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Keynes Multiplikator Akzelerator

Multiplikator
Keynes geht von Unterbeschäftigung aus – in der Rezession werden die Maschinen
weit unter der Kapazitätsauslastung gefahren so dass höhere Produktion nicht zu
höheren Kosten führen muss. Strategischer Ansatzpunkt sind hierbei die
Investitionen. Mgl. Steigerung staatlicher Investitionen (öffentlicher Bau),
Verbesserung der Abschreibungsmgl., Senkung des Zinssatzes oder andere
Verbesserungen der Gewinnerwartung
Investitionsnachfragemultiplikator -> sehr viel größere Erhöhung des BIP -> die
effektive Nachfrage bestimmt das Einkommen bzw. das BIP
Durch Inv. Werden Einkommen geschaffen, diese Eink. verwenden die H zum Kauf
von Konsumgütern wodurch wieder Eink. an anderen Stellen geschaffen wird usw.

Aus:
Y = Ca + Ia
1-c

folgt:
Multiplikator = dY = 1 . = 1
dIa 1-c s

Eine dauerhafte Erhöhung der Investitionen führt zu einer umso größeren Erhöhung
des Sozialproduktes, je kleiner die marginale Sparneigung (s = 1-c) ist.

z.B. marginale Konsumquote 0,8

1 . = 1 = 5
1 – 0,8 0,2 je kleiner die marginale Konsumquote je kleiner ist der
Multiplikator

-1-
Investitionen (Keynes)

Ähnlich wie in der (Neo-)Klassik ist auch die am häufigsten verwendete


keynesianische Investionsfunktion eine fallende Funktion des Zinssatzes.
Begründet wird dies mit der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals, die den Kosten
eines Investitionsprojekts (Auszahlungen) seine erwarteten Erträge (Einzahlungen)
gegenüberstellt.
Vereinfachte Annahme: Auszahlungen fallen in der Gegenwart an, während
Einzahlungen diskontiert werden müssen, da sie sich über mehrere Perioden
erstrecken.
Aus der Gleichsetzung der Auszahlungen A mit den diskontierten Einzahlungen E
ergibt sich der interne Zinsfuß r (Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals), der die
Verzinsung des eingesetzten Kapitals für ein Investitionsprojekt mißt.
Je höher der Zinsfuß desto lukrativer ist ein Investitionsobjekt.

Akzeleratorprinzip
Vollauslastung der Kapazitäten in der Konsumgüterbranche führt zu zusätzlichem
Bedarf an Investitionsgütern, der vom Investitionsgütersektor gedeckt werden kann,
d. h. der Kapitalbestand steigt.

Je höher v (Akzelerator = Beschleuniger) desto stärker reagieren die Investitionen


auf die erwartete Nachfrageänderung

Keynes Grundlagen

Keynes: Die effektive Nachfrage dominiert den Arbeitsmarkt

Die keynesianische Konsumfunktion

KEYNES eine einkommensabhängige Konsumfunktion. Zwar nennt er in der „General


Theory“ zahlreiche Einflussfaktoren kommt aber zu dem Schluss, dass die
Konsumgüternachfrage hauptsächlich eine Funktion des (laufenden) Einkommens
sei
-2-
C = C a + c * Y mit Ca >0 und 0< C < 1.
(Ca > 0 und 0< c< 1)

Gesamtkonsum C ist eine zunehmende Funktion des Einkommens, d.h. je höher


das Einkommen, desto höher auch der Konsum

Ca als einkommens-unabhängiges absolutes Glied in der Konsumfunktion


wenn auf Bestände zurückgegriffen werden kann
die Konsumfunktion nicht degressiv steigend, sondern linear spezifiziert wird (lineare
Regression zwischen Einkommen und Konsum)

marginale Konsumneigung c gibt die Veränderung des Gesamtkonsums an


wenn sich das Einkommen um eine Konsumeinheit ändert
erste Ableitung bzw. die Steigung der Konsumfunktion (c = dC / dY)
c = Linearitätsannahme als konstant unterstellt

dass der Durchschnittskonsum bei steigendem Einkommen abnimmt:

C = Ca + cY = Ca + c
Y Y Y
Da Ca und C konstant sind, muss C/Y bei steigendem Y sinken. Dass der
Durchschnittskonsum bei steigendem Einkommen sinkt, bezeichnet KEYNES als
„fundamental-psychologisches Gesetz“. Der sinkende Durchschnittskonsum bei
steigendem Einkommen ist der Kern der keynesianischen Konsumfunktion

Sparfunktion S = – C a + ( 1 – c) x Y

Der Ausdruck 1–c = s wird als marginale Sparneigung bezeichnet


Ersparnis = Restgröße
Ob die Ersparnis in Form von Wertpapieren oder als Bargeld gehalten wird, spielt
hier noch keine Rolle
Geld- und Kreditmarkt folgt!!!!

 kurzfristige Betrachtungsweise bei KEYNES


 Arbeitsmarktes (Unterbeschäftigung)

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Das Einkommen-Ausgaben-Modell: Der Gütermarkt

Wie sich ein Gleichgewicht auf dem Gütermarkt ergibt


dass das geplante Güterangebot YS der geplanten Güternachfrage YD
YS = YD
gesamtwirtschaftliche Nachfrage aus der Konsumgüternachfrage C und der
Investitionsgüternachfrage I zusammen
Gleichgewichtsbedingung lautet
YS = YD = C + I

Setzen wir in diese Gleichgewichtsbedingung die keynesianische Konsumfunktion


ein
Investitionen als exogene Größe Y* = Ca + cY* + Ia

Je höher die modellexogenen Nachfragekomponenten Ca und Ia und je höher die


marginale Konsumneigung c desto höher der Wert des Gleichgewichtssozialprodukts
Y*

Die Höhe des Sozialprodukts hängt von der effektiven Nachfrage ab -> Ersichtlich

wenn man eine der autonomen Nachfragekomponenten ( Ca und Ia ) nach oben

verschiebt oder die Steigung der Funktion c ⋅ Y – d.h. die marginale Konsumneigung
– erhöht. Es gibt im Einkommens-Ausgaben-Modell nur ein einziges
Gleichgewicht, dass von der Nachfrage determiniert wird
Es ist keineswegs gesichert, dass das so bestimmte Güterangebot ausreicht, um das
vorhandene Arbeitsangebot überhaupt zu beschäftigen!

Ar beits- und Gütermarkt

Der Gütermarkt entscheidet nun über die effektive Nachfrage auch über die Höhe
des Sozialprodukts und beeinflusst damit auch den Arbeitsmarkt.
(wobei hier die Produktionsfunktion und die Arbeitsangebotsfunktion mit den
(neo)klassischen Funktionen identisch sind.)
-4-
Differenz zwischen Vollbeschäftigungsangebot und effektiver Nachfrage wird als
deflatorische Lücke bezeichnet, womit zum Ausdruck gebracht wird, dass in
dieser Situation wegen des Überangebots Preissenkungen zu erwarten sind.
Sofern die Nachfrage das Angebot übersteigt, d.h. für Produktionsniveaus kleiner Y*,
spricht man von einer inflatorischen Lücke, weil dann aus dem entsprechenden

Grund mit Preissteigerungen zu rechnen ist.

Folgt im Tutorium.........Es kommt zu der keynesianischen Unterbeschäftigung,

die überhaupt nichts mit der Höhe der Reallöhne zu tun hat und daher durch
Reallohnsenkungen auch nicht bekämpft werden kann. Eine zu geringe effektive
Nachfrage, ist für die Arbeitslosigkeit verantwortlich.

In der Neoklassik sorgt das Saysche Theorem (der Zinsmechanismus am


Kapitalmarkt) dafür, dass jedes Sozialprodukt ein gleichgewichtiges Sozialprodukt ist!
Da die hier abgeleitete Arbeitslosigkeit nicht durch zu hohe Reallöhne hervorgerufen
wird, handelt es sich um unfreiwillige Arbeitslosigkeit. Sinkt der Reallohn, so steigt
die Arbeitsnachfrage nicht, da die Gütermarktrestriktion bestehen bleibt.

 Beseitigung der Arbeitslosigkeit durch eine steigende öffentliche Nachfrage!

Der Multiplikator

grundsätzliche Möglichkeit zu seiner Beseitigung mitgeliefert: Investitionen.


Einfachste Möglichkeit ist eine Steigerung staatlicher Investitionen oder
Anregung priv. I durch Verbesserung der Abschreibungsmöglichkeiten, Senkung
des Zinssatzes, Verbesserung der Gewinnerwartungen
Wie stark das Sozialprodukt auf die Steigerung von I reagiert?
1
Aus Y = Ca + cY + I folgt ∆Y= (Ca + I)
1− c
eine dauerhafte Erhöhung der Investitionen zu einer umso größeren Erhöhung des
Sozialprodukts führt, je kleiner die marginale Sparneigung (s = 1-c) ist.

-5-
 im Ausgangszustand unfreiwillige Arbeitslosigkeit bestanden haben muss
(andernfalls treten Restriktionen durch die Angebotsseite auf, was KEYNES
gerade nicht untersuchen wollte!!!! 1930er Jahre Weltwirtschaftskrise – bitte selbst
nachlesen).

Ke ynesianische Investit ionsfunktione n

Investitionshöhe vom Vergleich des Marktzinssatzes mit der erwarteten Rentabilität


der Investitionsprojekte abhängt
Rentabilität eben nur eine erwartete und keine sichere Größe ist
Investition durch alle Faktoren beeinflusst, dazu können die Geld- und Fiskalpolitik
ebenso gehören wie die weltwirtschaftliche Lage usw. Investitionen nach
keynesianischer Auffassung nur schwer prognostizier- und steuerbar
in Krisensituationen nahe zu liegen scheint, die zu geringen privaten Investitionen
direkt durch öffentliche Investitionen zu kompensieren, anstatt das Investitionsklima
zu verbessern.
Nach keynesianische Auffassung nicht um vollständige Erklärungen, sondern nur um
Erklärungshilfen handeln kann!

Die zinselastische Investitionsfunktion

Investitionsfunktion ist eine fallende Funktion des Zinssatzes.


-> Bestimmung des internen Zinsfußes. Der abnehmende interne Zinsfuß, d. h. die
abnehmende Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals, kommt durch die unterschiedlich
rentablen Investitionsobjekte, die den UN zur Verfügung stehen, zustande.
Je höher der Marktzins i, desto weniger Investitionsobjekte erfüllen die
Bedingung, r > i, so dass die Anzahl durchgeführter Investitionsobjekte bei
steigendem Marktzins abnimmt. Auf diese Art erhält man wie in der klassisch-
neoklassischen Theorie eine zinselastische Investitionsfunktion. (Höherer Marktzins
-> UN legen ihr Geld anderweitig an!)

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Keine vollkommene Information über die Einzahlungen (Rendite) sondern nur
subjektive Erwartungsgröße! Investitionsfunktion kann daher großen (rational
mgl.weise nicht vollständig erklärbaren) Schwankungen unterworfen sein.

Das Akzeleratorprinzip

Die Akzeleratorhypothese der Investitionen beschreibt Investitionen in Abhängigkeit


von Nachfrageänderungen (wobei der Akzeleratorprozess dadurch ausgelöst wird,
dass die Unternehmen aus irgendwelchen Gründen mit einer zusätzlichen Nachfrage
(nach Konsumgütern) rechnen: I = ∆ K = f( ∆ Y)
wobei ∆ Y – analog zum internen Zinsfuß in der zinselastischen Investitionsfunktion –
eine erwartete Größe ist. Sofern man einen linearen Zusammenhang unterstellt,

∆K
v=
kann man das als ∆K = v ⋅ ∆Y bzw. ∆Y D

schreiben. Je höher v, desto stärker reagieren die Investitionen auf die erwartete
Nachfrageänderung, so dass v als Akzelerator (Beschleuniger) bezeichnet wird.

Kritische Beurteilung des Einkommens-Ausgaben-Modells

Da die Investitionen exogen sind, wird im Modell nicht die Möglichkeit in Betracht
gezogen, dass eine Erhöhung der staatlichen Investitionen möglicherweise zu einer
Verdrängung privater Investitionen (Crowding-Out) führen kann; beispielsweise weil
die Zinsen steigen (diese tauchen im Einkommens-Ausgaben-Modell genauso wie
der Geldmarkt gar nicht auf!) oder die Investoren Steuererhöhungen zur Deckung der
öffentlichen Ausgaben befürchten

Investitionen (Keynes)

Investitionen gehen als Güternachfrage in die VGR ein. Bei Keynes ist die Höhe der
Investition im wesentlichen vom Zins abhängig:

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I=f(i)

Für ihre Ermittlung und Beeinflussung sind wiederum (wie beim Konsum) die
geplanten Investitionen – genauer gesagt: der geplante Kapitalstock – die Zielgröße
der Unternehmen. Den geplanten Kapitalstock brauchen die Unternehmen, um eine
bestimmte Gütermenge zu produzieren. Die Zusammenhänge kennen wir ja noch
aus der Mikroökonomie. In einfachen Produktionsfunktionen hängt der Output eines
Unternehmens, einer Branche, einer Ökonomie von dem Beschäftigungsstand, dem
Kapitalbestand und dem Know How ab.

Die Höhe der Investition ist bei Keynes nicht gleich der Sparhöhe. Sie hängt vielmehr
von den Erwartungen der Unternehmer ab. Erwarten die Unternehmen eine gute
Verzinsung des Kapitals, so werden sie investieren. Gute Verzinsung ist definiert als
ein Ertrag des Kapitals, der höher ist, als der Marktzins. Das risikobehaftete
Investment muss mehr Ertrag bringen, als eine quasi sichere Anlage am
Kapitalmarkt.

Der Kapitalmarkt wird ganz wesentlich von der Politik der Notenbanken beeinflusst,
aber auch von dem staatlichen Budget. Verschuldet der Staat sich erheblich höher,
als seine Einnahmen das zulassen, steigt durch seine Nachfrage der Zins am
Kapitalmarkt. Insofern entsteht der crowding out Effekt. Die Investitionen der privaten
Wirtschaft werden erschwert, da viele positive unternehmerische
Investitionsentscheidungen an der Mindestverzinsung für staatliche Anleihen
scheitern.

Dem Zinssatz entspricht also ein gewisses Investitionsvolumen (siehe PPT Keynes
Grundmodell). Die Investition lässt sich in eine Höhe des Sozialproduktes
umrechnen. Es gibt aber keine funktionale Beziehung zwischen dem Sparen und der
Investition – jedenfalls noch nicht an dieser Stelle. Das Sparvolumen ist nicht von
dem Zinssatz abhängig.

Zum Volkseinkommen gehört eine Konsumhöhe, wie wir mit ökonometrischen


Methoden nachgewiesen haben. Da Konsum und Sparen komplementäre Größen
sind, ist dementsprechend aus dem Volkseinkommen ein Sparvolumen abzuleiten.

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Nun kombiniert man die beiden grafischen Darstellungen und erhält so ein
Sozialprodukt von der Nachfrageseite, das vom Zinssatz und vom Volkseinkommen
abhängig ist.

Man kann nicht umhin, diese Zusammenhänge als Tautologie zu bezeichnen. Die
Auflösung der Zusammenhänge in mehrere Bestimmungsgrößen, die wiederum
voneinander abhängig sind, gibt allerdings Hinweise auf Handlungsparameter des
Staates, bzw. der Wirtschaftspolitik. Das war letztlich Keynes’ Ziel. Er wollte die
staatlichen Aktivitäten beeinflussen, bzw. dem Staat die Möglichkeiten vor Augen
führen, die Wirtschaft zu gestalten.

J.M. Keynes hält c. p. alle Einflussfaktoren außer dem Zins konstant und deshalb
nimmt bei ihm die Investitionshöhe mit steigendem Zins ab. Die gesamte (geplante)
Nachfrage ist damit von dem Sozialprodukt und dem Zinssatz abhängig:

Y D = C (Y S ) + I (i ) .

Damit kommen wir wieder auf die Investitions- und Sparkurve zurück, die wir bereits
im Diagramm behandelt haben. Keynes nimmt sie lediglich in ihre zwei Bestandteile
auseinander. Das Sparen wird also ausschließlich als eine Funktion des
Nationaleinkommens und die Investition als eine solche des Zinssatzes dargestellt.

Der Verlauf der Investitionsfunktion hat eine erhebliche Bedeutung für die
wirtschaftliche Entwicklung. Reagieren die Unternehmen sehr stark auf Änderungen
der Zinssätze, so kann die Geldpolitik die Wirtschaftsentwicklung gestalten. Ist das
nicht der Fall, verläuft die Investitionskurve entsprechend flacher. Die
korrespondieren Volkseinkommen unterscheiden sich kaum voneinander und die IS-
Kurve ist eine Gerade.

Die IS-Kurve stellt Kombinationen von Einkommen und Zinssatz grafisch dar. Auf der
Kurve ist die Wirtschaft im Gleichgewicht, d.h. laut Keynes treffen die Erwartungen
der Wirtschaftssektoren überein. Die Pläne der Haushalte und Unternehmen sind im

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Einklang und werden ohne Reibungsverluste umgesetzt. Jede Kombination
außerhalb der Kurve ist ungleichgewichtig und verlangt nach Interventionen. Keynes
meint damit immer auch Interventionen des Staates.

Oberhalb der IS-Kurve ist S>I, d.h. die Wirtschaftssubjekte planen mehr zu sparen,
als zu investieren. Oder anders herum: die Haushalte wollen weniger konsumieren,
als die Unternehmen mit der Steigerung der Kapazitäten (über die Investitionen)
herstellen werden. Eine solche Schieflage in den Erwartungen führt zu einer
Einschränkung der Produktion bei den Unternehmen. Damit werden die
Produktionsfaktoren geringer entlohnt und die Haushalte verfügen über weniger
Einkommen. Folglich werden sie weniger sparen. Damit streben die Wirkungen zum
Ausgleich, weil bei sonst gleichen Randbedingungen (c.p.) das Sparvolumen auf die
Investitionsplanung sinkt.

In der modellhaften Überlegung muss sich allerdings die Sparquote ändern, denn
sonst würde mit sinkendem Einkommen auch der Konsum nachlassen.

Die Wirtschaftspolitik kann in dieser Situation mit einer Senkung der Zinsen
reagieren oder mit einer autonomen Nachfrageerhöhung des Staates. In den Fällen
stellt sich der höhere Konsum ein, der zu den geplanten Investitionen passt. Eine
Senkung der Zinsen führt zu einer höheren Investition, womit S=I bewirkt werden
kann. Diese Variante bringt aber eine offene Frage mit sich. Die steigenden
Investitionen werden zu einer Produktion von mehr Gütern führen (zumindest nach
Keynes). Die Wirtschaft hat also noch mehr Angebot als vorher und es bleibt zu
fragen, wie das höhere Angebot abgesetzt werden kann.

Keynes nennt die Situation S>I deflatorische Lücke, weil sie tendenziell zu sinkenden
Preisen führt; die aber trotzdem den Nachfrageausfall nicht kompensieren.

In anderer Richtung wirkt der Fall S<I. Er heißt folgerichtig auch inflatorische Lücke.
In dieser Entwicklung wird wenig gespart, d. h. mehr konsumiert. Die Nachfrageseite
treibt die Preise. Dadurch steigt aber auch das Volkseinkommen. Damit nimmt in
Umkehrung der oben schon besprochenen Situation das Sparvolumen wieder zu.
Das System bewegt sich in Richtung auf S=I. Eine Zinserhöhung der Zentralbank hat

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den gleichen Effekt und eine Einschränkung der Staatsnachfrage ebenfalls. Keynes
identifiziert also mindestens drei Parameter, die das System ins Gleichgewicht
bringen können. Die Bewertung und Auswahl zwischen diesen
Handlungsalternativen fällt der Wirtschaftspolitik zu.

Sie kann den Konsum in der Wirtschaft reduzieren oder über den höheren
Opportunitätszinssatz die Investitionen im Unternehmenssektor senken. Es ist für die
Unternehmen in diesem Fall nur noch in geringerem Umfang möglich, einen
garantiert hohen Zins zu übertreffen.

Die Modelle des John Maynard Keynes sind Bilder des Ungleichgewichts. Sie
vermitteln einen komparativ statischen Ansatz, der die Anpassungsprozesse
thematisiert. Insofern sind bei ihm verschiedene Multiplikatoren von Bedeutung.
Multiplikatoren fassen die Effekte zusammen, die sich mit jedem Durchlauf durch den
Kreis der Ökonomie wiederholen. So summieren sich die Ergebnisse in
abnehmenden Raten zu einem gesamten Effekt, dem sogenannten Multiplikator. Ein
einmaliger Anstoß bringt also eine vielfache Wirkung.

Investitionsmultiplikator

In Modellen nach Keynes gibt es Anpassungsdynamik, die aus einer verzögerten


Reaktion der Wirtschaftssubjekte resultiert. Wir haben eine solche Anpassung bereits
im Cob Web Theorem kennen gelernt. Es wird unterstellt, dass die Konsumausgaben
erst um eine Periode verzögert auf Einkommensveränderungen reagieren.
Kombiniert man das mit den Einflussmöglichkeiten der Wirtschaftspolitik, so kann
man die Wirkung einer einmaligen Erhöhung der Nachfrage auf die
Wirtschaftsleistung prognostizieren. Die Steuerung nach Keynes ist damit klar
nachfrageorientiert.

Im Prinzip kann man den Multiplikator auf alle Arten der Nachfrageerhöhung
anwenden (Privater Konsum, Investitionen, Staatsausgaben, Auslandsnachfrage). Im
folgenden wollen wir den Investitionsmultiplikator besprechen, wobei man unterstellt,

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dass eine autonome, z. B. vom Staat induzierte Ausgabenerhöhung für Investitionen
stattfindet.

Wir gehen von der Konsumgleichung aus, setzen nun aber den resultierenden
Konsum als Reaktion auf die Sozialproduktserhöhung durch Investitionen der
Vorperiode an:

C t = C 0 + c • Yt −1

Wir machen folgende Annahmen:

Die Investition sei kreditfinanziert und betrage 100 Mio. €. Die Grenzneigung zum
Konsum sei 0,8, entsprechend werde 0,2 des Einkommens gespart. Die anderen
Daten ergeben sich aus der Excel Tabelle.

Der Einkommenszuwachs entwickelt sich nach einer geometrischen Reihe. Für c<1

∆I
strebt die Reihe dem Grenzwert von zu. Im vorliegenden Rechenbeispiel dem
1− c
Wert von 500. Der Multiplikator ist in dem Fall = 5.

Der einfache Einkommensmultiplikator

Zur Ableitung des Multiplikators folgen wir exakt der zitierten Vorgehensweise
Keynes', notieren die einzelnen Schritte der Klarheit wegen in Gleichungen. Da sich
das Einkommen aus Konsum und Investitionen zusammensetzt, kann eine
Veränderung des Einkommens ΔY nur aus einer Veränderung des Konsums ΔC und
einer Veränderung der Investitionen ΔI bestehen:

[1] ΔY = ΔC + ΔI.

Das Verhältnis der Änderung des Konsums zur Änderung des Einkommens heißt
bekanntlich marginale Konsumquote:

Der Multiplikator

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[The marginal propensity to consume] is of considerable importance, because it tells
us how the next increment of output will have to be divided between consumption
and investment. For ΔYw = ΔCw + ΔIw, where Cw and Iw are the increments of
consumption and investment; so that we can write ΔYw = kΔIw, where 1 - 1/k is
equal to the marginal propensity to consume.

Let us call k the investment multiplier. It tells us that, when there is an increment of
aggregate investment, income will increase by an amount which is k times the
increment of investment.

[2] c = ΔC/ΔY.

Eingesetzt in [1] folgt

[3] ΔY = cΔY + ΔI

[4] ΔY - cΔY = ΔI

[5] (1-c) ΔY = ΔI

[6]

[7] ΔY = kΔI

Dabei ist 1-1/k gleich der marginalen Konsumquote c. Keynes nennt k den
Investitionsmultiplikator. Der Begriff Investitionsmultiplikator ist auch heute durchaus
üblich, meist spricht man aber vom Multiplikator oder einfachen
Einkommensmultiplikator. Gleichung [7] enthält eine bedeutsame Aussage:

Bei einem Multiplikator k steigt das gesamtwirtschaftliche Einkommen infolge eines


Anstiegs der Investitionen um das k-fache des Anstiegs der Investitionen.

Da die marginale Konsumquote als bekannt angenommen werden kann, lässt sich
der Wert des Multiplikators leicht berechnen:

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[8] .

Bei einer marginalen Konsumquote von 0,75 wäre der Multiplikator also 4. Oder
etwas weniger technisch formuliert: Wenn die Investitionen um eine Milliarde EUR
zunehmen, dann steigt die Produktion um vier Milliarden!

Das muss jeden Wirtschaftspolitiker elektrisieren, wenn er es zum ersten Mal hört -
... und versteht. Man muss "nur" einen Euro ausgeben, um das Einkommen um vier
Euro ansteigen zu lassen. Mal unterstellt, dass Steuern diesen Prozess nicht stören,
würde das bei einer Steuer auf das zusätzliche Einkommen (Grenzsteuer) in Höhe
von 25 Prozent ja bedeuten, dass man ein höheres Einkommen "für lau" bekäme.

Wir wollen für unser Zahlenbeispiel überlegen, in welchem Umfang die Investitionen
steigen, so dass das Vollbeschäftigungseinkommen YVB in Höhe von 1200 erreicht
wird. Mit den Parameterwerten Caut = 100, Iaut = 100 und c = 0,75 hatten wir ein
Gleichgewichtseinkommen in Höhe von

[9]

ermittelt. Es ist also eine Einkommenssteigerung ΔY von 400 erforderlich, um die


Nachfragelücke zu schließen. Wenn wir die Werte in Gleichung [6] einsetzen

[10] ,

finden wir die notwendige Veränderung der Investitionen

[11] ΔI = 100.

Der Staatsausgabenmultiplikator

Der Begriff Staatsausgabenmultiplikator wird im engeren Sinn für die multiplikativen


Wirkungen der Staatsausgaben in Modellen verwandt, die Staatsausgaben und -
einnahmen explizit berücksichtigen. Die Begrifflichkeit ist allerdings nicht ganz

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einheitlich. Mitunter wird auch der einfache Einkommensmultiplikator als
Staatsausgabenmultiplikator bezeichnet. Wenn man den Begriff weiter fasst, versteht
man unter dem Staatsausgabenmultiplikator auch die Wirkungen anderer autonomer
Ausgaben (private Investitionen, Konsum) in Gegenwart von Steuern und
Staatsausgaben auf das Gleichgewichtseinkommen sowie die Wirkungen einer
Veränderung der Steuern selbst. Im letzten Fall spricht man auch vom
Steuermultiplikator.

Die Vorgehensweise bei der Analyse des Staatsausgabenmultiplikators entspricht


denen beim einfachen Einkommens- und beim Exportmultiplikator. Als
Referenzmodell verwenden wir den einfachen Einkommensmultiplikator, d.h. wir
betrachten eine geschlossene Volkswirtschaft mit Staat.

Vom Staat nehmen wir an, dass er die Bürgerinnen und Bürger auf zwei Arten
besteuert. Zum einen erhebt er eine einkommensproportionale Steuer. Der
Steuersatz beträgt t. Bei einem Einkommen in Höhe von 1000 und einem Steuersatz
von 20 Prozent verbliebe den Bürgern ein verfügbares Einkommen in Höhe von Yv =
800.

Zum anderen besteuert der Staat die Bürger pauschal. Die Höhe der pauschalen
Steuer beträgt Taut. Mit dieser Variablen werden die Einnahmen des Staates erfasst,
die nicht vom Einkommen abhängig sind. Es muss sich dabei nicht um Steuern i.e.S.
handeln, sondern man kann darunter auch Gebühren und Beiträge fassen.

Die beiden Steuerarten vermindern das Einkommen Y um die Steuereinnahmen des


Staates (= tY+Taut). Den privaten Wirtschaftssubjekten verbleibt nach Abzug der
Steuern das verfügbare Einkommen Yv:

[1]

Dementsprechend muss an der Konsumfunktion eine kleine Modifikation


vorgenommen werden.

[2]

Die Investitionen seien weiterhin als autonom unterstellt:

- 15 -
[3]

Schließlich ändert sich die Gleichgewichtsbedingung zu

[4]

Wir verwenden hier die amerikanische Schreibweise und bezeichnen die


Staatsausgaben als G. Damit legen wir uns nicht von vornherein auf Konsum- CSt
oder Investitionsausgaben ISt des Staates fest und sparen ein bisschen
Schreibarbeit. Alternativ zu [4] hätten wir auch

[4a]

schreiben können.

Eine letzte Gleichung benötigen wir erst später,

[5] (Budgetausgleich, Definitionsgleichung),

wenn wir untersuchen, wie der Staatsausgabenmultiplikator sich verändert, wenn wir
vom Staat einen ausgeglichen Haushalt (in der laufenden Periode) fordern.
Zunächst verlangen wir dies aber - realistischerweise könnte man sagen - nicht.
Unser Modell besteht also aus den Gleichungen [1] bis[4].

Wir wollen überlegen, was passieren würde, wenn der Staat seine Einnahmen in
Form von Transfers Tr (z.B. Kindergeld) unmittelbar wieder an die Bürgerinnen und
Bürger auszahlt und sonst in keiner Weise in Aktion tritt. Für die Staatsausgaben soll
also gelten G = Tr. Die Transferzahlungen wären in Gleichung [1] für das verfügbare
Einkommen zu berücksichtigen, so dass

[6] .

Würde der Staat also Steuern erheben und diese als Transfers unmittelbar wieder an
die Haushalte zurückleiten, so hätte dies keine Effekte gegenüber unserem
Referenzmodell, da die Bevölkerung wieder über das ursprüngliche Einkommen Y
verfügen würde. Der Multiplikator wäre also weiterhin durch den Kehrwert der
marginalen Sparneigung gegeben.

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Das gilt allerdings nur unter der recht restriktiven Voraussetzung, dass die
Nettoempfänger der Transferzahlungen eine gleich hohe marginale Konsumneigung
haben wie die Netto-Zahler. In der Regel wird aber Folgendes gelten: Der Staat
besteuert vor allem die Hocheinkommenshaushalte ("double income, no kids") und
leitet die Transfers an die Niedrigeinkommenshaushalte (z.B. in Form von
Kindergeld) weiter. Da die Hocheinkommenshaushalte im Schnitt eine geringere
Konsumneigung haben werden als die Transfereinkommensbezieher, nimmt die
gesamtwirtschaftliche Konsumneigung durch die Umverteilung zu.

Insofern kann man von der Umverteilung kurzfristig einen expansiven Impuls
erwarten, da die Nachfrage belebt wird. Auf mittlere bis lange Sicht wären aber auch
die allokativen Wirkungen zu berücksichtigen. Sowohl für die
Nettotransferempfänger als auch für die Nettozahler wird das Arbeitsangebot
unattraktiver - in einer politischen Diskussion würde man formulieren, dass die
Umverteilung die Leistungsbereitschaft der Bevölkerung gefährdet. Die
Transferempfänger riskieren ihre Transfers, wenn sie höhere Einkommen erzielen,
was unter Umständen zu freiwilliger Arbeitslosigkeit führt ("soziale Hängematte",
"Leistungsmissbrauch"). Diejenigen, die die Transfers aufbringen, leiden unter den
hohen (Grenz)Steuersätzen. Freizeit wird relativ zur Arbeit für sie attraktiver.

Um diese Effekte auszuschalten sei im Folgenden angenommen, dass der Staat


keine Transfers zahlt, sondern selbst Nachfrage nach öffentlichen Gütern
entwickelt.

Durch Einsetzen von [1], [2] und [3] in die Gleichgewichtsbedingung [4] lässt sich
durch einfaches Umstellen der Terme das Gleichgewichtseinkommen

[7]

berechnen; wegen des Terms ct mit folgendem Ergebnis:

Der Staatsausgabenmultiplikator bleibt hinter dem einfachen


Einkommensmultiplikator zurück

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[8] und fällt mit der Höhe des Steuersatzes.

Gleichung [7] ist maussensitiv, so dass Sie den Staatsausgabenmultiplikator direkt


mit dem Multiplikator des Referenzmodells vergleichen können.

Der geringere Wert des Staatsausgabenmultiplikators ist inhaltlich auf die


Verminderung des verfügbaren Einkommens durch die proportionale Steuer
zurückzuführen. Von im Einkommenskreislauf generierten 100 Euro zusätzlichem
Einkommen würden die Bürgerinnen und Bürger bei einer marginalen Konsumquote
von 0,75, wenn sie nicht besteuert würden, 75 Euro für Konsum ausgeben. Bei
einem Steuersatz von 20 Prozent, stünden ihnen netto anstatt 100 aber nur 80 Euro
zusätzliches Einkommen zur Verfügung, so dass der zusätzlich induzierte Konsum
auf 60 Euro fallen würde ( = (1 - 0.2)*100*0.75). In diesem Zahlenbeispiel fiele der
Multiplikator von 4 im Referenzmodell auf 2,5 im Modell mit Staat:

[9]

Staatseinnahmen und -ausgaben

Zwar sind auch andere konjunkturpolitische Szenarien denkbar, doch der Staat wird
in der Regel um einen gewissen Budgetausgleich bemüht sein. Wenn er seine
Ausgaben erhöht oder senkt, wird er versuchen, die Einnahmen entsprechend zu
erhöhen oder zu senken. Wir wollen betrachten, was passiert, wenn der Staat eine
Ausgabensteigerung um einen Euro durch eine Anhebung der autonomen Steuern
um einen Euro finanziert.

Für die Ausgabensteigerung haben wir nach [7] einen expansiven multiplikativen
Effekt in Höhe von

[10]

Zugleich kommt es durch die Anhebung der autonomen Steuer aber zu einem
kontraktiven Effekt:

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[11]

Da die marginale Konsumquote kleiner als eins ist, ist der expansive Effekt in [10]
größer als der kontraktive Effekt in [11]. Grund ist, dass die "Injektionen" in den
Kreislauf die "Sickerverluste" übersteigen. Wenn der Staat den Bürgern pauschal
einen Euro nimmt, geht die Nachfrage um den Betrag der marginalen Konsumquote
zurück. Der Staat selbst - das haben wir gerade unterstellt - gibt den Euro aber voll
wieder aus. Insgesamt nimmt die Nachfrage also zu.

Zugleich macht diese Überlegung deutlich, dass Einnahmen, die überwiegend zur
Konsolidierung des Haushalts verwandt werden, kontraktiv wirken. Würde der Staat
von dem autonomen Steuer-Euro einen geringeren Anteil ausgeben als die
marginale Konsumquote, so würde er die gesamtwirtschaftliche Nachfrage
offensichtlich bremsen. Die stärkste Bremswirkung träte natürlich ein, wenn er die
Steuer ausschließlich zum Schuldenabbau einsetzen würde.

Die eben gemachten Ausführungen können Sie mit Hilfe der interaktiven Tabelle 1
nachrechnen. Wir unterstellen einen proportionalen Einkommensteuersatz t von 20
Prozent und erheben momentan keine autonomen Steuern. Die Staatsausgaben
betragen 120. Mit Hilfe des Formelwerks auf dieser Seite können Sie nachrechnen,
dass das Gleichgewichtseinkommen 800 beträgt. 20 Prozent davon, also 160,
schöpft der Staat als Steuer ab. Da seine Ausgaben nur 120 betragen, spart der
Staat 40. Zusammen mit dem Sparen der Haushalte in Höhe von 60 finden wir die
Gleichgewichtsbedingung I=S erfüllt.

Wenn Sie nun im Feld G die Staatsausgaben um "1 Euro" erhöhen und die Tabelle
anschließend "aktualisieren", werden Sie einen multiplikativen Effekt in Höhe von

[10a]

feststellen. Anschließend erhöhen Sie die autonomen Steuern um "1 Euro". Der
kontraktive Effekt beträgt

[11a] .

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Wie erwartet kommt es also insgesamt zu einer Einkommenserhöhung, die sich wie
folgt erklären lässt: Durch die Erhöhung der autonomen Steuer um einen Euro geht
die Nachfrage der Haushalte nach Konsumgütern nach Maßgabe der marginalen
Konsumquote um 0,75 zurück. Da der Staat die Steuereinnahme aber voll wieder
verausgabt, steigt die Nachfrage um einen Euro an, so dass es netto zu einem
Anstieg der Nachfrage um 0,25 Euro kommt. Auf diesen Nachfrageanstieg wirkt der
Multiplikatoreffekt und der Gesamteffekt in Höhe von 0,625 (= 2,5 * 0,25) entspricht
der Differenz der Ergebnisse in [10a] und [11a].

Selbstverständlich können Sie auch andere Szenarien mit der Tabelle durchspielen.
So simulieren Sie den einfachen Einkommensmultiplikator, indem Sie die
Steuervariablen und die Staatsausgaben auf null setzen. Oder Sie setzen die
autonomen Steuern auf einen negativen Wert, um einkommensunabhängige
Transferzahlungen an die Haushalte zu simulieren.

Das Haavelmo-Theorem

Für eine sehr spezifische Konstellation führt der eben behandelte Fall zu einem auf
den ersten Blick verwunderlichen Ergebnis, das unter dem Namen Haavelmo-
Theorem in die Literatur eingegangen ist:

Bei ausgeglichenem Staatshaushalt und ausschließlich autonomen Steuern steigt


das Einkommen um die Erhöhung der Staatsausgaben.

Zum Nachweis berechnen wir das Gleichgewichtseinkommen für ein ausgeglichenes


Staatsbudget aus [1] bis [5]:

[12]

Die Staatsausgaben G tauchen in diesem Ausdruck nicht mehr auf, da sie für jedes
Einkommen durch Taut und t bestimmt sind. Der multiplikative Effekt einer Erhöhung
der Staatseinnahmen (und - ausgaben) beträgt damit bei ausgeglichenem Budget

[13]

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Dieser Multiplikator ist für Steuersätze unter 100 Prozent , wie man leicht überprüfen
kann, positiv - also faktisch immer.

Der theoretisch interessante, aber praktisch unbedeutende Fall des Haavelmo-


Theorems tritt ein, wenn man den Steuersatz auf null setzt:

[14]

Die Multiplikatorwirkung der Anhebung der Pauschalsteuer ist 1 und damit gleich
dem Steuerbetrag selbst. Erklären kann man den Effekt wie folgt: Der Staat nimmt
den Bürgern einen Euro weg. Dadurch fällt Konsumnachfrage in Höhe von c aus. Der
Staat gibt den Euro aber vollständig aus. Dadurch steigt die Nachfrage um 1. Saldiert
man beide Effekte, verbleibt netto eine Zunahme der Nachfrage um (1-c) bzw. um die
marginale Sparquote s. Der Multiplikator ist ohne proportionale Steuer aber gleich
dem Kehrwert der marginalen Sparquote - und s multipliziert mit 1/s ergibt 1. Das
funktioniert jedoch nur unter den bereits genannten restriktiven Bedingungen. Ein
Steuersystem, in dem die Steuern vollkommen einkommensunabhängig erhoben
werden, ist aber kaum vorstellbar. Zudem dürfte die Steuererhebung weder die
marginale Konsumquote beeinflussen, d.h. keine Umverteilungseffekte auslösen (
s.o.), und die Ausgaben des Staates für öffentliche Güter dürften das
Konsumverhalten der privaten Wirtschaftssubjekte ebenfalls nicht tangieren. Das tun
sie aber, da z.B. die Nachfrage nach Swimmingpools sinkt, wenn die Gemeinden
Schwimmbäder eröffnen.

Um das Haavelmo-Theorem "experimentell" zu erkunden, setzen Sie in der Tabelle


den Steuersatz, die autonomen Steuern und die Staatsausgaben auf Null. Klicken
Sie anschließend zwei mal auf "Aktualisieren", um den Änderungsbetrag der
Einkommen auf null zu setzen. Erhöhen Sie jetzt die autonomen Steuern und die
Staatsausgaben um denselben Betrag. Beobachten Sie, um welchen Betrag das
Gleichgewichtseinkommen steigt.

Der Steuermultiplikator

Abschließend wollen wir untersuchen, wie eine Erhöhung des Steuersatzes auf das
Gleichgewichtseinkommen wirkt. Dazu differenzieren wir unter Anwendung der

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Quotientenregel [(u/v)'= (u'v-v'u)/v2] das in Gleichung [7] bestimmte
Gleichgewichtseinkommen Y* nach t und finden:

[15]

Die blaue Hervorhebung soll verdeutlichen, dass der Ausdruck für das
Gleichgewichtseinkommen [7] in der Ableitung enthalten ist, weswegen sich der Term
auf die kurze Form nach dem zweiten Gleichheitszeichen bringen lässt. Der
Steuermultiplikator ist negativ. Er hängt sowohl von der Steuerhöhe als auch vom
Einkommen ab (die etwas interessantere Elastizität des Einkommens bezüglich der
Steuer allerdings ist nicht niveauabhängig).

Da eine Anhebung des Steuersatzes das Gleichgewichtseinkommen fallen lässt,


kann man die für eine gewünschte Zunahme der Staatseinnahmen notwendige
Steuersatzerhöhung nicht durch einen einfachen Dreisatz berechnen. Es ist zu
bedenken, dass die Bemessungsgrundlage sinken wird, m.a.W.: die
Steuereinnahmen reagieren auf den Steuersatz nicht mit einer Elastizität von 1 (s.a.
das mikroökonomische Pendant). Wenn man über das Modell hinausreichende, z.B.
psychologische Erklärungen bemüht, mag der Effekt so groß sein, dass eine
Steuersatzanhebung die Steuereinnahmen sinken lässt. Im hier betrachteten Modell
ist diese Interpretation, die Ihnen evtl. schon unter dem Begriff Laffer-Kurve
begegnet sein mag, allerdings nicht darstellbar. Steuersatzsenkungen führen immer
zu verminderten Steuereinnahmen.

Auch dieses Ergebnis lässt sich mit der interaktiven Tabelle "verifizieren". Wählen Sie
durch Zurücksetzen die Ausgangssituation. Setzen Sie die Nachkommastellen auf 4
und aktualisieren die Tabelle. Erhöhen Sie nun den Steuersatz von 20 auf 21 Prozent
(t = 0,21). Das Ergebnis muss - wegen der Nichtlinearität des Problems allerdings
nur etwa -

[15a]

entsprechen.

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