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Rosen auf den Weg gestReut . HeRBst 2008 . seite 1 www.rosen-web.de.

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2.Jahrg
7
ang

Themen

70. Jahrestag der Reichspogromnacht


Antifademo in Pankow
Interview mit Wladimir Gall und vieles mehr

Antifa-Jugendinfo für Pankow Pberg Weissensee Bernau Oktober 2008


Rosen auf den Weg gestreut . HERBST 2008 . Seite 2

Intro & Inhalt


Der Juli und damit die letzte Aus- Hierzu gibt es ein paar Texte, die Da wir so getrödelt haben, gibts hier
gabe der „Rosen auf den Weg gestreut“ die Thematik beleuchten und davon kein Foto unserer Zeitung mit dem
ist schon eine ganze Weile her. Das berichten, was zu dieser Zeit in Pan- Vorsitzenden der SPD, sondern nur
Jahr ist nicht mehr lang. Das heißt, kow geschah und darüber hinaus. eins mit dem Ex-Vorsitzenden. So
wir - das Rosen-Kollektiv - müssen „Von damals“ aber nicht nur, erzählt schnell kanns gehen.
uns jetzt etwas beeilen, um unseren auch Wladimir Gall, ein Rotarmist,
Jahresplan noch zu erfüllen. der bei der Einnahme Berlins eine Trotzdem viel Spaß beim Lesen
Diese Ausgabe ist jetzt erstmal ge- nicht ganz unwichtige Rolle spielte. wünscht euch die Redaktion.
schafft. SIe erscheint kurz vor den Darüber hinaus gibts Neues zu Hei-
wohlverdienten Herbstferien und nersdorf, zu Brandenburg (Königs
hat eigentlich ein Thema, dass da- Wusterhausen) und einiges mehr. Ach ja: Schreibt uns mal! Schickt
nach relevant ist: Den 70. Jahrestag uns Lob, Anmerkungen oder Kritik
der antisemitischen Pogrome vom zu dieser Ausgabe.
9. November 1938.

03 - Chronik
04 - Kein Kiez für Nazis - Vorab-Demoaufruf
06 - Interview mit dem Rotarmisten Wladimir Gall // APB
08 - Buchvorstellung „Partisanen im 2. Weltkrieg“ // APB
10 - Für eine alternative Jugendkultur // Jugendclub Dosto
12 - Der 9. November 1938 - 2008 // AIM
16 - Was ist Antisemitismus // APB
18 - Pogrom in Pankow // VVN-BdA Pankow
20 - Rassist_innen im Tiefschlaf? // EAG
23 - Solidarität mit den Antimilitaristen
24 - Nazis im Speckgürtel Nr.2 // EAG
26 - Buchvorstellung „Kommunismus“ // ASV
27 - Fotoausstellung „Israel 2008“ // JUP Antifacafé
28 - Kolumbien-Reise // Jusos Nordost
30 - Termine & Links
32 - Nelly Sachs - Chor der Geretteten

Impressum:
Die Texte dieses Heftes geben nur die Meinung der je- Geschlecht auch Transgendern und anderen Rechnung
weiligen Autor_innen wieder. Die Verteiler_innen des zu tragen. (Bei Fragen und Anregungen schreibt ein-
Hefts sind nicht mit den Macher_innen identisch. fach den beteiligten Gruppen eine Mail)
Wir verwenden die geschlechtsneutrale Form „_innen“,
um neben dem männlichen und weiblichen V.i.S.d.P.: Greta Schloch, Berliner Straße 8a, 13187 Berlin
Rosen auf den Weg gestReut . HeRBst 2008 . seite 3

Chronik
rechter Aktivitäten im Großbezirk Pankow in den Monaten
Juni bis September 2008

12.06.2008 27.06.2008 Der S-Bhf. Landsberger Allee ist


Ein alternativer Jugendlicher wird Im Musik-Café in der Wollankstra- Sammelpunkt für rund 25 Pankower
am Abend in Karow von drei Rech- ße wird laut rechtsextremistische Neonazis, die zum NPD-Aufmarsch
ten beschimpft und bedroht. Musik gespielt. in Neukölln wollen. Zuvor treffen
sich Neonazis am Bhf. Pankow.
14./15.06.2008 28.06.2008
Am Wochenende werden im Bhf. Aus einer Wohnung in Prenzlauer 26.08.2008
Pankow und der Umgebung Nazi- Berg ertönt rassistische Musik. Um den U-Bhf. Vinetastraße wer-
Aufkleber verklebt. den Nazi-Aufkleber entdeckt und
30.06.2008 entfernt.
17.06.2008 In der Nacht wird ein alternativer
Ein 18jähriger Schwarzer wird Jugendlicher von Neonazis am Bhf. 29.08.2008
nachts in Weißensee von zwei Pankow beschimpft, beworfen und Nachts tauchen Andy Fischer, Pa-
Neonazis beworfen, beleidigt und bedroht. trick Fehre und ein weiterer Neo-
angegriffen. // Rund um das Pan- nazi vor dem JUP auf. Fischer wirft
kower SPD-Kreisbüro werden NPD- 05.07.2008 Schnipsel für die „Jugend braucht
Aufkleber entdeckt. Neonazis bringen nachts an der Perspektiven“-Kampagne.
Moschee in Heinersdorf einen zehn
20.06.2008 Meter langen Schriftzug an. Ende August 2008
Beim Blumenfest in Weißensee Rund um den U-Bhf. Vinetastraße
verteilen NPDler Flugblätter und 13.07.2008 werden etliche Nazi-Aufkleber ver-
kleben Aufkleber. Ein Ghanaer wird nachts in Buch klebt.
Später versuchen sie, alternative von drei Männern geschlagen und
Jugendliche anzugreifen. getreten. Die Angreifer zerstören 01.09.2008
anschließend Teile seiner Woh- In der Nacht werden in Niederschön-
21.06.2008 nungseinrichtung. hausen und vor Pankower Schu-
Nachts bedrohen Neonazis aus len Plakate für die „Jugend braucht
einem Auto heraus Besucher_in- Juli/August 2008 Perspektiven“-Kampagne geklebt.
nen des Kurt-Lade-Klubs. An verschiedenen Stellen in Pan-
kow werden Plakate und Aufkleber 13.9.2008
22.06.2008 für die „Jugend braucht Perspektiven“- Die Pankower NPD ist auf dem „Pan-
Neonazis schlagen nachts am „Die Nazi-Kampagne geklebt. kefest“ mit einem Stand vertreten. Ca
Linke“-Parteibüro in Weißensee 12 Neonazis bewachen den Stand.
eine Scheibe ein. // Ein alternativer 23.08.2008 // Auf einem Fest der Freiwilligen
Jugendlicher wird am Sonntag mor- In der Danziger Str. werden mor- Feuerwehr in Pankow sammeln sich
gen in Prenzlauer Berg von einem gens 2 Männer homophob be- „Sieg Heil“-grölende Neonazis und
Neonazi beleidigt und geschlagen. schimpft, geschlagen und beraubt. greifen Polizei-Fahrzeuge an.

Diese Zusammenstellung basiert auf den Chroniken Sammlungen dieser Art sind vor allem davon ab- Aktionen wirst, melde diese bitte unter folgender
der Emanzipativen & Antifaschistischen Gruppe, der hängig, dass Betroffene von Naziaktionen diese öf- E-Mail-Adresse: eag-berlin@riseup.net
Antifa Prenzlauer Berg und der Antifa Klein-Pankow. fentlich machen. Wenn du Opfer oder Zeug_in einer
Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Naziaktion, eines Übergriffs oder von Propaganda-
Rosen auf den Weg gestreut . HERBST 2008 . Seite 4

Kein Kiez für Nazis!


Wer wegschaut
stimmt zu.
Vorab-Aufruf zur Antifa-Demo am 15.11. in Pankow
Seit Anfang 2008 haben im Berliner Stadtteil Pankow
die gezielten Übergriffe und Drohungen gegen Antifa-
schist_innen massiv zugenommen. Vermeintliche Anti-
faschist_innen werden gezielt abgefangen, und gejagt,
ihre Namen mit Drohungen an Hauswände gesprüht,
ihre Eltern per Telefon terrorisiert.

Dies ist eine Entwicklung, die sich auftreten, sind der Garant dafür, pe „Vereinte Nationalisten Nordost“
bereits seit letztem Jahr abzeich- dass dies bis auf weiteres so bleibt. (VNNO) sind dem entsprechend
net. Bereits seit Mitte 2007 kam es Mit den Kneipen „Musik-Cafe“ in der nicht verwunderlich. Der lokale
immer wieder zu gezielten Angrif- Wollankstraße und dem „Fire & Ice“ Kreisverband der NPD profitiert von
fen auf die Wohnungen von Antifa- in der Dietzgenstraße existieren in den VNNO als Vorfeldorganisation,
schist_innen oder zur Veröffentli- Pankow zur Zeit zwei Treffpunkte für mit der es ihm gelingt, militante
chung von rechter Propaganda, auf genau dieses Publikum. Kameradschafts-Aktivisten für Ak-
denen ihre Adressen veröffentlicht Überschneidungen mit der Grup- tionen einzubinden, die nicht unter
wurden. Dabei ist dies nur die Spit- dem Label NPD laufen können. So
ze dessen, was überhaupt an Über- erstaunt es kaum, dass mit Daniel
griffen und Bedrohungen ans Tages- Steinbrecher und Diego Pfeiffer
licht gerät. All diejenigen, die nicht zwei Kameradschaftler den Vor-
den Vorteil genießen, Kontakt zu stand der lokalen NPD stellen. Der
Menschen zu haben, die sich nach NPD KV8 gilt als der stärkste Kreis-
Übergriffen um sie kümmern und/ verband in ganz Berlin.
oder solch einen Vorfall eventuell
öffentlich machen, finden kaum Pankow war schon vor dem Fall der
Erwähnung. Dabei sind sie es, die Mauer ein Ort, an dem sich eine
am meisten unter der permanenten stabile rechte Subkultur und orga-
Präsenz der Faschisten in Pankow nisierte rechte Strukturen etabliert
leiden müssen. hatten. Nach 1989 war Pankow ein
In den Berliner Statistiken zu rech- Hauptaktionsfeld der neofaschis-
ter Gewalt rangiert Pankow mittler- tischen „Freiheitlichen Arbeiter Patei“
weile auf Platz zwei. (FAP). Diese Kontinuitäten sind bis
Ein großer Sumpf aus gewaltbe- heute teils ungebrochen. Trotz einer
reitem Kneipenmilieu, Hooligans Vielzahl an Projekten gegen Neo-
und Rockern, die meist offen rechts nazis, lässt sich die rechte Szene
Rosen auf den Weg gestreut . herbst 2008 . Seite 5

in nichts beirren und prügelt weiter bereit sind, sich gemeinsam mit tem „unwertem Leben“ als „Lösung“
wie bisher. Pankow, allem voran uns den Faschisten in den Weg zu permanent in sich trägt. Wir haben
der Ortsteil Niederschönhausen, stellen. Am 15. November werden kein Bock auf Herrschaft, egal in
begreifen sie als „ihr Revier“ - Jede wir nach Pankow gehen und klar welcher Form sie uns begegnet.
antifaschistische Intervention vor stellen, das der Kiez nicht allein
Ort wird nicht geduldet. Erschwe- den Nazis gehört. Der konsequente Kampf ge-
rend kommt hinzu, dass es vor Ort gen Nazis jedweder Couleur
kaum Menschen gibt, die ernsthaft Wir richten uns dabei nicht allein ist für uns darum eine Selbst-
gewillt sind, etwas gegen Nazis zu gegen Nazis als konkrete Bedro- verständlichkeit. Wenn ihr das
unternehmen. Sei es aus Angst hung, sondern auch gegen Faschis- auch so seht, kommt mit uns am
oder weil sie selbst Teil der rechten mus als Ideologie im Allgemeinen, 15. November mit nach Pankow um
Grundstimmung sind, die bei vielen eine Ideologie die mehrere Millio- zusammen gegen Neonazis und für
Menschen in Pankow-Niederschön- nen Leben auf dem Gewissen hat, eine solidarische Gesellschaft zu
hausen das Denken und Handeln eine Ideologie, die in letzter Kon- demonstrieren.
prägt. sequenz den Mord an so genann-

Für uns kann es jedoch keine Alter-


native sein, diejenigen, die unter
Infoveranstaltung zur Nazisituation in Pankow
dem rechten Straßenterror leiden Mi., 5. November 2008 - 19:00 Uhr
müssen, allein zulassen, nur weil JUP (Florastr. 84, nahe S- & U-Bhf. Pankow)
es vor Ort kaum Menschen gibt. die
Antifaschistische Demonstration:
Sa., 15. November 2008 - 14:00 Uhr
S- & U-Bhf. Pankow
mehr Infos unter www.kein-kiez-für-nazis.de.vu
Rosen auf den Weg gestreut . HERBST 2008 . Seite 6

Interview mit dem


Rotarmisten
Wladimir Gall von Antifa Prenzlauer Berg [APB]

APB: Hallo Wladimir, wir hatten erkannte ich die akute Gefahr des deut- Mikrofon direkt an die Wehrmachtsan-
ja bereits mehrfach die Möglichkeit, schen Faschismus und es wurde mir klar, gehörigen. Sehr oft wurden wir dabei
dich persönlich kennen zu lernen. dass es nicht nur, aber vor allem unsere von ihnen heftig beschossen.
Allerdings wollen wir den Leserin- Sowjetunion bedroht.
nen und Leser unserer Zeitung ein APB: Dein Einsatz als sowjeti-
Stück weit an deinem Leben, dei- APB: Wann und unter welchen scher Parlamentär in der Festung
nen Erfahrungen und Erlebnissen Umständen bist du später zur Ro- Berlin-Spandau hat vielen Deut-
Teil haben lassen. Vielleicht kannst ten Armee gekommen? schen, vor allem Frauen und Kin-
du uns zuerst kurz schildern, wann GALL: Am 22. Juni 1941, dem Tag dern das Leben gerettet. Erzähl uns
und wo du geboren wurdest und des Überfalls Hitlerdeutschlands auf die doch bitte noch etwas über diesen
welchen Bildungsweg du bis zu Sowjetunion, absolvierte ich die Hoch- im wahrsten Sinne des Wortes
deinem Eintritt in die Rote Armee schule und legte mein letztes Staatsexa- „filmreifen“ Einsatz.
genommen hattest? men ab. Ich meldete mich sofort freiwil- GALL: Der Höhepunkt meiner Tä-
Gall: Ich wurde am 20. Januar 1919 lig zur Roten Armee; später hatte ich den tigkeit im Sondertrupp war der Parla-
in der Stadt Charkow (heute ukrainisch Dienstgrad eines Hauptmanns. mentärgang in die Zitadelle Spandau am
Charkiw – d. Red.) geboren. 1936 1. Mai 1945. Ausführlich habe ich alles
machte ich das Abitur und nahm ein APB: Wie genau sah dein Leben in meinem Buch „Moskau – Spandau
Studium an der Moskauer Hochschule an der Front aus? Was waren deine – Hall. Etappen eines Lebensweges“ be-
für Geschichte, Philosophie und Lite- hauptsächlichen Aufgaben in der schrieben. Dieser Einsatz war nicht nur
ratur (Fachrichtung Weltliteratur und Roten Armee, als ihr auf dem Weg „filmreif“, sondern in erster Linie lebens-
Deutsch) auf. Mein Lieblingslehrer war nach Berlin ward? gefährlich. Das war die dramatisch-ste
Lew Kopelew. GALL: Ich gehörte zu einem Sonder- Episode meines Lebens. Zu Zweit, also
trupp der Armee. Unser Kampfauftrag Major Grischin und ich, stiegen wir
APB: Ab wann hast du die auf- bestand darin, die deutschen Soldaten über eine Strickleiter – einem Weiden-
kommende Gefahr des deutschen über den Krieg, den Faschismus und die stock mit einem Stück weißen Stoff in
Faschismus wahrgenommen und sowjetische Kriegsgefangenschaft aufzu- der Hand – als Parlamentäre in die
ab wann war dir klar, dass der deut- klären und sie zur Aufgabe zu bringen. Spandauer Zitadelle. SS-Fanatiker, die
sche Faschismus auch eine direkte Jeden Abend fuhren wir mit einem Laut- sich in der Festung befanden, versuchten
Gefahr für die Sowjetunion war? sprecherwagen an die sog. HKL (Haupt- immer wieder unsere Verhandlungen zur
Gall: Schon während des Studiums kampflinie) und wandten uns über das Vermeidung weiteren sinnlosen Blutver-
Rosen auf den Weg gestreut . herbst 2008 . Seite 7

gießens zu sabotieren und wollten unsere recht gut gelungen schien. Leider ist es uns nicht gelungen, die
Erschießung. Zum Glück war das nicht Sowjetunion auf einer neuen, veränder-
geschehen. Damit waren hunderte Zivi- APB: Was hast du nach deiner ten gemeinsamen Basis zu konstituieren.
listen gerettet. Es freut mich, dass viele Rückkehr in die Sowjetunion ge-
Deutsche diese humane Tat von uns und macht? APB: Du verfolgst die politi-
der Roten Armee nicht vergessen haben. GALL: Nach der Rückkehr war ich schen Entwicklungen ja auch in
bis Ende 1949 Lehrer in der Antifa- Deutschland nach dem Untergang
APB: Später hat dich der wunder- Zentralschule in Krasnogorsk bei Mos- der DDR sehr genau. Wie siehst du
bare Film „Ich war neunzehn“ von kau. Wir erzogen unsere Schüler/innen das Erstarken von Nationalismus,
Konrad Wolf einem breiten deut- im Geiste der Demokratie und der Völ- Antisemitismus und Rassismus in
schen Publikum bekannt gemacht. kerfreundschaft. Anfang 1950 ließ ich Deutschland?
Was verband dich mit Konrad Wolf mich ausmustern und war danach bis GALL: Ich beobachte das Erstarken
und seiner Familie, vor allem mit zur Rente in der Moskauer Hochschule des Neofaschimus, Antisemitismus und
seinem Bruder Markus Wolf? Wel- für Fremdsprachen als Dozent tätig. Ich Rassismus und Deutschland mit großer
che Bedeutung hatten sie für dich? unterrichtete nicht nur sowjetische, son- Besorgnis; so wie im Übrigen auch in
GALL: Ich lernte Konrad Wolf an dern auch viele deutsche Studentinnen Russland und vielen Ländern des ehe-
der Front, in einem Sondertrupp, ken- und Studenten, von denen viele später maligen sog. Ostblocks. Aber die Ge-
nen, schätzen und lieben. Er wurde in diplomatischen Korps tätig waren. spräche, die ich in Berlin und anderen
mein bester Freund und blieb es bis zu Dazu gehört auch der derzeitige russi- deutschen Städten mit vielen Menschen,
seinem viel zu frühen Tod 1982. Kon- sche Botschafter in Berlin, Wladimir W. besonders mit Jugendlichen, führte, ma-
ni machte mich mit seinem Vater, dem Kotenew. chen mir auch Hoffnung. Es gibt auch
bedeutenden antifaschistischen Schrift- in der Bundesrepublik viele Jugendliche,
steller Friedrich Wolf und seinem älteren APB: Und wie siehst du den Un- die sich dem wieder erstarkendem Neofa-
Bruder, dem späteren legendären Chef tergang der Sowjetunion? schismus, Antisemitismus und Rassismus
der DDR-Aufklärung Markus (Mischa) GALL: Meiner Meinung nach war entgegenstellen. Es wächst auch eine an-
Wolf bekannt. Ich bewunderte alle drei der Zerfall der Sowjetunion eine Tragö- tifaschistische Generation nach, die aus
als kluge, aufrechte, rechtsschaffene Men- die. Radikale Reformen waren notwen- unseren Fehlern und Lehren lernt und
schen, mutige Kämpfer gegen den deut- dig, aber sie hätten anders durchgeführt dann genauso erfolgreich siegen wird,
schen Faschismus, als Kampfgefährten werden können und sollen. Doch die wie wir damals.
im Kriege und in der Nachkriegszeit. Sie Kräfte, die die Sowjetunion zerstören
waren für mich die besten Vertreter des wollten, waren auch sehr groß. Vielen Dank für das Gespräch.
deutschen Volkes.1

APB: Nach der Zerschlagung des Ein *Parlamentär* ist ein Unterhändler zwischen Krieg führenden Parteien. Der Status eines
Faschismus durch die Rote Armee Parlamentärs ist unter anderem in der Haager Landkriegsordnung geregelt. Danach genießt der
hast du neue Aufgaben bekom- Parlamentär völkerrechtlich Unverletzlichkeit.
1
Mehr zur Freundschaft mit Konrad Wolf könnt ihr nachlesen in: Wladimir Gall (2005), Mein
men? Welche Funktion hattest du Freund Konrad Wolf, in: UTOPIE kreativ, H. 175 (Mai 2005), S. 410-421 oder
nach dem Sieg über den Faschis- www.rosaluxemburgstiftung.de/cms/fileadmin/rls_uploads/pdfs/175Gall.pdf
mus, also wie ging es für dich nach
dem 8. Mai 1945 weiter?
GALL: Nach dem Sieg über den
Faschismus war ich in den ersten und
schwersten Nachkriegsjahren Leiter der
Kulturabteilung der SMAD (Sowjeti-
sche Militäradministration) in Sach-
sen-Anhalt. Übrigens war ich der erste
Sowjetbürger, der nach Halle kam. Kul-
turoffizier hatten nicht die Aufgabe, der
deutschen Bevölkerung unsere sowjetische
Kultur aufzuzwingen, sondern viel-
mehr, ihnen zu helfen, die faschistischen
Kultur­inhalte zu entlarven, zu beseiti-
gen und eine neue demokratische Kultur
zu entwickeln. Als ich viele Jahre später
Halle – noch zu DDR-Zeiten - besuchte,
merkte ich, dass uns dies durchaus auch
Rosen auf den Weg gestreut . HERBST 2008 . Seite 8

Buchvorstellung
„Partisan im
Zweiten Weltkrieg“
ein Buch von Harold Werner
von Antifa Prenzlauer Berg [APB]

Selbst als die Wehrmacht den Einsatz „Sturmwind“


befiehlt, bei dem 30 000 deutsche Soldaten gegen
3 000 Partisanen antreten, gelingt es den Partisa-
nen, den deutschen Soldaten erheblichen Schaden
zuzufügen.

Harold Werner ist einer von vielen schikaniert wird, wendet sich, mit
„unbesungenen“ und in Vergessenheit dem Überfall der Deutschen, alles
geratenen Helden des polnischen schlagartig und selbst ehemalige
Widerstands während des zweiten vermeintliche Freunde wenden
Weltkriegs. Mit seinem Buch „Par- sich gegen ihn.
tisan im zweiten Weltkrieg“ hinterließ Viele seiner Freunde werden ins
er ein eindrucksvolles Dokument, Warschauer Ghetto verschleppt
welches nicht nur eine trockene Ge- und viele andere werden direkt
schichtsschreibung nach Aktenlage in den kleinen polnischen Dör-
ist, sondern ein ehrlicher Bericht fern von antisemitischen Bauern
aus dem vollen Leben. oder anderen Dorfbewohnern er-
Es ist nicht nur ein Kampfbericht, schossen. Nur mit großem Glück
sondern auch eine Beschreibung gelingt Harold Werner die Flucht
des jüdischen Lebens vor und in die Wälder Polens, wo er sich
nach dem Überfall der Deutschen zunächst mit anderen jüdischen
auf Polen. Während am Anfang Flüchtlingen versteckt. In den Wäl-
seiner Autobiographie sein Leben dern sind viele kleine Gruppen
und das seiner Freunde in und auf der Flucht; nicht nur jüdische
um Warschau „nur“ von christlich Flüchtlinge, sondern auch russi-
fundamentalem Antisemitismus sche Kriegsgefangene, denen die
Rosen auf den Weg gestreut . herbst 2008 . Seite 9

Flucht geglückt ist. 3000 Partisanen antreten, gelingt Harold Werner „Partisan im zweiten Weltkrieg.
Erinnerungen eines polnischen Juden“
Nach und nach gelingt es der Grup- es den Partisanen, den deutschen Erschienen: zuKlampen
pe um Harold Werner, Waffen zu Soldaten, erheblichen Schaden ISBN: 3-924245-82-7
besorgen, die sie am Anfang nur zuzufügen und am Ende den Be-
benutzen, um sich in Notsituatio- lagerungsring zu durchsprengen
nen gegen die Deutschen zu ver- und zu entkommen. Die jüdischen
teidigen und um essen von den Partisanen waren jedoch nicht nur
Bauern zu bekommen. Im Laufe der „Soldaten“, sondern richteten neben
Zeit bilden sich jedoch Gruppen, dem Kampf gegen die Nazis auch
die sich aktiv in das Kriegsgesche- zahlreiche Lager ein, in denen Kin-
hen einmischen wollen und anfan- der, ältere und schwächere Juden
gen, sich zu Partisanen-Gruppen untergebracht und versorgt wurden.
zu formieren. Aus Hinterhalten In den größten dieser Lager lebten
greifen sie deutsche Soldaten an, bis zu 1200 Menschen.
rächen sich an Kollaborateuren in Die jüdischen Partisanen sind
der polnischen Zivilbevölkerung Helden, die von der offiziellen Ge-
und sprengen Eisenbahnbrücken. schichtsschreibung komplett ver-
Durch die Unterstützung von ehe- gessen wurden. Umso wichtiger ist
maligen Mitgliedern der polnischen es, dass Bücher wie dieses nicht
Armee gelingt es ihnen erfolgreich, in Buchläden verstauben, sondern
den Nazis Schaden zuzufügen. gelesen werden. Damit das, was
Selbst als die Wehrmacht den Ein- diese mutigen Menschen geleis-
satz „Sturmwind“ befiehlt, bei dem tet haben nicht in Vergessenheit
30 000 deutsche Soldaten gegen gerät.

„Wir hielten den Atem an, als der Zug die Brücke
erreichte. Chiel setzte die Zündschnur in Brand, und
ein ungeheure Explosion zerstörte die Brücke direkt
vor der Lokomotive.

Unsere Ohren schmerzten vom Knall der Explosion.


Die Lokomotive stürzte 40 Meter tief in den Fluss
und riss die Waggons mit sich. Es war ein Militär-
transport mit Hunderten von deutschen Soldaten.
Einige von ihnen sprangen aus den Abteilen ins
flache Wasser. Ein verwundeter Soldat schrie laut
nach seiner Mutter.

Da hörte ich Velvale neben mir murmeln: ‚sie haben


noch ihre Mütter. Wir haben keine mehr. Sie haben
sie alle getötet‘“.
Harold Werner
Rosen auf den Weg gestreut . HERBST 2008 . Seite 10

Für eine
alternative
Jugendkultur!
Das Goldstück
einer jeden
Kommune!
Es braucht keine Studien von Lan- hende Belästigungen, genervte El-
desentwicklungsstellen, um festzu- tern, Lehrer_innen usw. [..]
stellen, dass Brandenburg, wenn Eine alternative Jugendkultur
wir nichts tun, ein verödetes, ver- muss leben – laut, selbstbewusst
blödetes, rechtes Brachland wird! und manchmal auch dreckig sein.
Alternative Jugendkultur ist wichtig Selbstbestimmtes jugendliches
für die Entwicklung demokratischer Engagement gegen Rassismus und
Prozesse und die Gestaltung eines Rechtsextremismus (auch als ex-
gesellschaftlichen Klimas, fern von plizite Antifa-Gruppe) ist eine not-
Rassismus, Antisemitismus und wendige Ergänzung zu städtischen
Unterdrückung der Schwachen in Anstrengungen. Denn wir, die junge
der Gesellschaft. [..] Generation, haben unsere eigenen
Die Jugend ist es meist, die Miss- Vorstellungen von einem solida-
stände beim Namen nennt und rischen und antirassistischen Le-
kritisiert. Diese praktisch gelebte ben. [..]
Demokratie kommt bei vielen Kom- Jugendinitiativen, Jugendkultur,
munen nicht gut an. Zu unkontrol- und linke Jugendzentren, die sich
lierbar erscheint das, zu unzuver- klar gegen Rechts positionieren,
lässig, zu direkt? Die finanzielle gelten zu Recht als „Goldstücke einer
Unterstützung ist mau und mit jeden Kommune“ (Zitiert nach einem
vielen bürokratischen Hürden ver- Mitarbeiter des Mobilen Beratungs-
sehen. Wenn die Bürokratie nicht team).
hemmt, dann gibt es oft strafrecht- Wieso aber müssen diese “Gold-
liche Ermittlungen gegen aktive stücke” so sehr um jeden kleinen
Jugendliche und damit einherge- Kupfertaler kämpfen und bangen?
Rosen auf den Weg gestreut . herbst 2008 . Seite 11

Der folgende Text ist eine gekürzte und


überarbeitet Version eines Redebeitrages
des Jugendtreff „Dosto“ zur antifaschistischen
Straßenparade am 12.Juli 2008 in Bernau.

Sie übernehmen nicht nur die Ar- und ausreichende materielle För-
beit politischer Bildung unter ih- derung von fortschrittlichen Jugen-
ren Altersgenoss_innen, sondern dinitiativen für eine nachhaltige
bringen sich auch in die Gestaltung emanzipatorische Jugendarbeit!
ihrer Stadt ein. [..]
Wir wollen diese Welt noch verän- Überall!
dern und nehmen das selbst in die Immerzu!
Hand! Wir glauben daran – eine an- Gegen die Kriminalisierung von al-
dere Welt ist möglich! ternativen Jugendlichen, die sich
Für Veränderungen brauchen wir aktiv gegen Rechtsextremismus
aber nicht nur Willen, sondern einsetzen!
auch Unterstützung. Das bedeutet
ideelle Unterstützung, aber auch
Materielle! Geld, Material, Räume Neu
und unkomplizierter Umgang mit erschienen!
diesen sind Grundlage für die Ent-
wicklung einer demokratischen Kul-
tur in jeder Gemeinde. Es müssen Die Broschüre
Freiräume zur Verfügung gestellt „Aktiv gegen
werden, die inhaltlich zu gestalten Nazis“ ist im
Jugendtreff „Do- Eine alternative
sind, in denen Konflikte ausgefoch-
sto“ erhältlich oder einfach be- Jugendkultur muss
ten werden und Prozesse entstehen
können. [..] stellen unter der Mailadresse leben. - laut, selbstbe-
Deshalb fordern wir eine kontinu- bestellung_bernau@web.de. wusst und manchmal
Infos: www.aktiv-gegen-nazis.tk
ierliche, unbürokratische, planbare auch dreckig sein.
Rosen auf den Weg gestreut . HERBST 2008 . Seite 12

9.November 1938
9.November 2008
Kein Vergessen! Kein Vergeben!
Kampf dem Antisemitismus!

Gegen Antisemitismus, Rassismus und


die Verdrehung der Geschichte.

Bereits seit 1990 erinnert die Antifaschistische Initiative Moabit zusammen mit anderen
Antifagruppen, mit einer Gedenkveranstaltung, der sich stets eine antifaschistische
Demonstration anschließt, an die Pogromnacht von 1938.
Die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 markiert den Übergang von der schritt-
weisen gesellschaftlichen Ausgrenzung und Stigmatisierung der Jüd_innen als „fremd“ zur
Vernichtungspolitik, die in der der Shoa gipfelte.
Über 6 Millionen europäische Jüd_innen wurden bis zum 8.Mai 1945 ermordet. Die Route
der Demonstration orientiert sich an dem Weg, den Berliner Jüd_innen zum Deportations-
bahnhof Putlitzstraße nehmen mussten.
von Antifaschistische Initiative Moabit [AIM]
Rosen auf den Weg gestReut . HeRBst 2008 . seite 13

„Es ist geschehen, und


folglich kann es wieder
Der Auftaktort ist das Deporta- „Aufstand der Anständigen“ 2000, die
tionsmahnmal am Ort der dama- geschehen: Darin liegt der Wahlerfolge neofaschistischer Par-
ligen Synagoge, der Levetzow- Kern dessen, was wir zu teien, rassistische Sondergesetze,
straße, die von den Nazis als Sam- sagen haben“ antisemitische Äußerungen von
mellager missbraucht wurde. Die Politiker_innen oder Reden von
Demonstration führt durch Moabit Primo Levi Prominenten, sowie Versuche eines
zum Deportationsmahnmal auf gesellschaftlichen Diskurses, der
der Putlitzbrücke. Vom Güterbahn- mehr und mehr die deutsche Ge-
hof an der Putlitzstraße fuhren die gende rasante Rechtsentwicklung in schichte relativiert. Das alles waren
Züge der Reichsbahn in die Ver- Deutschland und die rassistischen Themen, die auf der 9.-November-
nichtungslager Auschwitz, Treblin- Pogrome in Rostock, Hoyerswerda Demonstration in Moabit angespro-
ka und Bergen-Belsen. und Mölln 1992/93 verliehen der chen wurden.
Der ursprüngliche Anlass der Ge- alljährlichen Demonstration im-
denkkundgebung war vor allem die mer wieder erschreckende Aktua- 9.November 1938 -
neue nationalistische Euphorie, die lität und Notwendigkeit.. Antise- Reichspogromnacht
dem Mauerfall am 9.November 1989 mitische Gewalttaten, die Debatte Am 9.Novemver 1938 zogen im
und der deutschen „Wiedervereini- um die Entschädigung ehemaliger ganzen Land deutsche Nazis durch
gung“ folgte. Die Erinnerung an die NS-Zwangsarbeiter_innen, der 10. die Straßen, zündeten Synagogen
Novemberpogrome drohte davon Jahrestag des Mauerfalls 1999, der an, schlugen Scheiben ein und
überdeckt zu werden. Die nachfol- von Gerhard Schröder ausgerufene plünderten jüdische Geschäfte;
Rosen auf den Weg gestreut . HERBST 2008 . Seite 14

„Die Vernichtung des


Faschismus mit seinen
Wurzeln“, die sie gefordert
haben, ist unsere Aufgabe.

sie drangen in Betriebe und Schu- des Nationalsozialismus, Zeitzeug_ mus sind weder alle überlebenden
len ein und zerstörten die Einrich- innen der Verfolgung und der Ver- Opfer des Nationalsozialismus
tung; sie überfielen Jüd_innen in nichtungspolitik der Nazis, haben entschädigt, noch sind Antisemi-
ihren Wohnungen und misshan- auf der Moabiter Gedenkveranstal- tismus, Rassismus und Nationalis-
delten, demütigten, vergewaltigten tung gesprochen und mit ihren ein- mus überwunden.
oder töteten sie sogar. Ungefähr dringlichen Reden die Teilnehmer_ Im Gegenteil – dieses Jahr jährte
30.000 jüdische Männer wurden innen beeindruckt und bewegt. sich die Abschaffung des Grund-
in die Konzentrationslager Buchen- Doch auf die Stimme der Überle- rechts auf Asyl zum 15. Mal, die
wald, Dachau und Sachsenhausen benden werden wir uns nicht mehr Nachfolgepartei der NSDAP, die NPD
verschleppt. Der systematischen lange stützen können, auch die sitzt in zahlreichen Parlamenten
Entrechtung und dem Ausschluss letzten werden bald gestorben sein. und die Jüd_innen in Deutschland
aus dem allgemeinen gesellschaft- Jetzt ist es die Aufgabe jüngerer An- sind immer wieder antisemitischen
lichen Leben folgten Deportation tifaschist_innen, die Erinnerungen Übergriffen ausgesetzt. Israel, dem
und Vernichtung. Die nahezu totale an die deutschen Verbrechen wach Staat der Überlebenden der Shoa
Trennung der „Jüd_innen“ vom Rest zu halten. Die gesellschaftlichen und ihrer Nachfahren, wird von den
der Bevölkerung machte es der so Voraussetzungen dafür werden weltweiten Antisemit_innen fort-
genannten „Volksgemeinschaft“ – so- in den nächsten Jahren nicht ein- während das Existenzrecht abge-
weit sie nicht aktiv am Holocaust facher werden. Vor allem im näch- sprochen.
beteiligt war - leicht, wegzuschau- sten Jahr ist zu befürchten, dass „Eine neue Welt des Friedens und der
en. Die Gewalt der Pogromnacht der Jahrestag der Pogromnacht voll- Freiheit“, wie sie überlebende Häft-
bildete den Auftakt zu Deportation ständig hinter den Feierlichkeiten linge des Konzentrationslagers
und Vernichtung, zum Massenmord zum 20. Jahrestag des Mauerfalls Buchenwald 1945 in ihrem Schwur
an den europäischen Jüd_innen. verschwindet. erträumt haben, sieht anders aus.
Paul Spiegel, der ehemalige Vorsit- „Die Vernichtung des Faschismus mit
Kein Vergessen ! 9. November 2008 zende des Zentralrats der Juden in seinen Wurzeln“, die sie gefordert ha-
- 70. Jahrestag der Pogromnacht Deutschland, hat vor einer solchen ben, ist unsere Aufgabe, die Erfül-
Dieses Jahr ist der 70. Jahrestag der Entwicklung schon in seiner Rede lung steht noch aus..
Pogromnacht. Und es stellt sich im- zum 9.November 2000 gewarnt:
mer dringlicher die Frage nach der „(...) Es darf aber niemals das Geden-
Zukunft des Gedenkens. „Kein Ver- ken an den 9.November 1938 – an den
gessen“ war die Parole derjenigen, staatlich organisierten Pogrom – ver-
die das hartnäckige Schweigen und drängen und schon gar nicht zu einem
Verdrängen im Nachkriegsdeutsch- ‚Feiertag 9.November’ führen. Denn
land zu durchbrechen versuchten. Volksfeststimmung mit Würstchenbuden 9.November 2008 / 14.00 Uhr De-
Allzu oft waren es die Überleben- und Bierzelten, die der Freude über die portationsmahnmal Levetzowstra-
den selbst, die sich gegen die Ent- Niederreißung der Mauer angemessen ße in Moabit: Gedenkkundgebung
sorgung der Geschichte und den sind, taugen nicht zum Gedenken an die mit Zeitzeug_innen
großen Schlussstrich unter die Ver- Millionen von Toten des Nazi-Terrors.“ Anschließend: Antifaschistische
gangenheit, unter ihre Vergangen- Demonstration zum Deportations-
heit, zur Wehr setzten. Persönlich- Gegen Antisemitismus, Rassismus mahnmal auf der Putlitzbrücke
keiten wie Kurt Goldstein, Gerhard und Nationalismus!
Leo, Walter Sack, Paul Ostberg, 70 Jahre nach der Reichspogrom- Antifaschistische Initiative Moabit
Hellmut Stern, Heinz Kallmann und nacht und 63 Jahre nach der Zer- a_i_m@gmx.de
viele andere, allesamt Überlebende schlagung des Nationalsozialis- www.aim-berlin.de.vu
Rosen auf den Weg gestreut . herbst 2008 . Seite 15
Rosen auf den Weg gestReut . HeRBst 2008 . seite 16

Was ist eigentlich


Antisemitismus?
von Antifa Prenzlauer Berg [APB]

Judenhass, Judenfeindschaft, die den sie z. B. „Christusmörder“ und Wer glaubt, nach der Verfolgung
Ablehnung von Jüdinnen und Juden „Brunnenvergifter“ genannt. Im 19. durch die Nazis und dem millio-
bzw. des Judentums aus verschie- Jahrhundert schimpfte man über nenfachen Mord an Jüdinnen und
denen Motiven und mit verschie- sie als „Parasiten“, „Verschwörer“ und Juden sei Antisemitismus endgül-
denen Ausprägungen, genannt: „Drahtzieher“ aller möglichen Kata- tig diskreditiert, der irrt. 15 bis 20
Antisemitismus strophen – als „Zersetzer der Nati- Prozent der deutschen Bevölkerung
Jüdinnen und Juden waren in der onen“. Die systematische Vernich- sind laut Umfragen überzeugte
Geschichte aufgrund ihrer Reli- tung von sechs Millionen Jüdinnen Antisemiten. Das sind zwölf Mil-
gion häufig einer Feindschaft aus- und Juden Europas durch die Nazis lionen Deutsche. Doch was ist ei-
gesetzt, die sich in Verleumdung, war der geschichtliche Höhepunkt gentlich Antisemitismus und woher
Unterdrückung, Diskriminierung, dieser Feindschaft. Hierbei wurde kommt die derzeitige Zunahme
Verfolgung bis hin zu Pogromen, ein rassistischer Antisemitismus antisemitischer Einstellungen und
Vertreibung und Ermordung zeigte staatliche Doktrin und begründete Angriffe? In erster Linie werden auf
und auswirkte. In der Antike galten den industriell vollzogenen Holo- verallgemeinernde Weise Jüdinnen
sie als „Feinde der Menschheit“. Im caust*. und Juden kollektiv schlechte
Mittelalter und in der Neuzeit wur- Eigenschaften zugeschrieben.
Rosen auf den Weg gestReut . HeRBst 2008 . seite 17

* Das Wort Holocaust stammt aus dem Grie-


chischen und bedeutet so viel wie „vollständig
verbranntes“. In Israel wird für den Holocaust
das hebräische Wort Shoa benutzt und heißt
übersetzt: „Zerstörung“, „große Katastrophe“.

Man greift dabei auf die jahrhun- Der sekundäre Antisemitismus, Beschimpfungen, Morddrohungen,
dertealte Tradition religiöser anti- nach dem Holocaust, ist durch Übergriffe und das Verwüsten und
jüdischer Feindbilder zurück und Schuld und Erinnerungsabwehr so- Schänden von jüdischen Friedhö-
versucht zusätzlich komplexe, wirt- wie eine Täter_innen-Opfer-Umkehr fen und Synagogen sind dann die
schaftliche und politische Vorgän- gekennzeichnet. Mit Aussagen wie: Resultate von Antisemitismus in der
ge verkürzt zu erklären. Jüdinnen „Die Juden sind doch selbst Schuld da- Bundesrepublik. Das wiederum hat
und Juden sind in diesem Weltbild ran, dass sie verfolgt werden“ oder „Ir- zur Folge, dass sich Jüdinnen und
dann die „Strippenzieher“, welche im gendwann muss auch mal Schluss sein Juden bedroht fühlen, sich z. B. in
Hintergrund agieren, Regierungen mit der Schuldzuweisung an die Deut- ihrem Kleidungsstil einschränken
und Börsen steuern, sich daran be- schen“ wird Folgendes versucht: müssen, um nicht als Jüdinnen und
reichern und alle Völker ausrotten Geschehenes zu relativieren, umzu- Juden erkannt zu werden und so
oder zumindest unterwerfen wol- deuten oder zu leugnen und einer an der Teilnahme am gesellschaft-
len. Heute unterscheidet man dann Auseinandersetzung mit den Ver- lichen Leben behindert werden.
auch drei Formen des Antisemitis- brechen der Nazis auszuweichen. Das ist für uns nicht hinnehmbar!
mus in der Bundesrepublik: Denn: Wo Menschen am Leben
Der aktuelle Antisemitismus, der gehindert werden, fängt unser Wi-
Der traditionelle Antisemitismus, antisemitische Elemente mit antiis- derstand an!
der ein Bild von Juden zeichnet, raelischen und antiamerikanischen
das sich vor allem aus Vorurteilen Einstellungen verbindet und das
gegenüber einer angeblichen Über- Unbehagen an der Globalisierung
legenheit von Juden speist und sei- auf die Jüd_innen projiziert, indem
ne Wurzeln im christlichen Antiju- diese für die Konflikte in der Welt
daismus hat. verantwortlich gemacht werden.
Rosen auf den Weg gestreut . HERBST 2008 . Seite 18

Novemberpogrom
in Pankow
von Dr. Inge Lammel von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen
und Antifaschisten (VVN-BdA Berlin-Pankow e.V.)

Die Bezeichnung „Kristallnacht“, die Herschel Grynszpan am 7, Novem- lass vom 28. Oktober 1938 zwang
das NS-Regime für die verbreche- ber 1938 verübtes Attentat auf ei- 17000 in Deutschland lebende pol-
rischen Ausschreitungen gegen die nen deutschen Diplomaten in der nische Juden, innerhalb weniger
deutschen Jüdinnen und Juden in Pariser Botschaft. Tage das Land zu verlassen. Sie
der Nacht vom 9. zum 10. Novem- Es war schon alles vorbereitet. Nun wurden an die deutsch-polnische
ber 1938 in Umlauf setzte, war eine konnten die NS-Behörden zuschla- Grenze gebracht und ins Niemands-
Propagandalüge zur Verharmlosung gen. Nach den Tagen des Pogroms land ausgewiesen, da die polnische
dieses Pogroms mit all seinen Fol- gingen sie daran, ungehindert jü- Regierung zur Wiederaufnahme
gen. Völlig enthemmte und gewalt- disches Vermögen und Eigentum zu ihrer Bürgerinnen und Bürger, die
tätige Trupps der SA und Mitglieder beschlagnahmen und sich anzueig- seit vielen Jahren in Deutschland
der SS wüteten mit großer Bruta- nen. Die Wirtschaft bereicherte sich lebten, zunächst nicht bereit war.
lität im ganzen Land. Sie setzten durch „Zwangsarisierung“ jüdischer Zu ihnen gehörte auch die Familie
hunderte von Synagogen, Gemein- Betriebe bis zur Vernichtung der des jungen Attentäters, der in sei-
dehäusern und Friedhofshallen Existenzen jüdischer Handwerker ner Hilflosigkeit und in seinem Zorn
in Brand, verwüsteten, zerstörten und Einzelhändler sowie durch offenbar ein Zeichen setzen wollte.
und plünderten tausende jüdische Enteignung und Zwangsverkäufe
Wohnungen, Kaufhäuser und Ge- jüdischen Wohneigentums. Diese Ausweisungen betrafen auch
schäfte. 91 Jüdinnen und Juden in Pankow lebende jüdische Fami-
fanden den Tod, mehr als 20 000 In der Nordberliner Lokalzeitung lien, die zumeist vor oder nach dem
wurden in die Konzentrationslager „Der Norden“ erschien am 10. No- Ersten Weltkrieg aus Polen nach
nach Sachsenhausen, Buchenwald vember die Siegesmeldung: „Garbá- Deutschland gekommen waren,
und Dachau verschleppt. ty-Fabrik in arischer Hand... Äußerlich um sich hier ein besseres Leben
war das am gestrigen Tage bereits durch aufbauen zu können, so die Familie
Schon am 9. November waren per den Schmuck mit der Flagge des Dritten Jedwab aus der Hiddenseestraße
Funkspruch Befehle der Gestapo Reiches kenntlich.“ Den so genannten 1b und der Maximilianstraße 11,
ergangen, die „Aktionen“ im Land „Entjudungsvertrag“ mussten die jü- wie auch die Familie Markowicz,
nicht zu behindern, Archivmaterial dischen Eigentümer der bekannten die mit ihren drei Jungen in der
der Synagogen sicherzustellen und und angesehenen Zigarettenfabrik Spiekermannstraße 31 eine Schnei-
20000 bis 30000 möglichst wohl- in der Pankower Berliner Straße am derei einrichtete. In beiden Fällen
habende Juden festzunehmen, da- 9. November 1938 unterzeichnen. führten die Ausweisungen letztlich
mit diese sich freikaufen konnten. zur Vernichtung der Familienväter
Zum Anlass genommen wurde ein Was lag dem Attentat von Herschel im KZ und, wie bei der Familie Mar-
von dem jungen polnischen Juden Gryszpan zugrunde? Ein Hitler-Er- kowicz, auch zur Einweisung in das
Rosen auf den Weg gestreut . herbst 2008 . Seite 19

Warschauer Ghetto. Von beiden Fa- staltung am 9. November 2008, ab Rathaus, wo der bekannte und be-
milien und vielen anderen sind aus- 13 Uhr im Jüdischen Waisenhaus liebte Konfektionshändler Benno
führliche Lebensberichte im Buch über ihr Leben berichten). Falk in der Breiten Straße 23 mit
„Jüdische Lebenswege“, Berlin 2007 zu seiner Frau Dorothea ein Geschäft
finden, das über die VVN-BdA Ber- Wie weit war der Bezirk Pankow von für Herren- und Damenkonfekti-
lin-Pankow e.V. erhältlich ist (siehe den Ausschreitungen während des on betrieb. Bereits im September
www.pankow.vvn-bda.de). Pogroms betroffen? Über Zerstö- 1935, unmittelbar nach Verkündung
rungen in dem Ausmaß wie im Zen- der berüchtigten Nürnberger Ge-
Seit dem Machtantritt der Nazis trum Berlins oder teilweise auch setze, wurden die jüdischen Inha-
1933 hatten sich auch in Pankow in der Schönhauser Allee war hier berInnen Ziel von antisemitischen
Hitlerjugend, SA und SS die Straßen weniger zu hören. ZeitzeugInnen Anfeindungen, zu denen das Nazi-
erobert. Durch die Mühlenstraße berichten aber von Überfällen auf Hetzblatt „Der Stürmer“ mobilisiert
zogen sie mit brennenden Fackeln, Geschäfte und Übergriffe auf deren hatte. Der Laden wurde mit roter
grölten ihre Lieder und skandierten InhaberInnen. Der Glasermeister Farbe beschmiert, die Fensterschei-
hasserfüllte antisemitische Lo- Fritz Selbiger in der Wollankstraße ben zertrümmert, er selbst wurde
sungen. Die Zöglinge des Jüdischen 133, beklagte das Beschmieren sei- misshandelt, soll blutig geschlagen
Waisenhauses in der Berliner Stra- nes Firmenschilds mit roter Farbe worden sein. Zu diesen Vorgängen
ße beklagten das Gegröle von Nazi- und den Worten „Juda verrecke“, und liegen zahlreiche Augenzeugenbe-
liedern der vorbei marschierenden an der herabgelassenen Jalousie richte vor (siehe hierzu auch den
SA und Hitlerjugend am Haus, in war zu lesen: „Fahrkarte nach Jerusa- Bericht des Schriftstellers Karl Grün-
dem etwa 100 jüdische Jungen im lem aber nicht zurück“. „Bald darauf“, berg in „Jüdische Lebenswege“). Ahn-
Alter von 6-14 Jahren und danach stellte er fest, „erschien die Verord- liches wiederholte sich am Tag des
als Lehrlinge betreut und ausgebil- nung zur Ausschaltung der Juden aus Pogroms, dem 9. November 1938.
det wurden. der deutschen Wirtschaft, die mir das Der Fall hatte sehr viel Empörung,
bei einigen AnwohnerInnen aber
Der Glasermeister Fritz Selbiger in der Wollankstraße auch Sympathie hervorgerufen.
133, beklagte das Beschmieren seines Firmenschilds Der Pogrom hatte vielerlei Auswir-
mit roter Farbe und den Worten „Juda verrecke“, und kungen auf das nunmehrige Leben
an der herabgelassenen Jalousie war zu lesen: „Fahr- der jüdischen Bevölkerung. Beson-
karte nach Jerusalem aber nicht zurück“. ders prekär wurde die Situation für
die Schulbildung jüdischer Kinder.
Bereits im September 1935 hatte
Fortbestehen meines Betriebes unter- ein Erlass des Reichserziehungsmi-
Im Vorfeld des 9. Novembers kam sagte.“ Bei dem Zigarettenladen an nisteriums die bevorstehende „Ras-
es im Sommer 1938 zu einem Über- der Ecke Berliner-/Masurenstraße, sentrennung“ an deutschen Schulen
fall auf das Waisenhaus. Noch heu- das dem jüdischen Ehepaar Levy angekündigt, und nach dem Po-
te berichten ehemalige Zöglinge gehörte, wurden sämtliche Schei- grom war es dann so weit: „Juden
von ihrer Angst, als eines Tages ben eingeschlagen. Frau Levy, ist der Besuch deutscher Schulen nicht
eine Horde Nazis die schweren eine Katholikin, führte den Laden gestattet. Sie dürfen nur jüdische Schu-
Gitter zum Hof in der Hadlichstra- danach allein weiter, während ihr len besuchen“ hieß es in einem neu-
ße, wo zu dieser Zeit die Kinder Mann untertauchte. In der Pasewal- erlichen Erlass. Man könne doch
spielten, gewaltsam aufbrachen ker Straße 69 in Buchholz hatte der deutschen Schülern nicht zumuten,
und in das Gebäude stürmten, da- Schuhmachermeister James Klein mit jüdischen Kindern in einem
bei Fenster, Räume und Möbel ver- sein Geschäft. In der Pogromnacht Klassenraum zu sitzen!
wüsteten. Das dauerte so lange, bis zerstörte die SA den Laden, zer- Diese sich laufend verschärfende
der couragierte Lehrer Heinz Nadel trümmerte die Scheiben und warf politische Situation in Deutsch-
mit einem kleinen Jungen auf dem die neu angeschafften Maschinen land veranlasste jüdische Familien,
Arm die Treppe herunterkam und auf die Straße, berichtete eine nach Möglichkeiten und Wegen zu
die Eindringlinge aufforderte, das Nachbarin. Das Ehepaar Klein fuhr suchen, um ins Ausland zu emigrie-
Heim unverzüglich zu verlassen. danach „Hals über Kopf“ nach Frank- ren. Wem dies nicht gelang, musste
Und dann geschah das für alle reich, später nach Kolumbien. mit Inhaftnahme durch die Gestapo
Überraschende - sie zogen sich zu- und dem Verlust des Lebens in fa-
rück (mehrere ehemalige jüdische Der spektakulärste Übergriff ereig- schistischen Konzentrations- und
Zöglinge werden bei einer Veran- nete sich gegenüber dem Pankower Vernichtungslagern rechnen.
Rosen auf den Weg gestreut . HERBST 2008 . Seite 20

Rassist_innen im
Tiefschlaf?
Die Antimoscheebewegung in Heinersdorf verliert endlich
an Dynamik. Unklar ist, welchen Weg die sogenannte Bür-
gerinitiative ipahb gehen wird. Eine Provinzanalyse
von Emanzipative & Antifaschistische Gruppe [EAG]

Von der kleinen Volksbewegung in Mit ziemlicher Sicherheit läßt sich konnte sich Stadtkewitz im für Ber-
Pankow-Heinersdorf, die sich kurz zumindest prognostizieren, dass liner Verhältnisse weiterhin extrem
nach der Ankündigung der musli- die Teilnehmer_innenzahl der er- rechts geltenden Pankower CDU-
mischen Ahmadiyya-Gemeinde im sten Antimoscheedemos von rund Kreisverband der Unterstützung
Jahr 2006, eine Moschee im Orts- 2000 Menschen diesmal bei wei- durch die Alt-Pankower Ortsverbän-
teil zu errichten, erhoben hatte, ist tem unterschritten werden dürfte. de sicher sein, Widerstand erfuhr
heute, kurz vor Eröffnung des mus-
limischen Gotteshauses, ziemlich In Heinersdorf sind die
wenig zu hören.
richtigen Christ_innen eben
Dies dürfte weniger daran liegen,
dass unter den Bewohner_innen noch stramme CDUler_innen.
Heinersdorfs rassistische Vorurteile
weniger verbreitet seien, als sie es Der Niedergang der Antimoschee- er jedoch von CDU-Politiker_innen
noch vor zwei Jahren waren. Viel- bewegung in Heinersdorf hat aber aus vielen anderen Bezirken und
mehr mußten die in der „interessenge- auch noch andere Gründe: den Prenzlauer Berger Strukturen
meinschaft pankow-heinersdorfer bürger“ Die Schwächung der Moscheegeg- seines Kreisverbandes.
(ipahb) zusammengeschlossenen ner_innen innerhalb der lokalen Hier hatte es nicht ganz erfolglose
Moscheegegner_innen resigniert CDU und die Abwahl von René Versuche gegeben, die Partei auch
zur Kenntnis nehmen, dass sie den Stadtkewitz als Pankower Vorsitzen- für Muslime attraktiv zu machen.
Bau nicht haben verhindern kön- der der Partei. Der Kampf gegen die Folge des CDU-Clinchs war die Er-
nen. Somit dürfte die Vermutung Moschee und folglich die Unterstüt- nennung des bedeutend liberaler
nicht ganz aus der Luft gegriffen zung der ipahb war eine Herzenssa- auftretenden Peter Kurth zum neu-
sein, dass der geplante Aufmarsch che des stramm-rechten CDU-Politi- en Pankower CDU-Vorsitzenden,
der ipahb am 16. Oktober aus An- kers und seiner Parteigefolgschaft der es seitdem tunlichst vermeidet,
laß der Moschee-Einweihung als aus Pankower Provinzpolitikern, sich zur Moscheeproblematik zu
ein letztes Aufflackern der Proteste die so Namen wie Eichler, Michehl, äußern. Kurth hat im Gegensatz zu
zu verstehen ist. Luther und Stettner tragen. Zwar Stadtkewitz scheinbar irgendwann
Rosen auf den Weg gestreut . herbst 2008 . Seite 21

mitbekommen, dass die CDU-Hetze rung von Spielplätzen, debattieren Statt einer progressiven Religions-
gegen die Moschee der Partei bei mit Bezirkspolitiker_innen Fragen kritik, bei der neben dem Islam
den Wahlen zwar in Heinersdorf der Straßenführung und der Ge- auch das Christentum nicht gut bei
kräftige Zuwächse bescherte, im werbeansiedlung oder organisieren wegkommen kann, propagieren
Stadtbezirk Pankow insgesamt Stadtteilfeste mit Hüpfburg für die Autor_innen von PI ein Islam-Bild,
aber schlecht ankam und die Kam- Kleinen und Feuerwerk zum Schluß das weit verbreitete reaktionäre
pagne der Partei massiv Stimmen für die Großen. und menschenverachtene Erschei-
kostete. Ende September trat Stadt- Auf der anderen Seite versucht die nungsformen wie Antisemitismus,
kewitz dann auch noch von seinem ipahb vorwiegend durch krude Bei- patriarchale Frauenbilder und Ver-
Stellvertreterposten innerhalb der träge auf ihrer Website aber auch folgung von Homosexuellen oder
Pankower CDU zurück, was seine ein politisches Profil zu entwickeln, auch fehlende Säkularisierung zwar
Position im Kreisverband weiter ge- dass jenem der rechten Internet- benennt, diese aber nur auf den Is-
schwächt haben dürfte. plattform „Politically Incorrect“ (PI) lam projiziert und auf Menschen
oder der sogenannten rechtspo- mit muslimischem Background ras-
Das weiter oben skizzierte Dilem- pulistischen Partei „Pro Köln“ zum sistisch ummünzt.
ma zwingt die ipahb derzeit dazu, verwechseln ähnlich ist. Letztere Spätestens wenn der NPD-Jargon
die für Bürger_innen-Initiativen machte Mitte September mit einem der „Überfremdung“ geschickt in
klassische Kiezarbeit zu betreiben „Anti-Islamisierungskongreß“ in der Phrasen wie der „schleichenden Islami-
und die Moscheeproblematik erst Domstadt Schlagzeilen, der durch sierung“ gepackt wird, dürfte schnell
einmal hinten anzustellen. Auf Interventionen von bundesweit an- klar werden, dass hier rechtskon-
einmal kümmern sich die pionier- gereisten Antifaschist_innen und servative bis fundamentalistische
haften Kulturkämpfer_innen aus couragierten Kölner Bürger_innen Christen lediglich ein neues Ex-
Heinersdorf auch um die Erneue- jedoch verhindert werden konnte. perimentierfeld gefunden haben,

Von fremden Opas nimmt man nichts! René Stadtkewitz (CDU) auf dem IPAHB-Fest Ende August 2008
Rosen auf den Weg gestreut . HERBST 2008 . Seite 22

um klassisch kulturkämpferisch zu dorf kein Unbekannter ist, jüngst nur, ob „Pro Köln“ mit seinem Ex-
agieren und gegen Einwanderung in Neukölln gegen zwei neu entste- pansionsprojekt „Pro Deutschland“ in
in Stellung zu gehen. hende Hindu-Tempel aufmarschiert absehbarer Zeit Erfolge aufweisen
ist, was selbst in bundesweiten kann und in Heinersdorf und damit
Pustekuchen ist auch die stramme rechten Internetforen für einiges auch bei der ipahb die gewohnte
Israelsolidarität der PI-Leute, die Stirnenrunzeln gesorgt hat. Parteienbindung aufgebrochen
verarmte jüdische Migrant_innen wird. Zu wünschen wäre es sicher
aus der früheren Sowjetunion ge- Auf Heinersdorf bezogen bleibt ab- nicht. Der aktuelle Hühnerstall der
treu ihrer rassistischen Standortlo- zuwarten, ob die Kader der ipahb Berliner CDU ist genau der richtige
gik am liebsten abgeschoben se- mit dieser Linie noch einmal an alt- Verein für diese Leute.
hen müßten und die die jüdischen bekannte Erfolg anknüpfen können
Bewohner_innen Israels für sich oder sich vereinsintern eben jene Kurz vor Redaktionsschluß dieser
instrumentalisieren, weil sie dem Fraktion durchsetzt, die Lust auf Ausgabe wurde noch bekannt, dass
Kampf gegen den „Islamismus“ eine stinknormale Bürger_innen- am 16. Oktober auch die Pankower
nützlich erscheinen. Gern gesehen Ini­tiative hat. Der Mobilisierung NPD der rassistischen Stimmungs-
sind in diesem sumpfigen Umfeld zum „Anti-Islamisierungskongreß“ nach mache der ipahb in nichts nach-
dann auch, wie es nur auf dem Köln schloß sich die Bürgerinitiati- stehen will. Die Neonazipartei hat
ersten Blick scheint, etwas vom ve in diesem Jahr jedenfalls noch von 18 bis 23 Uhr eine Mahnwache
Kurs abgekommene und heute bei nicht an, wenn auch im ipahb-Büro nahe des Moscheegeländes (in der
„Pro Köln“ aktive Neonazis, sich im gegenüber der neuen Moschee in Prenzlauer Promenade, zwischen
Kampf gegen den „Islam“ plötzlich der Tiniusstraße ein Kruzifix, das Tinius- und Rothenbachstraße) an-
zu den Rettern „westlicher Werte“ er- Geschenk des Dorfpfarrers Kaehler gemeldet.
eifern und doch nur ihr „Europa der „als Zeichen des Widerstands gegen den
Vaterländer“ von den „Muselmännern“ Islam“ hängen soll. In Heinersdorf Auf der Internetseite www.pankow.
wegen „zu erwartender Überfremdung“ sind die richtigen Christ_innen eben antifa.net werdet Ihr dazu auf dem
bedroht sehen. Peinlicher ist dann noch stramme CDUler_innen. Und Laufenden gehalten!
nur noch die Berliner NPD, die mit für die ist „Pro Köln“ (oder auch der
ihrem neuen Landesvorsitzenden, Berliner Ableger) nur unerwünschte
Jörg Hähnel, der auch in Heiners- Parteienkonkurrenz. Die Frage ist

Lecker Fleischmix von wilden Jägermeistern.


Rosen auf den Weg gestreut . herbst 2008 . Seite 23

Solidarität mit den


Antimilitaristen
Unterstützungserklärung vom Internetprojekt www.einstellung.so36.net

schaft zurückgewiesen bzw. einge-


schränkt.
Die nun vorgelegte Anklageschrift
gegen Oliver, Florian und Axel je-
doch greift unbeeindruckt auf die
bisherigen Konstrukte zurück und
baut auf vagen Indizien und den
Aussagen eines Geheimdienstspit-
zels auf.
Diese Zusammenarbeit zwischen
Geheimdiensten und den Ermitt-
lungsbereichen verstößt gegen
das grundgesetzlich verankerte
Trennungsgebot. Wir fordern die
Auflösung der Geheimdienste so-
wie die Offenlegung der bisherigen
Ermittlungen gegen die drei Antimi-
Ende September 2008 begann vor Die Ermittlungen in dem §129(a)- litaristen.
dem Berliner Kammergericht der Verfahren richten sich gegen ins-
Prozess gegen die drei Berliner gesamt sieben Verdächtigte und Angesichts der internationalen
Oliver, Florian und Axel. Die Bun- wurden zunächst nach dem Antiter- Kriegseinsätze der Bundeswehr se-
desanwaltschaft wirft ihnen ver- rorparagraphen §129a aufgenom- hen viele die Zerstörung von Bun-
suchte Brandstiftung an Bundes- men. Die damit ermöglichten Über- deswehrfahrzeugen als konkrete
wehr-LKW und die Mitgliedschaft in wachungskompetenzen sind trotz Abrüstungsinitiative. In anderen
der „militanten gruppe (mg)“ vor. Die dürftiger Verdachtslage für eine europäischen Ländern wurden Ak-
drei Angeklagten waren am 31. Juli umfassende Ausforschung und tivistInnen, die ähnlich wie Axel,
vergangenen Jahres festgenommen Kriminalisierung zahlreicher poli- Oliver und Florian für die Sabotage
worden, nachdem sie versucht ha- tischen Aktivisten benutzt worden. von Kriegsmaterial angeklagt wur-
ben sollen, Bundeswehrfahrzeuge Mit abenteuerlichen Verdachts- den, von Gerichten freigesprochen
in Brand zu setzen. Ohne Indizien konstrukten wurden langfristige oder zu nur geringen Strafen wegen
für die Tatbeteiligungen an Brand- Überwachungsmaßnahmen, Haus- Sachbeschädigung verurteilt. In
anschlägen der „militanten gruppe“ durchsuchungen und Haftbefehle Irland wurden KriegsgegnerInnen,
vorzulegen, hat die Bundesanwalt- gerechtfertigt. Im Laufe des Ver- die einen F-16-Bomber zerstört
schaft Anklage nach §129 erhoben. fahrens wurden die Verteidigungs- hatten, sogar mit der Begründung
Mit dem Konstrukt einer „kriminellen rechte der Beschuldigten einge- freigesprochen, ihre Aktionen hät-
Vereinigung“ drohen den Antimilita- schränkt und eine Zusammenarbeit ten dazu beigetragen, Schlimmeres
risten mehrjährige Haftstrafen. Wir der Ermittlungsbehörden mit Ge- - nämlich Kriegshandlungen - zu
fordern die sofortige Einstellung heimdiensten bekannt. verhindern.
der §129(a)-Ermittlungen und die In zwei Entscheidungen hat der Wir unterstützen die Forderung
Abschaffung dieses Gesinnungspa- Bundesgerichtshof die Ermitt- nach Freispruch der drei Antimili-
ragraphen. lungen der Bundesstaatsanwalt- taristen.
Rosen auf den Weg gestreut . HERBST 2008 . Seite 24

Nazis im Speckgürtel
Nr2. Königs Wusterhausen

In Berlin als Antifaschist_in aktiv zu sein, ist vorhanden, doch es ist unendlich schwerer,
in den meisten Fällen nicht besonders prob- die eigene Anonymität zu wahren und sich
lematisch. Selbst in den Außenbezirken ist als bekannte_r Antifaschist_in sicher zu be-
es halbwegs einfach, mit ein paar Vorsichts- wegen. Der Nachhauseweg vom einzigen
maßnahmen lokal politisch aktiv zu sein und Bahnhof ist nicht beliebig variierbar, mensch
trotzdem anonym und frei von Nazistress zu läuft sich in der Schule, in der Kaufhalle oder
leben. Zudem ist es möglich, innerhalb kur- im Amt über den Weg. Es gibt immer drei
zer Zeit Kontakt mit Antifaschist_innen aus Ecken, die dazu führen, dass der Nazi, der
anderen Bezirken aufzunehmen und diese sich gerade als Anti-Antifa versucht, unter
für Aktionen zu mobilisieren. Umständen deinen Namen herausfindet.
In den Kleinstädten rund um Berlin ist das
schon ein wenig anders. Zwar ist auch hier von Emanzipative & Antifaschistische Gruppe
meist ein Anschluss an die Berliner Szene [EAG]

Königs Wusterhausen täten gab es Ende des Jahres 2000, Jugendlichen aus Königs Wusterhau-
als der Multifunktionär Carsten Sz- sen und der umliegenden Region
Das gilt auch und gerade für die czepanski als Mitarbeiter des Ver- spielten Punk-, Ska- und Rockbands,
Stadt Königs Wusterhausen am fassungsschutzes enttarnt wurde. wurden Redebeiträge verlesen und
südöstlichen Rand Berlins. Seit Be- so ein temporärer Freiraum geschaf-
ginn der 1990er Jahre hat die Stadt
den Ruf, eine Nazi-Hochburg zu Den Höhepunkt erreichten die Aktionen gegen das
sein. Nicht nur, dass in den ersten „Le Monde“ im Jahr 2001, als Neonazis in der Nacht
zehn Nachwendejahren in König vor dem Festival die Bühne mit Brandsätzen bewar-
Wusterhausen und Umgebung fünf fen auf der mehrere Antifaschist_innen schliefen.
Menschen von Neonazis ermordet
wurden. Der Organisierungsgrad Gegenaktivitäten fen. Das Festival wurde umgehend
der lokalen Neonazis war seit jeher Zielscheibe der örtlichen Neonazis.
ein vergleichsweise hoher. Präsent Ende der neunziger Jahre waren ers- Den Höhepunkt erreichten die Akti-
waren Stützpunkte der Neonazi- te Ansätze von aktiver Gegenwehr onen gegen das „Le Monde“ im Jahr
Parteien „Freiheitliche Deutschen Ar- in der Stadt zu vernehmen. Diese 2001, als Neonazis in der Nacht vor
beiterpartei“ (FAP, 1995 verboten), drückte sich nicht nur in regelmäßi- dem Festival die Bühne mit Brand-
von Michael Kühnens „Aktionsfront gen konfrontativen Auseinanderset- sätzen bewarfen auf der mehrere
Nationaler Sozialisten / Nationaler zungen mit Neonazis aus, sondern Antifaschist_innen schliefen. Verletzt
Aktivisten“ (ANS/NA), hier gab es auch in dem Versuch, eine antifa- wurde niemand, doch die daraufhin
rechtsterroristische Ansätze und schistische Kultur zu etablieren. Aus einsetzende Repressionswelle sorgte
schon 1997 wurde ein aktionsfähi- diesem Grund fand in den folgenden für eine zeitweise Ruhe in der Stadt,
ger NPD-Verband aufgebaut. Einen Jahren das Festival „Le Monde est a die erst 2004/2005 durch jüngere
bemerkbaren Rückgang von Aktivi- nous“ statt. Vor mehreren hundert Neonazis gebrochen wurde.
Rosen auf den Weg gestreut . herbst 2008 . Seite 25

Neue Organisierung auf dem Weg zu einem Aufmarsch in


Halbe eine Frau an, und verletzte sie
Bei den jugendlichen Nachrückern mit einem Tritt. Die Aktivität Thal-
werden zwei Optionen deutlich, die heims und seiner Kameraden waren
bundesweit bei organisierten Neo- in letzter Zeit auf den Brandenburg-
nazis bedeutend sind. Zum einen Wahlkampf ausgerichtet. Die NPD
nutzen die aktionsorientierten Neo- versuchte, mehrere Sitze im Stadt-
nazis „autonome“ Strukturen. rat zu erlangen. Zu einem reichte
Diese garantieren ein Mindestmaß es schließlich, der NPD gaben 4,4
an Organisiertheit, lassen den Ak- Prozent der Wähler_innen in KW ihre Michael Thalheim als Redner auf einem Aufmarsch
tivisten gleichzeitig einen großen Stimme. Im gesamten Land verdop- in Königs Wusterhausen
Freiraum in der Wahl der eigenen pelten NPD und DVU verglichen mit
Aktionen. Gerade für Aktionen, 2003 ihre Mandatszahl. Letzte Meldung
wie Gewalt gegen politische Geg-
ner_innen, Sachbeschädigung und Antifaschistische Strukturen aus Kurz vor Redaktionsschluß flatterte
Sprühereien ist diese Art der Or- Königs Wusterhausen und Berlin noch das Ergebnis der Kommunal-
ganisierung ideal, weil sie nicht so haben aus diesem Grund mit der wahlen in Brandenburg ein. Die NPD
repressionsanfällig ist. Jene Aktivis- Kampagne „Keine schweigenden Pro- erhielt im Landesschnitt 1,8 Prozent
ten, die sich gerade unter dem Na- vinzen“ auf die Situation aufmerk- der Stimmen (2003 noch 0,5 Pro-
men „Freie Kräfte Königs Wusterhausen“ sam gemacht und versucht, die zent), die DVU kam auf 1,6 Prozent
organisieren, haben enge Kontakte Bewohner_innen der Stadt für das (2003: 1 Prozent). Insgesamt ga-
in die Berliner Neonaziszene. Diese Naziproblem zu sensibilisieren. Im ben somit rund 100000 Menschen
drückt sich unter anderem in ge- Rahmen der brandenburgweiten (2003: 43000) diesen Parteien ihre
meinsamen Kampagnen, wie der für Kampagne „Keine Stimme den Nazis“ Kreuze. Etwa 30 Mandatsträger_in-
die Schaffung eines „Nationalen Ju- ist das erklärte Ziel, die Neonazis nen von NPD und DVU sind nun in
gendzentrums“ aus. Zu diesem Anlass aus der Öffentlichkeit, aus Verei- 13 Kreistagen und den Stadtparla-
werden Ende diesen Jahres sowohl nen, von der Straße zurückzudrän- menten von Potsdam und Cottbus
in Königs Wusterhausen, als auch in gen und auch Erfolge bei Wahlen zu vertreten. Die NPD erzielte den
Berlin Aufmärsche stattfinden. verhindern. höchsten Wert im Landkreis Dah-
Die zweite Möglichkeit bietet der me-Spreewald (4,6 Prozent), die
Aufbau eines NPD-Verbands. Seit DVU schnitt mit 5,1 Prozent in Elbe-
April 2008 existiert ein solcher in KW Elster am besten ab. In nur wenigen
wieder. Vorsitzender ist der Neonazi Gegenden konkurrierten NPD und
Michael Thalheim. Thalheim ist kein DVU gegeneinander.
Weitere Infos:
Unbekannter in der Stadt. Er ist seit Nach Bekanntgabe der Ergebnis-
www.jab.antifa.de/kw
Jahren aktiv und in der Vergangenheit www.aakw.blogsport.de se kamen in Blankenfelde rund 50
mehrfach gewalttätig in Erscheinung Fight Back 2006 (als Download auf Menschen zu einer spontan Antifa-
getreten. So griff er am 11. März 2006 www.pankow.antifa.net) Demonstration zusammen.

Nicht nur die KWer Kaninchenzüchter beschäftigen sich mit dem Thema „Rasse“
Rosen auf den Weg gestreut . HERBST 2008 . Seite 26

Buchvorstellung:
„Kommunismus.
Kleine Geschichte,
wie endlich alles
anders wird“ Ein Text der
Antifaschistischen
Schüler_innen
Vernetzung [ASV]

Wie kann eine Welt aussehen ohne wird“ erzählt Bini Adamczak von Doch nach und nach lernen sie
Ungerechtigkeit, Zwang und Kon- ein paar Menschen, die merken: dazu, bis sie zum Schluss rich-
trolle? Im Kapitalismus müssen sie so viel tige Expert_innen auf dem Gebiet
Jede_r hat sich das sicher schon arbeiten, dass ihnen der Rücken „gerechte, selbstbestimmte Welt“ gewor-
mal gefragt. Oft kommt danach die weh tut, nur damit sie zweimal in den sind.
Frage: der Woche ins Kino gehen können. Der_die Leser_in lernt mit ihnen
Was ist eigentlich dieser viel geprie- Außerdem haben sie oft gar keine und merkt: Der Kommunismus
sene und verteufelte Kommunis- Lust, in die Fabrik zu gehen und zu muss gar kein kompliziertes, unver-
mus? Wie funktioniert er und warum machen, was die Fabrik ihnen sagt. ständliches Theorie-Ungetüm sein.
soll er so viel besser/ schlechter/ Und überhaupt wollen sie nicht von Mensch kann ihn ganz einfach ver-
unmöglicher sein als der Kapitalis- Dingen beherrscht werden und von stehen und siehe da: Es kann sogar
mus? Beim Versuch, dieser Frage auf Menschen auch nicht, darum be- Spaß machen!
den Grund zu gehen, sind schon un- schließen sie, den Kommunismus
zählige junge und alte, schlaue und zu „machen“. Aber wie? „Am besten, Erschienen ist das Buch „Kommunis-
dumme Menschen daran geschei- wir probieren die Vorstellungen [vom mus. Kleine Geschichte, wie endlich alles
tert, Marx und Engels konsequent Kommunismus] einfach aus“, sagten anders wird“ von Bini Adamczak im
zu Ende zu lesen. Häufig werden die Menschen. „Dann werden wir ja „Unrast-Verlag“ und ist in allen lin-
sie dann von anderen belächelt und sehen.“ ken Buchläden z.B. in den „Schwar-
von oben herab belehrt. Doch auch Und so durchlaufen sie seine ver- zen Rissen“, Kastanienallee 85 (Nähe
die, die sich tatsächlich durch „Das schiedenen Entwicklungsstufen bei U Eberswalder Straße) für 8 Euro
Kapital“ 1-3 gebissen haben, stehen dem Versuch, ihr Dasein angenehm, erhältlich.Oder ihr bestellt es direkt
oft zum Schluss immer noch da mit gerecht und frei zu gestalten. Viele unter folgender Nummer: ISBN-10:
ihrer Frage: „So, und was ist nun der Dinge gehen schief und die ersten 3-89771-430-2
Kommunismus? Das kann doch nicht Versuche enden oft damit, dass die Wenn ihr euch es lieber vorlesen
so schwer sein!“ Ist es auch nicht. In Menschen den Kopf schütteln und lassen wollt, gibt es das Buch auch
ihrem Buch „Kommunismus. Kleine sagen: „Nein, nein. Das ist nicht der im Internet als Hörbuch: www.
Geschichte, wie endlich alles anders Kommunismus.“ pushthingsforward.blogsport.de
Rosen auf den Weg gestreut . herbst 2008 . Seite 27

Fotoausstellung:
Israel 2008 //
Alltag und Streetart
Die Rosen hat sich für drei Wochen Check-In für den Flug zum Ben Guri- Wer wissen möchte, wie‘s weitergeht
aus dem Staub gemacht und lädt on-Airport Tel Aviv gibt es einen Vor- kommt zur Ausstellungseröffnung
euch alle ein, ihre Erlebnisse und geschmack auf die bedauernswert im Rahmen des Info-Café Montag:
Erfahrungen in Form einer Fotaus- kritische Sicherheitslage in Israel.
stellung mit ihr zu teilen. Im Flugzeug bin ich begleitet von 19.10.2008
zehn bewaffneten Sky-Marshalls, 20.00 Uhr
„Haben Sie ihren Rucksack alleine ge- die Maschine umstellt von Beamten Cafe Stilbruch - Unabhängiges
packt?“ „War ihr Gepäck diese Nacht des Bundesgrenzschutz und einem Jugendzentrum Pankow e.V. (JUP)
beaufsichtigt?“ „Haben Sie vor in umlie- Polizeiräumfarhrzeug. Als ich end- Florastraße 84
gende Staaten wie Syrien oder Ägypten lich im Flugzeug angekommen bin, 13187 Berlin
zu reisen?“ ist es Zeit, Deutschland hinter sich
zu lassen und sich auf das Aben- Mit feierlichem Sektempfang und
Berlin-Schönefeld, bereits bei dem teuer in Nahost zu freuen... netter Musik.
Rosen auf den Weg gestreut . HERBST 2008 . Seite 28

Kolumbien-Reise
Im März dieses Jahres machten sich
Berliner Jusos auf nach Bogota, der
Hauptstadt Kolumbiens, um ihre jung-
sozialistischen Partner_innenorgani-
sationen zu besuchen. Schwerpunkt
dieser Reise waren die Themen Zivil-
gesellschaft, Krieg & Frieden, sowie
die kolumbianische Gewerkschaftsbe-
wegung. Im Mai nächsten Jahres wird
es ein Rückbesuch der Kolumbianer_
innen geben.
von Jusos Nordost

„Demobilisierung jetzt“

„Wir sind eine sehr tolerante Partei“, sei, den Einfluss von Paramilitärs nen“, entgegnet Cifuentes, „löst das
stellt Patricia Cifuentes den Polo und linken Guerillagruppen ein- Problem nicht.“
Democrático Alternativo (Alternati- zudämmen. Diese kontrollieren Eine rege Streitkultur ist im Polo
ver Demokratischer Pol) vor. tatsächlich weite Teile des Landes gang und gäbe. Schließlich ent-
Das junge kolumbianische Bündnis (und der Kokafelder). Dazu werden stammen seine Mitglieder unter-
wurde 2005 gegründet. Es besteht Drogenfelder besprüht, Gruppen schiedlichen Bewegungen. Doch
aus kleinen linken Oppositions- sollen entwaffnet werden, der Staat eben das ist auch allen bewusst:
parteien, Maoist_innen, Linksradi- einschreiten. Dies klappt allerdings Die Mitglieder debattieren Fragen
kalen und Reformsozialist_innen. nur bedingt. Oft geht es bei Kämp- immer erst intern, bis eines einen
Was die verschiedenen Gruppen fen zwischen Paras und Guerillas Konsens nach außen tragen kann.
eint, ist die Opposition: Kolumbien auch nicht um Ideale, sondern um Dieser höchst demokratische Pro-
wird vom rechtsreaktionären Álvaro Einfluss und Geld. Von Gueriller- zess spielt sich auch in Diskus-
Uribe regiert. Sein Regime gilt mit as_Guerilleros besetzte Gebiete sionen mit anderen Gruppen re-
den paramilitärischen Gruppen des in Kolumbien sind daher nicht ver- gelmäßig ab. Das erinnert an ein
Landes eng verbandelt. Die Paramili- gleichbar mit dem autonomen, me- bereits gelebtes Rätesystem. Tat-
tärs morden Gewerkschafter_innen, xikanischen Chiapas. sächlich eine tolerante Partei.
Linke, Andersaussehende. Mal im
Auftrag von Konzernen oder Regie- Viele Stimmen sind eine Meinung Mit Facebook gegen die Guerilla
rungsnahen, mal aus Eigen­initiative. Im Polo Democrático Alternativo Am 4. Februar dieses Jahres beteili-
Uribe hat in den vergangen Jahren gehen die Meinungen weit ausei- gten sich zahlreiche Polo-Mitglieder
eine Aussöhnung mit den Paramili- nander, was das Verhältnis zu den an den Demonstration gegen die
tärs forciert. Er sorgte für massiven Guerilleras_Guerilleros betrifft. größte Guerillagruppe. Das Mot-
Polizeieinsatz und Armeeeinsätze Die reformistischen Gruppen for- to: „Wir sind nicht FARC“ (No más
im Landesinneren. Die Drogenpoli- dern, das sich der Polo eindeutig Farc). Diese Demo wurde massiv
tik ist restriktiv. All dies geschieht distanzieren soll. „Die Gueriller- von der Regierung unterstützt und
unter dem Label „Frieden“. Das Ziel as_Guerilleros als Verbrecher zu bezeich- in den Medien beworben. So wurde
Rosen auf den Weg gestreut . herbst 2008 . Seite 29

versucht, die Massendemo als Be- Die diesjährige Maidemonstration Hinter den Morden stehen oft
stätigung der uribistischen Politik wurde mit brutalen Mitteln zer- Paramilitärs.
darzustellen. Ursprünglich hatte schlagen. Die Polizei setzte Kessel, Die Situation der kolumbianischen
sich die No-Más-FARC-Gruppe bei Gas und Knüppel ein, wie Youtube- Linken ist eher schlecht. Nach Um-
Facebook gegründet. Bilder zeigen. fragen der Regierung stützten 80
Prozent deren eigene Politik. Den-
„Die Guerilleras als Verbrecher zu bezeichnen“, noch stehen die Chancen, bei den
nächsten Wahlen die Mehrheit für
entgegnet Cifuentes, „löst das Problem nicht.“ ein linkes Projekt zu gewinnen,
nicht schlecht. Der Polo ist dritt-
Die Linke in Kolumbien wehrte sich Kavaliersdelikt: stärkste Kraft geworden und stellt
aber dagegen, dass ausschließlich Gewerkschaftsgängelung in der Hauptstadt Bogota den Bür-
gegen die FARC demonstriert wur- Immer wieder müssen Linke mit germeister. Gemeinsam mit der so-
de. Am 6. März die Antwort: Repressionen rechnen. Gewerk- zialdemokratischen Partido Liberal
Landesweite Demos gegen die Pa- schaften gibt es kaum. Nur 4,5 Pro- und einigen Parteien aus der der-
ramilitärs. Die kolumbianische Be- zent der Arbeitnehmer_innen sind zeitigen Regierungskoalition kann
völkerung hatte bewiesen, dass sie in den Gewerkschaften organisiert. es durchaus für eine Mehrheit rei-
alle bewaffneten Akteure ablehnt. „Wer Mitglied der Gewerkschaft ist, ver- chen. Notwendig hierfür sind aber
An beiden Demos beteiligten sich liert den Job“, sagt ein Mitglied der die Geschlossenheit aller Linken
mehr als eine Millionen Menschen. Blumengewerkschaft Untraflores. und eine breite Verankerung in der
Die Regierung sah‘s nicht gerne: Es gibt Schwarze Listen, auf de- Bevölkerung.
die Demo gegen die Paras wurde nen alle geführt werden, die sich Die Paramilitärs sind damit aber
teilweise behindert. Noch in der gewerkschaftlich betätigt haben. noch lange nicht besiegt, die Situa-
Nacht kam es in der Hauptstadt zu Wer also einmal entlassen wurde, tion der Arbeitnehmer_innen noch
Ausschreitungen. Unter anderem ist lebenslang arbeitslos. Seit 1991 lange nicht verbessert. Und bis ein
wurde das Informationsministeri- wurden über 2.200 Gewerkschaf- tolerantes Kolumbien erreicht ist,
um mit Farbbeuteln beworfen und ter_innen ermordet, 3.400 erhielten haben linke Gruppen noch viel zu
Graffitis („Wir sind nicht die Regie- Morddrohungen. 60 % der seither tun.
rung“) besprüht. Demos werden getöteten Gewerkschafter_innen
immer wieder massiv behindert. weltweit stammen aus Kolumbien.

„Wir beteiligen uns nicht an dem Krieg. Humanitäre Verinbarung sofort!“


Rosen auf den Weg gestreut . HERBST 2008 . Seite 30

Termine
11.10. - 21:23 - Dosto Bernau 31.10. - 21:00 - Linse 6.11. - 21:00 - Bandito Rosso
(Breitscheidtstr. 43c - Kulturhof) (Parkaue 25 - S-&U-Bhf Frankfurter Allee) (Lottumstraße 10a - U-Bhf Rosa Luxemburg Straße)
Party Antifa-Soli-Halloween-Party antifa-Tresen
mit Tapete (HipHop), ElektroBär mit Pop&Trash-DJs, Karaoke, Frei- für Antifa-Arbeit in Prenzlauer Berg
(ElektroPop), DJs (Minimal/Techno). bier (solange Vorrat), lecker Essen organisiert von der APB
Einnahmen für antifaschistische & Eintrittsermäßigung mit Kostüm
Arbeit in und um Bernau Infos unter www.ah.antifa.de 6.11. - 19:30 - Bunte Kuh
(Bernkasteler Str. 78)

11.10. - 23:00 - Köpi 3. 11. - 19:00 - JUP Abendveranstaltung


(Köpenicker Straße 137 - S-Bhf Ostbahnhof) (Florastraße 84, S-Bhf Pankow) „Antisemitismus - gestern und
Party ANTIFA-Café „70 Jahre danach: heute“ mit Gerhard W. Hanloser.
mit Berlin Boom Orchestra, Brass Die Reichspogromnacht am Veranstaltet von NEA.
Wood and Fire, DJ Bela, The Mnkay, 9. November 1938“
DJane the Bride, Leo Beddermann, Infoveranstaltung zum antisemi- 8.11. - 10:00 - vor dem Ehemaligen
Axo, Catboy vs. Jaqueline tischen Pogrom und Dokumen- Jüdischen Waisenhaus
Einnahmen werden zur Deckung tarfilm zum Thema. Inge Lammel (Berliner Str. 120/121, nahe S- & U-Bhf. Pankow)
von Repressionskosten genutzt beleuchtet im Anschluß die Rundgang zu Stätten ehema-
Ereignisse um den 9. November ligen Jüdischen Lebens in Pankow
16.10. - Heinersdorf 1938 in Pankow. Organisiert von anläßlich des 70. Jahrestages der
IPAHB & NPD lahmlegen Antifaschistischen Jugendlichen Reichspogromnacht. Mit Inge Lam-
zur Eröffnung der Moschee wollens aus Pankow [AJAP], Emanzipative mel (VVN-BdA Berlin-Pankow e.V.)
die Neonazis und Rassist_innen Antifaschistische Gruppe, VVN-BdA
aus Heinersdorf nochmal wissen. Berlin-Pankow e.V., JUP e.V. 9.11. - 13:00 - Betsaal d. Ehem.
Vermiesen wir ihnen diesen Tag. Jüdischen Waisenhauses
(Berliner Str. 120/121)
Infos pankow.antifa.net 4.11. - 18:00 - Jüd. Friedhof
Weißensee Präsentation eines neuen
20.10. - 19:00 - JUP (Herbert-Baum-Str. 45) Buches über die Geschichte des
(Florastraße 84, S-Bhf Pankow) Rundgang zu jüdischem Leben in Waisenhauses.
ANTIFA-Café „Filmabend“ Weißensee mit Marcus Bensig. Ver- Veranstaltet vom Verein der Förde-
Persepolis ist ein sehenswerter anstaltet von North-East Antifasci- rer und Freunde des ehemaligen
Zeichentrickfilm, in dem die Kin- sts (NEA). Infos nea.antifa.de Jüdischen Waisenhauses
der- und Jugendgeschichte der Re-
gisseurin während der islamischen 5. 11. - 19:00 - JUP 9.11. - 17:00 - Mahnmal Levetzow-
(Florastraße 84, S-Bhf Pankow)
Revolution im Iran dargestellt straße/Jagowstraße
wird. Um dem Terror des Regimes Mobi-Veranstaltung (Moabit)

der neuen islamischen Republik zur Demo am 15.11. in Pankow und Gedenkkundgebung für die
zu entkommen, verläßt sie das der Nazisituation im Kiez. Opfer der Pogromnacht und
Land und stößt auf nicht weniger Organisiert vom Demobündnis anschließende antifaschistische
schwerwiegende Probleme... Demonstration (Siehe ab S.12).
Organisiert von der EAG 6.11. - 19:00 - Café Multi-Kulti des Infos: www.aim-berlin.de.vu
InterKULTURellen Hauses
(Schönfließer Str.7)
31.10. - Ort und Zeit unbekannt 15.11. - 14:00 - S-&U-Bhf. Pankow
Filmabend in Erinnerung an die Antifaschistische Bündnis-
Islamischer Antisemitismus Opfer der Pogromnacht mit „Am
und deutsche Politik demonstration angesichts von
Ende kommen Touristen“ (2007 fortdauernden rechtsextremen
mit dem Journalisten Mathias Kün- von Robert Thalheim).
zel. Organisiert von den Jusos Aktivitäten und rechten Übergriffen
Veranstaltet vom Pankower Netz- in Pankow (siehe Seiten 4/5).
Infos zu Ort und Zeit in kürze auf werk gegen Rassismus, Antisemi-
www.jusos-berlin.de Infos www.siempre.red-skins.de.
tismus und rechte Gewalt.
Rosen auf den Weg gestreut . herbst 2008 . Seite 31

Links & Locations


Die aktuelle Zeitung wurde maßgeblich von folgenden Gruppen erarbeitet. Bei Anregungen, Kritik oder Lob
wendet euch bitte an die entsprechende Gruppe.

Antifaschistische Aktion Bernau Bildungsinitiative engagierter Grüne Jugend Pankow


www.antifa-bernau.tk Schüler_innen www.gruene-jugend-pankow.de
kontakt@antifa-bernau.tk www.jup-ev.org/bes gj-pankow@web.de
engagierteschueler_innen@gmx.
Antifaschistische SchülerInnen net Jusos Nordost
Vernetzung Pankow www.jusos-nordost.de
www.asv.antifa.de.vu Emanzipative & Antifaschistische antifa@jusos-nordost.de
asvberlin@yahoo.de Gruppe
www.pankow.antifa.net VVN-BdA Pankow e.V.
Antifa Prenzlauer Berg eag-berlin@riseup.net www.pankow.vvn-bda.de
www.antifaprenzlauerberg.de.vu bda-pankow@gmx.de
apb@riseup.net

Weitere Gruppen aus dem Bezirk: Jugendklubs/Locations: Empfehlenswerte Initiativen


JUP (Pankow)
Antifa Kleinpankow Baiz (Prenzlauer Berg) Florastraße 84 Antifaschistisches Infoblatt
www.antifakp.de.vu Christinenstr. 1 www.jup-ev.org www.antifainfoblatt.de
antifa.kp@web.de www.baiz.info info@jup-ev.org
mts@baiz.info Antisexismusbündnis Berlin
North-East Antifascists Garage (Pankow) www.asbb.blogsport.de
www.nea.antifa.de Bandito Rosso (Prenzlauer Berg) Hadlichstraße 3
nea@riseup.net Lottumstr. 10a www.garagepankow.de Hagalil - Webprojekt zu Antisemitis-
www.banditorosso.net info@garagepankow.de mus und Rechtsextremismus
[‘Solid] Pankow info@banditorosso.net www.hagalil.org
www.solid-berlin.org Kurt Lade Klub (Pankow)
pankow@solid-berlin.org Bunte Kuh (Weissensee) Grabbeallee 33 Heinersdorf-Bündnis
Bernkasteler Strasse 78 www.kurtladeklub.de www.heinersdorf.tk
www.buntekuhverein.de info@kurtladeklub.de
buntekuh@t-online.de Inforiot - Nachrichten und Termine für
Maxim (Weissensee) Brandenburg
Café Morgenrot (Prenzlauer Berg) Charlottenburgerstraße 117 www.inforiot.de
Kastanienallee 85 www.im-maxim.de
www.cafe-morgenrot.de info@im-maxim.de Mobile Beratung gegen
cafe-kollektiv@web.de Rechtsextremismus
www.mbr-berlin.de
Dosto (Bernau)
Breitscheidstr. 43 Reach Out - Opferberatung
www.dosto.de www.reachoutberlin.de
dosto@dosto.de
Rosen auf den Weg gestreut . HERBST 2008 . Seite 32

Chor der Geretteten


Nelly sachs
Wir Geretteten,
Aus deren hohlem Gebein der Tod schon seine Flöten schnitt,
An deren Sehnen der Tod schon seinen Bogen strich -
Unsere Leiber klagen noch nach
Mit ihrer verstümmelten Musik.

Wir Geretteten,
Immer noch hängen die Schlingen für unsere Hälse gedreht
Vor uns in der blauen Luft -
Immer noch füllen sich die Stundenuhren mit unserem tropfenden Blut.
Wir Geretteten,
Immer noch essen an uns die Würmer der Angst.
Unser Gestirn ist vergraben im Staub.

Wir Geretteten
Bitten euch:
Zeigt uns langsam eure Sonne.
Führt uns von Stern zu Stern im Schritt.
LaSSt uns das Leben leise wieder lernen.

Es könnte sonst eines Vogels Lied,


Das Füllen des Eimers am Brunnen
Unseren schlecht versiegelten Schmerz aufbrechen lassen
Und uns wegschäumen -
Wir bitten euch:
Zeigt uns noch nicht einen beiSSenden Hund -
Es könnte sein, es könnte sein
DaSS wir zu Staub zerfallen -
Vor euren Augen zerfallen in Staub.
Was hält denn unsere Webe zusammen?

Wir odemlos gewordene,


Deren Seele zu Ihm floh aus der Mitternacht
Lange bevor man unseren Leib rettete
In die Arche des Augenblicks.

Wir drücken eure Hand,


Wir erkennen euer Auge -
Aber zusammen hält uns nur noch der Abschied,
Der Abschied im Staub
Hält uns mit euch zusammen.