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Bergeerleben

I.R.

DAS MAGAZIN DES ALPENVEREINS SÜDTIROL


0 5 / 19 www.alpenverein.it

75 Jahre
Reinhold
Messner
Poste Italiane SpA · Versand in PA · ges. Dekr. 353/2003 (abgeändert in Ges.27/02/2004 Nr. 46) Art. 1, Komma 1, NE BOZEN – TASSA PAGATA – TAXE PERCUE · Bergeerleben Nr. 5/2019, erscheint 5 x jährlich

SCHLERN­
BÖDELE­HÜTTE
AVS-Hüttenserie  38

WIR SOLLTEN
ALLE IN PANIK
VERFALLEN
Die Bedrohung der
­Artenvielfalt durch den
­Menschen  50

PAUL GROHMANN
150 Jahre Besteigung
Große Zinne  57
EINSTIEG

ADDICTED Liebe Leser

„Wir hören das Credo eines jungen


Menschen, der mit brennendem
­Herzen Fragen zu lösen versucht, an
Lieber Reinhold

Deine Erfolge bleiben in mehr als


14 Monumente gemeißelt, deine
Abenteuer sind Meilensteine des

TO MOUNTAINS
denen die Menschen mehr und mehr ­Alpinismus. Willensstärke und Kreati­
zerbrechen!“, so das Vorwort von vität, Ziele jenseits der Berge und des
Josl Rampold in Reinhold Messners Horizonts. Markant deine Eloquenz,
erstem Buch „Zurück in die Berge“ deine scharfkantigen Urteile.
aus dem Jahr 1970. Reinhold tritt als
Die Wucht deiner Worte traf auch den
Mahnender auf und seine Botschaft
Alpenverein. Dennoch widmen wir dir
klingt wie jene der heute 16-jährigen
unsere Titelgeschichte, nicht weil du
Schwedin Greta Thunberg an die
unser Gipfelgott bist, aber weil uns die
Mächtigen der Welt.
Berge als Sehnsuchtsort verbinden.
Reinhold hat in seiner Zeit im AVS viel
Solange sie noch stehen. Berge sind
Positives bewirkt. Trotzdem gab es
sensible Seismografen des tickenden
­immer wieder Differenzen, die schließ-
Erdenwandels. Sie alpinistisch nur
lich 1977 zum Austritt aus dem Verein
­bespaßen zu wollen, zeugt von Ego-
führten. Dass er 1986 als Erster alle
zentrik in der Falle des Kurzzeit­
14 Achttausender bestiegen hatte,
denkens.
machte ihn zum erfolgreichsten Berg­
steiger der Welt. Es folgten abenteuer- „Die Natur hat immer Recht. Die Feh-
com

reiche Durchquerungen der Antarktis, ler machen immer nur wir“, dein Zitat.
Grönlands und sein einsamer Gang Umso verbundener sollten wir in der-
durch die Wüste Gobi. Sein Museum
tler.

selben Seilschaft gehen, wider mons-


auf Schloss Sigmundskron hat der AVS tröse Artefakte des Menschen, wider
stets unterstützt. gärende Geschwüre in zerrissener
spor

Landschaft, wider pietätlose Vernich-


Wenn der Alpenverein in seinem
tung der Artenvielfalt.
150. Jubiläumsjahr Reinhold Messner
ing

zu seinem 75. Geburtstag das Titel­ Gleichsam als leuchtendes, beispiel­


thema dieser Ausgabe widmet, dann gebendes Fanal.
opp

soll dies ein Zeichen der Anerkennung


für sein alpines Werk und auch ein Eine Seilschaft für ein hoffnungsvolles
e sh

Dank dafür sein, dass er uns immer Morgen.


wieder in die richtige Spur geführt hat. Alles Gute, Reinhold, zu deinem
Für die Zeit, die noch kommen wird,
nlin

75. Geburtstag!
wünsche ich dir, lieber Reinhold,
­Gesundheit, Erfolg und frohe, erfüllte
s&o

Tage.
t o re
23 s

Luis Vonmetz Ingrid Beikircher


AVS-Präsident 1991 – 2009 Redaktionsleitung

Bergeerleben 05/19 3
Wer sich seine Träume erfüllen will,
muss die Bereitschaft mitbringen,
jedem seiner Träume eine Chance
zur Verwirklichung zu geben.
Reinhold Messner; Buch: „Die großen Wände“, 1977

Foto: Alfred Erardi – Strix Naturfotografen Südtirol


INHALT

Den Herbst entdecken


TITELTHEMA
KURZ & BÜNDIG8

mit Kindern
75 Jahre 75 JAHRE REINHOLD MESSNER
Reinhold Messner im Interview 10

Reinhold Die Seilschaft Kammerlander–Messner 16


Messner und das Dolomitenklettern 21

Messner
Luis Vonmetz über Reinhold Messner 26
Messner vs. Alpenverein  30

AVS AKTUELL
Klettergärten einrichten & sanieren 32
Jugenditalienmeisterschaften 2019 33
Morderplottn Trad 34
Klettergarten Morderplottn 35
Klettersimulator mittels Kletterscheibe 36
Neuer Mitarbeiter: Stephan Illmer 36
In memoriam: Albert Ploner 37
Hüttenserie: Schlernbödelehütte 38

GIPFELGESPRÄCHE
40 Jahre Hüttenwirt: Gottfried Leitgeb 40
68 AVS-Geschäftsfuhrer: G. Sulzenbacher
Bergführer Erwin Steiner
44
48
Die Bedrohung der Artenvielfalt 50
Foto: Hubert Hilscher, Strix – Naturfotografen Südtirol

NATUR & UMWELT


Kampagne: #UnsereAlpen 54

Es geht rund! Viele Meilensteine gesetzt Umfrageergebnis aus dem Referat 56

Die AVS-Kletterscheibe Gislar Sulzenbacher, seit 35 Jahren Generalist im AVS


10 KULTUR & CHRONIK
Foto: Archiv Reinhold Messner Grohmanns goldenes 1869 57
Südtiroler Bergnamen 60

STRIX NATURFOTOGRAFEN

40 Jahre Thema: Pilze

UNTERWEGS
62

Foto: Archiv AVS


44 ­ üttenwirt
H
Gottfried Leitgeb auf der AVS-Rieserfernerhütte
Die schönsten Touren in Südtirol
Wanderbuch „Wondoluscht“
Den Herbst entdecken mit Kindern
64
66
68
Herrliches Friaul: Radtage 71
Wanderwoche Sardinien 74
Wanderwoche Liparische Inseln 76
Was unsere Funktionäre Sterne Grands-Charmoz-Westwand80
bewegt Über der Grands-Charmoz- Kletterreise nach Jordanien 84
Umfrageergebnisse aus dem Westwand 80 ERSTBEGEHUNGEN
Referat Natur & Umwelt 56 Grohmann-Hainz-Führe86
Grohmann-Hainz-Führe
Rosengarten mal drei 88
Uneinigkeit und andere Neutour an der Großen Zinne 86
6 Erstbegehungen 90
Irrtümer Sid lives 91
Bergsteigertipp
Südtiroler Bergnamen 60
Achtung auf deine Zähne! 92 TIPPS & INFOS
Wondoluscht Bergsteigertipp: Achtung auf die Zähne 92
Tour gesucht? Tour gefunden!
Wanderbuch in Reimen 66 alpenvereinaktiv.com94
Mit der neuen Produktneuheiten96
Herrliches Friaul 94
alpenvereinakiv-App  AVS-Bücherecke97
Radtage mit der AVS-Sektion Kultbuch/Impressum98
36 St. Pauls  71 Titelfoto:
Foto: AVS-Archiv
Reinhold Messner im Rahmen des Interviews
mit Lenz Koppelstätter
Foto: Miriam Federspiel/AVS
40
Foto: Gottfried Leitgeb
6 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 7
Kurz & Bündig

kurz & bündig Salewa unterstützt Sportkletterer im AVS


Seit seinem Bestehen fördert das Refe- AVS-Landeskader ein, in dem seit 2011
rat Sportklettern im Alpenverein das junge Sportkletterer durch gezieltes
Wettkampfklettern. Vor allem in die Training und gemeinsame Trainings­
Nachwuchsarbeit hat der Alpenverein camps auf die nationalen und inter­
zuletzt viel Arbeit und Mittel investiert. nationalen Wettbewerbe vorbereitet
TAGUNG: Klimawandel in den Alpen Die Erfolge sprechen Bände: Über 250 werden. Die Bergsportmarke Salewa
AVS-Jungathleten haben sich allein im hat kürzlich seine finanzielle und mate-
Am Samstag, 19. Oktober veranstalten Hochgebirge, Schutzmaßnahmen usw. vergangenen Jahr an den regionalen rielle Unterstützung für die Wett­
AVS und CAI gemeinsam eine Tagung Im Anschluss findet eine Diskussions- Juniorcups beteiligt; und viele haben kampf­kletterer im AVS insbesondere
zum Thema Klimawandel in den Alpen. runde statt, bei der verschiedene über die Förderung des Alpenvereins für den Landeskader für die kommen- V. l.: AVS-Präsident Georg Simeoni, AVS-Mit-
arbeiterin Alexandra Ladurner, Salewa-Mar­
Es referieren: Prof. Georg Kaser von Sichtweisen erörtert werden. den Sprung in die Erwachsenenklassen den drei Jahre zugesichert. Gemein- ketingdirektor Thomas Aichner, AVS-Referats-
der Universität Innsbruck und interna­ geschafft. Einen wichtigen Faktor sam hofft man, die AVS-Athleten auf leiter Sportklettern Ernst Scarperi
tional anerkannter Glaziologe, Evelyn Simultanübersetzung dt./ital. nimmt in dieser Erfolgsgeschichte der der Siegerstraße zu halten. ◾ Foto: AVS-Archiv

Kusstatscher vom Naturmuseum Ort: Kongresszentrum Messe Bozen,


­Bozen, der Landesgeologe Volkmar Bruno-Buozzi-Straße 35;
Mair, die Direktorin der Stiftung Dolo- Dauer: 8.30 bis ca. 13 Uhr; Klettern & gewinnen Nein zur Gletscher­­verbauung Pitztal-Ötztal
Windwurfschäden (Oktober 2018) im Bann- miten UNESCO Marcella Morandini Infos und Anmeldung unter:
wald im Gemeindegebiet Deutschnofen
und viele mehr. Es geht um Klimapoli- ­segreteria@caicaltoadige.it; Der Nutzungs- und Erschließungs-
Foto: Anna Pichler
tik, die Folgen des Klimawandels im 0471 402144. druck auf die letzten alpinen Frei­
räume ist größer denn je; auch bei
­unseren Tiroler Nachbarn. Die Ski­
kleinDORFgeflüster im Bergsteigerdorf Matsch gebiets­erweiterung Pitztal-Ötztal sieht
etwa vor, dass eine Fläche von rund
Das Bergsteigerdorf Matsch lockt mit Alpenverein in Südtirol lassen sich in 64 Hektar (ca. 90 Fußballfelder) an wild
einer grandiosen Natur und Bergwelt. den Stadeln verschiedene Besonder- zerklüfteter Gletscherlandschaft zu
Unverfälscht. Prächtig. Gelassen. heiten des Dorfes erleben: z. B. Kram- Skipisten eingeebnet und planiert
­Wenig Veränderung, wenig Eingriffe. puslarven schnitzen, ­Patschen filzen wird. Für die Errichtung neuer Gebäu-
Und doch wird nicht konserviert. Die oder es können auch vielerlei Gerichte de sollen 1,6 Hektar (2 Fußballfelder) Foto: ÖAV

Matscher lieben ihr Tal und ihr Dorf. mit zu 100 Prozent Matscher Zutaten an Gletschereis abgetragen werden,
Unter dem Motto „schaugn – lousn – gekostet werden. Mit dem Citybus ist für den Bau der Bergstation müsste
koschtn“ lädt das Bergsteigerdorf Matsch ab Mals im Stundentakt er- sogar ein Gipfel weichen. Der Öster­
Matsch mit seinen Vereinen am Sams- reichbar. Im AV-Jubiläumsjahr setzt das reichische Alpenverein fordert daher
tag, 19. Oktober, von 9.30 bis 18 Uhr erste Südtiroler Bergsteigerdorf, eine zusammen mit seinen Partnern den
zum Genießen und Verwei- Initiative der Alpen­vereine, ein klares Stopp für das geplante Mega-Projekt
len ein. Beim Kulturfest Zeichen für Regionalität und Nachhal- und kritisiert die ökologische Kurzsich-
„kleinDORFgeflüster“ tigkeit. tigkeit der Projektpläne. Mit dem Lin-
Foto: Georg Simeoni
anlässlich 150 Jahre www.bergsteigerdoerfer.org/matsch ◾ ken Fernerkogel und den Gletschern
Karlesferner, Hängender Ferner und
Verdienstmedaille Mittelbergferner würde zugunsten des Die Naturschutzverbände, darunter der ÖAV,

für Sepp Hofer Massentourismus eine gänzlich ur- fordern die Integration des Linken Ferner­
kogels in das angrenzende Ruhegebiet
sprüngliche und intakte Hochgebirgs- ­„Ötztaler Alpen“
2018 hat Sepp Hofer aus Lana die landschaft endgültig zerstört. ◾ Foto: WWF

­Auszeichnung erhalten (siehe


Bergeerleben 05/18). Abgeholt hat
Sepp die Verdienstmedaille in diesem Klettere die Jubiläumsroute, hol dir Die Aktion läuft noch bis 17. November mit 8 bis 10 Stempeln eines von
Jahr: Am 15. August 2019 wurden in deinen Stempel und mach mit beim 2019. Den Abschnitt des Routenpas- 20 Mountain-Spirit-Kletterseilen und
Innsbruck die Verdienstmedaillen des Alpenvereins-Gewinnspiel zum Jubi­ ses mit den Kletterhallenstempeln und mit 11 bis 15 Stempeln eines von 25 Sets
­Landes Tirols verliehen. Wir gratulieren läumsjahr! Die grün gekennzeichnete den persönlichen Daten bitte bis aus einem Mountain-Spirit-Kletterseil
herzlich unserem dienstältesten Jubiläumsroute findest du in den 17. November 2019 in die vorgesehe- und einem La-Sportiva-Rucksack.
Sektions­vorstand und Ehrenmitglied 15 AVS-Kletterhallen; sie ist im unteren nen Boxen der teilnehmenden Kletter- Bereits mit einem Stempel nimmst
Sepp ­Hofer zu dieser besonderen bis mittleren Schwierigkeitsgrad hallen einwerfen! Auf die Teilnehmer du im Dezember an der Hauptverlo-
­Ehrung. (ca. 6a) eingerichtet. Nach dem Durch- warten viele Sachpreise: Mit 5 bis sung teil und kannst einen von drei
stieg der Route wird dein Routenpass 7 Stempeln kannst du einen von Reisegutscheinen von Vai e Via gewin-
Foto: Karin Thöni
an vorgesehener Stelle abgestempelt. 35 La-Sportiva-Rucksäcken gewinnen; nen! ◾

8 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 9


Messner

Jahren kletterte, auf den Sass Rigais. Schultage versäumt, besagter Lehrer
Dass ich mein späteres extremes Berg- fragte mich, was ich getrieben hätte.
steigen überlebt habe, verdanke ich Ich sagte ihm, das gehe ihn nichts an.
diesen frühen Kindserfahrungen in der Aus Rache ließ er mich sitzen und zu-
archaischen Bergwelt der Geisler­ letzt durch die Matura rasseln. Ich war
spitzen. wütend und schwor mir: Nie mehr im
Leben lasse ich mir von jemandem vor-
Wie war das Klettern damals? schreiben, was ich wie zu tun habe!
Dort, wo wir in den Bergen unterwegs
waren, gab es weder Markierungen Die Geburt des Freigeistes und
noch Steige. Wir kletterten mit Hanf- ­­Rebellen Reinhold Messner?
seil – ohne Helm. Wir lernten, Maß zu Ja. Das selbstbestimmte Leben ist mir
nehmen. Wir lernten zu verstehen, wo heilig. Die Matura habe ich als Privatist
die Gefahr ist, wann das Wetter um- nachgeholt.
schlägt. So wuchsen Instinkte in uns,
die sich nur in früher Jugend entwi- Wann wurde Ihnen das Abenteuer
ckeln können. Wir schauten nach Gäm- zum Beruf?
sen, wir suchten bei Regengüssen Seit der Tragödie am Nanga Parbat. Im
Schutz unter Bäumen, liefen unter Blitz Himalaja haben mein Bruder Günther
und Donner zurück zur Alm. Wir setz- und ich erstmals überlegt: Was machen
ten uns mit der Natur auseinander. In wir danach? Er hatte seinen Job bei
der Pubertät wurde die Kletterleiden- der Bank gekündigt, ich war Student:
schaft noch einmal stärker. Hoch- und Tiefbau in Padua. Wir über-
legten, in Villnöß eine Bergsteiger-
Wie drückte sich diese Leiden-
schaft aus?
Wir erkletterten die großen Dolomi-
tenwände, dann fuhren wir weiter – zu
den Westalpenwänden. Ich war 18 Jah-
re alt, da entdeckten wir, dass es eine
europäische Kletterszene gibt, und
rutschten in diese Szene hinein. Mit
Günther machte ich viele Erstbege-
hungen, wir bewältigten immer
schwierigere Routen.

„Das selbstbestimmte Leben Was wollte der kletternde,


­pubertierende Reinhold Messner

ist mir heilig“


werden?
Sicher nicht Berufsabenteurer. Das war
jenseits jeder Vorstellung, dafür gab es
keine Beispiele. Von gewollter Karriere
konnte zu diesem Zeitpunkt noch kei-

R
Tun, was andere für unmöglich halten:
Reinhold Messner einhold Messner empfängt im Herr Messner, schließen Sie die ­Reinhold Messner am 9. August 1978 am ne Rede sein. Wir hatten daheim eine schule zu gründen und als Free­lancer
Büro von Sigmundskron, von ­Augen, denken Sie zurück an Ihre Gipfel des Nanga Parbat nach der ersten Geflügelfarm, wir Brüder mussten mit- zu schreiben, Vorträge zu halten, uns
und seine Zeit als wo aus der Blick über Täler, erste Kindheitsbergerinnerung.
Solobesteigung eines Achttausenders
helfen. Mit etwas Verspätung schickten gemeinsam auch durchs Alltagsleben
­überhaupt; nur drei Monate zuvor stand er
großartiges Geschenk ­Berge und das Messner Mountain Was sehen Sie? zusammen mit Peter Habeler am Gipfel mich die Eltern in die Geometerschule. zu schlagen.
des Mount Everest – ohne die Verwendung
­Museum reicht. „Wir haben nur eine Da bin ich in Gedanken im Villnößtal – von Flaschensauerstoff
Ich rebellierte gegen autoritäre Lehrer.
Zum 75. Geburtstag erinnert Stunde“, sagt Messner und will gleich mit meinen Brüdern. Vor allem mit Da gab es einen, der dachte, er sei das Es kam anders. Günther Messner kam
sich die Südtiroler Bergsteiger­ loslegen. Unten im Garten wartet Günther. Im Sommer verbrachten wir Messner, der Dolomitenkletterer Gesetz. Ich widersetzte mich. bei der Nanga-Parbat-Expedition 1970
Fotos: Archiv Reinhold Messner
legende Reinhold Messner an die ein Filmteam, außerdem warten neue stets einige Wochen auf der Gschna- Eines Winters, 1966, versuchte ich, ums Leben, nachdem er gemeinsam
Dolomiten seiner Kindheit und an Buchprojekte, neue Expeditionen, genhartalm. Von dort aus brachen wir das Matterhorn über die Bonatti-Route mit seinem Bruder den Gipfel erreicht
seinen Schicksalsberg, den Nanga neue Filme. zum Klettern auf. Schon im A ­ lter von in der Nordwand zu besteigen – ein hatte. Reinhold wurde im Nachhinein
Parbat. Er schimpft über den AVS 75? Für Messner kein Alter, zurück- fünf Jahren kraxelte ich mit meinem Wettersturz in der Wandmitte zwang mit schweren Vorwürfen konfrontiert:
und lobt ihn auch ein wenig. zuschalten. Vater, der bereits seit den 1930er-­ mich, umzukehren. Ich hatte ein paar Er habe von Anfang an heimlich die

10 11
Messner

Messner, der Vermarkter, bei einer


­Diskussion im japanischen Fernsehen Eine scheinbar simple Frage:
­Warum? Was war der Antrieb?
Messner 1978 im Basecamp des Mount
Everest mit Peter Habeler Die unbändige Leidenschaft. Aber es
ging mir immer auch um mehr als das
bloße Erreichen eines Ziels. Es ging
mir ums Narrativ, um die Haltung. Mich
fasziniert die Auseinandersetzung
des Einzelnen mit dem Berg. Dieses
Der Nanga Parbat wurde zu ihrem Narrativ ist heute mächtig ins Wanken
persönlichen Schicksalsberg. geraten.
Tod des Bruders, Beginn der Kar­ Wenn heute am Mount Everest 200
riere. Wie sehr beschäftigt Sie Sherpas eine Piste zum Gipfel errich-
­dieser Berg heute noch? ten, für irgendwelche Touristen, die
Der Nanga Parbat war meine zweite nie im Leben alleine den Montblanc
Bergsteiger- und Lebensschule, nach schaffen würden, dann ist der Kern des
dem Klettern als Bub in den Dolo­ Bergsteigens in Gefahr. Dann wird
miten. Dort habe ich den nötigen Rest das Bergsteigen zum Tourismus, zum
gelernt. Spazierengehen in der Todeszone.
Messner, der Museumsmacher, auf der
Überschreitung des Berges geplant, Was mich fasziniert: Sie sind bei ­Anstrengend, ja, gefährlich, ja, aber ren, N ­ atur – all das ist unvorhersehbar. ­Baustelle seines MMM Messner Mountain
er habe seinen Bruder nach der Durch- ­ihren Touren oft umgedreht. Messner legte eine unvergleichliche kein Abenteuer mehr. Schuld an dieser ganzen Entwicklung Museums am Kronplatz
steigung der Rupalwand im Süden des ­Dabei hing an den Expeditionen Bergsteigerkarriere hin: Gemeinsam sind übrigens die Alpenvereine, weil Messner, der Kletterer, in den Cinque Torri
Gipfels im Stich gelassen. Er konterte: doch Ihre Existenz. Der Druck, mit Peter Habeler erreichte er 1978 Bergsteigen als Outdoor-, Sport-, sie diese Welle reiten. Sie hätten ja in den Dolomiten, 1981
Die Überschreitung und der Abstieg selbst in der Gefahr nicht kehrtzu- den Gipfel des Mount Everest – erst- Freizeitvergnügen. Als Fun. ­dagegen opponieren können. Die Hal-
über die westliche Diamirwand sei die machen, muss enorm ­gewesen sein. mals ohne Sauerstoffzusatz. Von Kommendes Jahr in Tokio wird Sport- tung muss sein: Klettern in der Halle ist
einzige Möglichkeit gewesen, mit dem Ja, bei einem Drittel der Touren bin ich 1970 bis 1986 erklomm er alle 14 Acht- klettern zur olympischen Disziplin. ein schöner Sport – aber kein Alpinis-
höhenkranken Bruder und bei schlech- umgedreht. Aber Druck verspürte ich tausender – jeweils ohne Flaschen­ Da klettern also Olympioniken eine mus. Bergsteigen ist nicht messbar. musvereinen. Brennerbasistunnel,
tem Wetter wieder abzusteigen. Er nie. Ich habe in meinem Leben nie Geld sauer­stoff. 1978 erreichte er als erster 20 Meter hohe Plastikwand hoch – und Bergsteigen ist kulturelle Auseinander- ­Bozner Flughafen, das sind alles keine
habe Günther bis an den Fuß der geliehen. Ich habe immer mit dem Mensch im Alleingang den Gipfel wir erkennen das als einen Aspekt setzung des Menschen in der Berg­ AVS-Themen. Die Wildnis hoch über
Wand gebracht, dort sei sein Bruder Geld der vorherigen Unternehmung ­eines Achttausenders – den des des Bergsteigens an. Das ist nicht natur. Ich sage dem Alpenverein Süd- der Waldgrenze gilt es zu verteidigen.
von einer Lawine verschüttet worden. die nächste bezahlt. Und dadurch, dass ­Nanga Parbat. 1980 bewältigte er den mein Narrativ des Alpinismus. Echter tirol: Verliere deine Kernkompetenz Alpenvereine sollen sich um die Berge
In den Jahren 2000 und 2005 wurden meine Expeditionen von Mal zu Mal Mount Everest – solo. Es folgten Expe- Alpinismus kann keine olympische nicht aus den Augen. Überlasst das und um Bergsteiger – echte Berg­
Überreste von Günther Messner am mini­malistischer wurden, wurde auch ditionen in der Antarktis, in Grönland, ­Disziplin sein. Dafür ist das Bergstei- Sportklettern den Sportvereinen. steiger – kümmern, so wie sie es über
Fuße der Diamirwand gefunden. das benötigte Geld w ­ eniger. in der Wüste Gobi. gen viel zu gefährlich. Wetter, Gefah- Überlasst den Tourismus den Touris- Jahrzehnte großartig gemacht haben:
Versicherung für die Alpinisten, Weg-
Sie waren 26. Sie kehrten ohne markierungen inklusive. Was noch?
­Bruder aus dem Himalaja nach
Villnöß zurück. Wie sollte es Schutzhütten.
­weitergehen? Nein, die hätten sie lange schon an
Meine Eltern bedrängten mich, das Bergbewohner übergeben können.
­Studium abzuschließen. Meine Brüder Ursprüng­lich, 1869, stand in den
sagten, du kannst eh nicht mehr richtig ­Satzungen der alpinen Vereine: Die
klettern – mit deinen amputierten Alpi­nisten sollen den Einheimischen
­Zehen. Nach Trauer und Zweifeln ent- ein Auskommen sichern. Die Berg­
schloss ich mich dazu, das Leben zu füh- bauern waren vielfach abgewandert.
ren, das ich bis heute führe: Ein L­ eben Schutzhütten als Fetisch, okay, aber
in Freiheit. Ein Leben als Abenteurer. nicht als Rechtfertigung.

Ohne zu wissen, ob es klappt. Herr Messner, Sie sind schon


Was war der Plan B? ­w ieder im Angriffsmodus!
Den gab es nicht. Ich entwickle Ideen, Nein, ich muss rückblickend ein Lob
plane und mache sie wahr. Und erst, aussprechen. An Luis Vonmetz, den
wenn etwas nicht klappt, entwickle ich ehemaligen AVS-Vorsitzenden, ein
einen Plan B. Sonst müsste ich ja von Bergsteiger mit Format und Weitblick.
Anfang an meine Energie teilen und Nach der Nanga-Parbat-Tragödie
­jeweils in zwei Projekte stecken. ­wurde ich über Jahre immer wieder
mit schlimmsten Anschuldigungen

12 13
Messner

Reinhold Messner im Interview im April auf


konfrontiert. Von anderen Expeditions- nie Probleme. Die Streitereien ­kamen Was ist der Berg dem Menschen Kontakt nach außen. Heute nun leben vor wenigen Monaten ums Leben ka- Schloss ­Sigmundskron
teilnehmern, von Medienhäusern. Der immer hinterher. Weil es danach nie ­eigentlich? wir im Zeitalter des Pistenalpinismus. men, gehörten ganz sicher dazu: Jess Fotos: Miriam Federspiel

Deutsche Alpenverein hat sich nicht mehr nur um unsere gemeinsame Ein Widerstand. Hier auf Sigmunds- 90 Prozent der zeitgenössischen Alpi- Roskelley, David Lama, Hansjörg Auer.
Messner, der Bergbauer, beim alljährlichen
von diesen Anschuldigungen distan- ­Sache ging. Weil es danach immer kron gibt es eine Stelle an der Burg- nisten steigen auf Berge, die präpa- Yakauftrieb im Frühsommer in Sulden
ziert – im Gegenteil. Vonmetz schon. Dritte gab: Manager, sogenannte mauer, da kann ich auf die Autobahn riert sind. Dabei sind viele Berge in Ist der Berg ein schlimmer Ort,
Das halte ich ihm heute noch zu Ehren. Medien­freunde, die Zwietracht gesät hinunterblicken. Ich sehe, wie die ­aller Welt noch nicht bestiegen. Ein um zu sterben?
haben. Bergkameradschaft, dieses ­Autos auf der Schnellstraße MeBo im Glück, oder? Wenn ich von Neuguinea Die Kunst ist es, dort nicht zu sterben.
Sie teilten viel aus, Sie mussten viel Wort wird oft zur Hülse. Berg verschwinden. Das ist der Blick nach Indien fliege, fliege ich über hun- Es gehört aber einfach auch verdammt
einstecken. Auch unter der Gürtel- auf die heutige Zeit. Die Berge sind derttausend nicht erklommene Berge. viel Glück dazu. Es ist nicht so, dass die Erlösung wovor?
linie: Heimatverräter, Nestbe- Sind Sie heute milder? durchlässig geworden. Vor tausend Besseren überleben und die Schlech- Das Leben ist ein großartiges Ge-
schmutzer, rücksichtsloser Selbst- Ich bin völlig zufrieden. Jahren gab es keine Tunnel. Ötzi muss- Von 1999 bis 2004 machte Messner teren sterben. Aus dem absoluten schenk, eine Möglichkeit, sich auszu­
vermarkter, Streithammel. te über die Berge gehen. ­einen kurzen Ausflug in die parlamen­ Spitzenfeld der Alpinisten stirbt die drücken, Maß zu nehmen, zuletzt –
Ich bin durch Widerstände zum Erfolg Sie sehen, ich schmunzele … tarische Politik und saß als Parteiloser Hälfte am Berg. Jess, David, Hansjörg, im Angesicht des Todes – absurd.
gekommen. Die Schimpfworte, die ich Doch, völlig mild. Außer jemand Hat der Mensch gewonnen, der für die Grünen im Europäischen Par­ hatten dieses eine Mal nicht genug Es war in meinem Fall auch Selbst­
ertragen habe, sind mehr als ausgren- kommt mir mit Rechtsradikalismus à Berg verloren? lament. Heute ist er Museumsherr, Glück. Ich hatte öfters auch Glück. verpflichtung, Anspruch an mich selbst.
zend. Was immer ich in Südtirol ange- la Salvini! Aber wir wollten über die Der Berg verliert nicht. Weil er nicht Filme­macher und weiterhin Buchautor. Das Mich-Verlieren in Unendlichkeit,
fangen habe, wurde blockiert. Weil ich Berge sprechen, nicht über Politik … kämpft. Der Berg ist nur da. Ohne Sechs Standorte bilden das MMM, Haben sie Angst vor dem Sterben? Stille und Zeitlosigkeit muss erlösend
den Leuten nicht nach dem Mund ­Willen. Ohne Haltung. Ohne Hinter­ das Messner Mountain Museum. Der Prozess des Alterns ist der schwie- von allem anderen sein, wie ein Ver­
rede. Entschuldigen Sie, nur eines Berge und Politik, man sieht es an gedanken. Er ist nicht böse. Böse kön- ­Messner hat insgesamt vier Kinder. rigere. Bisher ist es mir ganz gut gelun- lorengehen in der Wüste.
möchte ich nach all den Jahren noch ihrer Person, sind schwer zu tren- nen nur wir Menschen sein. Berge sind gen, damit zurechtzukommen. Weil ich Lenz Koppelstätter
loswerden, wenn ich darf: Seit 40 Jah- nen. Berge wurden immer auch absichtslos. Der Berg zeigt uns die Erd- Was raten Sie Ihren Kindern? nach wie vor viele Ideen habe und die-
ren wird mir vorgeworfen, dass ich mir ­politisiert. Kreuze am Gipfel! Vetta geschichte. Er rächt sich nicht, er ruft Nur so viel: Es kommt nicht darauf an, se umsetze. Und ich muss nichts mehr. Lenz Koppelstätter, Jahrgang 1982,
alle Erfolge, die Anerkennung klaue. d’Italia! Ihr Spruch: „Das Schneuz- nicht, er lügt nicht. Wir Menschen lügen. auf ein gelungenes Leben zurückzu­ Ich muss mich auch von niemandem ist in Südtirol geboren und auf­ge­wach­
Nein, es ist genau umgekehrt. Ich be- tuch ist meine Fahne!“ blicken. Es kommt darauf an, im Hier mehr gängeln lassen. Ich kann mich für sen. Er ist Bestsellerautor, R
­ eporter
schreibe meine Abenteuerkameraden, Das stimmt, aber das ist eine ver- Wie wünschen Sie sich den und Jetzt Ideen umzusetzen. Im Um- den Rest meiner Tage da draußen an und Kolumnist, Kommunikations­
Peter Habeler, Hans Kammerlander, gleichsweise junge Entwicklung. Die ­Alpi­nismus der Zukunft? setzen passiert gelingendes Leben. die Burgmauer setzen, zufrieden ins berater und Medienentwickler.
Arved Fuchs, als große Könner – in all Gipfelkreuze entstehen mit den Napo- Dafür müssen wir zuerst einen Blick in Den besten Wein zu machen, ihn nicht Gebirge schauen und alles Gewesene
meinen Büchern, Vorträgen, Filmen. leonischen Kriegen – Gipfelkreuze ge- die Vergangenheit werfen. Es gibt eine nur zu trinken, macht glücklich. Nicht akzeptieren. Es war gut so!
Das ist alles nachlesbar. gen die Aufklärung. Fahnen am Gipfel erste Phase des Bergsteigens, den Konsum, nicht das Haben. Nur die
sind Kinder des kolonialistischen Geis- Eroberungs­alpinismus, der in den ­Umsetzung von Ideen macht kreativ, Herr Messner!
Wie ist heute das Verhältnis zu tes und Wettlaufs. Wir Europäer wollten ­Alpen zwischen 1786 und 1865 statt- stark und glücklich. Gut, nein, das entspricht nicht meinem
­Habeler, Kammerlander, Fuchs? die ganze Welt erobern. Aber erklären fand, im Himalaja zwischen 1950 und Naturell. Aber was ich sagen will, ist:
Wenn wir von ihnen selbst reden, nicht Sie mir bitte schön, wie erobert man 1965. Es folgt der Schwierigkeitsalpi- Welche jungen Bergsteiger Ich spiele nur noch. Ich spiele, so gut
von ihren Managern, kann ich nur ­einen Berg? Das ist dummer Herois­mus. nismus, da ging es nicht mehr um das ­faszinieren Sie? und lange es geht. Ja, irgendwann
­sagen: Das Verhältnis ist sehr gut. Wir Ich gehe nach wie vor für niemanden „Ob“, sondern ums „Wie“. In Italien Was Alex Honnold am El Capitan im wird die Unmöglichkeit eintreten, ich
hatten auch während der Expedi­tionen auf den Berg – nur für mich. und Deutschland folgt der Heroische kalifornische Yosemite-Nationalpark werde zittrig und tattrig sein. Ich bin
Alpinismus in den Jahren der Dikta­ gemacht hat, hat mich beeindruckt: Realist, das Sterben wird sicherlich ein
turen. Schließlich etablierte sich der Tausend Meter Steilwand, free solo – schwieriger Prozess. Der Tod ist ein-
Der Berg verliert nicht. Weil er nicht kämpft. auch von mir geprägte Verzichtsalpi-
nismus. Mein Postulat: Besteige die
das ist erste Qualität! Es gibt heute
eine kleine Riege von exzellenten tra-
fach, das Sterben für jemanden wie
mich ein Massaker. Aber wenn ich heu-
Der Berg ist nur da. schwierigsten Wände mit möglichst ditionellen Alpinisten, die haben mei- te Nacht gut einschlafe und morgen
wenig Material! Ohne Bohrhaken, ne ganze Hochachtung. Sie sind bes- früh nicht mehr aufwache, ist das völlig
Reinhold Messner ohne zusätzlichen Sauerstoff, ohne ser als alle andere vor ihnen. Drei, die in Ordnung – Erlösung zuletzt.

14 15
Messner

des Makalu und Lhotse, seine beiden und mit einer Hand an die Schuhe bin-
letzten Achttausender, empfand ich al- den. Wäre mir ein Steigeisen aus der
lerdings nur mehr als ein schnelles Ab- Hand gerutscht, wäre ich verloren ge-

Am Berg die ideale Seilschaft


haken, damit er seinen Erfolg als erster wesen. Zum Glück gelang es mir, die
Mensch aller 14 Achttausender einfor- Eisen anzulegen und die Spalte hinauf-
dern kann. Alpinistisch gesehen war es zuklettern. Reinholds Schlamperei hät-
ein Rückschritt im Vergleich zu den an- te uns beide das Leben kosten können.
deren tollen gemeinsamen Projekten. Durch diese Havarie mussten wir zu-
dem auf etwa 5.100 Meter noch einmal
Welches war die schönste Tour an biwakieren, nur im Zelt, ohne Schlaf­
Reinholds Seite? sack, da wir diesen aus Gewichts­
Die kühnste war sicher 1984 die Über- ersparnis weiter oben zurückgelassen
schreitung des Gasherbrum I und II. hatten. Es war brutal hart.
Die schönste 1985 die Annapurna-­
Nord­westwand, eine steile Kletterei in Und doch wart ihr ein echtes
großer Höhe. Gleich anschließend an Traumteam?
den Annapurna stiegen wir weiter zum Im kombinierten Gelände gingen wir
Basislager des Dhaulagiri und vier viel frei, in vereisten Platten war Rein-
Tage später verließen wir nach dem hold mit Steigeisen unwahrscheinlich
„Diese Urfreude am Berg hatte ich im
Gipfel wieder das Basislager; das ging schnell und sicher unterwegs, das Hamsterrad des Expeditions- und Spitzen-
alles sehr rasch. Es war taktisch klug, machte ihm keiner nach. Außerdem alpinismus verloren. Heute hab' ich sie wie-
der.“ Hans Kammerlander
diesen Berg gleich „anzuhängen“. war er ein taktischer Fuchs. Ich hin­
Foto: Brigitte Oberhollenzer
Das waren schon Traumtouren! gegen zeichnete mich in den reinen
Kletterwänden aus und war psychisch
Gewiss gab es auch heikle Situa­ stark. Am Annapurna wollte ich es mir
tionen? nicht nehmen lassen, die Kletterpassa- sich in Tibet bei einer Trekkingtour ak-
Davon gab es einige. Am tiefsten in gen zu führen; damals war ich im Fels klimatisiert habe und dabei wahr-
Erinne­rung blieb mir eine Situation am in meiner besten Zeit. Konditionell scheinlich ein Wesen gesehen habe,
Gasherbrum. Wir waren sieben Tage schenkten wir uns beide nichts. Was das die Einheimischen Yeti nennen. Mit
in großer Höhe unterwegs. Müde und ich an ihm schätze: Nie hätte er mich in diesem Satz löste er einen Medien-
ausgelaugt sehnten wir uns nur mehr meiner Risikobereitschaft in ein voraus­ sturm aus. Manche fanden diese Story
Hans Kammerlander und
zurück ins Basislager, das wir noch am sehbares Unglück rennen lassen. Ge- fast interessanter als die 14 Achttau-
Reinhold Messner haben selben Tag erreichen wollten. Der meinsam wägten wir die Herausforde- sender, der Yeti-Hype eskalierte. Es
an den hohen Bergen der Schnee war aufgeweicht, wir brachen rungen ab. Ich glaube, er spürte auch, vergeht heute noch kaum ein Vortrag,
Welt gemeinsam Alpin­
geschichte geschrieben knietief ein. Im spaltenreichen Gelän- dass wir uns bestens ergänzten, denn wo ich nicht gefragt werde, ob auch
Fotos: Archiv H. Kammerlander de ging ich voran und mahnte Rein- sonst hätte er sich bestimmt einen an- ich den Yeti gesehen habe – immer be-
hold, die uns verbindende 6-Millime- deren Bergpartner gesucht. Die Zeit gleitet mit einem Augenzwinkern, so
ter-Schnur straff zu halten. Zwecks am Berg mit Reinhold war schön, im als ob man sich darüber lustig machen
Hans Kammerlander Wie kam der Kontakt mit Reinhold dig, wie man es nur in der Jugend sein Gewichtseinsparung verwendeten wir Tal ging jeder seinen Weg, diese wa- wolle.
Messner zustande? kann. Am Berg merkte ich sofort, wie nämlich nur dieses dünne Seil und hat- ren grundverschieden, sowohl in sei-
und seine Acht­­ Mein damaliger Kletterpartner Werner gut Reinhold und ich uns ergänzten. ten es nur um den Brustkorb gebun- ner bergaktiven Zeit wie auch nachher. Wart ihr im Anschluss noch
tausender mit Beikircher, selbst Bergführer, vermittel- Gleichzeitig kam ich an Reinholds Sei- den. Mir war bewusst, dass dieser bes- gemein­sam unterwegs?
­Reinhold Messner te mich an Reinhold Messners Alpin- te in den Sog des alpinen Wettlaufs sere Bindfaden einen Spaltensturz Wie erging es dir, als nach eurer Die Wanderung mit ihm an den Gren-
schule Südtirol. Als uns Reinhold 1982 und der Medien. Im Endeffekt war ich nicht halten würde; es war vielmehr Rückkehr in Kathmandu die ganze zen rund um Südtirol 1991 war eine tol-
dann zur Expedition zum Cho Oyu nicht mehr frei, sondern wurde getrie- eine mentale Absicherung. „Reinhold, Weltpresse herbeiströmte, um le Sache, die ich nicht missen möchte:
Hans Kammerlander hat sieben ­einlud, wollte Werner aus privaten ben. Rückblickend sehe ich es so: halt das Seil straff!“, immer wieder Reinholds 14 Achttausender zu Eine relaxte, erlebnisreiche Tour, wo
der 14 Achttausender gemeinsam Gründen nicht mit, für mich jedoch ­Damals mittendrin im „Fieber“, war es wies ich darauf hin, immer wieder spür- ­feiern? wir beide erstmals ohne nennenswerte
mit Reinhold Messner bestiegen: ­bedeutete es den Start zu den Acht- natürlich eine große Zeit. te ich es durchhängen. Und da passier- Ich war medial nicht vorbereitet und Gefahren unterwegs waren, sechs
Cho Oyu, Gasherbrum I & II, tausendern. te es! Ich stürzte tief in eine Gletscher- konnte mich über diesen Riesenrum- ­Wochen mit nur einem Ruhetag. Es
­Annapurna, Dhaulaghiri, Makalu, Was schätzt du an Reinholds spalte. Das dünne Seil hielt, schnürte mel nicht freuen. Erst später lernte ich, war wie entlang einer Säge zu steigen,
Lhotse. Hans ist somit der Alpinist, Wie war deine erste Expedition mit ­alpinen Projekten? mir aber den Brustkorb zu. Reinhold vor die Medien zu treten und heute bin rauf, runter, 1.200 Kilometer, 100.000
der am meisten an Messners Reinhold? Bei seinen Achttausendern ging es vermochte mich nicht hochzuziehen. ich natürlich über eine objektive, me­ Höhen­meter, über 300 Gipfel. Die be-
Erfolgs­geschichte mitgewirkt hat. Obwohl ich nicht wusste, was auf mich ihm nicht um den einfachsten Weg, Ich musste so schnell wie möglich raus diale Berichterstattung froh. Auf die kanntesten und auch schönsten Spit-
Gleichzeitig begünstigte dies seine zukommen würde, war ich sorglos. sondern um besondere Routen und aus diesem blanken Eisschlund! Im Frage eines Reporters, wie er sich auf zen Südtirols sind fast alle Grenzberge
eigene Karriere als Profi-Berg­ Ich war konditionell und alpintechnisch Wände. Er hätte sich vieles auch leich- Seil pendelnd versuchte ich also, die die letzten zwei Berge vorbereitet wie Ortler, Drei Zinnen, Rosengarten,
steiger, w
­ ovon er uns hier erzählt. stark, gipfelorientiert und risikofreu- ter machen können. Die Besteigung Steig­eisen vom Rucksack zu klauben habe, antwortete Reinhold, dass er ­Dreiherrenspitze usw.

16 17
Messner

„Konditionell schenkten wir Nacht durchzugehen. In weniger als


uns beide nichts.“
Hans Kammerlander
24 Stunden war die ganze Aktion
­beendet. Außer den Aufstiegs- und
Skiabfahrtsspuren hab’ ich am Berg
nichts hinterlassen. Diese Kombination
mit Ski­abfahrt war mein Topstückl.
Klettertechnisch am steilsten war die
Erstbegehung der Annapurna-West-
wand. Technisch schwierig waren ganz
andere Berge, nicht unbedingt Acht-
tausender, wie der richtig steile Grat
am Jasemba, auch der Shivling war
klettertechnisch kein Spaziergang.

Du setzt dich auch stark karitativ


ein …?
Bereits seit 25 Jahren arbeite ich bei
der Spendenaktionsgesellschaft von
Beilngries mit. Drei Grundschulen in
Nepal tragen meinen Namen. Diesen
Jänner weihten wir eine große Schule
für ca. 400 Kinder ein. Insgesamt konn- Kopfstand am Kangchendzönga von Hans
ten meine Freunde aus Beilngries Kammerlander, aus purer Lust und Freude.
In Reinhold Messners Augen eine Show
26 Schulen gründen, drei Kinder­
waisenheime und 2018 die einzige
Ein Blick zurück … sponsor. Das war ein massiver techni- Kinder­blindenschule in Nepal. Dem Alpenverein wirft Reinhold vereine kümmern. Was ist deine logische Kombination. Der AVS fördert
Die Zeit mit Reinhold am Berg war gran- scher Aufwand. Warum also kritisierte vor, er solle sich nur um das Meinung? viele junge Leute und er zeigt ihnen
dios. Ohne ihn hätte ich in der Art mit er mich wegen der Satellitentelefone? ­Alpine kümmern wie Ausbildung Naturschutz geht den Alpenverein in die Herangehensweise zum Berg, das
Sicherheit nie meinen Weg auf die Weiters bezeichnete er es als Show, und F ­ örderung, um die Schutz­ jedem Fall was an. Er motiviert die ist wichtig. Dass der Alpenverein
­hohen Berge der Welt gefunden. Er bot dass ich auf dem Kangchendzönga hütten ­jedoch, um Naturschutz, Leute, in die Natur zu gehen und ehren­amtlich die Wege instandhält,
mir die Chance und natürlich profitierte ­einen Kopfstand machte. Es war von   „Mein Topstückl: 16 Stunden und Wege­markierung und -instand­ macht Sensibilisierung und Aufklärung darüber müssen wir nur mehr als froh
40 Minuten Aufstieg zum Everest
ich, an seiner Seite zu sein. Das machte mir einfach nur pure Freude, Ausdruck ­kombiniert mit der Skiabfahrt“ haltung sollten sich andere zum Umweltschutz, das finde ich gut. sein. Der Alpenverein hat auch die
mich bekannt. Später, ohne ihn, war es von Übermut. Was ist daran so Hans Kammerlander ­Institutionen bzw. die Tourismus- Alpenverein und Naturschutz sind eine besten Versicherungen im Alpinbe-
für mich relativ leicht, meinen Weg fort- schlecht? Ein Kopfstand sollte eigent- reich. Was ich reduzieren würde, sind
zusetzen, auch kam ich durch ihn an lich niemanden stören? die Vorteile wie die Preisnachlässe auf
Sponsoren. Ich denke, am Berg profi- Oder meine vier Grate am Matter- Hütten. Manche Vereinsmitglieder
tierte ich mehr von ihm als er von mir. horn in 24 Stunden im Auf- und Ab- ­f lattern den Hüttenwirten mit dem
stieg. Es war eine sportliche Aktion. AVS-Ausweis vor der Nase herum,
Wie ging es für dich nach Reinholds Wenn das zu kritisieren ist, kannst du noch bevor sie Grüß Gott sagen. Das
14 Achttausendern weiter? jede Erstbesteigung oder neue Route ist krass.
Ich plante und organisierte dann alles als Show abtun.
selbst und suchte auch immer beson- So waren halt immer wieder Rein- „Manaslu, Berg der Seelen“:
dere Projekte wie die Everest-Skiab- holds Sticheleien. Er ist mit Kritik im- Was war dir als Botschaft im Film
fahrt. Reinhold äußerte sich zu meinen mer sehr schnell. Etwas Reflektion wichtig?
Aktionen, einige Male sehr fair, einige wäre manchmal besser. Reinhold ist Das Echo zum Film ist sehr positiv.
Male in meinen Augen in einer Art ein Mann mit einem großen Ego und Es sind starke Bilder und Szenen zu
Besserwisserei, die ich nicht gut fand. nicht immer einfach im Umgang mit ­sehen, der Aufwand war riesig. Jeder
Zum Beispiel regte er sich auf, dass ich anderen Menschen. Mensch zeigt sich vor anderen lieber
Satellitentelefone benutzte, die gab es mit seinen Erfolgen und Leistungen,
zu unserer gemeinsamen Zeit noch Was war dein größtes Highlight vor allem Bergfilme sind oft voller
nicht. Bei seinen letzten zwei Achttau- an den Bergen der Welt? Sensa­tionen und Heroismus. Das Hel-
sendern jedoch hatte auch er Funk- Einmal die Aufstiegszeit 1996 zum denhafte mag ich überhaupt nicht.
teams dabei, die Funkbrücken vom Everest in 16 Stunden und 40 Minuten, Der Alpinismus ist ein Sport, da
Basis­lager aus Richtung Kathmandu die bis heute nicht untertroffen ist. Es braucht es das nicht. Mir war es im
machten und stets über das Neueste war eine perfekte Taktik, nachmittags Film wichtig, auch meine Fehler nicht
berichteten, mit der Rai als Haupt­ aufzubrechen und ohne Biwak die zu verschweigen. Erst dann ist eine

18 19
Messner

­ iedergewonnen, wie einst, als ich als


w
junger Bursch durch eine Wand gestie-
gen bin. Diese Urfreude hatte ich im
Hamsterrad des Expeditions- und
Spitzenalpinismus verloren. Heute hab’
ich sie wieder.

Was wünschst du Reinhold zum


75. Geburtstag?
Reinhold hat neue Denkweisen einge-
bracht – schlecht oder gut sei dahin-
gestellt –, er hat unheimlich viel be-
wegt, gesagt, geschrieben. Er braucht
niemandem mehr etwas zu beweisen.
Man muss aber nicht immer provozie-

Messners Einfluss
ren, nur um ein Gespräch anzuregen.
Das bringt ständige Angriffswellen mit
sich; das muss nicht sein. Reinhold soll-

auf das Klettern


te sich vielleicht auch etwas mehr von
„Die Wanderung mit Reinhold an den
­Grenzen rund um Südtirol 1991 war eine man muss sich vor allem eingestehen, der Bühne zurückziehen und endlich
tolle Sache, die ich nicht missen möchte.“ ganz viel Glück am Berg gehabt zu mehr Zeit für sich finden. Gelassen-
Hans Kammerlander

in den Dolomiten
­haben. Glück im Sinne von Freude und heit und Entspanntheit wünsche ich
„Die Zeit mit Reinhold am Berg war gran- im Sinne von günstiger Fügung. Wenn ihm. Und dass er die Jahre, die er vor
dios. Ohne ihn hätte ich in der Art mit
­Sicherheit nie meinen Weg auf die hohen
ich jetzt am Berg unterwegs bin, bewe- sich hat, noch mit Freude füllen kann.
Berge der Welt gefunden.“ ge ich mich auf einem normalen Level. Reinhold, genieße deine Zeit!
Hans Kammerlander Und ich habe die kindliche Freude Ingrid Beikircher

AVS-Förderpreisträger Alex Walpoth


Porträt-Doku authentisch, und ich
glaube, dass ist recht gut gelungen.
über Vorbilder, große Dolomiten­wände
Meine Botschaft im Film sollte sein, und strenge Kletterethik
nach Vorne zu schauen, auch wenn du
große Fehler gemacht hast; die Fehler
bleiben ewig, die kannst du nicht
­auslöschen. Reinhold hat sich mir
Cirspitzen, 1976
gegen­über zum Film nicht geäußert,
Fotos: Archiv Messner
er stellte sich auch nicht als Interview­
partner zur Verfügung.
Inwiefern hat Reinhold Messner, kommt und welche Leidenschaft in uns ­ imalaja und den 14 Achttausendern.
H
Was wünschst du dir? der wohl bekannteste Alpinist der selbst entfacht. Im Grunde ist es einer- Eine Welt, die von der wohl behüteten
Ich bin eigentlich mein ganzes Leben Welt, andere junge Kletterer in den lei, solange wir Gefallen und Sinn an Umgebung der Kletterhallen unend-
auf und hinter den Bergen hergelau- letzten Jahrzehnten beeinflusst? unserem Tun in den Bergen finden. Von lich weit weg schien. Mit 12 Jahren
fen. Heute brauche ich keinen Wettlauf Gewiss sehr viele, so wie auch Reinhold Messner habe ich, vor ­allem ­begann ich, in den Bergen zu klettern
und keinen Rekord mehr. Ich würde mich. Dabei will ich mich hier auf über seine Bücher, durchaus maßgebli- und Messners Bücher zu lesen. Plötz-
mich ja lächerlich machen, immer noch Messners Klettereien in den che Impulse zum Klettern ­bekommen. lich war meine Welt nicht mehr so weit
in den Wänden herumhängen zu wol- ­Dolomiten beschränken, auch weil Darunter waren Ideen für Felsfahrten weg. Mit 13 traf ich Reinhold zum
len und dies dann als Topleistung zu mein Horizont noch nicht viel ebenso wie Einblicke in seine persön­ ­ersten Mal in der Werkstatt meines
verkaufen. Ich bin nicht mehr getrie- ­weiter reicht. liche Faszination für das Klettern. ­Vaters. Er ist Künstler und fertigte
ben und kann das Bergsteigen wirklich eine lebensgroße Figur von Messner

N
genießen. Damit bin ich glücklich. Das un ist es schwierig, Einfluss Die Persönlichkeit Messner an. Auch Martin Dejori, mit dem ich
Loslassen ist ganz leicht. Auch meine wirklich zu messen, weil wir in Seit ich mich erinnern kann, klettere die ersten eigenständigen Routen
Tochter hat es mir leichter gemacht, ständigem Kontakt und Aus- ich. Wie jedes Kind orientierte ich mich kletterte, kam in die Werkstatt. Wir
neue Prioritäten zu setzen. Man muss tausch mit anderen Menschen stehen. an Vorbildern. Über allen schwebte die ­waren ziemlich stolz, dass er sich für
auch einsehen, dass mit dem Alter Folglich lässt sich schwer unterschei- Figur von Reinhold Messner. Zunächst unsere leichten Klettereien an den
Kraft und Kondition nachlassen und den, welche Motivation von außen verband ich ihn vor allem mit dem Sella­türmen interessierte.

20 21
Messner

Klein-Reinhold bei ersten Kletterversuchen


am Fuße der Geislerspitzen

Neunerplatte Fanes, Südwand

will“, schreibt er: „Ich habe gelernt


mich einzuschränken, um weiterzukom-
men. In der Freiheit gibt es den Ver-
zicht, aber keine Grenzen.“ Mit 18 war
Messner noch fasziniert von Haken
und Strickleitern, aber wenig später
änderte er sich zum überzeugten
Freikletterer. Mitte der 1960er-Jahre
hatte das Zeitalter der Direttissimas
seinen Glanz bereits etwas verloren
und spätestens seit der direkten Bege-
hung des Riesendaches an der West­
lichen Zinne 1968 war offensichtlich,
dass alles möglich wäre mithilfe von
moderner Technologie.

Die schwierigste Kletterstelle


Dennoch brauchte es charismatische
und vor allem unglaublich leistungs-
starke Kletterer, die diese Irrfahrt des gelbe Platte ließen sie mit einem Pen- seiner Kletterkarriere. Heutzutage
Alpinismus in den Dolomiten korrigie- delquergang hinter sich. Doch unge- ­vermutet man den VIII. Grad auf der
ren konnten. Reinhold Messner war fähr in Wandmitte, unterhalb einer UIAA-Skala. Bloß machte diese damals
­einer davon und er polarisierte am grifflosen, vier Meter hohen Platte, er- schon bei VI Halt. Viel wichtiger waren
meisten. Ein anderer war der talentier- schien die Fortsetzung der exponier- jedoch die Tatsache, dass Messner
te Enzo Cozzolino aus Triest, von dem ten Kletterei unmöglich. Messner in diese Stelle in freier Kletterei schaffte,
Messner schreibt, dass er die Schwelle „Die Freiheit, aufzubrechen wohin ich und die damit verbundene Erkenntnis,
zum VII. Grad überschritt. Messner und will“: „Nun war ich endgültig am Ende. dass trotz Verzicht eine Steigerung der
Cozzolino waren überzeugt, dass ein Eine glatte Platte, in der keine Ritze Schwierigkeit möglich war. Gerade auf-
Fortschritt nicht durch neue Technolo- und kaum Griffe waren, versperrte mir grund des Verzichts auf Expansions­
Von den Geislerspitzen in die Welt schritte, sodass die Geislerspitzen ir- Verzicht ohne Grenzen gien, sondern nur durch das Verschie- den Weg. Vier Meter weiter oben ein haken konnte die Entwicklung des Klet-
Messner unternahm seine ersten Tou- gendwann schrumpften: Nicht durch Seine Lehrjahre hatte Messner jedoch ben der psychischen und körperlichen Riss. Dorthin musste ich. Ich stand auf terns in den Dolomiten voranschreiten.
ren an den Geislerspitzen, die auf der die Erosion, sondern weil der Blick der in den Dolomiten verbracht: in dieser Grenzen des Kletterers selbst zu errei- einem fußbreiten Band, auf einer Leis-
Villnößer Seite schroff und abweisend Brüder weiter wurde, die Fähigkeiten wunderschönen und einzigartigen Ge- chen sei. Natürlich ließen sie diesen te. Unter mir viel Luft, ein überhängen- Mord am Unmöglichen
in den Himmel ragen. Auf einen Buben und mit ihnen die Möglichkeiten stän- birgsgruppe, die dem jungen Messner Überlegungen auch Taten folgen. der Abbruch. (…) Hinauf, das war der 1968 sorgten nicht nur Messners
müssen sie riesig und unerreichbar ge- dig wuchsen. In Reinhold keimte die noch sehr viel Raum für Erstbegehun- Ein perfektes Beispiel ist Reinholds einzige Ausweg. Immer wieder setzte Kletter­abenteuer für Aufruhr, sondern
wirkt haben. Doch auf Reinhold wirk- Erkenntnis, das Bergsteigen würde gen und Abenteuer bot. Die unberühr- und Günthers Neutour am Mittel­ ich an, wollte mich vom Band absto- auch sein Artikel „Mord am Unmög­
ten die geheimnisvollen, steilen Wän- sein Leben sein. Die Erfahrungen aus ten Winkel gibt es auch jetzt noch, pfeiler des Heiligkreuzkofels im Jahre ßen. Immer wieder stieg ich zurück, lichen“, in dem er wortgewaltig und
de in erster Linie anziehend. Anfangs den Jugendjahren waren so intensiv ­obwohl das Netz an Routen, das die 1968. Es ist eine der beeindruckends- mit dem Vorsatz, doch das Abklettern glühend zum Verzicht auf technische
noch in Begleitung des Vaters, dann und einzigartig, dass er immer wieder Dolomiten überzieht, sich in den letz- ten und unnahbarsten Wände der zu versuchen. (…) Ich wagte alles, ris- Hilfsmittel, allen voran Expansions­
schon bald mit dem jüngeren Bruder nach dieser Zeit suchen würde. Wie ten 50 Jahren deutlich verdichtet hat. ­Dolomiten – bis zu 500 Meter hoch kierte. Oben war ein kleiner Griff. Als haken, aufrief. Mit den Verfechtern des
Günther oder allein fand er den Weg kein anderer Alpinist schaffte er es, Dass wir junge Alpinisten immer noch und mehrere Kilometer breit. Sie ist ich ihn hatte, konnte ich nicht mehr zu- Direttissima-Ideals ging er hart ins
durch die berüchtigten Nordwände sich von den Konventionen der Gesell- die Möglichkeit haben, Erstbegehun- zum Symbol für schwierige, nur mit rück. Ich setzte den rechten Fuß ganz ­Gericht: Es würde immer mehr ge-
von Sass Rigais, Kleiner und Großer schaft zu befreien und das Abenteuer gen zu machen, ist vielleicht auch Rein- Normalhaken abgesicherte Freiklette­ hoch, aufstehen – ein Balanceakt –, mit bohrt und immer weniger geklettert,
Fermeda. Dabei sammelte er wichtige zum Beruf zu machen – in Messners hold Messner zu verdanken. Einerseits rei geworden. Die Messner-Führe hat der linken Hand die abschüssige Leiste das Unmögliche und damit auch das
Erfahrungen und lernte Verantwortung Augen war es vielmehr seine Berufung. hat er das Klettern sicher noch populä- einen komplexen, geschlängelten Ver- erreichen und durchziehen … – ein Abenteuer würden in absehbarer Zeit
zu übernehmen. Es waren sicherlich Der große Erfolg stellte sich ein, als rer gemacht, andererseits propagierte lauf: Weil sie in einer nahezu grifflosen Eindruck, der ein Leben lang blieb.“ verschwinden. Am Ende steht der Auf-
gefährliche, schwierig abzusichernde er≈zu den höchsten Gipfeln dieser er den Verzicht: auf sinnlose Direttissi- Wand die kletterbarsten Abschnitte Damals konnte Messner wohl kaum ah- ruf, einfach loszuziehen, ausgerüstet
und teilweise arg brüchige Routen. Welt aufbrach und mit seiner Kreati­ mas, auf Bohrhaken, auf Material- aufsucht. Die Brüder Messner bewäl- nen, dass um diese Platte ein Mythos nur mit einem Seil und ein paar Haken
Aber nur dank dieser machten Rein- vität und Fantasie vieles auf den Kopf schlachten, auf lange Vorarbeiten. In tigten schon vom breiten Band weg entstehen würde. Für ihn selbst wurde für die Standplätze, sodass der Dra-
hold und sein Bruder so schnell Fort- stellte. „Die Freiheit, aufzubrechen wohin ich schwierigste Kletterstellen. Eine glatte, sie zur „schwierigsten Kletterstelle“ che, Symbol für das Ungewisse, auch

22 23
Messner

Reinhold Messner am Südwest-Pfeiler der konnten wir nur erleben, weil die Wand tergarten und Gebirge? Und wird nicht
Marmolata
noch unberührt war: Messner & Co. in vielen Gebirgsregionen Europas,
Foto: Archiv Luis Vonmetz
hatten damals verzichtet, weil ihnen zum Beispiel in der Schweiz, der Bohr-
der zu erwartende Materialaufwand haken bereits akzeptiert beziehungs-
unverhältnismäßig erschien. Die weni- weise sogar gefordert? Dass sich in den
Civetta-­Nordwestwand. Sepp Mayerl, gen von uns verwendeten Haken hal- Dolo­miten viele Routen noch in ihrem
Renato Reali, Heini Holzer und Rein- ten wir und vielleicht auch Messner für ursprünglichen Zustand befinden, liegt
hold Messner kletterten diesen Weg vertretbar. Messner hat Ideen geboren sicherlich auch an Persönlichkeiten wie
1967. Ungefähr in Wandmitte errichte- und darauf verzichtet. Dadurch hat er Reinhold Messner, die die Idee des
ten sie ihr Biwak. „Gegen fünf Uhr sie lebendig gehalten, sodass sich klassischen, auf Verzicht basierten Alpi-
abends erreichten wir den Kopf des nachfolgende Generationen weiterhin nismus weitergetragen haben. Auch
Pfeilers rechts der geschlossenen kühne Träume erfüllen können. ein Hanspeter Eisendle, ein Adam Holz-
Wandflucht, durch die ein breiter Riss knecht und viele andere gehören an
verlief. Nicht die ideale Route! Das Der klassische, auf Verzicht dieser Stelle erwähnt. Ich denke, dass
stark überhängende Verschneidungs- ­basierte Alpinismus in Südtirol zurzeit viele junge Alpinisten
system über uns sah sehr brüchig aus. Ich muss jedoch erwähnen, dass wir jene Ansichten teilen und auch versu-
Wasser tropfte herunter, viel Wasser. auch einen Handbohrer und ein paar chen, diese in neuen, herausfordern-
Die Wand direkt zu nehmen, wäre ei- Bohrhaken dabei hatten. Wir hätten den Routen umzusetzen. Das stetig
ner Materialschlacht gleichgekommen. diese nur im äußersten Fall eingesetzt wachsende Erstbegehungsportal auf
Wir hätten hundert und mehr Haken und doch ist der Raum des Unmögli- der AVS-Webseite bezeugt diese Ent-
Alex Walpoth, 25, klettert seit zehn Jahren
schlagen müssen. Wir wollten deshalb chen damit geschrumpft. Messner war wicklung. Die meisten darauf veröffent- in den Dolomiten, am liebsten dort, wo
noch die dritte, die rechte Variante in seiner Ethik wohl absoluter als wir lichten Routen sind im klassischen Stil. noch keiner hingekommen ist. Obwohl er
alle Sommer gefühlt „nur“ klettert, zählt
studie­ren.“ Über diese, eine Reihe an jungen Kletterer es heute sind. Durch Für Reinhold Messner gewiss ein sein Tourenbuch „nur“ einige Hundert Fels-
dunklen Rissen, erreichten die Freunde den Sportkletterboom sind Bohrhaken schönes Geschenk zu seinem 75. Ge- fahrten. Vielleicht, weil er seine Zeit auch
gerne dem Medizinstudium und neuerdings
am nächsten Tag den Gipfel. Sie hat- zur Normalität geworden. Wo setzen wir burtstag! dem Bergführerberuf widmet
ten e
­ inen logischen Weg gefunden. heutzutage die Grenze zwischen Klet- Alex Walpoth Foto: Martin Dejori
Wie die Route auf dem Wandfoto aus-
sehen würde, war ihnen gleichgültig.

Messner als Wegbereiter


Im Sommer 2015, knapp 50 Jahre spä-
ter, erreichten Martin Dejori, Titus
Prinoth, Giorgio Travaglia und ich den
Kopf des gleichen Pfeilers. In der unte-
ren Wandhälfte waren wir rechts vom
„Weg der Freunde“ geklettert. Nun
wollten wir gerade hochklettern und
die überhängenden Verschneidungen
überwinden, von denen Messner
meinte, sie seien nur mit mehr als 100
Haken zu bewältigen. Der Blick nach
oben ließ auch unsere Zuversicht GERUCHS-
schwinden: Die Wand erschien entwe- HEMMEND
der äußerst glatt oder sehr brüchig.
weiterhin überleben könne. Es war ein Routen: Die Nordwände von Agner, Dank dem Wissen um unsere moderne
bemerkenswerter Artikel für einen Langkofel und Peitler­kofel, die Nord- Ausrüstung wagten wir trotzdem einen
23-Jährigen. Mangelnde Erfahrung
konnte sich Messner zumindest nicht
vorwerfen lassen. Bis Ende 1969 hatte
westwand der ­Civetta und die gran-
diose Südwand der Marmolata. Alle
Felsfahrten zeichnen sich durch hohe
Versuch. Tatsächlich schafften wir die-
sen mittleren Wandabschnitt mit nur
einem Dutzend Haken, weil wir über-
Der Rohstoff, aus dem
er über tausend Klettereien bewältigt,
die meisten in den Dolomiten, aber
auch in vielen großen Wänden der
Freikletterschwierigkeiten und gerin-
gen Hakeneinsatz aus. Messners Ethos
des Verzichts ­gemäß sind es logische
wiegend mobile Klemmgeräte zur
Siche­rung verwendeten, sogenannte
Friends. Wahrscheinlich ist auch unser
echte Abenteuer sind. SCHNELL
TROCKNEND

Westalpen. Darunter waren 50 Erst­ Linien, die den Weg des geringsten Freikletterniveau höher als damals,
begehungen und 20 extrem schwierige Widerstandes suchen. ­bedingt durch das Sportklettertraining
S.Café® – der neue Stoff aus recyceltem Kaffee.
Alleingänge. Fast alle großen Wände Einen persönlichen Bezug habe und die engen Kletterschuhe mit
der Dolomiten durchstieg er auf neuen ich zum „Weg der Freunde“ in der Reibungs­sohlen. Dieses Abenteuer
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Messner

Reinhold Messner, Luis Vonmetz und


­Jochen Gruber (v. l.) beim Biwakieren in der
Pelmo-Nordwestwand 1973

Reinhold Messner am Gipfel der


­Marmolata 1973
Fotos: Archiv Luis Vonmetz

Welt zieht. Vor 16 Jahren haben wir in


diesem Raum Erich Abram zum K2 ver-
abschiedet. Unsere Freundschaft soll
dich begleiten. Komm gut wieder!“
Reinhold und Günther durchstiegen
die Rupal-Flanke als Erste bis zum
­Gipfel, nachdem sie jedes Höhenlager
selbst eingerichtet hatten. Es wurde
die erste Überschreitung eines Acht-
tausenders, aber Günther kam nicht
mehr zurück. In seinem Gedenken hat
der AVS 1972 eine Biwakschachtel
­unter der Hochferner-Nordwand er-
richtet, sie trägt den Namen Günther
Messner.

Neue Akzente gesetzt und Träger am Berg. Durch minimierte während ich ihn sicherte. Für die Nach-
1971 gelingt Reinhold in Neuguinea al- Gewichtlast wurden die Besteigungen kommenden ließen wir die wenigen
lein die erste Durchsteigung der Nord- schneller und der Aufenthalt in der Haken und Seilschnüre zurück. Nach

„Biabl, tu no zwoa Johr Knödl essen … mauer am Puntiak Djaja, vergleichbar


mit der Solleder-Route in der Civetta-­
Todes­zone minimiert. etwa 400 Metern schlug das Wetter
endgültig um. Reinhold und ich stan-

… und noar kimmsch wieder“ Nordwestwand.


1972 heiratete Reinhold Uschi
­Demeter und ich weiß noch, wie wir
Gemeinsame Erstbegehungen
Im Sommer 1973 lud mich Reinhold zu
einer Erstbegehung an der Marmolata
den ausgesetzt im Nebel und Regen
und beschlossen den Rückzug zum
­darunterliegenden Biwakplatz. Inzwi-
ihn in Villnöß mit lustigen Plakaten und ein. Unsere Freunde aus der HG Jörgl schen waren auch Jörgl und Jochen
Luis Vonmetz am 1960er-Jahre wollte sich Reinhold bei schwierigsten Bergfahrten in den Südtiroler Sekt feierten. Im selben Jahr Mayr und Jochen Gruber gesellten nachgekommen. Der Platz war über-
der AVS-Hauptleitung für einen Berg- West- und in den Ostalpen im Allein- folgt die Südwand des Manaslu mit sich dazu. Reinhold führte fast alles, er dacht und eigentlich recht gut. Mit
Seil mit Reinhold führerkurs anmelden. Emil Schorn, der gang, die Nordwand der Droites und dem bedauernswerten Bergtod zweier schlug nur Normalhaken, von Bohr­ ­Singen und Erzählen verbrachten wir
Messner – Erlebnisse schon etwas ältere AVS-Sekretär die Philipp-Flamm-Route an der Civetta. Kameraden. haken wollte er nichts wissen. Knapp die Nacht, bis ein eisiger, jedoch heller
und Gedanken schaute den Reinhold an und gab ihm In diesem Jahr stieß er zu unserer Mit der direkten Durchsteigung der unterm Ausstieg übernahm Jörgl die Morgen aufzog. Reinhold und ich
den Rat: „Biabl, do tuasch no a zwoa Hochtourengruppe (HG) in Bozen und Großen-Zinne-Nordwestwand hatten Führung und meisterte die schwierigs- machten uns an die Arbeit. Wir hatten
Johr Knödl essen, nor kimmsch wie- wurde Mitglied. Reinhold nahm sofort in den Dolomiten 1958 die Direttissi- te Stelle, die Reinhold als siebten am Vortag das Rückzugsseil hängen
Zum 75. Geburtstag von Reinhold der!“ Das ließ sich Reinhold natürlich eine bestimmende Rolle ein und wur- mas ihren Einzug gehalten. Reinhold Grad bezeichnete. Den gab’s aber da- gelassen, sodass wir diese erste Seil-
Messner bat mich die Redaktion nicht gefallen, ging zur CAI-Zentrale de für einige Jahre HG-Referent in der und seine Generation erkannten das mals noch nicht. Am Gipfel bemerkte länge gesichert aufsteigen konnten.
von Bergeerleben, von meinen Erin- und wurde dort sofort zum Kurs AVS-Hauptleitung. 1970 wurden er und als Fehlentwicklung. Sie waren der Reinhold, er wüsste eine freie Tour in Das Gelände wurde etwas leichter, die
nerungen und Erlebnissen zu er- ­gemeldet. Bald danach gründete sein Bruder Günther zur Nanga-Parbat-­ ­Linie von Paul Preuss verpflichtet, und der Pelmo-Nordwestwand. Wir verein- kommenden 500 Meter ging’s z­ ügig
zählen. Mein Verhältnis zu Reinhold ­Reinhold mit seinen Freunden in Expedition von Karl Herlingkoffer ein- es gelang ihnen, ein Umdenken in der barten sie für das kommende Wochen- aufwärts. Gegen Mittag waren wir am
war von Höhen und Tiefen geprägt. Villnöß eine Bergrettungsstelle, die geladen. Ziel war die höchste Wand alpinen Szene herbeizuführen. In den ende. Das Wetter war nicht besonders Gipfel. Riesige Freude, Um­armungen,
Die Höhen haben aber bei Weitem deshalb bis heute an den CAI gebun- der Welt, die 4.500 Meter hohe Rupal­ Dolomiten wurde keine einzige der gut. Die Wand war etwa 100 Meter schließlich waren uns in einer Woche
überwogen. den ist. Wie man sieht, trägt der AVS flanke. Der Alpenverein startete für die klassischen, alten Routen mit Bohr­ oberhalb des Einstiegs von einem Neutouren an Marmolata und Pelmo,
an diesem Umstand selbst sein Maß Aktion der Brüder eine Spenden­ haken „saniert“. Ebenso hat Reinhold mächtigen Band durchschnitten. den schönsten Dolomitenwänden,

U
ngefähr zeitgleich zu meinen an Schuld. aktion. Wir verabschiedeten Reinhold das Himalaja-Bergsteigen beeinflusst: ­Jochen und Jörgl erkletterten diesen ­gelungen. Mit Jochen und Jörgl war
ersten Felsfahrten war auch am 2. April 1970 im Hotel Mondschein Inspiriert durch seine Vorbilder Her- unteren Teil, Reinhold und ich umgin- ich ja schon öfters unterwegs gewesen.
Reinhold mit seinem Bruder Die Brüder Reinhold und Günther mit den Worten des Hausherrn und mann Buhl und Walter Bonatti gelang gen ihn und stiegen ab dem Band in Reinhold lernte ich als rücksichtsvollen,
Günther unterwegs. Ihre Touren wur- 1969 waren die Leistungen der Mess- AVS-Sektionsvorstandes Heinz Mayr: es ihm, den Alpenstil in den hohen die eigentliche Route ein. Reinhold besorgten und stets hilfsbereiten Seil-
den immer schwieriger und ihr Be- ner-Brüder nicht mehr zu übersehen. „Lieber Reinhold, Du bist nicht er Bergen der Welt zu etablieren. Kein ­bewegte sich in seiner meisterhaften kameraden k­ ennen. Ich hätte mir
kanntheitsgrad wuchs. Etwa Mitte der Reinhold gelangen die beiden damals ­Erste, der von hier aus in die Berge der zusätz­licher Sauerstoff, kaum Fixseile Art Seillänge um Seillänge nach oben, ­keinen besseren wünschen können.

26 27
Messner

die Überschreitung zweier Achttau­


sender – des Hidden Peak und der
Gasherbrum II – im Alpenstil in einem
Zug mit Hans Kammerlander. In den
Jahren von 1970 bis 1986 hat Reinhold
als erster Mensch alle 14 Achttausen-
der bestiegen, viele auf ganz neuen
Routen und manche mehrmals. Eben-
so war er zur selben Zeit der zweite
Bergsteiger weltweit, dem die Seven
Summits, die Besteigung der höchsten
Gipfel aller Kontinente gelungen war.
Er war nun der bekannteste und er-
folgreichste Südtiroler und auch Berg-
steiger weltweit.
Die Achttausender lockten Reinhold
nun weniger, er verlagerte sich auf neue
Abenteuer. So gelang ihm 1989 – 9 0 die
2.700 Kilometer lange Durchquerung
der Antarktis mit Arved Fuchs, 1993
folgte die Durchquerung Grönlands
HG-Freunde am Gipfel des Pelmo: Luis
­Vonmetz, Jörgl Mayr, Jochen Gruber, Differenzen am Aconcagua nicht gewachsen gewesen. Die Ent- und 2004 durchquerte er zu Fuß allein
­Reinhold Messner 1974 plante Reinhold einen neuen scheidung von Reinhold ist rückbli- die Wüste Gobi. Auch das waren
Schlechtwetter am Pelmo. Abseilen zum Durchstieg durch die Südwand des ckend auf die tödlichen Unfälle seiner 2.000 Kilometer Fußmarsch durch ein-
Biwak­platz Aconcagua in Südamerika. Mit dabei früheren Expeditionen verständlich. samstes Gebiet mit 40 Liter Wasser
Foto: Archiv Messner waren seine Frau Uschi, der Arzt am Rücken. Reinhold war damals
­Oswald Ölz, Konrad Renzler, Jochen Abschied vom AVS 60 Jahre alt.
Gruber, Jörgl Mayr und Ernst Pertl, 1977 feierte die HG ihr 25-jähriges Be-
Letzterer als Filmemacher. Die ersten stehen und Reinhold Messner trat aus Messner, der Museumsmensch
Das Taschentuch als Fahne Versuche in dieser 3.000 Meter hohen unserer Klettergemeinschaft und aus Als ich 1991 zum Ersten Vorsitzenden
In der Zwischenzeit hatten sich Rein- Wand liefen gut. Lediglich Jochen dem AVS aus. Wie er später erwähnte, des AVS gewählt wurde, fragten mich
hold und Josef Rampold, Chefredak- übernahm sich mit der Erstellung der war ihm der Alpenverein zu völkisch Reporter über meine Ziele und ich gab
teur der Tageszeitung Dolomiten, und Hochlager, wurde höhenkrank und ausgerichtet und vertrete zu wenig al- an, Südtirol habe noch kein alpines
deren Bergsteigerseite zerstritten. musste von Ölz ins Basislager geleitet pine Interessen. In der HG habe man Museum und der AVS würde sich dar-
Rampold hatte die Messner-Buben ei- werden. Vom letzten Höhenlager aus zwar viel von Kameradschaft gespro- um kümmern. Reinhold versprach mir
Reinhold Messner bei der 2.700 Kilometer
gentlich immer unterstützt und gehör- wollte Reinhold bei zweifelhaftem chen, ihm gegenüber habe aber Neid damals seine Hilfe. Wir vom Alpen­ und mit den Bergvölkern der Erde langen Durchquerung der Antarktis mit
te zu deren Bewunderern. Dies hörte Wetter allein den Gipfel angehen, was und Missgunst vorgeherrscht. Schade! verein schafften das Museum nicht, ­befassen. Sie erhalten sich alle selbst ­Arved Fuchs 1989 – 1990
jedoch auf, als Reinhold die Bergkame- auch erfolgreich geschah. Jörgl sollte ­jedoch Reinhold bemühte sich darum und kommen ohne öffentliche Zu-
radschaft in Zweifel zog, den Optanten bis zur Rückkehr Reinholds den Rück- Erster Mensch auf den 14 Acht­ und beantragte beim Landeshaupt- schüsse aus.
vorwarf, sie hätten 1939 ihre Heimat zug versichern, stieg dann aber nach tausendern mann für diesen Zweck das Schloss
verraten und feststellte, sein Taschen- und wurde von Reinhold, dem Ersten Im Himalaja erzielte er indes einen her- Sigmundskron. Nun hagelte es Protes- Messner, der Filmemacher Ich glaube, dass dies auch Reinhold
tuch sei seine Fahne auf den Gipfeln am Gipfel, abgewiesen. Zurück in Süd- ausragenden Erfolg: 1978 die erste te von allen Seiten. Wir vom AVS woll- Letzthin befasst sich Reinhold mit der gefreut hat.
der Welt. Es kam zu unguten Ausein- tirol kam es zu Differenzen. Jörgl fühlte Allein­begehung eines Achttausenders. ten keinen Streit, waren für ein alpines Erstellung von Bergfilmen. Er kennt die Meine Erlebnisse mit Reinhold wer-
andersetzungen, die bis in viele Süd- sich um den Gipfel betrogen, und Reinhold bestieg innerhalb von drei Museum und warum sollte das nicht Berge und ihre Geschichten wie kein den mich ein Leben lang begleiten. Er
tiroler ehemalige Optanten-Familien Reinhold schrieb in seinem Buch, Jörgl Tagen allein den Nanga Parbat auf ei- im reichlich vergammelten Schloss Zweiter und seine Filme sind authen- ist eine außergewöhnliche Persönlich-
hineinreichten. sei den Schwierigkeiten ohne Seilhilfe ner neuen Route über die Diamir-Flan- ­Sigmundskron entstehen? Südtirol war tisch, wahrheitsgetreu und äußerst er- keit und der größte Abenteurer, den
ke. Ebenso gelang ihm 1978 mit Peter ja ein Land mit reicher Berg­steiger­ folgreich. Trotz seiner Kritik an den ich kenne. Unser persönliches Verhält-
­Habeler die, von fast allen Ärzten ab- tradi­tion und ein Museum konnte dies Alpen­vereinen hat wieder eine Annä- nis ist von gegenseitigem Respekt ge-
„Ich bin relativ erfolgreich geworden, geratene, sensationelle Besteigung unter­streichen. Heute wird jeder ein- herung stattgefunden. Reinholds Sohn prägt. Er wird als einer der ganz Gro-
des Everest ohne Flaschensauerstoff. gestehen, dass Schloss Sigmundskron Simon ist den Fußstapfen seines Vaters ßen in die Geschichte unseres Landes
weil die Besseren umgekommen sind, Zu den folgenden Himalaja-Expedi­ zu einem Schmuckstück restauriert gefolgt, hat ihn in seinen Filmen ge- eingehen. Zu seinem 75. Geburtstag
nicht weil ich besonders gut war. tionen lud Reinhold auch die besten
jungen Südtiroler Bergsteiger ein. Er
wurde und ein Magnet für Einheimi-
sche und Gäste darstellt. Insgesamt
doubelt und ist ein weitum anerkann-
ter Alpinist; 2016 verlieh ihm der AVS
drücke ich ihm ganz fest die Hand,
schenke ihm ein dankbares Lächeln
Es gab Bessere als mich!“ wollte ihnen den Weg zu den Achttau- hat Reinhold sechs Bergmuseen ge- in Würdigung seiner Leistungen den und wünsche ihm und seiner Familie
sendern ebnen. Noch nie wiederholte schaffen, die sich mit alpiner Geschich- alpinen Förderpreis als Ansporn für die alles Glück der Welt.
Reinhold Messner Spitzenleistung jener Jahre war 1984 te, mit tibetischen Kunstsammlungen heranwachsende Bergsteigerjugend. Luis Vonmetz

28 29
Der Zorn des Gipfelgottes
den Raum. Messner beschimpfte den meiner Funktion als Präsident des
DAV und meinte, dass der DAV den CAA, nicht des DAV. Die Begegnung
Autoren den Saal nicht hätte zur Ver­ verlief ziemlich unterkühlt und ohne
fügung stellen dürfen. Und dies, ob- ­inhaltlichen Austausch. Ich habe das
wohl wir die Bücher vor der Veröffent­ zur Kenntnis genommen und es dabei
lichung nicht kannten und auch nicht belassen.
bewerteten und obwohl wir nur die
Plattform für die Buchvorstellung bo- Wie sieht die Situation heute aus?
ten, die wir ebenso Messner für seine Aktuell gibt es Kontakte zu Messners
Bücher gegeben hatten. Wir haben Büro bezüglich einer Leihgabe für eine Josef Klenner,
damals die Hintergründe und Riva­li­ Ausstellung in unserem Museum. Von Präsi­dent des
DAV
täten und deren mögliche Eskalatio- meiner persönlichen Seite aus ist die
Foto: DAV/Tobias Hase
nen offensichtlich vollkommen unter- Tür jederzeit offen. Denn ich glaube
schätzt. nicht, dass man sich in eine Sache so
In der Amtszeit meines Nachfolgers verbeißen kann, dass es keinen Schritt einander sprechen? Das wäre i­mmer
hat sich dann das Verhältnis weiter zueinander gibt. noch das Beste.
­verschlechtert und nach meiner Wie- Mag sein, dass es mit dem DAV in
derwahl 2010 haben wir dann versucht, grundsätzlichen Fragen unterschied­ Was wünschst du Reinhold M ­ essner
miteinander ins Gespräch zu kommen, liche Meinungen gibt, aber das hat zum 75. Geburtstag?
was aber letztendlich nicht gelang. nichts mit der Person zu tun. Messners Ich wünsche ihm alles Gute, vor allen
alpinistische Leistungen sind unbe- Dingen Gesundheit. Denn gerade
Habt ihr euch seitdem persönlich stritten, genauso wie die k­ ulturellen mit der Gesundheit ist es ab einem
nie mehr gesprochen? Stätten, die er mit seinen Museen ­gewissen Alter nicht immer so einfach.
Das letzte Mal begegnete ich Messner schuf. Das alles ist absolut hervorra- Und dass er noch lange Freude hat,
2006 bei der 60-Jahr-Feier des AVS gend und wurde im DAV auch nie in- in die Berge zu gehen.
auf Schloss Sigmundskron, damals in frage gestellt. Also warum nicht mit­ Ingrid Beikircher

3hochk.de
Messner vs. Alpenverein Foto: Claudio Sferra – Strix Naturfotografen Südtirol

Zum Alpenverein pflegt Reinhold


Messner eine gespaltene Haltung,
müssen, ist, dass die Leute sich im Ge-
birge rücksichtsvoll der Natur und den
Dabei ging es um Berechtigungen,
ob und unter welchen Bedingungen
FREU DICH AUF ...
vor allem zum Deutschen Alpen­
verein DAV. Über die möglichen
Mitmenschen gegenüber verhalten und
sich mit der nötigen Ausbildung dem
­alpine Gegenstände ausgestellt
­werden dürfen.
NEUE DIMENSIONEN.
Gründe sprachen wir mit dem Berg nähern sollten. Andererseits hat
Präsi­denten des DAV Josef Klenner. Messner selbst in früheren Zeiten gele- Und was brachte den Vulkan zum
gentlich Gruppen mit dem DAV-Sum- Ausbruch?
Was macht der Alpenverein falsch, mit-Club in die Berge geführt. ­Zudem Der DAV stellt seine Räume im alpinen
dass Messner ihn so verteufelt? hat er über Jahre hinweg zahlreiche Museum immer wieder Autoren zur
Er stellt dem DAV den zentralen Vor- Vorträge bei unseren AV-Sektionen Vorstellung von deren Büchern zur Ver-
wurf in den Raum, dass wir zu viele gehalten und damit Tausende von fügung. So auch 2003, als die Autoren
Leute ins Gebirge locken. In den letz- Menschen für die Berge begeistert. Kienlin und Saler ihr neuestes Buch
ten Jahrzehnten hat sich natürlich mit Das ergibt einen gewissen Wider- dort vorstellten. Hans Saler und Max hansgrohe

dem zunehmenden Freizeittourismus spruch, den kann ich nicht er­klären. von Kienlin befassen sich in ihren Das kühle Nass! Alles rund
der Drang zu den Bergen verstärkt. ­Büchern mit der Nanga-Parbat-Expe­ ums Wasser in den topp
Man mag darüber philosophieren, ob Gab es weitere Unstimmigkeiten di­tion 1970 und schildern ihre Sicht­ Bäderausstellungen von
INNERHOFER. DAS BAD.
man jemandem den Zutritt zum Ge­ zwischen Messner und dem DAV? weisen zur Tragödie, bei der Reinhold Sehen, fühlen, erleben und
birge verweigern soll, aber mit wel- Es gab auch Meinungsverschieden­ Messners Bruder Günther ums Leben gut beraten. Jetzt den
chem Recht? Was wir selbstverständ- heiten zu Ausstellungsstücken in kam. Sie stellen eine gewisse Mit- Planungstermin sichern –
lich versuchen und wofür wir sorgen ­unserem Alpinen Museum in München. schuld Reinholds an Günthers Tod in schon rauscht das Wasser.
www.innerhofer.it

30 Bergeerleben 05/19

Bäderausstellungen: St. Lorenzen (Tel. 0474 470-200) I Bozen (Tel. 0471 061-970 I Meran (Tel. 0473 272-400) I Trient · Cles · Arco · Rovereto · Castelnuovo I Belluno · Feltre
AVS aktuell

Südtiroler Athleten
rocken Arco
Jugenditalien­
meisterschaften 2019
Die diesjährigen Jugenditalien-
meisterschaften fanden zum
­ersten Mal für alle Kategorien an

Haken ­setzen,
einem einzigen, verlängerten
Wochen­ende statt. Es waren ins­ Eine Klasse für sich:
gesamt 702 Athleten aus über hun- vier Goldmedaillen für

aber richtig!
Bettina Dorfmann
dert Vereinen anwesend, davon
Ausputzen der Bohrlöcher Foto: Piero Balestrini
mit einem „Flaschenputzer“ ­kamen 60 Kletterkids aus Südtirol.
Foto: Peter Warasin

D
ie Italienmeisterschaften waren und Jana Messner (AVS Brixen) im Lead. Santoni (AVS Passeier), Elsa Giupponi
für die Südtiroler sehr erfolg- Am Podium in der Gesamt­wertung (AVS Meran), Lukas Pixner (AVS Pas­
Einrichten und Sanie- Einbohrkurs ‚Wandl‘ gefunden haben und am liebs- reich. Die zwei besten Mann- standen als Zweite noch Maxi­milian seier), Evi Niederwolfsgruber (AVS
Das richtige Setzen von Haken und ten mit dem Einbohren gleich loslegen schaften kamen aus Sudtirol: In der Hofer (AVS Gherdeina) und D ­ avid Bruneck), Alina Benazzi (AVS Meran),
ren von ­Klettergärten die Auswahl des geeigneten Materials möchten. Das Schwierigste ist oft Kate­gorie U14 gewann der AVS Passeier ­Piccolruaz (AVS Meran). David Grasl Lena Trojer (AVS Meran), Andreas
entscheiden über die Nachhaltigkeit nicht das Einbohren selbst, sondern und der AVS Brixen wurde Dritter; In und Vanessa Kofler (beide AVS Passeier), ­Cagol (AVS St. Pauls), Jan Schenk (AVS
Der Alpenverein Südtirol ist die und Attraktivität eines Klettergebietes. die Vorbereitung. Es müssen alle ört­ der Kategorie U20 holte sich der AVS Oliver Root (AVS Brixen) und Johannes Meran), Jonathan Kiem (AVS Meran),
zentrale Anlaufstelle, wenn es um Dazu bietet der Alpenverein Südtirol lichen Gegebenheiten abgeklärt und Meran den Mannschaftstitel. Insge- Egger (AVS Bruneck) wurden Gesamt-­ Nora Rainer (AVS Meran) und Jana
Klettergärten in Südtirol geht. jährlich einen „Einbohrkurs“ an. Genehmigungen eingeholt werden.“ samt standen 32 Mal Südtiroler Athle- Dritte. Daniela Augscheller (AVS ­Sanin (AVS Meran).
­Deren Wartung und Erschließung Der diesjährige Kurs im Mai war mit Ulla Walder ten am Podium: 22 Einzelmedaillen und Passeier) und Jonathan Pallhuber Ulla Walder
wird von den Sektionen und Orts- elf Teilnehmern aus sieben verschie­ 10 Medaillen für die Gesamt­wertung. (AVS Bruneck) wurden im Lead Dritte
stellen in Zusammenarbeit mit denen Sek­tionen und Landesteilen und Vanessa Kofler (AVS Passeier) Die Athleten des AVS-Landeskaders
der lokalen Kletterszene voran­ gut besucht.
RICHTIG EINBOHREN Goldregen ­wurde im Lead ausgezeichnete Zweite ­­werden unterstützt von Salewa und Alperia
getrieben. Die Landesgeschäfts- Im Rahmen des Kurses wurden in Erfolgreichste Athletin war Bettina und im Boulder Dritte.
stelle unterstützt sie beim Ankauf ­einem Klettergebiet in Latsch bereits • Verschaffe dir einen Gesamtüberblick ­Dorfmann vom AVS Brixen mit vier Top-Ten-Platzierungen gab es noch
der Haken und durch das Organi- bestehende Routen saniert und eini- und plane die Routen Goldmedaillen. Sie gewann in allen Dis- für Matilda Moar (AVS Brixen), Lena
sieren von Kursen zum richtigen ge neu erschlossen. Die Teilnehmer • Reinigung der Kletterlinie von oben, ziplinen, Speed, Boulder und Lead, und
Einbohren. lernten die einzelnen Schritte für das nachdem der Wandfuß sachgemäß holt sich somit souverän die Gesamt- Athlet Verein Kategorie Speed Boulder Lead Gesamt
abgegrenzt wurde
Einbohren und Errichten von Kletter- wertung. Alex Pichler (AVS Meran) ge- Bettina Dorfmann AVS Brixen U12F 1. 1. 1. 1.

K
• Die Hakenabstände in Bodennähe
lettergärten sind Infra­struk­ gärten, vom Gesamtkonzept bis hin zur wann ebenfalls vier Medaillen: Gold im Daniela Augscheller AVS Passeier U12F     3.  
sind so zu wählen, dass Bodenstürze
turen, die gewartet und einzelnen Routenplanung. Die recht­ Lead und Silber in Speed und Boulder Alex Pichler AVS Meran U12M 2. 2. 1. 1.
vermieden werden
­gepflegt werden müssen; bei lichen und ökologischen Aspekte stan- und klar die Gesamtwertung. Der Gröd- David Grasl AVS Passeier U12M     2. 3.
• Die Bohrlöcher müssen gründlich aus-
Neu­erschließungen ist mit besonderer den an vorderster Stelle. ner Filip Schenk (Fiamme Oro), war der Leonie Hofer AVS Passeier U14F 1.   3. 2.
geputzt werden.
Umsicht zu handeln. Drei Faktoren Kursleiter Rene Kuppelwieser, Berg- dritte Athlet im Bunde, der die Gesamt- Vanessa Kofler AVS Passeier U14F   3. 2. 3.
• Die Bohrtiefe ist mindestens gleich
müssen bei Arbeiten im Klettergarten führer und Erschließer von Kletter­ wertung für sich entschied. Er siegte im Maximilian Hofer AVS Gherdeina U14M   2. 3. 2.
lang wie der Dübel
besonders berücksichtigt werden: gärten, war vom Einsatz und Interesse Lead und wurde Dritter im Boulder. Oliver Root AVS Brixen U14M 2.     3.
• Der Abstand zu Felskanten beträgt
­Befindet sich der Klettergarten in der Kursteilnehmer erfreut. „Der wich- Einzelsiege gingen weiters an L­ eonie Jonathan Pallhuber AVS Bruneck U16M     3.  
mindestens die Dübellänge
­einer sen­siblen Zone (z. B. Naturpark), tigste Zweck des Kurses ist die Aus­ Hofer (AVS Passeier) im Speed, die in Elisabeth Lardschneider AVS Gherdeina U18F     1.  
• Bei Klebehaken ist die Bedienungs­
gibt es eine Absprache mit dem bildung als Multiplikatoren vor Ort. Es der Gesamtwertung ausgezeichnete Johannes Egger AVS Bruneck U18M   1.   3.
anleitung des Klebers zu befolgen
Grund­besitzer, und handelt es sich braucht kompetente Ansprechpartner und die vollkommene Aushärtung zu Zweite wurde. Es siegten Johannes Jana Messner AVS Brixen U20F     1.  
um eine Sanierung oder Neuerschlie- in den Sektionen und Ortsstellen, überprüfen ­Egger (AVS Bruneck) im Boulder und Filip Schenk Fiamme Oro U20M   3. 1. 1.
ßung? wenn junge, motivierte Kletterer ein Elisabeth Lardschneider (AVS Meran) David Piccolruaz AVS Meran U20M     3. 2.

32 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 33


AVS aktuell

Beim Testen des Mirkofriends am Ende


der Route „McIntosh“. Ein mulmiges Gefühl
vor dem Sprung ins Seil: Hält der Friend?

In der Route „Fanta“ bewältigt man die


­erste Schlüsselstelle, die bestens abgesi-
chert ist. Danach kommt die zweite Stelle,
von der man einen langen Runout bis zum
Umlenker hat
Fotos: Matthias Dilitz

Friend, immer mit dem Hinter­ge­dan­


ken, dass mich ein Neun-Meter-Flug
erwartet, wenn er ausbrechen sollte.
Glücklicherweise saß er bombenfest.
Also ging’s an den Durchstieg und ich

Klettern im
konnte auch diese Route clean punkten.

Weather Report
Nummer zwei erledigt, blieb nur noch

Süden Südtirols
die dritte 7a übrig, „Weather Report“!
Die schwierigste der drei Routen, die
erste Hälfte mit zweifelhaften Siche-
rungen, dafür ab der Hälfte, wo sie
bis zum Umlenker immer steiler und Klettergarten Morderplottn

Morderplottn Trad
Foto: Benjamin Kofler
knackiger wird, besser absicherbar.
Ich kontrollierte wieder die Sicherun-
gen und machte eine Runde mit den Die südseitig gelegene Morder- Training und um ihre Kletterkids mit Nachmittag ratsam. Die Sonne
Expressen und legte zugleich die plottn hoch über Kurtatsch ist der Kletterei am Felsen vertraut zu am Felsen genießen auch Rep-
Drei knackige 7a-Routen im Trad-Stil ­Friends, um zu schauen, wo ich etwas ­einer der ersten Klettergärten ­machen. tilien jeder Art, so wurden
an den Bewegungen ändern müsse. ­Südtirols. Seit mehr als 30 Jahren vor allem im Frühjahr Sich-
Ich war voller Motivation, sodass ich wird dort geklettert. Die Sektion Sonnige Kalksteinwand tungen von Schlangen am
Eine Sportkletterroute clean – das glaube ich, mein Sicherungspartner ­direkt einen cleanen Versuch startete. Unterland und die lokalen Kletterer Es handelt sich um eine vorwiegend rechten Wandband gemeldet. Links
heißt ohne Verwendung der Bohr- nervöser als ich). Mit voller Konzentra- Jeder Zug saß perfekt, den Fokus im- halten ihr Kletterwandl bis heute senkrechte, leicht überhängende der Route „Fanta“ wurde eine neue
haken – begehen? Eine verrückte tion ging’s immer näher zum Umlenker. mer auf die nächsten Meter, bis nur vorbildlich in Stand. Wand in kompaktem Kalkgestein. Alle Route eingebohrt mit dem Schwierig-
Idee. AVS-Jugendführer Benjamin Der Druck verflog, sobald ich den letz- noch der letzte Zug übrig blieb. Wahn- Routen sind technisch sehr anspruchs- keitsgrad 6c.

D
Kofler ist im Klettergarten Morder- ten Henkel in der Hand hatte. sinn, die Morderplotten-Trad-Trilogie as Gebiet wird nicht nur von voll und befinden sich im mittleren Die Anfahrt erfolgt über Kurtatsch
plottn bei Kurtatsch drei tolle ist geschafft! Eine Idee, die entstand, Einheimischen besucht, son- bis hohen Schwierigkeitsbereich. Die und von dort Richtung Fennberg/
7a-Sportkletterrouten in Selbst­ McIntosh um meine mentale Stärke zu erweitern dern auch von ausländischen ­Kletterei ist abwechslungsreich und Graun. Das Verhältnis mit dem Grund-
absicherung geklettert. Nachdem ich wieder am Boden war, und zu testen. Keine klettertechnisch Kletterern als willkommener Zwischen- kraftraubend. Die Wand ist durch ihre besitzer war von jeher gut und damit
schweiften meine Gedanken aber schwierige, aber dafür eine mentale stopp beim Weg in südliche Kletter­ südliche Ausrichtung das ganze Jahr das auch so bleibt, beachten wir Klet-
Fanta schon zur nächsten Route. Gleich da- Herausforderung, die nun auf eine gefilde. Auch die Kletterteams aus über bekletterbar. An heißen Tagen ist terer die Parkvorschriften und hinter-
So war es auch im Sommer 2018, als neben befindet save:Morderplottn-Bozen-Unterland-Burggrafenamt
sich „McIntosh“. Klet- ­cleane Wiederholung wartet. dem Unterland nutzen die Wand; zum Klettern jedoch erst ab dem späten lassen den Wandfuß in geordnetem
die Idee aufkam, die Route „Fanta“ tertechnisch schwieriger und mit spär- Benjamin Kofler Zustand! Auf keinem Fall soll hinter
clean (nur mit mobilen Sicherungen) zu licheren Absicherungen, ich verwarf MORDERPLOTTN
der Schranke geparkt werden, da es
↗ Graun
klettern. Ich checkte die Sicherungen, die Idee aber wieder und erst heuer, sich um Privatbesitz handelt und damit
schaute, wo ich welche Friends und Anfang Juni, hängte ich mich rein und ↖ Fennberg die Zufahrt versperrt wird. Der offi­
Kehre n.4
Keile unterbringe. Nach ein paar Run- checkte dort die Sicherungen. Von der zielle Parkplatz befindet sich auf der
den auf der Route wagte ich den Vor- Mitte, oberhalb der schwierigen Stel- Straße von Kurtatsch nach Fennberg,

B
Nr g
We
.2
stieg, etwas nervös beim Einstieg star- len, bringt man nur zwei Mikro-­Friends wo es kurz nach der Kehre Nr. 4 Ein-
tete ich los, mit jedem Meter wurde ich unter. Bevor ich einen Durchstieg ver- buchtungen gibt. Auf der „alten
sicherer, voll fokussiert auf die Bewe- suchen konnte, musste ich s­ icher sein, ­Grauner Straße“, die nur für Anrainer
gungen. Die Schlüsselstelle ist gut dass ein Sturz am Ende der Route, für 1 Jahr
KURTATSCH befahrbar ist, geht es zu Fuß bis zur
­abgesichert, danach, nach der Hälfte wo sich die Schlüsselstelle befindet, Kostenloses Topo
↗ Tramin
XI. Kreuzwegstation bergauf und dann
der Route wird die Kletterei leichter, auch sicher genug ist. Ich platzierte Morderplottn nach links, wo die Wand bereits sicht-
jedoch hat man einen sehr langen den letzten Friend und machte einige code: Fanta bar ist.
Runout bis zur Kette. (Ab hier war, Stürze. Ich sprang einige Meter in den Ulla Walder

34 Bergeerleben 05/19 ↙ Neumarkt Bergeerleben 05/19 35


AVS aktuell

Es geht rund! in memoriam

Danke Albert
Klettersimulator mittels Kletterscheibe

Die Scheibe ist ein Klettersimula- der Projektarbeit der 5. Klasse einen
tor. Der geringe Platzbedarf, die ­neuen Schaltplan samt Programm
einfache Bedienung durch nur eine und Schaltung. In Erinnerung an Albert Ploner,
Person und die hohe Sicherheit, einem Vorbild an Gemeinschaftssinn
machen die Scheibe zu einer tollen Vielseitiger Klettersimulator
Alternative bei Veranstaltungen. Nun strahlt die Kletterscheibe wieder
und Lebensmut
in neuem Glanz und ermöglicht sowohl

V
or über 20 Jahren übergab einen rein manuell- als auch einen
­Reinhold Messner der AVS-­ ­programmgesteuerten Betrieb. Die
Sektion Meran eine automati- Geschwindigkeit, Drehrichtung und

E
sierte, drehbare Kletterscheibe. Die Neigung der Scheibe können beliebig ine große Menschenschar hat es Urkunden, Medaillen, Auszeichnun-
Sektion Meran hat sie der Landes­ verstellt werden. unlängst am Friedhof in Nieder- gen? Oder die Tausende Fotos und
geschäftsstelle zur Verfügung gestellt, Für den Transport der Kletterschei- dorf Abschied genommen. Dias, die unzähligen geordneten
die sich seither um die Instandhaltung be werden ein Laster mit Kran oder ­Abschied von unserem Ehrenmitglied Schriftstücke oder die konsequent
und den Verleih an die Sektionen und Hebebühne sowie ein Stapler benö- des Gesamtvereins und der Sektion ­geführten Tagebücher? Es ist wohl
Ortsstellen kümmert. tigt. Weitere Infos für den Verleih: Hochpustertal. mehr als das. Es sind die vielen Erinne-
Die Kletterscheibe ist als Prototyp sportklettern@alpenverein.it. Seit der Wiedergründung der Sek­ rungen an einen Menschen, der Ja
Foto: AVS-Archiv
in den 1990er-Jahren an der Universi- Ulla Walder tion im fernen Jahr 1957 war Albert sagte zum Leben und zu allem, was es
tät Potsdam vom Sportwissenschaftler stets treibende Kraft, in der Sektions- ihm brachte – der sich mit positiver
Dieter Lazic entwickelt worden. Unse- TECHNISCHE DATEN leitung wie auch in der Ortsstelle Kraft und Einstellung auch den Hürden auch noch an andere in ähnlichen
res Wissens gibt es nur zwei Exempla- Nieder­dorf/Prags, mit einem großen und Grenzen gestellt und diese mit­ Lebens­schicksalen abgeben konnte.
re, das zweite Modell ist in Deutsch- Grundfläche gesamt 2,25 x 3,50 m Herzen für die Jugend, aktiv im Wege- gestaltet hat. Albert konnte begeistern: am Berg,
land im Einsatz. Nachdem vor sechs Grundfläche ohne Räder 1,80 x 3,30 m bereich und bei der Hilfe am Berg. im Alpenverein, in der Bergrettung
Jahren die Schaltung kaputtging, Stellfläche 4,00 x 4,00 m ­Obwohl er die letzten 32 Jahre im Roll- Liebe zur Familie und zu den Bergen und in der Sportgruppe für Körper­
­entwickelten unter der Leitung von Fläche Kletterscheibe: Ø 2,80 m stuhl lebte, in den Gesprächen über Albert war viel auf Arbeit unterwegs behinderte.
Professor Heidegger der Technologi- Kletterscheibe die Berge und den Verein war er stets und in Vereinen engagiert. Und trotz- Viele tiefe Freundschaften durften
Benötigte Raumhöhe: min. 3,50 m in Probephase in der
schen Fachoberschule „Max Valier“ in Gewicht 350 kg TFO „Max Valier“ dabei. Was bleibt, sind die Erinnerun- dem lag sein großes Bemühen immer entstehen und bestehen. Albert war
Bozen zwei seiner Schüler im Rahmen Foto: Ulla Walder gen an seine Ausstrahlung, seinen darin, für die Familie zu sorgen. Gera- ein guter, ein offener, ein treuer Freund,
Lebens­mut und seine Begeisterungs- de durch seine Behinderung nach der ein ehrliches Interesse an und
fähigkeit für das Bergsteigen als dem Unfall bewahrte er seine Auto­ ­Respekt vor dem Tun anderer ­hatte.
Lebens­schule. nomie und Selbständigkeit, konnte Sein Tod macht uns traurig, sein ver-
Neuer Mitarbeiter in der Landesgeschäftsstelle – aber auch Hilfe annehmen und musste schmitztes Lachen, die Gespräche mit

Bereich Kultur
Was bleibt dies auch. ihm, er selbst werden uns sehr fehlen,
Dieses Bild kann kaum treffender Seine große Liebe zur Natur, zu den aber wir wollen ihn nun gehen lassen
nachgezeichnet werden als durch die Bergen und zu seinem Alpenverein und wünschen ihm von Herzen, dass er
Ich bin Stephan Illmer und komme ehren­amtlich im Verein mitzuarbeiten – bewegenden Worte seiner Tochter hat ihm für jede Lebenssituation Kraft seinen Rollstuhl und die Leiden der
aus dem Burggrafenamt. Nach der zunächst im Referat Natur und Um- Carmen, aus deren Gedenkrede wir gespendet und ihn wohl auch viel letzten Zeit weit über Bord werfen und
­Matura am Realgymnasium Meran welt, anschließend im Kulturreferat, ­einiges zitieren. Weisheit gelehrt. Hängend in der Klet- seinem Schöpfer auf eigenen Beinen
habe ich in Innsbruck Philosophie und ­zuletzt auch im Bergrettungsdienst. terwand in jungen Jahren, wandernd entgegenlaufen kann.“
Kulturwissenschaften studiert und Seit Mai bin ich nun in der Ge- „Als das Leben unseres Vaters am in Bergschuhen oder auf Tourenskiern,
mehrere Jahre dies- und jenseits schäftsstelle für die Berg-Kultur zu- Dienstagmorgen zu Ende ging, brach muss er so viele tiefe, bereichernde Persönlich tut es mir leid, dass er unse-
des Brenners im Hochschulwesen ständig und darf s­ omit auch beruflich gerade ein neuer, wolkenloser Tag an Momente erlebt haben, dass sie ihm re Feier zum 150-jährigen Jubi­läum in
und im Bereich Umweltbildung die eine Passion (für das Alpine) mit und mir war es, als würde Albert sich für das Leben im Rollstuhl Kraft und Toblach nicht mehr miterleben konnte.
­gearbeitet. der anderen (für das Kulturelle) ver­ aufmachen zum Sonnenaufgang auf Lebensmut gegeben haben. Er war mir ein guter Freund und Rat­
Zum Bergsteigen bin ich durch die binden. den Dürrenstein. Hier und heute geber seit meinen Anfängen in der
„Zugvögel“ Lana gekommen und drängt sich die Frage auf: Was bleibt Ein treuer Freund Sektion und uns allen im Alpenverein
­daher bald auch Alpenvereinsmitglied von diesem langen, erfüllten Leben Der Sport bereicherte auch mit Beein- Südtirol.
geworden. Noch während meiner mit seinen vielen Höhen und Tiefen? trächtigung sein Leben und gab ihm Danke Albert.
Studien­zeit habe ich angefangen, Sind es die vielen Lebensjahre? Sind so viel, dass er von seiner Motivation Gislar Sulzenbacher

36 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 37


AVS aktuell

Die Schlern-
SCHLERNBÖDELE­HÜTTE
(1.693 M)

bödelehütte
Hüttenwirtin
Verena Wolf
Öffnungszeiten
von Mitte Mai bis ­Anfang Oktober
Kontakt
Hüttenserie: AVS-Hütten Tel. Hütte: +39 0471 705345;
0471 1885169
info@schlernboedelehuette.it
www.schlernboedelehuette.com
Schlafplätze
20 im Matratzenlager, 2 im Winterraum
Die Schlernbödelehütte befindet den westlichen Dolomiten unterneh- Anreise mit Bus und Bahn:
sich in einer kleinen Waldlichtung men. Der Normalzustieg führt in 1,5 mit der Bahn oder Linienbus nach
unter den Ostabstürzen des Stunden von Bad Ratzes (1.200 m) ­Bozen oder Brixen, dann mit Linienbus
Schlern. Durch ihre reizvolle Lage oberhalb von Seis auf die Schlernbö- nach Seis
im Naturpark Schlern-Rosengarten delehütte. Etwas länger, aber gemüt­ Hüttenzustieg
etwas abseits vom Trubel der Seiser licher, weil weniger steil, läuft es sich Normalzustieg von Bad Ratzes
Alm wird sie bei Genusswanderern direkt von Kompatsch (1.842 m) auf der ­oberhalb Seis in ca. 1,5 h
als Wanderziel sehr geschätzt. Seiser Alm. Empfehlenswert ist auch Tourenmöglichkeiten
der Geologensteig über die Prossliner Schlern (Petz, 2.568 m), Burgstall

D
(2.516 m), Roterdspitze (2.655 m)
ie nahen Dolomitenwände der Schwaige. Die Abfolge der lokalen Ge-
Nachbarhütten
Burgstallwand, der Santner- steinsschichten wird hier entlang des
Schlernhaus (2.450 m),
spitze, des Mumelterkopfs Frötschbaches in zehn Stationen erläu-
­Tierser Alpl (2.440 m),
oder des Schattenkofels machen sie zu tert, selbst säulenförmige Basalte und
Grasleiten­hütte (2.134 m)
einem idealen Ausgangspunkt für Kissenlaven lassen sich hier bestaunen.
Klettereien. Die Besteigung des
Schlerns selbst ist über den Normal- Ersatz für das Schlernhaus
weg oder, etwas anspruchsvoller, über Für die Sektion Bozen war der politi- Hochplateau des Südtiroler Symbol- ­ unächst war lediglich eine Selbstver-
Z Kinderfreundliches Ausflugsziel auf Familien mit Kindern ausgerichtet
den Gamssteig möglich. Vom Schlern- sche Verlust ihres Schlernhauses nach berges wurde nicht nur wegen der sorgerhütte geplant, aufgrund der ho- mit feiner Küche und die umgebende Natur wird schnell
plateau aus lassen sich wiederum Wan- dem Ersten Weltkrieg ein herber Rück- grandiosen Aussicht in einmaliger hen Besucheranzahl wurde die Hütte Die Schlernbödelehütte nimmt an zum spannenden Erlebnisraum.
derungen zu weiteren Schutzhütten in schlag. Die stolze Unterkunft auf dem Lage geschätzt und bewundert, sie allerdings bereits im Folgejahr bewirt- den beiden Alpenvereins-Initiativen Martin Niedrist
war auch Zeichen der Bozner Ver- schaftet. Die offizielle Einweihung der „So schmecken die Berge“ und
einsstärke. Als sich nach der Neugrün- „Johann-Santner-Hütte am Schlern­ „Mit Kindern auf Hütten“ teil. Für die
dung des Alpenvereins Südtirol im bödele“ erfolgte schließlich 1961. Im Zubereitung der typischen Südtiroler
Jahre 1946 abzeichnete, dass mit einer Laufe der Zeit wurden eine Material- Gerichte werden vorrangig Lebens­ Die Schlernbödelehütte mit seiner Umge-
bung ist ein hervorragendes Wanderziel für
Rückführung des Schlernhauses nicht seilbahn errichtet und weitere bauliche mittel aus der Umgebung verwendet, Familien mit Kindern
zu rechnen sei, wurde am sogenannten Anpassungen durchgeführt. was die regionale Wirtschaft fördert
Die Hüttenwirte Verena Wolf (2. v. l.) und
Schlernbödele unter den Schlern­ Im April des Jahres 1984 zerstörte und die natürlichen Ressourcen Erich ­Federspieler
wänden der Bau einer Schutzhütte ein gewaltiger Lawinenabgang die schont. Die Bewirtschaftung ist auch Fotos: Thomas Rötting

ange­regt. Hier bestand bereits eine Schlernbödelehütte, an eine Sanie-


kleine Schwaige, die in jener Zeit Berg- rung war nicht mehr zu denken. Die
steigern als Kletterstützpunkt diente, Wiedererrichtung erfolgte gemeinsam
übernachtet wurde damals noch mit der Sektion Schlern rund 80 Meter
im Heulager. Im Jahr 1958 konnten vom alten Standort entfernt. In kürzes-
die ersten Bauarbeiten beginnen. ter Zeit schafften es die ambitionierten
Sektionen Bozen und Schlern, den et-
was größeren Holzblockbau zu reali­
sieren. Die Holzbauelemente wurden
Unter den Felswänden des Schlern:
die Schlernbödele­hütte im Tal zusammengestellt, wieder zer-
Foto: Theo Daum legt und per Helikopter zum Bauplatz
transportiert. Die Einweihung der
Für Touren auf das Schlern­plateau eignet
sich die Hütte wunderbar als Stützpunkt ­neuen Hütte fand am 15. Juni 1986 mit
Foto: Martin Niedrist einer großen Feier statt.

38 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 39


Gipfelgespräche

Die AVS-Rieserfernerhütte ist sowohl vom


Antholzer wie vom Tauferer Tal aus ein
­lohnendes Wanderziel mit zahlreichen
­Gipfelmöglichkeiten zu den Dreitausendern
der Rieserfernergruppe

40 Jahre Hüttenwirt unter der Fahne des


Alpenvereins Südtirol
Fotos: Gottfried Leitgeb

Einzig mein damals bereits 80-jähriger


Vater traute es mir zu: „Du schaffst
das schon!“, sagte er. Und ich packte
an. Den Mut hab’ ich wohl in den
­Genen: Mein Ururgroßvater ­Josef
­Leitgeb war bei den Tiroler Freiheits-
kämpfern und wurde von den Franzo-
sen erschossen.

War der Anfang schwierig?


Der Anfang war nicht leicht, es gab
Saisonen mit schlechtem Wetter, wo
ich knapp an den roten Zahlen vor-
beischlitterte, aber der Idealismus ver-

„Ich bin mit Leib und Seele


siegte nie. Seitdem bin ich im Sommer
mit Leib und Seele Hüttenwirt, im
­Winter bin ich im Seilbahnwesen tätig.
Ich ­hatte auch das ganz große Glück,

Hüttenwirt!“ eine Frau zu finden, die mein Leben als


Hüttenwirt teilt; Christl hat mir immer
den Rücken gestärkt. Wenn die Familie
nicht mitmacht, geht es nicht, auch
Gottfried Leitgeb, 40 Jahre Hüttenwirt der AVS-Rieserfernerhütte meine Brüder halfen mir viel vom Tal
aus.
Am 25. Juni 1985 überlebte ich ei-
Der Antholzer Gottfried Leitgeb ter abgerissen wurde. Der Hüttenbau nierten italienische Alpini Geschütze dass das Verteidigungsministerium nen Lawinenabgang, als ich nach Neu- Wie wird die Hütte energie­
ist seit 40 Jahren Hüttenwirt der der Rieserfernerhütte auf nahezu 2.800 und Mörsergeschosse, Plattformen da- als damaliger Besitzer möglicher­ schnee ins Tal absteigen wollte. Zum technisch versorgt?
AVS-Rieserfernerhütte (2.798 m). Metern war sehr schwierig, sämtliches von sind heute noch vorhanden. We- weise erneut die Hütte besetzen Glück konnte ich mich selbst aus der Früher gab es ein Stromaggregat, das
Bereits beim Hüttenbau wirkte Material musste mit der Bahn von Ant- gen der militärstrategischen Wichtig- ­könnte. Lawine befreien und wieder zur Hütte benutzen wir nur mehr im Notfall. Die
der heute 62-Jährige mit und hat holz aus hinauftransportiert werden, keit übertrug man nach dem Zweiten hinaufsteigen. Erst dort, als der Schock elektrische Energie gewinnen wir aus
dementsprechend viel zu erzählen. Hubschraubereinsatz gab es damals Weltkrieg die Hütte nicht dem CAI, Und wie wurdest du Hüttenwirt? nachließ, bemerkte ich die Blutungen, Windkraft und aus einer 60 m² großen
noch nicht und Sturm und Schnee be- sondern behielt sie als Verteidigungs- Der Auslöser war ein Ereignis am die auf innere Verletzungen deuteten. Fotovoltaikanlage. Wir sind energie-
Wie entstand die Rieserferner­ hinderten immer wieder den Baufort- stützpunkt in Grenznähe. Mit zehn 9. September 1978, als meine Schwes- Bei Sturmwind fuhr man mich mit der technisch vollkommen autark. Nur die
hütte? schritt. Vom AVS aus war ich gewisser- ­Jahren war ich das erste Mal auf der ter Maria bei einer Bergtour am Materialseilbahn ins Tal hinab, von Materialseilbahn wird mit Strom aus
Im Gebiet der Rieserfernergruppe maßen zur Bauaufsicht und als Koch Fürther Hütte und auf dem Mager- ­Sassongher tödlich abstürzte. Ich wo man mich gleich ins Krankenhaus dem Tal versorgt. Da immer wieder
war ich schon im Alter von sechs für die Arbeiter engagiert. 1980 wurde stein. Die Gaststube war damals arg selbst war bis dahin begeisterter Berg- brachte. Einmal zog ich mir nachts Blitzeinschläge einen Stromausfall ver-
­Jahren als Hüterbub beschäftigt, die die Hütte eingeweiht. beschädigt, das Holz vom Dachstuhl steiger, war am besagten Tag an der bei einem Bergrettungseinsatz eine ursachen, musst du stets 100 Kerzen
Berge waren somit mein sommerliches wurde verheizt, somit drang Wasser Gelben Kante in den Zinnen unter- Sprunggelenksverletzung zu und für das Licht zur Verfügung haben, und
„Wohnzimmer“. Später, als Mechaniker, Warum hat man nicht einfach die und Schnee ein und die Hütte wurde wegs. Der Unfall aber bewog mich musste dann in diesem Zustand die ein Holzofen gibt im Notfall Wärme.
arbeitete ich hauptsächlich im Bau von alte Fürther Hütte renoviert? zusehends unbewohnbar. umzu­denken. Ich wollte in den Bergen Hütte führen, das war eine „harte Als Hüttenwirt reicht es nicht aus, nur
Materialseilbahnen. So war ich auch Die Fürther Hütte wurde nach dem Aus alpinistischer Sicht war der sein, aber mit weniger Risiko. Da bot G’schicht“. Ein anderes Mal stürzte ich Gastronom zu sein, du musst auch
1975 beim Aufstellen der Materialseil- Ersten Weltkrieg vom Militär besetzt Standort nach wie vor interessant, und sich für mich die Führung der Hütte im Nahbereich der Hütte in eisigem ­einiges von Technik verstehen.
bahn für den Bau der Rieserferner­ und galt als militärstrategischer Punkt so entschied der AVS, neben der regel­recht an. Allerdings war ich mit Gelände ab. Wenn du solche Sachen
hütte dabei. Während des Baus der zur Verteidigung der Landesgrenze, Fürther Hütte einen neuen alpinen 23 Jahren noch recht jung und hatte überlebst, gewinnst du an Erfahrung Hat sich in den 40 Jahren der
AVS-Schutzhütte logierten wir neben- konkret des Gebietes um den Staller Stützpunkt namens Rieserfernerhütte keine Erfahrung in der Gastronomie. und wirst bescheidener und dankbarer ­Anspruch der Gäste verändert?
an in der ehemaligen Fürther Hütte, Sattel. In der Zeit zwischen dem Ersten zu bauen. Die Fürther Hütte renovie- Man prophezeite mir, dass ich nicht für jeden neuen Tag. Du brauchst ein- Ja, natürlich. Ich bin heute ein Hütten-
die zur Ruine verkommen war und spä- und dem Zweiten Weltkrieg positio- ren wollte man nicht, da man fürchtete, ­imstande wäre, die Hütte zu führen. fach ganz viel Glück im Leben! wirt mit Laptop und Lederhose. Das

40 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 41


Gipfelgespräche

Wie hat sich im Hüttenbereich Der Fallschirm eines amerikanischen Piloten,


1943 über dem Antholzer Tal ab­gestürzt,
der Gletscher in den 40 Jahren ­gehört neben eisenzeitlichen Schneegamaschen
­verändert? zu Gottfrieds b
­ edeutendsten Gletscherfunden
Bereits seit den 1980er-Jahren ist der Fotos: Südtiroler Archäologiemuseum

Gletscherrückgang zu beobachten.
Durch die Auftauung des Permafrostes
bekommen wir Probleme durch Muren,
Geröllabgang und Felsstürze, der Hüt-
tenzustieg musste bereits umgeleitet
bzw. anders angelegt werden. Durch
Schutzbauten können wir vorbeugend
wirken, auszuschalten ist das Szenario
aber nicht mehr. Das hat mit der glo-
balen Erwärmung zu tun und wird sich
noch verstärken. Auch das Trinkwasser
wird ein Thema. Winter mit mehr
Schnee sagen gar nichts aus, im All­
gemeinen wird es schlimmer werden.
Ich beobachte auch, dass die Vegeta­
tion immer höher steigt. Früher gab
es im Hüttenbereich nur den Glet-
scherhahnenfuß und das stengellose
Leimkraut, jetzt wachsen schon Pri-
meln. Es ist unumstritten, dass der
Mensch einen Teil der Schuld am
Klima­wandel trägt. Die Bevölkerung ergab, dass die Teile dem Flugzeug­ Tag arbeiten zu müssen. Ja, ich möch-
„Die Entwicklung, dass auf Schutz­ nimmt immer mehr zu und immer mehr kapitän gehörten, der den Absturz te mich schon etwas mehr zur Ruhe
hütten quasi Hotelstandard verlangt fossile Brennstoffe werden verbraucht. überlebte. Der damalige Luftangriff ­setzen und schauen, dass die jungen
wird, gibt mir zu denken. Ich wünsche
mir, dass der Mensch wieder mehr Da nützt kein Schönreden. durch die deutsche Wehrmacht war Leute weitermachen.
­zurück zur Bescheidenheit gelangt.“ über Innsbruck, die amerikanische Sehr gut passt mir das einjährige
Gottfried Leitgeb
Du hast in Hüttennähe auch wert- ­Maschine bog Richtung Italien ab und Pachtsystem im gegenseitigen Einver-
volle Funde gemacht … zerschellte bei der Ochsenalm. Die ständnis mit dem AVS, das ist für beide
heißt, dass ich die moderne Technik Du bist auch in der Bergrettung 15 bis 20 zu verzeichnen, Helfer-­vor-­ Mein Steckenpferd ist die Heimat­ Fundstücke waren diesen Sommer bei Parteien gut überschaubar. Anfangs
begrüße, aber Traditionen und Bräu- ­tätig … Ort-­Einsätze bis zu 80 im Jahr. Die kunde und so bin ich mit der Ge­schich­ einer Sonder­ausstellung im Naturpark- gab es lange Pachtverträge, das war
che bewahre. Bei mir gibt es in der Der Unfall meiner Schwester war auch ­Arbeit beim BRD ist für mich bis heute te des Tales verbunden, vor allem, was haus in Sand in Taufers zu sehen. belastend.
Gastronomie keinen Schnickschnack, Motivation, mich voll in die Bergret- Lebens­inhalt. die Ur- und Frühgeschichte betrifft. Weiter hoffe ich immer noch, dass
sondern traditionelle Küche aus tung BRD einzubringen. Am 2. Novem- So ist es naheliegend, dass mein For- ich durch den Gletscherrückgang Was machst du in deiner Freizeit
­regionalen, gesunden Lebensmitteln. ber 1979 wurde die BRD-Sektion Ant- Ihr wart auch sonst beim BRD recht scherauge stets wach ist. Der Rück- ein besonderes Tier entdecke, und im Tal?
Heute verwechseln manche Gäste eine holz im Alpenverein unter der Leitung innovativ unterwegs … gang des Gletschers bewirkte, dass ich sei es auch nur ein winziges, seltenes Ich bin bei den Pustertaler Mineralien-
Schutzhütte mit einem Hotel, aber das von Sepp Bachmann gegründet, ich Die relativ vielen Unfälle im Gebiet um im September 1991 im Bereich der Insekt. sammlern, mich interessiert aber mehr
ist auf 2.800 Metern gar nicht möglich war dessen Stellvertreter, wir waren die den Hochgall brachten mich auf die Schützhütte Stoffreste entdeckte, die Sehenswert in der Nähe der Schutz- die Geologie und weniger die Steine
und auch nicht gewollt. Die Entwick- treibenden Kräfte. Nach ein paar Jah- Idee, eine Notrufsäule mit Funksystem dann als 3.000 Jahre alte Beinkleider hütte sind auch die fantastischen an sich. Vor allem bin ich leidenschaft-
lung, dass auf Hütten quasi Hotel­ ren übernahm dann ich für 24 Jahre die im Bereich Riepscharte aufzustellen. bestimmt wurden. Sie sind h ­ eute im ­Eishöhlen, die sich immer wieder neu licher Sportschütze mit dem Luftge-
standard verlangt wird, gibt mir zu Leitung. Später entwickelte sich das Es war ein großes Problem, die Finanz- Archäologiemuseum in ­Bozen neben bilden und vergehen, es sind wandel- wehr, nehme auch an Landesmeister-
denken, genauso wie die überborden- First-Responder-System im BRD als mittel für diese Säule aufzutreiben dem Ötzi zu sehen. bare Naturdenkmäler. schaften teil und bin im Ausschuss bei
de Bürokratie. Ich wünsche mir, dass Helfer vor Ort für Rasen und Antholz, und ich musste sogar Bürge machen, Ein weiterer interessanter Fund war den Sportschützen von Antholz. Ich
man wieder mehr zurück zur Beschei- was sich sehr gut bewährt. Bergret- um Gelder für diese Investition für 2008, als ich in der Nähe der Hütte Wie lange wirst du noch die Hütte kann da total in mich gehen, noch
denheit gelangt. tungseinsätze haben wir im Schnitt den BRD zu erhalten. Die Notrufsäule ­Teile eines Fallschirms fand. Sie stam- führen? mehr, als beim Lesen. Ich vertiefe mich
diente zur Alarmierung von Unfällen, men von einer Boing B-17 Flying Von meiner Passion her denke ich, liebend gern in Bücher über Geschich-
Handys gab es ja noch nicht. Wir Fortress, einem schweren Bomber der noch einige Jahre weiterzumachen, te und Archäologie. Wenn ich noch
„Du kannst dich in den Bergen in vielerlei ­waren mit dem System revolutionäre US-Luftstreitkräfte, der in der Gegend ­solang ich es gesundheitlich schaffe. einmal zur Welt komme, werde ich Ar-
Vorreiter, doch es war auch umstritten, der Mittertaler Ochsenalm in Antholz Meine Tochter Iris und ihr Freund chäologe oder Geschichtslehrer, aber
­Hinsicht entfalten. Der Horizont weitet sich.“ ob es das überhaupt brauche. Als am 19. Dezember 1943 abgestürzt war. ­zeigen Interesse, die Hütte weiterzu- nicht mehr Bergsteiger. Meine bisher
dann allerdings die Handys aufkamen, Dabei war auch ein Erste-Hilfe-Set mit führen. So stelle ich mir vor, künftig schönsten Zeiten jedoch hab’ ich am
Gottfried Leitgeb erübrigte sich die Notrufsäule und wir Morphium­spritze und unberührtes die Logistik der Hütte zu übernehmen Berg erlebt.
bauten sie ab. Verbandsmaterial. Meine Recherche und nicht mehr 16 bis 18 Stunden am Ingrid Beikircher

42 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 43


Gipfelgespräche

In jungen Jahren mit Schwester Gerlind


am Dürrenstein …

… oder am Piz Boè


Fotos: Archiv G. Sulzenbacher

sich. Die Gratwanderung liegt in der


Abwägung der Positionierung, in der
richtigen Balance.

Welche Meilensteine wurden in


deiner Zeit umgesetzt?
Gleich zu Beginn wurde ich mit der
ersten Ausgabe der Vereinszeitschrift
„AVS-Mitteilungen“ konfrontiert und
im Herbst 1984 fand dann das große
Symposium von DAV, ÖAV und AVS
in Brixen statt, wo das Sportklettern Ein weiterer Meilenstein war das Tätig­keit im Alpenverein, zumal ich
als alpine Spielform anerkannt wurde. Leitbildprojekt 2001, das notwendig gleichzeitig auch Zweiter Vorsitzender
Dieser Schritt war wichtig, um eine wurde, um der wachsenden Struktur unserer Sektion Hochpustertal bin.
Plattform für ehrenamtlich Engagierte entsprechend mehr strukturelle Klar-
zu bilden, was sich in der Folge ja heit im Verein zu verschaffen. Auch Du hast bisher unter drei ehren-
auch bestätigte, und letztendlich um diesem Projekt folgte eine Satzungs- amtlichen Präsidenten gearbeitet.
der zwischenzeitlichen Entwicklung änderung, wie es deren viele gab; u. a. Wie war die Zeit mit ihnen?

Viele Meilensteine mitgesetzt


im ­Bereich Sportklettern Rechnung beim großen Strukturwandel 1996, als Grundsätzlich gilt: Alle drei waren für
zu ­tragen. alle Sektionen rechtlich eigenständig den Verein Glücksgriffe an Motivation,
Das größte Projekt und am arbeits­ wurden, bis letzthin mit der Anpassung Einsatz und Werteverständnis. Gerd
intensivsten war das Südtirol-Wege­ zur aktuellen Reform des Dritten Sek- Mayer (1971 – 1990) präsentierte den
projekt. Die Idee dazu entstand be- tors auf nationaler Ebene. Verein sehr gut und hatte Führungs-
Gislar Sulzenbacher, Wie hat sich die Arbeit in den im Jahr 1989 fand ein deutlicher Wan- reits 1999, doch bedurfte es geraumer Bei den Serviceleistungen für unse- qualitäten. Ich empfinde die ersten
­Jahren entwickelt? del statt. Mit der räumlichen Erweite- Zeit, bis die Finanzierung des über re Sektionen sind die zentrale Mitglie- Jahre unter ihm als eine sehr wertvolle
seit 35 Jahren der Anfangs waren wir zu zweit: Lydia rung wurde die erste Landesnotruf­ 4 Millionen Euro umfassenden Bud- derverwaltung und die Einführung des Zeit. Damals vertrat man u. a. die Mei-
­Generalist im AVS Lantschner war zuständig für das zentrale – heute 112 – im Sitz des AVS gets gesichert war. Die Digitalisierung zentralen Beitraginkassosytems zu nung, dass der Vorsitzende Akade­
Jugend­referat und ich für die restliche untergebracht und im Sommer wäh- und Strukturierung sämtlicher Wander- nennen – kaum vorstellbar, dass vor miker sein sollte; unter vorgehal­tener
Der gebürtige Welsberger mit Verwaltungstätigkeit. Die Rahmen­ rend der Heli-Flugzeiten durch die wege in Südtirol war irgendwo auch nicht einmal 20 Jahren die Mitglieds- Hand war das noch Thema bei der
Wohnsitz in Brixen ist Geschäfts- bedingungen waren natürlich anders, Berg­rettung dauerhaft besetzt. Durch „mein Kind“, für das ich mich mit beiträge vom Kassier noch persönlich Nachfolge von Luis Vonmetz, der in
führer im Alpenverein Südtirol. damals mit gut 25.000 Mitgliedern. die Zunahme der Mitglieder verstärkte ­besonderem Engagement einsetzte. eingesammelt wurden. ­Sachen Alpinerfahrung und Einsatz
Wie kein anderer kennt er die Ver- In wirtschaftlicher Hinsicht z. B. betrug sich der verwaltungstechnische Auf- Viele der verwaltungstechnischen ­geradezu prädestiniert dazu, beruflich
änderungen des Vereins und das Budget umgerechnet wand, ebenso kamen neue Referate Maßnahmen sind durch Erfahrungs- jedoch „nur“ Kaufmann war. Luis
­erlebte das Kommen und Gehen 110.000 Euro, wovon 80 Prozent durch hinzu, sodass es immer mehr Personal werte und im Meinungsaustausch mit (1990 – 2009) war dann charakterlich
vieler Ehren- und Hauptamtlicher. Mitgliedsbeiträge gedeckt wurden. erforderte. Und so wurde ich mit der dem ÖAV, DAV oder SAC entstanden. ganz anders, hatte einen unglaubli-
Heute zählen wir 19 Hauptamtliche, Rolle des Geschäftsführers betraut, Womit ich sagen will, dass auf Ge- chen Elan und viel Charisma. Als
Wie kamst du zu diesem Job? 70.000 Mitglieder, ein Budget von die neue operative und strategische schäftsführerebene ein sehr enger Jugend­führer hatte ich mit ihm als Lan-
Bereits seit 1980 war ich als Jugend- 4 Millionen Euro, wobei die Mitglieds- Herausforderungen mit sich brachte. Austausch mit diesen Vereinen erfolgt desjugendführer bereits einen guten
führer in der Sektion Hochpustertal, beiträge noch immer mit 70 Prozent und wodurch ich sehr viele positive Austausch. Georg Simeoni (seit 2009)
Ortsstelle Welsberg/Taisten, tätig und zu Buche schlagen. Inwiefern veränderte sich die Erfahrungs­werte mitnehmen durfte, ist der ausgleichende Typ. Auch sein
besuchte im Jahr darauf den Touren- ­operative Umsetzung? die allgemein die Tätigkeit im Alpen- Wissen als Techniker ist sehr wertvoll,
leiterkurs. Nach der Matura interes­ Auch der Vereinssitz vergrößerte Die Zeit ist schnelllebiger geworden, verein bereichern. zumal ich bis vor drei Jahren den
sierte mich ein Job im Verwaltungs­ sich. die Kommunikation hat sich intensi- Seit gut drei Jahren sind wir mit der Hütten­bereich noch selbst operativ
bereich. Als ich hörte, dass der AVS Einen Teil der vom Staat für die enteig- viert. Viele Sachen lassen sich heute Landesgeschäftsstelle in den neuen, bearbeitete und mit ihm als Hütten­
einen Sekretär suchte, bewarb ich neten Schutzhütten ausbezahlten Ent- durch E-Mail und Internet wesentlicher vereinseigenen Sitz in die Giottostraße referent stets eng und gut konnte.
mich, ­erhielt den Zuschlag und so schädigungsgelder verwendete der leichter abwickeln. Die mediale Wahr- umgezogen. Und nicht zuletzt war die Gewandelt hat sich zwischenzeitlich
­arbeite ich praktisch seit 1984, meinem AVS 1970 für den Kauf eines Vereins­ nehmung bedingt zudem, dass der 150-Jahr-Jubiläumsfeier in Toblach ein das Werteverständnis gegenüber ei-
22. Lebens­jahr, in der AVS-Landes­ sitzes am Sernesiplatz in Bozen. Mit Verein mehr in Szene gesetzt wird, das persönlicher Höhepunkt meiner haupt­ nem hauptamtlichen Mitarbeiter. Früher
geschäftsstelle. dem Umzug in den Vintlerdurchgang bringt mehr Herausforderungen mit amtlichen wie auch ehrenamtlichen lag die Leitungsfunktion ausschließlich

44 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 45


Gipfelgespräche

fast größer ist als früher. Dies allein nen Spielformen gesucht, wobei mir
schon aufgrund der gesellschaftlichen Ski- und Eistouren mehr zusagten
Rolle des Vereins. Nach wie vor sind als das Klettern im Fels. Ein einschnei-
der Gemeinschaftsfaktor, das Thema dendes Erlebnis war 1986 ein Sturz im
Berg und der Ausgleich zur beruflichen unteren Bereich der Ortler-Nordwand.
Tätigkeit wesentliche Motivations­ Es brauchte einige Zeit, diesen Unfall
gründe. Verändert hat sich die Form: mental zu verarbeiten und körperlich
Wo früher das „Stammtischdenken“ zu heilen: ein verletztes Knie, ein Wir-
im Vordergrund stand, wird man Mit- belbruch und mehrere äußere Verlet-
sprache und Partizipation intensiver zungen. Eine Zeit lang war der Berg für
einfordern müssen. Rechte und Pflich- mich zum Alptraum geworden.
ten bedarf es klar zu definieren, damit
der Einsatz entsprechend richtig er- Wobei kannst du ausspannen?
kannt und wahrgenommen wird. Ich Nach wie vor bin ich gern am Berg
denke mir oft, dass ein Wertekatalog unter­wegs, egal ob mit dem Verein,
für einen Verein genauso wichtig ist mit Familie, mit Freunden oder, nicht
wie eine Satzung. Und wie diese Wer- ungern, allein. Wobei ich sagen muss:
Seit 35 Jahren im Dienste der mittlerweile
70.000 Mitglieder tediskussion geführt und Meinungs­ Wenn ich die ganze Woche mit dem
Foto: Miriam Federspiel bildungs­prozesse gestaltet werden, Thema Berg konfrontiert bin, benötige
davon hängt meiner Meinung nach die ich zwischendurch auch Abstand dazu.
In der AVS-Landesgeschäftsstelle im
­Gespräch mit Vizepräsidentin und Berge­ Entwicklung des Vereins ab. Das kann auch bei der Arbeit im
erleben-Chefredakteurin Ingrid Beikircher ­Garten sein, wo man die Kraft der
Foto: Theo Daum Wie war dein persönlicher Zugang ­Natur tagtäglich spürt, im Frühling am
zu den Bergen? Wachsen, im Herbst am Vergehen,
Als Bub war ich viel mit meinem Onkel beim Beobachten von Blumen und
in den Bergen unterwegs. Er nahm ­Insekten.
bei den Ehrenamtlichen, während heu- mich mit zu Wanderungen und
te die Vielfalt und die Intensität der Bergtouren. Bereits früh interessierte Gibt es für dich einen Sinnspruch?
Aufgaben eine große Herausforde- es mich, meine Heimat zu erleben, „Wir haben die Erde nicht von unseren
rung im Führungsverständnis zwischen ­genauso wie der Schutz von Natur und Vorfahren geerbt, wir haben sie von
Ehren- und Hauptamt bildet. Umwelt. Das sind seit meiner Kindheit unseren Kindern geliehen“, sagte Sit-
und von elterlicher Seite geprägte ting Bull, ein Lakota-Indianer. Diese
Was bedeuten deine 35 Jahre im Werte. Mit 16 – 17 Jahren kam dann der Botschaft ist alles andere als abgedro-
selben Betrieb: Treue zum Verein Alpenverein und mit dem Heranwach- schen und 130 Jahre nach seiner Zeit
oder Traumjob? sen steigerten sich sukzessive die alpi- aktueller denn je. Im Grunde wäre es
Ich meine, dass die Grundlage jeder nistischen Interessen zu Touren in Fels einfach: weniger Konsum und mehr
Zusammenarbeit, egal ob kurz oder und Eis. Ich war nie ein Spitzenalpinist, Zeit – für alle Dinge des Lebens.
lang, die gegenseitige Wertschätzung habe jedoch den Bezug zu allen alpi- Ingrid Beikircher
und das vereinbaren gemeinsamer
­Ziele ist. Klarerweise gibt es auch un-
terschiedliche Meinungen und manch-
mal Unstimmigkeiten, dann geht es
aber um sachliche Argumente und um
den Blick auf das große Ganze. Meine
Tätigkeit war immer geprägt von inter-
essanten Herausforderungen, aber
auch das Tagesgeschäft ist nicht
mono­ton, was sicher durch die Vielfalt
und Bandbreite im Verein und meinen
Arbeitsbereich bedingt ist.

Wie siehst du die Zukunft für


den AVS?
Ich bin fest davon überzeugt, dass die
Motivation von Menschen, sich für den
AVS ehrenamtlich einzubringen, heute

46 Bergeerleben 05/19
Gipfelgespräche

Ein Schritt
zum Berghimmel
Erwin Steiner erzählt über Filme
und Bergführerwesen

Erwin Steiner und Terence Hill bei den


dass solche Serien von der Südtiroler um dann die Führungstour reibungs- ­Dreharbeiten zu „Un passo dal cielo“
Filmförderung so stark unterstützt los abwickeln zu können. Das soll
­werden, weil sie von unserer Region, Grohmanns Leistung nicht schmälern. Erwin als Double für Terence Hill
Fotos: Archiv Erwin Steiner
inklusive Kultur und Tradi­tion, so gut Denn er hatte schließlich die Idee
wie gar nichts wiedergeben bzw. sogar dazu  – und darum geht es bei ganz
Erwin Steiner aus Prags ist seit derum holte Reinhold Messner mit ins ein falsches Bild erzeugen. Es sollten vielem in der Welt, was zu neuen
30 Jahren Bergführer und seit über Boot, was primär nicht geplant war vielmehr Filme gefördert werden, die ­Wegen führt. Die alpinistische Leistung
10 Jahren Ausbildner im Berg­ und was auch das Budget um ein Viel- eine gewisse Authentizität zum Land spreche ich den Begleitern zu, die Idee -­ führens. Und es geht um Empathie,
führerwesen. Sein Fachwissen trug faches steigerte. Zudem erweiterte und seinen Leuten haben. Die Eigen- jedoch Grohmann, der das Projekt sich in seinen Gast am Seil einfühlen zu
auch zum Entstehen einiger Filme sich das Thema: Es geht jetzt im Film dynamik, die der Film durch die sozia- überhaupt ini­tiierte bzw. ermöglichte. können, in dessen Ängste, Selbstwert-
bei. um die Klassiker an der Großen Zinne len Netzwerke erhielt, war natürlich gefühle und Freuden.
wie um Grohmanns Normalweg, um nicht voraussehbar. Der Pragser Wild- Aus diesem Begleitertum entstand

Z
um 150-jährigen Jubiläum der die Dülfer-, die Comici- und die Hasse-­ see hat heute das Siebenfache an das Bergführerwesen. Wie siehst Wie siehst du die Zukunft für das
Erstbesteigung der Großen Brandler-Führe. Eine tolle Szene ist Wie war die Zusammenarbeit mit Google-­Zugriffen im Vergleich zu du als Ausbildner den heutigen Bergführerwesen?
­Zinne durch Paul Grohmann auch, wo Grohman in eine heiße Dis- Reinhold Messner? ­Gröden, Seiser Alm, Drei Zinnen. Ich Bergführernachwuchs? Bei uns ist das Kerngeschäft immer
­wurde am 21. August der Film „Die kussion mit den Bergführern gerät und Reinhold ist eine einzigartige Persön- sehe den Film für das Pragser Tal heu- Während in anderen Alpenländern der noch das klassische Bergführen in den
Große Zinne“ von Reinhold Messner ihnen die Notwendigkeit des Alpen- lichkeit mit einer unglaublichen Ener- te eher kontraproduktiv als förderlich, Nachwuchs an jungen Bergführern Dolomiten oder auf den Gletschern
und Markus Frings uraufgeführt. Die vereins erklärt. gie. Ich habe ihn oft auch ein wenig auch wenn ein enormer Bekanntheits- deutlich rückläufig ist, verzeichnen wir und ich denke, das wird auch in Zu-
Idee zum Film aber hatte Erwin Steiner. „sanfter“ erlebt, als er manchmal nach grad generiert wurde. Das Tal wird in Südtirol seit Jahren einen großen kunft so sein. Das Spektrum der Mög-
Was war dein Part beim Film? außen wirkt. Erstaunt hat mich seine seitdem von Tagestouristen förmlich Zulauf. Weiters ist positiv, dass es wirk- lichkeiten hat sich aber enorm erwei-
Erwin, wie kam es zum Film? Ich war in hohem Maße in die Organi- Aussage im Zuge von Gesprächen, überschwemmt. Die Geister, die man lich ganz tolle Typen sind, sei es tert, wenn wir an Trekkingreisen oder
Schon vor einiger Zeit trat man seitens sation involviert, für Sicherungsarbei- dass der Spitzenalpinismus gegenüber rief, hätte man aus heutiger Sicht nie menschlich wie athletisch. Als Aus­ an die Touren an den Bergen der Welt
des Tourismusvereins an mich heran ten im Fels und logistische Sachen den Ange­hörigen der Akteure auf- wecken sollen. bildender ist es eine wahre Freude, denken. Wie sich das entwickeln wird,
zwecks Ideenfindung für Aktionen zum wie Hubschrauberflüge. Es freut mich grund des Risikos, das er beinhaltet, solche angehende kompetente Berg- ist derzeit nicht abzusehen. Wenn wir
150-jährigen Jubiläum der Erstbestei- sehr, dass die jungen, starken Süd­ eigentlich nicht zumutbar sei. Wie schätzt du die alpinistische führer bei uns zu haben. den Klimawandel betrachten, kann es
gung der Großen Zinne. Mit Paul tiroler Kletterer wie Manfred Stuffer, Leistung von Paul Grohmann ein, auch sein, dass gerade Flugreisen
Grohmann befasse ich mich ja schon Alex Waldboth, Martin Dejori, Didi Du selbst hast bereits Terence Hill vor 150 Jahren diesen Weg durch die Was macht einen guten Bergführer ­untrendy werden, da die Leute sich ja
seit Längerem, und nachdem bereits Niederbrunner, Marc Oberlechner gedoubelt … Große Zinne gefunden zu haben? aus? auch hier verwirklichen können. Es ist
zwei Bücher über ihn erschienen sind, ­sowie weitere Bergführer als Darsteller Ja, im Film „Un passo al cielo“ doubel- Meiner Meinung nach ging es Groh- In der Ausbildung verlangen wir ein bei uns unwahrscheinlich schön, wir
lancierte ich die Idee, einen Film über mitmachen konnten. Die Rollen von te ich ihn teilweise. Im privaten Leben mann weniger um die Erstbesteigung, gewisses technisches Niveau als Basis, haben alles von Kletter-, über Berg- bis
ihn zu machen. Dabei wollte ich haupt- Grohmann und Dülfer übernahm ist Terence Hill alias Mario Girotti ein vielmehr war es seine unbändige um darauf aufbauend, den Job gut zu Eis- und Skitouren in allen Schwie-
sächlich die Persönlichkeit Grohmanns Messners Sohn Simon, der Schau­ ganz herzlicher, feinfühliger und tief­ ­Neugier, die ihn in die Berge lockte. machen zu können. Spitzenleistungen rigkeitsgraden. Wenn es um das reine
und weniger den Alpinisten beleuchtet spieler Anton Algrang verkörperte religiöser Mensch. Für den Film suchte Die Leistung ist ganz viel den Beglei- selbst werden im Job sehr selten Bergsteigen geht, brauchen wir nir-
wissen. Meine Idee kam sofort gut an, Paul Grohmann. Das Tolle am Film ist, ich auch Drehorte aus. Über das tern zusprechen. Ich wage sogar zu ­gebraucht. Es geht vielmehr um die gends hinzufliegen. Wir haben in Süd-
und zur Erstellung des Filmes enga- dass 90 Prozent an den Originalschau- Ergeb­nis des Films bin ich geteilter ­behaupten, dass diese möglicherweise Auswogenheit in allen technischen tirol alles anzubieten.
gierte man Markus Frings. Dieser wie- plätzen gedreht wurde. Meinung. Ich finde es auch nicht gut, schon vorher die Tour gegangen sind, Disziplinen des Bergsteigens und Ingrid Beikircher

48 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 49


Gipfelgespräche

„Wir sollten alle in Panik Mittlerweile selten, aber umso wertvoller:


die extensive Bewirtung von Bergwiesen
fördert die Artenvielfalt
Kultur­pflanzen sorgen. Das ist eine der
vielen sogenannten Ökosystemleistun-
nennen, die an Feuchtlebensräume
wie Moore und Feuchtwiesen oder an

­verfallen!“
Foto: Thomas Wilhalm/Naturmuseum
gen, die die Natur für uns kostenlos Trockenstandorte gebunden sind. Die-
Die Planierung und Intensivierung von ­erbringt. Wenn wir wie in China die se Lebensräume werden auch heute
Bergwiesen – hier auf über 2.000 m Apfelbäume von Hand bestäuben noch stark bedrängt – obwohl sie ge-
Meeres­höhe – kann fatale Folgen für die
Biodiversität haben müssten, weil die Insekten fehlen, wäre setzlichen Schutz genießen. Oder z. B.
Die Bedrohung der Artenvielfalt durch den Menschen Foto: Archiv Dachverband für Natur- und Umweltschutz unser Produkt nicht mehr konkurrenz-
fähig. Eine weitere wichtige Leistung
der Natur ist die Erholungsfunktion.
Feuchtlebensraum in alpiner Landschaft,
„Das weltweite Artensterben ist das Thema Artenvielfalt von Berufs über Arten urteilen, ob es sie braucht Unser Tourismusland Südtirol lebt vom das Zuhause besonders sensibler Arten
für den Menschen bedrohlicher als ­wegen. Wir haben uns mit ihnen über oder nicht, denn wir wissen noch sehr Maßnahmen gegen den Artenverlust Bild einer weitgehend intakten Natur. Foto: Stephan Illmer

der Klimawandel.“ Der Bericht die Folgen des Rückgangs der Arten- wenig über die Zusammenhänge und und damit auch gegen den Klima­
des Welt-Biodiversitätsrats sorgte vielfalt in Südtirol unterhalten. die langfristigen Folgen. wandel bedeuten vor allem einen dras- Wo liegt das Problem, wenn es ein
Anfang Mai dieses Jahres für ein tischen Einschnitt beim Konsum – und paar Insektenarten weniger gibt?
großes Medienecho. Was bedeutet Biodiversität? In den Medien werden Sie mit dem das ist unbequem. David: Ich finde den Vergleich mit
Thomas: Biodiversität bedeutet: Alles Satz „Wir sollten alle in Panik ver- dem Geschicklichkeitsspiel „Jenga“

Ü
ber 400 Wissenschaftler hatten was lebt, in seiner Vielfalt. Damit meint fallen“ zitiert. Was genau ist damit Warum ist eine hohe Artenvielfalt treffend, wo einige Bausteine zu einem
Tausende Studien ausgewertet man vordergründig die Artenvielfalt, gemeint? wichtig? Turm gestapelt werden: Die Spieler
und kamen zum Schluss: Von aber genauso wichtig ist die geneti- David: Ich meine damit, dass es im David: Der Bericht des Weltbiodiversi- nehmen immer wieder einen Baustein
weltweit geschätzten acht Millionen sche Vielfalt innerhalb einer Art. Je va- Moment kein wichtigeres Problem gibt tätsrats bringt es auf den Punkt: Wir heraus, das kann lange gut gehen, bis
Arten ist eine Million vom Aussterben riabler die genetische Ausstattung ist, als das Artensterben und den Klima- sägen am Ast, auf dem wir sitzen. Der es irgendwann den falschen Baustein
bedroht. Die Hauptursachen dafür sind desto besser sind die Chancen, sich an wandel. Um dieser Entwicklung entge- Artenverlust ist nicht nur ein Umwelt- erwischt und der Turm umfällt. Die
Landnutzungsänderungen, die Über­ veränderte Umweltbedingungen an­ genzusteuern, braucht es im Großen problem, sondern auch ein wirtschaft- kaskaden­förmige Auslöschung von
fischung der Weltmeere, der Klima- zupassen. Biodiversität ist ein Ergebnis die politischen Leitlinien, aber auch liches und soziales, die Folgen können ­Arten kann man sich so vorstellen.
wandel und die Umweltverschmut- von Millionen von Jahren Evolution. den kleinen individuellen Beitrag. sogar mit Geld beziffert werden. Wir
zung. Dafür verantwortlich ist der Es ist wie in einer Dorfgemeinschaft: ­Jeder Einzelne sollte nicht in eine Art verbrauchen zu viele Ressourcen, Welche Arten sind in Südtirol
Mensch und er setzt damit seine eige- Jeder hat seine Funktion, das System Schockstarre fallen, sondern selbst ­heizen durch unseren Lebensstil den ­besonders bedroht?
ne Existenz aufs Spiel. ist aufeinander abgestimmt und es ­Akzente setzen, das eigene Konsum- Klimawandel an. Folgen sind häufiger Petra: Zunächst fallen die Spezialisten
David Gruber, Direktor des Natur- funk­tio­niert, solange die Schlüssel­ verhalten überdenken, andere für das auftretende Naturkatastrophen, Flücht- und sensiblen Arten weg, die an einen
museums Südtirol, und die Kuratoren stellen besetzt sind. Fallen diese aber Thema sensibilisieren, im eigenen Ein- lingswellen, aber auch wirtschaftliche bestimmten Lebensraum gebunden
für Zoologie bzw. Botanik, Petra Krane- plötzlich weg, entsteht ein Problem. flussbereich für mehr Artenvielfalt Einbußen z. B. durch den Verlust von sind oder eine spezielle Lebensweise
bitter und Thomas Wilhalm, verfolgen Wir Menschen sollten deshalb nicht ­sorgen. Das Problem ist: Effiziente Arten, die für die Bestäubung der haben. Als Beispiel kann man Arten

50 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 51


Gipfelgespräche

Wie kann man das Bewusstsein für


diese Veränderungen schärfen?
Petra: Das ist schwierig und eine Her-
ausforderung. Wir verlieren zuneh-
mend das Bewusstsein dafür, wie eine
bunte Blumenwiese aussieht – die Kin-
der wachsen heute mit anderen Bil-
dern auf. Ein sattes Grün begeistert.
David: Als Museum haben wir die Auf-
gabe zu sensibilisieren, die Menschen
zum genauer Hinschauen zu bringen
und zu erklären, dass die vermeintlich
schöne grüne Wiese manchmal leider
eine grüne Wüste ist. Der Alpenverein
kann mithelfen, den Bezug zur Natur
Die Rauchschwalbe zählt aufgrund der
Intensi­vierung der Landwirtschaft zu den zu vermitteln und Interesse zu wecken.
Verlierern. Es fehlen Insekten als Futter Durch die verschiedenen Apps für
und Lehm für den Nestbau
Smartphones wird es für Laien immer
Foto: Klaus Bliem
einfacher, Tier- und Pflanzenarten im
Schmetterlinge reagieren empfindlich auf Gelände zu bestimmen. Sich mit den
Umweltveränderungen, weil ihre Raupen
oft ganz bestimmte Futterpflanzen brauchen
eigenen Beobachtungen – z. B. über
Foto: Zenzi Martin
die App „iNaturalist“ – an einem gro-
ßen Monitoringprojekt beteiligen zu
können, ist ein großer gesellschaftli-
Schmetterlinge. Die Raupen brauchen das Nahrungsangebot in den Winter- s­ ondern auch das Berggebiet, der cher Wert. Wissenschaftler und inter-
oft ganz bestimmte Futterpflanzen, quartieren nimmt ab, weil der Mensch Waldgrenzbereich. Oder die Berg­ essierte Bürger aus der ganzen Welt
fehlen diese, kann sich der Falter nicht die Lebensräume verändert. wiese auf 1.800 Metern Meereshöhe, tauschen sich bei „iNaturalist“ über
entwickeln. In Südtirol gelten 40 Pro- Petra: Man sieht weniger das Ster- die sich in der Artenzusammensetzung Beobachtungen zur Artenvielfalt aus, über Projekten zu äußern, die die werden. Alle reden vom Schutz des
zent der Tierarten und 30 Prozent der ben selbst, sondern die Abnahme der kaum mehr von der Talwiese unter- man spricht von Bürgerwissenschaften Natur im Allgemeinen und die Arten- ­alpinen Raums als letzte Zuflucht groß-
Pflanzenarten als bedroht. Übrig blei- Artenzahlen und das Schwinden der scheidet. Durch die Rodung und Ur- (citizen science). vielfalt im engeren Sinne bedrohen. teils unberührter Biodiversität, aber
ben häufig Arten, die geringe Ansprü- Population. Weniger Individuen be- barmachung des Waldgrenzbereichs in Thomas: Die Fridays-for-Future-­ wenn es drauf ankommt, sind weitere
che an ihre Umwelt h­ aben, wie z. B. die deutet eine geringere genetische Viel- den letzten 1.000 Jahren hat der Was kann der Alpenverein für die Bewegung formuliert es klar: Wir Erschließungen für kurzfristige Gewin-
für uns Menschen lästigen Mücken. falt und damit eine weitere Schwä- Mensch die Biodiversität gefördert: Bewahrung der Artenvielfalt tun? ­wissen genug und haben genug gere- ne – wie beim Beispiel Glasturm am
chung. Bei der Feldarbeit suche ich oft Die Wiesenarten, die es zwar immer Petra: Die wichtigste Rolle und Ver­ det, jetzt müssen nachhaltige und fun- Rosengarten – anscheinend wichtiger
Wo und wie sieht man den gezielt nach Arten, die in einem be- schon gab, die aber auf natürliche antwortung hat der Alpenverein dahin- damental anders gerichtete Entschei­ als jedes Bekenntnis zur Nachhaltig-
­Biodiversitätsrückgang? stimmten Lebensraum vorkommen waldfreie Rasenstandorte wie Lawinen- gehend, sich weiterhin kritisch gegen- dungen folgen, die unbequem sein keit. Eine Forderung an die Politik
Thomas: Man sieht das schon beim Au- müssten, aber oft vergebens. Das Feh- rinnen beschränkt blieben, konnten muss daher sein, Eingriffe in der alpi-
tofahren – es kleben kaum noch Insek- len lässt Rückschlüsse auf den ökolo­ sich ausbreiten, in die neu geschaffe- nen Stufe nur mehr dann zu ermög­
ten an der Windschutzscheibe. Bei den gischen Zustand des Lebensraumes nen offenen Flächen zusammen mit lichen, wenn es um wahrlich Existen-
Vögeln stellt man fest: Bodenbrüter schließen. In Wiesen, die früh und im- anderen Pflanzenarten einwandern zielles wie die Trinkwasserversorgung
sind praktisch verschwunden, in den mer wieder gemäht werden und wo und dadurch auch vielen Insektenarten oder den Zivilschutz geht – sonst
Obstwiesen fehlen Arten wie der Wen- das Gras sofort in Siloballen verpackt Lebensraum bieten. Durch die Er- ­verkommen alle Reden zum Schutz der
dehals und viele Finkenvögel. Dafür wird, finde ich manchmal sogar keine schließungen in den letzten Jahrzehn- Artenvielfalt zu einer Farce.
nimmt die Zahl der Amseln und einzige Heuschrecke mehr. Das habe ten hat sich dieser Prozess häufig ins David: Wir müssen uns bewusst
Singdrosseln stark zu. Sie profitieren; ich letztes Jahr ein paar Mal erfahren, Gegenteil verkehrt: Die Intensivierung sein: Es gibt keinen Plan(eten) B!
dem gegenüber stehen aber mindes- das erschreckt mich. Es gibt auch in durch Düngung verringert die Arten- Judith Egger
tens sechs bis sieben Arten, die auf- Südtirol Gebiete, die völlig ausge- vielfalt, der Bau von Skipisten, Stau­
grund der Intensivierung der Landwirt- räumt und sogenannte ökologische anlagen, touristischen Infrastrukturen
schaft zu den Verlierern zählen. Ein Wüsten sind. oder der Straßenbau im Gebirge Es ist eine der wichtigsten Aufgaben des
anderes Beispiel ist die Rauchschwalbe: ­haben massive Auswirkungen. Die Ein­ Alpenvereins: Der Einsatz für den Erhalt
der alpinen Lebensräume
Früher brütete sie in jedem Stall, heute Welche Lebensräume sind in den ebnung, Meliorierung und Einsaat
Foto: Sigrid Leiter
ist ihr Bestand stark zurückgegangen. Alpen am meisten bedroht? von Flächen mit überwiegend
Es fehlen Insekten als Futter, es gibt Thomas: Es sind dies nicht nur die nicht-heimischem Saatgut führt dazu, Der Weg- und Straßenbau hat oft weit­
kaum mehr Lehm für den Nestbau. Auf Lebens­räume in der Talsohle, die dass sich die Arten- und v. a. die natür- reichende Folgen: zuerst die Erschließung,
dann die Intensivierung der landwirtschaft-
ihrer Zugroute gehen Rastplätze verlo- durch Zersiedelung und Intensivierung liche genetische Zusammensetzung lichen und touristischen Nutzung
ren, Zugvögel werden gefangen oder der Landwirtschaft bedroht sind, verändert. Foto: Zenzi Martin

52 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 53


Natur & Umwelt

Gemeinsam
Mit der Kampagne #unserealpen setzen sich DAV, ÖAV und AVS für den Erhalt und
den Schutz der Alpen ein. Sie wollen der breiten Öffentlichkeit zeigen, wie wertvoll,
aber auch bedroht dieser Natur- und Kulturraum ist. Dabei sind alle gefragt.
In den Sozialen Medien haben die drei Alpenvereine alle Bergfreunde dazu auf­gerufen,
ihr schönstes Bergfoto unter dem Hashtag #unserealpen zu
posten, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen.
Die Bilanz: Über 5.000 Bilder sind eingegangen, ein Großteil
davon ist in dieses Mosaik eingeflossen. Diese großartige
­Beteiligung zeigt, wie brisant dieses politische Thema ist.
Unsere Botschaft lautet: Die Alpen sind schön. Noch.
Denn sie sind bedroht. Es lohnt sich dafür zu kämpfen!
Natur & Umwelt

Ehrenamtliche bei der Biotoppflegeaktion


des Referats Natur & Umwelt am
Kalterer See
Foto: Franziska Zemmer

gebiete, Almen), damit zusammen­

Was unsere
hängend die Einflussnahme auf die
Umweltgesetzgebung und Stellung-
nahmen zum Bau neuer touristischer

Funktionäre ­bewegt
Infrastrukturen.
Die Folgen des Massentourismus
sind für die Funktionäre erkennbar, sie
möchten, dass der AVS wo möglich ent-
gegensteuert und sich entsprechend
Umfrageergebnisse verträglichen Bergsport erhält ebenso einsetzt. Der Schutz des UNESCO-­
große Zustimmung. Welterbes Dolomiten u. a. durch Besu-
aus dem Referat cherlenkung und eine Reduktion des
Natur & Umwelt Projekte Verkehrs auf den Passstraßen ist mehr
Das Referat setzte und setzt eine als 86 Prozent der Befragten ein An­
Das Referat Natur & Umwelt hat die ­Reihe von Projekten um. Den größten liegen. Auch die Frage, ob der AVS

Grohmanns Goldenes 1869


Funktionäre in den Sektionen und Bekanntheitsgrad hat das Projekt weiterhin auch gerichtliche Schritte
Ortsstellen zu Themen aus den Bergsteigerdörfer der Alpenvereine gegen Projekte mit erheblichen Um-
Tätig­keits­bereichen Naturschutz, (> 92 %), mehr als die Hälfte der weltauswirkungen führen soll, beant-
Umweltbildung und Öffentlich- Antworten­den kennt das Projekt wortete die große Mehrheit (> 78 %)
keitsarbeit befragt. Die wichtigsten Müll.Berge mit der Ausstellung der Befragten mit Ja.
Landro in den späten 1860er-Jahren.
Ergebnisse sind im Folgenden Neobiota. Der Bekanntheitsgrad von Besonders erfreulich ist, dass Natur- Drei Dolomitgipfel die er sich als Mitbegründer des Von hier brachen Grohmann, Salcher,
zusammen­gefasst und dienen als „Freiheit mit Rücksicht“, des Folders und Umweltthemen in der Jugend- Öster­reichischen Alpenvereins zu sei- ­Innerkofler am 20. August 1869 zur
Orientierung für die Mehrjahres- „Wandern im Bärengebiet“ und der und Familienarbeit einen hohen Stel-
werden erstbestiegen: nem „Arbeitsgebiet“ auserkoren hat-
­Erstbesteigung der Großen Zinne auf

planung. Initia­tive „So schmecken die Berge“ lenwert haben. Müllsammeln und ­Dreischusterspitze, te. Die Gegend war nach dem Erschei-
Foto: Alois Kofler - Privatarchiv

auf den Alpenvereinshütten soll noch Müllvermeidung sind durchwegs The- Langkofel, Große Zinne nen von Reisebeschreibungen und

W
o wollen wir hin und welche durch weitere Kommunikationsmaß- ma, man versucht zu sensibilisieren des Buches „The Dolomite Mountains“
Themen aus unseren Tätig- nahmen gesteigert werden. und die Begeisterung für die Natur zu (1864) von Josiah Gilbert & George
keitsbereichen sind beson- wecken. Vom Referat wünschen sich Im Sommer 1869 gelang Paul Groh- C. Churchill zwar nicht mehr völlig un- „der alte Steinmetz“, wie ihn Grohmann
ders wichtig? Diese Fragen bewogen Naturschutz die Ehrenamtlichen vor allem prakti- mann mit den einheimischen Berg- bekannt, alpinistisch jedoch gänzlich nennt, hatte aber noch „bedenklich
den Referatsausschuss dazu, bei der Eine weitere Kernaufgabe des Referats sche Initiativen zum Mitmachen und führern Peter Salcher (aus Maria unerschlossen. Die Schwierigkeiten, sein erfahrenes Haupt“ geschüttelt.
Basis nachzufragen. Das erfreuliche ist der Naturschutz. Die Funktionäre die Einbindung und Sensibilisierung Luggau) und Franz Innerkofler (aus die Grohmann zu bewältigen hatte, Ein Jahr später machte schlechtes
­Ergebnis der Umfrage ist: Das AVS-­ wünschen sich besonderes Engage- der Jugend. Sexten) die Erstbesteigung dreier waren demzufolge beträchtlich: Es Wetter alle Versuche einer Besteigung
Grundsatzprogramm „Für Natur und ment in Fragen der Erschließung (Ski- Judith Egger prominenter Dolomitgipfel: der fehlte an zuverlässigen geografischen zunichte. Am 17. Juli 1869 wollte man
Umwelt“, das als Fundament der Dreischusterspitze, des Langkofels Karten, an ausgebildeten und gelän- es dann aber wissen. Als Begleiter
Natur­schutzarbeit grundlegende Leit- Zu welchen der folgenden Themen soll sich der AVS positionieren? und der Großen Zinne. Die Bestei- dekundigen Führern, an Schutzhütten konnte der junge Wiener den Gailtaler
linien und Handlungsfelder festlegt, ist (max. 5 Antworten) gungen waren ein bergsteigeri- und Unterkünften. In hingebungsvoller Jäger Peter Salcher – ihn hatte er bei
mehr als der Hälfte der Funktionäre 36,4 % Verkehr auf den Passstraßen sches Husarenstück, am Ende aber und leidenschaftlicher Arbeit ver­ der Besteigung der Kellerwand kennen
bekannt, weitere 38 Prozent kennen es 62,3 % Skigebietserweiterungen und Neuerschließungen weit über den Alpinismus hinaus mochte Grohmann all diese Hindernis- und schätzen gelernt – und den Sext-
zumindest teilweise. Die wichtigsten 47,7 % Bau von neuen Almzufahrtswegen von Bedeutung. se zu überwinden und innerhalb weni- ner Franz Innerkofler gewinnen. Erst-
Informationsquellen zu den Um- 25,2 % Einsatz von Pestiziden ger Jahre die Marmolata (1862), den besteigungen wurden gewöhnlich als
weltthemen des Alpenvereins sind das Grohmanns „Arbeitsgebiet“: Sorapis (1864), die Tofanen (1864/65), Zweitagestouren durchgeführt. Man
13,2 % Neue Wasserkraftwerke
Vereinsmagazin Bergeerleben und der Die Dolomiten den Monte Cristallo (1865) und viel- biwakierte auf einer gewissen Höhe,
23,2 % Windkraftanlagen
Jahresbericht, gefolgt von Webseite, „König der Dolomiten“, „liebenswür­ leicht auch den Antelao (1863) zum um am nächsten Tag früh aufzubre-
43 % Umweltgesetzgebung
Newsletter und Informationen aus der diger Nestor der Alpinistik“, „Bahnbre- ­ersten Mal zu besteigen. chen und am Gipfel genügend Zeit für
Tagespresse. 19,2 % Intensive Landwirtschaft cher der Touristik in den Dolomiten“ Messungen und Aufzeichnungen zur
Aus dem Teilbereich der Umwelt­ 27,8 % Luftverschmutzung wurde Paul Grohmann bereits von Zeit- Die Besteigung der Dreischuster- Verfügung zu haben. Im Fels beweg-
bildung werden die Schwerpunkte 19,2 % Transit genossen anerkennend genannt. Der spitze ten sich die Führer mit Socken (!),
Müll(vermeidung), Informationen zu 21,2 % Bär und Wolf Wiener Bürgersohn war 23 Jahre alt Die Ersteigung der Dreischusterspitze Grohmann mit den im Comelico und
Wildtieren, Pflanzen und praktischer 41,1 % Neue touristische Infrastrukturen und hatte bereits alpinistische Erfah- hatte der junge Wiener bereits 1867 Friaul gebräuchlichen „Scarpetti“,
Naturschutz als besonders wichtig 27,8 % Flächenverbrauch rung gesammelt, als er im Jahr 1862 ins Auge gefasst: Der damals fraglos ­einer Art leichter, für den Fels adap-
­erachtet. Der Einsatz für einen umwelt- zum ersten Mal in die Dolomiten kam, beste Kenner der Sextner Bergwelt, tierter Pantoffeln. Um 3.45 Uhr war die

56 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 57


Kultur & Chronik

hinauf“, gibt Grohmann die allgemein Mit dem Wiener Börsenkrach 1873
vorherrschende Meinung wieder. Er- ­verlor Grohmann den größten Teil
neut legte er das Unternehmen auf ­seines Vermögens; auf kostspielige
zwei Tage an (20./21. August), erneut Reisen und Expeditionen in die Dolo-
begleiteten ihn seine „beiden Unzer- miten musste er fortan fast gänzlich
trennlichen“. Salcher, Innerkofler und verzichten.
Grohmann übernachteten bei italieni- Grohmanns erschließerisches Wir-
schen Sennern auf der Alm Rinbianco. ken in den Dolomiten kann nicht
Nahezu spielerisch, ohne auf größere hoch genug eingeschätzt werden.
Schwierigkeiten zu treffen, ging dem Er bestieg Berge, verfasste über sei-
Trio auch diese Erstbesteigung von ne Exkursionen ausführliche Berich-
der Hand: „Ich kann wirklich nichts Be- te für Alpin- und Fremdenzeitungen,
merkenswerthes von unserer Kletterei fertigte eine eigene Karte der „Dolo-
berichten“, bilanziert Grohmann be- mit-Alpen“ an, veröffentlichte sein be-
friedigt. Genugtuung und Freude rühmtes Werk „Wanderungen in den
­waren freilich auch diesmal groß, als Dolomiten“ (1877), hielt Vorträge und
die Kletterer bemerkten, dass Senner warb mit seiner Kompetenz und Be-
und Wanderer im Tal sie am Gipfel geisterung bei Freunden und Bekann-
­voller Staunen und Bewunderung ten. Gewissermaßen ein Influencer
wahrnahmen. ante litteram. Mit seiner „Arbeit“ trug
Grohmann (1868), ein Jahr vor der Erst­
besteigung der Großen Zinne er daher ganz wesentlich zur Bekannt-
Foto: Alois Kofler - Mitteilungen der Akad. Sektion Wien 1900 Grohmann, das Jahr 1869 und die heit der östlichen Dolomiten und da-
Folgen mit gewiss auch zum touristischen und
Die Drei Zinnen um 1890; Grohmann, Salcher
und Innerkofler erreichten den Gipfel der Im Sommer 1869 war dem 31-jährigen wirtschaftlichen Aufschwung der ge-
Großen Zinne am 21. August 1869. Grohmann Großes gelungen, er hat samten Region bei.
Foto: DAV-Archiv zweifelsfrei Alpingeschichte geschrie- Wolfgang Strobl
ben. Unerklärlicherweise scheint mit
diesem Jahr aber auch sein alpinisti-
scher Ehrgeiz und Schwung zu erlö-
Der dritte Streich: Die Große Zinne schen, obwohl noch einige markante
Auf der Dreischusterspitze war in Dolomitenspitzen auf ihren Erstbestei-
Grohmann der Entschluss gereift, ger warteten. Es scheint fast so, als ob
möglichst bald auch die Große Zinne er mit seinem Goldenen Jahr das
Die Langkofelgruppe 1897; im August 1869
gelang Grohmann und seinen Begleitern Der zweite Streich: Der Langkofel ren sein Heberbarometer zerbrochen zu besteigen. Der Berg galt als uner- Szepter aus der Hand geben und einer
die Besteigung des 3.181 Meter hohen Bereits im Herbst 1867 hatte sich hatte, galt es noch das Eintreffen eines steigbar: „Auf die höchste, mittlere neuen, alpinistisch um einiges versier-
Langkofels
­Grohmann im Grödner Tal aufgehal- neuen Gerätes aus Wien abzuwarten. Zinne, da komme wohl nur ein Vogel teren Generation Platz machen wollte.
Foto: DAV-Archiv/Eugen Albrecht
ten, um die Möglichkeit einer Erstei- Am 12. August konnten die drei Berg-
gung der markanten Bergspitze aus­ steiger endlich das „Unternehmen
zuloten. Zeitungsberichten zufolge war Langkofel“ starten, wobei sich diese
der Pionier bereit, dafür die stattliche Erstbesteigung nun aber mühsamer
Seilschaft aufgebrochen, um 8.45 Uhr Summe von 500–600 Gulden auszuge- und gefahrvoller gestaltete. Der Fels
war der Gipfel erreicht. Das Seil benö- ben. Ende Juli 1869 hatte Grohmann war gefroren, es galt daher Stufen zu
tigte man allein für den Transport von von Santo Siorpaes, einem bergkundi- schlagen, mehrmals Couloirs und stei-
Proviant und Heberbarometer. Bis gen und stets gut informierten Führer le Eisrinnen zu überwinden sowie sich
12.30 Uhr hielten sich die Erstbesteiger aus Ampezzo, erfahren, dass ein deut- vor gefährlichem Steinschlag in Acht Paul Grohmann.
dann am Gipfel auf: Grohmann nahm scher Alpinist mit einem einheimischen zu nehmen. Nach vierstündiger Klet- Erschließer der ­Dolomiten
Messungen und Aufzeichnungen vor, Führer – es handelte sich um den terei erreichte das Trio den Gipfel – und ­Mitbegründer des

BUCHTIPP!
Innerkofler und Salcher hissten eine Münchner Heinrich Waitzenbauer und „meine Leute jubeln, umarmen mich Alpen­vereins
Fahne, bauten das obligatorische um den Suldner Hans Pinggera – zum und danken mir, ich weiß nicht wofür“, Wolfgang Strobl (Hrsg.)
Steinmandl und meißelten zur dauer- am Ende nahezu erfolgreichen Sturm erinnert sich Grohmann in seinem Be-
Bozen 2014
haften Erinnerung eine Inschrift in den auf den Gipfel angesetzt hatte. Dies richt. An diesem Tag sollte im Grödner
Toblacher Ortsgeschichte
Fels. Eine scheinbar unersteigbare stachelte den ehrgeizigen Grohmann Tal auch manch anderer jubeln: Auf
Spitze war gefallen, der Dreischuster- in besonderer Weise an, er wollte den ­Erfolg und Misserfolg dieses Unter- Bd. 1
spitze ihre Jungfräulichkeit genom- beiden Konkurrenten den Gipfel nicht nehmens waren zahlreiche Wetten Athesia Verlag
men – um eine beliebte Metapher der ohne Weiteres überlassen. Weil Peter ­abgeschlossen worden. ISBN 978-88-6839-037-2
damaligen Zeit zu gebrauchen. Salcher durch unsachgemäßes Hantie-

58 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 59


Kultur & Chronik

Uneinigkeit und andere


Irrtümer
Gleich zwei mehrnamige Gipfel auf einem
Südtiroler Bergnamen Gipfel Saurüssel (mda. Sauriasl), auf- nämlich der Hirzer (2.781 m), heran­ Blick: Ganz rechts im Bild der Deutschroi grafen aus Böhmen verhörten sich weggebaggert, dort steht nun ein
grund der Gipfelform, die dem Wühl- gezogen werden. Der höchste Gipfel (von den Tschengelsern Sauriasl genannt); ­gehörig und trugen den Gånnenspitz Speicherbecken für die Produktion von
links die Laaser Spitz, (auch Orgelspitz
Der Sozial- und Kulturanthropologe und Riechorgan der Schweine ähnelt. der Sarntaler Alpen ist wohl vom oder Årgler genannt) zu allem Überfluss als Golmenspitz in „technischem“ Schnee.
Johannes Ortner stellt ausgewählte Die Laaser kennen ihrerseits einen ­Sarntal aus benannt worden. In Peter Foto: Wikimedia Commons/ Whgler den Franziszeischen Kataster ein!
Südtiroler Bergnamen vor. Saurüssel, meinen damit aber die klei- Anichs Atlas Tyrolensis findet sich Madrutt- oder Ursulawand
Sarner Scharte und Villanderer Berg
ne der Deutschroi vorgelagerte Erhe- noch der Prenner Spiz, das ist der Spitz Auf der Schian – Großer Hund Mehrere Namen hat auch die Symbol-

O
Foto: Wikimedia Commons/Mario Penner
ft genug bilden Gebirgskäm- bung (2.724 m). Die Kartografie gibt bis oberhalb des Bergweilers Prenn in Rittner Almhirten „auf der Schian“ ist wand des Bozner Unterlandes, nämlich
me die Grenze zwischen zwei dato den Laasern recht. Obertall (Schenna). Der Reschensee mit Endkopf (auch Jåggl heute noch die Bezeichnung Großer die Madruttwand. Dieser Name leitet
genannt)
oder mehreren Talschaften Ein bekanntes Beispiel für Mehr­ Foto: Wikimedia Commons/ Roberto Ferrari
Hund geläufig. Damit ist nicht das sich von der Großflur „Madrutt“
und so erstaunt es nicht, dass einzelne Sarner Scharte und Jåggl namigkeit betrifft den Laaser Spitz Sternbild gemeint, sondern der (alpen­romanisch *mont ruttu „zerbro­
Gipfel zwei oder auch drei unterschied- Der von der Bozner Talferbrücke im (jünger), Orgelspitz bzw. Årgler (älter; Schwarzseespitz (2.070 m) mit der chener Berg“, 1558 „der prochen perg“)
liche Namen tragen. Meistens erwies Sarntal zu erkennende Bergrücken vgl. dazu Bergeerleben 01/17). Bergstation der Umlaufbahn von Pem- ab. Der Berg ist zerfurcht und wirkt
sich eine Namenform als die dominan- wird landläufig als Sarner Scharte be- nur unter dem Namen Gånnenspitz mern auf das Rittner Horn. „Hund“ „zerbrochen“, obschon es sich geolo-
tere, die sich in den Wanderkarten und zeichnet, im Sarner Dialekt „Schoochtn“. Schwarz, rot, grün bekannt war – nach den „Gånnen“ sind öfter große Geländeteile – mit der gisch gesehen um keinen Felssturz
in der Bergsteigerliteratur als Schrei- Der Bergrücken hat den Namen von Weniger bekannt dürfte sein, dass (Geröllhalden) am Fuße der dreiecki- Aura des Gewaltigen, Gefährlichen. handelt. Die Bewohner des Unterlan-
bung durchsetzte. Ein Beispiel wurde der Scharte (2.381 m), die den Über- der Schwarzkopf oberhalb des Spron- gen Gipfelpyramide zu oberst des Das Biotop des namengebenden des kennen die Wand auch als Ursula-
bereits im Bergeerleben 03/18 vorge- gang nach Villanders bildet. In der ser Schwarzsees in der Gemeinde Tirol Schindeltals. Die landfremden Karto- Schwarzsees wurde jüngst einfach wand und interpretieren dies als „Uhr
stellt: der Alplerspitz zwischen Sarntal/ Tabacco-­Karte ist der höchste Punkt von den Valser Almleuten in der Ge- su la bònd“, will sagen „Uhr auf der
Weißenbach und Passeier. Die Alpler des „Schoochtn“ als Villanderer Berg meinde Riffian als Rotkopf bezeichnet Wand“. Die Vorstellung von Sonnen­
sind Almweiden im Weißen­bacher (2.509 m; bei Einheimischen „die wird (nach der Berggegend „Reaten“). uhren auf Felswänden ist gar nicht so
Unter­berg, die vom Alpler­spitz überragt Larmstange“) eingetragen – ein Verle- Im Franziszeischen Kataster 1858 ist selten. An der Goidner Wand unterm
werden. Die schroffere Passeirer Seite genheitsname, denn das Villanderer der Gipfel dagegen als Grünjoch ein- Tschigat (Partschins) kann man mit et-
ist als ­Mudatsch bekannt. Dieser Berggebiet ist genau genommen die getragen. Dieses Grünjoch müsste was Fantasie eine Sonnenuhr, gebildet
alpen­romanische Name – *muntatšja Villanderer Alm. korrekt eigentlich Krinnjoch lauten, durch schwarze Felsbögen, erkennen.
„schlechte, große Alm“ – ist sogar Zwei Namen, die beide in der Karto- denn es bezeichnet den Felsgrat Im Berg oberhalb von Laag befinden
­älter als „Alpler“, nur wird „Mudatsch“ grafie Eingang fanden, trägt der Jåggl („Joch“) über den „Krinnen“. Die Krin- sich Felstrümmer wie der Elferstein,
in der Kartografie nicht einmal in oberhalb von Graun im Vinschgau, der nen sind steile Bergweiden im hinters- der Neunerstein und der Achterstein.
­Klammern berücksichtigt. Wie lange auch den Zweitnamen Endkopf hat. Der ten Vals, die von Furchen, Gräben – Diese dienten den Laagern als Zeit-
wird sich der Mudatsch in Passeier Jåggl bezieht sich auf die Beweidung eben „Krinnen“ – durchzogen sind. messer. So könnte die „Uhr su la
noch halten? Ende Juli (um Jakobi) auf den aus­ Dort oben ist nichts grün, sondern al- bònd“ mit der für das Unterland typi-
gedehnten Jågglböden oben auf dem les übersät von glänzendem Glimmer- schen Interferenz zwischen deutschen
Deutschroi – Saurüssel Gipfelplateau. Endkopf meint die An­ schiefer. und italienischen Mundarten erklärbar
Der Name der 3.139 Meter hohen höhe oberhalb der Flurgegend „End“ sein. Manche stellen auch eine Verbin-
Deutschroi (alpenromanisch *rajone gegenüber Pedross in Lang­taufers. Ziel- oder Gånnenspitz dung zur Kirche der hl. Ursula im na-
„Bezirk“; i. S. einer von Deutschen und Bleiben wir in der Texelgruppe, wo der hen Buchholz (Salurn) her. Der Vollstän-
nicht von Romanen bewohnten Ge- Historische Zweinamigkeit Zielspitz (3.006 m), der Hausberg der digkeit halber sei erwähnt, dass die
gend?) zwischen Laaser und Tschengl- Als Beispiel für historische Zweinamig- Partschinser, mit einer Überraschung Kurtatscher die Wand schlicht „die
ser Tal geht vom Laaser Tal aus. Die keit kann der „Berg der Hirsche“ aufwartet. Ältere Partschinser erinnern Plååttn“ nennen.
Nachbarn aus Tschengls nennen den (mittel­hochdeutsch hirz „Hirsch“), sich nämlich noch gut, als der Zielspitz Johannes Ortner

60 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 61


Thema: Pilze
Foto: Claudio Sferra – Strix Naturfotografen Südtirol Foto: Silvan Lamprecht – Strix Naturfotografen Südtirol

Foto: Zeno Tolpeit – Strix Naturfotografen Südtirol Foto: Paul Erlacher – Strix Naturfotografen Südtirol
Unterwegs

Die schönsten Touren


in Südtirol
Aus dem Alpenvereins-Jubiläumstourenbuch
von Hanspaul Menara

Blick von der Riedbergalm


Bergsee Obisell mit der auf die Weißspitze
gleichnamigen Alm Fotos: Hanspaul Menara

Öberst­höfen (1.392 m, Parkplatz). Nun Schmuders, von wo wir zuerst die Abstieg erfolgt über die Aufstiegs­
Das Gipfelkreuz auf dem Tellakopf stets den Wegweisern „Obisell“ fol- ebenfalls bewirtschaftete Riedbergalm route (knapp 2 Std.).
mit traumhaftem Bergpanorama
gend auf dem etwas tiefer von der Zu- im Bereich der Baumgrenze erreichen. Gesamtgehzeit: 4 ½ Std.; Höhenunter-
fahrtsstraße abzweigenden Forstweg Auf markiertem Pfad steigen wir über schied: 914 m; Anforderung: Für berg-
Tellakopf (2.525 m) Ortler­blick ein ebenso weitreichendes Bergsee Obisell, der gleichnamigen hinein ins Saltauser Tal und dann auf Grashänge bergan zum Kleinen Weiß­ gewohnte Wanderer problemlos, nur
Der Tellakopf ist ein schöner, ziemlich wie umfassendes Bergpanorama. Alm und der nahen Hochwart, einem dem Fußweg 5 steil über die untere eck, einer Dolomitkuppe mit schöner im Gipfelbereich steil und etwas müh-
ausgeprägter Gipfel auf der Sonnen- Wegverlauf: Anfahrt über Schluderns hübschen Gipfel. Ausgangspunkt für Almhütte empor zum Obisellsee mit Kalkflora. Dann verschmälert sich der sam
seite des äußeren Münstertales, das und Glurns nach Taufers im Münstertal die Wanderung sind die Parkplätze bei der bewirtschafteten oberen Alm Kamm und wird auch steiler, aber er ist Hanspaul Menara
bei Glurns vom Vinschgauer Haupttal (1.240 m) und auf der Höfestraße hin- den fast 1.400 Meter hoch gelegenen (2160 m; ab Parkplatz 2 ½ Std.). – Auf die gut begehbar, und schließlich geht es
westseitig abzweigt und eine Zufahrt auf zum Parkplatz beim Egg­hof (1.723 m; Öbersthöfen im Bergweiler Vernuer, Hochwart: Vom See auf unmarkiertem über das Dolomitblockwerk der Gip-
in die Schweiz vermittelt. Er ist über zu Fuß hierher 1 ½ Std.). Von da der die auf guter Höfestraße erreichbar Fußpfad mittelsteil südwärts hinauf zu felzone stellenweise etwas mühsam,
den nur mäßig steilen, grasbewachse- Markierung 6 folgend auf ungeteertem sind und auch Busverbindung mit dem einer Gratsenke und ostwärts zum Gip- aber insgesamt doch unschwierig zum
nen Westrücken leicht zu besteigen. Güterweg zu einer Kapelle nahe dem Tal haben. Von dort geht es zunächst felkreuz (2.452 m; ab Alm knapp 1 Std.). Gipfelkreuz und zum höchsten Punkt.
Talort für die Tour ist Taufers im Müns- einstigen Samhof (1.807 m) und groß- auf breitem Forstweg hinein zu den Abstieg wie Aufstieg (2 ½ Std.). Das Panorama umfasst die Sarntaler,
tertal, von wo eine Höfestraße den teils durch Lärchenwald in Kehren hin- unteren Viehweiden im steilen Saltau- Gesamtgehzeit: 6 Std.; Höhenunter- Ötztaler und Stubaier Alpen sowie
Streuweiler Tella erschließt und auch auf zur Tellaalm (2.098 m; ab Egghof ser Tal, und dann führt ein teils ge- schied: 780 m; Anforderung: Für berg- ­Teile der Zillertaler Alpen.
dem Bergwanderer zunutze kommt. 1 Std.). Nun auf dem weiterhin mit Nr. 6 pflasterter, teils mit Steinstufen anstei- gewohnte Wanderer problemlos, aber Wegverlauf: Anfahrt von Sterzing
Vom gut 1.700 Meter hoch gelegenen markierten Fußsteig durch Lärchen- gender Fußweg empor zum See mit teilweise steil kurz in Richtung Wiesen, dann links
Egghof wandern wir gemächlich auf wald und freie Grashänge mittelsteil der nahen bewirtschafteten Almhütte. ­hinauf nach Schmuders und (zuletzt
breitem Forstweg hinauf zur Tellaalm, hinauf zum Tellajoch (2.358 m) und Bei dem großteils von Grasgelände Weißspitze bei Sterzing (2.714 m) auf ungeteertem Fahrweg) bis in die
und dann geht es auf Fußpfaden wei- rechts auf dem markierten Steig über umrahmten Obisellsee handelt es sich Die aus hellem Dolomitgestein auf­ Nähe der bewirtschafteten Prantneralm
ter zum Tellajoch. Hier bietet nun der den Gratrücken mittelsteil hinauf zum um ein landschaftlich schönes Gewäs- gebaute Weißspitze ist einer der vie- (1.800 m; begrenzte Parkmöglichkeit
Ortler mit seiner weithin leuchtenden Gipfel (2.527 m; ab Egghof 2 ½ Std.). ser, das für Wanderer ohne Gipfel­ len „weißen“ Berge Südtirols und, am Fahrweg). Von da stets der Markie-
Vergletscherung ein besonderes Abstieg wie Aufstieg (1 ½ Std.). ambitionen zusammen mit der Alm wie die meisten von ihnen, ein recht rung 3 folgend auf dem Fahrweg ein
Prachtbild, während in der Nähe alte Gesamtgehzeit: 4 Std.; Höhen­unter­ ­bereits ein beliebtes Endziel darstellt. auf­fallender. Der nicht schwierig zu Stück weiter und rechts kurz hinauf zur

BUCHTIPP!
Holzrinnen und Trockenmauern bewei- schied: 804 m; Anforderung: Für geh- Doch auf der Südseite des Sees lockt ­besteigende Felsgipfel erhebt sich im bewirtschafteten Riedbergalm (1.947 m);
sen, dass hier einst ein offener Wasser- gewohnte Bergwanderer leicht und die Hochwart – ein aussichtsreicher Nord­osten des Sterzinger Talkessels nun auf dem gerade ansteigenden
Jubiläums-Tourenbuch
kanal, ein sogenannter Waal, das heute problemlos Gipfel, der vom See auf Pfadspuren über den grünen Wäldern und Berg- Steig 3 über Gras­und Zwergstrauch-
Die 150 schönsten Touren
unterirdisch fließende Bewässerungs- unschwierig zu ersteigen ist. wiesen wirklich als weiße Spitze, die gelände, Schieferschrofen und zuletzt
in Südtirol
wasser von der Nordseite des Kammes Obisell und Hochwart (2.452 m) Wegverlauf: Anfahrt auf der etwas den dunkleren Schiefergesteinen weit- über steiles Dolomit-Blockwerk (hier
auf die Südseite führte. Vom Joch ist Der Zielbereich dieser Tour liegt west- nördlich von Riffian von der Passeirer hin sichtbar aufgesetzt ist. stellenweise etwas mühsam) hinauf Autor: Hanspaul Menara
es dann nur noch ein gut halbstün­ seitig hoch über dem äußersten Talstraße abzweigenden Vernuerer Ausgangspunkt für den Aufstieg zum Gipfelkreuz und kurz weiter zum Athesia Verlag
diger Aufstieg zum Kreuz auf dem Passeiertal und damit im Osten der Straße den Schildern „Vernuer“ und ist der Bereich der bewirtschafteten höchsten Punkt der Weißspitze ISBN 978-88-7073-933-6
Tella­kopf, und dort gesellt sich zum Texelgruppe. Er besteht aus dem „Öberst“ folgend hinauf zu den Prantneralm oberhalb des Weilers (2.716 m; ab Prantneralm 2 ½ Std.). Der

64 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 65


Unterwegs

Plätz übers Knappenfusstal Holzerböden, St. Johann im Ahrntal


Heint isch Wondowetto ungsog,
Zwischn Tobla und Cortina, kurz vorn Gimärk, und i hon a bäriga Olmhitte dofrog.
isch rechts ba do Stroße a Parkplotz Va Mühlegg ban Gollhaus biegmo links augn,
vor zwa ruata Bohnwächtahaislan wohlgimerkt. fohrn bis zi die Holzahöfe af 1.470 m, des tuitmo taugn!
Markierung 18 isch leicht zi fenn, A Schildl weist zin Parkplotz hin,

Wondoluscht
nua geht’s gimiotlich, tui et renn, a wion schmole isch do Weg, pass au’, sischt bische hin …
inne übos einsome Knappnfuißtol, Guita Schuiche unlegn und in 6a Steig nochgiohn,
ba do Schlucht, man unbeding holtn soll. do hot do Senna an Themenweg gstoltn, extra schion.
Amo schaugn wie do do Wossofoll suicht sein Weg, Holzskulpturn vokürzn die Aufstiegszeit,
Wanderbuch in Reimen von Rosa Rauter nua schnaufmo augn übon schmol Steg, sie stiohn afn Weg und votreibn die Miodigkeit.
zwischn Felsn und Latschn bis af die Heache augn, Es wersch liochte, die Olbe isch in Sicht,
und die herrliche Aussicht wersch jedn taugn. und i freime schun afs Kasegericht.
Ein reizvolles Buch für Familien und Senioren hat Rosa Riesa-Alm in Weißenbach im Ahrntal So steahsche af amo mittn af do Plätzwiese, Do Senna isch für sei Mozzarella weitum bekonnt,
Rauter herausgegeben: Die Olangerin beschreibt va do Hohen Gaisl, Dürrnstein, bis zin Cristallo siechsche. man sog: „Es isch die Beschte ba ins in Lond!“
­sämtliche Touren in Gedichtform und zwar im urigsten Mir startn ba do Kirche, benutzn in Kneippweg, den schion, In Friohjohr bliohts wio in an Paradies, tui au die Augn,
Puschtra Dialekt. af den lehrreicha Tofl und guita Tipps gsund zi bleibn stiohn. sogor Fraunschiochlan und Türknbund konnsche unschaugn. Parkplatz: 1.470 m
So kemmo af Schneidaleachn a vorzüglichis Restaurant, Donkmo in Herrgott für de schione Welt, Holzerböden: 1.900 m

D
as Buch entstand in Zusammenarbeit mit dem Katho- eppas zi trinken man glei sebm inkeahrn kannt. und hoffn, dassa inso Hamat segnt und uns erhält. HU: 430 m
lischen Verein der Werktätigen (KVW). „Wir im KVW Nua geht’s a wion steil in die Heache augn, Gehzeit: ca. 1 ½ Std
sind es gewohnt, unsere Fähigkeiten mit Freude ein- ollwa wiedo konnsche af Weißnboch ogn schaugn. Ausgangspunkt: Gemärk (Cimabanche) Ingrid Beikircher
zubringen und wir versuchen auch, unser Miteinander da- Übon Forstweg gelong mozi do Riesa Olbe inson Ziel, Ziel: Plätzwiese
durch zu bereichern“, sagt Charly Brunner, Bezirksvorstand und do gibs an Köstlichkeitn eppa gor a wion viel. HU: 460 m
im KVW Pustertal. „Ein besonders gelungenes Beispiel dafür Do tüchtige Olmwirt isch jo Schiffskoch giwesn,
ist das Büchlein ‚Wondoluscht‘. Die Kombination mit den und mit duftenda Kraito schmückta s guite Essn.
­Begabungen ‚unserer‘ Rosa hat zu einem schönen Ergebnis Do kemmos schun ausholtn an odo zwa Stundn,
geführt, das auch noch auf eine andere Weise gut zum KVW s Wegile zruck ogn ins Tol hot no jedo gfundn.
passt: Unsere wunderbare Natur liegt uns am Herzen und
Wondoluscht

BUCHTIPP!
­erfüllt uns mit Dankbarkeit darüber, dass wir in so einer schö- Ausgangspunkt: Weißenbach Kirche 1.334 m
nen Umgebung leben dürfen.“ Mit einem Teil der Einnahmen Ziel: Riesa Alm über Schneidaleachn Anregungen für Familien
aus dem Buchverkauf unterstützt der KVW Menschen in Not HU: ca. 200 m und Senioren
innerhalb und außerhalb unserer Landesgrenzen. 24 Wandertipps im
Pustertaler Dialekt
Brich au mit Wondoschuiche
und Rucksack, nimm des Biochl in die Hand. Mir wünschn enk Das Buch ist beim KVW
Rosa Rauter und
olln offna Augn und Herzen, ban Erkunden va inson kostborn ­Pustertal erhältlich Charly Brunner
Lond!“ heißt es in der Einleitung. Also los geht’s: Fotos: Rosa Rauter

66 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 67


Unterwegs

Rucksack. Nach Regen trocknen Wege harmonischen Bild am Boden auslegen


langsamer als im Sommer und in höhe- oder im Stile der Land Art kleine
ren Lagen kann es durchaus auch Natur­skulpturen bauen. Besonders
schon einmal gefrieren. Gutes, rutsch- gern bauen Kinder auch Windspiele
festes Schuh­werk ist ein Muss. Der aus Kastanien, Nüssen, Früchten und
Herbst ist auch die Zeit, in der unsere Blättern aus dem Herbstwald. Dazu

N
Natur nur so sprießt von Pilzen, Wald- nehmen wir ein kleines Werkzeug zum

MIT
KINDER früchten und Beeren. Nicht alle sind
aber ­genießbar! Deshalb ist mit Kin-
dern Vorsicht geboten. Begleiten wir
Durchbohren der Früchte (Kindern hel-
fen) und einen dünnen Faden mit, auf
dem wir sie in regelmäßigen Abstän-
unsere Kinder bei der Verkostung die- den und durch kleine Knoten gesichert

Den Herbst entdecken


ser ­Natur-Naschereien, schlagen ge- auffädeln und unser „Waldmobile“
meinsam im Bestimmungsbuch nach, dann am Wegesrand auf einen Ast
­warum eine Pflanze essbar ist oder hängen oder mit nach Hause nehmen.
nicht und erklären wir, was man mit Nachkommende Wanderer werden
diesen Naturgaben sonst noch ma- sich vielleicht über unsere vielen Na-

W
enn die Tage kürzer werden, sammeln oder sich auf ihre Rückkehr in im Freien im Herbst wichtig sind, chen kann. turkunstwerke freuen. Zuhause können
Ideale Wanderzeit für Familien – zu kaum
abends ein kühler Windstoß tiefere Tallagen oder auf den Abflug möchten wir euch in dieser Ausgabe ­einer anderen Jahreszeit gibt's in der Natur wir gesammelte, bunte Blätter pres-
das Laub vom modrig duf- in südlichere Breiten vorbereiten. Die vorstellen. so viel zu entdecken wie im Herbst Der Fantasie freien Lauf lassen sen, trocknen und wunderschöne Blät-
tenden Waldboden in die Luft wirbelt, Bäume färben ihre Blätter in ein unver- Foto: Othmar Mayrl
Kastanien, Eicheln, Bucheckern, Zap- terbilder daraus kleben. Oder wir
dünne Nebelschwaden die gelb ge- gleichlich rotes, gelbes, braunes Far- Im Herbst draußen unterwegs Beim Auslegen eines M­ andalas aus herbst­ fen von Nadelbäumen und unendlich schneiden ein dünnes Stirnband aus
färbten Lärchenwälder in geheimnis- benschauspiel. Während kaum einer Der Reiz der in ein buntes Kleid ge­ lichen Naturgegenständen kennt unsere viele Blätter in allen Formen und Far- Karton oder Stoff aus, auf das wir un-
Kreativität keine Grenzen
volle Landschaften verwandeln und anderen Jahreszeit gibt es so viel Fas- hüllten Landschaft, die abgeklungene ben – im Herbst fallen uns ganz beson- sere Herbstblätter befestigen und so
Foto: Archiv AVS-Jugend
das Licht der tiefer stehenden Sonne zinierendes in der Natur zu entdecken Hitze des Sommers und eine gerin­ dere Naturmaterialien sprichwörtlich einen Indianer-Kopfschmuck basteln.
das Land in einen goldigen Zauber wie im Herbst. Er lädt uns geradezu gere Gewitterneigung – der Herbst ist nur so vor die Füße, wenn wir mit offe-
hüllt, merken wird, dass sich das Jahr ein, „bewaffnet“ mit Tier- und Pflan- eine ideale Zeit zum Wandern. Gleich- nen Augen den Wald durchstreifen. 1.001 Laubblätter
langsam dem Ende neigt und sich zenbestimmungsbüchlein und Becher- zeitig gilt aber auch zu beachten: Je Und mit diesen Dingen lassen sich Laubblätter sind ein vielseitiges Mate-
auch der Jahreskreis der Natur erneut lupe, hinaus zu gehen, um zu beobach- weiter der Herbst fortgeschritten ist, (Alm-)Hütten oder Gasthöfe haben oft wunderschöne Kunstwerke erschaffen, rial zum Spielen. Besonders spannend
schließt. Genau jetzt aber, im Herbst, ten und kreativ zu werden. desto früher wird es dunkel. Unseren schon geschlossen, daher genügend denn Herbstzeit ist auch Bastelzeit. Di- ist es, versteckt im Wald geheime Hüt-
strotzt die Natur noch einmal voller Le- Einige Anregungen, wie wir die Aufenthalt in der Natur planen wir also Proviant mitnehmen und sich über Ein- rekt inmitten der Natur können wir mit ten aus Ästen und Zweigen zu bauen.
ben. Beeren und Früchte entfalten ihre bunte Jahreszeit gemeinsam mit unse- so, dass wir sicher früh genug vor kehrmöglichkeiten, auch für den Not- unseren gesammelten Naturmateriali- Mit einer dicken Schicht aus abgefalle-
volle Reife, es ist Erntezeit. Viele Tiere ren Kindern ganz bewusst und intensiv Dämmerungsanbruch wieder zurück fall, im Voraus gut informieren! Die en wunderschöne Naturmandalas ge- nen Laubblättern können wir unsere
sind jetzt besonders aktiv, da sie Vor- er- und beleben können, aber auch ein sind und nehmen sicherheitshalber Tage werden kälter, daher gehört auch stalten, indem wir die bunten Blätter, Hütte nicht nur ausgezeichnet tarnen,
räte für den bevorstehenden Winter paar Hinweise, die fürs Unterwegssein Stirn- oder Taschenlampe mit. schon warme Kleidung mit in den Zapfen, Nüsse und Samen zu einem sondern auch gegen Kälte und sogar

68 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 69


UNTERWEGS

so leise als möglich, bleiben auf den


Wegen und beschränken unsere Licht-
quellen auf ein Minimum, um Dämme-
rungs- und nachtaktive Tiere nicht zu
stören. An ausgewiesenen Lagerfeuer-
plätzen können wir im Herbst am
Lager feuer Kastanien oder Äpfel bra-
ten und spannende Geschichten
erzählen.
Ralf Pechlaner

DIE VORRÄTE DES


EICHHÖRNCHENS

Der Spielleiter erklärt den Teilnehmern


zunächst wie Eichhörnchen überwintern,
Kinder lieben es, aus Ästen und Zweigen
versteckte Unterschlüpfe im Wald zu bauen Herbst gerne Igel oder andere Klein- dass sie im Herbst möglichst viele Vor-
und mit Laub zu tarnen und abzudichten tiere ein. Generell können wir Tieren rat-Depots anlegen, und dass sie im
Foto: Lukas Gummerer
helfen, wenn wir im Herbst unseren Winter gelegentlich aufwachen, um sich
Aus Zapfen, bunten Blättern, Nüssen und Garten möglichst natürlich belassen. ihre im Herbst versteckten Nüsse in
Beeren basteln wir ein farbenfrohes Wind- Eine besondere Naturerfahrung ist es, den Kobel (Eichhörnchenbau) zu holen.
spiel
uns rücklings auf den Boden hinzule- Dafür müssen die Eichhörnchen ihren
Foto: Archiv AVS-Jugend
gen und uns mit Laub zudecken zu las- Stoffwechsel ankurbeln, was für sie mit
sen, bis nur mehr der Kopf aus den großem Energieaufwand verbunden ist.
Blättern herausragt. So daliegend und
Ablauf: Alle Spieler erhalten zu Beginn
leichten Regen dämmen. Wichtig, eins werdend mit der Natur blicken
eine bestimmte Anzahl an Nüssen, die
wenn wir im Wald etwas bauen: nie ge- wir ganz bewusst hinauf in die Baum-

Herrliches Friaul
sie im Umfeld des Spielortes in der Na-
sunde Äste abschneiden, sondern Holz kronen und beobachten, was dort
tur gut und strategisch verstecken sol-
oder Rinden verwenden, die bereits oben alles passiert.
len. Nach dem Verstecken versammeln
am Boden liegen. Es macht aber ein-
sich alle „Eichhörnchen“ im Kobel (in
fach auch nur Spaß einen riesigen Tierische Herbstbegegnungen der Mitte des vereinbarten Spiel-Umfel-
Laubhaufen zusammenzutragen, in Sehr gut möglich, dass wir dort Eich- des). Auf Anleitung des Spielleiters er- Radtage mit der AVS-Sektion St. Pauls Fotos: AVS St. Pauls

den wir aus geringer Höhe wie beim hörnchen oder Vögel beobachten kön- wachen die Eichhörnchen nun und sol-
Heuhüpfen hineinspringen und uns so nen, die eifrig dabei sind, Vorräte für len sich Nüsse aus ihren Depots
richtig austoben können. Unsere Laub- den bevorstehenden Winter zu sam- zurückholen. In einer vorgegebenen Zeit 370 Kilometer sind wir von Tarvisio Resiutta ein 47 Kilometer langer Rad- Osoppo – Görz, ca. 90 km
haufen, egal ob im Wald oder in unse- meln. Vor allem Eichelhäher oder Tan- (30 Sekunden) haben die „Eichhörn- nach Pordenone geradelt, ent- weg angelegt, der am Fella-Fluss ent- Von Osoppo radeln wir zuerst auf dem
rem Garten, können wir dabei auch so nenhäher machen sich bei ihrer herbst- chen“ nun Zeit, eine bestimmte, vorge- lang von aufgelassenen Bahn- lang (Kanaltal/Valcanale) durch die Radweg Alpe Adria über Rivoli di
zurücklassen, denn dort nisten sich im lichen Vorratsbeschaffung durch ihren gebene Anzahl ihrer versteckten Nüsse trassen, malerischen Flüssen und Berge von Friaul-Julisch Venetien Osoppo, Tomba, Ontegnano, Ursinins
unverkennbaren Ruf bemerkbar. Ande- aus ihren Verstecken zurückzuholen. durch mittelalterliche Städte. führt. Der aufgelassene Bahnhof in Grande, Treppo Piccolo und Felettano
re Vögel wie Schwalben oder Stare Beim nächsten „Aufwachen“ wird die Auch ein Abstecher nach Slowenien Chiusaforte wurde zu einem netten bis Reana del Rojale, wo wir den Rad-
können wir im Herbst dabei beobach- Zeit von 30 auf bspw. 20 Sekunden und war dabei. Bistro ausgebaut. Besonders der Ab- weg Alpe-Adria verlassen. Nun geht es
ten, wie sie sich in Scharen für den ge- noch einen Durchlauf später auf 10 Se- Doch vorerst ging es per Zug von schnitt zwischen Resiutta und Pietra- auf dem Radweg Cividale del Torre
meinsamen Flug in den Süden sam- kunden reduziert. Einige „Eichhörn- St. Pauls durchs Pustertal nach gliata ist gespickt mit Tunneln und Brü- nach Savorgnano del Torre. Dort wech-
meln. Wenn es anfängt zu dämmern, chen“ werden es jetzt nicht mehr schaf- Lienz und über Arnoldstein nach cken, die Ausblicke in das Flusstal oder seln wir auf den Radweg Pedemontana
können wir in dieser Jahreszeit viel- fen, in der kurzen Zeit ihre Vorräte aus Tarvis. auf die umgebenden Berge sind atem- del Collin und folgen diesem über Ron-
leicht auch den Brunftrufen der Hir- den weiter entfernten Verstecken zu- beraubend. Der Tagliamento hat ein chis nach Cividale del Friuli. Kurz dar-
rückzubringen. Sie scheiden aus dem Tarvisio – Osoppo, ca. 70 km auf folgt unser Mittagshalt bei Gaglia-
sche lauschen. sehr weites und weißes Flussbett. Das
Spiel aus – sie haben im Herbst also ihre
Im Nordosten Italiens, im Dreiländer- Wasser ist aquamarinblau! no. Danach geht es südlich weiter und
Vorräte nicht gut versteckt und werden
Abenteuer Nacht im Herbst eck zwischen Österreich, Italien und Die Strecke ist sehr gut ausgebaut dann gegen die Hügel zu. Südöstlich
den Winter leider nicht überstehen.
Apropos Dämmerung und Nacht. Slowenien, findet man einen der und asphaltiert, auch wenn einige von Corno di Rosazzo erreichen wir die
Kinder erlernen dabei spielerisch die
Der Herbst bietet sich besonders gut schönsten Bahntrassenradwege Ita- kürzere Umfahrungen notwendig sind. slowenische Grenze und fahren auf der
Vorratsbeschaffung im Herbst zu ver-
für abenteuerliche Spaziergänge im liens: den neuen Radweg auf der alten 35 der 50 Kilometer fährt man auf der slowenischen Seite ca. 8 Kilometer der
stehen und wie schwierig die Über-
Dunkeln an, da es schon wieder früher winterung für viele Tiere ist.
Pontebbana-Eisenbahnstrecke. Mit Bahntrasse, nur die Umfahrungsstre- Grenze entlang. Nach dem Wiederein-
finster und für Kinder somit nicht Material: Nüsse; Stoppuhr Mitteln der EU wurde auf der stillge- cken bieten einige kurze Steigungen tritt in Italien sind es nur noch ca. 8 Kilo-
zu spät wird. Dabei verhalten wir uns legten Bahnstrecke von Tarvisio nach bzw. Gefälle. meter bis zu unserem Hotel in Görz.

70 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 71


Unterwegs

Die Villa Manin aus dem 17. Jahrhundert Die „Pianura“ mit den Julischen Alpen
Görz – Slowenientour, ca. 60 km Collio. Hier halten wir Mittagsrast und liegt in Codroipo bei Udine Görz – Palmanova, ca. 85 km Festung Palma naturgroße Nachbildun- im Hintergrund
Heute radeln wir über die Grenze nach gestärkt schaffen wir auch die rest­ Der farbenprächtige Tagliamento
Wir benützen mehrheitlich Radwege. gen einiger Maschinen, die für die Die Küstenstadt Grado am äußersten Golf
Neu-Görz und dann dem Fluss Isonzo lichen 8 Kilometer bis zum Hotel. Kurz nach dem Start radeln wir über Errich­tung von Palmanova verwendet von Venedig
Hindernis Wasser: Die Gruppe beim
entlang aufwärts über Plave, Anhofo, Am späten Nachmittag machen wir ­Überqueren einer Furt den Fluss Isonzo und dann geht es wurden.
Gorenja vas-Poljane bis zur Brücke einen geführten Rundgang durch die ­lange in südwestlicher Richtung nach
nach Kanalburg. Kurz danach fahren geschichtsträchtige Stadt Görz. Gradisca d’Isonzo und wieder über Palmanova – Pordenone, ca. 66 km St. Andrew und dem 18 Hektar großen
wir links den Hügel hinauf und bewälti- In Görz atmet man die typische, den Fluss nach Sagrado und über San Kurz nach dem Start überqueren wir Landschaftspark ist sie eine der größ-
gen auf der 5 Kilometer langen Stei- schwebende Atmosphäre einer Grenz- schen Prägung, was man heute noch Pier d’Isonzo nach Cassegliano. Nun die Autobahnkreuzung und dann geht ten venezianischen Villen in Codroipo.
gung einen Höhenunterschied von 600 stadt: Auf der Piazza Transalpina, die an den Straßen, Bauten und Parks der folgt in südlicher Richtung Pieris, und es immer westwärts durch die Ebene Nach Codroipo und Biauzzo über­
Meter. Oben a ­ ngelangt werden wir mit bis 2004 durch eine Mauer geteilt war, Stadt erkennen kann. dann fahren wir durch die Felder run- von Friaul und durch die Orte Gonars, queren wir den farbenprächtigen Fluss
einer wunderschönen Aussicht auf die spaziert man mit einem Fuß in Italien Herzstück ist die mittelalterliche ter zum Meer. Von hier aus erreichen Morsano di Strada, Gastions di Strada, Tagliamento. Es folgen San Giovanni di
umliegenden Hügel belohnt. Nun geht und einem in Slowenien. Dank ihrer Burg, von der man einen herrlichen wir bald Grado, wo wir den Mittagshalt Sant Adrat del Cormor, Flumignano, Casarsa, Orcenico Inferiore, Cusano
es südwärts weiter; wir durchqueren besonderen geografischen Lage war Blick auf die umliegende Hügelland- einlegen. Danach radeln wir auf dem Talmassons, Flambro, Virco, Bertiolo und Poincicco. Kurz darauf treffen wir
­Vrhovlje pri Kojskem und erreichen die Stadt stets von verschiedenen schaft und auf Görz genießt, wo sich Radweg Alpe–Adria nördlich – zuerst und Passariano, wo die Villa von Manin in Pordenone ein.
kurz nach der Grenze San Floriano del Kultu­ren beeinflusst, u.a. von der römi- die Architekturstile des Mittel­alters, ca. 5 Kilometer auf dem Damm – wei- besichtigt werden kann. Die Villa Um viele Eindrücke reicher, ohne
schen, der slawischen und der germa- des Barocks und des 19. Jahrhunderts ter über Aquileia, Servignano del Friuli ­Manin ist ein Juwel der Kunst und der Unfälle und nur mit ganz wenigen
nischen Kultur. Ihre östliche Lage auf harmonische Weise ver­einen. Die und Strassoldo zu unserem Ziel Palma- Geschichte im Herzen der Ebene von Reifen­pannen fahren wir mit dem Bus
Gruppenbild vor Schloss Görz führte zu einer starken mitteleuropäi- habsburgische Bourgeoisie flanierte nova. ­Friaul. Mit dem 8.500 Quadrat­meter glücklich zurück nach St. Pauls.
gern durch das Zentrum der Stadt, die Die Festungsstadt Palmanova wur- großen Ansitz, der Kapelle von Margit Komiss, AVS-Sektion St. Pauls
nicht ohne Grund auch das „habsbur- de 1593 von der Republik Venedig ge-
gische Nizza“ genannt wurde. gründet und zeichnet sich durch ihren
Neben den bezaubernden Parks außerordentlich guten Erhaltungs­
wie dem Parco Piuma am Fluss Isonzo, zustand aus. Seit 1960 gehört sie zu
dem Park des Palazzo Coronini Cron- den Nationaldenkmälern und ist seit
berg und dem Parco Viatori gibt es 2017 Teil des transnationalen Unesco-­
beson­dere Museen wie die Provinz­ Weltkulturerbes Venezianische Vertei-
museen mit dem Museum der Mode digungsbauten des 15. bis 17. Jahr­
und der Angewandten Künste, das hunderts Stato da Terra – westlicher
Mu­seum des Ersten Weltkriegs und Stato da Mar.
die Archäo­logische Sammlung oder Palmanova ist das Modell einer
das Museum des Görzer Mittelalters Renaissancestadt und auch ein ein-
in der Burg. drucksvolles Beispiel für Militärbauten.
Die Geschichte der Jüdischen Ge- Auf der Piazza Grande, einem weit­
meinde von Görz wird im Museum läufigen Exerzierplatz im Zentrum der
­Jerusalem am Isonzo in der Via Ascoli Festung, zeigt die Dauerausstellung
erzählt. Auf den Anhöhen der Stadt im Geräte und Maschinen für den Bau der
Ortsteil Oslavia befindet sich das im-
posante Gebeinhaus von Oslavia mit
den Überresten gefallener italienischer
Über den neuen Radweg auf der alten
und österreichisch-ungarischer Solda- ­Pontebbana-Eisenbahnstrecke von Tarvisio
ten aus dem Ersten Weltkrieg. nach Resiutta und dann weiter nach Osoppo

72 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 73


Unterwegs

lichen Strand eingebettet in Sand-


steinklippen. Nach der Wanderung

Wandern auf Sardinien


wird das Städtchen erkundet, manche
steigen die steilen Stufen der Königs-
treppe hinunter, ein tolles Erlebnis!
Abends geht’s bei rauer See und
­schönem Sonnenuntergang zurück
nach Sardinien.

Blumenteppiche an der Costa


­Paradiso
Die Costa Paradiso wird heute zu einer
wahren Traumtour. Es ist, als hätten
die lieben Sarden extra für uns bunte
Blumenteppiche ausgebreitet. Den
ganzen Tag begleitet uns eine Blüten-
meer aus Mittagsblumen, Zistrosen,
Wundervolles Caprera Ginster, Lavendel, Rosmarin und vielen
Mit der AVS-Ortsstelle Vahrn Fotos: AVS Vahrn mehr. In verschiedenen Tönen leuch-
ten die roten Porphyrklippen bis zu Blumenteppiche entlang der
Costa Paradiso
­unserem Ziel, dem Örtchen Isola R ­ ossa.
Am 27. Mai starteten wir von der ehemaligen Fischerdörfchen Cannin- sendlange Erosion und Sturm, be- Auf der Rückfahrt genießen wir den
AVS-Ortsstelle Vahrn mit 30 Teil- gone entfernt, am Golf von Arzachena. grüßt. Wir machen Pause in der Nähe weiten Blick über die Valle della Luna den wir vor unserer kleinen Bergtour der wundervollen wilden Insel, die frü-
nehmern zu unserer Wanderwoche Dort nisteten wir uns in einem netten des alten Römerhafens, wo man noch bei einem kühlen Bier. Die vielen Kork­ besuchen. Wir steigen zu einem der her im Besitz von Giuseppe Garibaldi
nach Sardinien. Hotel ein und gleich gingen wir schon die bearbeiteten Granitreste der eichen­wälder begleiten uns fast bis zur Granittürme von Pantaleo hinauf, die war. Der höchste Gipfel ist bald be­
auf Erkundungstour ins Dorf, immer Römer­bauten bewundern kann. Über Ankunft. das Dorf umrahmen. Von oben hat stiegen (ca. 200 m), der Blick auf die

U
nser Ziel war die Gallura im äu- an einer Strandpromenade entlang. Felsen, bei starkem Wind und toben- man einen tollen Ausblick auf die Farbtöne des Meeres und die Inseln
ßersten Nordosten Sardiniens, Ein sehr gepflegter, netter Ort! den Wellen umrunden wir die Halb­ Nuraghe, Giganten, Stazzi ­Costa Smeralda und das Hinterland. des Archipels ist gigantisch. Wir um-
bekannt für die schönen ero­ insel. Auch die Valle di Luna, die in den Bei Arzachena startet unsere Tour mit Am Ende der Tour gibt es in Pantaleo runden den Nordteil der Insel, wo wir
sionsverformten Granit- und Porphyr- Capo Testa und die Hippies 1970er- und 1980er-Jahren hauptsäch- einer kurzen Besichtigung einer der noch ein leckeres Mirtoeis. wieder besondere Felsformationen
felsen, dem Maddalena-Archipel an Alle sitzen voller Erwartungen pünkt- lich von Hippies besucht wurde, durch- berühmten Nuraghe (prähistorische und Pflanzen bewundern.
der Straße von Bonifazio mit seinen lich im Bus. Endlich geht’s los mit den queren wir und stellen fest, dass noch Turmbauten) und eines Gigantengra- Caprera mit Gipfel Wir hatten viel Glück mit dem schö-
traumhaften Stränden, den Korkeichen Touren. Wir fahren nach Santa Teresa einige Hippies dort leben. bes. Dann fahren wir nach Pantaleo, Die Insel Caprera ist leider unser letz- nen Wetter, es war eine wunderbare
und Stazzi, der duftenden Macchia di Gallura und wandern von dort im- ein Künstlerdorf mit schönen Granit- tes Wanderziel. Wir fahren mit unse- Reise mit vielen netten Leuten. Sardi­
und der Garrigue, die im Frühling be- mer der Küste entlang zur Halbinsel Wunderbare Aussicht auf dem häusern, den sogenannten Stazzi. Im rem Bus mit der Fähre bis La Madda­ nien und seine unberührte Natur wird
sonders schön blüht. Capo Testa, wo sich uns eine wunder- ­Tuttavista Dorf findet donnerstags immer ein lena und weiter über die Brücke über uns sicher bald wiedersehen.
Wir fuhren mit dem Reisebus nach volle bizarre Granitwildnis in skurrilsten Heute geht’s in die Baronia südlich von Künstler- und Spezialitätenmarkt statt, den Passo della Moneta nach Caprera, Margareth Kofler, AVS-Ortsstelle Vahrn
Laconia, zwei Kilometer vom kleinen Formen, entstanden durch jahrtau- Olbia bei Orosei, wo wir den Gipfel des
Monte Tuttavista besteigen. Der Berg
besteht aus karstigem Kalkgestein und
erinnert an die Gebirge am Gardasee. Preis-Vorteil für AVS-Mitglieder
Mastix, Wolfsmilchsträucher und Zist-
rosen begleiten uns fast bis zum Gipfel,
dort oben empfängt uns ein riesiger
Bronzeherrgott, und wir können eine

TERRABONA.IT
wunderbare Aussicht genießen.

Die Sandsteinklippen auf Korsika


Von Santa Teresa di Gallura fahren wir
Gipfelstürmer
mit der Fähre (50 Minuten) nach Boni-
facio, zum südlichsten Punkt Korsikas.
Diese beeindruckende Stadt steht auf
einem überhängenden Kreidefelsen
und man erkennt die Escala de Aragon
Die Porphyrklippen leuchten in von Weitem. Wir wandern zum Capo
­verschiedenen Tönen
Pertusato und genießen einen herr­

74 Bergeerleben 05/19 www.thomaser.it


Bergeerleben 05/19 75
Unterwegs

Abstieg vom Monte Guardia auf der Insel


Lipari, im Hintergrund die Insel Vulcano

Auf der Insel Panarea mit Blick auf die


­Punta Milazzese mit der prähistorischen
Siedlungsstätte
Fotos: AVS St. Lorenzen

Die 7 Kilometer lange Runde sind


wir in 2 Stunden gewandert.

Filicudi, die Einsame


Die heutige Bootsfahrt dauert 75 Mi-
nuten, und bereits bei der Einfahrt
in den Hafen Porto Graziano fallen die
vielen langen, gut in das Gelände
­eingefügten Natursteinmauern auf.
­Filicudi hat ca. 250 Einwohner, und in
der kleinen Bar gibt es eine schöne
Auswahl an landestypischen Keksen.

Äolische ­Inseln
Der steile Weg führt uns hinauf zum
kleinen Ort Val di Chiesa. Wir kommen
an einem Weinberg vorbei, wo der
Bauer gerade das Erdreich pflügt – der
Wanderwoche mit der AVS-Ortsstelle St. Lorenzen typische Wein ist der berühmte süßli-
che Malvasia. Die historischen Esels-
pfade sind teils der Sonne ausgesetzt,
Die Äolischen oder Liparischen Mit dem Tragflächenboot dauert die diese Wanderwoche, wird nicht müde, ein Lokal, wo hiesige Spezialitäten wo aus man sogar den schneebedeck- dann wieder flankiert von dichtem,
­Inseln, wie sie auch genannt wer- Überfahrt nach Lipari gerade mal unsere Fragen zu beantworten und ­verkauft werden. Tinos Geheimtipp: ten Ätna sieht. Das Mittagessen ist im dornigem Gestrüpp: Hier in dieser Ein-
den, sind 115 Quadratkilometer 75 Minuten. Am Nachmittag erkun­den sein Spruch „in gonzn Toug dotiomo Arancini – panierte Reiskugeln mit Dorf unten bestellt und schmeckt her- samkeit blüht die Zistrose tausendfach
groß, vulkanischen Ursprungs und wir die Altstadt mit der alten Schloss- des leicht“ begleitet uns durch die Thunfisch und Kapern gefüllt. vorragend mit typischen Spezialitäten in Weiß und Rosa. Und wieder ist es ein
haben ca. 14.000 Einwohner. Sie anlage und ihren Steinsarkophagen Woche. Bei der Überschreitung wan- Vor dem Abendessen erlaubt die und selbst gebackenem Brot. Anschlie- unspektakulärer Steinhaufen, der den
­liegen zwischen 30 und 80 Kilo­ und genießen den Tiefblick aufs klare dern wir auf der anderen Seite des Zeit noch eine Abkühlung am hotel­ ßend nutzen einige unserer Gruppe Gipfel des Fossa Felci (774 m) krönt.
meter vor der Nordküste ­Siziliens und ruhige Meer. Berges hinab und dürfen erste nahen Strand, den allerdings auch die Möglichkeit, im öffentlichen Beim Abstieg kommen wir bei der Ese-
und wurden im Jahre 2000 zum Orchideen bewundern. Ein Neben­ die rosa Quallen lieben – erste Annä- Schwefelbad einzutauchen und im lin Margerita vorbei und ihr ­Besitzer –
Weltnaturerbe erklärt. Salina, die Grüne krater und imposante Vulkanwände am herungsversuche sind schmerzhaft. Meer zu schwimmen. ein Kapernbauer – freut sich über ein
Unser Ausflug beginnt mit der 50-mi- Weg sind sichtbare Zeitzeugen, bevor Die Tour war 9,85 Kilometer lang,

D
er Mai 2019, unser Reisemonat, nütigen Bootsfahrt auf die zweitgrößte wir unser heutiges Ziel, das Dorf Santa wir waren 2,5 Stunden unterwegs.
wird in die Wettergeschichte Insel Salina. Besonders bekannt wurde Marina erreichen.
eingehen als der kühlste und diese Insel durch den Drehort Pollara Unsere Wegstrecke betrug 11,8 Kilo- Vulcano, die Interessante
regen­reichste der letzten Jahrzehnte. für den Film „Il postino“ mit Ingrid meter, wofür wir 3,5 Stunden brauchten. Heute steuern wir Vulcano an. Ständig
Dennoch wagen 40 Wanderfreunde Bergmann. Im Hafen von Rinella liegt steigen aus ihrem Krater (391 m) weit-
das Abenteuer „Wanderwoche im ein blaues Fischerboot, der alte Lipari, die Größte hin sichtbare Schwefeldämpfe auf. Vor
­Süden“. Und diese Woche war ein­ ­Fischer erzählt uns gerne von seinem Zu Fuß starten wir vom Hotel hinauf 80 Jahren ist er das letzte Mal ausge-
same Spitze: durch das Wetter, das kargen Leben. Unser Weg führt ge- übers Dorf, zuerst vorbei an schönen brochen, seither verstopft und deshalb
Reiseziel, die Unterbringung und die mütlich hinauf nach Valdichiesa zur Villen mit Parkanlagen, später auf gefährlich. Er ist mit seinen 10.000 Jah-
sehr guten Küche! Und jeden Tag wan- Marienkirche, weiter über Steinstufen ­einem naturbelassenen Steig auf den ren der jüngste Krater. Ein Teilstück
dern auf e­ iner anderen Insel! und später über eine Forststraße Monte Guardia (369 m). Oben haben des Weges ist aus dem Felsen gehau-
Die Busfahrt nach Milazzo führte steil zum Monte Fossa delle Felci auf wir herrliche Ausblicke zu den Nach- en, teilweise sehr breit, wohl für die
uns an schönen Orten wie Taormina 962 Meter. Es ist dies die höchste barinseln, zur Küste von Sizilien, der vielen Touristen. Am Kraterrand beein-
vorbei oder am Drehort für den Film ­Erhebung aller Liparischen Inseln, Landzunge von Milazzo. Unsere Rund- drucken uns die heißen und giftigen
„Der Pate“ an der Meeresenge von ein Steinhaufen mit einem kleinen wanderung führt steil hinab mit Sicht Schwefeldämpfe, die aus den Löchern
Messina. Den kurzen Aufenthalt in Holzkreuz markiert den Gipfel. Der auf Lipari, und unten angekommen entweichen und das Gestein gelb fär-
­Milazzo nutzen wir für die Erkundung Ausblick aufs Meer und auf die Nach­ stärken wir uns mit Kaffee oder Bier – ben. Wir umrunden den Krater und fol-
der Altstadt, den Fischmarkt am bar­inseln ist durch Nebel etwas ein­ jeder nach seinen Gelüsten. Beim gen einem gut angelegten Weg, der
Strand oder für e ­ inen guten Espresso. geschränkt. Tino, unser Begleiter für Rückweg in die Altstadt besuchen wir uns hinauf auf den Gipfel bringt, von

76 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 77


Unterwegs c l i m b i n g • t r e k k i n g • s k i t o u r i n g • t r a i l r u n n i n g

Autumn is the season


of alpinists.

Gruppenfoto auf dem Stromboli


Foto: AVS St. Lorenzen
880 Höhenmeter sind es; durchwegs und schönste Bucht des Archipels zu
steil, aber gut angelegt ist der Steig zeigen.
­hinauf zum Gipfel des Stromboli. Im Hafen angekommen fallen das
Schon bald begrüßt er uns mit seinem viele Baumaterial auf, die Elektrotaxis,
regelmäßigen und unheimlichen die noblen Villen auf der Anhöhe
kurzes Gespräch. Unten im Hafen bie- ­Grollen. Es gilt Helmpflicht. Oben mit Hubschrauberplätzen. Durch die
ten sich jetzt zwei Möglichkeiten an: ange­kommen spüren wir die Kraft des ­Ginsterbünsche geht es einsam und
Wettschwimmen mit den Quallen oder Vulkans: Alle 15 bis 20 Minuten spuckt steil mit immer wieder schönen Foto-
ein kühles Blondes. Und trotz der Um- einer der fünf Krater tief unter uns motiven bergauf: das Loch im Felsen
weltproblematik der verschmutzten Gesteins­brocken und Lava, begleitet oder der steinerne „Liegestuhl“ hoch
Weltmeere – hier gibt es sie noch: die von riesigen Rauchwolken und es über dem Abgrund. Am Ende unserer
sauberen Strände mit glasklarem und ­regnet feinsten Vulkanstaub. Heute Rundwanderung machen wir einen
tiefblauem Wasser. Sie sind steinig Morgen gehört der Gipfel nur uns, ­Abstecher zur prähistorischen Sied-
und von Quallen geliebt. Bei der Rück- nachts geht es ganz anders zu, da stei- lung an der Punta Milazzese. Darunter
fahrt fährt der Kapitän ganz nahe an gen die Touristen zu Hunderten hinauf. lädt die Cala Junco zum Baden ein,
die Grotta del bue marino heran, dann Beim Rückweg waten wir eine steile auf der anderen Seite – in Dorfnähe –
weiter zur Felsnadel mit der Madonni- Vulkansandrinne hinunter, das letzte gibt es doch tatsächlich einen Sand-
na an der Spitze, schließlich durch die Wegstück wegen des Feinstaubes mit strand.
zwei engen Felsen hindurch. Jede Mundschutz. Der höchste Punkt der heutigen
­größere Bucht und jeder höhere Fel- Mit dem Boot fahren wir wieder Wanderung liegt auf 430 Meter, ins­
sen hat hier einen Namen. Und irgend- ­zurück, zuerst um das vorgelagerte gesamt wanderten wir 7,5 Kilometer
wo da draußen liegt jetzt der Hut von Insel­chen Strombolicchio mit dem mit 2 Stunden Gehzeit.
Lois, ein Tirolerhut mit vielen schönen „Steinherzen“ herum, und dann auf
Erinnerungen, Ansteckern und stets der Rückseite des Stromboli, wo die Mit vielen schönen Erinnerungen neh-
blumengeschmückt. Lavaströme und der schwarze Sand men wir Abschied von den Inseln, und
Die letzten warmen
Urlaub kann so wunderbar sein – bis ans Meer herab reichen. Heute wir sind uns einig: Es braucht schon ein Tage in vollen Zügen
t
jetzt spendiert der Kapitän auch noch
ein Glas Malvasia.
noch findet man an den Stränden
­Obsidian (Vulkanglas), das bereits von
sehr gutes Organisationsvermögen,
viel Erfahrung und Freude, um eine
genießen. Im Fels, auf bat für

Ra
Heute waren es 9,6 Kilometer und den Steinzeitmenschen zu Werkzeug solche Urlaubswoche anbieten zu dem Gipfel, im Kletter-
750 Höhenmeter, die wir in 3,15 Stun- und Messern verarbeitet wurde. ­können. Ein großes und aufrichtiges garten... Mit unseren
den gewandert sind. Unsere Strecke heute: 9,3 Kilometer Vergelt’s Gott allen, die an der Vor­ Produkten bist du
und 3,10 Stunden Gehzeit. bereitung und Durchführung dieser

er
immer sicher und
Mit
glied
Stromboli, der aktivste Vulkan Wanderwoche beteiligt waren. Dieses
­Europas Panarea, die Noble Reiseziel zu toppen, ist unmöglich stylisch unterwegs.
Nach 90 Minuten Bootsfahrt geht es Bei der Hinfahrt zur kleinsten der sie- (aber das haben wir uns bisher jedes
mit zwei einheimischen Bergführern ben Inseln lässt es sich unser Kapitän Mal gedacht …). www.mountainspirit.com
und mit Helm im Rucksack bergan. nicht nehmen, uns die versteckte Michi Zössmair, AVS-Ortsstellen St. Lorenzen

78 Bergeerleben 05/19 39100 Boze n • Z wölfma lgre ine r-S tra ße 8A/ 8B • Mounta inS pirit Te l. 0471 053 434 • Marmot Store Tel. 0471 979 614
Unterwegs

Sterne
Über der Grands-­Charmoz-Westwand Foto: Pixabay/O2

Tiefblick in den oberen Seillängen


Aus einem unruhigen Schlaf wache bin, wo ich sein will. Dass ich mit nie- ben unserer Route befinden sich dün-
ich auf – wo zum Teufel bin ich? Ach mandem auf dieser Welt tauschen Blick vom Ausstieg zur Aiguille du Crèpon ne Eisglasuren auf den Granitplatten,
ja, Chamonix, Klettern, Aiguilles, möchte. Mit einer tiefen Zufrieden­heit Fotos: Lukas Troi
die nun im Sonnenlicht glitzern. Die
Grands-Charmoz-Westwand, im in mir drehe ich mich auf die Seite Kälte hat uns ziemlich zugesetzt, doch
Freibiwak auf der Gletschermoräne und nehme meinen Kampf mit dem endlich kommen wir vom Schatten ins
des Nantillionsgletschers. Schlaf wieder auf. Licht. In leichtem Gelände beschließen
nach, wie lange wir uns schon kennen: wir, ein wenig zu rasten und etwas

B
iwak und Hüttennächte waren Die Neugier, gemeinsam 20 Jahre, eine kleine Ewigkeit. Obwohl Wärme zu tanken. Lange wird uns die
noch nie meine Stärke. Von ­aufzu­brechen wir in einiger Entfernung wohnen, ist Sonne nicht erhalten bleiben, da schon
­Natur aus mit einem leichten Am Morgen um halb sechs ist es kalt. unsere Freundschaft über die Jahre die für die Aiguilles typischen Ther-
Schlaf gesegnet, bin ich immer froh, Wir zweifeln ein wenig, ob es nicht zu gereift. Von der gemeinsamen langen mikwolken auftauchen und die Sonne
wenn es Zeit ist aufzustehen. Doch kalt ist für diese hoch gelegene West- Ausbildung ging es nahtlos über in un- abschirmen. Wir sind ganz allein in der
noch ist es stockdunkel und neidisch wand, wo wir die Sonne erst gegen sere Leidenschaft für den Alpinismus. Wand, und während ich an einem Müsli­
höre ich ­Felix neben mir ruhig atmen. Mittag sehen werden. Doch das Wet- Doch das ist nur die Oberfläche, der riegel kaue, fallen mir wieder die Ster-
Der wacht sicher die ganze Nacht nie ter ist herrlich, unsere Motivation groß Kern unserer Freundschaft sitzt tiefer: ne der Nacht ein. Mit leiser Wehmut
auf, denke ich mir ärgerlich. Nach- und schließlich können wir ja jederzeit eine ähnliche Art die Dinge zu fühlen, überlege ich, dass ich dieses unglaub-
denklich drehe ich mich auf den Rü- abseilen. Also packen wir unsere Sa- zu sehen. Eine Neugier, die uns in ei- liche Bild, diese Empfindung mit nie-
cken und schaue hoch zum Firmament. chen und queren den Gletscher Rich- nem wechselseitigen Verhältnis immer mandem ­teilen kann, nicht einmal mit
Sterne, ich sehe nur Sterne, so un- tung Einstieg. Die ersten Seillängen wieder dazu treibt aufzubrechen. meinem Freund, da die Stille der Ster-
glaublich hell und nah, die Milchstraße, verlaufen etwas holprig, der Fels ist ne seinen Schlaf bestimmt nicht stören
alles so rein, so klar, Myriaden von eiskalt, Finger und Zehen sind bald Wie kann man Stille und Worte in konnte. So oft schon war ich alleine auf
Lichtern, von fernen Welten. Würde ich gefühl­los und wir haben unseren ge- Ehrfurcht fassen? Graten, auf wilden Gipfeln, und fast nie
die Hand ausstrecken, ich glaube, ich wohnten Rhythmus noch nicht gefun- Ich werde aus meinen Gedanken geris- konnte ich jemandem später vermit-
könnte sie fast berühren. Kein Laut. den. Bei langen Klettertouren stellt sen, als das Seil schnell durch meine teln, was ich wirklich empfand, wie
Keine Wolke trübt den Nachthimmel. sich im Idealfall nach einer gewissen Hände läuft, ich baue den Stand ab glücklich, wie einsam ich dort manch-
Staunend wie ein kleines Kind starre Zeit eine eigene Dynamik ein, wo alles und steige nach. Viele herrliche Ver- mal war. Worte sind meist unzulängli-
ich in die Stille hinauf. Ich spüre die fließt, in ständiger Bewegung ist, jeder schneidungen, Risse und Platten spä- che Mittel, um wirklich zu beschreiben,
kalte Luft der Nacht und mir wird auf genau weiß, was getan werden muss. ter klettern wir die letzte schwierige was man fühlt. Wie sollte man Stille
einmal ganz klar, dass ich trotz des Während ich Felix beim Klettern zu­ Seillänge vor dem Stufengelände auf und Ehrfurcht in Worte fassen? Ein
­unbequemen Schlafgelages genau da sehe und am Stand sichere, denke ich zwei Drittel der Wandhöhe. Direkt ne- Wider­spruch in sich.

80 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 81


Unterwegs

Im unteren Teil des Pfeilers


Die offensichtliche Sinnlosigkeit Die Kathedrale aus goldbraunem
des Tuns Granit
Wir liegen gut im Zeitplan und so kön- Es war ein langer Tag, langsam lassen
nen wir die letzten acht Seillängen unsere Konzentration und Geduld
richtig genießen. Risse in allen Varian- nach, doch durch unsere lange
ten, herrlicher rotbrauner Granit und Freundschaft wandeln wir meist auf
die pure Freude am Klettern an die- der sicheren Seite des Grates, der eine
sem hochalpinen Schauplatz. Wir ernste Diskussion in einen Streit aus­
­beobachten zwei Seilschaften am arten lassen würde. Unser Respekt,
Grat­übergang vom Charmoz zum ­unser Vertrauen zueinander sind groß,
­Grepon und staunen über die Gewagt- unsere Argumente legen wir klar auf
heit ­dieser historischen Route. Hier den Tisch, frei von Rechthaberei und
wurde Klettergeschichte geschrieben, Geltungsbedürfnis. Dann wird ent-
als Albert Frederic Mummery mit schieden, ganz rational, ganz einfach.
­Gefährten schon 1881 als Erster den Als mir dann Felix, der am Seil an einer
Übergang wagte. steilen Platte hängt, die unter ihm hun- Licht und Schatten am Gran Charmoz - und
über uns ein Himmel wie die Milchstraße
Am späten Nachmittag sind auch dert Meter haltlos auf den Gletscher
wir am Gipfelgrat, doch die Tour ist niederschießt, mit einer deutlichen Be-
lange noch nicht zu Ende. Es erwarten stimmtheit versichert, dass sich unter i­mmer ein besonderer Moment, es ist Es ist sieben Uhr abends, wir be-
uns über 20 Abseillängen bis zum ihm nicht das Stufengelände befindet, die Genugtuung, gemeinsam etwas schließen noch abzusteigen. Weit, weit
Wandfuß und zu unseren Gletscher- das ich gefordert hatte, ist alles klar. erlebt, geschafft zu haben, etwas unten sieht man das Tal von Chamonix.
schuhen. 20 Mal bangen, ob sich das Wir müssen weiter nach links. Schließ- Wertvolles, das wie ein Schatz im Spei- Also schultern wir die schweren Ruck-
Seil nicht doch hinter irgendeinem lich kommen wir problemlos zu unse- cher unserer Erinnerungen leuchtet. säcke und machen uns auf den Weg,
­Zacken verfängt und uns zu zeitauf- ren Gletscherschuhen am Einstieg. Ein lang gehegter Traum, der nun ver- der in endlosen Serpentinen über die
wendigen Manövern zwingt. Nach Während wir das Material sortieren, wirklicht ist. Am Biwakplatz packen wir verschiedenen Vegetationsstufen hin-
­einer kurzen Diskussion sind wir uns hören wir das bedrohliche Pfeifen von gemütlich unsere Sachen zusammen unterzieht. Schließlich wird es langsam
­einig, dass wir über unsere Aufstiegs- Steinen, die sich wegen der Nachmit- und immer wieder gehen unsere Blicke dunkel und als der Pfad dann im Wald
route abseilen werden, da wir dort tagssonne in der Westwand gelöst hinüber zur Westwand des Charmoz, auch noch fast ansteigt, beginne ich
das Gelände schon kennen. ­haben und nun wie kleine Meteore die wie eine Kathedrale aus goldbrau- zu jammern und fluche über die fran-
Die Alternative über eine Abseil­ Krater in den Gletscher schlagen. Also nem G ­ ranit 700 Meter in die Höhe zösischen Wegebauer, die meiner Mei-
piste schaut kompliziert aus, da noch heißt es noch einmal schnell sein. Wir schießt. Gestern, als sie immer wieder nung nach nicht besonders zielorien-
relativ viel Schnee auf den Bändern hasten, wir rennen vom geschützten aus dem Nebel auftauchte, hatte sie tiert sind. Worauf mir Felix mit einer
liegt und sich Schneefelder und Einstieg quer über den Gletscher, bis noch etwas Geheimnisvolles, Unbe- gewissen Belustigung entgegnet, dass
Reibungs­kletterschuhe eher schlecht wir einigen Abstand von der Wand kanntes, jetzt kennen wir ihre Struktur, wir ja aus eigenem Willen da sind und
vertragen. ­haben. Dann, langsam, fällt die ganze waren selber für einen Tag Teil dieses froh sein sollten, dass überhaupt ein
Also wieder dort hinunter, wo wir Anspannung des Tages ab. Es ist Berges. Steig existiert. Verblüfft und lachend
uns erst vor wenigen Minuten hinauf- über die unerwartete Antwort füge ich
gemüht haben! Ich muss schmunzeln, mich dem Weg und meinem weiteren
als mir die offensichtliche Sinnlosigkeit Schicksal. Genau das ist es, was mir
unseres Tuns bewusst wird. Und trotz- an unserem Unterwegssein so gefällt:
dem, die Emotionen, die Erinnerun- Wir nehmen uns selber nicht allzu
gen, die ich von diesem Ort mitnehme, ernst. Es ist wie ein Spiel, ein Experi-
sie geben mir eine Kraft, von der ich ment, ein Wechsel aus Spannung und
noch in vielen Jahren zehren werde. Entspannung, wo Zahlen und Schwie-
Ich hasse abseilen, Felix auch, trotz- rigkeitsgrade nur eine sekundäre Rolle
dem kommen wir recht schnell und spielen. Wichtig ist nur die Wirkung,
ohne größere Schwierigkeiten Rich- die die Ereignisse auf uns haben. Mi-
tung Einstieg und bei jedem Abseil- nuten, Stunden, Tage, die uns verän-
stand gibt es die kurze Entspannung, dern und prägen, uns am intensivsten
wenn sich das Seil ohne Probleme zeigen, wie lebendig wir sind. Wäh-
­abziehen lässt. rend wir das letzte Stück zum Auto in
Schließlich, drei Abseillängen über der Dunkelheit zurücklegen, hält Felix
dem Wandfuss sind wir uns uneinig, einen Moment inne und dreht sich zu
in welche Richtung es weitergeht. mir um: „Hast du gestern in der Nacht
Ich will nach links, Felix gerade hin­ Die Westwand des Grand Charmoz mit diese Sterne gesehen?“ Ich lächle.
dem Cordierpfeiler
unter. Lukas Troi

82 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 83


Unterwegs

ersten Nächte verbrachten wir auf sei- denkt. Genießen lässt sich die Aussicht
nem Grundstück in einem Beduinen- am besten mit einem kalten Getränk
zelt. Innen war es mit schönen orienta- von ganz oben. Beim Kloster gibt es
lischen Teppichen verkleidet und bot ein Café mit „the best view of the
uns den idealen Unterschlupf für die ­world“, also mit der besten Aussicht
doch noch etwas kalten Nächte. auf der ganzen Welt, was wir nur be-
stätigen können.
Lionheart
Am nächsten Morgen machten wir uns Klettern in der Wüste
früh auf den Weg zum Lionheart. Vor- An diesem Abend trafen wir im Dorf
beigekommen an der Lawrence Quelle, wieder die anderen Kletterer, die uns
stiegen wir durch ein Loch, das kaum vom strömenden Regen des Tages
breiter war als wir selbst und erblickten und den daraus entstandenen Wasser-
unsere Route: ein Riss, der von finger- fällen in den Felsen berichteten. Ein
breit bis offwidth reicht. Hannes zeigte etwas anderes Erlebnis, das sicherlich
uns einige Tipps, die er sich bei seinen auch uns beeindruckt hätte.
Reisen ins Yosemite Valley und mit Hannes kletterte am kommenden
dem AVS-­Projekt Alpinist ins chinesi- Tag mit einem Australier, dessen
sche Li Ming zum Rissklettern angeeig- ­Partner leider krank geworden war.
net hatte. Die Route selbst war von Die beiden kletterten die Route
­unten bis oben durchwegs schwierig, „The Star of Abu Judaidah“, während
aber das gerade noch rechtzeitige An- ich mit ­Armin „Merlins Wand“ bzw.
kommen auf dem Gipfel übertraf all den „Super­crack“ hochstieg.

Auf den Spuren von


unsere Erwartungen. Wir freuten uns Unser Favorit war definitiv „La
über den fantastischen Sonnenunter- ­Guerre Sainte“ in der 400 Meter hohen
gang in dieser einmaligen Landschaft Wand Nassarani. Für mich wahrschein-

Lawrence von Arabien


und fielen am Abend müde ins Bett. lich mit Abstand eine der schönsten
Routen, die ich je geklettert bin. Elf Krönender Abschluss einer
Petra Seillängen bis zur Schwierigkeit 7b, Route: R
­ ­opeswing auf der
Steinbrücke am Gipfel
Während der zweiten Hälfte unseres ­super mit Klebehaken abgesichert, an
Trips schliefen wir direkt in der Wüste, gut griffigem Fels, von Henkeln bis zu
Klettern in Jordanien heißt sehr oft Riss-
Kletterreise nach ­ enossen tagsüber Temperaturen um
g klettern: von fingerbreit bis offwidth wo Hilejels Vater mit anderen Beduinen den letzten Seillängen, an der die nach einem ganzen Tag im Sandkasten
die 15 °C und nachts immerhin 2 °C. wohnte. An diesen Abenden tranken Wand noch spiegelglatt wird und nur und beschlossen, uns ein bisschen zu
­Jordanien Fotos: Stefan Plank

wir literweise süßen Tee, blickten ins einzelne kleinste Leisten sich hervor- waschen. Angelangt am Toten Meer
The Beauty Lagerfeuer und versuchten, mehr über heben. Einfach eine wunderschöne trieben wir auf dem Wasser wie tote
Mit einem Jucken in den Fingern Am zweiten Tag war es endlich soweit die Kultur der Beduinen zu erfahren. technische Wandkletterei. Unsere letz- ­Fische und wunderten uns über das
und großer Reiselust planten und unsere erste Route, „The Beauty“, überschaubarer, aber bunter Haufen. Jahrtausendealte Kultur fanden wir te Route am darauffolgenden Tag war ungewöhnliche Gefühl, im Wasser auf-
­Armin, Hannes und ich den nächsten konnte erklettert werden. Allein der Alle waren damit beschäftigt, sich über auch während unseres Ausflugs in die ein Klacks dagegen, an ihr war unser recht stehen zu können, ohne den
Klettertrip nach Jordanien – Zustieg stimmte uns auf die nächsten das Erlebte auszutauschen und die Ruinenstadt Petra, die in Wirklichkeit Hauptziel die natürliche Steinbrücke ­Boden mit den Füßen zu berühren.
­genau ein Jahr, nachdem wir im Tage ein, wir wanderten durch die Touren für die nächsten Tage zu pla- noch viel beeindruckender ist, als auf am Gipfel, an der wir eine Ropeswing Mit salzigem Nachgeschmack und
Oman zum Klettern waren. ­riesigen und eindrucksvollen Canyons nen. Auffallend oft fiel der Name den Fotos, die man aus dem Internet bauen wollten. noch etwas Sand im Koffer ging es
in dieser surrealen Landschaft. Beim ­Lionheart. Alle schwärmten von der kennt. Die Stätten in Petra wurden mit dann wieder ab nach Hause. Rückbli-

G
ewappnet mit einem Kletter- Einstieg eröffnete sich uns ein herr­ Tour, unüberhörbar, aber immer Präzision und Perfektion in den Sand- Und nach zehn Tagen Wüste, orange- ckend sicherlich eine absolut empfeh-
führer von 1987 machten liches Panorama und der Blick auf die schwang ein bisschen Demut mit. Die stein gehauen, beeindruckend, wenn roten Felsen und täglicher Kletterei lenswerte Kletterreise.
wir uns auf den Weg nach schöne Rissverschneidung, die sich Route sei nicht ganz ohne, hier muss man an den ganzen Arbeitsaufwand fühlten wir uns schließlich wie Kinder Stefan Plank
­Malpensa, wo unsere Reise begann. für 120 Meter nach oben zieht. Nach man schließlich alles selbst absichern.
Den Großteil der Anreise verbrachte fünf Seillängen bis zum 6. Grad waren Nichtsdestotrotz ging es für uns an Zehn Tage Wüste, Kletterei und
orangerote Felsen
ich mit Schlafen, da ich gesundheitlich wir oben auf dem Gipfelplateau, das diesem Abend früh ins Bett. Das Bett
etwas angeschlagen war. Als ich die uns schlicht und einfach ins Staunen befand sich in diesem Fall in Wadi Rum,
Augen öffnete, staunte ich nicht versetzte. Höchst motiviert für die einem von Beduinen geführten Natio-
schlecht: Schnee auf dem Desert nächsten Tage seilten wir uns ab. nalpark. Ähnlich wie in Amerika betritt
Highway im südlichen Jordanien? man ihn durch ein Wartehäuschen, in
­Kühlere Temperaturen waren zu erwar- Ein Bett in Wadi Rum dem man sich bei der Polizei anmeldet
ten, aber auf Schnee waren wir nicht Beim Abendessen trafen wir Gleichge- und Eintritt bezahlt. Wir lernten dort
wirklich vorbereitet. Glücklicherweise sinnte aus aller Welt, etwa Australien, Hilejel kennen, einen Beduinen, der
war es halb so schlimm, denn wir Amerika, Schweiz und Kanada – ein anbot, sich um uns zu kümmern. Die

84 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 85


Erstbegehungen

Ende Novem­ber hinzog und mir für mein Vor­


haben sehr entgegenkam. Noch im November
konnte ich den gesamten oberen Bereich im
Allein­gang eröffnen. Mit dem Winter kehrte an
den Zinnen langsam Ruhe ein und die Wege
und Wände blieben menschenleer. Diese Zeit
nutzte ich, um einige unstabile, gefährliche Pfei-
ler und lose Blöcke zu entfernen und talwärts zu
schicken; das wäre im Herbst viel zu gefährlich
gewesen. Die übrigen fehlenden Seillängen im
Mittelteil erschloss ich ebenso im Alleingang

Grohmann- Ende Mai, Anfang Juni dieses Jahres. Es war viel


zu winterlich und zu kalt für die Jahreszeit, wes-
halb ich den unteren Teil der Route mit Steig­

Hainz-Führe
eisen bewältigen musste. Ab dem ersten Band
versank ich bis zum Bauch im Schnee. Ein Wei-
terkommen war nur noch mit Schneeschuhen Normalweg von Westen
möglich. Untypisch für die Jahreszeit biss sich Grohmann-Hainz-Führe
Neutour an der der viele Schnee hartnäckig im Gelände fest.
Großen Zinne Erst in der Nachmittagszeit konnte er sich nicht
mehr halten und als ich beim Abstieg war,
GROHMANN-HAINZ-­
FÜHRE 2019
Die Neutour zeichnet sich ­entlud der Berg die Schneelast immer wieder
durch eine Schwierigkeit in Nassschneelawinen, denen ich lieber nicht
im Bereich -V und durch die Große Zinne Südpfeiler
gute Absicherung aus in die Quere kommen wollte! V- (oder IV A0)
Foto: Gerda Schwienbacher
Erstbegehung: Christoph Hainz, Gerda
47 Seillängen, 1.050 Klettermeter Schwienbacher
Nach vollendeter Arbeit war ich gespannt, end- Oktober, November 2018 und Juni 2019
Wieso sollte es nicht einen weite- der Großen Zinne zu ziehen, startete gesperrt. So blieb uns keine Wahl: lich die einzelnen Seil­längen zusammenhän- Die ersten 20 SL eröffnete ich zusam-
ren Normalweg auf die Große Zinne ich vergangenen Herbst das Unter­ ­Alles Material in die Rucksäcke ge- gend als Ganzes zu durchsteigen. Hatte sich die men mit meiner Lebensgefährtin Gerda
geben? Diese Idee geisterte schon nehmen. Über Türme, Platten, Schluch- stopft machten wir uns auf den Weg. Mühe gelohnt? Schwienbacher von unten nach oben,
seit Längerem in meinen Gedanken ten und Bänder eine schöne und sinn- Angesichts der schweren Last auf dem Am 8. Juni 2019 kletterte ich sie mit Gerda in die restlichen 25 SL ebenso von unten
herum. Dabei dachte ich an eine volle Linie zu ziehen, reizte mich – und Rücken, die wir nun von der Malga Rin ca. sieben Stunden Rotpunkt. Beeindruckende im Alleingang.
Route, die vielleicht etwas an- das alles an der Sonnenseite der Gro- Bianco hochschleppen mussten, hielt 47 Seillängen, 1.050 Meter Kletterstrecke, eine 1. Rotpunkt: Christoph Hainz mit Gerda
spruchsvoller als der altgewohnte ßen Zinne! Wunderbar! Es sollte eine sich unsere Begeisterung über den ver- gelungene Linie an einem einmaligen Berg im Schwienbacher am 8.6.2019
Normalweg war, jedoch mit guter Tour zum Genussklettern werden. längerten Fußmarsch in Grenzen. Aber Herzen der Drei Zinnen. Schwierigkeit: V- oder IV A0 (oblig. IV),
­Absicherung und in einem Schwie- Bei meinen Erkundungen und mein Entschluss stand fest. Ich wollte Allen Wiederholern wünsche ich viel Spaß 47 Seillängen, 1.050 m Kletterstrecke,
rigkeitsbereich, der auch für den schließlich beim Eröffnen der Tour die Route beginnen und im Herbst und Freude an der neuen Route! Berg Heil! 600 Hm
geübten Hobbybergsteiger noch stieß ich auf etliche alte Stände und noch so weit als möglich voranbringen, Christoph Hainz Absicherung: Klebehaken und Normal­
gut machbar sein sollte. Haken, sowie einige Abseilstellen, was denn schließlich schien es mir passend, haken, alle Standplätze sind mit Klebe­
haken oder Standketten versehen. Ein
bedeutete, dass der Bereich sicherlich wenn sie zum Jubiläum „150 Jahre Erst-

I
Standplatz ist an einer Sanduhr und ein
mmer wieder, wenn ich in den Zin- kein reines Neuland ist. Hier waren besteigung der Großen Zinne“ frisch
weiterer an einem Felszacken zu finden.
nen unterwegs war, schweiften mei- überall schon Bergsteiger zugange, und fein herausgeputzt fertiggestellt
Material: 12 Expressschlingen, einige
ne Blicke durch die Wände. Ich er- vielleicht Kletterer, die sich in der wäre – als mein Geschenk an die Große
Bandschlingen, Abseilgerät und einige
kundete die Große Zinne von allen Wand vertan hatten, oder sich irgend- Zinne zum Jubiläum und an alle
Schraubkarabiner, sowie eine Prusik­
Seiten und hielt Ausschau nach einer wie einen Weg nach unten bahnen Zinnen-­begeisterten Kletterer. schlinge.
brauchbaren Linie, die sowohl von der mussten. Zeit: 6–9 Stunden für eine klassische
Felsqualität als auch von der Schwie- Im Schnee vollendet Seilschaft
rigkeit her für mein Vorhaben passend Ein Geschenk an die Große Zinne Nachdem wir im September und im Zustieg: von der Auronzohütte 25 Min.
wäre. Dabei hatte es mir besonders Ende September des vergangenen Oktober die ersten 20 Seillängen er- Abstieg: über den Normalweg 2,5 bis
der Südpfeiler angetan. Öfters stieg Jahres fuhr ich in Begleitung meiner schlossen hatten, wussten wir, es wür- 3 Stunden
ich ein und kletterte Teile im Allein- Lebensgefährtin Gerda und bestückt de eine lange Tour, eine sehr lange Charakter: sehr genussvolle Kletterei
gang, um zu erkunden, ob er mir das mit reichlich Material sowie mit Bohrer Tour werden! Ich zweifelte, ob ich es in meist recht gutem Fels
bieten konnte, was ich mir erhoffte, und Akkus ausgerüstet in Richtung schaffen würde, sie für den Sommer Die Rotpunktbegehung gelang über Zacken, Türme, Fels-
und ich wurde fündig. Beflügelt, eine Drei Zinnen. Ungünstigerweise war 2019 fertigzustellen. Dann bescherte Christoph Hainz und Gerda bänder und Schluchten
Schwienbacher am 8. Juni
durchgehende Route vom tiefsten ­genau an jenem Tag die Straße zur uns der Herbst e­ inen schier unendlich
Foto: Christoph Hainz
Punkt am Südpfeiler bis auf den Gipfel Auronzo­hütte wegen eines Radrennens langen Altweibersommer, der sich bis

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Erstbegehungen

Unabhängigkeits- und Freiheitsnatur Guglia Franca, „Via Anne-Michele“


des Menschen.“ In der Schlucht zwischen Punta Emma
und der Rosengartenspitze (2.981 m)
„Architettura gialla“ mit ihren drei Gipfeln liegt ein bislang
Erst im dritten Versuch gelang der vergessener ca. 200 Meter hoher Turm:
Durchstieg der „Architettura gialla“ die unscheinbare Guglia Franca. Sie
(VI+, A1), wie wir die Route aufgrund wurde 1929 durch Hans Steger und
der plastischen Formen von schwindel­ Paula Wiesinger erstiegen und es ist
erre­gen­den gelben Überhängen, auch ein Gipfelbuch hinterlegt. 2018
­Dächern, Pfeilern und Kanten nannten. kundschaftete die Seilschaft Heinz
Dabei brachten wir an den Standplät- Grill, Martin Heiß, Barbara Holzer an
zen einen Ring und an den zwei schwie- einem Schlechtwettertag diese Erhe-

3
rigsten Stellen, die den VII. Grad errei- bung aus. Es muss eine große Über­
chen, noch einen Bohrhaken an, sodass raschung gewesen sein, als sie sich als
eine freie Begehung entspannter mög- achte Seilschaft in das Gipfelbuch ein­
lich ist. Wie erwartet, gab es bereits trugen. Aufgrund dieser historischen Es zeigte sich das in Bergsteiger-
­einige Wiederholer, welche die Schwie- Besonderheit suchten sie eine Linie kreisen sehr wohl bekannte Phäno-
rigkeiten der athletischen Kletterei und mit der besten Felsqualität, um die gut men, dass das Zusammenwirken einer
Schönheit der Route bestätigen. gesicherte „Via Anne-Michele“ (VI-, VI) Seilschaft, relativ unabhängig vom

Rosengarten mal …
zu kreieren. Kletterniveau, gute oder schlechtere
Ergebnisse herbeiführen kann. Das
„Spigolo sud diretto“, Florian Kluckner in Pala di Socòrda, „Via Spigolo sud menschliche Vertrauen in den Gefähr-
dem Quergang und den grauen Platten der
5. Seillänge. Im Talgrund ist die Gardeccia diretto“ ten, mit dem man zusammen die nicht
… und die Suche nach den tieferen Erfahrungen im Bergsteigen sichtbar. Dahinter der Baumannkamm Im Gegensatz zu den beliebten Vajo- immer ganz gefahrlose Schule am
Foto: Sandra Schieder
lettürmen erntet die gezackte und ver- Berg durchläuft, ist wie eine gediege-
„Architettura gialla“, Barbara Holzer am winkelte Larsèc-Gruppe trotz ihrer ne Basis für das Unternehmen. Es wer-
­löchrigen und überhängenden Pfeiler der
Im Frühsommer vorigen Jahres zog Platten vor. Die Schwierigkeiten blie- Gefahren, großen Entbehrungen und 6. Seillänge
Nähe zur Gardeccia nur wenig Auf- den Durchhaltevermögen, Können,
es unsere Seilschaft, Heinz Grill, ben gemäßigt im klassischen V. und VI. nimmt damit eine Opferleistung auf Fotos: Florian Kluckner merksamkeit. In nur einer halben Stun- Geistesgegenwart, Entscheidungskraft
Florian Kluckner und Barbara Schwierigkeitsgrad. Dies sollte sich sich, oder er bezahlt sogar dafür. Für de ist der Einstieg erreicht. Der Fels und Selbstverantwortung in jedem
Oberhalb der sonnenbeschienenen Vajolet­
­Holzer, unter die Punta Emma, die aber mit dem Beginn des gelben viele Bürger erscheint diese Tatsache hütte führt ein Kar zum „Gartl“ und den der 450 Meter hohen Südwand ist viel- Augen­blick vom Kletterer abverlangt
direkt über der Vajolethütte auf- Wandbereichs mit seinen lastenden verrückt oder auf jeden Fall nicht ganz ­zackigen Vajolettürmen, rechts davon ist fach von Gras durchsetzt, doch darun- und nehmen sein ganzes Gemüt in An-
der massige Ostturm, links die niedrigere
ragt. Uns beschäftigte der Gedan- und schaurigen Überhängen und normal zu sein. So gehört der Berg- Punta Emma und der Nord- und Haupt­ ter verbirgt sich eine erlesene Qualität spruch. Auch der große Emilio Comici
ke, ob man an der von Dächern ­Dächern schlagartig ändern. So gelan- steiger wohl zur Spezies der abnorma- gipfel der Rosengartenspitze von festem Gestein. schrieb davon.
durchzogenen Ostwand noch neue gen uns im ersten Anlauf fünf zufrie- len Menschen. Nach dem Kletterer Die Logik der direkten Linie war
Kletterjuwelen hinzufügen könnte. denstellende Seillängen. und Schriftsteller Heinz Grill liegt in durch eine luftige Kante rechts der
der Begegnung von Berg und Mensch „Schubert-Werner“ von 1970 vorgege-

V
on der gemütlichen Sonnenter- Der Bergsteiger als abnormale ein Mysterium. Er schreibt, dass der ben. Mit der Erstbegehung wollten wir
rasse der Vajolethütte aus stell- ­Spezies feste und unverrückbare Berg seine nicht nur ein persönliches Abenteuer
ten wir unterschiedliche Über­ Nach all den Jahrzehnten des Berg- Herausforderung setzt und der sich erleben und uns in der Eitelkeit mit der
legungen an, wobei sich eine Linie steigens, der Erschließung von Hun- bewegende Mensch mit seinem Be- Bewältigung größter Schwierigkeiten
herauskristallisierte. Die Idee gab uns derten Neutouren und Auszeichnun- dürfnis nach Formüberwindung und darstellen, sondern ein Werk hinterlas-
den unwiderstehlichen Antrieb, zur gen stellte sich mir die Frage, warum der Eroberung des bisher Unbekann- sen, das sich in den Berg harmonisch
Tat zu schreiten. Die Fragen nach der es mich und viele andere Menschen ten sich immer fantastischeren Höhen einfügt. Die Wiederholer sollten sich
Felsqualität und ob in den steilen Ab- immer wieder in die Berge treibt. Ist es hingibt und sich Schwierigkeiten sogar am Berg durchaus aufgenommen
schnitten auch für unser mittlerweile tatsächlich wie eine Gegen­bewegung freiwillig aussetzt. Dadurch reift seiner ­fühlen und eine weite Atmosphäre mit
schon fortgeschrittenes Alter noch zum erdrückenden und bequemen All- Meinung nach die Individualität im einem freien Atem wahrnehmen.
entsprechend große Griffe versteckt tag mit seinen von außen auferlegten Menschen. Florian Kluckner
sind, blieben unbeantwortet. Klar hin- Regeln, Sicherheitsbestimmungen und Wörtlich: „Das äußere Abenteuer,
gegen war, dass die Route aufgrund Überwachungsmaßnahmen? Oder ist das immer reichhaltig mit Emotionen „Architettura Guglia Franca, Pala di Socòrda,
der guten Erreichbarkeit und relativ wie ein Gleichnis für das Leben, da das geschmückt ist, führt, um es nur ein- ­gialla“ „Via Anne–­ „Via Spigolo sud
geringen Wandhöhe von 250 Metern Bergsteigen von Spannungen, Hinder- mal etwas tiefgründiger zu betrachten, Michele“ diretto“
eine zugängliche und für Dolomiten- nissen, Schönheit, scheinbaren Un­ zu einer Willenserkraftung und da-
verhältnisse gut gesicherte Tour wer- lösbarkeiten, Schlüsselpassagen, Be- durch zu einer Stärkung der Persön-
den sollte. So legten wir links der drängnissen und Möglichkeiten, diese lichkeitsstruktur. Die Berührung am
„Via Helma“ die Hände an den Fels zu überwinden, erzählt? Der Bergstei- Felsen, mit dem absolut unnachgiebi-
und fanden wie erwartet schöne graue ger stellt sich freiwillig den Strapazen, gen Festen, fördert die individuelle

88 Bergeerleben 05/19 Bergeerleben 05/19 89


Erstbegehungen

Erstbegehungen
Alles im Kasten
Mittleren Kasten, Kalser Dorfer-
tal/Hohe Tauern
Jung & Alt Somnium Im Juni 2019 gelang Simon Gietl und
Staller Sattel, Antholzer Tal Neunerspitze, Fanes ­Vittorio Messini die Rotpunktbegehung

Kurz  und knackig


Hans Ekhardt und Lukas Pichler kletter- Michael Kofler, Manuel Gietl und Florian ihrer Neutour in Pfeilermitte des Mittleren
ten diese neue Linie am Staller Sattel an Wenter gelang an der Neunerspitze eine Kastens. Auf zwei Tagen aufgeteilt konn-
drei Tagen im September 2018. Eine neue Tour mit begeisternder Plattenklet- ten die seichten Risse, Platten und über-
schöne, logische Linie am besten Fels. terei mit Schwierigkeiten bis 7a. Laut der hängenden Verschneidungen, die man in
Diese Tour hatte Lukas Pichler schon län- Erstbegeher, wie der Name bereits ver- dieser Tour antrifft, überwunden werden.
ger im Auge. Durch den griffigen Felsen rät, ein Traum! Laut den beiden Kletterern ist die Route Alexander Feichter ­
und die einzigartige Struktur war es für „Alles im Kasten“ wirklich etwas Beson- gelingt Sid Lives
die beiden ein wahrer Genuss, diese deres und für Liebhaber von granitarti-
­Linie von unten einzubohren. ger Kletterei ein absolutes Muss.

Die Route „Sid Lives“ im Kletter­


gebiet Nago bei Arco ist eine kurze,
sieben Meter hohe Klettertour
im Schwierigkeitsgrad UIAA 11.
Sie wurde am 12. November 2015
vom italienischen Top-Athleten
­Gabriele Moroni eröffnet.

D
ie Tour setzt sich aus einer
40 Grad steilen, überhängen-
den Kalksteinplatte zusammen,
in der es ca. 27 Kletterzüge zu bewäl­
Alexander Feichter in Sid Lives
tigen gilt. Die ersten zehn Züge sind
Fotos: Alexander Feichter
mit einem Bouldergrad von Fb. 8b
­bewertet, der restliche Teil mit einem
Bouldergrad von Fb.7b/+. Die gesamte Tour bietet keine Rastmöglichkeit, was Durchstieg am 15. Mai 2019
auch den Übergang vom ersten in den Gabriele Moronis Tour „Sid Lives“ er-
zweiten Teil erschwert. Umso besser weckte eine gewisse Neugierde in mir.
The clean Nose ist das Gefühl, wenn man den guten Im Mai 2018 stand ich zum ersten Mal
Eppan Schlussgriff in der Hand hält! Sid Lives vor dem Felsblock. 2019 war ich bereit,
zählt bis jetzt zehn Begehungen ins­ mich diesem schweren Seilkletter­
Hefe im Kopf Mauerläufer Florian und Martin Riegler gelang am
gesamt. Die Klettertour besteht zum projekt zu widmen. Am 4. Januar 2019
Antholzer Tal, Staller Sattel Magerstein-Südseite, Antholz 2. April 2019 in ihrer Heimatgemeinde
Großteil, mit Ausnahme von zwei bis studierte ich die einzelnen Züge ein.
eine neue Erstbegehung mit toller Riss-
Der verregnete und kühle Frühling ließ Neben den bereits beliebten alpinen drei Leisten bzw. Fingerlöchern, aus Es dauerte eine Weile, den optimalen
kletterei. Die Route befindet sich in
2019 nicht besonders viel zu. Umso moti- Mehrseillängengebieten Kleiner Hoch- abschüssigen Auflegern und Zangen- Bewegungsfluss bzw. Ablauf zu finden.
­einem schönen, aber sensiblen Gebiet
vierter und entschlossener war man, als gall und Staller Sattel gibt es seit Herbst griffen. Da die gesamte Platte stark Gewisse Klettertouren verhalten sich
in der Nähe eines Biotops. Wie Florian
die Bedingungen besser und die Zustie- 2018 einen dritten noch weitgehend un- nach hinten neigt und die Griffe nicht oftmals wie ein Labyrinth, das es zu
Riegler schreibt, haben die Brüder dabei
ge beinahe schneefrei waren. Recht zü- bekannten Sektor am Südsockel des Ma- allzu groß sind, ist die Kletterei sehr ­erforschen gilt, den optimalsten, oft-
bewusst auf Haken verzichtet und bitten
gig konnte Manuel Gietl mit Michael No- gersteins. Die ersten Seillängen richtete körperspannungsbetont und fordert mals auch einzigen Weg zum Ziel hin
alle Kletterer, sich respektvoll der Natur
cker eine weitere lohnende 7 Seillängen Manuel Gietl im Sommer 2017 ein. Mit neben der Blockierkraft auch eine zu ­finden, der dann letztendlich am
gegenüber zu verhalten. So werden auch
zählende Route einrichten. Laut Manuel der Route „Mauerläufer“ kreierte Manuel gute Fußplatzierung. 15. Mai umgesetzt wurde! Gesichert
in Zukunft weitere Kletterer viel Spaß
ist der Fels nahezu perfekt. Insbesondere eine 6-Seillängen-Route im besten Fels. Die Tour ist kurz und knackig: Man hat mich mein Bruder Benjamin. Es war
beim Klettern an der „Clean Nose“ haben.
nach der Einstiegsseillänge wird er mit Die erste freie Begehung gelang Manuel klettert knappe zwei Minuten ohne ein tolles Erlebnis!
jedem Meter fester und genussvoller. gemeinsam mit Josef Hilpold. Rastmöglichkeit durch die Wand. Alexander Feichter

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Info-Service

BERGSTEIGERTIPP

Achtung auf deine Zähne!


Klippen mit Seil im Mund

Sich beim Einhängen der Zwischen- hört es auch, die Zähne zusammenzu- des Anseilpunktes beim Hüftgurt und
sicherungen das Seil zum Nach­ beißen. So sind uns in Südtirol einige hängt mit einem einmaligen Seilhoch-
ziehen zwischen die Zähne zu klem- schwere Zahnverletzungen bekannt, ziehen in der Expressschlinge ein. Mit
men, wird von Anfängern und von bei denen Kletterer während eines un- dieser Methode sind Sturzhöhe und
Profis in den Kletterhallen und am kontrollierten Sturzes das Seil im Mund Verletzungsgefahr wesentlich geringer
Fels praktiziert. Stürzt man aber hatten. und das Seil in den Mund zu nehmen
genau in diesem Moment, kann das Auch wenn es Klettersituationen ist überflüssig. Vor allem in den Klet-
Seil im Mund von schweren Zahn­ gibt, in denen es sich nur schwer ver- terhallen, wo die Hakenabstände
verletzungen bis hin zu schweren meiden lässt, das Seil in den Mund zu genormt sind und sehr nahe aneinan-
Entstellungen des Gesichts und nehmen, wollen wir euch auf diese der liegen, sind das überstreckte Ein-
bleibenden Schäden am Gebiss Gefah­ren­quelle aufmerksam machen hängen mit mehrmaligem Seilhoch­
­führen. und Methoden aufzeigen, wie man ziehen und das Seil mit den Zähnen
die weit verbreitete, aber dennoch festzuhalten viel gefährlicher als diese
Reflex ­gefährliche Praxis vermeiden kann. Methode.
Die Erklärung hierfür ist einfach: Die Es gibt zwar mehrere alternative
Muskeln anzuspannen ist eine typische Lösungsmöglichkeit Möglichkeiten – wie das Seil zwischen
menschliche Schreckreaktion, die tief Um das Seil nicht überstreckt einzu- Kinn und Brust zu klemmen oder wie
verankert ist und nicht einfach aus­ hängen und mit Zwischenstopp im einen Telefonhörer zwischen Kinn und
geschaltet oder abtrainiert werden Mund hochzuziehen, gibt es eine ein- Schulter, sie sind aber in der Praxis
kann. Wie bei der Bedienung des fache Lösung: Man klettert ausrei- schlecht umsetzbar. Auch das Seil mit
Sicherungs­geräts müssen auch beim chend nahe zur nächsten Zwischensi- den Lippen festzuhalten ist in der
Klettern und Stürzen die natürlichen cherung hoch, bis sich diese ungefähr ­Praxis sehr schwerfällig, da das Seil
Reflexe des Menschen berücksichtigt zwischen Hüft- und Schulterhöhe be- stark nach unten zieht und man mit
werden. Zu dieser reflexartigen An- findet. Dann nimmt man das Seil mit den Lippen nicht genügend Kraft hat.
spannung während eines Sturzes ge- der Hand so weit als möglich unterhalb Stefan Steinegger

ZWISCHENSICHERUNGEN NICHT ­ÜBERSTRECKT E


­ INHÄNGEN

Bei den ersten drei bis vier Zwischensiche- Kletterer wird am Toprope abgelassen.
rungen bis ca. 5 Meter Höhe sollte man Strafft sich das Vorstiegsseil, muss man
Stürze vermeiden und besonders auf das noch den Bremsweg dazurechnen,
korrekte Einhängen Acht geben. Während also die Strecke, um die der Sichernde
des überstreckten Klippens liegt der Klet- ange­hoben wird und die Menge an Seil,
ternde bei einem Sturz zwingend auf dem die durch das Sicherungsgerät läuft.
Boden. Das Gleiche gilt, wenn zwar nicht Tipp: Dasselbe funktioniert übrigens auch
überstreckt geklippt, aber mit Schlappseil mit den Selbstsicherungsgeräten, die es
gesichert wird. mittlerweile in fast a
­ llen Südtiroler Kletter-
Wer es nicht glaubt, kann seine Sturzweite hallen gibt. Mit diesem Gerät als redun­
testen, indem er sich im T ­ oprope und dantes Sicherungs­system kann man in der
­parallel im Vorstieg sichern lässt. Zum Test Seilschaft Stürze üben, die Folgen von Unkontrollierte Stürze durch Ausrutschen
kommen beim Klettern vor. Aber auch
zieht man das Seil zum Klippen hoch und Schlappseil und überstrecktem Einhängen ­Griffe, die sich drehen oder brechen,
setzt sich, ohne die Express einzuhängen, testen und mit unerfahrenen Sicherern das ­können die U­ rsache sein. Passiert das kurz
in das Toprope. Der Vorstiegsichernde Vorstiegssichern üben. vor dem Einhängen, sind die Stürze weit.
Ist dabei das Seil im Mund, kann der Sturz
­ändert seine Position nicht mehr, und der zu Zahn­verletzungen führen
Grafiken: Georg Sojer

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Info-Service

Tour gesucht? Tour gefunden!


Hat man in dem gewählten Kartenaus-
schnitt nicht die gewünschten Inhalte
gefunden, kann man die Karte ent-
Ausklappbares Verschiebbare
­Filtermenü Filter sprechend verschieben oder weiter
Mit der neuen alpenvereinaktiv-App hinein­zoomen. Dabei werden aber
nicht automatisch neue Suchergeb­
nisse nachgeladen und angezeigt,
Nachdem wir im Bergeerleben 02/19 ein, dann erscheint automatisch eine nis nun entweder in einer Karten- oder ­sondern erst dann, wenn man auf
den Menüpunkt „Karte“ erklärt Ansicht mit Suchvorschlägen. (Abb. 1) in einer Listenansicht durchstöbern „Hier neu suchen“ geklickt hat.
­haben, stellen wir hier die Volltext- Klickt man nun auf den Begriff unter und somit direkt zu einer Tour oder
und Ortssuche sowie die Suche „Volltextsuche“ (iOS) bzw. „Suchbe- Hütte gelangen. Tipp
nach Touren, Hütten und aktuellen griffe“ (Android), werden alle Inhalte Klickt man hingegen auf einen der Damit die Kartenansicht auf dem klei-
Bedingungen vor. von alpenvereinaktiv, also Touren, Orts-Suchvorschläge unter „Ergebnis- nen Bildschirm des Smartphones nicht
­Hütten und aktuelle Bedingungen, in se“, wird der Ort auf der Karte ange- durch eine „Ergebnis-Wolke“ überla-

W
as früher so manchen Nutzer denen das Wort „Ankogel“ vorkommt, zeigt. Nun kann man sofort die Optio- den ist, werden bei allen Suchen maxi-
der alten App verzweifeln angezeigt. Man kann das Suchergeb- nen „Route hierhin“, „Hier starten“ mal 25 Ergebnisse auf der Karte an­
ließ, funktioniert nun in der oder „In diesem Bereich suchen“ (sie- gezeigt. Um zu weiteren Inhalten zu
neuen App viel einfacher und schnel- he unten) nutzen oder ganz normal mit kommen, muss man entweder:
ler: die Suche nach Orten und Inhal- der Karte weiterarbeiten, indem man • genauere Filter wählen,
ten. Möglich ist diese Suche im Menü- rechts oberhalb der Karte mit Klick auf • weiter hineinzoomen und auf
punkt „Karte“ (Startseite der App) das „X“-Symbol die Suche beendet. „Hier neu suchen“ klicken,
wobei es hier zwei Suchlogiken gibt: • die Listenansicht wählen, da hier
die Volltext- und Ortssuche sowie In diesem Bereich suchen auto­matisch weitere Ergebnisse
„In diesem Bereich suchen“. Das ist die neue starke Suche nach Abb. 2 nachgeladen werden.
Touren, aktuellen Bedingungen und Georg Rothwangl, Wolfgang Warmuth
Listenansicht öffnen alpenvereinaktiv-Redaktion, ÖAV
Volltext- und Ortssuche Hütten in der alpenvereinaktiv-App.
Direkt über der Karte befindet sich das Die Suchlogik basiert immer auf den
Eingabefeld für die Volltext- und Orts- sichtbaren Bereich des gewählten
suche. Gibt man hier z. B. „Ankogel“ Karten­ausschnittes, daher auch der Josef Essel, ÖAV-Sektion Innsbruck
Name „In diesem Bereich suchen“.
Mit folgenden Schritten findet man Günther-Messner-Steig –
schnell das gewünschte Ergebnis:
1. Kartenausschnitt für die gewünschte aussichtsreich über den Kamm der Aferer Geiseln
Region anpassen. Um die Region
zu finden, kann man die Ortssuche Der wunderschön angelegte Günther-­
verwenden (siehe oben). Messner-Steig verläuft nord- und
2. Auf „In diesem Bereich suchen“ ­südseitig durch die Aferer Geiseln.
­klicken. Die Tour geizt nicht mit landschaft­
3. In der folgenden Ergebnisansicht lichen Schönheiten und alpinen Her-
unter „Beste Ergebnisse“ auswäh- ausforderungen. Ungesicherte Steige
len, ob man eine Tour, eine aktuelle wechseln sich mit seilversicherten
Bedingung oder eine Hütte finden ­Passagen ab. Auch eine Leiter führt
STRECKE 15,8 km
will. über eine senkrechte Felswand. Bei
4. Sucht man z. B. eine Tour, kann man DAUER 7:15 h
eini­gen Felseinschnitten ist das
im nächsten Schritt die Disziplin AUFSTIEG 1.350 m ­Gestein mitunter brüchig. Trittsicher-
­auswählen. heit und Schwindelfreiheit ist aber
ABSTIEG 1350 m
5. Als letzten Schritt könnte man während der gesamten Tour not­
noch genauere Filter aktivieren, wie wendig. Weniger Geübte sollten ein
SCHWIERIGKEIT schwer
z. B. „Top-Touren“, „Nur Inhalte Klettersteigset mitführen.
von alpenvereinaktiv.com“ oder KONDITION

Schwierigkeiten. Dazu findet man in TECHNIK IV


der verschiebbaren Filterleiste viele
HÖHENLAGE
Möglichkeiten und zusätzlich lässt 2.652 m
sich über das orange Filtersymbol 1.670 m
noch das Filtermenü ausklappen.
Abb. 1 (Abb. 2)

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Info-Service

du k t- en
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des Umfelds aus und passt somit die Lichtintensität an die Bedürfnisse
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des Benutzers an. Es gibt drei Einstellungsmöglichkeiten: Nahbereich,
Longo Athesia Pustet
Karpos kommt mit einer intelligent aufgebauten Jacke
gemischt und Fernbereich. Alle Funktionen der Stirnlampe sind prak-
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tisch durch einen Knopf bedienbar. Eine Batterieanzeige mit fünf Stufen
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lässt den Akkustand genau bestimmen. Für einen optimalen Sitz sorgt
dicht. Im Schulter-, Kapuzen- und Armbereich wird „GoreTex zonal we- ­Alpenverein Tourenbuch Gipfel­ziele
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Ripstop-Struktur, die gute Bewegungsfreiheit und Feuchtigkeitstransport Südtirol. Themen:
mit sich bringt. Weitere technische Feinheiten wie Ventilationsöffnungen, Bergsport, Natur
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verschlüssen machen die Jorasses Plus Jacket von Karpos zum treuen
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dampf nach außen. Nach der Tour trocknet die Hose rasch.
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Abriebfestigkeit. Für die optimale Passform kann der Bund
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individuell reguliert werden. Verschiedene Einschub- sowie
Reißverschlusstaschen bieten Stauraum für Utensilien. ­Leben und über Die Himalaja-­ Faros
Preis: 139 € die Alpen Expedition Der Camiño in
der ­Brüder 10 Etappen
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rung („Duetto“) auf den Markt: Der sowohl für Ski-
cking-Abenteuer und Fernreisen, bietet sehr viel Stauraum und Mit drei Lamas ­Löwer
fahren und Bergsteigen als auch fürs Klettern (CE EN Reinhold Kruse
12492, CE EN 1077/B, UIAA 106) zertifizierte Helm wiegt eine gute Organisation sowohl innen als auch außen an. Sie ist aus Otto Welter – nach Rom Gipfelkreuze
nur 195 Gramm und überzeugt mit seinem schlichten Design. PFC-freiem, wasserabweisendem und robustem Material hergestellt. Prak- Der Tod in der Mit Lamas pilgern Träume, Triumphe,
tisch am Duffel ist der integrierte, abnehmbare Daypack und die Trage- drei Männer 1.070 Tragödien
Bestehend aus einer dicken, sehr harten Styropor-Plus-Außen- Gletscherspalte
griffe, die als Schulterträger umfunktioniert werden können. Zwei große Kilometer von
schicht verfügt der Helm nur über essenzielle Extras, wie eini- Leben und Wirken
Außentaschen geben zusätzlichen Stauraum, Kompressionsriemen im ­Südtirol nach Rom
ge Ventilationsöffnungen seitlich und im hinteren Bereich, vier des DAV-Grün-
Stirnlampenclips und abnehmbare Schaumstoff-Einsätze. Der Inne­ren des Duffels fixieren die Kleidung. Der Duffel Pro 90 ist ein wahres dungsmitgliedes
individuell anpassbare Duetto kann stets getragen werden, Packwunder und definitiv ein nützlicher Begleiter für den nächsten Trip. Otto Welter
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Reinhold Messner SO 22|09 > KALTERN


VEREINSHAUS

Zurück in die Berge TICKET: TV-KALTERN T 0471 96 31 69

MO 23|09 > WOLKENSTEIN


Bergsteigen als Lebensform KULTURHAUS “OSWALD V. WOLKENSTEIN”
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„Das Alpenbergsteigen als eine Möglichkeit zur Selbstäußerung
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DI 24|09 > TOBLACH
KULTURZENTRUM TOBLACH
­Bürokratie, lähmende Versicherung und bürgerliche Intoleranz TICKET: TV-TOBLACH T 0474 97 21 32
zu ­einer Art Knast werden.“ TV-INNICHEN T 0474 91 31 49

MI 25|09 > BOZEN


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TICKET: BÄCKEREI TRENKER,
­füllen einen guten Regalmeter – die nung des Menschen von der Natur,
KAPUZINERGASSE 2C T 0471 50 83 55
meisten davon hat Messner selbst auch der eigenen: „Unsere Krise ist
­geschrieben. Wer nun gar nicht mehr
weiß, wo die Lektüre ihren Anfang
die Krise des Sattseins.“
„Zurück in die Berge“ ist das Credo
Die wohl­wollenden Worte zum Geleit
hat ein späterer Gegen­redner verfasst:
DO 26|09 > NATURNS
RAIFFEISENSAAL IM BÜRGER- UND RATHAUS
nehmen soll, kann sich mit Messners eines bereits in jungen Jahren zor­nigen, Josef Rampold. TICKET: TV-NATURNS T 0473 66 60 77
Erstlingswerk aus dem Jahre 1970 mitunter aber auch poesie­geladenen Zurück in die Berge. Bergsteigen
­„Zurück in die Berge“ versetzen lassen. Mannes, der seinen ­Frieden bei Erst-, als Lebensform. Gedanken und Bilder. FR 27|09 > VAHRN
Messner, der heuer 75 Jahre alt Winter- oder Alleinbegehungen Ein Bildband. GROSSER SAAL HAUS VOITSBERG
wird, hat dieses Buch ursprünglich „als ­findet. Der Fotograf Ernst Pertl, Athesia, Bozen 1970 bzw. TICKET: TV-BRIXEN T 0472 27 52 52
zwanzigjähriger Aussteiger“ geschrie- selbst ein ­erprobter Bergsteiger, hat ­Droemersche Verlagsanstalt, München
ben, wie er selbst sagt – angetrieben Messners Worten die ­Ä sthetik der 1993 (Taschenbuchausgabe) SA 28|09 > AM SPEIKBODEN auf über 2.000 m
von der Enttäuschung seiner Genera­ Bergwelt im Bild gegenübergestellt. Stephan Illmer
SAND IN TAUFERS
TICKET & INFO:
BERGBAHNEN SPEIKBODEN T 0474 67 81 22
TV-AHRNTAL T 0474 67 11 36
TV-SAND IN TAUFERS T 0474 67 80 76
Impressum TV-BRUNECK T 0474 55 57 22
Ticket: 15 € + 10 € Ticket für Berg- und Talfahrt
36. Jahrgang, Nr. 05/2019
Redaktionsschluss für die START 5:15 Uhr, Talstation Speikboden
Eigentümer und Herausgeber: nächste Ausgabe: 1. 10. 2019 VORTRAG um 6:00 Uhr morgens
Alpenverein Südtirol, I-39100 Bozen,
Giottostraße 3
Tel. 0471 978 141 · Fax 0471 980 011
Anzeigenannahme:
Alpenverein Südtirol, z. H. Miriam Federspiel
Die Drucklegung dieser Zeit-
schrift wird gefördert durch: Beginn jeweils um 20 Uhr - Ticket: 15 €
www.alpenverein.it Giottostraße 3, I-39100 Bozen Keine Kartenreservierungen möglich - Infos: T 335 63 80 203
E-Mail: office@alpenverein.it bergeerleben@alpenverein.it, Tel. 0471 053 190
Presserechtlich verantwortlich
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die redaktionelle Bearbeitung und den Erschei- Ticket: 15 € +
nungstermin der Beiträge vor.
Redaktion: Judith Egger, Stephan Illmer, Ralf
Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge 10 € Ticket für Berg- und Talfahrt
Pechlaner, Stefan ­Steinegger, Gislar Sulzenbacher
und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. START 5:15 Uhr, Talstation Speikboden
Ermächtigung: Die Artikel geben die Meinung der Autoren und
Landesgericht Bozen, Nr. 4/84 vom 27.1.1984 nicht jene der Redaktion wieder. Die männliche VORTRAG um 6:00 Uhr morgens
Druck: Fotolito Varesco GmbH, Auer ­Bezeichnung schließt die weibliche immer mit ein.
Mehrfachzustellung & Adressenkorrektur
Auflage: 44.000 Verkaufspreis: Wir bitten alle Mitglieder, eventuelle Mehrfachzustellungen in der
TREIBSTOFFE | PELLETS | ERDGAS
Einzelpreis/Abo Familie oder falsche Adressenangaben der Landesgeschäftsstelle Bruneck · Sand in Taufers IN SÜDTIROL SEIT/DAL 2002

Gestaltungskonzept: www.gruppegut.it
· für Mitglieder im Mitgliedspreis enthalten
Layout, Druckvorstufe: www.typoplus.it · Einzelheft Nicht-Mitglieder: 6 € Inland,
(T 0471 978 141, mitglieder@alpenverein.it) bzw. der jeweiligen
Sektion/Ortsstelle zu melden.
www.simongietl.it
9 € Ausland; Jahresabo (vier Hefte + Jahresbericht
„Berge erlebt“) 25 € Inland, 40 € Ausland
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