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DEUTSCHE NORM Oktober 2004

DIN EN ISO 17641-1


X
ICS 25.160.40

Zerstörende Prüfung von Schweißverbindungen an metallischen


Werkstoffen –
Heißrissprüfungen für Schweißungen – Lichtbogenschweißprozesse –
Teil 1: Allgemeines (ISO 17641-1:2004);
Deutsche Fassung EN ISO 17641-1:2004
Destructive tests on welds in metallic materials –
Hot cracking tests for weldments – Arc welding processes –
Part 1: General (ISO 17641-1:2004);
German version EN ISO 17641-1:2004
Essais destructifs des soudures sur matériaux métalliques –
Essais de fissuration à chaud des assemblages soudés – Procédés de soudage à l’arc –
Partie 1: Généralités (ISO 17641-1:2004);
Version allemande EN ISO 17641-1:2004

Gesamtumfang 11 Seiten

Normenausschuss Schweißtechnik (NAS) im DIN


DIN EN ISO 17641-1:2004-10

Die Europäische Norm EN ISO 17641-1:2004 hat den Status einer Deutschen Norm.

Nationales Vorwort

Die vorliegende europäisch und international abgestimmte Norm wurde im CEN/TC 121/WG 13 „Zerstörende
Prüfverfahren für Schweißverbindungen“ erarbeitet. Das zuständige deutsche Normungsgremium ist der
Gemeinschaftsausschuss DIN/DVS AA 5.1/NMP/AG Q 4 „Zerstörende Prüfung von Schweißverbindungen“ im
Normenausschuss Schweißtechnik (NAS).

Die im Abschnitt 2 genannten Europäischen Normen sind unter gleicher Nummer als DIN-EN-ISO-Normen
veröffentlicht (außer für CEN ISO/TR 17641-3 wurde ein DIN-Fachbericht veröffentlicht).

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EUROPÄISCHE NORM EN ISO 17641-1
EUROPEAN STANDARD
NORME EUROPÉENNE August 2004

ICS 25.160.40

Deutsche Fassung

Zerstörende Prüfung von Schweißverbindungen an metallischen


Werkstoffen — Heißrissprüfungen für Schweißungen —
Lichtbogenschweißprozesse —
Teil 1: Allgemeines
(ISO 17641-1:2004)

Destructive tests on welds in metallic materials — Hot Essais destructifs des soudures sur matériaux métalliques
cracking tests for weldments — Arc welding processes — — Essais de fissuration à chaud des assemblages soudés
Part 1: General — Procédés de soudage à l’arc — Partie 1: Généralités
(ISO 17641-1:2004) (ISO 17641-1:2004)

Diese Europäische Norm wurde vom CEN am 9. Februar 2004 angenommen.

Die CEN-Mitglieder sind gehalten, die CEN/CENELEC-Geschäftsordnung zu erfüllen, in der die Bedingungen festgelegt sind, unter denen
dieser Europäischen Norm ohne jede Änderung der Status einer nationalen Norm zu geben ist. Auf dem letzten Stand befindliche Listen
dieser nationalen Normen mit ihren bibliographischen Angaben sind beim Management-Zentrum oder bei jedem CEN-Mitglied auf Anfrage
erhältlich.

Diese Europäische Norm besteht in drei offiziellen Fassungen (Deutsch, Englisch, Französisch). Eine Fassung in einer anderen Sprache,
die von einem CEN-Mitglied in eigener Verantwortung durch Übersetzung in seine Landessprache gemacht und dem Management-
Zentrum mitgeteilt worden ist, hat den gleichen Status wie die offiziellen Fassungen.

CEN-Mitglieder sind die nationalen Normungsinstitute von Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland,
Irland, Island, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, der
Schweiz, der Slowakei, Slowenien, Spanien, der Tschechischen Republik, Ungarn, dem Vereinigten Königreich und Zypern.

EUROPÄISCHES KOMITEE FÜR NORMUNG


EUROPEAN COMMITTEE FOR STANDARDIZATION
COMITÉ EUROPÉEN DE NORMALISATION

Management-Zentrum: rue de Stassart, 36 B-1050 Brüssel

© 2004 CEN Alle Rechte der Verwertung, gleich in welcher Form und in welchem Ref. Nr. EN ISO 17641-1:2004 D
Verfahren, sind weltweit den nationalen Mitgliedern von CEN vorbehalten.
EN ISO 17641-1:2004 (D)

Inhalt

Seite

Vorwort................................................................................................................................................................ 3
1 Anwendungsbereich ............................................................................................................................. 4
2 Normative Verweisungen ..................................................................................................................... 4
3 Begriffe................................................................................................................................................... 4
4 Symbole, Bezeichnungen und Einheiten............................................................................................ 5
5 Grundlagen der Heißrissbildung ......................................................................................................... 5
6 Prüfarten ................................................................................................................................................ 6
6.1 Selbstbeanspruchende Prüfungen...................................................................................................... 6
6.2 Fremdbeanspruchte Prüfungen........................................................................................................... 6
7 Beschreibung der Prüfungen............................................................................................................... 6
7.1 Selbstbeanspruchende Prüfungen...................................................................................................... 6
7.2 Fremdbeanspruchte Prüfungen........................................................................................................... 7
8 Zusammenfassung der Anwendungen ............................................................................................... 8

Tabellen

Tabelle 1 — Symbole, Bezeichnungen und Einheiten.................................................................................... 5

Tabelle 2 — Heißrissprüfung bei Selbstbeanspruchung und Anwendungen ............................................. 8

Tabelle 3 — Heißrissprüfungen, Rissarten und mögliche Anwendungen ................................................... 9

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EN ISO 17641-1:2004 (D)

Vorwort
Dieses Dokument (EN ISO 17641-1:2004) wurde vom Technischen Komitee CEN/TC 121 „Schweißen“,
dessen Sekretariat vom DIN gehalten wird, in Zusammenarbeit mit dem Technischen Komitee ISO/TC 44
„Welding and allied processes“ erarbeitet.

Diese Europäische Norm muss den Status einer nationalen Norm erhalten, entweder durch Veröffentlichung
eines identischen Textes oder durch Anerkennung bis Dezember 2004, und etwaige entgegenstehende
nationale Normen müssen bis Dezember 2004 zurückgezogen werden.

EN ISO 17641 besteht aus den folgenden Teilen mit dem allgemeinen Titel Zerstörende Prüfung von
Schweißverbindungen an metallischen Werkstoffen — Heißrissprüfungen für Schweißungen — Lichtbogen-
schweißprozesse:

 Teil 1: Allgemeines

 Teil 2: Selbstbeanspruchende Prüfungen

 Teil 3: Fremdbeanspruchte Prüfungen1)

Entsprechend der CEN/CENELEC-Geschäftsordnung sind die nationalen Normungsinstitute der folgenden


Länder gehalten, diese Europäische Norm zu übernehmen: Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland,
Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Island, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande,
Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische
Republik, Ungarn, Vereinigtes Königreich und Zypern.

1) Teil 3 wird als Technischer Report mit gleichem Titel veröffentlicht.

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EN ISO 17641-1:2004 (D)

1 Anwendungsbereich

Diese Norm gibt eine Einführung in die Grundlagen von Heißrissprüfungen für Schweißgüter und für
Grundwerkstoffe und beschreibt in Kurzform die Prüfungen, die für die Lichtbogenschweißprozesse verfügbar
sind.

 Teil 2: Selbstbeanspruchende Prüfungen: legt die Prüfungen fest, die angewendet werden sollten, um die
Heißrissanfälligkeit des Schweißgutes zu beurteilen. Die für die Rissbildung erforderliche Dehnung wird
durch Schrumpfbehinderung der Schweißung erzeugt.

 Teil 3: Fremdbeanspruchte Prüfungen: beschreibt die Prüfungen, die angewendet werden können, um
die Heißrissanfälligkeit der Legierungen des Grundwerkstoffes und des Schweißgutes zu beurteilen. Die
für die Rissbildung erforderliche Dehnung wird durch äußere Belastungen der Probe erzeugt.

ANMERKUNG Die Prüfungen nach Teil 3 erfordern keine genormten Einrichtungen. Verschiedene Laboratorien
verwenden unterschiedliche Verfahren, Prüfbedingungen und Abmessungen der Proben. Dabei ist die Wiederholbarkeit
im gegebenen Laboratorium im Allgemeinen gut, jedoch treten zwischen den Laboratorien manchmal Unterschiede auf.

2 Normative Verweisungen
Diese Europäische Norm enthält durch datierte oder undatierte Verweisungen Festlegungen aus anderen
Publikationen. Diese normativen Verweisungen sind an den jeweiligen Stellen im Text zitiert, und die
Publikationen sind nachstehend aufgeführt. Bei datierten Verweisungen gehören spätere Änderungen oder
Überarbeitungen dieser Publikationen nur zu dieser Europäischen Norm, falls sie durch Änderung oder
Überarbeitung eingearbeitet sind. Bei undatierten Verweisungen gilt die letzte Ausgabe der in Bezug
genommenen Publikation (einschließlich Änderungen).

EN ISO 17641-2:2004, Zerstörende Prüfung von Schweißverbindungen an metallischen Werkstoffen —


Heißrissprüfungen für Schweißungen — Lichtbogenschweißprozesse — Teil 2: Selbstbeanspruchende
Prüfungen (ISO 17641-2:2004).

prCEN ISO/TR 17641-3:2003, Zerstörende Prüfung von Schweißverbindungen an metallischen Werktoffen —


Heißrissprüfungen für Schweißungen — Lichtbogenschweißprozesse — Teil 3: Fremdbeanspruchte
Prüfungen (ISO/DTR 17641-3-2003).

3 Begriffe
Für diese Europäische Norm gelten die folgenden Begriffe.

3.1
Heißrisse
Werkstofftrennungen, die bei hohen Temperaturen längs der Korngrenzen (Dentritengrenzen) auftreten, wenn
die Größe der Dehnungen und die Dehngeschwindigkeit ein bestimmtes Niveau überschreiten

ANMERKUNG Kleine Risse, die nur mit einer Vergrößerung größer als x 50 sichtbar sind, werden oftmals als
Mikrorisse bezeichnet.

3.1.1
Erstarrungsrisse
Heißrisse, die bei der Erstarrung aus der flüssigen Phase im Schweißgut entstehen

ANMERKUNG Sie dehnen sich üblicherweise bis zur Oberfläche aus, jedoch können sie sich manchmal unter der
Oberfläche befinden.

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EN ISO 17641-1:2004 (D)

3.1.2
Wiederaufschmelzrisse
Heißrisse, die sich durch Wiederaufschmelzen in der wärmebeeinflussten Zone (WEZ) des Grundwerkstoffes
oder in Mehrlagenschweißungen bilden, deren das Schweißgut durch nachfolgende Schweißraupen wieder
erwärmt wird

3.1.3
Risse infolge von Verformbarkeitsabfall
Heißrisse, die sich beim Schweißen durch eine Verminderung der Verformbarkeit bei hohen Temperaturen
bilden. Wie bei den Wiederaufschmelzrissen können sie in der WEZ des Grundwerkstoffes oder in
Mehrlagenschweißungen auftreten

3.2
selbstbeanspruchende Prüfung
Prüfungen, bei denen die Belastung des Prüfstücks durch die während des Schweißens entstehenden
Spannungen der eingespannten Schweißung erzeugt wird

3.3
fremdbeanspruchte Prüfungen
Prüfungen, bei denen die Dehnung in der Probe durch Anwendung von Fremdbelastungen in einer speziellen
Prüfeinrichtung entstehen

4 Symbole, Bezeichnungen und Einheiten


Für die Anwendung dieser Europäischen Norm gelten die in Tabelle 1 wiedergegebenen Symbole und
Einheiten.

Tabelle 1 — Symbole, Bezeichnungen und Einheiten

Symbol Bezeichnung Einheit

MSI(TT) Kennziffer für die Mikrorissempfindlichkeit (Zugprüfung)a mm/mm²

MSI(LBT) Kennziffer für die Mikrorissempfindlichkeit (Längsbiegeprüfung)b mm/mm²


Ltot Gesamtlänge aller nachgewiesenen Heißrisse mm
Vcrit Kritische Dehnung bis zur Bildung des ersten Heißrisses mm/s

Temperaturbereich der Sprödigkeit, d. h. Unterschied zwischen NST und DTR


BTR K
(siehe prCEN ISO/TR 17641-3, Bild 2)
a MSI = LMF / Lo × d × π

b MSI = LMF / b × lo

5 Grundlagen der Heißrissbildung


Die Heißrisse werden im Schweißgut und in der WEZ des Grundwerkstoffes erzeugt, wenn die Dehnungen,
die sich beim Abkühlen in einer Schweißverbindung entwickeln oder wenn diese aufgebracht werden, die
Verformbarkeit eines Teils der Schweißverbindung überschreiten. Ihr Größenbereich erstreckt sich von sehr
kleinen Wiederaufschmelzrissen (< 1 mm Länge) in WEZ oder Mehrlagenschweißungen bis zu großen
Erstarrungsrissen, die die gesamte Länge der Schweißverbindungen umfassen können.

ANMERKUNG 1 Diese Risse sollten nicht mit Kaltrissen verwechselt werden, die immer bei Temperaturen unter 200 °C
auftreten.

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EN ISO 17641-1:2004 (D)

Heißrisse sind nicht auf irgendein bestimmtes Legierungssystem beschränkt, sondern können in Stählen,
nicht rostenden Stählen, Nickelbasislegierungen, Kupfer- und Aluminiumlegierungen auftreten. Die Gründe für
das Auftreten von Heißrissen sind vielfältig und komplex, aber in allgemeiner Hinsicht treten sie auf, wenn die
örtliche Verformbarkeit zu gering ist, um die aufgebrachte Dehnung aufzunehmen. Der Mangel an
Verformbarkeit kann von mikrostrukturellen Merkmalen und Orientierungen (in Bezug auf die Dehnungen)
sowie in einigen Fällen vom Vorhandensein spröder Verunreinigungen und niedrig schmelzender (oder
geseigerter) Schichten abhängen. In dieser Hinsicht sind einige Legierungssysteme gegen verunreinigende
Elemente, wie Schwefel, Phosphor, Blei usw. hoch empfindlich. Es ist allgemein anerkannt, dass
vollaustenitische einphasige Mikrogefüge besonders im Schweißgut auf verschiedene Weise
heißrissempfindlich sind. Der Anteil von Verunreinigungen beeinflusst das Auftreten von Rissen bei derartigen
Gefügen.

ANMERKUNG 2 Genaue Mechanismen für das Auftreten von Heißrissen sind noch nicht vollständig nachgewiesen
worden.

6 Prüfarten

6.1 Selbstbeanspruchende Prüfungen

Diese Prüfungen hängen von der Einspannung der Schweißung ab, um eine ausreichende Dehnung für das
Auslösen von Rissen zu erzeugen. Die Prüfungen beinhalten:

a) Prüfungen aus einer hoch eingespannten Schweißung, bei der die Prüfschweißung unmittelbar auf das
Vorhandensein von Rissen untersucht wird.

b) Prüfungen einer Stumpfnaht mit vollem Querschnitt, bei der die Probe aus dem Schweißgut der
Stumpfnahtschweißung entnommen und einer zusätzlichen Dehnung unterworfen wird, um bereits
bestehende Heißrisse (besonders Mikrorisse) sichtbar zu machen, so dass ihr Nachweis und ihre
Messung erleichtert wird. Die Dehnung nach dem Schweißen erfolgt entweder durch Zug oder durch
Biegung. Es ist nicht beabsichtigt, dabei neue Risse zu erzeugen.

Die Prüfungen bei Selbstbeanspruchung sind nur zur Beurteilung von Heißrissen im Schweißgut geeignet.

6.2 Fremdbeanspruchte Prüfungen

Diese Prüfungen hängen von der Fremdbelastung der Probe ab, die entweder während des
Schweißprozesses oder an einer geschweißten und gleichzeitig erwärmten und belasteten Probe aufgebracht
wird. Diese Prüfungen beinhalten:

a) Prüfungen, bei denen die Belastung während des Einbringens der Schweißung erfolgt.

b) Prüfungen, bei denen eine Schweißung wieder erwärmt und gleichzeitig belastet wird, um eine mögliche
Beurteilung der Empfindlichkeit zu bestimmen.

Diese Prüfungen bei Fremdbeanspruchung sind zur Beurteilung von Heißrissen im Schweißgut, in den
Grundwerkstoffen und in den Wärmeeinflusszonen geeignet.

7 Beschreibung der Prüfungen

7.1 Selbstbeanspruchende Prüfungen

7.1.1 Allgemeines

Einzelheiten für die Prüfverfahren sind in EN ISO 17641-2 wiedergegeben.

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EN ISO 17641-1:2004 (D)

7.1.2 Rissprüfung am T-Stoß

Das Prüfverfahren ist zum Beurteilen der Empfindlichkeit des Schweißgutes für Erstarrungsrisse bei
eingespannter einlagiger Kehlnaht vorgesehen. Drei Prüfungsarten sind verfügbar, wenn eine erhöhte
Einspannung, die von der zunehmenden Dicke und/oder Steifigkeit des bei der Prüfungsanordnung
verwendeten Bleches abhängig ist, bereitgestellt wird. Die Beurteilung ist im Wesentlichen qualitativ, da eine
unmittelbare Messung nicht gegeben ist. Die Beurteilung beruht auf Länge und Lage des Risses (falls
vorhanden) in der Prüfschweißung.

7.1.3 Zugprüfung des Schweißgutes

Diese Prüfung ist zur Beurteilung der Empfindlichkeit des aus einer Stumpfnaht entnommenen Schweißgutes
für Wiederaufschmelzrisse und für Risse infolge Verformungbarkeitsabfalls vorgesehen. Bei Anwendung einer
Belastung zum Zerreißen einer zylindrischen Probe, die vollständig aus dem Schweißgut einer
Stumpfschweißung besteht und diesem entnommen wurde, werden die Risse geöffnet, die beim
Schweißvorgang eingeleitet wurden. Die am Bruch angrenzenden Bereiche werden untersucht und mögliche
Risse können ermittelt und gemessen werden.

ANMERKUNG Siehe EN ISO 17641-2:2004, Bilder 2 und 3.

7.1.4 Längsbiegeprüfung

Diese Prüfung ist zur Beurteilung der Empfindlichkeit für Risse bei der Erstarrung, beim Wiederaufschmelzen
und infolge von Verformbarkeitsabfall von reinem Schweißgut aus Stumpfschweißungen vorgesehen. Beim
Biegen einer Probe, die in Längsrichtung aus einer Stumpfschweißung entnommen wurde, öffnen sich die
Risse, die beim Schweißen des Stumpfstoßes eingeleitet wurden. Mögliche Risse können ermittelt und
gemessen werden.

ANMERKUNG Siehe EN ISO 17641-2:2004, Bilder 4 und 5.

7.2 Fremdbeanspruchte Prüfungen

7.2.1 Allgemeines

Einzelheiten für die Prüfverfahren sind in prCR ISO/TR 17641-3 wiedergegeben.

7.2.2 Heißzugprüfung

Die Heißrissempfindlichkeit wird durch die Ausführung einer Zugprüfung bestimmt, bei der gleichzeitig die
Probe erwärmt wird, um den thermischen Zyklus zu simulieren.

Ein unterschiedliches Verfahren und verschiedene Probenabmessungen werden angewendet, um die


Empfindlichkeit für Erstarrungsrisse gegenüber der Empfindlichkeit, die für Wiederaufschmelzrisse auftritt, zu
beurteilen:

a) Um Erstarrungsrisse zu simulieren, wird die Probe bis zur Schmelztemperatur erwärmt und mit den
Klemmbacken der Einrichtung festgehalten, so dass die Schrumpfung Risse erzeugt.

b) Um Wiederaufschmelzrisse zu simulieren, werden die Proben bis kurz unter die Solidustemperatur
erwärmt. Die Bestimmung der Empfindlichkeit beruht auf der Prüfung einer Anzahl von Proben, um eine
Kurve für die Heißverformbarkeit zu erstellen.

7.2.3 Varestraint- und Transvarestraintprüfungen

Die Varestraint- und die Transvarestraintprüfungen werden angewendet, um die Heißrissempfindlichkeit beim
Schweißen mit gleichzeitiger Belastung zu ermitteln. Bei der Varestraintprüfung wird die Belastung in
Längsrichtung zur Schweißraupe während der Prüfung aufgebracht und ist geeignet zur Beurteilung der

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EN ISO 17641-1:2004 (D)

Empfindlichkeit für Risse bei der Erstarrung, beim Wiederaufschmelzen und infolge Verformbarkeitsabfall. Bei
der Transvarestraintprüfung wird die Belastung in Querrichtung zur Schweißraupe während der Prüfung
aufgebracht und dient nur zur Beurteilung der Empfindlichkeit für die Erstarrungsrisse. An einem bestimmten
Zeitpunkt während des Schweißvorganges wird die Belastung der Probe durch Biegen über einen Dorn
vorgenommen. Nach der Beendigung der Prüfung werden die sichtbaren Risse beurteilt und ausgemessen.
Die Bestimmung der Empfindlichkeit beruht auf einer Beurteilung der Risslänge abhängig von der Ober-
flächendehnung.

7.2.4 Kontrollierte Flachzugbiegeprüfung

Diese Prüfung wird unter Verwendung einer einzelnen Flachzugprobe durchgeführt, die in einer horizontalen
Zugprüfanlage gedehnt wird, um eine zunehmende Belastungsgeschwindigkeit zu erreichen. Die kontrollierte
Dehnung wird während des Einbringens der Schweißung aufgebracht. Die Dehngeschwindigkeit zur
Initiierung von Heißrissen wird beschrieben als eine kritische Dehngeschwindigkeit und dient als Messgröße
der Heißrissempfindlichkeit.

8 Zusammenfassung der Anwendungen


Die möglichen Anwendungen der verschiedenen Prüfungen sind in den Tabellen 2 und 3 zusammengefasst.

Tabelle 2 — Heißrissprüfung bei Selbstbeanspruchung und Anwendungen

Prüfart Rissarten Ergebnisse Anwendungen

Qualifizierung von Schweißzusätzen.


Rissprüfung am
Erstarrung Qualitativ. Abnahmeprüfung für Schweiß-
T-Schweißstoß
zusätze.
Erstarrung Qualifizierung des Schweiß-
Qualitativ oder quantitativ, verfahrens.
Wiederaufschmelzung
falls die Kennziffer MSI(TT) Erstellung von Prüfstücken.
Zugprüfungen
für die Emfindlichkeit für
am Schweißgut Qualifizierung von Schweißzusätzen.
Mikrorisse angewendet
Verformbarkeitsabfall wird. Abnahmeprüfung für Schweiß-
zusätze.
Erstarrung Qualifizierung des Schweiß-
verfahrens.
Wiederaufschmelzung
Qualitativ oder quantitativ, Erstellung von Prüfstücken.
Längsbiege-
wenn MSI(LBT) angewendet
prüfung Qualifizierung von Schweißzusätzen.
wird.
Verformbarkeitsabfall
Abnahmeprüfung für Schweiß-
zusätze.

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EN ISO 17641-1:2004 (D)

Tabelle 3 — Heißrissprüfungen, Rissarten und mögliche Anwendungen

Prüfart Rissarten Ergebnisse Anwendungen

Erstarrung Ltot BTR Grundwerkstoff, Auswahl und


Qualifizierung
Wiederaufschmelzung Ltot
Varestraint Schweißgut, Auswahl und
Qualifizierung
Verformbarkeitsabfall Ltot
Schweißverfahren
Schweißgutauswahl
Transvarestraint Erstarrung Ltot
Schweißverfahren
Erstarrung Vcrit Werkstoffauswahl
kontrollierte
Wiederaufschmelzung Vcrit Mehrlagenschweißung
Flachzuprüfung
Schweißverfahren
Verformbarkeitsabfall Vcrit
Werkstoffkombinationen
Erstarrung BTR
Heißzugprüfung Werkstoffauswahl und Qualifizierung
Wiederaufschmelzung BTR