gebracht werden.,i
Art.3:
,,Der Betrieb der beiden Eisenbahnen soll ein einheitticher
sein. Zu diesem Zweche wird badisclterseits der von den
schweizerischenBundesbehördenleonzessionierten{Jnternehm-
'für
ungsgesellschalt die Winterthur - Singen- I(reuzlingen-
Bahn auch die l(onzessionder auf badischemGebietegelegenen
Strecke Landesgrenze- Singen übertragen und für die Elz-
weilen-l(onstanzer - Bahn die ll4itbenutzung des I(on.stanzer
Bahnhot' s eingeräumtvyerden.,(
Eine letzte Bahnverbindung in diesem Gebiete ist diejenige
der beiderseitigenEisenbahnenbei Schaffhausenund Stühlingen
(Vertragvon27. lKai 1875).27)
Die schweizerischen und badischenEisenbahnensollen durch
eine Eisenbahnvon Bülach über Eglisau,Lottstetten,Jestettenund
24) vergl. Bundesbeschluss betr. Uebernahme d e s B e t r i e b s d e r
\ orarlberger Bahn durch die k. k. Staatsverwaltung, B B I 1882, III, 567.
1J81.I. 426.
25)45 10, a.F. 427,Wolf, II, 917,Oetiker, IV,27.
26)BBI 1873,III, 13, AS, 11, a. F. 399,Oetiker, IV. 32.
27)tstsI 1875,III, 431, AS 1, 857,Wolf, II, 944.

136
Neuhausennach Schaffhausen,und durch eine solche von Stüh- wachen und für die \i
lingen über Schleitheimnach Beringen in unmittelbareVerbindung bahn zu sorgen. Aucr
gebrachtwerden (Art. 1).
lchweiz, speziell diele:
Art. 3 regelt den Betrieb insofern,als die schweizerische Ge- lich gebunden.
sellschafl für den Betrieb der Strecke Bülach- Schaffhausenin Es kann natürlich
Betrachtkommt, also auch badischesGebiet dabeiberührt. Baden die Schweiz Fälle hoh"
behält sich aber das Recht vor, das Eigentum und den Betrieb es ist klar, dass die S
(die Schweiz hat auch die Bahn gebaut) der auf badischem eisenbahnrechtlicheHoi
Gebiet gelegenenTeile der Bahn nach vorausgegangener fünf- verwenden, um ohne zl,
jähriger Kündigung,jedoch keinesfallsvor Ablauf eines25jährigen triebes herbeizuf ühren
Betriebes, an sich zu ziehen. (Was bis heute noch nicht ein- z . B . e i n N a c h b a r s t a a rr ;
getreten ist.) Die Botschalt bemerkt zu diesem Vertrage, dass suchen wollte, welche n
die Delegation der Schweiz bestrebt gewesensei, das Territorial- trägen in Kollision trer
hoheitsprinzip möglichst rein aufrecht zu erhalten und durch Be- den grossen Tunnel aL
stimmungen des Vertrages so wenig wie möglich in das Gebiet kriegführende Macht die
der innern Gesetzgebung hinüber zu greifen.2s) wollte. Art. 6 gibt dazu
Von ganz andererArt ist der Gotthardvertrag(betreffendBau rn-teressantsein, die mi.
u n d B e t r i e be i n e rG o t t h a r d b a h n v o m 1 5 . O k t o b e r1 8 6 9 ) . ? e ) Alpenbahnzu verfolqen.
Das Bahngebietliegt sozusagengänzlich auf schweizerischem von 1869 führt darüber
Tert'itorium und tindet bei ChiassoAnschlussan dasjenigelta-
,,Es ltqndelte sic/t
liens. In fast allen Gotthardverträgenkehrt daher die Wendung Art. 7 31) des Eisenba:
wieder (Art. 6): einburheit mit den rt:
,,Fälle höherer Gewqlt vorbehalten,soll der Betrieb cl.erCott- scltaft beziehungsw,et s,
lrardbahn gegen iede Unterbreclturtgsichergestelltwerden und Dqs Gutachten des -i
in allen Teilen den Anforderungen entsprechen,welche man an
eine grosse internationale Linie zu stellen berechtigt ist. Die
Schweiz behält sich iedoch vor, die erlorderlichen /Vlassregeln
zur Aut'recltterhaltungder Neutralitrit und zttr Verteidigung des
La.ndeszu treflen."
Wenn ein schweizerischer Kanton auf irgend eine Weise die
Erstellung oder den Betrieb der Gotthardbahnerschwerensollte,
so steht der Eidgenossenschaft das Recht zu, massgebend einzu-
schreitenund von sich aus das Erforderlichezu verfügen(Ärt.15, oder nicltls zu tun. I
A b s .2 ) . so ist es einf aclt naclt
Der Vertrag enthält eine internationale Verständigung über die militririsc/ten I ntere:
eine Eisenbahnkonzession. durch welche der Staat. durch dessen ben, wenn bei clem But
Gebiet die Linie sich hinzuziehenhat, sich verpflichtet, den Ver- werke qn punhten, d:
trag als völkerrechtlicheBasis für die eisenbahnhoheitsrechtliche 9elültrt und zugleic/t
Stellung gegenüber der Bahngesellschaftbezüglich des Baues oercttung ousreichert,lr.,
dieser internationalen wichtigen Linie anzunehmen, anzuerkennen uterden. Wir schlugeti
und durchzuführen. Konzession vor:
Der Schweiz wurden daher durch den Vertrag bestimmtepo-
sitiv rechtlichePflichten und Schrankender Eisenbahnhoheit auf-
erlegt
Die Schweiz wird in dauernderWeise verpflichtet,alle im
Vertrag fixierten Vorschriften über den Betrieb genau zu iber-
zs;BBI 1875,III, 431 ff.
2e)AS 10, 555,Wolf, II, 928.
liiiiillilr

wachen und für die Nachachtungderselbendurch die Gotthard-


bahn zu sorgen. Auch dadurch ist die Eisenbahnhoheitder
Schweiz, speziell diejenige über die Betriebsaufsicht,völkerrechl-
lich gebunden.
Es kann natürlich nicht abstrakt festgestelltwerden, wann
die Schweiz Fälle höherer Gewalt geltend machendarf. Allein
es ist klar, dass die Schweiz nicht berechtigt ist, ihre interne
eisenbahnrechtliche Hoheit gegenüberder Gotthardbahndazt zu
verwenden,um ohne zwingendeGründe die Einstellung des Be-
triebes herbeizuführen. Höhere Gewalt liegt sicher vor, wenn
z.B. ein NachbarstaatkriegerischeMassnahmentreffen oder ver,
suchenwollte, welche mit den bestehendeninternationatren Ver-
trägen in Kollision treten. Dann hätte die Schweiz das Recht,
den grossen Tunnel abzusperrenoder zuzuwerfen, wenn eine
kriegführendeMacht die Gotthardbahnzu Kriegszweckenbenitzen
wollte. Art. 6 gibt dazu eine ausdrückliche Handhabe.- Es mag
interessant sein, die militärischen Bedenken bezüglich cler neuen
Alpenbahnzu verfolEen.Die Botschaft30) ztm Konzessionsvertrag
von 1869 führt darüber folgendesaus:
,,Es handelte sich zunäcltst darum,'die l(onzession nach
Art. 7 zt1 des Eisenbahngesetzes vom Cesiclttspunkleihrer Ver-
einbarlteit mit den militärischen Interessen der Eidgenossen-
schalt beziehungstueise ihrer Zulässiglzeitüberhaupt ztt prüfen"
Das Gutacltten des -Militärdepartementserhebl heine grund-
sritzlichen Einwendungen; dagegen sagt es bezüglich der zu
stelle ndert B edingungen :
Aus dem bisherigen Vorgehen bei den Ansch.lüssenu.nserer
Grenzbqhnen,wobei gar nichts, wenig oder höchst {Jngenügen-
des geschehenist, um die militärischen N,uchteileaulzuheben,
nämlich um clie sot'ortige Benutzung der Bahn von Seite des
Feindes durch defensive Anlagen zu verhincl.ern,dart' hein
Grund entnommenwerden, um auch bei den Alpenbo.hnenwenig
oder nichts zu tun. Wenn. hier etwas vernachlüssigtwurde,
so ist es einfach nachzuholen.... Unsere Ansiclzt ist, dass
die militärischenInteressender Eidgenossenschat't gewoltrt blei-
ben, wenn bei dem Bau einer ieden Alpenbahn Verteidigungs-
werhe an Punhten, clie nicht zweifelltaft sein hönnen, aus-
g'eführt und zug[eich die permanenten Anlagen fü.r die ltor-
bereitung ausreicltenderund entschiedenerZerstörung gcbaut
uterden. Wir schlagen Aulnahme lolgenden .4rtihels in die
Konzessionvor:
30)BBI 1869. II. 592.
st) Art. 7 dcs BG über den Bau und Betricb der Eisenbahnen auf
dcm Gebicte der schrveizerischcn Eidqenossenschaft vom 23. Dezember
1 8 7 2 ( A S 1 1 . a . F . S . 1 ) : , , D i e S t a t u t c n d e r E i s e n b a h n A e s e l l s c h i r f ts i r . r d
clem Bundesrate zur Gcnehmigunq vorzuleqcn und können ohne Ein-
s'illigung dcssclben nicht allqeändert werden. Der Bunclesrat qenehmigt
l i e S l a l u t e n d c r B a h n g e s e l l s c h a f l e nn, a c h d e r n e r v o r h c r d a r ü b e r r I i e
.\nsicht der kantonalen Regierung eingeholt hat."

135
,,Behuls Wahrung der rnilitärischenInteressender Eiclgenos_ lich diesen Anfot dei::
senschat'tist das det'initive Tracö der B&hn dem Bunclesrate Bestimmung cl'esseri.,
zur Genehmigungvorzulegen.- Die Geseltschalt ist rernftich- satzes im. besonc/e,r ::
tet, auf ihre I(osten im Bahnhörper oder neben'clemsetböiaie- zie-ltungen zu
lenigen Anlagen auszut'iihren,we'lcheder Bundesrat zumZweche lordct.
schen Behörden tst i:.:
der Vorbereitung ausreichenderund entschied.enerZerstöru.ng Weisungen siclt zu i;.:
anordnen wird. - Die Gesellschat'tist dem Bunde gegenübu
zu heinen Erctschädigungslorderungen berechtigt, weni die ,nli_ Cegenüber cler Fo, ,
Iitrirbehörden eine unterbrechung der Bahn ind des Betriebs Betriebs halle is6le;:,
in Fällen von l(rieg oder l(riegsgefaltr wirktich qnorclnen. - dass derselbe in ke:r.
lvacli vollendung des Baues hat die Gesettschaltcrem Bund.e gen dürf e, welche .i,.
die Baupläne der Bahn u.nd der Stationen zuhanden rtes Eid- tralitrit und zur lt e.,.:.
gercössischen Stubsbureaus einzureichen.,, sein könnte.(,
Auch die ständerätlicheKommission spricht sich in ähnlichem
S i n n ea u s : 3 2 ) . Die Wichtigkeit cJr
wrr..noch die Erri.ägunc
,,Niemand kunn im Zweilel sein, dass von ullem weiteren Sektion der Gottharäkc,.

Zu Art.6 (sieheoben) heisstes:


,,Die Schweiz überninmt gegenüberden anrlern Staaten die
Verpt'lichtung, dalür zu sorgen, dass die Gottltardbaltn wirk-
32)BBt 1869,III, 299.
. _33tDer Yorschlag des Militärdepartementsbetr.. des Artikels be-
züglich dcr Wahrung militärischer Intdressenist enthalten als Art. 4
in folsender Konzession: Bau und Betrieb der Gotthardeisenbahnauf
dern Gebiete 1. des Kantons Tessin, 2. Uri, B. Schwyz, +. iuZein und
5. Zu.g.(BBl 1869,II, 592.)
ar; BBI 1870,II, 829. ,.Nehmen wir zu ciiesen
atngungen ltinzu, welche
lich diesen Anlorder,ungenentspreclte. Dabei isl hlar, dass clie
Bestimmungdessen,u'as in Ausführung des allgemeinenCruncl_
sutzes in. besondernund einzelnennach den verschiedenenBe-
zieltungen zu t'ordern ist, ausschliesslichsache detr schweizeri-
schen Beltörden ist und d.assdie Gesellschaltihren bezügtichen
Weisungen sich zu unterziehenhut.
Gegenüberder Forderung ungestörtenund ununterbrochenen
Betriebs hatte ieCoch die Schweiz den Vorbehatt zu machen.
dass derselbein leeinerleiweise die lllassnahmenbeeinträcltti-
gen,dürfe, welche die Schweiz zur Aulreclzter/taltungder Neu-
tralittit und zur Verteidigung des Landes zu treffen itn Fqlle
sein könnte.((
. Die Wichtigkeit dieser Punkte mag es rechtfertigen,wenn
wir noch die Erwägungen anführen, mit welcher die politische
Sektion der Gotthaidkinlerenz sie beqlettet hat:

dern im l(riege belindet, so mass der Schweiz clie ,44dglicltheit


bleiben, auf der Gotthardbaltn, wie auf allen andern'Bahnen,
den Transport von Waren nach dem einen oder anclern.tlieser

nur in den unabweisbarenFällen Gebrauch machenwircl.


Nehmen wir zu diesem Vertr,agsartikeldie bezüglichen.Be-
dingungen hinzu, welche die Bundesversammlungin cten Ra-

137
t il ihationsbeschluss der Gott hal dhonzession nieder gelegt hnt, 35\ Ein erster Anschlus
so dürfen wir wohl sagen, dass in ausreichendsterWeise dalür zustande.Bs) Es hande
Vorsorge getrot'len ist, dass bei l(rieg und l(riegsgefahr die stimmung der beiden p;
Gotthqrdbahnheinemandern Lande dienen wird, als der Schweiz italienischenBahnenrnr-
allein, der Aulrechterhaltung ihrer Neutr,alitdt, der Sicherung ten, und um die Ordnuno
ihrer Freilteit und Unabhängiglaeit." -.
Station-( Chiasso)tiegt
Ztt Art. 13 des Vertrages ist zu bemerken, dass das Ver- auf italienischem' Bod"en
hältnis des Vertrageszu den kantonalenKonzessionender Bahn In Art. 8 diesesYer
völkerrechtlichdurchaus klar ist. Der Bund unterhandelt mit Regierung für die aur ::
fremden Staatenund nicht die Kantone, er ist Subjekt des Völ- feierlich vorbehaTten. t :
kerrechts,und die Bestimmungendes völkerrechtlichenVertrages Kompliziertersind c_
binden die Kantone und folglich haben sie sich mit diesen ab- zuerst aus folgenden Ari
geschlossenen Konzessionennach den Bestimmungendes völker' Art. 3:
rechtlichen Vertrages zu richten.s6) ,,Der schweizerische
Der erste Gotthardvertragund die ihm nachfolgendenhaben Grenzender an die Juil
gezeigt, dass die wichtigen Bestimmungenin den dann eingetrete- zession die notwendige
nen Kriegszeiten sich bewährt haben, und dass keinerlei wesent- lührung und den Bui ,l
liche Schwierigkeiten, dank den vorgesehenenMassnahmen,den lieniscltem Gebiel geleg
Betrieb der Bahn zu hindern vermochten. Die Schweiz konnte scltliesslich der Tei/str
während der vier Kriegsjahreihre Rechteauf die Bahn und deren T.unnelsund der Einialt,
Betrieb vollauf und ohne Störungvon dritter Seite geltendmachen. Art. 4:
Zwar hatte der Staatsvertragzwischen der Schweiz,Deutsch- ,,Die it,alienischeQeg
land und Italien vom 15. Oktober 190937) die Staatsverträge und den. Betrieb der st
von 1869 und 1871 aufgehoben,übernahmaber die massgebenden Domodossol,abis und m:
Bestimmungenunverändert(Art. 2 und 3). Art. 5 schreibtdazu der Iura-Simplonbaltngt
noch vor, dass die Schweiz die erforderlichenAnordnungentrefien zunr. Bqu und Betrieb :
wolle, damit die Züge der S.B.B.,soweit als möglich,ohne Unter- Teiles des grossen Tunn
brechungan die Züge der deutschenund italienischenBahnefl dn- schen.dem Sücl,ausgang,
schliessenkönnen, eine Forderung, die durch die besonderenAn- weiche der Station Isel!
schlussverträge ihre \ierwirklichung gefundenhat. Es handelf sich hier k
Die übrigen Bestimmungendes Vertragesvon 1909 sind im vertrag, weil nicht aussc
Rahmen dieser Arbeit nicht zu besprechen. Die im parlamentari- Anschluss von zwei auf ,
schenund öffentlichenMeinungskampfam stärkstenumstrittenen hängig voneinanderersteli
Artikel betrafen die Reduktion der Bergzuschläge(Art. 72) und tracht kommt; nein.es u'i:'
die Frage der Tarifhoheit (Art. 8). lichenBahngesellschaft, die
Der Vertrag ist ein internationalerEisenbahnbetriebsvertrag, ler Beteiligungder Schu'e
der eine nicht erst anzulegende, sonderneine bestehende, lediglich Ausdehnungauf dem Gebie
in dem Gebiet e i n e s der drei Staaten verlaufende Linie betrifft bindung durch den Simplc
und das für sie bestehendeRegime durch ein neuesersefzt. Er Anschlussfällt mitten in de
unterscheidetsich damit von andern internationalenVerträgen,die 88)Staatsvertraq betr, rl
den Bau, die Verwaltung,den Betrieb und die Tarife der mehrere italienischen Bahnen bei Chii
Gebietedurchziehenden Eisenbahnzum Gegenstande haben. A S 1 1 , a . F . 4 7 8 , B B I 1 8 7 1 ,I . .
3e)Italien hatte statt Ch
rl) Der Artikcl betr.Wahrungder militärischenInteressen(sieheoben.) dnrch. vergl. Schollenberger.
ro) vergl. BBl. 1ti70,II, S 860 tr ao) Die übrisen Bestimni
37)AS 29, 349, Hilt-v, XXIV, 432,XXVII, 493,Stenogr. tsulletin Jahr- 41)Vcrtrag ljetr. dcn Bar
gang 1913,Zentralblatt für Staats-und Gemeindeverrvaltung X, 129 und Simplon von Brig nach Donr
143,Strupp, Wörterbuch des Völkerrechts,S.431. l{artitz, in der Fest- 794, Oetiker, IV, 182, Salis, B
schrift f Hch Brunner, S. 465 u. a. m. Die Schrn'eiz seit 187.1,S 371

158
Ein erster Anschlussvertrag bei der Gotthardbahnkam 7873
zustande.3s) Es handeltesich dabei in erster Linie um die Be-
stimmung der beiden Punkte, die an der Crenze liegen, wo die
italienischenBahnen mit der Gotthardbahn zLtsarnmentreffen soll'
ten, und um die Ordnung des Abschlusses.Die eine internationale
Station (Chiasso) liegt auf schweizerischem, die andere (Luino)
auf italienischemBoden.3e)
In Art. 8 diesesVertrageswird die volle Landeshoheitjeder
Regierung für die auf ihrem Gebiete befindlichenBahnstrecken
feierlich vorbehalten. ao)
Komplizierter sind die Verhältnisseam S i m p I o n. Das geht
zuerst aus folgenden Artikeln des Vertrages+1)hervor:
Art. 5:
,,Der scltweizerischeBundesrat verplLichtet si.ch,innert den
Grenzender an die luro-Simplonbahngesellsclzaft erteilten Kon-
zession die notwendigen ,LIassnahmenzu treflen, um die Aus-
lührung und den B(ru der nördlichen Zufahrtsl.iniecles auf ita-
lienischem Gebiet gelegenen Teiles des grossen Tunnels, ein-
schliesslich der Teilstreche zwischen clem Südausgange des
T.unnelsund der Eint'altrtsweicheder Station Iselle zu sicharn.(t
Art. 4:
,,Die italienischellegierung verpflichtet sich, die Ausführu.ng
und den Betrieb der südlichen Zulahrtslinie, tton der Station
Domodossolabis und mit derienigen uon Iselle, zu sichern und
der Jurct-Simplonbahngese/lschat't die erforderliche Konzession
zunt. Bau und Betrieb des auf ilalienischem Gebiet gelegenen
Teiles des grossen Tnnnels einschliesslichcler Teilstreckezwi-
schen.dem SücLausgange des grossenTunnels und cler Einlnltrts-
weiche der St.ationI selle zu erteilen.tt
Es handelt sich hier keineswegsum einen blossenAnschluss-
vertrag, weil nicht ausschliesslichder bauliche und Betriebs-
Anschluss von zwei auf den beidseitigen Staatsgebietenunab-
hängig voneinandererstellten oder zu erstellendenLinien in Be-
tracht kommt; nein, es wird vielmehrvon der einenund der näm-
lichen Bahngesellschaft,die schweizerischist, und unter tinanziel-
ler Beteiligungder Schweizfast allein, aber ungefähr in gleicher
Ausdehnung aut dem Gebietebeider StaateneineEisenbahnver-
bindung durch den Simplon erstellt. Der eigentlichetechnische
Anschlussfällt mitten in den Tunnel,weil die Grenzesich dort be-
38)Staatsvertrag betr. dic Verbindung der Gotthardbahn nit den
t r r l i e n i s c h e nI l a h n e n b c i C h i a s s o u n d L u i n o v o m 2 3 . D e z e m b e r 1 8 7 3 .
\ S 1 1 , a . F . 4 7 8 , B B I 1 t t 7 4 ,I , 5 7 , W o l f , I I , 9 3 8 , O e t i k e r 1 1 t ,1 6 9 .
3e)Italien hatte statt Chiasso Como beansprucht, drang aber nicht
.Lrrch. vergl. Schollenberger, Die Schx.eiz seit 1874, S. 360.
a 0 )D i e ü b r i g e n B e s t i m m u n g e n d i e s e sY e r t r a g e s s i e h e r v e i t e r u n t e n ,
4 1 )Y e r t r a g b e t r . d e n B a u u n c l B e t r i c b e i n e r E i s e n b a h n d u r c h c l c n
.lmplon von Brig nach Domodossola vorn 25.Novemltcr 1895 ^\S 1il.
- ,f,
Oetiher, I\r, 182, Salis, Bundesstaatsrecht, I\r, 70, Scl.rollc.nberger.
ie Schrveiz seit 1874, S. 371 tr

.tJv
findet. Italien verpflichtet sich nur, die südliche Zulahrtslinie zu Verwaltung im allgeme:
erstellen (von Domodossolabis Iselle). Nur deshalbmussteein worfen ist, dürfen ciab.:
Vertrag abgeschlossen werden, weil sich, neben der Anschluss- - 1903ging die S.
9un.
frage, hinsichtlich Bau und Betrieb ein gemeinschaftlichesWelk das Uebereinkommen :.
ergab. Dazu kommt die Lage des Tunnels, welche zu Extra- italienischenRegierunc _
bestimmungenAnlass gab.42\ ttonzessionfür den Ba.
Wichtig ist vor allem Art. 15 des Vertrages,der den Betrieb den Bund, vom 16. .1I:_
regelt: nationalenVerhältnisse -:
,,Der Betrieb der Linie zwischenBrig und Domod.ossoluwird Die SchweizerischeI
nur von einer der beiden Anschlussbahnenbesorgt werden, und der Bahngesellschaft mi,
zwür von der Jura-Simplonbahngesellschaft, in ihrer Eigenschat't den früheren Verträgcr:,
als l(onzessioncirindes Baues und Betriebes des grossen Tun- Der Vertrag änderr.
nels, welchesden wichtigstenTeil der Linie bildet ...(' gunsten Italiens. Einn:a
Dadurch wird der Betrieb der ganzen Streckevon Brig bis Iselle- Domodossolagar;
Domodossolader schureizerischen Gesellschaftübertragen; dies bringen, was aber nich:
geschiehteinmal deshalb,weil die Gesellschaft,die den Erossen
In Art. 2 der Kon,,e:
Tunnel betreibt, aus geographischenGründen die Zulahrtslinien trieb der Linie zwischenB
in Betrieb nehmen muss, weil das enge Diveriatal den nötigen bahngesellschafi
Raum für eine grössere Station, wie sie der Betriebswechselmit übertras
dieser Betrieb zwischrr -
sich bringt, nicht bietet. Da sich die Strecke ganz aul italieni- und Zugsdienstumfasse:
schemGebiet befindet,liegt einerseitsfür Italien eine Beschrän- Kommenvon 1899ausdriic
kung seiner Gebietshoheitrror, für die Schweizandererseitseine der Stationsdienstund
Erweiterungderselben,die aber, wie wir sehenwerden, durchaus Bahnbewachung
nicht begrüsstwerden kann.a3) von der: -
und Fahrdienst von den
Der Anschlusswird dann noch näher präzisiert im Ueberein- Als die italienischeDeiec
kommenbetreffendden Anschlussdes schweizerischen Bahnnetzes den Zugs- und FahrdiJ
an das italienischedurch den Simplon, die Bezeichnungdes inter' wollte, wurde dieserAnsp
nationalen Bahnhofes und den Betrieb der BahnstreckeIselle- dass dic Bezeichnungdes l
Domodossolavom 2. Dezernber1899.aa) nalen Uebergangsbaänh
Art. 1 : ore schweizerischen Ba,.:
,,Der et'lektive Anschluss der schweizerischenEisenbahnlinie denselberr besorgen(Ari
an die italienische erfolgt bei der bergwärls gelegencn Ein- oreseendgültigeAbmaci:r
fahrtsweiche der Station Iselle.'( es geltend machte, die l
Art. 15: nichf, dass eine auslänCi
,,Die volle Ausübung d.erSouveränitätbleibt ieder Regierung Libelden Zugsdiensir.eriü
für die auf ihrem Gcbiete bet'indlichenBahnlinien vorbehslterc." Iage_vonBefestigungen, r,l
'dc.e"
Obwohl aiso die SouveränitäfItaliens gewahrt ist, so be- wendig macheu"nd
kommt doch die Schweiz auf einer nicht unbeträchtlichenStrecke beamien preisqegebell!:,..
den Betrieb einer wichtigen Verkehrsliniein die Hand und vermag Crundsatzfestl dass de E
so in bedeutsamer Weise auf fremdemStaafsgebiete Fuss zu |as- Domodossola bleibenmuss
sen. Einige Vorteile, in eisenbahnpolitischer, wirtschaftlicher und schwichtigungder besiei:
auch militärischer Hinsicht, sind erwähnenswert,Nachteile, die in slcherung,dass die dem ts
der Lage des italienischenBahnhofes Domodossolaliegen, der die Bauarbeitendes Siirll.
übrigens italienischesEigentum ist, a5) womit die schweizerische und nicht auf die italienis
42) siehe unten $ 12: Die Tunnels. das Zugangsrechtder ii:i
+3) vergl. auch BBI 1896, IV, 927 ff. zur AusfLihrungund 'Jc:.
44) AS 18, S. 207.
45)siehe unten g 13. ro),\s 20,s. 5. BBI 1r,

110

h
Verwaltung im allgemeinender italienischenGesetzgebung unter-
worfen ist, dürfen dabei aber nicht aus den Augen qelassenwer-
den. - 1903 ging die Simplonbahnan den Bund über, was durch
das Uebereinkommen betreffend die Uebertragungder von den
italienischenRegierungder Jura-Simplonbahngesellschaft erteilten
Konzessionfür den Bau und den Betrieb der Simnlonbahnauf
den Bund, vom 16. Mai 1905, geregeltwurde, soweit die inter-
nationalenVerhältnissein Betrachtkamen.a6)
Die SchweizerischeEidgenossenschaft trat damit an die Stelle
der Bahngesellschaftmit allen Rechtenund Pflichten,die sich aus
den früheren Verträgen ergaben (Art. 1 und 2).
Del Vertrag änderte aber die Verhältnissewesentlich zu-
gunsten Italiens. Einmai wollte Italien den Betrieb der Strecke
Iselle-'Domodossolaganz in die Hand der italienischenBahnen
bringen, was aber nicht gelang.
In Art. 2 der Konvention vam 22. Februar 1896 ist der Be-
trieb der Linie zwischenBrig und Domodossolader Jura-Sirnplon-
bahngesellschafi übertragenworden, mit der Beschränkung,dass
dieser Betrieb zwischc.nIselle und Domodossolanur den Fahr-
und Zugsdienstumfassensolle. Diese Bestimmungwurde im Ab'
kornmenvon 1899ausdrücklichbestätigt,so dass auf dieserStreche
der Stationsdienstund der Dienst der Bahnunterhaltungund
Bahnbewachung von den italienischenBahnen,dagegender Zugs-
und Fahrdienst von den schweizerischen Bahnen besorgt wurde.
Als die italienischeDelegalionbei den Verhandlungenanno tr899
den Zugs. und Fahrdienst den italienischenBahnen zuweisen
rvollte, wurde dieser Anspruch mit dem Hinweis daraul abge,TehnI,
Cassdie Bezeichnungdes BahnholesDomodossolazum internatio-
nalen Uebergangsbahnhof die notwendigeKonsequenzhabe, dass
die schweizerischen Bahnen den Zugs- und Fahrdienst bis in
denseibenbesorgen(Art.7 der Uebereinkunftvon 1899). Auf
diese endgültige Abmachungwollte Italien znrückkommen,indem
es geltend machte, die rnilitärischen Interessen gestattetenes
nicht, dass eine ausiändischeStaatsbahnaut italienischemGebiet
über den Zugsdienstverfüge,narnentlichmit Rücksichtauf die An-
lage von Befestigungen, welche die Verteidigungdes Lanclesnot-
rvendig mache und deren Geheimnisnicht ausländischenStaats-
bearctenpreisgegebenwerden dürfe. Der Bundesrat hietrt anr
Crundsatzfest, dass der Betrieb den schweizerischen Bahnen bis
Dornodossolableiben mässe. f)agegen erteilte,er, leider, zur Be-
schwichtigungder bestehendenmiiitärischen Bedenhen die. Zu-
sicherung.dass die dem BundesratevorbehalteneKontrolle über
iie Bauarbeitendes Simplontunnelssich nur aut die Bahnbauten
.lnd nicht auf die italienischenBefestigungsbautenbeziehen,dass
.as Zugangsrechtder italienischenMitritärbeamtenzum Tunnel
l1r AusführunE und [JEbs1\Ärachung der militärischen Äniagen
46)AS 20, S. 5. BIll 1003, I\r, 245 fI.

1,41
durclr besondereVerständigung zu rcgeln sei,a?) wobei jedoch lizeidienstesstattfinde;r.
die Wahrung der Betriebsbedürfnisse und der Betriebssicherheit zergtenzebis Domodos
und die Ueberbindung der Verantwortlichkeit f ür Unfälle und anderu Seite bis dahin
Schädigungen,die aus der Erstellung solcher Bauten entstehen, internationaleStation c.
an Italien ausdrücklichvorbehaltenwerden.a8) Wie wir Hiltg r:;-.
Die Schweiz gab also den Betrieb nicht aus der Hand; sie schaft anfänglichverla:l
gestandItalien lediglich Konzessionen
inbezugauf militärischeIn- auf ihrenr Gebiet,bei C
teressensphären zu. Der Dienst der beiden Verwaltungenwurde schen Italiens nach, tr-o_
in der Uebereinkunftvom 19. Februar 19064e) noch näher ge- jedenfalls der bedenklic
regelt; wir treten später darauf ein. entstand". Es muss bei
tigkeit zu gewähren,dass
Art. 7 des Vertragesvon 1899 sah vor, dass eine besondere
verlangteund Italien zu:
Verständigungstattzufindenhabe,wenn eine andereArt der Zugs-
auch war es hinwiederu
förderung als durch Dampflokomotiven eingelührt werde. Die
barlichenEntgegenkomr
Sachlageänderte sich dann, wenn auch langsam,mit dem Auf-
einen Bahnhof mit schri
kommerrder Elektrifikation. Vom 15. Februar 1930 an konnten
die Züge ohne Aenderung des Traktionsortesbis Iselle fahren. Einstimmiq spreche
den 1903 abgäschlosse
Der Bau der Fahrleitung Iselle-Domodossola wurde von den
S.B.B, übernommen,die Arbciten im Tunnel führte Italien aus Es waren ja verschi
(strategischeGründe). Der durchgehendeelektrische Betrieb eingetreten: Italien ha:
wurde in der ersten Hältte 1950 aufgenommen. 50) Berechtigung,dort Beies
im Tunnel Militärzüqe z.;
Zu all diesen VerträEen, die den Simplon betreffen, kann geschaffenworden,In de-
folgendesgesagtwerden:5l)
glieder haben,während o:
Das Werk ist unter sehr ungleicherBeteiligungder Staaten
zustandegekommen. Es wurde von schweizerischer Seite unter- Jura-Simpl,onbahndirek c:
Leistungenund Verpflich
nommen und liegt zum grössernTeil auf fremdem Staatsgebiet.
Bei Anständentechnische
Der internationaleBahnhof musste schon bei Beginn des Bahn-
dem der Bund dem Entsc
baus bezeichnetwerden. Da die schweizerische Verwaltung den
öffentlichenBauten unter
Betrieb, statt btrossbis an die italienischeAusmündungdes Tun-
den Rückkauf der Konze
nels bei Iselle, bis Domodossolaübernommenhatte, blieb nichis
50 auf 25 Jahre red.uzier
anderesübrig, als weit im italienischenGebietden ,,internationa-
len" Bahnhol anzulegen. Weiter wurde dazu noch vereinbart, Was die militärische
dass nur der Zugsdienstübernomrnenwerde: die Bahnlinie ge- man sie rechtlich nicht a
hört denr italienischenStaat, Bahnunterhaltungs-,Bahnbewach- unbenommen,auf seinem
ungs- und Stationsdiensthat sich Italien vorbehalten;die schwei- notwendigenJlLassnahm
zerischeBahnverwaltungdarf der italienischennur noch die Zige Trotzdem sich gegen
bis Domodossolazuführen. Und trotzdem, so schreibt Schollen- erhob, der einer ,,Untäru
berger, liess man sich Domodossolaals internationaleStation, gleichkam,wie Schollenb
als alleinige Station, gefallen, so dass hier die ganzeninternatio- vg1saryflgng nach heftige
nalen Auseinandersetzungen des Bahn-, Zoll-, Sanitäts- und Po- zirka 2h Stimmen angenon
47)siel.rc$ 12: Die Tunncls. Die Hoheitsverhältni
a8)Deshalb wurdc Art. 7 der Uebereinhunft von 1895, der nur zieft. Wenn auch gesag
der italienischen Regierung das Recht gab, die Arbciten des grosscn Tun- nicht gerade günstig rvar
ncls durch von ihf zu bezeichnende technische Delegierte besichtigen
zu lassen, im oben angegebenen Sinne crweitert. (Art. 6 des Vertrages 5 2 )H i l t y , X V I I I , S 8 0 . . ,
von 1903.) 53)Hilty, X\-II, 89, Scl
_
4e)AS 22, 264, BBI 1906, II, 199. Oetiker, IV, 252. n. u. a.
50)velgl. Neue Zürcher Zeitung:18. September 1929und 1' F'ebruar 5 4 )D i e s e B e s t i m r n u n s 'I
-
1930. auf italienisctr"- C"triäi.
51) vergl. auch Schollenberger. Die Schweiz seit 1874, S. 373 tr' 55)Stenogr. Bulletin jtrl,

1!)
lizeidienstesstattfinden, als ob die ganze Bahn von der Schwei-
zetgrenze bis Domodossola schweizerischwäre, wie sie von der
andern Seite bis dahin italienisch ist. Brig, das sich auch als
internationale Station geeignet hätte, ist damit kaltgestellt.
Wie wir Hiltg nz; entnehmen,hatte sogar die Eidgenossen-
schaft anfänglich verlangt, dass der südliche Tunnelausgangsich
auf ihrenr Gebiet, bei Gondo, befinde, gab dann aber den Wün-
schen Italiens nach, woraus ,,eine ziemlich gefährliche Situation,
jedenfalls der bedenklichstePunkt der schweizerischenGrenzen,
entstand". Es muss beigefügt werden, um Italien auch Gerech-
tigkeit zu gewähren,dass die Schweizes war, welche den Vertrag
verlangte und Italien zur Annahmedesselbennoch gedrängt hat;
auch war es hinwiederum ein nicht unbedeutenderBeweis nach-
barlichen Entgegenkommens, dass Italien auf italienischemGebiet
einen Bahnhof mit schweizerischerBedienung zuliess.
Einstimmig sprechen sich verschiedeneAutoren aber gegen
den 1903 abgeschlossenen Vertrag aus.53)
Es waren ja verschiedene VerschlechterunEen für die Schweiz
eingetreten: Italien hat iretes Zugangsrecht zum Tunnel, die
Berechtigung, dort Befestigungen anzulegenund bis zur Grenze
im Tunnel Militärzüge zu fahren; dann war eine Simplondelegation
geschaffenworden, in der Italien und die Schweiz gleichviel Mit-
glieder haben,während die Italiener im frühern Verwaltungsratder
Jura-Simptronbahndirektion, in Anbetracht der geringenitalienischen
Leistungenund Verpflichtungen,in der Minderheit gewesenwaren.
Bei Anständentechnischerund administrativerNatur muss sich zu-
dem der Bund dem Entscheidedes italienischenMinisteriums der
öffentlichen Bauten unterwerfen.5a) Ztdem wurde die Frist für
den Rückkauf der Konzession für die italienischeRegierung von
50 auf 25 Jahre redtziert,
Was die militärischen SicherungenItaliens anbetrifft, so kann
man sie rechtlich nicht anfechten, denn as bleibt jedem Staate
unbenommen,auf seinem Territorium nach seinem Ermessendie
notwendigen Massnahmen zu ergreifen.
Trotzdem sich gegen den Vertrag ein Sturm der Entrüstung
erhob, der einer ,,Unüerwerfungunter partielle Fremdherrschaft"
gleichkam,wie Schollenberger schreibt,wurde er von der Bundes-
versammlung nach heftiger Opposition in allen Fraktionen mit
zirka 2/t Stimmen angenommen. 55)
Die Hoheitsverhältnissean der Simplonstreckesind kompli-
ziert. Wenn auch gesagt werden muss, dass die Lage für uns
nicht gerade günstig war und in den Verhandlungen Italien gut
52)Hilty, XVIII, S.89, ,,Die schweizerische Eisenbahnpolitik".
53) Hilty, XVII, 89, Schollenberger, Die Schweiz seit 1874. S. 373
_
l. u. a.
54)Diese Bestimmung bezieht sich natürlich nur auf die Strecke
,uf italienischem Gebiet.
ö5) Stenogr. Bulletin 1909.

143
abschnitt,so sind doch die Befürchtungen,die z. B. Schollenberger die Erteilung der obg
äusserte,jetzt nicht mehr in dem Masse ernst zu nehmen,wie vor- teressanteBedingunge
her. Man darf zudem nicht vergessen,dass eine gehörige Ein- Art. 4:
schränkungder italienischenHoheit vorliegt und dass diesesLand ,,Die I(onzessionä
deshalb berechtigt r,var, Garantien hinsichtlich der militärischen geeigneter Stelle im I
Verhältnisse zu vetlangen, besondersmit Rücksicht darauf, dass kammern in der \l'ei
die Landesgrenzeim Tunnel liegt. die Bahn augenbticA
Rekapitulierend sei nochmals festgestellt, dass am Simplon dieselben gegenübe
folgende Lage sich vorfindet: forderung berechtigr
1. Die GebietshoheitItaliens von der Mitte desSimplontunnelsan. get'ahr die Mititdr:be
2. Die Ausübung des gesamtenBetriebesdurch die S.B.B. auf brechung der Bahn a
der italienischen Strecke im Tunnel bis zur nördlichen Ein- _ Dic Sprengung isi
-setb
fahrtsweiche der Station Iselle. der Bahnbehöräen
5. Die Besonderheitdes Betriebesder Strecke Iselle-Domodos- zubereiten.
sola, welche im Eigentum der italienischenStaatsbahnensteht. Solche Bestimmun
Dieser Betrieb rvird von den S.B.B. übernomrnen, soweit es anlagenan; sie komme
sich um den Fahr- und Zugsdienst handelt, während der Die gleiche Bestim
übrige Dienst den italienischen Staatsbahnenobliegt. dann der Bundesbesch
4. Die Einrichtung des internationalen Betriebsanschlusses im Bahn von Pruntrut bis z
Bahnhof Domodossola,wo die italienischenZüge die schwei- Delle vom 18. Heumon
zerischen.aufnehmen und umgekehrt. Wiöder eine andere
Einfacher liegen die Dinge beim jüngsten Abkommen mit Gebiet die Eisenbahn -
Italien betreffend eine elektrischeSchmalspurbahnvon Locarno Anschlüssenentgeqen.
nach Domodossola(Centovallibahn)vom 12. September1918.56) , ,,D!e Regie/uig der
Der Geleiseanschlussder schweizerisch-italienischen Strecke die Ausführung iine,
der Linie Locarno-Dornodossola rvird an der Grenze der beiden grenze, in der Richtu,
Staatenin Borgnone-Comedo vollzogen(Art. 2). Doch findet an andern Seite macht si
der Grenze kein Betriebsrvechsel statt; die von Italien kommenden lich, in den Grenzen t
Zige Iahren bis nach Locarno, die aus der Schweiz nach Domo- s"ion die Aust'ültrung
dossola (Art. a). Dieses Abhommenmacht uns wieder mit einer fr,anzösischenCrenze z
neuen Spielart bekannt: schweizerischeZüge fahren nach Italien, In diesemTone laute
italienischein die Schweiz hinein; die schweizerischen Züge wer- der EisenbahnGenf-An
den von einer schweizerischenGesellschaftbetrieben,die italieni- 74. Juni 1881, betreffe
schen von einer italienischen. bis an die französische
Dic Anschlüsse an die f r anzösischen Bahnenhabenstra- Morteau nach Besanqon
tegisch nicht die gleiche Bedeutung wie diejenigen nach Italien; einer Eisenbahn von ft
sie seien aber doch angeführt. vom 27. Februar 1gg2.
von Bosset-Vegriernactr
In der Konzession an die Schweizerische Zentralbahngesell-
schaft für eine Verbindungsbahnmit der französischenOstbahn Ebenso lauten rn aI
gleich, nach denen diei
vom 20. Oktober 185857)wird einer schweizerischen.Gesellschaft
schweizerischenund de
die Erlaubnis erteill, auf schweizerischemBoden eine Bahn zu
von einer und derselben
bauen und sie an eine sich schon auf schweizerischemBoden be-
werden sollen, so dass z
findliche Bahn anzuschiiessen (Einmündungauf baslerischem Bo- zerisches Gebiet von eir
den in die von St. Louis herkommendefranzösischeOstbahfl, Ar-
tikel 1). Im Bundesbeschluss vom 10. November1859 betreffend 58) Ueber die Geschic
) c n w e _ r zs e l t 1 8 7 4 . . . , S . 3
56)AS 40, 277. 5e) AS 8, a. F. 466.
57)AS 6. a. F. 6 und 77, BBI 1858,II, 559. oo; alle: AS 6, S. J26.
i
1 ttll

10*
die Erteilung der obgenanntenKonzession werden folgende in-
teressanteBedingungen aufgestellt:
Art. 4:
,,Dic I(onzessionäre sind verpllichtet, auf ihre Kosten nn
geeigneterStelle im Bahnhörperoder nebendemselhen1l'[i n e n '
hammern in der Weise anzulegen,dass durch d.erenSprengung
die Bahn augenbtichlichu'nterbrochenwerden hann, und es sind
dieselben gegenüber dem Bunde zu heiner Entschddigungs-
lorderung beiechtigt, w'enn in Fällen von l(rieg oder l(-riegs-
'gefahr
die lt4tLitarbehördender Eidgenossensch.aft eine Unter'
br'echungder Bahn und ihres Betriebes wirhlich anordnen."
Die Sprengungist also Sacheder Militärbehörden, nicht etwa
der Bahnbehördenselber; diese haben die Sprenganlagennur vor-
zubereiten.
Solche Bestimmungentreffen wir selten bei offenen Bahn-
ö8)
-Die an; sie kommen mehr bei Tunnelbautenvor.
anlagen
gleiche Bestimrnungbetreffend MinenanlagenenthäIt so-
dann der Bundesbeschlussbetreffend den Bau und Betrieb einer
Bahn von Pruntrut bis zur schweizerisch-französischen Gtenze bei
Delle vom 18. Heumonat (Juli) 1865, Art. 4.5e)
Wieder eine andere Variation - jeder Staat baut auf seinem
Gebiet die Eisenbahn - tritt uns in den verschiedenenGenfer
Anschlüssenentgegen.
,,Die Regierung der lronzösischenRepublih verpllichtet sich'
dii Ausftihrung einer Eisenbahn von . . . - an bis zur Schweizer-
grenze,'in dei Richtung nach . . . . , sicher zu stellen. Auf der
ändern Seite macht sich die schweizetischeRegierung verbind'
lich, in den Grenzen der von ihr dem . . - . verlieltenenKonzes-
sion die Au:sführung einer Eisenbahn von . . . . aus nach der
Ir,anzösischen Grenzezu sichern."
In diesemTone lauten fast alle Verträge:betreffendAnschluss
der EisenbahnGenf-Annemasse an das savogischeBahnnetz vom
14. Juni 1881, betreftend Anschlusseiner Eisenbahnvon Locle
bis än die französischeGrenze (über den Col des Roches und
Morteau nach BesanEon)vom 74. Juni 1881,betreffendErstellung
einer Eisenbahn von Thonon nach Bouveret über St. Gingotph
vom 27. Februar 1882, betreffend Erstellung einer Eisenbahn
von Bosset-Vegriernach Genf vom 27. Februar 1882.60)
Ebenso lauten in allen diesen Verträgen die Bestimmungen
gleich, nach denen diejenigen Strecken, welche zwischen den
ichweizerischen und den französischen Grenzstationen liegen,
von einer und derselben Gesellschaft und Verwaltung betrieben
werden sollen, so dass zum Tell französisches,zum Teil schu'ei-
zerisches Gebiet von einer fremden Bahngesellschaf t betrieben
6s)Ueber die Geschichte dieser Bahn vergl. Schollcnberger, Die
Schweiz seit 1874. . ., S. 367.
5e)AS 8, a. F. 466.
o o ;a l l e : A S 6 , S . 5 2 6 , 5 4 7 , 5 5 6u n d 5 7 2 ,BBI 1882, I, 758.

745
10x
wird (Art. 4), die dann aber vorschreiben,dass in nichts den
dass man durch diese
schwerthatte.6b)
Das Eisenbahnne
grössert, indem ein i/e
rischen Teilstückes de
wicklung des Verkehr
langenden Klagen Rede zu stehen hat. !.7. I"ti 1914 abgesch
Militärische Interessentauchen dann wieder bei der Konzes- uDernanm,die der
J.S
sionsprteilung für eine elektrische Eisenbahn von St. Cergue bis Mit dem Tage de
zur französischenGrenze auf (vom 29. September1899;.et; (16. Mai 1915) ülbern
Nach Ansicht des Militärdeparüementswar aber das projekt Strecke pontailier_Le,
zu begrüssen,weil die militärischen Vorteile dieser Bahnverbind- auf Rechnungder S.B
ung fast ausschliesslichauf schweizerischerSeite lagen, soweit trrenze und dem Bahr
solche überhaupt vorlagen. Teilstück der Linie (Ar
Endlich haben wir uns noch kurz mit den Verbindungenan Strecke den Bahnunterh
der Westgretze zu befassen. zeidienst versehen (Art
Wir erwähnenhier den Bundesbeschluss betreffend die Kon- Da die Linie pontu
zessionserteilungan die Jura-Simplonbahngesellschaft für den Bau Abkürzung Frasne_VaL
einer normalspurigen Eisenbahn von Vallorbe bis zur schweize- des internationalenVerk
risclr- französischen Grenze am Mont d'Or vom 78. Dezember
!20?:,) und den Vertrag zwischenden beiden Bahngesellschaften
(J.S.e. und P.L.M.) über den Bau und Betrieb einer Bahnlinie
durch den Mont d'Or zm Verbindung mit dem schweizerischen
Bahnnetzin Vallorbe vom 74.115.Oktober 1902.63)

trieb des schweizerisch


zubieten.
gemäss schweizerischesTerritorium, da der internationale Bahn-
hof auf schweizerischemBoden steht. Gerade umqekehrti
Betrieb des fraizösische
Andere Probleme warf der Staatsvertragbetreffend die Zu- riöres und die Mitbenui
fahrtslinien zum Simplon auf (vom 18. Junf190O;.0+;
( v o m 7 7 . J u l i 1 9 1 + )e. ; ;
Die französischeRegierung sichert die Erstellung der Abkür-
zung Frasne-Vallorbe auf französischemGebiet unä ermächtigt Die P.L.M. übernim
die P.L.M. zur Uebernahmedes Baues und Betriebes des aüf Frasne-Vallorbe wieder
schweizerischemGebiet getreg,enen T,eilstückes(Art. 1).
Es war k1ar, dass der neue Juradurchstichzwischen Frasne
und Vallorbe, wie derjenige durch die Faucille, nicht geeignet
war, die Verteidigung des Landes zu erleichlern. Den Einwänden
militärischer Natur wurde aber nicht der Vorzug vor den ökono-
mischen Erwägungen gegeben,obschon man sich nicht verhehlte,
61)AS 15,554,BBI 1999,IV, 773.
62)AS 18. 245. BBI 1909,YI. 280:.
__65)
381;Welri,.25
JahreSee, S
9?l4q ?q, 460,_Oetiker,
64)AS !V, 116.(siehe auch g 13: Grenzbahnhöfe.) aQ Eisenbahnamtliche
26, 11, Oetiker, IV, 104. 67) Eisenbahnamtliche

146
dass man durch diesen neuen Zugang die Aufgabe der Armee er-
schwerthatte.65)
Das Eisenbahnnetzan der französischenGrenze wurde ver-
grössert, indem ein Vertrag betreffend den Betrieb des schweize-
rischen Teilsiückes der Linie P,ontarlier- Vallorbe und die Ab-
wicklung des Verkehrs dieser Linie im Bahnhofe Vallorbe vom
77. JuIi 1914 abgeschlossen wurd€, indem der Bund die Pftichten
übernahm,die der J.S.B. obgelegenhatüen.66)
Mit dem Tage der Eröffnung der Linie Frasne- Vallorbe
(16. Mai 1915) übernahmdie p.L.1Vt.wiederum den Betrieb der
Strecke Pontarlier-Les Höpitaux-Jougne-schweizergrenze und
auf Rechnungder S.B.B. den Zugsdienstauf dem zwischender
Grenze und dem Bahnhofe Vallorbe gelegenen schweizerischen
Teilstück der Linie (P'rt. 2), während die S.B.B. auf der gleichen
Strecke den Bahnunterhaltungs-,Bahnbewachungs-und Bahnpoli-
zeidienst versehen(Art. 5).
Da die Linie Pontarlier-Vallorbe infolge der Eröffnung der
Abkürzung Frasne-Vallorbe, auf der sich der weitaus grösste Teil
des internationalenVerkehrs abwickelt, ihre Bedeutung verlor und
nur noch als lokalbahn galt, der grössereTeil der Strecke sowie
die an derselben sich befindlichen beiden Zwischenstationenauf
französischemGebiet gelegen sind, hatte die Bundesbahnverwal-
tung kein Interesse daran, den Betrieb von Pontarlier nach Val-
trorbeweiter zu besorgen,wie dies die l.S.B. getan hatte, und
überliess ihn deshalb der Gesellschaftder p.L.M. Da indessen
der Bahnhof Vallorbe den natürlichen Endpunkt dar Linie dar-
stellt, ergab sich so die Notwendigkeit, der P.L.M. auch den Be-
trieb des schweizerischenTeilstückesVallorbe-Landesgrenze an-
zubieten.
Gerade umgekehrt ist die Lage im Vertrag b,etreffendden
Betrieb des französischenTeilstückes der Linie Pontariier-Ver-
riöres und die Mitbenutzung des Bahnhofes Pontarlier geordnet
(vom 17.Juli 1914).oz;
Die P.L.M. ibernimmt mit dern Tag der Eröffnung der Linie
Frasne-Vallorbe wiederum den Betrieb des französischenTeil-
stückes der Strecke Pontarlier-Verriöres, während die S.B.B.,
auf Rechnungder p.L.ll/l., den Fahr- und Zugsdienst auf dem
zwischen der Schweizergrenzeund dem Bahnhof Pontarlier ge-
legenen französischenTeilstück der Linie übernehmen(Art. 2).
Dieser Vertrag wurde durch den Verwaltungsratder S.B.B. ge-
nehmigt und erhielt damit rechtsgültigenCharakter; seineZustän-
digkeit war in Art. 776 ZifIer 6 des B.G. betreffenddie Eru'er-
65)BBI 1909,VI, 280; vergl. Schollenberger,Die Schweiz seit 1871,
381: Welti. 25 Jahre SBB. S. 26.
66)Eisenbahnamtliche Sammlung 31, Beilage IV, Oetiker, I\', 129.
6z) Eisenbahnamtliche Sammlung 31, Beilage IV, Oetiker, IY, 1 3 8 .

147
bung und den Betrieb v,onEisenbahnenfür Rechnungdes Bundes Bezüglich des Betri
und die Organisationder Verwaltung der S.B.B. begründet.68) 'Betriebes
auf das fraru
Rechte und Pflichten der schweizerischenBahnverwaltung Bezüglich der inten
im Sinne von Art. 10 des Eisenbahngesetzes vom 23. Dez. 1873 Bahnhöfeauf französis
wurden durch den VertraE in keiner Weise berührt.6e) tümerin der Anlagen, s
Die verschiedenenStrecken,um die es sich hier handelt, wei- zerischen Gesellschait t
sen folgende Länge auf (es ergibt sich daraus auch die unbedeut- Endlich die Tatsac
tende Einschränkungder Gebietshoheitdör betreffenden Staaten, genwärtig der S.B.B. ü.b
wenn fremde Bahnen ihr Territorium befahren): Von der 25,94912 Zum Schlusssei n<
km langen Linie Vallorbe-P,ontarlier befinden sich 5,180r,r'2 km Staatsvertrag zwischen
auf schweizerischemund 22,769 km auf französischemGebiet, eine Eisenbahnverbind
während von der eine Gesamtlängevon 72,99112km aufweisen- erwähnt.Ta)
den Strecke Verriöres-Pontarlier nur l,7o7rf2 km auf schweize- Die deutscheRegier
rischemGebiet liegen.70) kirch über Pfetterhause
N,ochzwei weitere \rerträge, die Verbindungenmit Frankreich und die schweizerische
regeln, liegen vor: Bahn von der Landesgr
Dic normalspurigeLinie Divonne-Les Bains ist auf schwei- triebswechselfindet in d
zerischemGebieteder Gesellschaftder Ngon-Crassier-Bahn und kommendenZüge bis na
auf französischemGebieteder P.L.M. konzessioniertworden; sie menden Zige bis nach F
wird aber durch die S.B.B. hetrieben.?1) Was uns hier intere
Ein internationaler Bahnhof, der von der französischenVer- schweizerischeBahnen sc
waltung betriebenwird (er steht auf französischemBoden), wird fahren.?5)
internationaler Betriebsanschlussbahnh,of und von der Schweiz Wenn wir auch nicl
mTtbenitzt,die, wie gesagt, die französischeStreckezwischenihm haben,to) so habenwir c
und der Grenze betreibt. einen Ueberblickgewonn
Genau die gleiche Regelung ist bei einer andern Bahn ge- Das eine MaI befah
tr,offen worden, der elektrischenSchmalspurbahnMartigng-Cha- Territoriun und ausländ
monix.72) verkehr.
Auch hier fahren von der Grenze an die schweizerischenZüge Dann wieder ist der
weiter bis zu dem auf französisdhenTerritorium sich befindlichen Staaten ausschliesslich ei
BahnhofVallorcine, der ebenfalls internationalerBetriebsanschluss- Manchmal ist an de
bahnhol wird. wechsel,je nachdem die
Die beiden Linien, mit denen wir uns nicht mehr länger be- Oft werden militärisr
schäftigen,weisen, kurz gesagt, folgende Merkmale auf : zagen, müssenaber meist
Bezüglich des Eigentums, den Wechsel des Eigentümers an Es ist und bleibt die
der Grenze, wo die p.L.M. auf die schweizerischeGesellschaft len Verkehr keinerlei Sc
folgt. diesemCesichtspunkte sin
68) Art. 176, Ziffer 6: ,,Der Geschäftskreis des Verwaltungsrates
den Verpflichtunsender i
umfasst die pachtweise Inbetriebnahme von Bahnstrecken, welche dem in das Gebiet dei Nachb
Bunde nicht angehören, die Verpachtung des Betriebes eigener Bahn- tige internationale Statior
strecken, die Einrichtung von Nebengeschäften." (AS 16, 553.) Vom völkerrechtliche
6e)Art. 10 des BG betr. Bau und Betrieb der Eisenbahnen (AS 11
ihren zahlreichen und vol
a. F. 1): ,,Ohne ausdrückliche Genehmigung des Bundes darf weder
eine Konzession in ihrer Gesamtheit, noch dürfen einzelne in derselben
enthaltene Rechte oder Pflichten in irgend welcher Form an einen
Dritten übertragen werden . ."
70)BBI 1915. I. 548.
?1)AS 25, 775, Oetiker, IV, 90, BBl. 1909, I, 885, Vertrag vom 16.
xII. 08.
72) Gleiche Daten wie oben.

148
Bezüglich des Betriebes,die Ausdehnungdes schweizerischen
Betrieb,esauf das französischeGebiet.
Bezüglich der internationalenBahnhöfe, die Ersteliung dieser
Bahnhöfe auf französischemGebiet, wobei die P.L.M., als Eigen-
tümerin der Anlagen, sich in deren Benütztng mit der schwei-
zerischen Gesellschaft teilt.
Endlich die Tatsache,dass der Betrieb der beiden Linien ge-
genwärtig der S.B.B. übertragenist. ?3)
Zum Schlusssei noch der 1906, am 7. Mai, abgeschlossene
Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Deutschland betreffend
eine Eisenbahnverbindungzwischen Pletterhausen und Bonfol
erwähnt.7a)
Die deutscheRegierung erstellt eine Eisenbahnvon Dammer-
kirch über Pfetterhausenbis an die Schweizergrenzebei Bonfol,
und die schweizerischeRegierung wird die Fortsetzung dieser
Bahn von der Landesgrenzenach Bonfol ermöglichen. Der Be-
triebswechselfindet in der Weise statt, dass die aus Deutschland
kommendenZige bis nach Bonfol und die aus der Schweiz kom-
mendenZüge bis nach Pfetterhausengefahrenwerden (Art. 5).
Was uns hier interessiert,ist wiederum, dass deutschebezw.
schweizerischeBahnen schweizerisches bezw. deutschesGebiet be-
fahren.75)
Wenn wir auch nicht alle Eisenbahnverträgehier angeführt
haben,76)so haben wir doch über die Verhältnissean der Grenze
einen Ueberblick gewonnen.
Das eine Mal befahren schweizerischeBahnen ausländisches
Territorium und ausländischeschweizerisches Gebiet im Wechsel-
verkehr.
Dann wieder ist der Fahrdienst auf dem Territorium beider
Staaten ausschliesslicheinem Staate überlassen.
Manchmal ist an der Grenze B,etriebs- und zugleich Fahr-
wechsel, je nachdem die geographischeLage es erfordert.
Oft werden militärische Erwägungen in Berücksichtigungge-
zaEen,müssenaber meistensden wirtschaftlichenweichen.
Es ist und bleibt die Aufgabe der Schweiz, dem internationa-
len Verkehr keinerlei Schranken in den Weg zu legen. Unter
diesenrGesichtspunktesind die manchmalnicht leicht zu nehmen-
den Verpflichtungen der Schweiz zu versfehen,ihre Bahnen weit
in das Gebiet des Nachbarstaateszu führen und dortselbst wich-
tige internationale Stationen zu enichten.
Vom völkerrechtlichenStandpunkteaus darf die Schweiz mit
ihren zahkeichen und vorbildlich abgeschlossenen Verträgen den
73)BBI 1909,I, 885ff
74)AS 23,855,Oetiker,IV, 44.
?5) BBI 1906.III. 827.
?6) es sei nur erinnert an die Verträge der Basler Regierung vom
16. Dezember 1922 und 29. Februar 1924 mit der Reichsbahndirektion
in Karlsruhe betr. Anschluss der Hafenbahn an badische Bahnhöfe und
,.len Betrieb der Hafenbahn durch die SBB etc.

149
ersten Platz in den Reihen derjenigen Staaten einnehmen,die 1000 tl4ann oder
durch den internationalenAusbau ihres SchienennetzesLänder und von einer l(ompag,
Völker einander näher gebracht und so nicht nur die nachbar- c) Beide l(ontrahent
rechtlichen Grenzbeziehungenerleichtert, sondern auch, darüber
Truppentransporte
hinaus, den Weltverkehr überhaupt zu fördern versucht haben.
Falls darch einen .
Das Kapitel über die Territorialhoheit wollte nur die ver-
Ein gleiches A
schiedenenSpielarten der Grenzbahnenfesthalten, um damit zu
üngen v,orbehalten
zeigen, was ob,engesagt wurde. Von da aus können wir zu spe-
zielleren Problemen übergehen. d) Die Truppen habt
C.eweltr,abgelegte
ltiegende Faltne ut
$ 11. e) Einzelne Militärs ,
M,ann hg)nnenmit
Das militärisdre Durömarsösredrf. lördert werden.
l) Die Taxen, welche
Es handelt sich unter diesem Titel nicht um die wichtige porte za entrichten
völkerrechtlicheVerpflichtung eines neutralen Staates,im Kriegs- deutschc Bundestru
falle keinc feindlichen Truppen durch sein Gebiet marschieren von Truppen über
zu lassen. Fs handelt sich hier um vertragliche Verpflichtungen, bezw. grossherzog
die statuiert werden, um Militärpei.sonenauf denjenigen Bahnen sclten in gleicher-\l
befördern zu können, die sowohl schweizerisches wie ausländisches gierang untersagt
Gebiet berühren.77) der Schweiz od.\er
Es ist klar, dass bei Militärtransporten Vorsicht geboten ist, würde..(
nicht nur um der Neutralität willen, sondern auch, weil es die
Dieser ausführlichen,
Souveränität eines Staates nicht erlaubt, dass auf seinem Staats- Ttuppen anbetrifft, doch r
gebiet der fremde Staat über militärische Machtmittel verfügt.
lung kann noch folgendes!
Zwischen der Schweiz und ihren Nachbarstaatensind in dieser ziehung hatte die Eisenba
Hinsicht folgendeRegelungengetrotfenworden: Wert, wenn es sie für Tnl
Im Vertrag betreffenddieWeiterführungder badischen Eisen- aber durch einen solchen
bahn über schweizerisches Gebi,etvom 27. Julil11. August 1852 von Seiten der Schweiz so
(der heute noch gilt inbezug auf Bau und Betrieb des Badischen
beharren, obwohl die Schn
Bahnhofes in Basel mit den Zufahrtslinien) ?8) Tautet Art. 32: dürfte, gegen 1000 Mann ü
,,Die Eisenbahn von Hal.tingen nach dem Bodensee ldann Der Vorteii liegt, was das 1
zum Transport von CeutschenBundestruppen von badischem zerischerSeite: während <
Gebiet über schweizerischesTerritori,um nach badischemGebiet
sowie von eidgenössischen Tru.ppenvon schweizerischemGebiet
über badischesTerritoriu.mna.chschweizerischemGebiet ieweils
unter folgenden Bedingungen benützt werden:
a) Die betreffende l(reis- oder l(antonsregierung, durch d.eren
Gebiet der Durchg,ang stattt'inden soll, muss in der Regel teressender Schweiz anqem
24 Stunden, in drinqenden Ftillen aber, wo twnliclt, min- gen bei Basel und Schaf-fha
destens6 Stunden vorh.erdavon in Kennlnis geselzt werden. könnten, als wenn die Bahn
hinziehen würde. Die Beu
b) Die Bahnzüge, mit welchen Truppen beJördert u,erden, von der Schweiz aus unterb
haben ohne Anhalten durch das resp. fremde Gebiet durch-
Das Recht der Sperre im I
zugehen, und es sollen mit einem Zuge nicht mehr als
Vertrage nicht vorsehenwo
?7)vergl. auch Strupp, Band I, S. 262. wegenGefährdunqder Neut
i8) AS 3. a. F. 438.
,,Für solche Fällä reichen
150
1000 ll4ann oder eine Batterie Artillerie nebst Bedeckung
v,on.einer l(ompagnie oder Schwadron belördert werden.
c) Beide l(ontrahenten behnlten sich überdies voF, solche
Truppentransporte auf ihrem resp. Gebiete gutlindenden
Falls durch einen Kommisstir begleitan zu lassen.
Ein gleichesRecht ist den betreffendenl(antonsregier-
angen v,orbehalten.
d) Die Tr,uppen haben dns fremde Gebiet mit ungeladenem
Gewehr, abgelegterM,unition, ohne aufgeTtflanztesBalonett,
lliegende Fahne und hlingendes Spiel zu passieren.
e) Einzelne ,44ilitärswnd Abteilungen von nicht mehr als 30
tl4ann kginnenmit iedem Zug, ohne weitere Anzeige, be-
fördert werden.
f) Die Taxen, welche schweizerischerseits
'in lür Truppentrans-
porte zu en.trichten sind, sollen gleicher Weise wie für
deutscheBundestrappenentrichtet werden. Der Transport
von Truppen über die Bahnstrechenauf schweizerisch.em
bezw. grossherzoglichemGebiet kann von der schweizeri-
schen in gleicher Weise wie von der grossh?rzoglichenfte-
gierung untersagt werden, wenn dadurch d.ie Neutralität
der Schweiz oder des GrossherzogtumsBuden gelährdet
würde.t(
Dieser ausführlichen, vorsichtigen und, was die Anzahl der
Truppen anbetriffi, doch wieder erstaunlich weitgehendenRege-
lung kann noch folgendesbeigefügtwerden: In militärischerBe-
ziehung hatte die Eisenbahnnatürlich für Baden nur dann einen
Wert, wenn es sie für Truppentransp,orteverwend,enkonnte. Da
aber durch einen solchen Transport eine bedeutendeKonzession
von Seiten der Schweiz vorlag, so musste sie auf Gegenseitigkeit
beharren, obwohl die Schweiz nicht gerade in die Lage kommen
dürfte, gegen 1000 Mann über badischesGebiet zu transportieren.
Der Vorteil liegt, was das Territorium anbetrifft, zwar auf schwei-
zerischer Seite: während die badischen Truppen gegebenenfalls
nur die wenig ausgedehntenvorspringendenGebietsteilebei Basel
und Schaffhausenbetreten, können schweizerischeTruppen zum
Beispiel auf der ganzen langen Strecke von Basel bis Schaff-
hausen durch badisches Gebiet instradiert werden. Im Falle
eines Krieges, so wurde damals gesagt, dürfte es den In-
teressender Schweiz angemessener sein, wenn die Bahnverbindun-
gen bei Basel und Schaffhausengesperrt und unterbrochenwerden
könnten,als wenn die Bahn sich längs des Saumesunserer Grenze
hinziehen würde. Die Bewegung von deutschenTruppen müsse
von der Schr,veizaus unterbrochenund erschwertwerden können.
Das Recht der Sperre im FaIIe ,einesKrieges hab'eman aber im
X'ertragenicht vorsehenwollen; in dem Verbot des Durchgangs
rregen Gefährdungder Neutralität habe man genügendeGarantien.
..Für solche FäIle reichen Vertragsbestimmungen überdies nicht

151
aus, und Kriegsrecht bricht jedes andere Vertragsrecht", meint Ausschluss wurde anläss
die Botschaft.Te) 1870171noch näher inter
Infolge der Auflösung des vormaligen DeutschenBundes,der Baden so ausgelegt, das
verändertenpolitischen Verhältnisse in Deutschland,war Art. 32 amten und Bediensteten<
des Vertragesvon 1852 seiner Grundlage verlustig geworden,weil herzogtums (Zollgardiste
die im Vertrage vorgesehenendeutschenBundestruppennicht mehr und umgekehrtgestaftetw
in gleicher W,eise bestanden,und weil das Grossherzoglumnun sa$t war. sz)
mit einer Mitritärmachtin ein Bündnis getreten war, deren Stel-
lung nicht sow,ohl gegenüber der Schweiz, als gegenüber allen Ueberhauptbereitete
ihren Nachbarstaateneine wesentlich andere wurde, als die des dem Bundesratewährend
frühern DeutschenBundes. Diese Tatsacheund der Hinblick auf
Verwicklungen, die dannzumalwie in Zukunft entstehenkönnten,
bewogen im Jahre 1867 den Bundesrat, einen Vertrauensmann
an die badischeRegierung abzuordnen,um einen Verzicht auf jene
Vertragsbestimmungzu erwirken.80)
Darauf wurde am 9.119. Juli 1867 folgendesProtokoll über grenze,benutztedie Bevölk
die Verzichtleistung auf Art. 52 des Vertrags von 1852 verein- Genf.) Die Behördenan d
bart:81)
Art. 1 :
,,Es wird'von der einen wie von der andern Seite lür die
Zukunlt aul iede Anwendung des Art. 32 Nür die Truppen-
tr,ansporte verzichtet, sowohl in Bezug aul die Transporte
schweizerischerTruppen mittelst der Eisenbahn über badisches
Gebiet, als inbezug auf den Transport deutscherTruppen über
schweizeris ches Gebiet.('
Art.2:
,,Das in Art. 36 des ni)mlichen Vertrags für die Zweigbahn
im Wiesent,stv,orbehalteneRecht des Transports soll ebenlalls
ausserAnwendung kommen.'3
Art. 5:
,,Der Durchzug mittelst der Eisenbuhn über das Gebiet der
beiderc St,aatenohne vorausgegüngeneAnzeige bleibt indessen
für die Zeit des Friedens zur Erleichterung des grenznachbar-
Iiclten Verhehrsfür einzelnereisendetWilitärs und hl.einereAb-
teilunge,n unter 30 il4.ann,mit ungeladenem Gewehr, ohne .ll4u-
nition und ohne aufgepfl.anztesBaionett, sotvie lür bewalt'nete
Be,amteund Bediensteteder ölfentlichen Verwaltung auch ler-
nerhin gesichert.
Einem iedem der beiden Staaten soll übrigens d.ieBefugnis
z,ur Untersag,ungdieses Durchtransports für den Fall und auf
die Zeit ausdrüchlich vorbehaltensein, wo das Interesse seiner
Sicherheit oder der Neutralität eine Einstelluns' erh.eischen AIIein er erfuhr in der
könnte '( troffgn ,worden waren, um
Der gegenseitigfreie Militärtransp,ort sank so, im Interesse durchzuleiten und dass sich
der Neutralität der Schweiz, von 1000 auf unter 30 Mann. Dieser reau etabliert hatte, um die
7e) tsBl. 1852.I11.772. vergl. Schollenberger,
80) vergl. auch Schollenberger,Die Schweiz seit 1848,5.222 tr. III, g0;?
81) AS 9. a. F. 79, BBl. 1868,1I,527, Salis, I, 391. 83) BBI 1870, III, 806.

152
Ausschluss wurde anlässlich des deutsch- französischenKrieges
1870171noin näher interpretiert, nä_mlichso: Art. 5 wurde für
Baden so ausgelegt,dass der Durchgang der bewaffnetenBe-
amten und Bedienstetender öffentlichen Verwaltung des Gross-
herzogtums (Zollgardisten, Gendarmen) durch Schweizergebiet
und umgekehrtgestattetwurde und nur,eigentlichenMilitärs unter-
sagt war. 82)
Ueberhauptbereitetendie Bahnfragen an der badischenGrenze
dem Bundesrate während des Krieges schwere Sorgen. Junge,
waffenfähige Leute, welche dem militärischen Aufgebot Folge iei-
steten, durchzogen,um sich zu ihren Stellungsplätzenzu begeben,
schweizerisches Gebiet. (Die badischeBevölkerungdes Seekreises
und des Oberrheins benutzle dazu die badischeBahn auch durch
die Kantone Schaffhausenund Baselstadt,und, an der West-
grenze,benutzledie BevölkerungSavogensdas Gebietdes Kantons
Genf.) DieBehördenan derNordgrenzetregtendiesenDurchzügen
zuerst Hindernissein den Weg, was in Baden natürlich grosse
Aufregung verursachte. Der Bundesrat glaubte daher, das Ver-
fahren an allen Orten gleichmässigordnen zu müssen,und er gab
den GrenzkantonenWeisung, Personenohne Uniform und Waffen
auf den kleinen Gebietsparzellen,über welche ihr gewöhrtlicher
und natürlicher Weg führte, frei passierenzu lassen. Damit war
wohl eine richtige Lösung getroffen worden; einmal konnte von
gegnerischerSeite nicht von einer Begünstigung des Feindes in
dem Sinne gespr,ochen werden, dass Militärtruppen durch schwei-
zerischesGebiet ziehenkonnten. Anderseitskonnte auch Deutsch-
land nicht reklamieren, die Verhinderung seiner Wehrpflichtigen
sei eine BegünstigungFrankreichs.83)
Schwieriger wurde in der Folge ein anderesverwandtesVer-
hältnis: Es fingen junge Leute aus dem Elsass an, durch die
Schweiz nach dem Süden von Frankreich zu ziehen. Ueber die
Ursache dieses Durchzugs war man nicht im Klaren. Einmal
meinte man, dass im Oberelsassinfolge des Krieges die Fabriken
stille ständenund die Arbeiter desweEenauswanderten;dann aber
hielt sich die Version aufrecht, die französischeRegierunghabe ein
Massenaufgeboterlassen,dem sich niemand entziehenkönne. Da
man nicht recht wusste,was nun galt, traf der Bundesratkeine
Massnahmen,da er weder für Deutschlandnoch für Frankreich
den Polizisten spielen wollte.
Allein er erfuhr in der Folge, dass förmliche Massregelnge-
troffen worden waren, um diese Zige durch Schweizergebiet
durchzuleitenund dass sich in Basel sogar ein französischesBu-
reau etabliert hatte, um diese Durchzüge zu organisieren. Der
82) vergl. Schollenberger,Die Schweiz seit 1874,S. 23. BBl. 1870,
III, 802.
83) B B I 1 8 7 0 I, r I , 8 0 6 .

153
Der Notenwechselst
für die Anwendung des V
tokolls von 1867 fortgelall
nis bestehe,dass dle ubn
tokolls weiter angewend
anbetrifff, so weiden erli
passierten,so unfersagteer, um die beiden kriegführenden Teile
vollsfändig gleich zu behandeln,auch diese Durchzüge.
Schon zu Anfang des Krieges hatte zudem der Bundesrat in
4nt Verordnung betreffend Handhabung der Neutralität der
Schweizvom 16. Juli 187085) verordnet,dassWaffen und Kriegs-
material, welch,evon den kriegführ,endenStaaüenauf Schweizör- geschlossene Formationen
gebiet gebrachtwürden, sei es von Flüchtlingen und Deserteuren, beamten Anwendung finde
oder in anderer Weise, mit Beschlag zu belegen sei (Art.5). Bezüglich des Strasse
Nach 'diesemkurzen Blick in die Verhältnisse zur Zeit des pflichtige fernerhin auf der
deutsch-französischenKrieges kehren wir wieder zur rJ ebereinkunrt unmittelbar zu ihrem Wol
von 1867 zurick. Deren Bestimmungenwurden durch beidseitige Die schweizerischenV
Erklärungenvom 18.124.Januar189886)auch auf die Beförderung biet ohne Aufenthalt sich a
von Militärpersonen auf der Bahnlinie Eglisau-schaffhausen und die Uniiorm tragen,
ausgedehnt. aber diejanigen schwäize
In der Folgezeit erhob sich über die Auslegung dieser Er- ihren Wohnsitz haben unc
klärung noch folgende Kontroverse: Die badilchä Regierung von da sich wieder nach I
fasste die Bestimmung des Art. 3 dahin auf, dass beim Tränsport . . Mit dem Begriffe ,,e
von Reservistenund Rekruten unter militärischem Kommando nur sorcnegemeint, die nicht
die Stärke diesesKommandosin Betracht zu kommen hätte, wäh- militärischer Führung steh
rend die unbewaffnetenund meist nicht einmal Uniform tragen- Die Polizeibeamien, tn
den Rekruten und Reservisfen nicht zählen sollten. Einzelne- der dürfen zur Besorgurg des
kantonalen Behörden vertraten dagegen die Ansicht, dass auch zur Verhütung naEe 6evors
die unbewaffnetenRekruten und Reservistenbei Bemessunoder gebrochenerpolitischer od
zulässigen Stärke eingerechnetwerden müssten. lorm oder in Zivil und u
Um die aus dieser Meinungsverschiedenheit bei Transporten nötigen Handmunition die
der bezeichneten Zusammensetzungentsteh,endenSchwierigkeiten Grenzstrassenzu Fuss oder
zu beseitigen,tauschteder Bundesrat1899 mit der badischenRe- reisenhabenaber auf dem I
gierung gleichlautende Erklärungen aus, wonach die Befrrgnis
zum-Durchtransport von Rekruten und Reservistenin beliebiger
Zahl zugestandenwird, sofern die bewaffnete Mannschaft äie
Zahl 3O nicht erreicht. Somit hatte der badische Standpunkt
gesiegt.s?)
Erst nach dem Weltkriege wurden die Bestimmungenbetref- Pr,otokollsvon 1867, Art. 3,
fend die Militärtransporte in eine neue Fassunq gebraiht, indem Auf den Strassenverk
7928 ein schweizerisch-d,eutscher Notenwechsel betreffend den der Art. 5 Abs. 2 desprotoko
Verkehr von Militär- und Polizeipersonenauf gewissenschweize- sagungdesDurchgangsverk
risch-badischenEisenbahnstrecken und Grenzstrassenstattfand.s8) heit oder der Neutralität an
Eisenbahnverkehrkeine Ge
8a)vergl. BBI 1870,III, 806,Strupp,Wörterbuchd. VR. I 262. scheinlich die Bahn für den
85)AS 22, 264.
86)AS 16, 576, BBI 1900,I, 664, Salis, I, 392. wie früher in Betracht komn
84 Erklärung von 29.August/4.September1899.AS 17, 368. _ Einschränkungen betref
88)vom 12./14.November 1928. AS 1928.No. 29. dann in der Uebereinhunftd

754
Der Notenw,echselstellt zuerst fest, dass die Voraussetzung
tür die Anwendung des Vorbehalts von Art. 5, Absatz 2 des Pro-
tokolls von 1867 fortgefallen seien,dass aber darüber Einverständ-
nis bestehe,dass die übrigen Bestimmungendes genanntenPro-
tokolls weiter angewendetwürden. Was den Eisenbahnverkehr
anbetrifft, so werden erläuternde Erklärungen dazu abgegeben;
unter dem Begriff ,,bewaffneteBeamteund Bediensteteder öffent-
Iichen Verrvaltung" seien auch die Gendarmerieund die Polizei-
beamten verstanden; ebenso werde die bisherige Auslegung des
Art. 5 weiter angewendet,wonach die vertragliche Höchstgrenze.
von 50 Mann, sowie das Verbot des Mitführens der Munition für
geschlossene Formationen auch für die Gendarmerie-und Polizei-
beamten Anwendung finde.
Bezüglich des Strassenverkehrssollen einzeln reisendeWehr-
pflichtige fernerhin auf den Strassen,die über fremdes Staatsgebiet
unmittelbar zu ihrem Wohnort führen, verkehren dürfen.
Die schweizerischen'Wehrpflichtigen, die über badischesGe-
biet ohne Aufenthalt sich auf schweizerisches Gebiet zurückbegeben
und die Unif,orm tragen, dürfen ebenfalls frei verkehren, nicht
aber diejenigen schweizerischenWehrpflichtigen, die in Baden
ihren Wohnsitz haben und von Baden aus in die Schweiz und
von da sich wieder nach Baden zurückbegebenwollen.
Mit dem Begriff,e ,,einzeln reisende Wehrpflichtige" sind
solche gemeint, die nicht im geschlossenenVerbande und unter
militärischer Führung stehen.
Die Polizeibeamten,in Ausnahmefällenauch mehrere Organe,
dürfen zur Besorgung des laufenden Dienstes (nicht der Dienst
zur Verhütung nahe bevorstehenderoder zur Unterdrückung aus-
gebrochenerpolitischer oder wirtschaftlicher Unruhen) in Uni-
form ,oder in Zivil und unter Mitnahme von Waffen und der
nötigen Handmunition die über auswärtiges Gebiet f ühr,enden
Grenzstrassenzu Fuss oder per Fahrzerge b'enützen.Diese Durch-
reisen haben aber auf dem kürzestenWege zu erlolgen und Amts-
handlungen,z.B. Gefang,enentransporte, sind ausgeschlossen. Der
blosse Dienstausweisgenügt als Legitimationspapier. Auch den
Zollbeamten und Angestellten ist die Benitzung der kurzen Aus-
landsstreckengestattet. Geschl,ossene Formationen von Polizei-
und Gendarmeriebeamtensind nlur zur Bahnfahrt, gemäss des
Protokolls von 1867,Art. 5, ermächtigt.
Auf den Strassenverkehrfindet nun aber interessanterweise
der Art. 5 Abs.2 desProtokolls wiederAnwendung,der die Unter-
sagung desDurchgangsverkehrs im Interesseder staatlichenSicher-
heit oder der Neutralität anordnet. Er scheint also nur für den
Eisenbahnverkehrkeine Geltung rnehr zu besTtzen,weil wahr-
scheinlichdie Bahn für den Tiansport nicht mehr in dem Masse
wie früher in Betracht kommt.
Einschränkungenbetreffend .lVlilitärtransp,ortefinden wir so-
dann in der Uebereinkunftder Schweiz mit Itallen betreffend die

155
Uebertragung der von der italienischen Regierung der Jura-Sim- strikten Handhabung des
plonbahngesellschaft erteilten Konzessionfür den Bau und Betrieb nahme ihre Rechtferiigun
der Simplonbahnauf den Bund, vom 16. Mai 1905.8e) Die Ausnahmenbesü
Italien behält sich darin vor (Art. 10), betreffenddes Betriebs mit Italien durch die Rüt
der auf italienischem Gebiet gelegenenStrecke diejenigen Mass- bezug auf die Anlage der
nahmen zu verlangen,die in seinem militärischen Interesseerfor- in.den Verträgenmit Bac
derlich sind, d. h. es soll u. a. das Recht haben, reine Militärzüge .brlrenntnis heraus gewac
mit italienischemPersonal und Material auf der Strecke von Do, Grenzziehungzwisclien di
modossola bis zur Landesgrenzeverkehren zu lassen. Man er- nötig gewordenenEisenba
innere sich, dass der Fahr- und Zugsdienst auf dieser Strecke reich des Möglichen ziehe
von den S.B.B. ausgeübtwird. Die italienischenMilitärtransporte geschah und geschiehtahx
berühren nun natürlich nicht, wie an der Nordgrenze, das Gebiet meidung jegiicher nach I
zweier Staaten, sondern bleiben auf italienischem Territorium. stalten, dass dieses ausn
Dennoch hat, um den Betrieb nicht unnötig zu erschwerenund fluss des Rechtes auf Verl
die Rechte der S.B.B. auf den Zugs- und Fahrdienst nicht zu der Schweiz in keiner We
schmälern, bevor die Militärzüge verkehren, aine Verständigung Während des Weltkrie
mit der schweizerischen Bahnverwaltungstattzufinden (Lokomotive litärpersonen natürlich ges
und Wagen werden von Italien geliefiert). Schaden, den diese Von militärischenüei
Militärzüge eventuell anrichten, soll den S.B.B. vergütet werden.
Italien kann aber diese Zige durch italienischeMilitär- oder Zi.
vilbeamte begleifen lassen, um die Milifärzüge zu bewachenoder
aus einem andern Grunde. Ja, die Italiener können sogar, aller-
dings nur nach Verständigung mit den schweizerischenBeamten,
einen gewöhnlichenZug an irgend einem beliebigen Punkte der
Strecke anhalten lassen, wenn dies der Militärzug erfordert. Es
soll aber, mit Rücksicht auf den geregeltenVerkehr, nur in Aus-
nahmefällengeschehen. Sonst aber ist es den italienischenStaats-
bahnenuntersagt,auf dieserStrecke(Domodossola-Iselle)eigene
Züge zu führen.eo)
Eine ganz vereinzelteBestimmunghabe ich im Vertrag betrel-
fend Weiterführung der badischen Eisenbahn durch den Kanton Anno 1891 erliess de
Schaffhausenvom 50. Dezember1858 gefunden,die der Kuriosität Betretens schweizerischen(
halber mitgeteilt sei. Art. 4 Abs. 2 schreibt vor, dass insbeson- neter und uniformierter ]ll
dere die Bahngebäudeniemals mit einer Einquartierung belastet Gesandten bei den angrenz
werden sollten.el) dern, die Aufmerksamkeit d
Der Grund dieser VerfüEunglag wohl darin, dass die Bahn- sen Punkl hinzulenken De
höfe, besondersSchaffhausen,gemeinschaftlichbetrieben wurden. gendesbei: e5)
(Sonst sind Bahnhöfe beliebte Truppenquartiere.) ,,Der Bundesrat kann t
Diese Bestimmungtreffen wir daher in keinem VertraEewie- Unter,offiziere und Soldut
der an. Andere Militärartikel haben wir nicht gefunden. ohne Erla.ubnis der Sc/nt,
Aus dem Gesagten geht hervor, dass grundsätzlich Durch- die a,uskindischenftegiert
zugsberechtigungfremder Truppen auf keiner schweizerischen ,44i I itä r per son en dul.d.e"n.
Eisenbahnlinie oder Strassenstreckebesteht. Im Interesse einer B.undesrat in den Grenzb
8e)AS 20, 2. BBI 1903,IV, 245. auch Hiltv, II,
e0)vergl. Art. 6 der Uebereinkunft der beiden \rerwaltungen betr. ??) fgtg!.
el) Die
^ häufigen Grönzr.er
den Betrieb der BahnstreckeDomodossola-Iselle vom 19.Februar I906 z . t J . a n d e r i t a l i e n i s c h e nG r e n z
(AS 22, 264.) e4) BBI 1891, I. 784.
ut; AS 6, a. F.204. e5) BBI 1892,,11,792.

loo
strikten Handhabung des Neutralitätsprinzips findet diese Mass-
nahmeihre Rechtfertigung. e2)
Die Ausnahmenbestätigen die Regel. Sind sie im Vertrage
mit Italien durch die Rücksicht auf die Lage dieses Staates in-
bentg auf die Anlage der Bahn und deren Führung bedingt, so
in den Verträgen mit Baden und dem DeutschenReiche aus der
Erkenntnis heraus gewachsen,dass die politisch-geographische
Grenzziehungzwischen diesen beiden Ländern und die dadurch
nötig gewordenenEisenbahnanlagenMilitärtransporte in den Be-
reich des Möglichen ziehen mussten. Die Ausführung derselb,en
geschah und geschieht aber mit so viel Sorgfalt und unter Ver-
meidung jegiicher nach NeutralitätsverletzungaussehenderAn-
stalten, dass dieses ausnahmsweise,,Durchzugsrecht", als Aus-
fluss des Rechtesauf Verkehr, die Sicherheit und die Neutralität
der Schweiz in keiner Weise tangiert.
Während des Weltkrieges 79l4ll8 war jeder Verkehr von Mi-
litärpersonen natürlich gesperrt.
Von militärischenVerletzrngen der Neutralität,die zei-
gen, dass die Schweiz, wo keine vertragliche Bindungen sie ver-
pflichten,jede Missachtungder Neutralität durch fremde Truppen
als völkerrechtswidrigeHandlung betrachtet, seien die folgenden
kurz erwähnt:e3)
Am Morgen des 7. Okt. 1890 passiertenbewaffnetedeutsche
Soldaten unter Anführung eines Leutnants von Leopoldshöheaus,
die sich auf den Badischen Bahnhof in Basel b,egebenwollten,
schweizerisches Gebiet,gingen durch verschiedene StrassenBasels
und hielten sich in Erwartung der Abfahrt ihres Zuges längere
Zeit in der Umgebungdes Bahnhofesauf. - Die Reichsregierung
veranlasste,auf Begehren des Bundesrates,die Bestrafung des
Leutnants.ea)
Anno 1891 erliess der Bundesrat, angesichtsdes häufigen
Betretens schweizerischenGebietes seitens ausländischerbewaff-
neter und uniformierter Militärpersonen, ein Schreiben an die
Gesandtenbei den angrenzendenStaaten, um sie darin aufzufor-
dern, die Aufm'erksamkeitder betreffendenReEierungenauf die-
sen Punkl hinzulenken Der Bundesrat fügte dieser Meldung fol-
gendesbei: e5)
,,Der Bundesr,athann nicht zugeben, dass fremde Olliziere,
Unteroffiziere und Soldaten in Uniform, bewaffnet oder nicht,
ohne Erlaubnis der Sclu.veiz,dieselbebetreten, ebensowenigals
die auskindischenftegier,ungensolches seitens schweizerische r
tl4ilitärpersonendul.den. Es versteht sich von selbst, duss cler
Bundesrat in den Arenzbeziehungeneine gewisse Duldsam.lzeit
e2)vergl. auch Hilty, II, S. 669.
93)Die häufigenGrenzverletzungen durch Einzelpersonen,rvie sie
: B. an der italienischenGrenzedes öftern vorkommen, übergehenwir.
e4)BBI 1891,I, 784.
e5)BBI 7892,I1,792.

757
nicht ausschliessenwill, aber er hält darauf, duss diese aut' das
Notwendige beschri)nkt werde, so dass ersichtlich ist, da,ss es
sich unL eine blosse
,Duldung und nicht um ein Rechl irgenrt-
welcher Art handelt.((
Hiltg berichtet,e6) dass den Olfizieren der l(onstanzer Gar-
nison der Befehl zugegangensei, die nahe schweizerische Grenze

einen B,esuchabstattete, der dieses anfänglich in nicht geringe


Aufre^g_ung versetzte,da man diese Reiter Jür deutscheTiuppen
hielt.eT)
Diese Hinweise möEen genügen. Kamen während des Welt-
krieges v'erletzungen vor, so wurden die auf unser Gebiet über-
tretendenfremden Truppen hier interniert, nachdemman sie ent-
waffnet hafte. (Man denke an den uebertritt von österreichischen
Truppenteilennach Graubünden,November1918.)

$ 12.
Die Tunnels an dcr Grenze.
Einige Bestimmungender Eisenbahnverträgereqeln Zutritts-
recht, Gerichtsbarkeitund Sicherheitsvorkehrerlzum' Schutze des

. Völkerrechflich gilt de
eines Staaües sowohl"auf
di
Luftsäule als auch auf
das ,

In der Botschaft zum Simplonvertrag von 1896 (betreffend


-den
Bau und Betrieb einer Eisenbahn durch Simplon von Brig
nach Domodossola) os) bemerkt der Bundesrat,dass, während ei
so)Hilty, VII, 423.
e?)Hilty, VI, 321.
e8)vergl. Schollenberger, Die Schweiz seit 1874, 369, Fleiner,
^^,^^
86/88.Änm.
ee)BBI 1896,IV, 927. too;Die Schweiz
seit 1g71
158
Schollenbergerroo; ist mit der Anlage der Linie bezw. des
Tunnels nicht einv,erstanden.,,Italien ü-berliessdie Mühe der
technischen, finanziellen und
_vertraglichenvorb,ereitung völlig
dem Bundesrat und der Jura-Simplonbahn, stellte einfaöh seine
Bedingungen,ohne sich auf eine Diskussion derselben€inzulassen,
und gewärtigte stolz die vorlage eines denselbendurchaus ent-

während des Baues 'des Tunnels tauchten interessantevöl-


kerrechtlicheFragen auf. Der Bau wurde nämlich von der Nord-

völkerrechtlich gilt der Satz, dass sich die Gebietshoheit


eines Staates sowohl auf die innerhalb seiner Grenze befindliche
Luftsäule als auch auf das in diesemRaum sich befindende Erd-

too;Die Schweizseit 1874.S. 373.

159
hebungenzur Feststellung des Tatbestandeszu machenund auch
richtungen im Innern d
zur Yerhaltung des oder der Urheber der Tat zu schreiten.
sei- denn, dass sie vom
Beide Regierungenhatten sich auch über einen modus vivendi
aufgefordert würden
verständigt, um die Anwendung der italienischenGesetzeauf Un- 1A
italienischen VerteidiEi
fälle zu ermöglichen, die sich im italienischen Teil des Tunnels,
Bahnbewachungs-und
vor dessenDurchbohrung,ereigneten. Das italienischeGesetzvom
uncl müssensich nach
77. Irllärz1898 über die Unfälle bei der Arbeit bestimmt nämlich,
Sicherheit desselbenricl
dass die Leiter von Unternehmungen,Industrien oder Bauten der
Ortsbehördevon jedern Arbeitsunfall, bei Strafe einer Geldbusse, lVlinenanlagenim
Nachricht zu gebenhätten etc. - Um dem Wunsch der italieni- u-runde, weil die Grenz
schen Regierung entgegenzukomrnen, wurde der Unüersuchungs- $ese.snotigenfalls sperr
u.urcnschlag
richter von Brig beauftragt, die Anzeigen von Unfällen, die im zu gewärtig
Simplontunnel, auf italienischem Gebiet, vorkamen, in Empfang 27. Juni 19b4 ge"schaffe
zu nehmenund die von dem italienischenGesetzvorgeschriebenen Würde der Tunnel ir
Untersuchungen zu machen. Die Untersuchungsaktenwurden flan$e fallen, so wäre
dann dem Staatsanwaltbeim Gericht von Domodossolazugestellt. Drochen,der als strateg
Also Beurteilung von Delikten, begangen auT italienischem einen
.F_aktorgrosser nat
Gebiet von italienischenBürgern, durch italienische Gerichte, ob- ung blldet. Eine rasche
wohl der Teil deq Staatsgebietes,wo delinquiert wurde, Italien tores.istein elementares
I
nicht direkt zugänglich war. Die Schweiz leistet Rechtshilfe. ranlgkeit, sagt die Botsc
Schweizerischedelinquierende Arbeiter werden von schweizeri- einer Sperrung
schen Gerichten abgeurteilt, da die Schweiz keinen ihrer Bürger _,_,-?u
nrcnt
_ gekornmen. Der" I
ausliefert. Beging aber ein Schweizer kein Auslieferungsdelikt, dringlich erklärt. Scholl
so unterstander m. E. der italienischenGerichtsbarkeit,da er auf
italienischem Territorium ein Vergehen oder Verbr'echenbeging. .- ,, . . . Aber also nur c
weil man die Ausmündu
Im Uebereinkommenbetreffend den Anschluss des schweizeri- o.am weiter um so notwe
schen Bahnnetzesan das italienische durch den Simplon etc. vom rlscheBesetzungseines
2. Dezember1899101)heisst es in Art. 13: Tr
. Pu. Telegraphen-un
,,Die volle Au.sübungder Souveränitritbleibt ieder ftegierung gelegt wurde, r
für die aut' ihrem Gebiete belindlichen Bahnlinien vorbehalten. l:,.l.urnnl
waltungengemeinsam. ro;;
Aul Cr,und des im ersten Alinea dieses Artikels erwähnten
und unbescltudetder durch die Sicherheit Auch im Mont d,Or
S,ouveränitiitsrechtes
'des BetriebesgebotenenEinschrtinlzungsollen die Beamten der yu.1de_die Gerichtsbarkei
r erte des Tunnels folgend
italienischen Militrirverwaltung Zutritt erhalten zu den im ita-
lienischen Teil des gr'ossenTannels befindlichen Befestigungs- In dem auf französisc
anlagen. Diese Anlagen hönnen erlorderlichenfallsmit Wachen rcnwerzerseite zugänglich
oder Wachtposten versehenwerden." zerischenBehörde]nnäi et
Un
Eine weitere Vereinbarungmit Italien betreffend militärischer are ertorderlichengesetzlic
Arbeiten im Simplontunnel,vom 17. Sept./26. Dez. 1908, wo- als notwendig erwe*isende
r
durch Italien gestattetwird, zwecks Ausführung der militärischen , , ..Djn so verhafteten pe
,,Verteidigungs"werkeim Tunnel bis zur Gr'enzefrei zu verkehren, Denorclenzu
xererungsverfahren -übergeben,oh
ist eine erweiterte Auslegung des Art. 13 des Vertrages von einzule
1899.102) ccnwerzersei. Dann
kom
Die schweizerischen Beamten dürfen unter keinenUmständen,
um das Geheimnisüber die Art der in Frage stehendenArbeiten _ _ ^ ,,ot)^Bf ndesbeschluss
_..
runnet,^AS gb. bet r
20, BBI igbl, ii,
zu wahren, das italienischePersonal bei seinenGängen oder Ver- ,u+; a. a. O.
torl Vertrag betr,
101)AS 18, S. 207. r,*m s.,r m p l o n t u n n ä vl o m Legung
102)Notenwechsel, AS 25, S. 1. ,wurt\otenaustausch M;ilö
vom
160
ll r
richtungen im Innern des Tunnels begleiten oder ihm folgen, es
sei denn, dass sie vom italienischen Personal ausdrücklich dazu
aufgefordertwürden (Abs. 5 des Art. 2 des Notenwechsels).Die
italienischen Verteidigungswerke dürfen aber den ordentlichen
Bahnbewachungs-und Unterhaltungsdienstnicht beeinträchtigen
und müssen sich nach den Bedürfnissen des Betrieb'esund der
Sicherheit desselbenrichten (Art. 4 des N,otenwechsels).
Minenanlagen im Tunnel erschienen notwendig aus dem
Grunde, weil die Grenze im Tunnel liegt, und zu dem Zwecke,
diesesnötigenfalls sperren zu können; sie wurd,en,kurz bevor der
Durchschlagzu gewärtigenstand, durch den Bundesbeschluss vom
27. Juni 1904 geschaffen. lo3)
Würde der Tunnel in kritischen Zelten betriebsfähigin frernde
Hände fallen, so wäre damit der schützendeAlpenwall durch-
brochen, der als strategischesBewegungshindernisersten Ranges
einen Faküor grosser natürlicher Stärke unserer Landesverteidig-
ung bildet. Eine rascheund gründliche Sperrung diesesEinfalls-
tores ist ein elementaresBedürfnis der Vorsorge für unsere\A/ehr-
fähigkeit, sagt die Botschaff.
Zu einer Sperrung ist es bekanntlich auch im Weltkriege
nicht gekornmen. Der betreffende Bundesbeschlusswurde als
dringlich erklärt. Schollenberger macht dazu dre Bemerkung:10a)
,, ... Aber also nur deshalbwar dieseMassnahmenotrvendig,
weil man die Ausmündungdes Tunnels an Italien preisgab,und
dann weiter um so notwendiger, als man Italien noch die militä-
rischeBesetzungseinesTunnelteilsausdrücklichgestattethat."
Das Telegraphen-und Telephonkabel,welches bald nachher
im Tunnel gelegt wurde, gehört beiden Eisenbahn-und Postver-
waltungen gemeinsam. 10b)
Auch irn Mont d 'Or - Tunnel (Zufahrtslinie zum Simplon)
wurde die Gerichtsbarkeit während des Baues im französischen
Teile des Tunnels folgendermassen geregelt.106)
In dem auf französischemGebietegelegenen,aber nur von der
SchweizerseitezugänglichenTeil des Tunnels werden die schwei-
zerischenBehörden bei Unglücksfällen,Verbrechenoder Vergehen
die erf,orderlichengesetzlichenFeststellung'enmachenund die sich
als notwendig erweisendenprovisorischenVerhaftungenvornehmen.
Die so verhaftetenPersonensind den französischenGrenz-
behörden nt ibergeben, ohne dass es notwendig wäre, das Aus-
lieferungsverfahr,eneinzuleiten, es sei denn, dass der Täter ein
Schweizersei. Dann kommt Art. 1 des schweizerisch-französi-
103)Bundesbeschlussbetr. Erstellung von Minenanlagen irn Simplon-
tunnel, AS 20, 85. BBI 1904, II, 155.
10a)a. a. O.
105)Vertrag betr. Legung eines Telcgraphen- und Telephonkabels
im Simplontunnel vom Mai 1905. AS 32, 68S.
106)Notenaustausch vom 31. Oktober 1911. BBI 1902, II, 109.

161
schenAuslieferungsvertrages zur Anwendung (vom 9. Juli 1869),
wonach die eigenen Staatsangehörigennicht ausgeliefert, wohl
aber in ihrem Lande auf Ersuchen der betreffenden Regierung
verf,olgtwerden. Also eine ähnliche Regelungwie beim Simplon-
tunnel.
Werden im in Betrieb gesetztenTunnel Verbrechen und Ver-
gehen begangen,so bestraft diese der Staat, auf dessenTerrito-
rium sie sich ereignet haben (Auslieferungsverträgevorbehalten).
Die Disziplinarvergehender Bahnangestelltenund Beamten sind
Die
nach dem Eisenbahnrecht zu behandeln.10?)
l0?) siehe unten $ 21 : Die Gesetzgebungs- und Disziplinarhoheit.

A
Die Eisenbahnvertr

1) vergl. Fleiner,
471, Ant

162
V. Kapitel.

Die Grenzbahnhöfe.

$ 1 5.
Allgemcines.l)
Die Eisenbahnverträgeenthalten regelmässigauch Bestimm-
ungen über die Änlage, den Bau und die Inbetriebsetzungvon
Bahnhöfen, die die Zige, die aus den beiden Ländern kommenn
aufztnehmenhaben. In ihnen wickeln sich alle diejenigen Funk-
tionen ab, die an einer Grenze notwendig sind: Zolldienst, Post-
und Telegraphendienst,Sanitäts- und Polizeidienst etc. Es wäre
am einfachsten, die Bahnhöfe gerade an di,e Grenze zu steTlen,
einen auf schweizerischen,den andern auf ausländischenBoden,
oder nul ein Gebäude zu errichfen, dessen beide Trakte je in
einem and'ern Land ständen (gare,frontiöre ötablie ä cheval).
Dann gäbe es einen schweizerischenund einen ausländischen
Bahnhof, und die beiden Staaten hätten sich gegenseitignicht in
dem Masse wie heute mit ihnen zu befassen.
Das ging und geht natürlich nicht; nicht nur der geographi-
schen Lage des Durchbrechungsortesder Grenze durch die Bahn
wegen (Flüsse,Berge, Tunnels), sondern auch aus ökonomischen
Gründen, um Einfachheit, Raschheitund reibungslosesFunktionie-
ren des internationalenVerkehrs zu ermöglichen.
Deswegenmusste man, sei es auf ausländischem,sei es auf
schweizerischemTerritorium, gemeinsameBahnhöfe erstellen oder
schon bestehendebenitzen,indem nationale in internationaleBahn-
höfe verwandelt wurden, in welchen beide Staaten gemeinsam
den Dienst versehen,wobei unter dieser Bezeichnung,,g€rneinsam"
alle Spielarten eines Betriebesin einem solchenBahnhof verstan-
den sein können. (Entweder besorgt ein Staat allein den Bahn-
hofsdienst und der andere fügt sich seinen Anordnungen, oder
aber beide Staaten verwalfen im gleichen Bahnhofsgebäude,aber
in voneinandergetrennten Räumen, ihren Bahndienst nach ihrem
eigenenRechte, oder es gibt ein gemeinsamesZusa:mmenarbeiten
unter gleichenBestimmungen.) Das sind aber nur Spielarten des
,jnnern Dienstes". Ebenso wichtig sind die Fragen nach dem
1) vergl. Fleiner, 471, Anm. 33. Lapradelle, 268 ff.

763
Eigentümer des Bahnhofes,nach dem Rechte, dem der Bahnhof . In beiden Fällen r
als solcher unterstelit ist. überschritten,wird eilr
Man kann nicht gut von ,,internationalen" Bahnhöfen im Iremden Staate betrieb
eigentiichen Sinne des Wortes red'en,wenn sie sich ausschliess-
lich auf dem B,odeneines Staatesbefinden. Wenn in ihnen ledig-
lich ausländischeZolI-, Post- etc.-Diensteorganisiert sind, macht
sie dies nicht zu eigentlich internationalen Bahnhöfen, denn sie
sind und bleibendabei nicht nur Eigentumdes Staates,2)sondern
stehen auch unter seiner Hoheit und unter keiner andern.
Internati,onalist meines Erachtensnur ein Bahnhof, wenn ein
Teil desselbendem einen, der andere Teil dem andern Staat ge'
hört, bezw. unter ihrer Hoheit steht und in den b'etreffendenTei-
len nur die G,esetzedes Hoheitsstaatesgelten. Mögen Betriebs- gastgebendeStaat ist E
und Dienstvorschriften,im Interessedes Verkehrs, geteilt oder ge- lichkeiten,ihm gehört c
meinsam sein, wirklich international ist nur ein solcher Bahnhof, tnternationalemVertrag
der unter der Hoheit zweier Staaten steht. Das muss man mit zu halten.
aller Schärfe festhalten.
Um ein BiId zu bekommen von den Bahnhölen an unserer
Grenze,ist es notwendig, die zwischen den Staaten abgeschlosse-
nen Verträge zu anaLgsieren,d.h. zu untersuchen,in welchem
Verhältnis. Landeshoheit und Betriebshoheit zueinander stehen.
Daraus wird sich ergeben, ob wir es mit einem wirklich inter-
nati'onalen,oder einem Gemeinschaftsbahnhof oder mit einem na-
tionalen Bahnhof zl tun haben.
Wir können hier auch der Theorie und Einteilung Lapradelle's
folgen (S. 269); die Sachekommt dabei aufs gleicheheraus.
Lapradelle unterscheidetzwischeneinem ,,gare unique" (Ein'
heitsbahnhof) und einem ,,gare double" (Doppelbahnhof) und
sagt, dass,wenn der Betrieb des zum Bahnhof hinführenden intet-
nationa'len Geleisestückeseiner einzigen Bahngesellschaft,bezw-
einem einzigen Staate übertragen sei, man von einem ,,gare uni-
que" spreclienkönne; wenn aber jede der beiden Bahngesell-
schaften auf fremdem Territorium den Betrieb bis zum inter-
nationalen Bahnhof selber aufrecht erhalte, handl'e es sich um
einen ,,gare double", um einen Doppelbahnhof, also um zwei
Bahnhöfe.
Einheitsbahnhof: Das Land A betreibt die Linie bis zum inter-
nationalen Bahnhof C über das Territorium des
' Landes B. Vom Bahnhofe an wird der Betrieb
vom Lande B, in dem der Bahnhof steht, ge-
leitet.
Doppelbahnhof: Die Streche vom Bahnhof A, der im Lande A
steht, zum Bahnhof B, der im Lande B steht,
wird vorn Lande A betrieben, die Strecke vom
Bahnhof B zum Bahnhof A vom Lande B.
2) natürlich nur. wenn die Bahn staatlich ist, und sie sich auf
dem Territorium des betreffenden Staates be{inden.n)
*) anders: Badischer Bahnhof in Basel.

764
In beiden Fällen wird von einem fremden Staate die Grenze
überschritten,wird aine Bahn durch ein fremdes Land von einem
fremden Staate betrieben.
Der Unterschiedbestehtdarin, dass das Sgstemdes doppelten
Bahnhofes der Souveränität des Staates weniger abträglich ist,
als das des Einheitsbahnhofes,und in unruhigen Zeiten nicht zu
zahllosen Zwischenfällen und Unannehmlichkeitenführt, denn
jeder Staat überlässtin seinem Bahnhof und auf seinemTerrito-
rium dem andern Staate dasjenige, was notwendig ist, um den
Verkehr reibungslos funktionieren zu lassen (Räumlichkeiten für
den Bahndienst,für den Zoll-, Post-, Polizei- und Sanitätsdienst).
Sie liegen diesseiis der Grenze, auf nationalem Territorium, der
gastgebendeStaat ist Eigentümer des Bahnhofes und der Räum-
lichkeiten, ihm gehört das Territorium; dies alles hat er gemäss
internationalemVertrag für die Zwecke des Nachbarstaatesbereit
zu halten.
Im Einheitsbahnhof,der Gemeinschaftsstation, ist alles ver-
einigt. Die Dienstzweige beider Länder arbeiten zusammen,der
Betrieb ist einheitlich geregelt - und wenn natürlich eine Ab-
grenzung zwischenden Dienstabteilungender beiden Staatenauch
vorhanden sein und eine Teilung des Bahnhofgebietes,mehr oder
weniger scharf, zwangsweisedurchgetührt werden muss - so
bestimmt doch ein Vertrag den Betrieb des Ganzenund einer
Gemeinschaftdient der Bahnhof. Er steht auf dem Boden nur
eines Staates,ist aber Gemeingutbeider Länder, nicht international
im strengenSinne, wohl aber gemeinschaftlich,und nicht national,
wie der ,,gare double".
Der Einheitsbahnhofhat vor allem aus den Vorteil, dass er,
obwohl die Souveränität desjenigenStaates, dessenGebiet einzig
und allein von einem fremden Staate befahren wird und dessen
auf seinem Gebiet stehender Bahnhof auch von einem fremden
Staat mitverwaltet wird, viel weitgehender eingeschränktist als
beim ,,gare d,ouble",für die Benitzet des internationalenVerhehrs
viel einfacher und zeitersparenderist: nur ein statt zwei Aufent-
halte und ein vereinfachterZoll-, Polizei- und Sanitätsdienst.
Wie Lapradelle ausführt, bevorz)gen alar die neuern Ver-
träge den ,,gare d'ouble", trotz der Neigung unserer Zeit, mög-
lichst viel zu vereinheitlichen. In der Schweiz ist das aber nicht
der Fall; die m'eistenBahnhöfe sind Gemeinschaftsbahnhöfe, und
nur wenige,an der französischenGrenze,sind als ,,garesdoubles"
errichtet worden. Sie kommt so auch den Intentionen des Völker-
bundesund seinerKommissionennach, indem die Commissioncon-
sultative et technique des Communicationset du Transit in ihrem
7925 inGenf der IIIiöme ConförenceGönöraledes Cornmunications'
eingereichtenEntwurf einen Art. 2 vorschlug,nach dem die Staa-
ten sich bereit erklären sollten. unter sich in freundschaftlicher
Weise die Projekte für die Errichtung eines Gemeinschaftsbahn-
hofes (gare communeunique) zu studieren und sich zu b'emihen,

165
zv einem Ziele zu gelangen. Obschon die Redaktion dieses Ar- wir extra erwähnen
tikels äusserstbehutsamwar, wurde er nicht angenommenund an gerichte etc.).a;
seine Stelle ein anderer Art. 2 gestellt, der folgenden Wortlaut .ttonstanz. Betr
hat: g_rundsätzlich und allge
,, ... Vu. I'intöröt q,ueprösente,en gönöral, poar les u.sagers allerdings über die Nät
d,u chemin de fer et en Ttartic,ulierpour les voyageurs, la röu- verschiedenenandern B,
nion en m/me point des diverses opöralions d la sortie et ci waren nicht erhälflich)
I'entröe, les Et,ats qu'estimeraientne pas en ätre empöchöspar stanz seit jeher auf bad
des considörations d'un autre ordre s'eflorceront de röaliser war und von der schwe
cette röunion; soit pour l'ätablissementde gares- lrontiäres com- verwaltung gemeinsambr
munes, ou tout au moins des gares communespour chaque di-
auch. Eine Zollgrenze geh
rectian, soit par tous autres moyens appropriös. L'Etat sur le etwa Hoheitsgrenz
territ,oire auquel se trouve La gare frontiDre commanedonnera scher Grenze zu verwech
d I'autre Etat toutes lacilitös pour l'ötablissementet Ie fonc-
tionnemenl des bure,auxnäcesssiresaux servicesindisnensables
d l'exöcution de tralic international."s\
Dieser neue Artikel drückt wohl den Wunsch auf Errichtung
gemeinsamerBahnhöfe aus, üb,erlässtaber die Verwirklichung des-
selbeu dem guten Willen der Staaten, ,,Qüi peuvent estimer en sen, die dartun, dassder
€tre empöchöspar des consid6rationsd'un autre ordr€", d. h. fügt in dem Sinne, dass den
Lapradelle hinzu, ,,que I'intöröt des vogageurs".
Die Unterscheidung,die hier getr,offen wurde (gare unique
und gare double) ist nicht so sehr wesentlich für das Folgende.
Wir haben lediglich zu untersuchen,unter welche Kategorie die
Bahnhöfe an der schweizerischenGrenze, bezw. befahren von
schweizerischenBahnen, gehören. Ueberall sind Verträge ab-
geschlossenworden. Rechtlich stellt sich die Lage so dar: Bei
zwei Grenzbahnhöfenhaben die betr'effendenStaaten, auf deren
Gebiet der Bahnh,ofsteht, die volle Hoheit über denselben,rä:u-
men aber dem Nachbarstaate für seine Bedürfnissedurch Vertrag
Räumlichkeiten etc. ein; dieser gem,einschaftliche Bahnhof steht
tnotzdem unter der Hoheit des Territorialstaates,weist aber ge-
meinschaftlichen,durch Vertrag geregeltenBetrieb auf. In einem nur aut' den Bahnhof,
,,inn
solchen Vertrag,ew,erden die Eigentumsverhältnissegeregelt, der a), Es sei noch bemerkl
Verwaltungs- und Betriebsdienst reguliert, je nach der geogra- ruarertalzur Verfügung stand
phischen und verkehrspolitischenLage des Bahnhofs. o) nach freundtichen
]ti
Beim Einheitsbahnhofist die Sacheklar: der Staat, in dessen "oh".
Gebiet ,er steht, hat auch die Hoheit über ihn. Der Nachbarstaat
ist, vertraglich, entweder Miteigentümer oder dann Mieter, Mit-
eigentümer des ganzen oder Mieter eines Teiles des Bahnhofes.
Aber auch als Miteigentümer übt er keine Hoheit über den Bahn-
h'of aus im Sinne einer allumfassenden,souveränenGewalt. Diese
steht nur dem Territofialstaate zu.
Wenn wir hier die Bahnhöfe einreihen, so verzichtenwir ein-
mal auf die Aufzählunq a I I e r Vorschriften, die sowohl Doppel-
als Gemeinschaftsbahnhöfebetreffen. Viele von ihnen werden
3) Lapradelle, S. 268 tr to) freundlich überlassen

766
wir extra erwähnen (Personalhoheit, Steuerhoheit, Schieds-
gerichte etc.).a)
K o n s tanz. Betreffend des Konstanzer Bahnhofes gilt r)
grundsätzlich und allgemein der Staatsvertrag von 7852, der
allerdings über die Natur des Bahnhofes nichts aussagt. Aus
verschiedenenandern Bestimmungen aber (weitere Mitteilungen
waren nicht erhältlich) geht hervor, dass der Bahnhof zu Kon-
stanz seit jeher auf badischem bezw. deutschemGebiet gelegen
war und von der schweizerischenals von der badischenBahn-
verwaltung gemeinsambenutzt worden ist.6)
Eine Zollgrenze geht mitten durch den Bahnhof hindurch,z)
auch etwa H,oheitsgrenzegenannt.8) was nicht etwa mit politi-
scher Grenze zÄ verwechseinist, sondern nur die Grenze bezeich-
net, die die badischen von den schweizerischenBahnhofräumen
trennt. In einem Pr,otokoll rvird dazu gesagt,dass das Zollperso-
nal zu l(onstanz im andern Hoheitsgebiet nur auf dem Bahnhof
die Uniform trage.
Es wurden in der Folgezeit noch andere Verträge geschlos'
sen, die dartun, dass der Bahnhof gemeinschaftlichverwaltet rvird
in dem Sinne, dass den beiden Verwaltungen bestimmte Räume
zugeteilt sind und der Betrieb durch Vertrag geregelt ist.0)
Schaf f hausen. DieserBahnhofist immer Gemeinschafts-
bahnhof gewesen. Ein erster Vertrag über den gemeinschaftlichen
Dienst wurde am 4.llO. Januar 1877 geschlossen, der darauf durch
den heute noch geltendenVertrag vom 5.116.Dezemb,er7902 ab-
gelöst wurde.10)
Der Bahnhof Schaffhausensteht auf Schweizer Gebiet, ist
aber gemeinschaftliches Eigentum der S.B.B. und der Badischen
Staatseisenbahnenund auf den Namen beider Verwaltungen im
Grundbuch der Stadt Schaffhauseneingetragen(Art. 1). Seine
Crenzen gegen aussen sind scharf bezeichnet,da die Ausübung
des Eigentums der beiden Verwaltungen, zumal der badischen,
nur aur den Bahnhof, ,,innerhalbseiner Grenzen",beschränktist.
a) Es sei noch bemerkt. dass uns über die Bahnhöfe nicht alles
Material zur Verfügung stand.
5) nach freundlichen Mitteilungen der Reichsbahndirektion Karls-
ruhe.
6) Vertrag betr. Verbindung der thurgauischen Seetalbahn mit der
badischen Staatsbahn vom 10. Dezember 1870 (ÄS 10, 427, Art, 3.)
Vertrag betr. Verbindung der beiderseitigen Eisenbahnen bei
Singen und bei Konstanz vom 24. Mai 1873 (AS 11, 399, Art. 3.)
z) Art. 19. Abs. 2. Vertr. 1870.
s) Art. 1, Vertrag von 1871 (AS 10, 527).
s) vergl. z. B. Vertrag betr. die zollamtliche Behandlung des Per-
sonen- und Warenverkehrs im Personenbahnhof Konstanz vom 19. tr{ai/
1. Juni 1910, und Vertrag über die Mitbenützung des Reichsbahnhofes
Konstanz durch die SBB vom 74.121.Jantar 1916.
Diese Verträge wurden uns'leider von badischer Seite nicht her-
ausgegeben und waren von der Kreisdirektion III, Zürich, nicht zu er-
Iangen.
t0) freundlich überlassen von der Kreisdirektion III, Zürich.

167
Sämtliche Anlagen des gemeinschaftlichenBahnhofes dienen der
und die Abzeichen der
gemeinsamenBenitzung durch beide Verwaltungen; die davon
der Bahnhofvorstandder
ausgenommenenObjekte müssen besonders aufgeführt werden personals. Er übt übe
(Art. 3).
den Dienstvorschriftend
Von den Gesamtliostendes Bahnhofes (berechnetaus den An- polizei ob (Art. t2).rzy
lagekosten) fallen 52 olo zu Lasten der S.B.B. und 48 o/o zu
Lasten der BadischenStaatseisenbahnen.Die Betriebskostendes Für den Gemeinsch
dienstreglement (Art. 1J
und das gemeinschaftlic
geeigneten Versicherung
nung (52 o/eund 4g oo)
Die weiteren Bestim
Bei Erweiterungs- und Umbauten,sofern die Kosten der Er- den noch angeführt (Sch
Dass die S.B.B. in
zu sorgen haben, lässt I
auf Schweizerbodensteht
ihn ausübt. Sonst aber li
verhältnis zweier Bahnve
vor, für die nur insofern
sind, als irgend eine Ben
Iichen Zweckbestimmun
Andere Gemeinscha
führlich behandelt zrr wl
ihren Dienst erforderlicheMobiliar selber anschaffen;dasjenige wiederkehren.
lqt den gemeinschaftlichenDienst besorgen die S.B.B.- Dän Basel. Bahnhof
Unterhalt des letztern Mobiliars besorgen ebenfalls die S.B.B.
und stellen dafür 10 g,'o des Mobiliarjrertes in die Betriebs-

tralbahndirekfion und der

vom 2. Dezember 1901 ab


Verwaltungen ernannt und besoldet, das im gemeinschaftlichen Für uns kommen hier
DienstestehendePersonalwird von der S.B.B. (i{reisdirektionIII) Gemeinschaftsbetrieb
in Be
angestellt und besoldet. Dieses P,ersonalträgt die Dienstkleidun(;

168
und die Abzeichender S.B.B. Betreffend Disziplinargervalt ist
der Bahnhofvorstandder S.B.B. der VorgesetztedesGemeinschafts-
personals. Er übt über dasselbe die Disziplinargewalt gemäss
den Dienstvorschriftender S.B.B. aus. Ihm liegt auch die Bahn-
Polizei ob (Art. 72\.t21
Für den Gemainschaftsdienst gilt das schweizerischeSignal-
dienstreglement(Art. 15). Die gemeinschaftlichenDienstgebäude
und das gemeinschaftliche Mobiliar werden von der S.B.B. ,,bei
geeigneten Versicherungsanstalten"für gemeinschaftlicheRech-
nung (52 o/ound a8 o/o) gegen Feuerschadenversichert.
Die weiterenBestimmungensind nicht von Belang oder wer-
den noch angeführt (Schiedsgericht, Haftpflicht).
Dass die S.B.B. in vielem massgebendsind und für vieles
zu sorgen haben, lässt sich daraus ableiten, dass der Bahnhof
auf Schweizerbodensteht und die Schweiz ihre Hoheit auch über
ihn ausübt. Sonst aber liegt ein öffentlich-rechtlichesEigentums-
verhältnis zweier Bahnverwaltungenan einer öffentlichen Sache
vor, für die nur insofern die Normen des Privatrechtes gegeben
sind, als irgend eine Benutzungshandlungausserhalbder öffent-
lichen Zweckbestimmungder Sacheliegt. ta)
Andere Gemeinschaftsverträge brauchennicht mehr so aus-
führlich behandelt zu werden, da oft dieselben B,estimmungen
wiederkehren.
B a s e l . B a h n h o f S . B . B . ( f r ü h e r E l s ä s s eB
r a h n h o ig e -
nannt).14) Infolge der Verlegungder Bahnstreckevon der Lan-
desgrenze-St.Ludwig bis zum HauptbahnhofBasel S.B.B. (da-
mals Centralbahn) und infolge der Errichtung einer Güterstation
im Bahnhof St. Johann und des Umbauesdes Personenbahnhofes
der Centralbahnin Basel wurde ein Vertrag zwischen der Cen-
tralbahndirektion und der Generaldirektion der Elsass-Lothrin-
gischenEisenbahnen in Strassburgüber die Verpachtungder neuen
Bahnstreckezwischender GüterstationSt. Johann und den Haupt-
bahnhof der Centralbahnin Basel an die Elsass-Lothringischen
Eisenbahnen,und über die gemeinschaftliche Benitzung des
Hauptbahnhofesder Centralbahnund der Güterstation St. Johann
vom 2. Dezember 1901 abgeschlossen. rs)
Für uns kommen hier nur die Bestimmungenbetreffend den
Gemeinschaftsbetrieb in Betracht. Da ist vor allem festzuhalten,
12) siehe auch $ 16: Der Polizeidienst in den Bahnhöfen.
13) vergl. auch Fleiner, Instit. S. 334.
14) Die Verträge wurden freundlicherweise von der Kreisdirektion
II der SBB, Luzern, zur Verfügung gestellt.
15)AS 16, 592. BBI 1902, II, 730. Durch diesen Vertrag wurden
aufgehoben der Vertrag vom 5. Dezember 1873 betr. Betrieb der Strecke
vom Zentralbahnhof Basel bis zur Landesgrenze bei St. Ludwig und
die Mitbenützung des Bahnhofes Basel und das Abkommen vom 20. April
1888 betr. die gemeinsame Benützung des Bahnhofes Basel.

169
Bahn befahren wird und diese in den Bundesbahnhofeinlaufen
rnuss(Art. 1).
Pläne, die als Bestandteil des Vertrages erklärt werden, be-
zeichnenden Umfang der Bahnanlage und bezeichnenzugleich die-
jenigen Objekte, die gameinschaftlich,und die, die von den betref-

Bahnhof mitbenützenden Verwaltungen eingeführten und aus-


geführten Wagenachsen,mit Ausschluss der Achsen der leeren
Güterwagen.
Auf diese Art wird auch der Beitrag der Elsass-LothrinEi-
schen Eisenbahnenan die gemeinsamenBahnh,ofskostenfür Be-
trieb und Unterhaltung der gemeinschaftlichbenutzten Anlagen
festgesetztund berechnet(Art. 18).
Die von der Centralbahn aufgewendetenKosten derjenigen
Anlagen, Gebäude und Einrichtungen, welche von den Vcrwal-
tungen ausschliesslichbenützt werden, werden ausschliesslichvon
der Verw_altungverzinst, für die sie hergestellt sind _(Art. Z).
Die Einnahmen,die durch die Vermietung einzelier Teile des
gemeinschaftlichenBahnhofes ( Gebäude,Grundstücke) erzielt w er-
den, von den Zinsen des Anlagekapitals,und soweit sie aus dem
Betrieb und der Unterhaltung herrühren, sind von den Betriebs-
t6) Infolge des Ueberganges der Zentralbahn und mithin des Bahn-
hofes an die SBB ist am Vertrage nichts wesentliches geändert worden.

170
'Unterhaltungskosten
und jeweilen vor der Repartion in Abzug
zu bringen (Art. 19).
. Künftige Erweiterungen und Neubautenhat die Centralbahn,
jetzt S.B.B., als Eigentümerin der beiden Bahnhöfe,auf eigene
Kosten auszuführen. Das gleiche gilt auch beziglich derjenigen
Erweiterungen, die von der deutschen Zollverwaltung für ihre
Räumlichkeitenverlangt werden; die Kosten für diese Erweiterun-
gen, werden zum übrigen Anlagekapital der beiden Bahnhöfe ge-
schlagenund von den Elsass-lothringischen Fisenbahnenverzinst
(Art. 8).
Die Verwaltung der Centralbahn(jetzt S.B.B.) sorgt sodann
für die Bewachung und Unterhaltung (Beleuchtung, Heizung,
Reinigung) der dem gemeinschaftlichenDienst dienenden An-
lagen, Gebäude und Einrichtüngen. Nur wenige Räume unter-
l]egen in dieser Hinsicht den deutschen (Elsass-Lothringischen)
Eisenbahnen. Ebenso liefert die Centralbahn zu Lasten der ge-
meinschaftlichenBetriebsrechnungdie für die Besorgung des Ge-
meinschaftsdienst'es notwendigen Konsummaterialien,ausser den-
jenigen, die für den Fahr- und Zugsdienstder Elsass-Lothringi-
schen Eisenbahnenerforderlich sind (Art. 14).
Wie ist nun der Betriebsdienstgeregelt? Welches ist der
Umfang der Dienstgemeinschaft?
Die Verwaltung der Centralbahn besorgt für die Bahnhof-
gemeinschaftden Betrieb im Hauptbahnhof sowie in der Güter-
station St. Johann. Sie besorgt den gesamtenäussern Stations-
dienst, d. h. die Annahme und Abgabe, den Einlad und Auslad
der Güter und Tiere, sowie des Gepäcks,den Rangierdienst,die
Abfertigung der Züge, sowie die Wagen- und Schriftenkontrolle.
Für did Zts,sammensetzung der nach dem Elsass abgehendenZige
sind aber die für die Eisenbahnenin Elsass-Irothringengeltenden
Bestimmungenüber die Sicherheitdes Betriebesmassgebend. -
Jede Verwaltung besorgt sodann die nicht zum gemeinschaftlichen
Dienste gehörenden Dienste, wie die technische Kontrolle und
Früfung der in den ankommendenund abgehendenZügen ein-
gestellten Wagen, sor,vie die Heizung, die Beleuchtung, das
Schmierenund die sonstigeBedienungund Ausrüstungder Lo-
komotiven und Wagen; ebenso das Reinigen des Wagenparkes
(Art. 10),
Die Elsass-LothringischenEisenbahnenhabenauf dem Haupt-
bahnhof natürlich ihre eigenenPersonen-,Gepäck-, Eilgut- und
Güterexpeditionenmit eig,enemKassadienst, und eine besondere
Telegraphenstation.Sie dlirfen für ihre Zige die Bahnsteigsperre
einführen durch eigene Beamte und Einrichtungen. Ihr verbleiben
die Einnahmenaus den Bahnsteigkarten(Art. 11). Die sämtlichen
Beamten und Arbeiter der Elsass-LothringischenEisenbahnen
stehen ausschliesslichunter der Disziplin der deutschenGeneral-
direktion und erhalten ihre Anweisungenin Sachenihres eigenen
Dienstes allein von dieser oder ihren Organen. Inbezug auf den

771
übrigen Betriebsdienstund die Bahnhofordnunghaben sie sich den verw_altungdas Recht de
Anordnungen und Befehlen der Vorstände der. Centralbahn zu schattlicher Dienst entn
unterziehen Dasselbe gilt auch für das Lokomotiv- und Zugs- schweizerisch;ein Bäis
personal der Elsass-LothringischenEisenbahnen für die Dauer
seines Aufenthaltes im Hauptbahnhofeoder auf der Güterstation Vor dem l(riege r
St. Johann. t'ranzr)si sclte Solctite n,
Art. 12, Abs. 5, sagt, dass Zuwiderhandlungengegen der- balt nltof es aut'g ehalren
artige Anordnungen und Befehle durch die deutsche General- s.cheinlich,weit d.ie de
hqndle sich um einen
weisung.lehlte aber ic

- BadischerBahn
g1der9. Bau und Betrie
fahrtslinien gründen sich
zwecke der Elsass-LothringischenEisenbahnenverwendet, so hat 185.2,-indem"auch das
\i
es den dienstlichenAnordnungender Beamten dieser Verwal- verhältnisseenthalten isi.
tlng Folge zu leisten. Die Disziplinargewalt über das gesamte
Gemeinschaftspefsonal aber steht ausschliesslichder Verwaltung .. In diesem VertraE ,
.]iy.Tt, ohne dass daiar
der Centralbahnzu (Art. 15). - Im Hauptbahnhofewie im Gü- sichflich wäre. e. gibt
terbahnh,ofeSt. Johann gilt das schweizerischeSignalreglement, ;
betreff_enddie Verbindu
grit der Ausnahme, dass die Züge der Elsass-Lothringischen rentralbahnhol vom 23.
EisenbahnenSignale tragen, die der deutschen Betriebsoidnung I
berrrebsvertrag vom 30.
entsprechen. I
aur dent BadischenBahnh
Die Centralbahnversichert diejenigen Objekte in den Bahn-
höfen, welche der Gemeinschaftdienen (Art. 24).r7)
Der Betrieb, der nun auf die S.B.B. übergegangenist, ist '- . Wir können aber doc
Bahnhof steht auf schwei
komplizierter gestaltet als auf dem Bahnhof Schaffhausen,da die und w*arEigentum der
S.
schenReichsbahn, indem b
nen aut die Deutsche
Rei
der Schweiz als vollende
onne.zu reagieren. Auch
ventronsänderungverlangt.
trag von 1902 ist aber noch heute gültig in seinengrundsätzlichen sache,dass ein gr.osser
Aeusserungen.(FormelleAenderungen b,erücksichtigen
wir nicht.) ur
Territorium"steht, ab
Man nennt, auch amtlicherseits,den Bahnhof Basel S.B.B., :-.19"]
tremden Staatesist. 21)
früher Central- oder Elsässerbahnhof, imnter,,Internationalerper-
sofl€n- und GüterbahnhofBasel S.B.B.", und ebenso sagt man
auch ,,InternationalerGüterbahnhofBasel-St.Johann". Diese Be- ^^ ,W.otJ gelten
genossische
daher, n,
postregal
und
zeichnungensind falsch und sachlich unzutreffend. genössjsten in Bätracht
und die Bahnpolizei f
Es handelt sich bei diesen beiden Bahnhöfenum rein schwei- wirO ä
zerische Bahnhöfe, die, wie es auch aus dem Vertrao zu ersehen geTäss_den eidgenös
ist, in schweizerischem 3:1
Eigentum und unter schweizeri'scherHoheit lgbrlg der Bahnpolizäi. S
stehen und bei denen trediglichneb,en'einemausländischen,jetd clre deutschenVorschriften
französischen, Z olldienst eine Verkehrsgemeinschaftin dem-Sinne te
besteht, dass die Schweiz, bezw. die S.B.B. einer fremden Bahn- Jreundliche
rn).FreundlicheMitteilu
o^. _,
öannh_otes Vittäil"*
17) Die tarifarischen Bestimmungen, die im Vertrag einen breiten Basel._ Betr.Zoli'
Raum einnehmen, übergehen wir, da sie mehr nur technisches Inter- ll) J.". rr^er
Kreiiairertiän
r\acttfreundlichen llitt
esse bieten und wohl längst schon abgeändert und überholt sind. Bur"l..,,

172
velwaftung das Recht der Mitbenützung, aus dem sich ein gemein-
schaftlicher Dienst entwickelt, einräumen. Aber der Batrnhof ist
schweizerisch;ein Beispiel möge das belegen:rs;
Vor dem l(riege wurden von deutscher Seite uniformierte
franz,ösischeSoldaten, die sich in einem Wartsaal des Central-
bahnhof es aut'gehalten hatten, ausdemselb en w eggewiesen, wahr -
scheinlich, weil die deutschenBeamten der tl4einungwaren, es
handle sich um einen de.utschenBaltnhof. Zu dieser Weg-
weisung lehlte aber iede rechtliche Gr,undlage.

B a d i s c h e r B a h n h o f . H i e r l i e g e nd i e V e r h ä l t n i s e
setwas
anders. Bau und Betrieb des BadischenBahnhofesmit den Zu-
fahrtslinien gründen sich auf den Vertrag mit Baden vom Jahre
7852, in dem auch das Wesentlicheüber die Personal- und Zoll-
verhältnisseenthaltenist. 1e)
In diesem VertraE wird aber nur das Grundsätzlichebe-
stimmt, ohne dass daraus die Rechtsnatur des Bahnhofes er-
sichtlich wäre. Es gibt nun keinen andern Vertrag als denjenigen
betreffend die Verbindungsbahnvom Badischen Bahnhof atm
Centralbahnh,otvom 23. Dezember 1869 und den dazu gehörigen
Betriebsvertragvom 30.131.Oktober 1875, die die Veihaltnisse
auf denr BadischenBahnhof näher präzisieren.20)
Wir können aber doch folgendes feststellen: Der Badische
Bahnhof steht auf schweizerischemTerritorium (von Klein-Basel)
und war Eigentum der S.B.B. Heute ist er Eigentum der Deut-
schenReichsbahn, indem beim Uebergangvon den BadischenBah-
nen auf die Deutsche Reichsbahndieser Wechsel von Basel und
der Schweiz als vollendete Tatsache entgegengenommen wurde,
ohne zu reagieren. Auch wurde merkwürdigerweisekeine Kon-
ventionsänderungverlangt. So haben wir die interessanteTat-
sache,dass ein grosser und wichtiger Bahnhof auf schweizeri-
,rchemTerriüorium steht, aber Eigentum der Bahnverwaltungeines
iremden Staatesist. 21)
Wohl gelten daher, was z. B. die Post anbetrifft, das eid-
genössischePostregal und im übrigen die kantonalen und eid-
3enössischenin Betracht fallenden Gesetze und Verordnungen,
-;rd die Bahnpolizei wird durch das deutschePersonal ausge*lnt,
:rer gemäss den eidgenössischen Vorschriften über die Hand-
abung der Bahnpolizei. Sonst aber gelten für den Bahndienst
-.e deutschenVorschriften.
t8) Freundliche Xfitteilung von Herrn Ständerat Thalmann, Basel.
le) Freundliche Mitteilung von der Verwaltung des Badischen
"lnhofes Basel. - Betr. Zoll und Personal: siehe $-i4 und S 20 ff.
20) Von derKreisdirektion II SBB, Luzcrn, freundlichst überlassen.
2 t : N a c h f r e u n d l i c h e n M i t t e i l u n g e n v o n H e r r n S t ä n d e r a tT l r a l m a n n ,
.
r sel.

175
Schon früher, bevor der Badische Bahnhof Eigentum der im Bahnhof der andern I
DeutschenReichsbahnwar, ereignetensich Missverständnisseaus an Ort und Stelle gelten
unrichtiger Beurteilung der ReChtsverhältnisse.zz) die Bahnpolizei w]rd, u
Iru Jahre 1889 war rJer italienische l(önig bei einem Be- Bahnkörper der Badische
suche der irrtümlichen llrleinung, der Badische Buhnhol sei teren Verwaltung ausgeü
deutsches Gebiet. Deshalb hatte er die Basler ftegierung, die
ihn zuvor am Cenlralbaltnhof begrüsst hatte, nicht z-ur Fahrt
nach dent Badischen Bahnltot' eingeladen, was iltn dann ver-
anlassle, der Baslerischenllegierung eine Entschuldigung zu
übe'rmitteln.
Anno 1902 kam der cltinesisclte,,5ühneprinz(. nach Basel,
wo ett passantüber die Formalitöten der Sühnefeier verhandelt
wurde. Die Anwesenheitder ordengeschmüchten deutscl-ten
/Wi-
litärpersonen aul dem Ba)dischenBahnhol und das Verhalten
des chinesischenSühneprinzen,der abseits von dieser Deputa-
tion ausstieg, bewiesen,dass die chinesischellegierung damals
besser orientiert war über die Rechtsverhriltnisseim ßahnhof
als die deutscheftegierung.
Obwohl jetzt der Bahnhof Eigentum des DeutschenReiches
ist, glaube ich nicht, dass dadurch die schweizerischeSouveränität
über den Bahnhof verschwundenist; es müsste schon ein for,
mell richtiger Kauf- oder Abtretungsvertrag über das schweize-
rische Territorium, auf dem der badische Bahnhof steht, erfolgt
sein, was aber bis jetzt nicht der Fall gewesenist.
Was das Verhältnis zu den S.B.B. anbetrifft, ist es geregelt _ Nach diesen etwas
in der schon erwähnten Uebereinkunft über die Verbindungsbahn Grenzbahnhöfen möchten
vom Jahre 1869 und im darauf folgendenBetriebsvertragvon 1875. wähnen, deren Betriebsve
Denen zufolge erf'olgt eine Mitbenützung der beiden Bahn- haben, die aber, nach dem
höfe mit Einschluss der gegenseitig zu überweisendenStand- l\ ganz ähnlicher Weise
räurne zum Unterstellender Lokomotiven und der Lokalitäten zum ihren. Dienst geregelt habc
Aufenthalt des Fahrpersonals(Art. a). Jede Verwaltung hat in sre erntreten, sich wiederh
ihrem Bahnhofe sodann di,e infolge der Einmündung der Verbin-
dungsbahn notwendigen Veränderungenund Einrichtungen aus-
zulihren und zwar auf eigeneKosten (Art. 4 Abs. 2).
Während der Betriebsdienst der Verbindungsbahnin allen
Teilen gerneinschaftlichist, so ist im BadischenBahnhot ein ge-
meinschaftlicherBetrieb und Dienst nicht vorhanden. Die Mit-
benitzung durch die S.B.B. ist minim. Was den Bahndienst
anbetrifft, gelten deutscheVorschriften, ausgeführtdurch deutsche
Beamte. Daran ändert nichts, dass in Art. 7 abgemachtwltrde,
dass jede der Eisenbahnverwaltung,en in ihrem Bahnhofe die auf
'der
die Leitung und BeaufsichtigungdesFahrdienstes Verbindungs-
bahn und die Abfertigung der Zige beziglichen Geschäfteunent-
geltlich besorgenlasse, v.rohl aber ist bezeichnend,dass die An-
gestellten der einen Verwaltung, welche sich zur Dienstbesorgung
22) Nach freundlichen Mitteilungen von Herrn Ständerat Thal-
manlr, Basel. Siehe auch Neue Zürcher Zeitung, 6. März 1930 (Sitzung
des Ständerates) und Basler Nachrichten vom 6. März 1930. 23) Freundlich überlasse

774
im Bahnhof der andern Verwaltung befinden, sich genau nach den
an Ort und Stelle geltendenVorschriften zu ichten haben. Auch
die Bahnpolizei wird, wenn sich die Verbindungsbahnan den
Bahnkörper der BadischenBahn anschliesst,von Beamten der letz-
teren Verwaltung ausgeübt.
Wir kommendaher zum Schluss,dass wir es in Basel mit einer
Art von Doppelbahnhölenzu tun haben, allerdings nicht im Sinne
der Beschreibung,die wir oben gegebenhaben, weil hier beide
Bahnhöfe auf dem Territorium eines Staates liegen und nicht
durch die Grenze getrennt sind. Sie stehen aber unter verschie-
denem Eigentum. Der Betrieb der sie verbindendenBahn ist ge-
meinschaftlich,d. h. grundsätzlich sollen beide Eisenbahnverwal-
tungen an der Besorgung des Fahrdienstes in gleichem Masse
beteiligt sein (Art. 6); gemässArt. 1 des Vertragesaber (Be-
triebsvertrag) besorgt die Centralbahnallein den Fahrdienst, und
es gilt auch die Signal,ordnung der Centralbahn(Art. b), so dass
man von einem ,,einseitigen"Doppelbahnhof sprechenkann, was
heissen will, dass kein gegenseitigerFahrdienst von einem Land
in das andere stattfindet, von beiden Verwaltungen ausgeführt,
sondern dass nur eine Verwaltung die Verbindungsbahnvon einem
Bahnhof zum andern besorgt. In Basel ist dies, da das Territo-
rium der einzigen Verbindungsbahnschweizerischist, selbstver-
ständlich.
Nach diesen etwas einEehender geschilderten Tgpen von
Grenzbahnhöfen möchten wir noch kurz andere Bahnhöfe er-
wähnen, deren Betriebsverträge uns zrm Teil nicht vorgelegen
haben, die aber, nach dem uns zur Verfügung stehendenMaterial,
in ganz ähnlicher Weise wie die oben-beschriebenen Bahnhöfe
ihren Dienst geregelt haben, so dass man, wollte man iäher auf.
sie eintreten, sich wiederholen würde.
Buchs und St. Margrethen sindGemeinschaftsbahnhöfe,
Tgpus Basel S.B.B., nicht Tgpus Schaffhausen.Partner sind die
Oesterreichischen Bundesballnen,früher die Vorarlbergerbahn.Die
Anschlusstation,wie sie etwa genannt wird (Protokoll vom 1. Mai
1870 betreffend Anschluss der Vorarlbergerbahnan die Vereinig-
ten SchweizerBahnen),ze; wird von den kontrahierenden Gesell-
schaftengemeinsambenutzt, d. h. die Vereinigten Schweizerbahnen
sichern der Vorarlbergerbahn das Recht der Mitbenttzung der
Bahnhöfe($ 5 und S 24).
Eigentümerin der Bahnhöfe, die auf schweizerischemBoden
liegen, ist die Gesellschaft der Vereinigten Schweizer Bahnen,
letzt die S.B.B. Ihr gehörenauch alle zu gemeinschaftlicher Be-
nutzung bestimmten Bestandteile der Anschlusstation. Ja, die
\,Iorarlbergerbahndarf ohne Zustimmung der schweizerischenGe-
sellschaft keine Bauten errichten auf schweizerischemGrund und
23) Freundlich überlassen von der Kreisdirektion III, SBB, Zärich.

775
Boden, auch wenn sie nur für ihren ausschliesslichenGebrauch Die italienische I
_
bestimmt sind. BahnhofesDomodosso
Den gesamten Dienst auf den Stationen besorgt die Ver- digen Räumlichkerten
einigte Schweizerbahn. Die l(osten für den gemeinsamenDienst Die S.B.B. haben
werden geteilt je zur Hälfte, und die Vorarlb,ergerbahnhat den
Vereinigten Schweizer Bahnen die Hälfte des Anlagekapitals,
,,welches die letzlere jeweilen auf die zu gemeinschaftlicherBe-
nutzung der beiden Gesellschaftendienenden Bestandteile der
Anschlusstati,onenverwendet haben wird", mit 5 0/o per Jahr zu
verzinsen. Und sie hat mit 7 y2 0lo zuerst und dann mit 6 oloZins
vom Anlagekapital die Bauten zu vergüten,die sie ausschliesslich
benitzen kann ($ 72). Der Gemeinschaftsbahnhof auferlegt Oester- Infolgc der besonc
-
reich (früher der Vorarlbergerbahn) auch die Verpflichtung, an beträgt der Anteil der I
alle Bauten Beiträge zt leisten.za) Wir können hier a
Das Betriebspersonalist den Vereinigten SchweizerBahnen Bahnhöfenverweisen;b
(S.B.B.) unterstellt (S 15). Es übt auch nach schweizerischen der Mitbenutzungeinge
Verordnungendie Bahnpolizei aus ($ 21). Ergentumsrechtam Bah
Inbezug auf die Tarife und Taxrepartitionen,den Güter-, Per-
sonen- und Gepäckverkehr, den Gemeinschaftsverkehr etc. wurde
noch ein Vertrag abgeschlossen(betreffend die gegenseitigenVer.
kehrsverhältnissevom 24. März 16. April 1873), welcher uns hier,
seiner technischenBestimmungenweg n, nicht interessiert.
Infolge der misslichenfinanziellen Lage der Oesterreichischen
Bundesbahnenwurde in der Nachkriegszeit der Grundsatz der
Halbierung der Bahnhofkosten aufgegebenund an dessen Stell,e
die Teilung der Kosten nach verhältnismässigenVerkehrsanteilen
eingeführt (29 o1'ofür St. Margrethen und 32 olo für Buchs, für
5 Jahrefest;.zr;
Buchs und St. Margrethen sind Einheitsbahnhöfe(gemein-
schaftlicherBetrieb) wie Basel S.B.B.
Das Nämliche ist zu sagen von den Bahnhöfen C h i a s s o
u n d D o m o d o s s o l a , n u r e b e nm i t d e m U n t e r s c h i e d a
, s se r s t e -
rer auf schweizerischemTerritorium, letzterer auf italienischem
liegt. Die S.B.B. besorg,enauf Rechnungder italienischenEisen-
bahnenden Zugsdienst v,önIselle nach Domodossola(Vertrag vom ^ _ Andererseits wird di
19. Februar 1906)za; und zwar Zugsbeförderungund Zugsbeglei. l,B.B, auf Rechnungde
tung nach beiden Richtungen. Die italienischenBahnen besorgen dienst), so dass auci- hie
dagegen den gesamten"Stations-, Bahnbewachungs-und Bahn- Bahnhof Verriöres kein
unterhaltungsdienstauf dieser Bahnstr,eche.2?)
z) vergl. Bundesrat Haab in der Sitzung des Nationalrates vom
4. Juni 1929über die Vergrösserung des Bahnhofes Buchs. N. Z. 2., 4.
Juni 1929.
z5)vergl. Niederschrift über die Besprechungen zwischen den
beiderseitigenVertretern in Wien am 16.November 1923.Diese Nierter-
schrift bildet Bestandteil des Vertrages von 1871.(Von der Kreisdir. IIf.
26)AS 22, 264.
27)vergl. auch Schollenberger, Die Schweiz seit 1874,S. 28/29.

176
12+
Die italienische Eisenbahnverwaltung ist Eigentümerin des
BahnhofesDomodossolaund stellt den S.B.B. die für sie notwen-
digen Räumlichkeitenetc. zur Verfügung.28)
Die S.B.B. haben sie selber nt unterhalten und einzurichten

Infolge der besondernVerhältnisse(Lage des Bahnhofesetc.)


beträgt der Anteil der S.B.B. an den BahnhofkostenZS 0i0.2e)
Wir können hier auf die analogen Verträge bei den andern
Bahnhöfenverweisen;bei Domodossolaist der Schweizdas Recht
der Mitbenutzung eingeräumt,während Italien die Hoheit und das
Eigentumsrechtam Bahnhof hat.
B e t r e f f e n dC h i a s s o - L u i n o i s t z u s a g e n ,d a s s L u i n o ( I t a -
lien) nicht den Anspruch erhebendarf, eine internationale Station
zt sein, da inf,olge des ganz untergeordnetenVerkehrs aut diesem
Bahnhof sowohl PoTtzei. als ZolTverwaltungschon längst dort
aufgehobensind.30)
Vallorbe, Verriöres. N u r s e h r b e d i n g tk ö n n e nw i r
bei den BahnhöfenVallorbe und Verriöres.die mit dem Bahnhof
Pontarlier verbundensind, von ,,garesdoubles" sprechen,obwohl
dies auf den ersten tslick nahe zu liegen scheint. Aber die Bahn-
verbindungensind so getroffen, dass nach der Theorie von La-
pradelle der Tgpus eines ,,gare double" nicht zustandekornmt.
Die Strecke P,ontarlier-Vallorbe hin und zurück wird nämlich
von der p.L.M. betrieben, das Teilstück Schweizerqrenze-Val-
Lorbe.(zirka 3 km) allerdings auf Kosten der S.B.B] 31) so dass
der Bahnhof Fontarlier nicht ais ein Doppelbahnhoffür diese
Linie in Betracht kommen kann, da dort keine Gemeinschaftmit
den S.B.B. besteht.
Andererseitswird die StreckePontarlier-Verriöres von der
S.B.B. auf RechnunEder p.L.ilt. betrieben (Fahr' und Zugs-
dienst), so dass auch hier kein Doppelverhältnisentsteht,da im
Bahnhof Verriöres kein qemeinsamerBetrieb und keine Mit-
28),,Eine intcrnationale Station rvird in Domodossola errichtet.
um dort den Austausch des internationalen Verkchrs, sowie die Dienstc
der Post und Telegraphen, dcr allgemeinen Polizci untl der Gesund-
heitspolizei der bciden Staaten zu vöreinigcn." (Art. 2 des Vertrages vom
2. Dezember 1899. AS 18. 207.)
2e)vergl. \rertrag betr. Bctricb des Bahnhofes Domodossola vorr
19. Februar 1906. BBI 1906. II. 199.
3 0 )A S 4 1 , 2 1 6 . B B I 1 0 1 6 , ' I , 3 3 1 ,G e s c h ä f t s b e r i c h t , 1 9 2 4S.. 2 7 1 .
at; Art. 1/2 Vertrag betr. Bctricb des schrvcizerischen Teilsttickes
der Linie Pontarlicr-Vällorbe vom 17. Juli 1914 (EAS 31, Beilage I\.

LI I
12'!
benutzung eines Teiles des Bahnhofes von Seiten Frankreichs
stattfindet, da die S.B.B. den Bahnhof allein verwalten.
Die ztvet Bahnhöie Vallorbe und Pontarlier sind dagegen
G,emeinschaftsbahnhöfe in einem beschränkterenSinne: VaIoim
ist inf'olge Eröffnung der Linie Frasne-Mont d'Or-Vallorbe (er-
öffnet am 16. Mai 1915) und derjenigenvon pontarlier her Ge-
meinschaftsbahnhofgeworden, Pontarlier infolge seiner Verbin-
dung mit Verriöres, während letzleres als internationaler tsahn-
hof ausscheidet.
Den Gemeinschaftsdienstauf dem schweizerischenBahnhof
Vallorbebesorgendie S.ts.B.,auf dem französischen Bahnhof pon-
tarlier die P.L.M. Gemeinschaftist in dem Sinne vorhanden,als
nur die notwendigstenRäumlichkeiten für denAufenthaltdesBahn-

Der Zolldicnsl

waltungen Zoll-, Post-, Polizei- und Sanitätsdienstlokalezsr Ver- Wenn wir uns ansch
nationalen Bahnhöfen ur
fügung gestellt. Ein Miteigentum besteht aber in keiner Weise. Kommefl wir nicht darüb
Der Staat bezw. dte Verwaltung, für welche die Lokale und das
Material bereitgestelltu"erdenmlssten, haben dafür die Kosten zu yngel reproduzieren zu n
aet lirenze, bezw. an de
tragen. Für die Miefe und den Betrieb des Bahnhofes Vallorbe
-eln!,grosseund wichtige
gleich die Grenze übeisc

del Hälfte beigefügt w,erden. Auch daraus ergibt sich der Cha-
rakter des Gemeinschaftsbahnh,ofes,
was den Betrieb betrifft. Ba)
Die andern, im Verlaufe dieser Darstellunq schon erwähnten
Bahnhöfe Vallorcine und Divonne- les - Bains öinO tedlglich An-
schlussbahnhöfe,ohnegrössere Bedeutung, obgleich aucü sie alle
Merkmale eines beschränkt gemeinschaftlichenBetriebes aufwei-
sen. Wir treten aber nicht näher darauf ein, um Wiederholunqen
zu vetmeiden.
Aus Vorstehendemist ersichtlich,dass diejenigenBahnhöfe,
die wir hiel berücksichtigten,die in verbindung mit ausrändischen
Bahnnetzenstehen,sog. Einheits-Gemeinschaftsbahnhöf e sind ( ga-
32)Art. 23 des Vertrages über Bau und Betrieb
-i4./15. einer Eisenbahn
durch den Mont d'Or vom Oktober 1902.
3 3 )G e n e h m i g t d u r c h B u n d e s r a t s b e s c h l u s s v o m Z. Januar 1910,
Oetiker IY. 127.
_ ., -34)-
'letlstuckes vergl. auch den Vertrag betr. Betrieb des schweizerischen
etc. vom 77. Julill. August 1914, der die gleichen Bestim-
mungen enthält. (AS 31, 113.)
36) vergl. auch Lapradell
178
res uniqueil,,mit Ausnahmedes BadischenBahnhofes,der eine
besondere Stellung einnimmt.
Die Gemeinschaftist verschiedengestaltet einmal ist der
Fahnhof Eigentum beider Bahngesellschaiten,einmal steht er nur
im Eigentum einer.Gesellschafi,aber beide Gesellschaften üben,
nach genauemPlane, den Betrieb aus, dann wieder hat etne
Gesellschaftallein fast alles in Händen und 1ässtkeine Gemein-
schaft auf dem B,oden der Gleichberechtigungaufkommen.
Tliese grundsätzlichenErörterungen mögen zu einer Einzel-
betrachtungder verhältnisse in den Grenzbatrnhöfenüber1eiten.
i5)

$ 14.
Der Zolldiensl in den Grenzbahnhöfen.

Um ein Zusammenwirken der beiderseitigen Zollorgane _


denn nur dadurch können <lie Zollvergehen"rvirksam b-ekämpft
werden - zu ermöolichen,müsseninteinationale Abkommen ab-
geschlossen,muss där Dienst, das Miteinanderarbeiten der Zoll-
posten, einheitlich festgelegt sein, damit beide Staaten davon
pr,ofitieren.

36) vergl. auch Lapradelle, S. 277.

179
Die Abkommen,die wir hier zur Darstellung bringen, finden
Anwendung auf die Grenzbahnhöfeund Eisenbahnstrecken,also Am 3. November1!
auf die Brennpunktedes Verkehrs an der Grenze.zT) zur Vereinheitlichung d
Wir können aus ihne.n zuerst zwer Dinge ,ersehen:einmal v,on 36 Staaten unterzei
finden wir viele Bestimmungen,die eine Ueb,erwachung des eige- ziellen BeziehunEennichi
nen Territoriums durch fremde OrEane anordnen (Benachrichtig- res excessives,inutiles
ung der fremden Zollorgane, Austausch von Akten, gemeinsame Zallüormalitäten in dem
Ueberwachungder Warenlager, Betreten des Staatsgebietesdurch staaten des VölkerbunC
fremde Zollorgane). Dann sind Bestimmungenda, die nicht nur Die für uns wichtigen E
eine präventive, sondern eine repressiveWirkung hab'en,wie die folgen:
Verpflichtung des einen Landes, auf das Verlangen des andern, Art. 74:
Zollvergehen zu unterdrücken mit den eigenen, ihm zur V'er- .,,Die Verlragsslaat
fügung stehendenMitteln und die Auslieferung von Personen, 0esten sind, um tlurclt
welche die Zollvorschriften verletzt haben. die Förmlichheiten, die
Die Verträge, die vor uns liegen, betreffen,auf den ersüen Untersucltungdes Reist
Blick, technischeDetails (Einrichtung von Bureauräumlichkeiten, w,aren, den Lagergebüi
innerer Dienst etc.). D'och mag man aus ihnen weiter erkennen, mrissiger und. zugleiclt
wie nicht unwichtige Regelungen,die die Souveränitätjedes der Zu Art. 14:
beiden Grenzländer berühr,en,Eetroffen worden sind, und man 1. Zur Vertneidung rt
mag ersehen, wie wichtig diese internationalen Vereinbarungen zollstellen ist es e
für eine geordneteund ihren Zweck erfüllende Zollkontrolle sind. abfertigung bei cle
Sedesmateriaeist das Bundesgesetzüber das Zollwesen vom nern des Landes
1. Oktober 7925.38) Das Gesetzauferlegtden Bundesbahnen nnd sc/zriften, die Eeiot
den konzessioniertenTransportunternehmungen, die sich mit dem W,uren dies gestoti
Personen- und Gütertransport über die Zollgrenze befassen,die Art. 18:
Pflicht, die für den Dienstbetrieb der Zollverwaltung auf den ,,Es ist erwünscht, ri
GrenzstationennotwendigenAnlagen und Räumlichkeitenmit den ltöfe auszubauenuncl ei
erforderlichen Einrichtungen etc. unentgeltlich zur Verfigung zu selbsl bestehendenversc
stellen, zuführen. Ebenso u,ürr
Vorbehältlich abweichenderBestimmungender Staatsvefiräge tatstichliche Ueberei nsti t
findet diese Vorschrift auch Anwendung auf ausländischeAn- stunden der entspreche
schlusstati,onen und auf die dort befindlichen schweizerischen ZoIl.- Zoll sfel/enzweier uneina
ämter, soweit die in Betracht fallenden Transportunternehmungen mag es sich um Land
der Bundesgesetzgebung unterstehen(Art. 49). E isenbahnstreck en hew!t
Die Zollämter, die die Schweiz im Auslande aul Grund von Art. 19:
Z ollvertr ägen erri chtet, werden als Grenzzollämterbetrachtet, auch
wenn sie sich nicht an der Grenze befinden; man erinnere sich -,,Die. Verpllic/ttungen
an Domodossola(Art. 134, Abs. 2). liele des Zotlrechls"cuf
Vereinburungen vor clen
Auch die Eisenbahnzollordnung se) vom 6. Dezember1926 werden durclt dus Inkrc
enthält einige Bestimmungenhierüber. S 5 sagt das gleichewie gehoben.,,
Art. 49 des Zollgesetzes,und $ 8 erklärt, dass die Bestimmungen
dieser Zallordnung auch auf die im Ausland gelegenenschweize- - Zu diesenBestimmun
dass man gerne wüsste,wä
rischen Bahnzollämter sinngemässeAnwendung finden, Staats- ou arbitraires,' zu versteh
verträge vorbehalten. darüberaus, und der Artike
371Zollbestimmungen an Flüssen und Seen haben r,vir schon be-
,t!)t]9n de-rBundesve
sprochen.
38)AS 42, S. 287, Giacometti, S. 423. r y . z o . I. n _ K r atf 1 ü r t l i e S e h n .
3e)AS 42, S. 731. .u^'^e^ !_angelspolitischen Bestr
ruz6,s. 74 ff,94 ff, g7, 91. La

180
Am 3. N,ovember1923 wwde ein internationalesAbkornmen
zur Vereinheitlichung der Zollförmlichkeiten geschaffena0) und
v,on 36 Staaten unlerzeichnet,die sich zusicherten,ihre kornmer-
ziellen Be.ziehungen nicht dLrrch,,formalitös douanierösou simiiai-
res excessives,inutiles ou arbitraires" zu erschwerenund die
Zolltormalitäten in dem Sinne zu rcvidieren, dass alle Mitglied-
staaten des Völkerbundesauf gleiche Weise behandeltwürden.
Die für uns wichtigen Bestimmungendieses Abkommensmögen
folgen:
Art. 74:
,,Die Vertragsstaatenwerden prüfen, welche Methoden um
besten sind, um durch einseitiges.oder gemeinsamesVorgehen
die Förmtichheiten,die mit der r,aschenWorenabt'ertigang,der
Untersuchungdes Reisegepächs,der Zollbehandlung der Lager-
warett, den Lagergebührenetc. zu vereint'achenund sie gleich-
mtissiger and zugleich gerechter zu gestalten."
Zu Art. 14: -den
1. Zur Vermeid,ungvon Stochungenbei einzelnenGrenz-
zollstellen ist es erwünscht, dass die Vornultme der Zoll-
abfertigung bei den Zollstel{en oder den Zollagern im In-
nern des Landes erl.eichtert wird, wenn die Landesvor-
schrit'ten,die Beförderungsbedingungen und die Natwr der
Waren dies gestatten."
Art. 18:
,,Es ist erwünscht, die Einrichtungen inlernation&ler Bolttt-
ltöle auszubauenund ein wirhliches Zusommenarbeitender da-
seibst bestehendenverschiedene n ncttionalenDienststellendurclt -
zuführen. Ebenso wiire es erwünscht, soweit wie rnöglich die
tuts(ichlicheUebereinstimmungder Bet'ugnisseund der Dienst-
stundert der entsprecltenden,beiderseits der Grenze liegenden
Zollstellen zweier aneinandergrenzenderLdnder herbeizuführen,
mag es sich um Lanclslrassen,tt.m Wssserstrassenoder um
E isenbahnstrechenhandelnetc."
Art. 19:
,,Die Verpflichtungen, die die Vertragsstaatenauf dem Ge-
biete des Zollrechts auf Grund von Verträgen, Ableommenund
Vereinborungenvor dent 3. Dezember 1923 eingegangensind,
werden durch das Inhrafttrelen dieses Abhommensnicht auf-
gehoben."
Zu diesen Bestimmungenist mit Jent (S. 87) zu bemerkzn,
dass man gerne wüsste,was unter ,,formalitÖsexcessives, inutiles
ou arbitraires" zrt verstehen sei: das Abkomrnen schweigt sich
darüber aus, und der Artikel mutet desweEenetwas theoretischan.
40)Von der Bundesversammlung genehmigt am 6.17. I)ezernber
1926. In Kraft für die Schv'eiz am 3. April 1927. AS 43, S. 29. Jent.
Die handelspolitischen Bestrebungen des Völherbundes, Dissertation
1926,S. 74 tr;84 ff, 87, 91. Lapradelle, 235

181
Ein unmittelbarer, grosser und praktischer Fortschritt scheint
mit denr Abkommen nicht erzielt w,orden zu sein- Es ist aber
doch ein erfreulicher Anfang, denn es ist schwierig, den Staaten
auch nur die bescheidenstenZugeständnisseabzuringen (Jent91).
Was die Schweiz anbetrifft, so bemerkt die Botschaft des
Bundesrates+r; mit Recht, dass die Uebereinkunft,wenn sie von
der Schweiz ratifiziert werde, für uns keine nennenswertenNeue-
rungen oder Aenderungenbringe, weil die aufgestelltenVerpflich-
tungen, Emplehlungen und Wünsche Erleichterungen unci Ver-
einfachunge_n betreffen würden, die in der Schweiz bereits seit
langen Jahren beständen. ungen:
Und zu Art. 14 bemerkt der Bundesrat: ,,Auf den auf sc/tu
s,chenBohnltc)t'önzu I
,,Die angeführten Vereinfachungen sind in der Scltweiz zum ( etsass_/othri ngi sche.1
weitaus grössten Teile schon seit langem eingeführt, und die
Prüfung der andern ist im Gange.,, I. Auf dem persoat
2. Eine weitere Abir
Wir scheinen dieses Abk,ommenalso nur aus Gründen der
internationalen Courtoi sie r atifiziert zu habenl ^ f.p.B. lür rten ge
3..E_i.neAblerl i gung :
a.
Betrachten wir nun die Verhältnisse an der Grenze, so kön- lrye Abt'erligungs
nen wir nicht umhin, zahlteicheVertragsbestimmungenzureptodu- baltnltol Woti.,;
zieren.
Wir beginnenmit B asel. In der Uebereinkunftbetreffend
die Erstellung einer zollamtlichenNiederiage auf dem Badischen
Bahnhofezu Basel vom 7. Juli 187042) isf vorgesehen,dass auf
dem Badischen Bahnhofe eine zollamtliche Niöderlaqe errichtet
werde (Art 1), die unter der Verwaltung der badilchen ZoIl-
behördestehe (Art.2). Da aber die Wären für den Fall des
Uebertritts aus einem Z.ollgebiet in das andere unmittelbar aus
den Händen der einen Zollverwaltung in diejenigen der andern
übergehensollen, wird in der Niederlage auch eine schweizerische
Z'ollabfertigungsstelleerrichtet, deren Räumlichkeitendie badische
Verwaltung erstellt und bezahlt (Art. 3).
Auf dem Bahnhof der Centralbahnin Basel (jetzt Basel Dass die deutschen
SB.B.) wird eine deutsche Zollabfertigungsstelle errichtet.a3) geteilteuBefugnisseamte
Hier stellt die Centralbahnunentgeltlich die Räume etc. zur Ver- t'ahnhot sich ereignende
fügung, deren Abschluss,Verwendungund Beaufsichtigungaus-
schliesslichdurch das deutschePersonalund nach deutichenAn-
ordnungen geschieht(Art. 2).
Die Bahnstreckevom Bahnhof der Centralbahnnach der
Grenze bei St. Louis gilt für den Eisenbahnverkehrzudern als
Zoll- und Uebergangsstrasse, welche die Eisenbahnwagenjederzeit
ohne Hindernis passierenkönnen (Art.5). Auf dem Bahnhofe
41)BBI 1926,I, 869.
Aui das Gesuchder bt
42)AS 10, 223, Wolf, II, 911. weg en eines Saccltarinscl
43)Uebereinhunft vom 7. August/27.September 1873, AS g, 357,
\Yolf, II, 923, BBI 1873,III, 666. *t
ä ö'u1"tnuon,oif
ä',t,]
182
kann die deutsche Zollverwaltung in dem ihr zur Vertügung ge-
stellten Teile schaltenund walten, wie sie will, die schweizerischen
Vorschriftengelten hier nicht (Art. 5, Abs. 2)
Auf dem Bahnhoi darf bewafinetesdeutschesPersonal nur
für die Bewachung der Güter und Kassen bei Nachtzeit und,zur
Begleitung der Bahnzügeverwendetwerden (Art. 10, Abs. 2).
Der diesen Vertrag aufhebendeneue zwischen der Schweiz
und Deutschland abgeschlossene,der die Errichtung deutscher
Zollabfertigungsstellen auf den linksrheinischen Bahnhöfen in
Basel zum Inhalt hat,aa) enthält noch lolgende weitere tsestimm-
ungen:
,,Auf den auf schweizerischemGebiet gelegenenlinhsrkeini-
schen.Buhnhöfen zu Basel werden folgende Eaiserlichcleutsche
(elsass-lothringische) Zollabfertigwngsstelleneruichtet:
1 . Aal dem PersonenbahnltofS.B.B. eine Abfertigungsstelle.
2 . Eine weitere Abfertigwngsslelleauf dem Personenbahnhof
S.B.B. für den gesamtenEilgutverhehr.
3 . Eine Abt'erligungsstelleauf dem Güterbahnhof St.Iohann.
4. Eine Abfertigungsstelleaul dem Güterbahnhofund llangier-
bahnhof Wolf.'(
Die deutsche Zollbehörde ist zudem befugt, Bahnsteige und
Geleise,sowie Revisionssäle,auf welchen nach Deutschlandbe-
sfimmteZige zur Abfahrt bereit stehen,absperrenzu lassen(Ar-
tikel 2). Art. 4 verpflichtet dann die Schweiz, den deutschen
Zollbehörden Rechtshilfe zu \eisten,indem die zuständigenschv;ei-
zerischenBehörden auf ihr Ersuchen wegen Uebertretungder
deutschenZ'ollgesetze Zeugenund Sachverständige vernehmenlas-
sen, amtlicheBesichtigungenvornehmenund den Befund beglau-
bigen werden,sowie Voriadungenund Erkenntnissecler deutschen
Behörden an Angeschuldigte,auch wenn sie Angehörige der
Schweiz sind, behändiEenlassen,wenn sie dies auf den obgenann-
ten vier Bahnhöfen tun müssen.
Dass die deutsch'enBe.amtennur innerhalb der ihnen zu-
geteiltenBefugnisseamten dürfen, zeigt folgendesauf dem Basler
Bahnhof sich ereignendesVorkommnis:
Ein deutscherZollaulseher aul dem Bundesbahnhot'in Basel
verlolgte nusserhalbdes Bahnhofes einen des Schmuggelsver-
dtichtigen fteisenden, holle ihn ein und t'ührte ihn nsch dem
deutschenRevisionslohalezurüclz. Er wurde einer Verletzu.ng
des schweizerischenHoheitsgebieteslür schuldig befttndenu.nd
disziplinarisch bestralt. +s)
Einen Rechtshilfefallberichtet das BBI von 1911, I, 450.
Aul das Gesucltder badisckenBehörden hin wurde ein Zeu.ge
wegen einesSaccharinschmuggels, der auf dem BadisclienBahn-
41)vonr 16. August 1905, AS 22, 95, BBI 1905,V, 59.
4 5 )B B I 1 9 0 9 I, I , 6 1 1 .

185
hole erfolgt war, durch die schweizeriscltenBeltörden einver_
nommen.
Die ZoIl- und Passkontroilein den Zitgen der Verbindungs-
bahn Basel S.B.B.-Badischer Bahnhof wuide durch Notenaus-
tausch vom 7. )anuar 1928 geregelt.+e)
Die Zoll- und Fasskontrolle übt Deutschland aus durch
deutsche Beamte, die ihre Amtshandlungen aber erst beqinnen
dürfen, nachdemsich der Zug im Bundösbahnhofin Bewägung Erst am 2g. Juti 1923
gesetzthat. Die Beamtendürfen auch ausserhalbdes Diensüs in s.en werden. Es sei hier
;
des Weltkrieges natürlich
D a n n h o ta l s a u c h a u f d e n
I

Pass- unci ZollvorschriftenGenügetun oder nicht. scilte etwa


ein Reisenderverfolgt uierden (Verhaftung und Verfolgung), so
haben sich die deutschenBehörden an die schweizerisirreä'ge-
hörden zu wenden, die nach schweizerischemHoheitsrecht und
nach MassEabeder schu,'eizerischen Gesetzeund vorschriften zu
einer etwaigen VerfolgunE allein zuständig sind.
Infolge der Kriegsereignisseund der territorialen Verände-
rungen, die der Friedensvertragvon versailles mit sich brachte,
wurde Frankreich der Nachbar der Schweiz im Bahnhof Basei
S.B.B. Die Verhandlungen,um ein Zollabkommenmit Frankreich
abzuschliessen,gingensehr mühsamvon statten. Die französische

4tj)AS 1929, No. 2.


az) Geschäftsbericht 1922. S. 16.
-_-
as) Geschäftsbericht 1923, S. 44. *) G..chäftsbericht1926.S
t
5r)versl.ner rszo.r,-äöil
ae) Gesr.häftsbericht 1924, S. 3b.
52)vergl. Botschafi
il";'b.
184
Allein zurei Jahre später schreibt der Bundesrat,wiervohl be-
reits seit 1925 zwischenden beiden RegierungenUebereinstimrn-
ung hinsichtlich des Abkommens bestehe,sei dieses noch nicht
unteneichnet worden, und die französischenDienstzweiqesetzten
inzwischen in den internationalen Basler Bahnhöfen iüre Amts-
tätigkeit gemässeiner vorläufigenAbmachungfort. 50)
Erst am 28. Juli 1928 konnte eine Uebereinkunftabqeschios-
sen werden. Es sei hier zuvörderstnoch bemerkt,dass"rvährend
des Weltkrieges natürlich der Verkehr sowohl auf dern Bundes-
bahnhofais auch auf dem Badischentsahnhofunterbrochen q731.'1)
Das neue Uebereinkoilmen(zur Regelung des französischen
Zolldienstes und anderer französischerverwaltungsdiensteirn
internationalenPersonen-und GüterbahnhofBasel S.B.B. und im
internationalenGüterbahnhofBasel-St.Johann) sowie ein anderes
Uebereinkommenüber die Errichtung eines französischenEin-
wandelungsüberwachungsdienstes im internationalen Fersonen-
bahnhof Basei S.B.B. scheinenuns wichtig genug,um näher dar-
gestellt zu werden.
Als im November1918 Elsass-I-othringen an Frankretchzu-
rückfiel, wurde die uebereinhunftbetreffenddie Errichtunq deut-
scher Zallabfertigungsstellanauf den linksrheinischengah-nhoten
zu Basel vom Jahre 1905 gegenstandslos, doch war ihre Anwen-
dung schon seit Kriegsbeginn,im gerneinsamen Einverständnis,
ausserKraft gesetzt worden. Ja, schon im Dezembertr918 er-
suchtendann die S.B 8., der Basler Regierungsratund die Basler
Handelskammerden Bundesrat, er möge Schritte unternehmen,
um die französischeRegierung zu veranlassen,in den Basler
BahnhöferiDienststelleneinzurichten,ähnlich denjenigen,welche
die deutscheVerwaltungbis 1914 unterhaltenhatte.
Da die französischeRegierung erklärte, darauf eintreten zs
r..rollen,richteten sich der französische Polizei- und Zolldienst

:igste Bestimmungenwir hier folgen lassen:52)


Die Linie von St. Louis bis Basel wird, wie früher auch. als
Zollstrassebetrachüet,d. h. es herrscht auf ihr der freie Verkehr
:er Personen-und Giterzüge zu jeder Zeit (Art. 1\.
In den Bahnhöfen zu Basel S.B.B. und Basel- St. Johann
',,,-erderl
von der Schweiz bezw. den S.B.B. dem französischen
7o11-und Polizeidienst die notwendigen Räumlichkeitenzur Ver-
5o)Geschäftsbericht
1926,S. 49, vergl.dazuauch BBI 1921,II, B.
51)vergl. BBI 1920, I, 561.
52)vergl. Botschaft vom 6. September 1929, No. 2.182.

i85
fügung gestellt, so dass also die Bahnhöfe einen zweifachenZoll-
dienst umfassen und in diesem Sinne als ,,international,, gelten halten. Diesem Artikel
können (Art" 2/31. andern Zoll übereinkuni
Weitere Bestimmungenbefassensich dann mit der innern Ein- Dor darl aber die Einfu.]
richtung dieser Räumlichkeiten,für deren Ausstattung mit Mobi- ffegrster usw.) nicht
bee
liar, wie auch für Beleuchtung, Heizung und Reinigung Frank- Gleichzeitigmit die
reich aulzukommen hat. g^enAusnahmenabgeseh
Wichtiger ist Art. 4ff : j_an_d, aqg-eschlossenenz
,,Die internatianalen Bahnhöle Busel- S.B.B. und Basel- rrankreich betreffend
die
St.I,ohann, sowie die Bahnstrecke,die diese beiden Bahnhöle uereruberwach ungsdiens
verbindet, werden unler die Aulsicht der schweizerischenZoIl- geschl,ossen. 5+l
behörde gestellt. Der lranzösischenZollverwaltung ist iedoch . . Die Einri6htungdies
das Recht vorbehalten,ihrerseits durch ihr in Base[ im Dienste reichs zurück, Cie Einwar
stehendesPersonal und unter den zwischen den beiden Verwal- wachen. Der Bundesrat
tyngen zu vereinbarendenBedingungendie zwr Wahrung ihrer war, diesesAmt kOnne
au
Interessennitige l(ontrolle und Aulsicht auszuüben.,( ,..fc!9n möchten,dienlich
Das bedeutet die Oberh,oheitder Schweiz über beide Bahn- IzindischerAus#andererz
höfe und über die betreffendeBahnlinie, da Frankreich Funk- neue Amt steht nicht
in
tionen durch seine Beamte auf Schweizergebietausübt. Die Be- Komm_en über den Zolldie
fugnisse sein'esZoll- und Folizeiamtesrichten sich nach den Vor- z,um Untetschied vcn
den
schriften, wie sie in Frankreich Geltung besitzen,und die Dienst- dieses Amt nicht in
Räu
besorgungund die zollamtlichenVerrichtungen geschehengemäss aur clerenKosten unterce
flanzösischenGesetzenund Verordnungen(Art- 5/6) das. jn Basel unter dern.
Die französischenZollämter können äusserlich durch eine tl. Räumlichkeiten,de
,ynq
nestreitef
Aufschrift und das Wappen ihres Landes gekennzeichnetsein, . Da es sich ab
und das Personalkann die französischeZolluniform traqen. Steht rlcntung in einem
Grenzb
diesesPersonal im aktiven Dienst (Ausübunq der ihm zristehenden aDgeschlossen werden, de
Aufsichf und Begleitung der Züge, die. ziliischen Basel und St. des neuen Amtes umschre
Ludwig verkehren), so kann es Waffen, ab,etunter cler Uniforrn, wre administrafiveUeUe.p
tragen (Art. 8/9). staatsangehörigen, dje bäa
Wie werden Vergehen geahndet? AnstellunE einäunehmen.
i
Die nach den französischen Gesetzen strafbaren Vergehen die.Erteilung :
;lnofl__d ,für.
rn hrankreichniederzulass
und Uebertretungen auf dem Gebietedes Zollwesensund der Ka, -
pitalausfuhr,die in den beidenBahnhöfenund auf der Bahnstrecke _o1ens.fe1 ist befugt, zur At
zwischendiesenBahnhöfenund St. Ludwig begangenwerden,sind ucs rnternationalenperson
vorn französischenZ'ollpersonalfestzustellenund zu verTolgenund treten und sich darin
frei
durch die französischenGerichte abzuurleilen. f h a u s e n
Deshalbkönnen die französischenBehördenim Bereicheder , Sgtraf u.ai
schafl:bahnhof par excellen
aben bezeichnetenOrte Untersuchungen.vornehm,en,Waren etc. iz.uid Baden)ih
zurückhalten,sie dürfen aber auf Schweizerqebietnicht zu Vet- $lI-(s.hy:
runren,ist klar nas 'gei
haftunqen schreiten. Die schweizerischenBehörden leisten aber auf
jede Rechtshilfe. (Als Zeichen der Zelt sei die Gleichstellung P::.yy .dje.Zo|abtert:ig
nausenund Thagngen
der Verletzung der Kapitalausfuhrverbotemit den Zollvergehen vcm 2
besondershervorgehoben.) _ _53)Die Bestimmr
u n d | ) i s 2 i p l i n a " h o h e i t j n g e nb e l r
Ein anderer Artikel trägt ebenfalls das Gepräge seiner Zeit: ä4) Botschaft
vom 6. Septe
Die Ein- und Ausfuhrverbote,die in der Schweiz bestehenoder t)ie- beiden Ueberei.n
von ihr erlassenwerden, sind auch fiir die Dienstsendungendes ,.o^ -o"r -in"ää ,
französischenZ,ollpersonalsvon einem Lande zlm andern einzu- ä:i".#t,:'änderat'na
66) AS 7. a. F. 882,
\yolf, I
186
halten. Diesem Artikel kann kein ähnlicher in irgencl einer der
andern Zallibereinkünfte zur Seite gestellt werdenl (Dieses ver-
bot darf aber die Einf.uhrvon Bureaugegenständen (Schreibpapier,
Register usw.) nicht beeinträchtigen.-
Art. 10.1sa;

geschlossen.5+)
Die Einrichtung diesesAmtes geht auf einen Wunsch Frank-
reichs zurück, die Einwanderung im Bahnhofe zu Basel zt iber-
wachen. Der Bundesrat willigte dazu ein, da er der Ansicht
war, diesesAmt könne auch Schweizern,die in Frankreich Arbeit

auf deren Kosten untergebrachtist, sondern in einem Gebäude,


das in Basel unter dem Namen ,,EmiErantenhaus., bekannt ist,
und in Räumlichkeiten, dercn Miefe die französischeVerwaltung
bestreifet. Da es sich aber um eine amtliche französischeEin-

S c h a f f h a u s e n w a r , v , ' i ew i r g e s e h e n
h a b e n ,e i n G e m e i n -
schaftsbahnhofpar excellence. Dass daher auch die beiden Län-
$er (Schweiz und Baden) ihren Z,olldienstgetneinschaftlichdurch-
führen, ist klar. Das geht hervor aus der Uebereinkunffin
Bezug auf die Zollabtertigungsstellenauf den,BahnhöfenSchaff-
hausettund Thagngenvorn 24. September 126. Dezember1862.56)
-53) Dle Bestimmungen betr. das Personal siehe gg 2I und 22 (Steuer-
und Disziplinarhoheit.)
5a)Botschaft vom 6. September 1929, S. 18, No. 2482.
55) Die beiden Uebereinkünfte wurden in der Frühlinsssession
1930 vom Ständerat und in der Somrnersession lg30 vom Naiionalrat
genehmigt.
66) AS 7. a. F. 382, Wolf, II, 915.

187
Da es 1862 ausschliesslich badischeBahnen waren, die den Eine spezielle Uebr
Bahnhof Schaffhausenbenützten,regierte Baden hinsichtlich der sodann wegen der \.e
Verzollungauf dem Bahnhofe,und der Schweizwaren, von Baden rahn mii der Badische
unentgeltlich zur Verfügung gestellt, Räumlichkeiten reserviert, Auf dem Bahnhof
wo sie ihre Zollgeschäfte erledigen konnte. Baden hatte auch deutschenVorschriften c
das Recht, Zollvergehenauf dem Bahnhofe zu ahnden, Waren etc., die nach der Schw
mit Beschlagzu belegen,die Vergehennach dem badischenZoll- 'ohneRücksicht auf die
:
strafgesetze abzuurtellen und auf Ordnungsstralen zu erkennen. grenze. Der Abschluss
Wurden aber Vergehenund Verbrechengegen die Gesetzeund Lokalitäten, sowie die l
Verordnungender Eidgenossenschaft und des Kantons Schaff- Zollaufsichtspersonal gr
hausen verübt, so war die Zuständigkeit der ordentlichen schwei- nungen der badischenB
zerischentrolizeibehördenund Gerichte oegeben. Ein protokoll zu dit
"Schaffhausen
Jetzf, wird. ein gemeinsamerDienst iä ausgeübt, hält einige Detailvorsc;
d. h. die beiden Zollverwzltungen arbeiten in getrenntenRäumen, sonals und seiner Ben-a
aber Hand in Hand. Das bezeugtauch ein Abkommenbetreffend
Nur technische Zol
die schweizerischeZollabfertigung der Züge in Erzingen, Schaff-
hausen-Bahnhofund Thagngenvom 3. Dezember1908lZ1. Ja-
nuar 1909.57)
Endlich sei hingewiesenauf Art. 18 des Vertragesbetreffend
derr Bahnhof Schaffhausenvom 5.116. Dezember 7902,5s1der
sagt, dass die Ein- und Ausgangsverzollung der von Schafthausen
abgehendenReise-Effektenund Transportgegenständ,e, anstatt an richtungen versehenrvel
der Grenze, auf dem Bahnhof zu Schaffhausenvoroenommen
werde, um einen Aufenthalt der badischenZüge an dön Grenz- _ ,_Aus alledemergibt s
zollstättenzu vermeiden. Für diesen Zolldienst, den Baden allein Z ollgemeinschaf t beiteht,
besorgt,wird ausschliesslich schaftenauf andern Gren
von Baden anqestelltesPersonalver-
wendef. Ebens,olchezollamt!.
Sonst bring,endie Uebereinkünfte, die sich mit dem Zolldienst Arbeit findet auf den Bah
auf dem Bahnhof Schafthausenbefassen,nichts Neues. d'ort werden beiden Verr.
BetreffendKonstanz gibt der Vertrag betreffenddie Ver- Verfügung gestellt; da si
bindunq der thurqauischenSeetalbahnmit der BadischenSt