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Fachbeiträge Kommunale Abwasserbehandlung 97

Bemessung der einstufigen


biologischen Abwasserreinigung
nach DWA-A 131
Burkhard Teichgräber und Martin Hetschel (Essen)

Zusammenfassung Abstract
Nach einem Expertenworkshop wurde das Arbeitsblatt ATV- Dimensioning of Single-Stage Biological Waste­
A 131 grundlegend überarbeitet. Die Belastungsermittlung wird water Treatment in Accordance with DWA-A 131
künftig ausschließlich im Arbeitsblatt DWA-A 198 beschrieben.
Die Bemessung der biologischen Stufe in einem einstufigen Pro- Following an expert workshop the Standard ATV-A 131 has been
zess erfolgt weiterhin in einem statischen Ansatz. Als Parameter revised radically. The determination of loading will, in future,
für die organische Belastung wird künftig der chemische Sauer- be described exclusively in Standard DWA-A 198. The dimen-
stoffbedarf (CSB) verwendet. Für dessen Fraktionierung können sioning of the biological stage in a single-stage process contin-
entweder die aus der dynamischen Simulation bekannten Ver- ues to take place in a static approach. In future, the chemical ox-
fahren oder Standardparameter verwendet werden. Mit den Pa- ygen demand (COD) will be applied as parameter for the organ-
rametern der statischen Bemessung nach DWA-A 131 kann für ic loading. For its fractionation either the known process from
detailliertere Fragestellungen auf die dynamische Simulation the dynamic simulation or standard parameters can be em-
übergegangen werden. Die Ermittlung der Masse des belebten ployed. Using the parameters of the static dimensioning in ac-
Schlamms soll für alle einstufigen Belebungsverfahren, auch im cordance with DWA-A 131 one can change over to the dynamic
Membranbioreaktor oder SBR, verwendet werden. simulation for detailed problems. The determination of the mass
Schlagwörter: Abwasserreinigung, kommunal, DWA-A 131, Bemes- of the activated sludge should be employed for all single-stage
sung, statisch, Belebungsanlage, einstufig, CSB, Nitrifikation, Deni­ activated sludge processes, also in membrane reactors or SBR.
trifikation, Stand der Technik Key words: wastewater treatment, municipal, DWA-A 131, dimension-
DOI: 10.3242/kae2016.02.001 ing, static, activated sludge plant, single-stage, COD, nitrification, de-
nitrification, best available technology
16-02- 011 KA Kunde: Biogest

4c c m y k
1 Einleitung
Das Arbeitsblatt ATV-A 131 „Bemessung von einstufigen Bele- liche Schlammmasse. Der Ansatz der erforderlichen Schlamm-
bungsanlagen“ diente zur Bemessung und Nachrechnung der masse ist für die Bemessung von MBR- oder SBR-Anlagen
meisten Kläranlagen in Deutschland, da das einstufige Belebungs-
Archivdatei 16-01-031
übertragbar. Die zulässige, mögliche Feststoffkonzentration in
verfahren nach wie vor als Standard in der biologischen Behand- den Belebungsbecken ergibt sich aus der Bemessung der Nach-
lung kommunalen Abwassers eingesetzt wird. Die Fachausschüs-
86 x 60 mm
se KA-5 „Absetzverfahren“ und KA-6 „Biologische Abwasserreini-
gung“ der DWA widmen seit Jahrzehnten einen Schwerpunkt ih-
rer Arbeit der Definition des Stands der Technik durch dieses
Arbeitsblatt. Von 2010 bis 2015 führten sie eine Novellierung mit
nennenswerten Veränderungen durch. Der Weißdruck wird vor-
aussichtlich im ersten Halbjahr 2016 erscheinen.
Im vorliegenden Beitrag wird die Bemessung der Bele-
bungsbecken nach dem neuen DWA-A 131 dargestellt.

2 Bemessungsweg
Der statische Ansatz zur Bemessung der Belebungsbecken
bleibt bestehen. Abhängig von dem in der Bemessung festzule-
genden, erforderlichen Schlammalter und dem Überschuss-
schlammanfall, der aus der maßgeblichen Belastung in Verbin-
dung mit dem Schlammalter resultiert, ergibt sich die erforder-

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Abb. 1: Sauerstoffbedarf aus der CSB-Bilanzierung

klärbecken. Erst dann können die Beckenvolumen festgelegt Abb. 2: Überschussschlammproduktion aus der CSB-Bilanzierung
werden.

3 Umstellung auf den CSB-Ansatz SNH4,Ü fN 1,4 1,6 1,8 2,0 2,2 2,4

3.1 Gründe für die Umstellung


5 mg/l NH4-N 1,5 1,6 1,9 2,2 2,5 2,8
Die weitgehendste Änderung des DWA-A 131 (Entwurf 2015)
gegenüber dem ATV-DVWK-A 131 (2000) besteht in der Um- 10 mg/l NH4-N 1,5 1,5 1,5 1,6 1,9 2,1
stellung auf den CSB-Ansatz. Dieser war bereits in der novel-
lierten Fassung des Jahres 2000 als ein optionaler Bemessungs-
Tabelle 1: Erforderlicher Prozessfaktor in Abhängigkeit vom NH4-
ansatz für das Schlammwachstum und den Sauerstoffver-
N-Überwachungswert im Ablauf und von den Schwankungen der
brauch eingeführt worden.
KN-Zulauffracht (Zwischenwerte können interpoliert werden)
Die Öffnung in Richtung CSB war der betrieblichen Praxis
geschuldet. Die CSB-Bestimmung gilt gegenüber der BSB5-Be-
stimmung als deutlich einfacher, schneller und weniger feh- Im Arbeitsblatt DWA-A 198 wurde der CSB als kostengüns-
leranfällig. Gemäß Selbstüberwachungsverordnung kommu- tiger Leitparameter, der häufig, gegebenenfalls täglich zu be-
nal – SüwV-kom (Eigenkontrollverordnung) ist in Nordrhein- stimmen ist, definiert. Mit den gegebenenfalls seltener be-
Westfalen die Bestimmung des BSB5 nicht erforderlich und stimmten Parametern werden Verhältniswerte zum Leitpara-
wird erfahrungsgemäß auf vielen Anlagen nicht mehr durch- meter gebildet und so die Frachten und die maßgebenden Kon-
geführt. zentrationen berechnet. Die vollständige Umstellung der
In der nach DIN 38409-H 41 [1] genormten CSB-Analytik Bemessung auf einen CSB-Ansatz ist somit logisch und konse-
wird das Querempfindlichkeiten auslösende Chlorid mit quent.
Quecksilber (Hg) maskiert. Früher führte dies zu einer teil-
weise erheblichen Umweltbelastung. Durch Vorbehandlungs- 3.2 CSB-Fraktionierung
verfahren in den Labors kann das Quecksilber heute zurück-
gehalten und zurückgewonnen werden. Die EU stuft Hg in Da nicht der gesamte CSB für den biologischen Abbau verfüg-
der Wasserrahmenrichtlinie als prioritär gefährlichen Stoff bar ist, ist eine CSB-Fraktionierung, das heißt, die Aufteilung
ein und hat das Phasing out eingeleitet. Ein Zeit- und Maß- des CSB in einen biologisch nicht abbaubaren, inerten Anteil
nahmenplan für das Phasing out liegt aber noch nicht vor. und einen abbaubaren Anteil, jeweils getrennt für den gelös-
Über die REACH-Verordnung wird Chromat als Oxidations- ten und den partikulären CSB, erforderlich. Wegen des zur
mittel nur noch nach einmalig möglicher Anmeldung weiter Stickstoffelimination erforderlichen hohen Schlammalters ist
einsetzbar. In verschiedenen Bundesländern wurde die For- davon auszugehen, dass der gelöste CSB des Ablaufs biolo-
derung aufgestellt, den CSB durch den TOC zu ersetzen. Dies gisch nicht weiter abbaubar ist und daher als Orientierung für
brächte in Hinblick auf die Anlagenbemessungen erhebliche den gelösten, inerten CSB des Zulaufs herangezogen werden
Nachteile. Aus dem TOC kann weder direkt auf den Sauer- kann. Als Mangel des CSB-Ansatzes bleibt, dass eine praxis-
stoffbedarf noch auf den biologisch abbaubaren Anteil der gerechte Standardmethode zur Bestimmung der inerten, par-
Abwasserprobe geschlossen werden. Eine geschlossene Bi- tikulären CSB-Fraktion derzeit nicht zur Verfügung steht.
lanzierung von Sauerstoffverbrauch und Überschuss- Daher kann die CSB-Fraktionierung weiterhin über die Fak-
schlammproduktion im Rahmen der Anlagenbemessung wä- toren A (jetzt fA: inerter Anteil des partikulären CSB zwischen
re nicht mehr möglich. Die DWA initiierte deshalb die Ent- 0,2 und 0,35) und B (jetzt fB: Glührückstand der abfiltrierba-
wicklung eines quecksilber- und chromatfreien Ersatzverfah- ren Stoffe zwischen 0,2 und 0,3) erfolgen.
rens mit dem Ziel, die DIN 38409-H 41 zur CSB-Bestimmung Genauer und mit geringem Mehraufwand kann der parti-
zu ändern. kuläre CSB aus der Differenz von homogenisiertem CSB

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KA Kunde: AWS

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gelieferte PDF
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Abb. 3: Auswirkung der gezielten Substratdosierung auf die Deni- Abb. 4: Denitrifikationskapazität für vorgeschaltete Denitrifikation
trifikationskapazität bei intermittierender/simultaner Denitrifika-
tion
mischen Sauerstoffbedarf, bezogen auf die organische
(CCSB,ZB) zu gelöstem CSB (SCSB,ZB) ermittelt werden. Wenn Trockensubstanz.
SCSB,ZB nicht bekannt ist, aber XTS,ZB gemessen wurde, kann
der partikuläre CSB aus der organischen Trockensubstanz zu 3.3 CSB-Bilanzierung zur Ermittlung des Sauerstoffbedarfs
1,6 g CSB/g oTS abgeschätzt werden. Abweichend zum Wert
von 1,42 g CSB/g oTS für Biomasse wird der Wert für das In Abhängigkeit von Abwassertemperatur T und Bemessungs-
Rohabwasser mit 1,6 g CSB/g oTS (Spannweite Literaturan- schlammalter tTS, dem für kommunales Abwasser üblicherwei-
gaben von 1,6–1,93 g CSB/g oTS) angenommen. Das Ver- se angesetzten Ertragskoeffizienten Y  0,67 g/g [g abgebilde-
hältnis 1,6 stellt einen Mittelwert aller Fraktionen des Zu- te Biomasse (CSB) pro g abgebautem CSB] und dem Zerfalls-
laufs dar; so haben Fette zum Beispiel einen deutlich höhe- koeffizienten b  0,17 (1/d) lassen sich der in der Biomasse
ren, hingegen inerter, partikulärer CSB einen geringeren che- gebundene, abbaubare CSB und der beim Zerfall der Biomasse
100 Fachbeiträge Kommunale Abwasserbehandlung

entstehende inerte CSB berechnen (Abbildung 1). Der verblei- sich eine Überschussschlammproduktion wie in Abbildung 2
bende Rest stellt den Sauerstoffbedarf OVC für den Abbau der skizziert.
organischen Substanz dar.
4 Sicherheitskonzept
3.4 Überschussschlammproduktion
Vor dem Hintergrund verschärfter Überwachungswerte, die mit
Zur Berechnung der Überschussschlammproduktion müssen dem aktuellen Arbeitsblatt nicht konkret erfasst werden, ist das
die als CSB bilanzierten Bestandteile des belebten Schlamms Sicherheitskonzept modifiziert worden. Der bisherige Sicher-
über Faktoren wieder auf Gramm Trockensubstanzkonzentra- heitsfaktor wird aufgespalten in einen Sicherheitsfaktor für die
tion zurückgerechnet werden. Hinzu kommen noch die am Nitrifikation von 1,6 und einen Prozessfaktor, der unter ande-
Umsetzungsprozess nicht beteiligten anorganischen abfiltrier- rem den Zulaufschwankungen der Stickstofffracht (fN) und
baren Stoffe des Zulaufs zum Belebungsbecken. Damit ergibt dem angestrebten NH4-N-Ablaufwert Rechnung tragen soll (Ta-

Abb. 5: Bemessungsschema der Denitrifikation

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belle 1). Damit wird auch eine Bemessung auf einen NH4-N- von Betriebsdaten nur ungenau ermittelt werden (zum Beispiel
Überwachungswert von 5,0 g/l ermöglicht. Schlammalter tTS) oder müssen mit Standardwerten abge-
schätzt werden (abbaubarer CSB-Anteil, inkorporierter Stick-
stoffanteil). In der Praxis können weitere Unwägbarkeiten wie
5 Stickstoffbilanz
Nitratlimitierung (unzureichende Rückführung), Sauerstoff-
Der Anteil des zu denitrifizierenden Nitrats wird auch zukünf- verschleppung usw. nicht vollständig ausgeschlossen werden.
tig über eine Stickstoffbilanz ermittelt. Der Anteil am inkorpo- Dennoch konnte der Bemessungsansatz anhand von Betriebs-
rierten Stickstoff wird nun mit 7 % der gebildeten Biomasse, werten (24-h-Mischproben) von Kläranlagen bestätigt werden.
ausgedrückt als XCSB,BM, abgeschätzt. Ferner wird noch ein
Stickstoffanteil von 3 % den inerten organischen Verbindungen 5.2 Intermittierende/Simultane Denitrifikation
zugeschrieben.
Die Bemessung der intermittierenden und simultanen Denitri-
5.1 Denitrifikation fikation erfolgt weiterhin unter Berücksichtigung eines Faktors
von 0,75, der sich auch aus der ASM3-Modellierung ableiten
Die Diskussion über die Ermittlung des Volumenanteils der De- lässt und bisher durch die verminderte Umsetzung bei der Ver­
nitrifikation zieht sich durch die neuere Geschichte des DWA- atmung von Nitrat begründet wurde. Für die intermittierende
A 131. Betriebserfahrungen zeigen bis heute, dass, obwohl ein und simultane Denitrifikation lässt sich der Anteil der Nitratat-
Sauerstoffeintrag durch die interne Rezirkulation nicht berück- mung an der Gesamtatmung wie gehabt iterativ ins Verhältnis
sichtigt wird, häufig bessere Denitrifikationskapazitäten als zum Anteil des Denitrifikationsvolumens am Gesamtvolumen
nach Bemessung erzielt werden. Bemessungstechnisch ergibt setzen.
sich oftmals ein Verhältnis von VD/VBB . 0,5; die dann vorge- Eine besondere Berücksichtigung eines leicht abbaubaren

16-02- 030 KA
haltene externe C-Dosierung wird in der Praxis aber nicht be-
nötigt. Als Manko gilt hier die Nichtberücksichtigung eines
Kunde:
CSB-Anteils des Eisele
Zulaufs braucht bei dem Ansatz für die inter-
mittierende Denitrifikation nicht zu erfolgen, da der Anteil ent-
leicht abbaubaren, für die Denitrifikation sofort verfügbaren sprechend in der Nitrifikationsphase gezehrt wird und damit
Zulaufanteils. 4c Denitrifikation
für die c m
verloren y
geht. k verhält
Anders Sonderfarbe
es sich,
Im Berechnungsgang ist es nun möglich, einen sofort für die wenn leicht abbaubarer CSB (Substrat) in Form einer externen
Denitrifikation verfügbaren leicht abbaubaren CSB-Anteil C-Quelle gezielt in der Denitrifikationsphase zugegeben wird.
(CCSB,la) zu berücksichtigen. Externe C-Quellen gehen wie leicht Diese gezielte Zugabe kann nun im Bemessungsansatz miter-
abbaubarer CSB als CCSB,dos jedoch mit der Besonderheit eines fasstgelieferte PDF 3).
werden (Abbildung
gegebenenfalls niedrigeren Ertragskoeffizienten (YCSB,dos) in die
Bemessung ein. 176 x 79 mm
5.3 Vorgeschaltete Denitrifikation
Bei der Umstellung auf den CSB-Ansatz ist zukünftig für die
Denitrifikation nur dessen abbaubarer Anteil zu berücksichti- Zukünftig soll der Denitrifikationsanteil bei Verfahren mit vorge-
gen. Mit den Ansätzen der Kläranlagensimulation (ASM3-Mo- schalteter Denitrifikation ebenfalls iterativ durch einen Vergleich
dell [2]), die in zahlreichen Simulationsstudien kalibriert wur- der Nitratatmung zur Gesamtatmung festgelegt werden. In Ab-
den, erfolgte die Überführung der Denitrifikationskapazität in bildung 4 ist der Bemessungsansatz in der Bandbreite für ver-
Abhängigkeit vom leicht abbaubaren CSB-Anteil in den modi- schiedene Anteile des leicht abbaubaren CSB in Abhängigkeit
fizierten Bemessungsansatz. Diverse Parameter können anhand vom Volumenanteil VD/VBB aufgetragen und der Spannweite

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(15-%-Wert, Mittelwert, 85-%-Wert) der Betriebswerte verschie- messung herangezogen. Zum Aufbau des erforderlichen For-
dener Anlagen mit vorgeschalteter Denitrifikation gegenüberge- melsatzes im statischen Bemessungsansatz wurde daher das
stellt. Schlammalter und Temperatur gehen über den Sauerstoff- ASM3-Modell [2] verwendet. Die Ergebnisse wurden mit dem
bedarf sowie indirekt über den inkorporierten Stickstoffanteil bisherigen DWA-A 131 und für die Bemessung der vorgeschal-
ein und sind entsprechend der Betriebswerte der bestehenden teten Denitrifikation mit neu erhobenen Betriebsergebnissen
Anlagen mit ausgewertet worden. Da eine Reihe von Anlagen vorhandener Anlagen verglichen. Damit ist sichergestellt, dass
mit größeren VD/VBB-Verhältnissen betrieben wird, sollte zukünf- die im novellierten DWA-A 131 vorgestellte Denitrifikationsbe-
tig eine Bemessung auf einen VD/VBB-Wert von 0,6 möglich sein. messung dem Stand der Technik und den derzeitigen prakti-
schen Erkenntnissen entspricht.
5.4 Verfahrenskombination Für künftige Bemessungen ist es damit möglich, eine Anla-
genauslegung mit dem statischen Bemessungsansatz nach
Eine in der Praxis häufig anzutreffende Verfahrenskombinati- DWA-A 131 durchzuführen und die Ergebnisse widerspruchs-
on, in der eine vorgeschaltete Denitrifikation mit einem an- frei mit dynamischen Simulationsprogrammen weiterzuentwi-
schließenden mit intermittierender Belüftung betriebenen Be- ckeln.
lebungsbecken kombiniert wird, wird über das neue DWA-
A 131 abgedeckt. Theoretische Überlegungen haben gezeigt,
8 Ausblick
dass mindestens 15 % des Belebungsbeckenvolumens als vor-
geschaltete Denitrifikation zur Verfügung gestellt werden müs- Der hier dargestellte Bemessungskern gibt die Berechnung des
sen, um das gesamte VD über den Bemessungsansatz für vorge- Belebungsbeckenvolumens nach dem im Freigabeverfahren be-
schaltete Denitrifikation berechnen zu können. Zusätzlich wer- findlichen novellierten DWA-A 131 wieder. In enger zeitlicher
den für dieses Verfahren konkrete Vorgaben zur Festlegung der Abfolge muss das DWA-A 198 überarbeitet werden.
erforderlichen Nitratrückführung gegeben. Das bisherige DWA-A 131 wurde in mehrere Fremdspra-
chen übersetzt. Die englische Fassung fand weltweit vielfache
Anwendung. Die Neufassung des DWA-A 131 wird weiterhin
6 Ablauf der Bemessung
auf die Anwendung in Deutschland ausgelegt sein. Durch über-
Das notwendige aerobe Schlammalter kann aus der Bemes- legte Parametervariation wird auch künftig eine Übertragung
sungstemperatur und dem Prozessfaktor direkt hergeleitet auf ausländische Verhältnisse möglich sein. Die DWA-Arbeits-
werden. Mit einer Schätzung des Denitrifikationsanteils am Be- gruppe BIZ-11.3 bereitet einen diesbezüglichen Arbeitsbericht
lebungsbeckenvolumen beginnt eine Iterationsschleife in der vor.
Schlammproduktion, Stickstoffbilanz und Atmung errechnet
werden. Mit dem Vergleich der Denitrifikationsatmung und des
Literatur
zu denitrifizierenden Nitrats endet die Iterationsschleife, und
die erforderliche Masse des belebten Schlamms kann errechnet [1] Deutsche Einheitsverfahren zur Wasser-, Abwasser- und Schlamm­
untersuchung: Summarische Wirkungs- und Stoffkenngrößen
werden. Gemeinsam mit der zulässigen Trockensubstanzkon-
(Gruppe H); Bestimmung des Chemischen Sauerstoffbedarfs (CSB)
zentration aus der Nachklärbeckenbemessung wird das Bele- im Bereich über 15 mg/l (H 41), DIN 38409-H 41, 1980
bungsbeckenvolumen ermittelt. Abbildung 5 zeigt den Ablauf [2] Henze, M., Gujer, W., Mino, T., van Loosdrecht, M.: Activated sludge
schematisch im Überblick. models ASM1, ASM2, ASM2D and ASM3, IWA Scientific and Techni-
cal Report No. 9, IWA Publishing, London, 2000

7 Bilanzierung und Simulation


Die dynamische Simulation wird weltweit als Stand der Tech- Autoren
nik zur Beschreibung der naturwissenschaftlichen Phänomene Prof. Dr.-Ing. Burkhard Teichgräber
des Belebungsverfahrens betrachtet. Die Bilanzierung des CSB Dipl.-Ing. Martin Hetschel
mit Aufteilung auf Sauerstoffverbrauch und Überschuss- Emschergenossenschaft/Lippeverband
DWA-
schlamm 003
wurde als Basis in das novellierte DWA-A 131 über- Kunde: DWA
Kronprinzenstraße Newsletter
24, 45128 Essen
nommen. Der Vergleich aus Sauerstoffverbrauch und zu deni­
trifizierendem Stickstoff wird künftig zur Denitrifikationsbe- 4c burkhard.teichgraeber@eglv.de
E-Mail: A

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